Wie konnte das geschehen? Deutschland 1933 bis 1945

Wie konnte das geschehen? Deutschland 1933 bis 1945

Hardback
4.97

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Description

Götz Aly zählt zu den bekanntesten Autoren zur Geschichte des Nationalsozialismus und des Holocaust – hier stellt er die zentrale Frage: Wie konnte das geschehen?
In einer schweren Krise wurde die NSDAP 1932 zur mit Abstand stärksten Partei gewählt. Bald konnte sie die Macht übernehmen und auf wachsende gesellschaftliche Zustimmung bauen. Hitler brauchte den Krieg – das Volk fürchtete sich davor. Dennoch terrorisierten schließlich 18 Millionen deutsche Soldaten Europa. Wie kam es dazu? Warum beteiligten sich Hunderttausende an beispiellosen Massenmorden?
Die Antwort ist vielschichtig. Die NSDAP versprach den Deutschen Aufstieg und Wohlstand , zugleich hielt man die Menschen in Bewegung, keine Atempause, keine Zeit zum Nachdenken, so ging es Richtung Krieg . Als der Glaube an einen Sieg nachließ, wurde aus der Volksgemeinschaft eine Verbrechensgemeinschaft . Jeder konnte wissen, welche Schuld die Deutschen auf sich luden , die Angst vor dem, was nach einer Niederlage geschehen würde, wurde bewusst geschürt .
Götz Aly schildert in einer fesselnden Erzählung die Herrschaftsmethoden, mit denen die NS-Machthaber Millionen Deutsche in gefügige Vollstrecker oder in vom Krieg abgestumpfte Mitmacher verwandelten – und von denen nicht wenige beängstigend aktuell sind.

Book Information

Main Genre
Specialized Books
Sub Genre
History & Archaeology
Format
Hardback
Pages
768
Price
35.00 €

Author Description

Götz Aly ist Historiker und Journalist. Er arbeitete für die »taz«, die »Berliner Zeitung« und als Gastprofessor. Seine Bücher werden in viele Sprachen übersetzt. 2002 erhielt er den Heinrich-Mann-Preis, 2003 den Marion-Samuel-Preis, 2012 den Ludwig-Börne-Preis. Bei S. Fischer erschienen von ihm u.a. 2011 »Warum die Deutschen? Warum die Juden? Gleichheit, Neid und Rassenhass 1800-1933« sowie 2013 »Die Belasteten. ›Euthanasie‹ 1939-1945. Eine Gesellschaftsgeschichte«. Im Februar 2017 erschien seine große Studie über die europäische Geschichte von Antisemitismus und Holocaust »Europa gegen die Juden 1880–1945«. Für dieses Buch erhielt er 2018 den Geschwister-Scholl-Preis.Literaturpreise:Heinrich-Mann-Preis für Essayistik der Akademie der Künste Berlin 2002Marion-Samuel-Preis 2003Bundesverdienstkreuz am Bande 2007National Jewish Book Award, USA 2007Ludwig-Börne-Preis 2012Estrongo Nachama Preis für Zivilcourage und Toleranz 2018Geschwister-Scholl-Preis 2018

Posts

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"Wenn doch bloß der Krieg bald ein Ende nehmen würde, [...], das ist das Grab von Deutschlands Jugend" S. 572

Götz Aly wurde schon im Geschichte-LK bei uns gelesen. Im Februar konnte ich in Detmold seinem Vortrag zum neuen Werk zuhören. Dieses ist sehr umfassend und enthält etliche Jahrzehnte Recherche, Erfahrung, Gespräche und intensive, differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema. Mir gefällt besonders die nüchterne Herangehensweise von Aly mit seinen dennoch klaren Standpunkten. Er hat stets eine eigene Meinung, widerspricht hier und da anderen. Die Ausweitung über den Antisemitismus hinaus ist nicht selbstverständlich. Das Buch richtet sich sowohl an Personen mit Erfahrung in dem Thema, als auch neue Interessierte. Es war trotz der vielen Ereignisse, Daten und Fakten sowie auftretenden Personen weder trocken noch zäh zu lesen. Eine klare Empfehlung und ein gelungenes Gesamtwerk zu der wichtigen Thematik und dem Verstehen.

