Sanditz
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Description
Das große Epos unserer Gegenwart
Sanditz , eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler, Orgelbauer, Fliesensammler, Lokaljournalistinnen, selbsternannte Widerständler, Träumerinnen, Frührentner, Kinder, Liebespaare, verhuschte Archivare und die Familie Wenzel .
Warmherzig und multiperspektivisch verwebt Lukas Rietzschel die Erzählung der Familie und der Sanditzer Stadtbewohner zu einem Panorama deutscher Geschichten – vom Ende der DDR bis in die jüngste Gegenwart, vom Besetzen der örtlichen Stasi-Zentrale bis zum Kampf eines Freiwilligen in der Ukraine, vom Abrackern auf westdeutschen Baustellen bis zum isolierten Inseldasein während der Corona-Epidemie.
Ein Roman über Aufbruch und Niedergang, Gelingen und Scheitern des Aufruhrs, Freundschaft und Familie in umwälzenden Zeiten , über den Wunsch nach Zugehörigkeit und die Sehnsucht nach Freiheit.
Book Information
Author Description
Lukas Rietzschel, geboren 1994 in Räckelwitz in Ostsachsen. Schon sein Debütroman ›Mit der Faust in die Welt schlagen‹ (2018) war ein Bestseller, der für das Kino verfilmt wurde. 2021 erschien der zweite Roman ›Raumfahrer‹. Lukas Rietzschels Romane und Theaterstücke wurden vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Gellert-Preis, dem Sächsischen Literaturpreis und dem Literaturpreis „Text & Sprache“.
Characteristics
3 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Posts
Großartiges Gesellschaftspanorama
Sanditz ist eine kleine, fiktive Stadt in der Lausitz, geprägt vom Bergbau der Region und natürlich von den Menschen, die dort leben. Wir begleiten die Familie Wenzel/Moschnig durch die Wirren der Zeit von den 1970er Jahren bis ins Heute. Wir erleben ihr beinahe alltägliches Leben durch Höhen und Tiefen und je weiter man liest, desto dichter wird das Bild, das man über das Leben in dieser Stadt im Laufe der Jahrzehnte bekommt. Atmosphärisch wunderbar eingefangen, bekommt man zunehmend ein Gefühl für die Hoffnungen, Ängste und Unsicherheiten der Menschen, während der DDR-Zeit sowie in den Wende- und Nachwendejahren. Ich habe etwas gebraucht, um in die Geschichte reinzukommen. Aber nach und nach wollte ich wissen, wie die einzelnen Erzählstränge weitergehen und wie sich am Ende alles zu einem Panorama zusammensetzt. Und auch nach Beendigung des Romans geistern meine Gedanken weiterhin um dieses Buch. Lukas Rietzschel ist hier ein großartig erzählter Gesellschaftsroman gelungen, der das Leben in der Lausitz seit den 1970er wahrscheinlich besser einfängt als jedes Geschichtsbuch.
Lukas Rietzschel gelingt es, mit den Lebensläufen seiner Figuren Geschichte lebendig werden zu lassen.
Zeitlich spannt Lukas Rietzschel den Bogen in "Sanditz" von 1978 bis 2022 und bindet damit die Pandemie und den Beginn des Ukraine-Krieges in sein Werk ein. Sanditz ist ein fiktiver Ort am Rand der Braunkohlentagebaue im Lausitzer Review. Die Familie Wenzel, die mit ihren drei Generationen im Mittelpunkt des Romans steht, wohnt hier, seit sie ihr altes Anwesen für die Erweiterung des Tagebaus aufgeben musste. Die Familie ist in einer protestantischen Gemeinde engagiert, die - wie auch andere Kirchengemeinden - zu DDR-Zeiten ein Schutzraum für Oppositionelle gewesen. Sie trägt dazu bei, Bücher, die in der DDR nicht erhältlich sind, zugänglich zu machen und später auch dazu, die Vernichtung von Stasiakten zu verhindern. Der Roman greift aber nicht nur das Schicksal der Familienmitglieder auf, auch Freunde, Kollegen und Nachbarn der Wenzels spielen wichtige Rollen. Lukas Rietzschels Figuren sind keine Helden, sondern vielschichtige Individuen, die von den Herausforderungen ihrer Zeit betroffen sind und versuchen, ihre Werte zu leben. Der Autor skizziert ihre Wege, die sich manchmal voneinander entfernen und dann doch wieder aufeinander zu bewegen, in detailreichen Szenen, die ich als Ostdeutsche gut nachvollziehen kann. Manches, was er aufgreift, hatte ich schon fast vergessen und bin froh, erinnert zu werden. Er erzählt sensibel und ohne zu werten und scheut sich nicht, ambivalent zu bleiben. Die gemeinsame Umbruchserfahrung bringt nicht unbedingt tief empfundene Freiheit und Wohlstand, sondern eher Brüche und Vereinzelung. Die Enkelin studiert in Kassel, kommt dort aber nie richtig an und kehrt nach ihrem Abschluss zurück. Ihr Vater arbeitet nach der Wende lange im Westen und verliert dadurch den Kontakt zu seinen Kindern. Der Onkel leidet unter seinen Erfahrungen als Bausoldat und findet erst spät neue Perspektiven. Lukas Rietzschel regt dazu an, das Vergangene aus heutiger Sicht neu zu reflektieren. Dabei bleibt der Roman trotz seiner Fülle an Buchseiten, Personen und Begebenheiten stets intensiv und spannend. Diese Fülle ist auch verbunden mit einer Vielzahl von Themen, die der Roman aufgreift. Es geht um Herkunft und Identität, um Familie und Vereinsamung, um Verlust und Neuanfang, um Erwartungen und Enttäuschungen und um historische Erfahrungen, die in vielen Menschen Spuren hinterlassen haben, selbst in denen, die sie kaum noch oder nicht erlebt haben. Neben dieser Vielfalt hat mir auch Lukas Rietzschels Sprache sehr gut gefallen. Sie enthält viel Bildhaftes und vermittelt sinnliche Eindrücke, wie z.B. die Erinnerung an den Geruch von Äpfeln, die im Gras faulen, oder den Anblick der Stahlriesen im Tagebau, die der Autor mit einer Herde von Elefanten vergleicht.

