Unverfügbarkeit
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Description
Book Information
Author Description
geboren 1965, ist Professor für Allgemeine und Theoretische Soziologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena sowie Direktor des Max-Weber-Kollegs in Erfurt. Für seine Werke erhielt er zahlreiche Preise, zuletzt den Tractatus-Essaypreis 2016 und den Erich-Fromm-Preis 2018. Zuletzt erschienen u. a.: „Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne“ (2005), „Beschleunigung und Entfremdung – Entwurf einer kritischen Theorie spätmoderner Zeitlichkeit“ (2013), „Resonanz. Eine Soziologie der Weltbeziehung“ (2016) und „Unverfügbarkeit“ (2018).
Posts
Nach sehr langer Zeit gibt es von mir mal wieder eine schriftliche Rezension – ich denke zu diesem Buch kann ich meine Gedanken am besten schriftlich formulieren. Es ist nicht das, was Instagram sehen will, weil keine Rage und keine Unterhaltung und so aber das ist mir egal. Auch wenn der Beitrag nur 3 Likes kriegt (Mama, Ich und mein Fake Account). Lets go: Unverfügbarkeit hat bei mir vor allem wegen eines Gedankens angedockt. Wenn Rosa von Resonanz spricht (ein Kernbegriff seines Texes), meint er nicht einfach, dass man irgendwo anwesend ist oder etwas erlebt. Er meint diese innere Verbindung zu einer Situation. Diesen Moment, in dem etwas in dir mitschwingt, dich wirklich berührt und mehr auslöst als bloßes Konsumieren. Im philosophischen Sinn geht es um eine Beziehung zur Welt, aus der etwas entsteht, das man am ehesten als Erfüllung oder Glück beschreiben kann. Und sein Punkt ist: So eine „Resonanz“ zur Welt kann man nicht herstellen wie auf Knopfdruck. Wir leben in einer Welt, in der wir alles sofort haben wollen und oft auch sofort haben können, wenn der Geldbeutel oder der Kreditrahmen mitspielt. Aber je verfügbarer alles wird, desto mehr verliert es seinen Wert. Und desto häufiger bleibt diese innere Verbindung aus, die man sich eigentlich durch große Investitionen erhofft. Beispielsweise bei einer teuer gebuchten Safari: Menschen sitzen mitten in der Natur, sehen Tiere, Landschaft, das volle Programm und trotzdem passiert innerlich nichts. Man ist da, aber man ist nicht wirklich verbunden mit dem, was vor einem liegt. Das trifft in meinen Augen einen wunden Punkt unserer Zeit. Ich habe mir ohnehin oft gedacht, dass Wissenschaft, Technik und Ökonomie die Welt in vielem entzaubert haben. Natürlich hat das riesige Vorteile. Vieles ist leichter, schneller, bequemer geworden. Aber gleichzeitig ist auch viel Reiz verschwunden. Wie spannend muss es vor 100 Jahren gewesen sein, an ein weit entferntes Land zu denken und schlicht nicht zu wissen, wie es dort aussieht, welche Menschen dort leben, wie der Alltag dort ist. Heute tippst du zwei Wörter ins Handy und das Geheimnis ist weg. Das hat mich auch an meine Kindheit erinnert. Wenn ich Nintendo gespielt habe, dachte ich früher wirklich, dass die Gegner bei Super Mario bestimmt von anderen Kindern an anderen Nintendos irgendwo auf der großen weiten Welt gesteuert werden. Total absurd natürlich, aber diese Vorstellung hat die Fantasie befeuert. Heute bleibt dafür kaum noch Raum. Alles ist abrufbar, erklärbar, sichtbar. Und ich finde, dieses Dauer-Verfügbare macht vieles kaputt. Ich musste auch an einen Moment denken, als ich ungefähr 14 war. Ich habe in der U-Bahn ein Mädchen gesehen, das so hübsch war, dass wir noch im Freundeskreis monatelang