"Wenn doch bloß der Krieg bald ein Ende nehmen würde, [...], das ist das Grab von Deutschlands Jugend" S. 572
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Nach Götz Aly kann eine echte Aufarbeitung zu der Frage, wie es zum Holocaust kommen konnte, nur gelingen, wenn sich die Analyse nicht einfach auf das offenkundig Böse beschränkt oder auf die Betrachtung "die Nationalsozialisten" vs. "die Juden". Lt. Aly verkennt man dabei, wie sehr die Mitte der deutschen Gesellschaft in das größte aller Menschheitsverbrechen verstrickt war. Er belegt akribisch mit vielen Quellen, wie geräuscharm und arbeitsteilig die Enteignungs- und Mordmaschinerie funktionierte und wie Volk und Regierung Schritt für Schritt eine Verbrechensgemeinschaft miteinander schlossen, beginnend mit den Euthanasie-Morden an Deutschen, die in der Bevölkerung und sogar bei Angehörigen tatsächlich auf erschreckend wenig Widerstand stieß, wodurch sich das NS-Regime zu immer weiteren Steigerungen der Morde an der jüdischen Bevölkerung und dann ganz Europas ermutigt sah. Die traurige Wahrheit ist, dass ein junger, geburtenstarker Jahrgang, aufstrebend und neidisch auf eine erfolgreichere Minderheit, bereitwillig und nutznießerisch deren Arbeitsstellen, Wohnraum, Hausrat und Ersparnisse in Besitz nahm, mit der Aussicht auf ein besseres Leben für sich selbst. Deshalb beschreibt Aly den Holocaust als organisierten Massenraubmord. Demnach hatte der Holocaust eindeutig auch einen wirtschaftlichen Aspekt. Der auf massive Verschuldung für militärische Aufrüstung, soziale Geschenke an Arbeitnehmer, Rentner usw. völlig bankrotte NS-Staat brauchte regelrecht Enteignung, Arisierung und die Raubzüge der Wehrmacht, um mit den Ressourcen der Länder ganz Europas am Ende wenigstens noch die eigene Bevölkerung ernähren zu können. Aly nennt es die größte Insolvenzverschleppung in der Menschheitsgeschichte. Der Holocaust war nicht das Werk von ein paar verrückten Antisemiten, von denen man sich leicht distanzieren könnte. Hitler und Goebbels nutzten geschickt den in allen Gesellschaftsschichten schlummernden Antisemitismus für ihre Zwecke, und sie hatten in der deutschen Bevölkerung zahlreiche Helfer und Profiteure (Intellektuelle, Künstler usw.). Ich fand die Argumentation des Historikers, besonders die Betonung der wirtschaftlichen Aspekte beklemmed einleuchtend. Für Aly "ergibt sich im Rückblick und für die Gegenwart, dass ähnlich agierende, auf ständigen Aktionismus und Daueraggresssion setzende politische Regime frühzeitig in ihren Bewegungsmöglichkeiten gestoppt, zumindest deutlich abgebremst werden müssen." Nazideutschland wurde selbst bei den offenen Provokationen Remilitarisierung des Rheinlandes 1936 und Anschluss Österreichs 1938 nicht gestoppt mit den bekannten Folgen. Es bleibt zu hoffen, dass die "Neu-Russland"-Pläne Putins nie Wirklichkeit werden. So gesehen ist Aly's Werk kein reines Geschichtsbuch, sondern eine wichtige Erinnerung an erstaunliche Parallelen.

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Wie Macht Schritt für Schritt normal wurde

Fünf Sterne sind beinahe zu wenig für ein Buch, das einen so kalt erwischt — und dann doch nicht loslässt. Götz Aly schafft das Kunststück, mir die Abgründe der Jahre 1933–1945 nicht als staubige Lehrstunde, sondern als hochkonzentriertes Sogereignis zu servieren: präzise, unaufgeregt, und doch mit einer Wucht, die unter die Haut geht. Keine heroischen Narrative, keine Ausflüchte — stattdessen: Mechanik der Macht, Kalkül der Verführer und die fatale Normalität des Mitläufertums. Man liest nicht seicht. Vielmehr stolpert man immer wieder über Details, bei denen man sich die Hände reibt und wünscht, man hätte diese Quellen früher gekannt. Aly zeigt, wie Verheißungen von Wohlstand, kleine Privilegien und ständige Mobilisierung den freudigen Radau für eine Gesellschaft lieferten, die kaum Zeit zum Atmen blieb. Wer glauben wollte, das alles sei nur von oben diktiert worden, merkt schnell: die Landkarte der Verantwortung ist viel dichter. Erzählerisch bleibt das Buch nah beim Menschen, ohne sentimental zu werden. Biografische Skizzen, wirtschaftliche Analysen und die nüchterne Sprache zusammengefügt — das ergibt ein Mosaik, das in seiner Schärfe kaum vergleichbar ist. Besonders eindringlich: wie Angst und Propaganda zu Handlungsmotoren wurden und wie sehr die Aussicht auf „Weiter so“ moralische Sinne betäubte. Das liest sich nicht immer leicht, aber gerade das ist Stärke: Konfrontation statt Beschönigung. Kritisch: Aly verlangt Aufmerksamkeit. Wer leichte Kost sucht, ist hier falsch aufgehoben. Dafür belohnt das Buch mit Klarheit und einer Menge Erkenntnis, die sich wie ein Kompass verhakt. Zum Schluss bleibt ein beklemmendes Gefühl — und das ist gut so. Geschichte, die wachrüttelt, statt wegnickt. Dieses Buch ist kein Trostpflaster, sondern ein Spiegel — unbequem, dringend und erstaunlich aktuell in seiner Warnung.

Wie Macht Schritt für Schritt normal wurde
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Hinter den NS-Verbrechen bis zum Holocaust steckten nicht einzelne bekannte Namen wie Hitler, Goebbels etc. oder eine einzelne Ideologie, die den Hass hervorbrachte. Es war die ganze Gesellschaft, die die Verbrechen mindestens ignoriert, oft von ihr profitiert und sie auch aktiv unterstützt hat. Götz Aly zeigt in seinem Buch, wie das möglich war und holt dafür ordentlich aus. Die Lehren, die der Autor am Ende für die heutige Zeit zieht, finde ich durchaus streitbar. Das macht das Buch keineswegs schlechter. Es ist interessant, auf den Punkt und verständlich geschrieben. Absolut lesenswert!

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