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Nach Götz Aly kann eine echte Aufarbeitung zu der Frage, wie es zum Holocaust kommen konnte, nur gelingen, wenn sich die Analyse nicht einfach auf das offenkundig Böse beschränkt oder auf die Betrachtung "die Nationalsozialisten" vs. "die Juden". Lt. Aly verkennt man dabei, wie sehr die Mitte der deutschen Gesellschaft in das größte aller Menschheitsverbrechen verstrickt war. Er belegt akribisch mit vielen Quellen, wie geräuscharm und arbeitsteilig die Enteignungs- und Mordmaschinerie funktionierte und wie Volk und Regierung Schritt für Schritt eine Verbrechensgemeinschaft miteinander schlossen, beginnend mit den Euthanasie-Morden an Deutschen, die in der Bevölkerung und sogar bei Angehörigen tatsächlich auf erschreckend wenig Widerstand stieß, wodurch sich das NS-Regime zu immer weiteren Steigerungen der Morde an der jüdischen Bevölkerung und dann ganz Europas ermutigt sah. Die traurige Wahrheit ist, dass ein junger, geburtenstarker Jahrgang, aufstrebend und neidisch auf eine erfolgreichere Minderheit, bereitwillig und nutznießerisch deren Arbeitsstellen, Wohnraum, Hausrat und Ersparnisse in Besitz nahm, mit der Aussicht auf ein besseres Leben für sich selbst. Deshalb beschreibt Aly den Holocaust als organisierten Massenraubmord. Demnach hatte der Holocaust eindeutig auch einen wirtschaftlichen Aspekt. Der auf massive Verschuldung für militärische Aufrüstung, soziale Geschenke an Arbeitnehmer, Rentner usw. völlig bankrotte NS-Staat brauchte regelrecht Enteignung, Arisierung und die Raubzüge der Wehrmacht, um mit den Ressourcen der Länder ganz Europas am Ende wenigstens noch die eigene Bevölkerung ernähren zu können. Aly nennt es die größte Insolvenzverschleppung in der Menschheitsgeschichte. Der Holocaust war nicht das Werk von ein paar verrückten Antisemiten, von denen man sich leicht distanzieren könnte. Hitler und Goebbels nutzten geschickt den in allen Gesellschaftsschichten schlummernden Antisemitismus für ihre Zwecke, und sie hatten in der deutschen Bevölkerung zahlreiche Helfer und Profiteure (Intellektuelle, Künstler usw.). Ich fand die Argumentation des Historikers, besonders die Betonung der wirtschaftlichen Aspekte beklemmed einleuchtend. Für Aly "ergibt sich im Rückblick und für die Gegenwart, dass ähnlich agierende, auf ständigen Aktionismus und Daueraggresssion setzende politische Regime frühzeitig in ihren Bewegungsmöglichkeiten gestoppt, zumindest deutlich abgebremst werden müssen." Nazideutschland wurde selbst bei den offenen Provokationen Remilitarisierung des Rheinlandes 1936 und Anschluss Österreichs 1938 nicht gestoppt mit den bekannten Folgen. Es bleibt zu hoffen, dass die "Neu-Russland"-Pläne Putins nie Wirklichkeit werden. So gesehen ist Aly's Werk kein reines Geschichtsbuch, sondern eine wichtige Erinnerung an erstaunliche Parallelen.
18. Jan. 2026
Nach Götz Aly kann eine echte Aufarbeitung zu der Frage, wie es zum Holocaust kommen konnte, nur gelingen, wenn sich die Analyse nicht einfach auf das offenkundig Böse beschränkt oder auf die Betrachtung "die Nationalsozialisten" vs. "die Juden". Lt. Aly verkennt man dabei, wie sehr die Mitte der deutschen Gesellschaft in das größte aller Menschheitsverbrechen verstrickt war. Er belegt akribisch mit vielen Quellen, wie geräuscharm und arbeitsteilig die Enteignungs- und Mordmaschinerie funktionierte und wie Volk und Regierung Schritt für Schritt eine Verbrechensgemeinschaft miteinander schlossen, beginnend mit den Euthanasie-Morden an Deutschen, die in der Bevölkerung und sogar bei Angehörigen tatsächlich auf erschreckend wenig Widerstand stieß, wodurch sich das NS-Regime zu immer weiteren Steigerungen der Morde an der jüdischen Bevölkerung und dann ganz Europas ermutigt sah. Die traurige Wahrheit ist, dass ein junger, geburtenstarker Jahrgang, aufstrebend und neidisch auf eine erfolgreichere Minderheit, bereitwillig und nutznießerisch deren Arbeitsstellen, Wohnraum, Hausrat und Ersparnisse in Besitz nahm, mit der Aussicht auf ein besseres Leben für sich selbst. Deshalb beschreibt Aly den Holocaust als organisierten Massenraubmord. Demnach hatte der Holocaust eindeutig auch einen wirtschaftlichen Aspekt. Der auf massive Verschuldung für militärische Aufrüstung, soziale Geschenke an Arbeitnehmer, Rentner usw. völlig bankrotte NS-Staat brauchte regelrecht Enteignung, Arisierung und die Raubzüge der Wehrmacht, um mit den Ressourcen der Länder ganz Europas am Ende wenigstens noch die eigene Bevölkerung ernähren zu können. Aly nennt es die größte Insolvenzverschleppung in der Menschheitsgeschichte. Der Holocaust war nicht das Werk von ein paar verrückten Antisemiten, von denen man sich leicht distanzieren könnte. Hitler und Goebbels nutzten geschickt den in allen Gesellschaftsschichten schlummernden Antisemitismus für ihre Zwecke, und sie hatten in der deutschen Bevölkerung zahlreiche Helfer und Profiteure (Intellektuelle, Künstler usw.). Ich fand die Argumentation des Historikers, besonders die Betonung der wirtschaftlichen Aspekte beklemmed einleuchtend. Für Aly "ergibt sich im Rückblick und für die Gegenwart, dass ähnlich agierende, auf ständigen Aktionismus und Daueraggresssion setzende politische Regime frühzeitig in ihren Bewegungsmöglichkeiten gestoppt, zumindest deutlich abgebremst werden müssen." Nazideutschland wurde selbst bei den offenen Provokationen Remilitarisierung des Rheinlandes 1936 und Anschluss Österreichs 1938 nicht gestoppt mit den bekannten Folgen. Es bleibt zu hoffen, dass die "Neu-Russland"-Pläne Putins nie Wirklichkeit werden. So gesehen ist Aly's Werk kein reines Geschichtsbuch, sondern eine wichtige Erinnerung an erstaunliche Parallelen.
18. Jan. 2026

!["Wenn doch bloß der Krieg bald ein Ende nehmen würde, [...], das ist das Grab von Deutschlands Jugend" S. 572](https://social-cdn.read-o.com/images/1774035637842-4.jpg)






