Blick ins Buch

Romane

Die Passantin

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Über das Buch

Die gefeierte Filmikone Jeanne Patou erfährt aus dem Fernsehen, dass sie für tot gehalten wird. Für Jeanne ist es die Chance, unterzutauchen und so ihrem Ehemann zu entkommen, der gleichzeitig ihre größte Obsession und ihre fatalste Leidenschaft ist. Sie verschwindet in die Anonymität – und in einen Kosmos der untergetauchten Frauen, mit denen sie ein altes Haus in Barcelona bewohnt. Während sie ihre Schicksale kennenlernt, wird ihr auch ihr eigenes immer deutlicher.
Viereinhalb Jahre später streift Jeanne über die La Rambla, eine Passantin unter vielen, als sie plötzlich ihrem Mann begegnet. Ihr ist klar: Sie muss sich stellen – ihrem Mann, aber vor allem sich selbst.

Editionen (2)

ISBN9783036962146
VerlagKein & Aber
Erscheinungsdatum14.09.26
Seitenzahl320

Rezensionen & Bewertungen

176 Bewertungen

53 Rezensionen

4,1

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  • jtk_0701
    jtk_0701

    344 Follower

    4,5

    Wow! Was für ein Banger. Ich geb zu, ich hätte dieses Buch nie ohne den Buchclub gelesen und ich kann auch nicht sagen, warum. Cover war für mich so „okay“, Buchbeschreibung interessant, aber es hat mich einfach nicht angezogen. Vielleicht war es der Schreibstil - kurz reingelesen, dachte ich: „Ne, irgendwie zu gewollt für mich.“ Tja, manchmal muss man zu seinem Glück gezwungen werden, denn ich hätte definitiv was verpasst, wenn ich diese Geschichte nicht gelesen hätte. Und der wunderbare Schreibstil entfaltet sich erst nach ein paar Seiten. Ich hab ihn geliebt! Jeanne Patou ist eine gefeierte französische Filmikone, die gerade in Barcelona in einer Bar sitzt und im Fernsehen erfährt, dass sie für tot gehalten wird. Der Flug 4U9525 ab Barcelona ist in den südfranzösischen Alpen abgestürzt. Und Jeanne war in diesem Flugzeug - nein, nicht wirklich, weil sie kurz vor dem Einsteigen umgedreht ist. Sie erkennt ihre Chance, endlich aus ihrem Leben auszubrechen. Ihrem dominanten Mann Bernard zu entkommen, ihren Liebhaber Luc zu verlassen, aber auch ihre erwachsenen Kinder Mathilde und Katja. Sie kommt in ein Haus unter, in dem nur Frauen leben, alles Frauen, die untergetaucht sind, die außen nicht mehr existieren wollen. Doch viereinhalb Jahre später streift Jeanne über die La Rambla, als Passantin und begegnet Bernard. Stellt sie sich ihm? Diese Geschichte hat mich gleich gepackt! Ich konnte einfach nicht aufhören weiterzulesen. Rasant, lebendig und voller Kraft reißt es mich mit. Ich bin mit Jeanne erst mal verwirrt durch die Gassen gelaufen, um auf das Haus zu stoßen, in dem all die besonderen Frauen leben. Was für eine Gemeinschaft, was für ein Zusammenhalt! Welche Schicksale hier alles verborgen sind. Und so langsam beobachte ich, wie Jeanne zu sich selbst findet, ihrem Inneren. Gespickt mit Wut und Energie erkennen, welche Macht die patriarchalen Strukturen auf das Leben der Frauen haben. Und dabei so viele Fragen aufkommen, die ich fühle, mitnehme, nachdenke. Aufgeteilt in drei Abschnitte wechselt auch die Perspektive und das macht es für mich noch spannender. Interessant fand ich auch die Geschichte Barcelonas und den Wunsch nach Unabhängigkeit. Für mich eins meiner Highlights in diesem Monat. Ich kann es nur empfehlen. S.32 „Am Ende stirbt immer die Frau in den Dramen, die von Männern geschrieben, von anderen Männern finanziert, von ihren Männerfreunden konzipiert und dirigiert und von Frauen angesehen werden, die glauben, die wahre Liebe erkenne man daran, dass sie wehtut. S.55 „Was, wenn Facebook, deren Gesichtserkennung besser war als die des FBI, mich verriete? Jedes Jahr verschwanden Menschen, weil sie es so wollten. Was, wenn diese Künstliche Intelligenz, von der alle immer öfter sprachen, all die Verschwundenen auffand?“ S.153 „Wer wusste es schon, ob deswegen Väter nicht duldeten, dass Töchter Bücher läsen und Frauen Dinge aufschrieben; denn da, in den gefährlichen Büchern, erführen sie, dass es all das gab: das Wollen, die Kraft, den Hass und die Welt der Frauen, unsichtbar hinter der sichtbaren Welt der Männer.“ S.230 „Bernard hat mich angeschrien, später, dass ich seine Töchter gegen ihn aufhetzte, dass Mathildes Überreaktion mit ihrem Dachbodenexil ihn wie einen Psycho dastehen lasse, auch vor Katja, und dass er es satthabe, dass wir drei Weiber uns daran gewöhnt hätten, dass er ein nützlicher Idiot für uns sei. Weiber. Die Kinder waren acht und fünf. Ich war dreißig.“ S.238 „ „Pornografie ist die Ausbildung der Jungen, auf Frauen zu schauen, und Märchen die Ausbildung der Mädchen, auf Männer zu schauen“, schrieb Sella da. „Die beliebtesten Märchen in dem Teil der Welt, den wir den Westen nennen, erzählen dem Mädchen, dass sich Frauen immer nur vor anderen Frauen fürchten sollten. Vor der bösen Hexe, die einen im Ofen backen will, bis die Haut schön kross ist, vor der bösen Königin, die vergiftete Äpfel serviert, weil sie neidisch ist auf die Jugend und Anmut, vor der bösen Fee, weil sie nicht zum Geburtstag eingeladen wurde, vor der bösen Stiefmutter, die einem die verfaulten Hülsenfrüchte zum Sortieren hinschmeißt, vor den Stiefschwestern, die bereit wären, sich die Zehen abzuhacken, um dir den Kerl auszuspannen.“

