Das Weltereignis: Salman Rushdie erzählt die Geschichte des Attentats auf ihn und schafft daraus große Literatur
Im August 2022 wird Salman Rushdie während einer Lesung auf offener Bühne mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt. Mehr als dreißig Jahre nachdem das iranische Regime wegen seines Romans »Die satanischen Verse« eine Fatwa gegen ihn ausgesprochen hat, holt ihn die Bedrohung ein. Salman Rushdie überlebt den Anschlag und hält seinem Angreifer das schärfste Schwert entgegen: Er verarbeitet diese unvorstellbare Tat, die die ganze Welt in Atem hielt, zu einer Geschichte über Angst, Dankbarkeit und den Kampf für Freiheit und Selbstbestimmung.
»Knife« ist Salman Rushdies persönlichstes Werk, dringlich und unerschütterlich ehrlich. Eine lebensbejahende Hymne an die Macht der Literatur, dem Undenkbaren einen Sinn zu geben.
Mitreißendes Buch über das Attentat auf ihn, man erfährt, was wann passiert ist und wie es sich angefühlt hat, hilflos und verletzt im wahrsten Sinne des Wortes am Boden zu liegen. Teilweise extrem gefühlsbetont, manchmal schon etwas übertrieben (pro Seite betont er gefühlt zigmal, dass er seine Frau über alles liebt und sie ihn auch über alles liebt). Auf den Teil, in dem er ein fiktives Gespräch mit dem Attentäter führt, hätte ich gut verzichten können, zumal er ihm anfangs gar nicht viel Raum geben wollte. Alles in allem lesenswert, wenn auch mit längeren Passagen, die man querlesen kann.
9. Nov. 2025
4,0
Interessant, aber mit vielen Längen
Mitreißendes Buch über das Attentat auf ihn, man erfährt, was wann passiert ist und wie es sich angefühlt hat, hilflos und verletzt im wahrsten Sinne des Wortes am Boden zu liegen. Teilweise extrem gefühlsbetont, manchmal schon etwas übertrieben (pro Seite betont er gefühlt zigmal, dass er seine Frau über alles liebt und sie ihn auch über alles liebt). Auf den Teil, in dem er ein fiktives Gespräch mit dem Attentäter führt, hätte ich gut verzichten können, zumal er ihm anfangs gar nicht viel Raum geben wollte. Alles in allem lesenswert, wenn auch mit längeren Passagen, die man querlesen kann.
Kaum hat mich ein Buch so ambivalent zurückgelassen wie dieses.
Salman Rushdie hat mein vollstes Mitgefühl, sowohl für das Leben im Untergrund aufgrund der Fatwa, die 1989 vom damaligen obersten Führer des Iran, Ruhullah Chomeini verhängt wurde und bis heute besteht, als auch für den tatsächlichen Mordversuch am 12.08.2022 durch einen islamischen Attentäter, der 27 Sekunden lang mit einem Messer auf Salman Rushdie einstach und ihn lebensgefährlich verletzte. Er nimmt uns hier mit auf seinen Weg bis zur Heilung und zudem der Aufarbeitung dieses Traumas. Er macht dies äusserst direkt und detailreich, wischt die Schranken der Intimität beiseite und lässt uns teilhaben an diesem schwierigen Unterfangen, beschönigt hier nichts und bringt zudem trotz der Schwere des Themas noch einiges an Eigenhumor auf. Meinen grossen Respekt dafür.
Warum also nun diese Ambivalenz. Ich habe mich beim Hören immer wieder recht unwohl gefühlt und konnte nicht genau benennen, was wohl der Grund dafür sein könnte.
Wir kommen der Person Rushdie sehr nahe, eben auch, weil er diese Nähe zulässt, sie einem beinahe aufzwingt. Und dennoch blieb er mir seltsam fern, trotz diese Intimität scheint er mir dennoch fremd, als würde er so gar nicht (zu mir) passen.
