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"Nun wollen Sie sicher wissen, was ein Projektor ist, Herr Wein ..." "Nein. Ein Mann, der Projekte vorantreibt, nehme ich an." Er nickte. "Ein Projektor, Herr Wein. Wir lenken das Licht." - Zitat, Seiten 930, 931 Erleuchtung zu finden, in diesem ziegelschweren und seitenstarken Wälzer, ist nicht unbedingt ein Projekt, welches mit Erfolg gekrönt ist. Dabei klingt der Klappentext sehr verheißungsvoll und so erwartet man mit Spannung einen großen europäischen Roman zu lesen, der eine Zeitspanne vom 2. Weltkrieg bis in die Gegenwart umfasst, die deutsch-jugoslawische Filmgeschichte zum Leben erweckt und die hässliche Fratze des Krieges zeigt. Darüber weht die Fahne der Nostalgie und der Mythos von Dr. May, der berühmter Patient in der Nervenheilanstalt war, wird in Gestalt von Cowboy und Indianer lebendig. Und nach all den Kämpfen und verlorenen Illusionen bleiben die bewegten Bilder, die den Suchenden wie Lichtpunkte im Dunkeln erscheinen. Aber wen oder was suchen sie: die Lebenden oder die Toten? Ein wenig überrascht es schon, wenn man liest, dass der Autor erst 1977 geboren ist. Seine Ausdrucksweise wirkt zum Teil nämlich oft ein wenig aus der Zeit gefallen und nicht dem zeitlichen Kontext seiner Geschichte entsprechend. Als Beispiel sei eine Szene genannt, die in den 1980er Jahren stattgefunden haben muss: Georg wusste plötzlich, wen der Kahlköpfige meinte. Maik war im ganzen Viertel bekannt. Niemand wollte sich mit ihm anlegen. Es gab regelrechte Legenden über seine Schlägereien. Seinen eigenen Vater hatte er bezwungen, ... -Zitat, Seite 505. Ernsthaft? Er hat seinen Vater bezwungen? Und das sollen die Gedanken eines Teenagers sein? Auch die Allwissenheit des Erzählers, der Hinweise darüber einstreut, geht mit der Zeit gewaltig auf die Nerven. FAZIT Dieser Roman hat mich gepflegt gelangweilt. Man merkt dem Text durchaus an, dass die eingebauten Fragmente anderer Romane und auch die historischen Hintergründe sehr sorgfältig und mit Bedacht eingefügt wurden. Aber weder die für mich sehr künstlich wirkende Struktur noch der aufgesetzte Schreibstil konnten mich begeistern. Der emotionale Zugang zu den Figuren blieb mir komplett verschlossen, auch wenn ich bei Georg kurz Hoffnung hatte. Vielleicht können Lesende, die einen Bezug zu Karl May und/oder den Verfilmungen haben, eher einen Bezug herstellen. Ich habe keinen Abenteuerroman gelesen und nur eine ganz schwache Erinnerung an die Figuren der Filme, wahrscheinlich waren die möglichen Anspielungen hierauf im Roman bei mir vergebliche Liebesmüh. Als europäischen Gegenwartsroman mit historischen Bezügen ist er für mich persönlich keine Empfehlung wert.
24. Jan. 2025
"Nun wollen Sie sicher wissen, was ein Projektor ist, Herr Wein ..." "Nein. Ein Mann, der Projekte vorantreibt, nehme ich an." Er nickte. "Ein Projektor, Herr Wein. Wir lenken das Licht." - Zitat, Seiten 930, 931 Erleuchtung zu finden, in diesem ziegelschweren und seitenstarken Wälzer, ist nicht unbedingt ein Projekt, welches mit Erfolg gekrönt ist. Dabei klingt der Klappentext sehr verheißungsvoll und so erwartet man mit Spannung einen großen europäischen Roman zu lesen, der eine Zeitspanne vom 2. Weltkrieg bis in die Gegenwart umfasst, die deutsch-jugoslawische Filmgeschichte zum Leben erweckt und die hässliche Fratze des Krieges zeigt. Darüber weht die Fahne der Nostalgie und der Mythos von Dr. May, der berühmter Patient in der Nervenheilanstalt war, wird in Gestalt von Cowboy und Indianer lebendig. Und nach all den Kämpfen und verlorenen Illusionen bleiben die bewegten Bilder, die den Suchenden wie Lichtpunkte im Dunkeln erscheinen. Aber wen oder was suchen sie: die Lebenden oder die Toten? Ein wenig überrascht es schon, wenn man liest, dass der Autor erst 1977 geboren ist. Seine Ausdrucksweise wirkt zum Teil nämlich oft ein wenig aus der Zeit gefallen und nicht dem zeitlichen Kontext seiner Geschichte entsprechend. Als Beispiel sei eine Szene genannt, die in den 1980er Jahren stattgefunden haben muss: Georg wusste plötzlich, wen der Kahlköpfige meinte. Maik war im ganzen Viertel bekannt. Niemand wollte sich mit ihm anlegen. Es gab regelrechte Legenden über seine Schlägereien. Seinen eigenen Vater hatte er bezwungen, ... -Zitat, Seite 505. Ernsthaft? Er hat seinen Vater bezwungen? Und das sollen die Gedanken eines Teenagers sein? Auch die Allwissenheit des Erzählers, der Hinweise darüber einstreut, geht mit der Zeit gewaltig auf die Nerven. FAZIT Dieser Roman hat mich gepflegt gelangweilt. Man merkt dem Text durchaus an, dass die eingebauten Fragmente anderer Romane und auch die historischen Hintergründe sehr sorgfältig und mit Bedacht eingefügt wurden. Aber weder die für mich sehr künstlich wirkende Struktur noch der aufgesetzte Schreibstil konnten mich begeistern. Der emotionale Zugang zu den Figuren blieb mir komplett verschlossen, auch wenn ich bei Georg kurz Hoffnung hatte. Vielleicht können Lesende, die einen Bezug zu Karl May und/oder den Verfilmungen haben, eher einen Bezug herstellen. Ich habe keinen Abenteuerroman gelesen und nur eine ganz schwache Erinnerung an die Figuren der Filme, wahrscheinlich waren die möglichen Anspielungen hierauf im Roman bei mir vergebliche Liebesmüh. Als europäischen Gegenwartsroman mit historischen Bezügen ist er für mich persönlich keine Empfehlung wert.
24. Jan. 2025