Ich weiß nicht so richtig, was ich von dem Buch halten soll. Viele bekannte Orte der Lausitz kommen vor aber auch viele Handlungen und viele Personen die einfach verschwinden . Wollte der Autor hier soviel wie möglich ansprechen aber nicht zu tief gehen ? Das Buch spielt und wechselt zwischen mehreren Zeiten . Von 1978 - 2022 ist viel passiert aber auch anstrengend, weil man manchmal die Personen nicht auseinander halten kann. 2022 mit dem Ukrainekrieg finde ich sehr gut veranschaulicht.
Lukas Rietzschel hat mit Sanditz einen interessanten Episodenroman über ein Dorf in der (ehemaligen) DDR und seine Bewohner*innen geschrieben. Beginnend mit 1978 bis ins Jahr 2022. Dabei gelingt es ihm sehr gut, einem die Charaktere nahe zu bringen und die Geschichte der DDR und ihrer Auflösung (inklusive die Baseballschlägerjahre, die friedliche Revolution und was alles daran hing, der Ausverkauf an den Westen nach der Wende bis hin zur Querdenkerbewegung 2021 und den Gefühlen der Menschen zum Ukrainekrieg) spannend aufzubereiten. Ein paar der Charaktere hätte ich gerne noch genauer betrachtet/ verstanden, aber insgesamt habe ich das Buch sehr gemocht und habe mit vielen der beschriebenen Menschen mitgefühlt und -gelitten, sie bewundert, den Kopf geschüttelt und mich für sie gefreut. Geschichtlich habe ich auch einiges gelernt - insgesamt ein gutes Leseerlebnis 👍
54/2026 Sanditz
Ansich hat das Buch alles was mir gefällt. Jetzt kommt das "aber": Ich hab noch nach der Hälfte nicht richtig sortiert bekommen, wer wer ist. Die Personen konnten mich einfach nicht mitreißen. Ich bin auch immer wieder gedanklich abgeschweift, dabei interessiert mich das Thema normalerweise sehr. Das Buch hat für mich definitiv Potential, das es aber nicht voll ausschöpfen konnte. Jedenfalls für mich. Bookbeat

Zwischen Perspektivwechsel und Orientierungslosigkeit
Mit Sanditz legt Lukas Rietzschel einen Roman vor, der dem Leser diesmal deutlich mehr abverlangt als seine vorherigen beiden Bücher. Vor allem die Vielzahl an Figuren fordert Konzentration und Geduld, um wirklich den Überblick zu behalten. Das ist weniger ein Problem des Autors als vielmehr eine Herausforderung an den Leser selbst. Schwieriger wirken dagegen die vielen Zeitsprünge, die zwar chronologisch aber stellenweise nicht ausreichend vorbereitet erscheinen und dadurch mitunter den Zugang zu anderen Charakteren erschwert. Sprachlich bleibt Rietzschel oft direkt, manchmal vulgär, was zwar zur Rohheit vieler Szenen passt, mich als Leser aber zugleich immer wieder auf Distanz hält. Gerade darin liegt vielleicht auch die größte Schwäche des Romans: Er eröffnet viele Gedankenräume, lässt einen mit diesen nicht ständig aber häufig auch wieder allein zurück. Man fragt sich beim Lesen zunehmend, welche zentrale Aussage dieser dritte Roman eigentlich tragen soll – oder ob gerade die Vielzahl angerissener gesellschaftlicher Botschaften selbst das eigentliche Konzept des Buches ist. Positiv hervorzuheben ist erneut die sensible Auseinandersetzung mit den Nachwirkungen der Pandemie und des Ukrainekriegs und der Frage, was diese Krisen gesellschaftlich verändert haben oder noch immer verändern. Auch die immer wieder erkennbare Einladung zum Perspektivwechsel gehört zu den Stärken des Romans, hätte an manchen Stellen jedoch deutlich präziser und emotional greifbarer ausgearbeitet werden können, um ihre Wirkung wirklich vollständig zu entfalten.
Tief im Osten
Aus dem Mosaik, das der Autor aus der Zeit der 1970er Jahre bis zur Gegenwart baut, bildet sich ein Porträt über das Leben im „tiefen Osten“ während der DDR- und Nachwendezeit und allem, was da noch kommt: Corona, Ukraine-Krieg…. Nach und nach entrollen sich die Handlungsfäden und Schicksale der Figuren, an denen sich exemplarisch die geschichtlichen und gesellschaftlichen Ereignisse zeigen, sodass am Ende doch ein Gesamtbild eines besonderen Raums entsteht. Wer -wie ich- selbst aus dem Osten kommt, wird die Atmosphäre und die Bilder besonders spüren, die der Autor hier mit seiner starken Beobachtungsgabe einfängt. Obwohl keine Figur ein Sympathieträger ist, mochte ich sie trotzdem und habe sie und ihre Schicksale gerne begleitet. Dabei waren viele Entwicklungen überraschend, was die Charaktere noch vielschichtiger machte. Allein Toms Geschichte war mir gerade am Ende zu viel und fühlte sich für mich übertrieben und funktionslos an und passte trotz des wichtigen Themas für mich nicht organisch in den Text. Das Highlight des Buches war dagegen der Prolog mit dem Bezug zu „Krabat“. Für mich ein Kandidat für den diesjährigen Buchpreis.

