Engel und Joe
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Beschreibung
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Kai Hermann 1938 in Hamburg geboren, war Redakteur und Korrespondent der Zeit sowie Chefredakteur von Twen. Er schreibt unter anderem für Spiegel und Stern. Er ist Autor zahlreicher Bücher und Drehbücher, darunter Christiane F.: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo (gemeinsam mit Horst Rieck) und Andi. Der beinahe zufällige Tod des Andreas Z., 16. Hermann erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Egon-Erwin-Kisch-Preis.
Beiträge
"Engel und Joe" , obwohl es offiziell als Jugendroman gilt, entfaltet in der Geschichte eine emotionale und gesellschaftliche Wucht, die weit über klassische Jugendliteratur hinausgeht. Gerade das schätze ich an guten Jugendbüchern: Große Themen werden nicht in einer kompliziertem Sprache versteckt, sondern direkt, roh und oft schmerzhaft ehrlich. Eindrücklich ist dabei die Entwicklung der Figuren. Schicht für Schicht legen sie von sich selbst ab, verlieren diese sogar, bis nur noch ihre Verletzlichkeit, ihre Abgründe und ihre zerstörerischen Muster übrig bleiben. Vor allem Engel bleibt dabei eine faszinierend widersprüchliche Figur. Lange wusste ich nicht, ob ich ihn als Protagonisten oder eigentlich schon als Antagonisten wahrnehmen soll. Genau diese Unsicherheit macht ihn so unangenehm real. Die Kapitel aus Engels Perspektive wurden für mich emotional zunehmend schwerer auszuhalten. Man verfolgt seine Gedankengänge dabei fast wie einen langsamen Absturz: erst irritierend, dann verstörend und schließlich völlig absurd. Die Szene, in der er zerknittert im Anzug neben und der gelben Krawatte vor Joe steht, wirkte beinahe surreal und gleichzeitig tragisch. Spätestens dort zeigt sich endgültig, wie tief beide Figuren bereits in ihrem eigenen emotionalen Abgrund gefangen sind. Weh tat mir ebenso Joes Unfähigkeit, sich aus dieser toxischen Beziehung zu lösen. Das Buch beschreibt sehr eindringlich, wie emotionale Abhängigkeit funktioniert: nicht laut oder dramatisch, sondern schleichend, lähmend und voller Hoffnung auf Veränderung, obwohl längst alles zerbrochen ist. Gerade dadurch wirkt die Geschichte so glaubwürdig. Auch die Figur Alex und die Geschehnisse rund um seine Party hinterlassen aus heutiger Sicht ein sehr unangenehmes Gefühl. Vieles davon würde man heute vermutlich klarer benennen. Möglicherweise sogar als sexualisierte Gewalt oder Vergewaltigung. Gleichzeitig zeigt das Buch damit auch, wie anders gesellschaftliche Wahrnehmungen Ende der 90er und Anfang der 2000er noch waren. Diese Atmosphäre hat mich beim Lesen stark an meine eigene Erinnerung an diese Zeit erinnert: ein gesellschaftliches Klima voller Unsicherheiten, fehlender Sensibilität und problematischer Dynamiken, die oft einfach hingenommen wurden. Darin liegt für mich eine der größten Stärken des Romans. "Engel und Joe" erzählt nicht nur eine persönliche Tragödie, sondern zeichnet gleichzeitig ein bedrückend authentisches Bild einer gesellschaftlichen Realität, deren Themen bis heute aktuell geblieben sind. Nach dem Ende musste ich das Buch erst einmal wirken lassen. Es gehört zu den Geschichten, bei denen man mehrfach durchatmet, über Figuren nachdenkt und einzelne Szenen noch lange mit sich herumträgt. Durch seine Vielschichtigkeit, seine emotionalen Härte und seiner unangenehmen Ehrlichkeit ist dieses Buch eine absolute Empfehlung.
Beschreibung
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Kai Hermann 1938 in Hamburg geboren, war Redakteur und Korrespondent der Zeit sowie Chefredakteur von Twen. Er schreibt unter anderem für Spiegel und Stern. Er ist Autor zahlreicher Bücher und Drehbücher, darunter Christiane F.: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo (gemeinsam mit Horst Rieck) und Andi. Der beinahe zufällige Tod des Andreas Z., 16. Hermann erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Egon-Erwin-Kisch-Preis.
Beiträge
"Engel und Joe" , obwohl es offiziell als Jugendroman gilt, entfaltet in der Geschichte eine emotionale und gesellschaftliche Wucht, die weit über klassische Jugendliteratur hinausgeht. Gerade das schätze ich an guten Jugendbüchern: Große Themen werden nicht in einer kompliziertem Sprache versteckt, sondern direkt, roh und oft schmerzhaft ehrlich. Eindrücklich ist dabei die Entwicklung der Figuren. Schicht für Schicht legen sie von sich selbst ab, verlieren diese sogar, bis nur noch ihre Verletzlichkeit, ihre Abgründe und ihre zerstörerischen Muster übrig bleiben. Vor allem Engel bleibt dabei eine faszinierend widersprüchliche Figur. Lange wusste ich nicht, ob ich ihn als Protagonisten oder eigentlich schon als Antagonisten wahrnehmen soll. Genau diese Unsicherheit macht ihn so unangenehm real. Die Kapitel aus Engels Perspektive wurden für mich emotional zunehmend schwerer auszuhalten. Man verfolgt seine Gedankengänge dabei fast wie einen langsamen Absturz: erst irritierend, dann verstörend und schließlich völlig absurd. Die Szene, in der er zerknittert im Anzug neben und der gelben Krawatte vor Joe steht, wirkte beinahe surreal und gleichzeitig tragisch. Spätestens dort zeigt sich endgültig, wie tief beide Figuren bereits in ihrem eigenen emotionalen Abgrund gefangen sind. Weh tat mir ebenso Joes Unfähigkeit, sich aus dieser toxischen Beziehung zu lösen. Das Buch beschreibt sehr eindringlich, wie emotionale Abhängigkeit funktioniert: nicht laut oder dramatisch, sondern schleichend, lähmend und voller Hoffnung auf Veränderung, obwohl längst alles zerbrochen ist. Gerade dadurch wirkt die Geschichte so glaubwürdig. Auch die Figur Alex und die Geschehnisse rund um seine Party hinterlassen aus heutiger Sicht ein sehr unangenehmes Gefühl. Vieles davon würde man heute vermutlich klarer benennen. Möglicherweise sogar als sexualisierte Gewalt oder Vergewaltigung. Gleichzeitig zeigt das Buch damit auch, wie anders gesellschaftliche Wahrnehmungen Ende der 90er und Anfang der 2000er noch waren. Diese Atmosphäre hat mich beim Lesen stark an meine eigene Erinnerung an diese Zeit erinnert: ein gesellschaftliches Klima voller Unsicherheiten, fehlender Sensibilität und problematischer Dynamiken, die oft einfach hingenommen wurden. Darin liegt für mich eine der größten Stärken des Romans. "Engel und Joe" erzählt nicht nur eine persönliche Tragödie, sondern zeichnet gleichzeitig ein bedrückend authentisches Bild einer gesellschaftlichen Realität, deren Themen bis heute aktuell geblieben sind. Nach dem Ende musste ich das Buch erst einmal wirken lassen. Es gehört zu den Geschichten, bei denen man mehrfach durchatmet, über Figuren nachdenkt und einzelne Szenen noch lange mit sich herumträgt. Durch seine Vielschichtigkeit, seine emotionalen Härte und seiner unangenehmen Ehrlichkeit ist dieses Buch eine absolute Empfehlung.







