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Romane

Der Kaiser der Freude

4,0(199)
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Über das Buch

Von der Kehrseite des amerikanischen Traums: Ocean Vuongs neuer, atemberaubender Roman nach dem Welterfolg von »Auf Erden sind wir kurz grandios« Der queere Hai, Sohn einer vietnamesischen Mutter, lebt in East Gladness, einem heruntergekommenen Kaff in New England. Auf den Straßen hängen noch die Schilder der Obama-Kampagne »Yes, we can«, doch Hai schluckt Pillen und denkt an Selbstmord. Bis er Grazina aus Litauen kennenlernt, eine Überlebende des Zweiten Weltkriegs, in deren Kopf die unerlösten Geister ihres Lebens schwirren. Hai wird ihr Pfleger und fängt an, in einem Diner zu arbeiten, dessen Belegschaft alles Underdogs sind wie er, die »in dieser angeblich freien Welt aus Arbeit, Schlaf und beschissenen Kuchen gefangen sind.« Poetisch und komisch, eindringlich und mit außergewöhnlicher Intimität erzählt Ocean Vuong von der Freundschaft jenseits aller Grenzen von Identität und Familie. »›Der Kaiser der Freude‹ gibt den USA ihre schillernde Vielfalt zurück.« Deutschlandfunk

Editionen (3)

ISBN9783446282742
VerlagHanser, Carl
Erscheinungsdatum12.05.25
Seitenzahl528

Merkmale

6 Bewertungen

PoetischSympathischTraurigNachdenklichHerzerwärmendLangsam

Rezensionen & Bewertungen

199 Bewertungen

47 Rezensionen

4,0

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  • tante_tanja
    tante_tanja

    542 Follower

    4,0

    Sie fuhren vorbei an den Häusern mit den zu beiden Straßenseiten aufgereihten, leuchtenden Vierecken der Fenster und sagten eine Zeitlang nichts zueinander, unter den Lichtkegeln der vereinzelten Straßenlaternen schwebten nur ihre Atemwölkchen empor. Dann hörte sich Hai es sagen. Und sagte es noch einmal, zunächst leise, dann lauter, während Sonys Griff an seiner Schulter fester wurde. Und Sony schloss sich ihm an, und sie sagten es gemeinsam, während sie den Hügel hinuntersausten, zurück nach East Gladness, dessen Wasserturm in der nebligen Ferne eine Kette aus bunten Weihnachtslichtern trug. "Das ist kein Raumschiff", skandierten sie. "Das ist kein Raumschiff! Das ist kein Raumschiff!" Die deutsche Übersetzung des Originaltitels "The Emperor of Gladness" (wobei sich Gladness offensichtlich auf die fiktive Kleinstadt der Handlung bezieht) klingt ziemlich zynisch. Ob das so beabsichtigt war? Auf jeden Fall nimmt uns der 1988 in Saigon, Vietnam, geborene Autor, der als Kleinkind nach Amerika kam, mit an diesen recht trostlosen Ort, in dem eine litauische Großmutter mit Demenz den Protagonisten Hai vor dem Selbstmord bewahrt und in der er in einem Fastfood Restaurant mit dem sprechenden Namen "HomeMarket" fast so etwas wie eine Familie findet. "Bis heute verstand er die Ereigniskette nicht, die ihn mit leeren Händen in dieses dreckige kleine Kaff zurückgebracht hatte." Den amerikanischen Traum hätte der Protagonist leben sollen, als Erster in seiner Familie sollte er in New York City aufs College gehen. Doch bereits seit 5 Jahren ist Hai abhängig von Tabletten und schließlich kehrt er high und frustriert mit fast 20 Jahren aufs Sofa seiner Mutter zurück. Die große Enttäuschung seiner Mutter versucht er durch eine große Lüge zu überwinden: in Boston werde er ein Studium der Medizin beginnen. Und in das Leben einer Lüge begleiten wir Hai und fragen uns bang, wie die Zukunft des Protagonisten, der uns an Herz wächst, aussehen wird ... "Hab keine Angst vor dem Leben, mein Junge. Das Leben ist gut, wenn wir einander Gutes tun." Das Zitat von der letzten Seite von Dostojewskis Roman "Die Brüder Karamasow", ein Buch, welches Hai während der Geschichte begleitet, ist ein wenig titelgebend. Und es ist auch ein wenig rührend, wie der Protagonist sich um die Menschen kümmert, die sein neues Umfeld bestimmen. Die Figuren mit all ihren Träumen und Hoffnungen wirken so lebensecht, besonders Cousin Sony, der auch im Fastfood Restaurant arbeitet, eine Leidenschaft für den amerikanischen Bürgerkrieg hat und darum ringt, die Kaution für Mama Kim zusammen zu bekommen. Einzig die Beziehung zu der älteren Dame aus Litauen, die Hai vor dem Sprung von der Brücke bewahrt und ihn in ihr Haus aufnimmt, wirkt etwas konstruiert. Und das, obwohl der Roman der gleichnamigen Grazina J. Verselis gewidmet ist, der verstorbenen Großmutter des Partners von Ocean Vuong, bei welcher der Schriftsteller selbst einige Zeit gewohnt hat. Wahrscheinlich ist es vor allem der Faktor, wie die Demenzerkrankung der alten Dame dargestellt wird, die diesen Part der Geschichte unorganisch wirken lässt. In gewisser Weise wird die Erkrankung romantisiert oder verklärt skizziert. Ansonsten zeichnet sich der Schreibstil des Autoren durch starke Bilder und eine angenehm zurückhaltende Sprache aus. Die autobiographischen Züge im Roman lassen viele Szenen echt und berührend wirken. FAZIT Am Ende erhalten wir - fast wie bei den Klassikern des 19. Jahrhunderts - einen Ausblick, wie es mit den Menschen der Geschichte weitergeht. Doch wie steht es um die Zukunft des Protagonisten? Vielleicht genügt es nicht, gut mit anderen zu sein. Man muss bei sich selbst damit beginnen. Hoffentlich lässt sich der Kaiser Wurm (Hamlet lässt grüßen) wenigstens bei dem begabten Schriftsteller Ozean Vuong noch ganz lang Zeit mit der Bekanntschaft - das wünsche ich mir von Herzen. .. Eine Leseempfehlung.