Die Geschichte der fiktiven ostdeutschen Kleinstadt Sanditz und ihren Bewohnern. Über Jahrzehnte beobachten wir Leser das Leben dieser Menschen. Viele politische Veränderungen und Herausforderungen sind ihnen begegnet und prägten so ihr Leben. Themen sind unter anderem die Corona Krise, der Ukraine Krieg, die Wende. Aber auch das Leben in der DDR kurz vor dem Mauerfall wird thematisiert, soziale Ungleichheit und Familie. Es fällt mir schwer hier eine Zusammenfassung zu schreiben, weil einfach so viel passiert. Das Buch ist unglaublich umfangreich. Es kommen viele Menschen zu Wort und das ganze über diverse Zeiträume verteilt. Man muss sehr genau lesen um die Zusammenhänge nicht zu übersehen, da die Geschichte schon sehr komplex ist. Klar, präzise und nüchtern wird erzählt. Von großen Dramen wird Abstand gehalten. Richtig toll schafft Rietzschel es die Geschichten nach und nach zu einem Gesamtwerk zu verweben. Das war für mich sehr beeindruckend. Über Aufbruch, Enttäuschung und Perspektivlosigkeit, Neuordnung und auf der Suche nach dem persönlichen Glück gibt es viele Menschen, deren Geschichte erzählt wird. Meistens mit dem Hintergrund politischer Veränderungen. Für mich persönlich waren die Abschnitte über das Leben in der DDR nach der Wende am interessantesten. Das war schon eine verwirrende und prägende Zeit. Ein großer Gesellschaftsroman, den ich euch gern empfehle.
Lukas Rietzschel spannt seinen Roman von den 80er Jahren in der DDR hin bis zum Jahr 2022, mit Corona Pandemie und Ukraine Krieg. Wir begleiten Hauptsächlich die Familie Wenzel /Moschnik. Allerdings treten noch zahlreiche weitere Figuren auf, mal mehr mal weniger wichtig für den Gesamtkontext. Das Buch lässt sich schwer einordnen, es ist wohl am ehesten sowas wie ein Gesellschaftspanorama im Kleinen gezeigt an einer Familiengeschichte. Es ist auch allerdings auf Grund der vielen Figuren die auftreten und der vielen Perspektiv- und Zeitsprünge eher keine Familiengeschichte im klassischen Sinne. Kein Schmöker, wenn man so will. Mir persönlich haben einige Kapitel ausnehmend gut gefallen und werden mir auch sicherlich noch eine Weile im Gedächtnis bleiben. An anderen Stellen habe ich mich weniger abgeholt gefühlt, konnte eine gewisse Distanz zu den Figuren nicht überbrücken und demnach wenig bis kein Interesse für sie aufbringen. So war mein Leseerlebnis insgesamt durchwachsen, auch wenn ich das ein oder andere für mich mitnehmen konnte und auch emotional mehr als einmal berührt war bei der Lektüre.
Der Autor Lukas Rietzschel gehört zur jungen Generation, die nach der Wende das Licht der Welt erblickt hat. Genau vierzig Jahre nach meiner Geburt. Er beschreibt den gewöhnlichen DDR-Alltag der Menschen genau und sehr stimmig . Zumindest habe ich es vor 1989 auch so ähnlich bei Besuchen zu DDR-Zeiten teilweise erlebt - alles untermauert durch die Erzählungen, Erfahrungen von verwandten Menschen und Bekannten aus diesem vergangenen Land und seiner Zeit. Das fiktive Sanditz könnte jeder Ort gewesen sein , doch der Tagebaubetrieb in der Lausitz mit dem Verschwinden von Landschaft, den Dörfern und seinen Menschen gibt dem Roman mit seinen so unterschiedlichen Protagonist*innen einen traurigen, fremdartigen , fast melancholischen Hintergrund. Aber die Zeit steht nie still und auch die Jahre nach der Wende, die uns allen viel näher und klarer erscheinen, bekommen den perfekten, realen Rahmen vom Autor. Er hat ein Stück deutscher Geschichte verewigt mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Bevölkerung, die charakterlichen Veränderungen im Leben der typisch Ostdeutschen korrekten Familie Wenzel und den vielen, bunten Nebenfiguren, die in seinem Roman eine bedeutende Rolle spielen, auf - und abtauchen in der nie langweiligen Rahmenhandlung. Das Buch erzählt bis zum heutigen andauernden Ukraine Krieg, den das Familienmitglied Tom als Freiwilliger Soldat erlebt und schildert. Diesen grausamen Schilderungen im letzten Drittel des Buches möchte ich eine Triggerwarnung ( Kriegsereignise, Gewalt, Tod, ) hier mitgeben. Das Buch liest sich wie ein spannendes Geschichtslehrbuch der letzten Jahrzehnte. Ein echter Krimi pur für alle Generationen zum NACHERLEBEN und VERSTEHEN. FÜNF STERNE *****
Wenn eine Kleinstadt ein ganzes Land erzählt
Manche Bücher liest man nicht einfach weg, sie legen sich wie feiner Staub auf die Gedanken und bleiben dort erst einmal liegen. Sanditz ist so ein Roman. Eine Kleinstadt am Rand, aber eigentlich mitten in allem, was dieses Land geprägt, zerrissen und verändert hat. Lukas Rietzschel erzählt nicht laut, nicht reißerisch, sondern mit einem genauen Blick für Menschen, die oft übersehen werden. Für Familien, die sich durch Umbrüche kämpfen. Für Hoffnungen, die groß beginnen und irgendwann müde in der Ecke sitzen. Für diese leisen Brüche, die niemand sieht, die aber ein ganzes Leben verschieben können. Besonders berührt hat mich, wie viele Stimmen hier Platz bekommen. Alte Geschichten, neue Verletzungen, Wendezeit, Corona, Ukraine, Freundschaft, Familie, Zugehörigkeit und diese ständige Sehnsucht nach Freiheit. Das ist viel, manchmal fast zu viel, und genau deshalb braucht das Buch Aufmerksamkeit. Sanditz ist kein Roman zum Nebenbei-Lesen. Er fordert Geduld, aber er gibt auch viel zurück. Die Sprache ist warm, beobachtend und oft schmerzhaft nah. Nicht jede Figur hat mich gleich stark erreicht, manche Wege wirken sperriger als andere, doch das Gesamtbild hat Kraft. Am Ende bleibt ein Roman, der nicht beschönigt, nicht erklärt wie ein Schulbuch, sondern fühlen lässt, wie Geschichte in Menschen weiterlebt. Für mich ein eindrucksvolles, kluges und emotional nachhallendes Buch.