Er beruft, ja konzentriert sich nach seiner beinahe tödlichen Verletzung auf die Liebe zu seiner derzeitigen Ehefrau Rachel Eliza Griffiths und seinen zahlreichen Freunden. Zwar benennt Rushdie hier die Wichtigkeit dieser Liebe bei seiner Genesung, es bleibt aber ein „Benennen“ und die Liebe ist für mich darüber hinaus kaum spürbar. Dafür, dass dies Buch von vielen Lesern und Kritikern als „Buch der Liebe“ gelobhudelt wurde, erwarte ich schon ein bisschen mehr Transferfähigkeit. Ein Mensch, der schwer verletzt ist wird sich zwangsläufig die Unterstützung seiner Lieben suchen, es kann und wird zu einem sicheren Ort, der so wichtig, aber auch eine natürliche Copingstrategie darstellt. Eine ganz normale, menschliche Regung.
Die Aussage des Autoren, dass kein Mensch der liebt fähig ist zu morden, ist schnell zu widerlegen und unterstreicht nur den Hang des Autoren, manches doch sehr stark zu vereinfachen.
Es wird so dargestellt, dass Rushdie sich anstatt für Rache und Hass als Reaktion für die Liebe entschieden hat. Dies ist sicher eine Leistung. Nach meiner Ansicht verbirgt Rushdie aber auch seine Rachegelüste geschickt und dennoch auffindbar im Buch, wenn man nur hinschaut. Ich wundere mich, dass es so wenige Leser gesehen haben oder erwähnen.
Worum geht es?
Es ist eine gute und richtige Praxis von Traumaverarbeitung, in einen inneren Dialog mit dem Täter zu treten, ihm Fragen zu stellen und sich natürlich auch die Antworten vorzustellen. Vorzustellen! Hier wird darüber geschrieben, es wird veröffentlicht. Die Fragen stellt Rushdie, aufgrund seinem Wissen über den Islam und seiner Radikalisierung, aber auch aus seiner sehr kritischen Haltung zu Religionen überhaupt. Die Antworten auf die Fragen werden dem Täter in den Mund gelegt, es entsteht ein fast ungleicher Monolog, den der Täter schon zu Beginn verloren hat, ja verlieren muss. Diesen Dialog, sei er auch als „innerlicher“ benannt zu veröffentlichen verletzt mein Verständnis von Ethik. Nur weil jemand ein schweres Verbrechen begangen hat, kann man ihm nicht jegliche Persönlichkeitsrechte entziehen, leider auch das Opfer nicht und schon gar kein renommierter und vielbeachteter Autor.
Die zum Teil sehr verständliche Abwertung des Täters geht sogar soweit, dass Rushdie den Täter zu verhöhnen beginnt, dass er nicht einmal einen simplen Mord eines „schwachen alten Mannes“ hinbekommt. Wenn ich auch verstehen kann, warum der Autor dies tun muss geht es über meine Schmerzgrenze, davon zu lesen.
Wir gelangen durch einen oft referierenden, sich permanenten aufwertenden Autoren (wen der alles kennt, was er alles gelesen hat!) erneut in einen Vortrag über die Gefährlichkeit von Religionen, die wenn schon nicht verboten, dann nicht institutionalisiert werden sollte. Religion ist Privatsache, sollte jeder zuhause ausüben. Das Religion von der Gemeinschaft, dem Austausch und auch von Diskussionen lebt, scheint Hr. Rushdie nicht zu wissen oder nicht wissen zu wollen.
Also ein ambivalentes Buch, was mich sehr bewegen, aufwühlen und auch unerwartet verärgern konnte.
Mein persönliches Fazit ist? Rushdie passt nicht zu mir.
13. Aug. 2025
2,5
Faust in der Tasche
Kaum hat mich ein Buch so ambivalent zurückgelassen wie dieses.