    22. Feb. 2026

  • greenwitchthinks
    greenwitchthinks

    161 Follower

    5,0

    Ein kraftvolles Manifest über weibliche Selbstbestimmung

    Manchmal muss man Bücher erst nachwirken lassen, bevor man etwas über sie schreiben kann. Die Passantin ist kein leichtes Buch. Es schnürt einem regelrecht das Herz zu. In jeder Seite stecken Wut, Schmerz und Zorn. Im Mittelpunkt steht die gefeierte Filmikone Jeanne Patou, die ihren eigenen Tod vortäuscht. Sie nutzt diese Chance, um ihrem alten Leben und ihrem manipulativen Ehemann zu entkommen. Auf ihrer Flucht begegnet sie Frauen, deren Schicksale auf unterschiedliche Weise mit ihrem eigenen verwoben sind. Das Buch ist ein kraftvolles Manifest über weibliche Selbstbestimmung. Es greift Themen wie emotionale Gewalt in Partnerschaften, psychologische Manipulation und gesellschaftliche Rollenerwartungen an Frauen auf. Gleichzeitig fließen Hintergründe zu Gesetzen und gesellschaftlichen Strukturen rund um Barcelona ein. Nina George stellt dabei eine Frage, die wohl viele Menschen schon einmal beschäftigt hat: Was wäre, wenn ich einfach noch einmal von vorne anfangen könnte? Die Umsetzung ist rasant und gleichzeitig psychologisch tiefgründig. Besonders gefallen haben mir die verschiedenen Zeitebenen, die sich über mehrere Jahre erstrecken. Dadurch versteht man Jeannes Entscheidungen und Beweggründe immer besser. Ebenso gelungen sind die unterschiedlichen Erzählstimmen der Nebenfiguren. Sie eröffnen neue Perspektiven auf Jeanne und zeigen, dass jede Geschichte mehrere Wahrheiten besitzt. Über allem steht die Frage, wie viel Freiheit ein Mensch eigentlich braucht, um wirklich leben oder überhaupt atmen zu können. Der Schreibstil ist eine Welle voller Wucht: kraftvoll, direkt und ehrlich. Für manche wird das Buch vielleicht zu viel auf einmal wollen. Für mich war genau das seine größte Stärke. Persönliche Anmerkung: Ich durfte Nina George letztes Jahr auf der Frankfurter Buchmesse kennenlernen. Obwohl sie einen vollen Terminkalender hatte, nahm sie sich Zeit für ein Gespräch mit mir. Wir sprachen übers Schreiben, über unsere eigenen Projekte und darüber, dass Die Passantin für sie etwas völlig Neues sei. Diese Begegnung hat meinen Eindruck nur bestätigt: Sie ist eine inspirierende, kluge und beeindruckend taffe Frau.

    Ein kraftvolles Manifest über weibliche Selbstbestimmung

    1. Juli 2026

  • vivabtown
    vivabtown

    97 Follower

    5,0

    So richtig wortgewaltig ist dieser Roman und hat mich von der ersten bis zur letzten Seite überzeugt

    Jeanne Patou, eine gefeierte Schauspielerin, nutzt ein Flugzeugabsturz, um ihren eigenen Tod vorzutäuschen. Um herauszufinden, wer sie ist und was sie will. Dieses Buch ist voller Wut und Kraft.

    4. Mai 2026

3 von 53 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Nina George

Nina George, geboren 1973, ist Schriftstellerin, Journalistin, Übersetzerin und Moderatorin. Gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Schriftsteller Jens J. Kramer, schreibt Nina George außerdem Kinderbücher. Für ihr literarisches Werk sowie ihr kulturpolitisches Engagement, u. a. als politische Beauftragte des European Writers’ Council, als Gründerin des Netzwerks Autorenrechte und als Initiatorin der Initiative #frauenzählen, wurde Nina George als BücherFrau des Jahres ausgezeichnet und erhielt das Bundesverdienstkreuz. Nina George lebt in Berlin und in der Bretagne. www.ninageorge.de

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