Ich bin sehr gespaltener Meinung bezüglich dieses Buches und der Bewertung. Auf der einen Seite ist es sehr wortgewaltig, was die Erlebnisse von Tom im Ukrainekrieg betrifft und auf der anderen Seite brauchte ich einen langen Atem um überhaupt in diese Literatur einzusteigen, welches folgende Gründe hatte. Zunächst begann alles mit der Corona Krise, diese hatte für mich nicht nur ausschließlich etwas mit dem Osten von Deutschland zu tun. Die Erzählweise war sehr langatmig und vieles einfach und belanglos, so dass ich fast das Buch hätte aufgegeben zu lesen. Komischerweise wurde das Aufgeben von Büchern zum Thema des Buches, als ich es so in Erwägung zog. Was mich sehr gestört hat, war die fekale Sprache, die sich bis zum Schluss durchzog wie auch die derben Beschreibungen von Sexszenen. Eine Empfehlung zu geben finde ich schwer
Gutes Buch, leider trotzdem unter den Erwartungen
Ich wollte dieses Buch gerne mögen, da Lukas Rietzschel für mich ein sehr geschätzter Autor ist. Am Ende nahm es nochmal Fahrt auf, jedoch irritierten mich vor allem am Anfang die vielen Sprünge zwischen Zeiten und Personen, einige der Personen traten nur in einem Kapitel auf und dann nie wieder. Den Bogen zum Ukraine-Krieg habe ich nicht ganz verstanden im Bezug zum restlichen Buch, wenngleich die Kapitel spannend und sehr eindrücklich waren. Erinnerte stellenweise an „Unter Leuten“, aber verwirrender. Lesenswert, auf jeden Fall, aber kein All-Time-Favourite.
Die Geschichte spielt überwiegend in einem fiktiven ostdeutschen Städtchen. Die politischen Gegebenheiten (DDR, Wende, Corona-Pandemie) geben die Kulisse vor dem sich das Leben von drei Generationen der Familien Wenzel/Moschnik entfaltet. Es gibt viele Zeitsprünge, Perspektivwechsel, was die Geschichte meiner Ansicht nach, interessant macht. Anfangs habe ich das Buch nur gehört, kam aber nicht immer mit diesen Wechseln so mit, sodass ich mir das Buch besorgt habe. Ohne genauer sagen zu können warum, hat mir die Geschichte sehr gut gefallen.
Ich hätte es ahnen müssen. Was medial so theatralisch gehypt wird, hält literarisch selten das, was es verspricht. Zugegeben : Lukas Rietzschel ist ein spannender, talentierter, junger Autor. Seine ersten beiden Romane haben mir gut gefallen. Sein authentischer Blick auf Ostdeutschland ist so notwendig wie erhellend. Mit seinem angeblich bisher bestem, seinem dritten Roman "Sanditz", verzettelt er sich jedoch. Wenige der zahlreichen Figuren und Bewohner des fiktiven Städtchens Sanditz berühren oder interessieren einen. Die meisten bleiben blass. Kein Wunder, hat man trotz fast 500 Seiten auch kaum Zeit, sie kennen zu lernen. Sie bleiben oberflächlich, ohne jede Tiefe oder psychologische Zweidimensionalität. Und wenn, dann sind es psychologische Stereotypen. Dafür sind Häuser, Landschaften, Straßen, jeder Hügel, jede Inneneinrichtung, bis ins kleinste Detail beschrieben. Sprachlich ist das ok, inhaltlich ist es schnell langweilig und redundant. Wobei auch die abgehakte, stakkatohafte und prätentiöse Sprache irgendwann nervt. Dazu sind die vielen Zeitsprünge umstrukturiert, oft wahllos. Kaum nähert man sich einer Figur, ist man schon woanders. Manche Handlungsstränge laufen vollkommen ins Leere und brechen irgendwo ab. Und die Kapitel sind viel zu kurz, um wirklich mal tiefere Einblicke zu geben. Über Ostdeutschland und darüber, warum es so ist, wie es ist, lernt man so gut wie nichts. Der große Ostroman, den das Literarische Quartett angekündigt hat, bleibt Worthülse, ein leeres Versprechen. Eine psychologische Verständnisebene für Hoffnungen, Frustration, Enttäuschung, Wut oder ähnliches, erreicht der Roman so gut wie nie. Stattdessen wird von Stasi bis Mauerfall, von Corona bis Ukrainekrieg alles in einen Roman geklatscht. Überambitioniert, überfrachtet, von allem zu viel, außer von inhaltlicher oder psychologischer Substanz. Einzig süffig zu lesen war es. Wenn es der Anspruch des Autors war, einen neuen Blick auf die neuere, ostdeutsche Geschichte und die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen dort zu werfen, dann ist Lukas Rietzschel mit "Sanditz" zum ersten Mal leider krachend gescheitert.