    8. Sept. 2025

  • 4,0

    „Manche Bücher erzählen nicht – sie tasten sich vor.“ Der Kaiser der Freude ist kein Roman, der dich an die Hand nimmt. Er ist einer, der dich stehen lässt – und dann leise beobachtet, ob du bereit bist, einen Schritt zu machen. Ocean Vuong schreibt Literatur, die weniger aus Handlung besteht als aus Empfindung. Seine Sätze wirken wie vorsichtig gesetzte Linien, die sich erst nach und nach zu einem Bild fügen. Es geht um Nähe, Verlust, Identität, um das leise Ringen mit sich selbst – und um die Frage, ob Freude überhaupt etwas ist, das man besitzen kann, oder nur etwas, das kurz durch einen hindurchzieht. Was dieses Buch stark macht, ist genau diese Zartheit. Vuong zwingt nichts, erklärt wenig, deutet viel an. Seine Sprache ist poetisch, aber nie ornamental – eher wie ein Flüstern, das man nur versteht, wenn man still genug wird. Viele Passagen fühlen sich weniger gelesen als erspürt an. Und doch: Genau darin liegt auch der Grund, warum ich bei 4 von 5 Sternen bleibe. Der Roman verlangt Geduld – und gibt nicht jedem Leser sofort etwas zurück. Es gibt Momente, in denen die Struktur fast zu lose wirkt, in denen man sich mehr Halt, mehr erzählerische Verdichtung wünschen würde. Nicht alles trägt gleich stark, nicht jede Passage entfaltet die gleiche Wirkung. Aber wenn es funktioniert, dann richtig. Dann trifft einen ein Satz unerwartet. Dann bleibt ein Bild hängen. Dann merkt man, dass dieses Buch nicht laut sein muss, um zu wirken. Fazit: Ein leiser, poetischer Roman mit großer emotionaler Feinheit – nicht immer zugänglich, aber genau deshalb besonders. Ein Buch, das nicht gefallen will, sondern nachwirkt. Für Leser, die… …literarische Romane lieben, die mehr fühlen als erzählen. …Sprache schätzen, die zwischen den Zeilen arbeitet. …bereit sind, sich auf ein Buch einzulassen, das Zeit braucht – und fordert. …Geschichten suchen, die nicht erklären, sondern offen lassen. Meine Zeile zum Buch „Freude ist kein Zustand – sie ist ein Moment, der dich findet, wenn du still genug bist.“

    24. Apr. 2026

  • susiwie
    susiwie

    103 Follower

    4,0

    Vom Leben, Träumen und den Verlusten

    Ocean Vuong versteht es Tragik poetisch zu erzählen. Und eigentlich passiert auch nicht viel, doch war ich hin und weg. Wir begleiten Hai auf einem Jahr in seinem Leben. Dort treffen wir die alte Dame Grazina und ja was soll ich sagen, ich war ganz hingerissen, wie sich die Beiden helfen bei Ihren Problemen und den Anderen aber auch so akzeptieren. Ganz toll erzählt sind auch die Figuren im Homemarket. So unterschiedlich und doch ist auch hier Hilfe und Verständnis für jeden. Ich denke es ist auch in vielen Teilen autobiografisch, zumindest was man über den Autor so liest. Daher ist es fast noch umso schöner, dass Menschen welche so zu kämpfen haben, doch so selbstlos in Teilen aufeinander achten. Wer auf ein schön geschriebenes Buch mit ganz viel Tragik Lust hat, ist genau richtig. Und allein Maureen, BJ, Wayne, Russki und Sony ist es allemal wert. Hab das ganze Homemarket Team sehr ins Herz geschlossen.

    1. Feb. 2026

3 von 47 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Ocean Vuong

Ocean Vuong wurde 1988 in Saigon, Vietnam, geboren und zog im Alter von zwei Jahren mit seiner Familie nach Amerika, wo er heute lebt. Für seine Lyrik wurde er mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Whiting Award for Poetry (2016) und dem T.S. Eliot Prize (2017). Bei Hanser erschienen zuletzt sein Debütroman »Auf Erden sind wir kurz grandios« (2019), für den er mit dem American Book Award ausgezeichnet wurde, und die Gedichtbände »Nachthimmel mit Austrittswunden« (2020) und »Zeit ist eine Mutter« (2022).

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