Salman Rushdie hat mein vollstes Mitgefühl, sowohl für das Leben im Untergrund aufgrund der Fatwa, die 1989 vom damaligen obersten Führer des Iran, Ruhullah Chomeini verhängt wurde und bis heute besteht, als auch für den tatsächlichen Mordversuch am 12.08.2022 durch einen islamischen Attentäter, der 27 Sekunden lang mit einem Messer auf Salman Rushdie einstach und ihn lebensgefährlich verletzte. Er nimmt uns hier mit auf seinen Weg bis zur Heilung und zudem der Aufarbeitung dieses Traumas. Er macht dies äusserst direkt und detailreich, wischt die Schranken der Intimität beiseite und lässt uns teilhaben an diesem schwierigen Unterfangen, beschönigt hier nichts und bringt zudem trotz der Schwere des Themas noch einiges an Eigenhumor auf. Meinen grossen Respekt dafür.
Warum also nun diese Ambivalenz. Ich habe mich beim Hören immer wieder recht unwohl gefühlt und konnte nicht genau benennen, was wohl der Grund dafür sein könnte.
Wir kommen der Person Rushdie sehr nahe, eben auch, weil er diese Nähe zulässt, sie einem beinahe aufzwingt. Und dennoch blieb er mir seltsam fern, trotz diese Intimität scheint er mir dennoch fremd, als würde er so gar nicht (zu mir) passen.
Er beruft, ja konzentriert sich nach seiner beinahe tödlichen Verletzung auf die Liebe zu seiner derzeitigen Ehefrau Rachel Eliza Griffiths und seinen zahlreichen Freunden. Zwar benennt Rushdie hier die Wichtigkeit dieser Liebe bei seiner Genesung, es bleibt aber ein „Benennen“ und die Liebe ist für mich darüber hinaus kaum spürbar. Dafür, dass dies Buch von vielen Lesern und Kritikern als „Buch der Liebe“ gelobhudelt wurde, erwarte ich schon ein bisschen mehr Transferfähigkeit. Ein Mensch, der schwer verletzt ist wird sich zwangsläufig die Unterstützung seiner Lieben suchen, es kann und wird zu einem sicheren Ort, der so wichtig, aber auch eine natürliche Copingstrategie darstellt. Eine ganz normale, menschliche Regung.
Die Aussage des Autoren, dass kein Mensch der liebt fähig ist zu morden, ist schnell zu widerlegen und unterstreicht nur den Hang des Autoren, manches doch sehr stark zu vereinfachen.
Es wird so dargestellt, dass Rushdie sich anstatt für Rache und Hass als Reaktion für die Liebe entschieden hat. Dies ist sicher eine Leistung. Nach meiner Ansicht verbirgt Rushdie aber auch seine Rachegelüste geschickt und dennoch auffindbar im Buch, wenn man nur hinschaut. Ich wundere mich, dass es so wenige Leser gesehen haben oder erwähnen.
Worum geht es?
Es ist eine gute und richtige Praxis von Traumaverarbeitung, in einen inneren Dialog mit dem Täter zu treten, ihm Fragen zu stellen und sich natürlich auch die Antworten vorzustellen. Vorzustellen! Hier wird darüber geschrieben, es wird veröffentlicht. Die Fragen stellt Rushdie, aufgrund seinem Wissen über den Islam und seiner Radikalisierung, aber auch aus seiner sehr kritischen Haltung zu Religionen überhaupt. Die Antworten auf die Fragen werden dem Täter in den Mund gelegt, es entsteht ein fast ungleicher Monolog, den der Täter schon zu Beginn verloren hat, ja verlieren muss. Diesen Dialog, sei er auch als „innerlicher“ benannt zu veröffentlichen verletzt mein Verständnis von Ethik. Nur weil jemand ein schweres Verbrechen begangen hat, kann man ihm nicht jegliche Persönlichkeitsrechte entziehen, leider auch das Opfer nicht und schon gar kein renommierter und vielbeachteter Autor.