Characteristics
3 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Description
Das große Epos unserer Gegenwart
Sanditz , eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler, Orgelbauer, Fliesensammler, Lokaljournalistinnen, selbsternannte Widerständler, Träumerinnen, Frührentner, Kinder, Liebespaare, verhuschte Archivare und die Familie Wenzel .
Warmherzig und multiperspektivisch verwebt Lukas Rietzschel die Erzählung der Familie und der Sanditzer Stadtbewohner zu einem Panorama deutscher Geschichten – vom Ende der DDR bis in die jüngste Gegenwart, vom Besetzen der örtlichen Stasi-Zentrale bis zum Kampf eines Freiwilligen in der Ukraine, vom Abrackern auf westdeutschen Baustellen bis zum isolierten Inseldasein während der Corona-Epidemie.
Ein Roman über Aufbruch und Niedergang, Gelingen und Scheitern des Aufruhrs, Freundschaft und Familie in umwälzenden Zeiten , über den Wunsch nach Zugehörigkeit und die Sehnsucht nach Freiheit.
Book Information
Author Description
Lukas Rietzschel, geboren 1994 in Räckelwitz in Ostsachsen. Schon sein Debütroman ›Mit der Faust in die Welt schlagen‹ (2018) war ein Bestseller, der für das Kino verfilmt wurde. 2021 erschien der zweite Roman ›Raumfahrer‹. Lukas Rietzschels Romane und Theaterstücke wurden vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Gellert-Preis, dem Sächsischen Literaturpreis und dem Literaturpreis „Text & Sprache“.
Posts
Großartiges Gesellschaftspanorama
Sanditz ist eine kleine, fiktive Stadt in der Lausitz, geprägt vom Bergbau der Region und natürlich von den Menschen, die dort leben. Wir begleiten die Familie Wenzel/Moschnig durch die Wirren der Zeit von den 1970er Jahren bis ins Heute. Wir erleben ihr beinahe alltägliches Leben durch Höhen und Tiefen und je weiter man liest, desto dichter wird das Bild, das man über das Leben in dieser Stadt im Laufe der Jahrzehnte bekommt. Atmosphärisch wunderbar eingefangen, bekommt man zunehmend ein Gefühl für die Hoffnungen, Ängste und Unsicherheiten der Menschen, während der DDR-Zeit sowie in den Wende- und Nachwendejahren. Ich habe etwas gebraucht, um in die Geschichte reinzukommen. Aber nach und nach wollte ich wissen, wie die einzelnen Erzählstränge weitergehen und wie sich am Ende alles zu einem Panorama zusammensetzt. Und auch nach Beendigung des Romans geistern meine Gedanken weiterhin um dieses Buch. Lukas Rietzschel ist hier ein großartig erzählter Gesellschaftsroman gelungen, der das Leben in der Lausitz seit den 1970er wahrscheinlich besser einfängt als jedes Geschichtsbuch.
Lukas Rietzschel gelingt es, mit den Lebensläufen seiner Figuren Geschichte lebendig werden zu lassen.
Zeitlich spannt Lukas Rietzschel den Bogen in "Sanditz" von 1978 bis 2022 und bindet damit die Pandemie und den Beginn des Ukraine-Krieges in sein Werk ein. Sanditz ist ein fiktiver Ort am Rand der Braunkohlentagebaue im Lausitzer Review. Die Familie Wenzel, die mit ihren drei Generationen im Mittelpunkt des Romans steht, wohnt hier, seit sie ihr altes Anwesen für die Erweiterung des Tagebaus aufgeben musste. Die Familie ist in einer protestantischen Gemeinde engagiert, die - wie auch andere Kirchengemeinden - zu DDR-Zeiten ein Schutzraum für Oppositionelle gewesen. Sie trägt dazu bei, Bücher, die in der DDR nicht erhältlich sind, zugänglich zu machen und später auch dazu, die Vernichtung von Stasiakten zu verhindern. Der Roman greift aber nicht nur das Schicksal der Familienmitglieder auf, auch Freunde, Kollegen und Nachbarn der Wenzels spielen wichtige Rollen. Lukas Rietzschels Figuren sind keine Helden, sondern vielschichtige Individuen, die von den Herausforderungen ihrer Zeit betroffen sind und versuchen, ihre Werte zu leben. Der Autor skizziert ihre Wege, die sich manchmal voneinander entfernen und dann doch wieder aufeinander zu bewegen, in detailreichen Szenen, die ich als Ostdeutsche gut nachvollziehen kann. Manches, was er aufgreift, hatte ich schon fast vergessen und bin froh, erinnert zu werden. Er erzählt sensibel und ohne zu werten und scheut sich nicht, ambivalent zu bleiben. Die gemeinsame Umbruchserfahrung bringt nicht unbedingt tief empfundene Freiheit und Wohlstand, sondern eher Brüche und Vereinzelung. Die Enkelin studiert in Kassel, kommt dort aber nie richtig an und kehrt nach ihrem Abschluss zurück. Ihr Vater arbeitet nach der Wende lange im Westen und verliert dadurch den Kontakt zu seinen Kindern. Der Onkel leidet unter seinen Erfahrungen als Bausoldat und findet erst spät neue Perspektiven. Lukas Rietzschel regt dazu an, das Vergangene aus heutiger Sicht neu zu reflektieren. Dabei bleibt der Roman trotz seiner Fülle an Buchseiten, Personen und Begebenheiten stets intensiv und spannend. Diese Fülle ist auch verbunden mit einer Vielzahl von Themen, die der Roman aufgreift. Es geht um Herkunft und Identität, um Familie und Vereinsamung, um Verlust und Neuanfang, um Erwartungen und Enttäuschungen und um historische Erfahrungen, die in vielen Menschen Spuren hinterlassen haben, selbst in denen, die sie kaum noch oder nicht erlebt haben. Neben dieser Vielfalt hat mir auch Lukas Rietzschels Sprache sehr gut gefallen. Sie enthält viel Bildhaftes und vermittelt sinnliche Eindrücke, wie z.B. die Erinnerung an den Geruch von Äpfeln, die im Gras faulen, oder den Anblick der Stahlriesen im Tagebau, die der Autor mit einer Herde von Elefanten vergleicht.