von ihr geschwärmt haben – dem unbekannten Girl aus der Bahn. Heute würde so etwas kaum noch passieren. Du machst Instagram auf und hast sofort zehn krassere vor der Nase. Das Mädchen in der U-Bahn ist nach drei Sekunden vergessen. Auch da merkt man, was Verfügbarkeit mit Wahrnehmung macht. Nichts darf mehr nachhallen, weil schon das Nächste auf dich einprügelt. Und dann die Frage, die über allem schwebt: War früher wirklich alles besser? Natürlich nicht. Technologie bringt brutal viele Vorteile. Aber man darf trotzdem fragen, ob sie dem Leben nicht auch einen Teil seines Reizes genommen hat. Wenn früher jemand auf Weltreise war, war diese Person wirklich weg. Monate später kam sie zurück und hatte Geschichten im Gepäck. Heute ist es fast egal, wo jemand ist. Facetime, Nachrichten, Bilder, Standort, Dauerkontakt. Alles läuft weiter. Man ist körperlich woanders, aber geistig oft immer noch im selben Alltag. Kann man sich überhaupt noch wirklich entfernen, ohne das Handy wegzuwerfen? Auch deshalb fand ich das Buch stark. Es beschreibt etwas, das viele spüren, aber selten so auf den Punkt bringen. Dass das Leben nicht automatisch intensiver wird, nur weil alles leichter zugänglich ist. Eher im Gegenteil - die Welt wird entzaubert und alles verliert an Wert. Wahre Resonanz ist eine Seltenheit geworden. Mein Kritikpunkt an dem Buch: Es wiederholt sich mir zu oft. Darum 3 Sterne. Leseempfehlung vor allem für Kapitel 1 bis 4. Der Rest ist auch interessant, aber nicht zwingend notwendig.

Das Buch Unverfügbarkeit von Hartmut Rosa untersucht, wie die moderne Gesellschaft mit der ständigen Verfügbarkeit von allem umgeht und wie das unsere Beziehungen, Arbeit und persönliche Entwicklung beeinflusst.
Ein starker Erklärungsversuch warum wir trotz hoher Verfügbarkeit von Allem es immer schwieriger haben in eine Resonanzbeziehung zur Welt zu kommen. Wir befinden uns in einem ständigen Dilemma zwischen Verfügbarmachung und Geschehen lassen. Je mehr wir versuchen die totale Verfügbarkeit zu schaffen, desto mehr verlieren wir uns in fehlenden Resonanzböden gesellschaftlicher Beziehungen. Für Soziologen und Philosophen.
Theorie zum Nachdenken!
Hartmut Rosa ist einer der klügsten Köpfe in meinen Augen. Seine Resonanztheorie hat meinen Blick krass gewandelt und auch das Buch ist super aufschlussreich. Ich finde in seinen Vorträgen und seiner Sprache ist er deutlich besser zu greifen und ihm ist besser zu folgen als in Schrift, wo er sich teilweise komplex ausdrückt! Die Gedanken sind trotzdem hervorragend!
Eine gnadenlose Diagnose unserer heutigen Zeit und was gerade - in meinen Augen - unheimlich falsch läuft. Kompakt, philosophisch direkt und anhand perfekter Vergleiche und Beispielen hat Rosa hier eine Punktlandung hingelegt, will man sein Verhalten und die unerklärliche innere Unzufriedenheit hinterfragen und erkennen. Wer einen (pessimistischen) fundierten Einblick in unsere Gesellschaft und damit einhergehender Kollektiv-Psychosen erhaschen will, liest dieses Buch.
Das Buch zeigt, wie stark wir heute versuchen, die Welt kontrollierbar zu machen – alles soll planbar, erreichbar und verfügbar sein. Was dabei verloren geht: die Momente, die sich eben nicht erzwingen lassen. Beziehungen, echte Erfahrungen oder auch Zufälle entstehen oft genau dort, wo wir keine Kontrolle haben. Rosa macht deutlich: Nicht alles im Leben lässt sich optimieren – und genau darin liegt oft der eigentliche Wert.