Die zum Teil sehr verständliche Abwertung des Täters geht sogar soweit, dass Rushdie den Täter zu verhöhnen beginnt, dass er nicht einmal einen simplen Mord eines „schwachen alten Mannes“ hinbekommt. Wenn ich auch verstehen kann, warum der Autor dies tun muss geht es über meine Schmerzgrenze, davon zu lesen.
Wir gelangen durch einen oft referierenden, sich permanenten aufwertenden Autoren (wen der alles kennt, was er alles gelesen hat!) erneut in einen Vortrag über die Gefährlichkeit von Religionen, die wenn schon nicht verboten, dann nicht institutionalisiert werden sollte. Religion ist Privatsache, sollte jeder zuhause ausüben. Das Religion von der Gemeinschaft, dem Austausch und auch von Diskussionen lebt, scheint Hr. Rushdie nicht zu wissen oder nicht wissen zu wollen.
Also ein ambivalentes Buch, was mich sehr bewegen, aufwühlen und auch unerwartet verärgern konnte.
Mein persönliches Fazit ist? Rushdie passt nicht zu mir.
Rushdie verarbeitet mit diesem Buch das Mordattentat auf ihn, bei dem er ein Auge und die Bewegungsfähigkeit seiner Schreibhand verlor.
Klug und durchaus spannend zu lesen erzählt er von seiner langsamen Genesung und nimmt den Leser in einem fiktiven Dialog in die Gedankenwelt des Attentäters mit.
Sehr erhellendes Buch, wenn man die Beweggründe von islamistisch motivierten Attentätern und die Gefühle der Opfer nachvollziehen will.
Sehr lesenswert
Vor über 30 Jahren wurde gegen den Autor ein Todesurteil verhängt, weil er mit einem Buch angeblich religiöse Gefühle verletzt hatte. Sein Mörder bekomme einen besonderen Platz im Paradies lautete der Irrglaube.
Welcher Gott, so es denn einen gibt, ist so schwach, dass er nicht mit Satire umgehen kann?
An einer Stelle im Buch bezeichnet der Autor die Welle der islamistisch geprägten Attentate als Krebsgeschwür einer Religion.
Wo er recht hat hat er recht.
1. März 2025
5,0
Rushdie verarbeitet mit diesem Buch das Mordattentat auf ihn, bei dem er ein Auge und die Bewegungsfähigkeit seiner Schreibhand verlor.
Klug und durchaus spannend zu lesen erzählt er von seiner langsamen Genesung und nimmt den Leser in einem fiktiven Dialog in die Gedankenwelt des Attentäters mit.
Sehr erhellendes Buch, wenn man die Beweggründe von islamistisch motivierten Attentätern und die Gefühle der Opfer nachvollziehen will.
Sehr lesenswert
Vor über 30 Jahren wurde gegen den Autor ein Todesurteil verhängt, weil er mit einem Buch angeblich religiöse Gefühle verletzt hatte. Sein Mörder bekomme einen besonderen Platz im Paradies lautete der Irrglaube.
Welcher Gott, so es denn einen gibt, ist so schwach, dass er nicht mit Satire umgehen kann?
An einer Stelle im Buch bezeichnet der Autor die Welle der islamistisch geprägten Attentate als Krebsgeschwür einer Religion.
Wo er recht hat hat er recht.
1. März 2025
3 von 34 Rezensionen
Autorin / Autor
Über Salman Rushdie
Salman Rushdie, 1947 in Bombay geboren, ging mit vierzehn Jahren nach England und studierte später in Cambridge Geschichte. Mit seinem Roman »Mitternachtskinder«, für den er den Booker Prize erhielt, wurde er weltberühmt. 1996 wurde ihm der Aristeion-Literaturpreis der EU für sein Gesamtwerk zuerkannt. 2007 schlug ihn Königin Elizabeth II. zum Ritter. 2022 ernannte ihn das deutsche PEN-Zentrum zum Ehrenmitglied. 2023 wurde er mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.