Ich weiß nicht so richtig, was ich von dem Buch halten soll. Viele bekannte Orte der Lausitz kommen vor aber auch viele Handlungen und viele Personen die einfach verschwinden . Wollte der Autor hier soviel wie möglich ansprechen aber nicht zu tief gehen ? Das Buch spielt und wechselt zwischen mehreren Zeiten . Von 1978 - 2022 ist viel passiert aber auch anstrengend, weil man manchmal die Personen nicht auseinander halten kann. 2022 mit dem Ukrainekrieg finde ich sehr gut veranschaulicht.
Lukas Rietzschel hat mit Sanditz einen interessanten Episodenroman über ein Dorf in der (ehemaligen) DDR und seine Bewohner*innen geschrieben. Beginnend mit 1978 bis ins Jahr 2022. Dabei gelingt es ihm sehr gut, einem die Charaktere nahe zu bringen und die Geschichte der DDR und ihrer Auflösung (inklusive die Baseballschlägerjahre, die friedliche Revolution und was alles daran hing, der Ausverkauf an den Westen nach der Wende bis hin zur Querdenkerbewegung 2021 und den Gefühlen der Menschen zum Ukrainekrieg) spannend aufzubereiten. Ein paar der Charaktere hätte ich gerne noch genauer betrachtet/ verstanden, aber insgesamt habe ich das Buch sehr gemocht und habe mit vielen der beschriebenen Menschen mitgefühlt und -gelitten, sie bewundert, den Kopf geschüttelt und mich für sie gefreut. Geschichtlich habe ich auch einiges gelernt - insgesamt ein gutes Leseerlebnis 👍
54/2026 Sanditz
Ansich hat das Buch alles was mir gefällt. Jetzt kommt das "aber": Ich hab noch nach der Hälfte nicht richtig sortiert bekommen, wer wer ist. Die Personen konnten mich einfach nicht mitreißen. Ich bin auch immer wieder gedanklich abgeschweift, dabei interessiert mich das Thema normalerweise sehr. Das Buch hat für mich definitiv Potential, das es aber nicht voll ausschöpfen konnte. Jedenfalls für mich. Bookbeat

Zwischen Perspektivwechsel und Orientierungslosigkeit
Mit Sanditz legt Lukas Rietzschel einen Roman vor, der dem Leser diesmal deutlich mehr abverlangt als seine vorherigen beiden Bücher. Vor allem die Vielzahl an Figuren fordert Konzentration und Geduld, um wirklich den Überblick zu behalten. Das ist weniger ein Problem des Autors als vielmehr eine Herausforderung an den Leser selbst. Schwieriger wirken dagegen die vielen Zeitsprünge, die zwar chronologisch aber stellenweise nicht ausreichend vorbereitet erscheinen und dadurch mitunter den Zugang zu anderen Charakteren erschwert. Sprachlich bleibt Rietzschel oft direkt, manchmal vulgär, was zwar zur Rohheit vieler Szenen passt, mich als Leser aber zugleich immer wieder auf Distanz hält. Gerade darin liegt vielleicht auch die größte Schwäche des Romans: Er eröffnet viele Gedankenräume, lässt einen mit diesen nicht ständig aber häufig auch wieder allein zurück. Man fragt sich beim Lesen zunehmend, welche zentrale Aussage dieser dritte Roman eigentlich tragen soll – oder ob gerade die Vielzahl angerissener gesellschaftlicher Botschaften selbst das eigentliche Konzept des Buches ist. Positiv hervorzuheben ist erneut die sensible Auseinandersetzung mit den Nachwirkungen der Pandemie und des Ukrainekriegs und der Frage, was diese Krisen gesellschaftlich verändert haben oder noch immer verändern. Auch die immer wieder erkennbare Einladung zum Perspektivwechsel gehört zu den Stärken des Romans, hätte an manchen Stellen jedoch deutlich präziser und emotional greifbarer ausgearbeitet werden können, um ihre Wirkung wirklich vollständig zu entfalten.
Tief im Osten
Aus dem Mosaik, das der Autor aus der Zeit der 1970er Jahre bis zur Gegenwart baut, bildet sich ein Porträt über das Leben im „tiefen Osten“ während der DDR- und Nachwendezeit und allem, was da noch kommt: Corona, Ukraine-Krieg…. Nach und nach entrollen sich die Handlungsfäden und Schicksale der Figuren, an denen sich exemplarisch die geschichtlichen und gesellschaftlichen Ereignisse zeigen, sodass am Ende doch ein Gesamtbild eines besonderen Raums entsteht. Wer -wie ich- selbst aus dem Osten kommt, wird die Atmosphäre und die Bilder besonders spüren, die der Autor hier mit seiner starken Beobachtungsgabe einfängt. Obwohl keine Figur ein Sympathieträger ist, mochte ich sie trotzdem und habe sie und ihre Schicksale gerne begleitet. Dabei waren viele Entwicklungen überraschend, was die Charaktere noch vielschichtiger machte. Allein Toms Geschichte war mir gerade am Ende zu viel und fühlte sich für mich übertrieben und funktionslos an und passte trotz des wichtigen Themas für mich nicht organisch in den Text. Das Highlight des Buches war dagegen der Prolog mit dem Bezug zu „Krabat“. Für mich ein Kandidat für den diesjährigen Buchpreis.