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geboren 1965, ist Professor für Allgemeine und Theoretische Soziologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena sowie Direktor des Max-Weber-Kollegs in Erfurt. Für seine Werke erhielt er zahlreiche Preise, zuletzt den Tractatus-Essaypreis 2016 und den Erich-Fromm-Preis 2018. Zuletzt erschienen u. a.: „Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne“ (2005), „Beschleunigung und Entfremdung – Entwurf einer kritischen Theorie spätmoderner Zeitlichkeit“ (2013), „Resonanz. Eine Soziologie der Weltbeziehung“ (2016) und „Unverfügbarkeit“ (2018).
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Nach sehr langer Zeit gibt es von mir mal wieder eine schriftliche Rezension – ich denke zu diesem Buch kann ich meine Gedanken am besten schriftlich formulieren. Es ist nicht das, was Instagram sehen will, weil keine Rage und keine Unterhaltung und so aber das ist mir egal. Auch wenn der Beitrag nur 3 Likes kriegt (Mama, Ich und mein Fake Account). Lets go: Unverfügbarkeit hat bei mir vor allem wegen eines Gedankens angedockt. Wenn Rosa von Resonanz spricht (ein Kernbegriff seines Texes), meint er nicht einfach, dass man irgendwo anwesend ist oder etwas erlebt. Er meint diese innere Verbindung zu einer Situation. Diesen Moment, in dem etwas in dir mitschwingt, dich wirklich berührt und mehr auslöst als bloßes Konsumieren. Im philosophischen Sinn geht es um eine Beziehung zur Welt, aus der etwas entsteht, das man am ehesten als Erfüllung oder Glück beschreiben kann. Und sein Punkt ist: So eine „Resonanz“ zur Welt kann man nicht herstellen wie auf Knopfdruck. Wir leben in einer Welt, in der wir alles sofort haben wollen und oft auch sofort haben können, wenn der Geldbeutel oder der Kreditrahmen mitspielt. Aber je verfügbarer alles wird, desto mehr verliert es seinen Wert. Und desto häufiger bleibt diese innere Verbindung aus, die man sich eigentlich durch große Investitionen erhofft. Beispielsweise bei einer teuer gebuchten Safari: Menschen sitzen mitten in der Natur, sehen Tiere, Landschaft, das volle Programm und trotzdem passiert innerlich nichts. Man ist da, aber man ist nicht wirklich verbunden mit dem, was vor einem liegt. Das trifft in meinen Augen einen wunden Punkt unserer Zeit. Ich habe mir ohnehin oft gedacht, dass Wissenschaft, Technik und Ökonomie die Welt in vielem entzaubert haben. Natürlich hat das riesige Vorteile. Vieles ist leichter, schneller, bequemer geworden. Aber gleichzeitig ist auch viel Reiz verschwunden. Wie spannend muss es vor 100 Jahren gewesen sein, an ein weit entferntes Land zu denken und schlicht nicht zu wissen, wie es dort aussieht, welche Menschen dort leben, wie der Alltag dort ist. Heute tippst du zwei Wörter ins Handy und das Geheimnis ist weg. Das hat mich auch an meine Kindheit erinnert. Wenn ich Nintendo gespielt habe, dachte ich früher wirklich, dass die Gegner bei Super Mario bestimmt von anderen Kindern an anderen Nintendos irgendwo auf der großen weiten Welt gesteuert werden. Total absurd natürlich, aber diese Vorstellung hat die Fantasie befeuert. Heute bleibt dafür kaum noch Raum. Alles ist abrufbar, erklärbar, sichtbar. Und ich finde, dieses Dauer-Verfügbare macht vieles kaputt. Ich musste auch an einen Moment denken, als ich ungefähr 14 war. Ich habe in der U-Bahn ein Mädchen gesehen, das so hübsch war, dass wir noch im Freundeskreis monatelang von ihr geschwärmt