Blick ins Buch

Romane

Zeiten der Langeweile

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Über das Buch

Jenifer Beckers Debüt über eine Auszeit von der digitalen Welt ist „eine literarische Granate, die ich gerne mit Schwung ins Silicon Valley werfen würde." (Philipp Winkler) Mila, dreißig, geht offline. Zu groß ist plötzlich die Angst vor der öffentlichen Sichtbarkeit. Jede gelöschte Spur im Netz ist ein Akt der Befreiung, gleichzeitig gelingt es Mila nicht, sich einzureden, dass die neue Yogaroutine erfüllender ist als der morgendliche Smartphonecheck. Die nostalgisch wiederentdeckte Langeweile wird schnell zu tiefer Einsamkeit. Sie teilt ihr Leben nicht mehr, aber niemand teilt es jetzt so richtig mit ihr, seit ihr Lebensstil mehr Gemeinsamkeiten mit dem von Emily Dickinson als dem ihrer alten Freundinnen hat. Doch der Drang, den schwerelosen Zustand vollkommenen Verschwindens zu erreichen, wird immer zwanghafter. Das Debüt einer Stimme, die mit hypnotischer Genauigkeit unsere Welt beschreibt und subtil mit der Sehnsucht nach Freiheit spielt.

Editionen (3)

ISBN9783446278868
VerlagHanser Berlin in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG
Erscheinungsdatum21.08.23
Seitenzahl240

Rezensionen & Bewertungen

82 Bewertungen

22 Rezensionen

3,3

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  • yaduria1982
    yaduria1982

    269 Follower

    Wie lösche ich das Internet

    Das war mal ein interessantes Buch. Die Ich-Erzählerin Mila ist 34 alt, bald arbeitslos und beschließt zuerst sich von Social Media zu entfernen. Sie löscht alle Accounts, die sie besitzt. Dann geht sie weiter und versucht ihre Internetauftritte nach und nach zu eliminieren. Dann kapselt sie sich völlig ab und driftet ins Krankhafte ab. Sie merkt, wie sie sich immer mehr isoliert. Sie hat zu nichts mehr Lust, weiß mit ihrer Zeit nichts anzufangen. Er Titel des Buches trifft es gut. Der Roman spielt in Zeiten der Corona Pandemie. Der Bruder der Erzählerin glaubt an Verschwörungstheorien. Und insgesamt hat man sich das Gefühl, dass die Erzählerin dafür empfänglich ist und zumindest eine gewisse depressive Tendenz hat. Eine interessante Betrachtungsweise über das Thema digitale Abhängigkeit insgesamt und die Auswirkung, wenn diese Dellen im speziellen. Ein gelungenes Autorendebut.

    5. Feb. 2026

  • weinphilosoph
    weinphilosoph

    578 Follower

    4,0

    Eigentlich das, was mir Social Media früher jeden Tag gegeben hatte, bis es sich irgendwann in ein Teratom mit Zähnen und Haaren verwandelt hatte, das mich von innen aufzufressen drohte.

    Die Reise, auf die Jenifer Becker uns in Zeiten der Langeweile mitnimmt, könnte kaum bemerkenswerter sein. Wir werden mit der digitalen Vollkommenheit konfrontiert, in der wir uns schon vor ein paar Jahren befunden haben und weiterhin befinden. Mit Mila, der Protagonistin, konnte ich mich anfangs gut identifizieren. Sie begann, ihr digitales Ich zu löschen und es schwang eine Kritik an der verlorenen Privatsphäre im Internet mit. Kürzlich habe ich auch begonnen, meine digitalen Fußabdruck zu verkleinern und bewusster mit meinen Daten umzugehen. Dieser Weg wurde in Zeiten der Langeweile jedoch immer radikaler bis hin zu einem Nomaden-ähnlichen Leben, spannender wurden die persönlichen Verwicklungen des sozialen Umfeldes, welche sehr kritisch auf die sozialen Eigenheiten von Mila reagierten, wenn man jemanden nicht mehr über WhatsApp erreicht, sich nichts bei Paypal transferieren oder Memes bei Insta, TikTok etc. senden kann. Das Gedankenexperiment ist auf jeden Fall lohnenswert und jede lesende Person kann hierbei seinen eigenen digitalen Fußabdruck hinterfragen und wie gut man ohne Internet selbst leben könnte. Denn auch in dem Roman scheint immer wieder durch, dass es vollkommen analog heutzutage eigentlich nicht mehr möglich ist und Mila sich punktuell wieder in das digitale Leben zurückwählen musste. Hauptsächlich in der persönlichen Kommunikation. Wären die Einschnitte nicht so radikal gewesen und sich im Hinblick auf den Zeitpunkt der Geschehnisse inmitten der Corona-Pandemie auch viel im Spektrum der Verschwörungsmythologien abspielte und viel überdramatisiert wurde, hätte das Buch vielleicht sogar eine volle Punktzahl erhalten können. Denn auch die gesellschaftlichen Konflikte während der Corona-Pandemie stehen in einzelnen Kapiteln im Vordergrund und man kann beim Lesen nur froh sein, dass sich die gesellschaftliche Debatte weitestgehend normalisiert hat - jedenfalls in Bezug auf Gesundheitsfragen.

    24. Juli 2025

  • vivabtown
    vivabtown

    98 Follower

    2,0

    Mit diesem Buch habe ich mich richtig schwer getan. Mila die komplett Offline geht. Lediglich die Neugierde, ob sie am Ende wieder zu alten Gewohnheiten zurückkehren würde, hat mich durchhalten lassen. Leider keine Leseempfehlung.

    22. Jan. 2024

3 von 22 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Jenifer Becker

Jenifer Becker, geboren 1988, arbeitet als Autorin, Kulturwissenschaftlerin und bildende Künstlerin. Sie studierte Kreatives Schreiben am Literaturinstitut Hildesheim, wo sie seit 2015 lehrt und forscht. In ihrer Arbeit befasst sie sich mit Ambivalenzen digitaler Kulturen. Sie lebt in Berlin. Zeiten der Langeweile (2023) ist ihr Debütroman.

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