Die Geschichte der fiktiven ostdeutschen Kleinstadt Sanditz und ihren Bewohnern. Über Jahrzehnte beobachten wir Leser das Leben dieser Menschen. Viele politische Veränderungen und Herausforderungen sind ihnen begegnet und prägten so ihr Leben. Themen sind unter anderem die Corona Krise, der Ukraine Krieg, die Wende. Aber auch das Leben in der DDR kurz vor dem Mauerfall wird thematisiert, soziale Ungleichheit und Familie. Es fällt mir schwer hier eine Zusammenfassung zu schreiben, weil einfach so viel passiert. Das Buch ist unglaublich umfangreich. Es kommen viele Menschen zu Wort und das ganze über diverse Zeiträume verteilt. Man muss sehr genau lesen um die Zusammenhänge nicht zu übersehen, da die Geschichte schon sehr komplex ist. Klar, präzise und nüchtern wird erzählt. Von großen Dramen wird Abstand gehalten. Richtig toll schafft Rietzschel es die Geschichten nach und nach zu einem Gesamtwerk zu verweben. Das war für mich sehr beeindruckend. Über Aufbruch, Enttäuschung und Perspektivlosigkeit, Neuordnung und auf der Suche nach dem persönlichen Glück gibt es viele Menschen, deren Geschichte erzählt wird. Meistens mit dem Hintergrund politischer Veränderungen. Für mich persönlich waren die Abschnitte über das Leben in der DDR nach der Wende am interessantesten. Das war schon eine verwirrende und prägende Zeit. Ein großer Gesellschaftsroman, den ich euch gern empfehle.
Lukas Rietzschel spannt seinen Roman von den 80er Jahren in der DDR hin bis zum Jahr 2022, mit Corona Pandemie und Ukraine Krieg. Wir begleiten Hauptsächlich die Familie Wenzel /Moschnik. Allerdings treten noch zahlreiche weitere Figuren auf, mal mehr mal weniger wichtig für den Gesamtkontext. Das Buch lässt sich schwer einordnen, es ist wohl am ehesten sowas wie ein Gesellschaftspanorama im Kleinen gezeigt an einer Familiengeschichte. Es ist auch allerdings auf Grund der vielen Figuren die auftreten und der vielen Perspektiv- und Zeitsprünge eher keine Familiengeschichte im klassischen Sinne. Kein Schmöker, wenn man so will. Mir persönlich haben einige Kapitel ausnehmend gut gefallen und werden mir auch sicherlich noch eine Weile im Gedächtnis bleiben. An anderen Stellen habe ich mich weniger abgeholt gefühlt, konnte eine gewisse Distanz zu den Figuren nicht überbrücken und demnach wenig bis kein Interesse für sie aufbringen. So war mein Leseerlebnis insgesamt durchwachsen, auch wenn ich das ein oder andere für mich mitnehmen konnte und auch emotional mehr als einmal berührt war bei der Lektüre.
Der Autor Lukas Rietzschel gehört zur jungen Generation, die nach der Wende das Licht der Welt erblickt hat. Genau vierzig Jahre nach meiner Geburt. Er beschreibt den gewöhnlichen DDR-Alltag der Menschen genau und sehr stimmig . Zumindest habe ich es vor 1989 auch so ähnlich bei Besuchen zu DDR-Zeiten teilweise erlebt - alles untermauert durch die Erzählungen, Erfahrungen von verwandten Menschen und Bekannten aus diesem vergangenen Land und seiner Zeit. Das fiktive Sanditz könnte jeder Ort gewesen sein , doch der Tagebaubetrieb in der Lausitz mit dem Verschwinden von Landschaft, den Dörfern und seinen Menschen gibt dem Roman mit seinen so unterschiedlichen Protagonist*innen einen traurigen, fremdartigen , fast melancholischen Hintergrund. Aber die Zeit steht nie still und auch die Jahre nach der Wende, die uns allen viel näher und klarer erscheinen, bekommen den perfekten, realen Rahmen vom Autor. Er hat ein Stück deutscher Geschichte verewigt mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Bevölkerung, die charakterlichen Veränderungen im Leben der typisch Ostdeutschen korrekten Familie Wenzel und den vielen, bunten Nebenfiguren, die in seinem Roman eine bedeutende Rolle spielen, auf - und abtauchen in der nie langweiligen Rahmenhandlung. Das Buch erzählt bis zum heutigen andauernden Ukraine Krieg, den das Familienmitglied Tom als Freiwilliger Soldat erlebt und schildert. Diesen grausamen Schilderungen im letzten Drittel des Buches möchte ich eine Triggerwarnung ( Kriegsereignise, Gewalt, Tod, ) hier mitgeben. Das Buch liest sich wie ein spannendes Geschichtslehrbuch der letzten Jahrzehnte. Ein echter Krimi pur für alle Generationen zum NACHERLEBEN und VERSTEHEN. FÜNF STERNE *****
Wenn eine Kleinstadt ein ganzes Land erzählt
Manche Bücher liest man nicht einfach weg, sie legen sich wie feiner Staub auf die Gedanken und bleiben dort erst einmal liegen. Sanditz ist so ein Roman. Eine Kleinstadt am Rand, aber eigentlich mitten in allem, was dieses Land geprägt, zerrissen und verändert hat. Lukas Rietzschel erzählt nicht laut, nicht reißerisch, sondern mit einem genauen Blick für Menschen, die oft übersehen werden. Für Familien, die sich durch Umbrüche kämpfen. Für Hoffnungen, die groß beginnen und irgendwann müde in der Ecke sitzen. Für diese leisen Brüche, die niemand sieht, die aber ein ganzes Leben verschieben können. Besonders berührt hat mich, wie viele Stimmen hier Platz bekommen. Alte Geschichten, neue Verletzungen, Wendezeit, Corona, Ukraine, Freundschaft, Familie, Zugehörigkeit und diese ständige Sehnsucht nach Freiheit. Das ist viel, manchmal fast zu viel, und genau deshalb braucht das Buch Aufmerksamkeit. Sanditz ist kein Roman zum Nebenbei-Lesen. Er fordert Geduld, aber er gibt auch viel zurück. Die Sprache ist warm, beobachtend und oft schmerzhaft nah. Nicht jede Figur hat mich gleich stark erreicht, manche Wege wirken sperriger als andere, doch das Gesamtbild hat Kraft. Am Ende bleibt ein Roman, der nicht beschönigt, nicht erklärt wie ein Schulbuch, sondern fühlen lässt, wie Geschichte in Menschen weiterlebt. Für mich ein eindrucksvolles, kluges und emotional nachhallendes Buch.