haben – dem unbekannten Girl aus der Bahn. Heute würde so etwas kaum noch passieren. Du machst Instagram auf und hast sofort zehn krassere vor der Nase. Das Mädchen in der U-Bahn ist nach drei Sekunden vergessen. Auch da merkt man, was Verfügbarkeit mit Wahrnehmung macht. Nichts darf mehr nachhallen, weil schon das Nächste auf dich einprügelt. Und dann die Frage, die über allem schwebt: War früher wirklich alles besser? Natürlich nicht. Technologie bringt brutal viele Vorteile. Aber man darf trotzdem fragen, ob sie dem Leben nicht auch einen Teil seines Reizes genommen hat. Wenn früher jemand auf Weltreise war, war diese Person wirklich weg. Monate später kam sie zurück und hatte Geschichten im Gepäck. Heute ist es fast egal, wo jemand ist. Facetime, Nachrichten, Bilder, Standort, Dauerkontakt. Alles läuft weiter. Man ist körperlich woanders, aber geistig oft immer noch im selben Alltag. Kann man sich überhaupt noch wirklich entfernen, ohne das Handy wegzuwerfen? Auch deshalb fand ich das Buch stark. Es beschreibt etwas, das viele spüren, aber selten so auf den Punkt bringen. Dass das Leben nicht automatisch intensiver wird, nur weil alles leichter zugänglich ist. Eher im Gegenteil - die Welt wird entzaubert und alles verliert an Wert. Wahre Resonanz ist eine Seltenheit geworden. Mein Kritikpunkt an dem Buch: Es wiederholt sich mir zu oft. Darum 3 Sterne. Leseempfehlung vor allem für Kapitel 1 bis 4. Der Rest ist auch interessant, aber nicht zwingend notwendig.

Das Buch Unverfügbarkeit von Hartmut Rosa untersucht, wie die moderne Gesellschaft mit der ständigen Verfügbarkeit von allem umgeht und wie das unsere Beziehungen, Arbeit und persönliche Entwicklung beeinflusst.
Ein starker Erklärungsversuch warum wir trotz hoher Verfügbarkeit von Allem es immer schwieriger haben in eine Resonanzbeziehung zur Welt zu kommen. Wir befinden uns in einem ständigen Dilemma zwischen Verfügbarmachung und Geschehen lassen. Je mehr wir versuchen die totale Verfügbarkeit zu schaffen, desto mehr verlieren wir uns in fehlenden Resonanzböden gesellschaftlicher Beziehungen. Für Soziologen und Philosophen.
Theorie zum Nachdenken!
Hartmut Rosa ist einer der klügsten Köpfe in meinen Augen. Seine Resonanztheorie hat meinen Blick krass gewandelt und auch das Buch ist super aufschlussreich. Ich finde in seinen Vorträgen und seiner Sprache ist er deutlich besser zu greifen und ihm ist besser zu folgen als in Schrift, wo er sich teilweise komplex ausdrückt! Die Gedanken sind trotzdem hervorragend!
Eine gnadenlose Diagnose unserer heutigen Zeit und was gerade - in meinen Augen - unheimlich falsch läuft. Kompakt, philosophisch direkt und anhand perfekter Vergleiche und Beispielen hat Rosa hier eine Punktlandung hingelegt, will man sein Verhalten und die unerklärliche innere Unzufriedenheit hinterfragen und erkennen. Wer einen (pessimistischen) fundierten Einblick in unsere Gesellschaft und damit einhergehender Kollektiv-Psychosen erhaschen will, liest dieses Buch.
Das Buch zeigt, wie stark wir heute versuchen, die Welt kontrollierbar zu machen – alles soll planbar, erreichbar und verfügbar sein. Was dabei verloren geht: die Momente, die sich eben nicht erzwingen lassen. Beziehungen, echte Erfahrungen oder auch Zufälle entstehen oft genau dort, wo wir keine Kontrolle haben. Rosa macht deutlich: Nicht alles im Leben lässt sich optimieren – und genau darin liegt oft der eigentliche Wert.