Ich bin sehr gespaltener Meinung bezüglich dieses Buches und der Bewertung. Auf der einen Seite ist es sehr wortgewaltig, was die Erlebnisse von Tom im Ukrainekrieg betrifft und auf der anderen Seite brauchte ich einen langen Atem um überhaupt in diese Literatur einzusteigen, welches folgende Gründe hatte. Zunächst begann alles mit der Corona Krise, diese hatte für mich nicht nur ausschließlich etwas mit dem Osten von Deutschland zu tun. Die Erzählweise war sehr langatmig und vieles einfach und belanglos, so dass ich fast das Buch hätte aufgegeben zu lesen. Komischerweise wurde das Aufgeben von Büchern zum Thema des Buches, als ich es so in Erwägung zog. Was mich sehr gestört hat, war die fekale Sprache, die sich bis zum Schluss durchzog wie auch die derben Beschreibungen von Sexszenen. Eine Empfehlung zu geben finde ich schwer
Gutes Buch, leider trotzdem unter den Erwartungen
Ich wollte dieses Buch gerne mögen, da Lukas Rietzschel für mich ein sehr geschätzter Autor ist. Am Ende nahm es nochmal Fahrt auf, jedoch irritierten mich vor allem am Anfang die vielen Sprünge zwischen Zeiten und Personen, einige der Personen traten nur in einem Kapitel auf und dann nie wieder. Den Bogen zum Ukraine-Krieg habe ich nicht ganz verstanden im Bezug zum restlichen Buch, wenngleich die Kapitel spannend und sehr eindrücklich waren. Erinnerte stellenweise an „Unter Leuten“, aber verwirrender. Lesenswert, auf jeden Fall, aber kein All-Time-Favourite.
Die Geschichte spielt überwiegend in einem fiktiven ostdeutschen Städtchen. Die politischen Gegebenheiten (DDR, Wende, Corona-Pandemie) geben die Kulisse vor dem sich das Leben von drei Generationen der Familien Wenzel/Moschnik entfaltet. Es gibt viele Zeitsprünge, Perspektivwechsel, was die Geschichte meiner Ansicht nach, interessant macht. Anfangs habe ich das Buch nur gehört, kam aber nicht immer mit diesen Wechseln so mit, sodass ich mir das Buch besorgt habe. Ohne genauer sagen zu können warum, hat mir die Geschichte sehr gut gefallen.
Ich hätte es ahnen müssen. Was medial so theatralisch gehypt wird, hält literarisch selten das, was es verspricht. Zugegeben : Lukas Rietzschel ist ein spannender, talentierter, junger Autor. Seine ersten beiden Romane haben mir gut gefallen. Sein authentischer Blick auf Ostdeutschland ist so notwendig wie erhellend. Mit seinem angeblich bisher bestem, seinem dritten Roman "Sanditz", verzettelt er sich jedoch. Wenige der zahlreichen Figuren und Bewohner des fiktiven Städtchens Sanditz berühren oder interessieren einen. Die meisten bleiben blass. Kein Wunder, hat man trotz fast 500 Seiten auch kaum Zeit, sie kennen zu lernen. Sie bleiben oberflächlich, ohne jede Tiefe oder psychologische Zweidimensionalität. Und wenn, dann sind es psychologische Stereotypen. Dafür sind Häuser, Landschaften, Straßen, jeder Hügel, jede Inneneinrichtung, bis ins kleinste Detail beschrieben. Sprachlich ist das ok, inhaltlich ist es schnell langweilig und redundant. Wobei auch die abgehakte, stakkatohafte und prätentiöse Sprache irgendwann nervt. Dazu sind die vielen Zeitsprünge umstrukturiert, oft wahllos. Kaum nähert man sich einer Figur, ist man schon woanders. Manche Handlungsstränge laufen vollkommen ins Leere und brechen irgendwo ab. Und die Kapitel sind viel zu kurz, um wirklich mal tiefere Einblicke zu geben. Über Ostdeutschland und darüber, warum es so ist, wie es ist, lernt man so gut wie nichts. Der große Ostroman, den das Literarische Quartett angekündigt hat, bleibt Worthülse, ein leeres Versprechen. Eine psychologische Verständnisebene für Hoffnungen, Frustration, Enttäuschung, Wut oder ähnliches, erreicht der Roman so gut wie nie. Stattdessen wird von Stasi bis Mauerfall, von Corona bis Ukrainekrieg alles in einen Roman geklatscht. Überambitioniert, überfrachtet, von allem zu viel, außer von inhaltlicher oder psychologischer Substanz. Einzig süffig zu lesen war es. Wenn es der Anspruch des Autors war, einen neuen Blick auf die neuere, ostdeutsche Geschichte und die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen dort zu werfen, dann ist Lukas Rietzschel mit "Sanditz" zum ersten Mal leider krachend gescheitert.





















