Stella
Buy Now
By using these links, you support READO. We receive an affiliate commission without any additional costs to you.
Description
Eine Geschichte, die auf wahren Begebenheiten beruht.
Book Information
Author Description
Takis Würger, geboren 1985, besuchte die Henri-Nannen-Schule und studierte Ideengeschichte in Cambridge, ohne Abschluss. Er arbeitet als Redakteur für das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL. 2017 erschien sein mehrfach ausgezeichneter Debütroman »Der Club«. 2019 folgte der Roman »Stella«.
Posts
SuB Nr.85 ✍️ Stella ... endlich kenne ich auch diese zum Teil wahren jüdischen Geschichte. Solche Bücher sind immer etwas schwer zu lesen ,allein die Sprache in der SS Zeit ... Hier sind wahre Aktenausschnitte in Kursivschrift dargelegt,die wirklich erschreckend und grauenhaft sind. Wie Menschen weg kamen und warum ... Was Menschen für Strafen bekamen .... Dann wurde teilweise Seitenlang dokumentiert, was an manchen Tagen geschah zb. Selbstmord an seiner eigenen Familie um nicht ins Zuchthaus zu kommen .... Oder welche grossen Menschen wann geboren wurden .. .Menschen die für andere Menschen was getan haben und leider dafür büssen mussten.... Stella ist eine jüdische Frau ....gibt sich aber als jemand anderen aus und verriet andere Juden ...hunderte ....die durch ihren Verrat starben. Eine Geschichte die ich nicht nachvollziehen kann ,aus Stellas Sicht....trotzdem eine Geschichte die nicht vergessen werden sollte. Ich bin froh sie gelesen zu haben. S.210 》Frage: Welche Schuld messen Sie sich nun selbst zu in Anbetracht Ihres abgelegten Geständnisse?《 》Antwort: Als ich in den Zeitungen gelesen habe,dass ich soviele Frauen,Kinder und Männer ins Unglück gebracht haben soll,da hat mich das wahnsinnig beunruhigt,da habe ich mal selbst mit meinem Gewissen gesprochen und bin zur Überzeugung gekommen,dass die einzigste Schuld und das einzigste Verbrechen,welches ich begangen habe,das war,dass ich mich als Jüdin in einen Außendienst der Gestapo stellen liess. Ich bemerke aber ,dass ohne mein eigenes Wollen ich zu diesem Gestapodienst kam. Soweit ich mich erinnere ,habe ich alle Fälle,von denen ich wusste ,freiwillig geschildert. Die Zeit ist aber zu lang ,um mich jeder Einzelheit genau zu erinnern. Ich habe einstweilen keine weiteren Angaben zu machen. 8März 1946, Kriminalkomissariat Berlin,Dienstelle KJ F -zbV-》 Noch ein Gedanke ....ihr müsst den Epilog unbedingt mit lesen ! Leseempfehlung 🩶

Ein Buch, das weh tut, bewegt und lange bleibt.
⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ 5/5 Sterne Stella ist eines dieser Bücher, das man beendet – und das trotzdem noch lange nachhallt. Es ist schon eine Weile her, seit ich es gelesen habe, aber bis heute gehört es zu meinen absoluten Lieblingsbüchern. Die Geschichte spielt im Jahr 1942 – mitten in einer der dunkelsten Zeiten der deutschen Geschichte. Zwischen dem Verbot, dass Juden keine Haustiere halten dürfen, der Schließung der letzten jüdischen Schulen, den ersten Deportationen nach Auschwitz und dem Erlass von Heinrich Himmler, dass in Auschwitz nun Menschen und Tiere zu Versuchszwecken freigegeben sind, lesen wir über eine junge Liebe. Das Buch ist so intensiv. Während man liest, vergisst man nie, in welcher Zeit man sich befindet. Dieses bedrückende Gefühl zieht sich durch jede Seite. Gleichzeitig schafft Würger es mit seinem einzigartigen Schreibstil, eine Geschichte zu erzählen, die emotional komplett mitreißt. Nach dem Buch habe ich direkt eine Dokumentation über Stella gesucht, weil mich die Geschichte und vor allem die reale Person dahinter nicht mehr losgelassen haben. Ganz wichtig: Lest unbedingt den Epilog‼️ Ich verstehe absolut, warum dieses Buch damals eine große Debatte ausgelöst hat. Die Frage, wer über diese Zeit schreiben „darf“ und wie man mit realen Personen aus dieser Epoche literarisch umgeht, ist sicher diskutabel. Aber ich persönlich finde solche Bücher unglaublich wichtig. Diese Zeit darf niemals vergessen werden. Und sie darf NIE WIEDER passieren. Für mich war Takis Würger damals eine völlige Neuentdeckung. „Stella“ war mein erstes Buch von ihm – und danach mussten sofort alle anderen folgen, weil mich sein Schreibstil so überzeugt hat.

Kann Spoiler enthalten - Falls ihr komplett unvoreingenommen lesen wollt.
1922 wurde Adolf Hitler wegen Landfriedensbruch verurteilt. James Joyce veröffentlicht Ulysses und Josef Stalin wurde Generalsekretär. Und ein Junge in Genf wurde geboren. Friedrich wächst mit einer seltsamen Mutter und einem liebenden Vater auf. Er bewunderte von weitem die Stärke der Deutschen und wollte als junger Erwachsener nur eins. Kunst in Deutschland studieren und mit eigenen Augen sehen wie toll die Nazis waren. Doch dort angekommen, fand er das Gegenteil. Er war in das Land gekommen, weil er sich die Stärke gewünscht hat. Doch wenn das Stärke war, will er sie nicht. Denn es ist Schwäche, die dazu führt anderen Weh tu tun. Takis Würgers Schreibstil ist einmalig. Er beschreibt was Friedrich hier erlebt und wen er geliebt hat. Über Stella muss ich mir jetzt erst mal eine Dokumentation ansehen. Das Buch ist wahnsinnig gut geschrieben und der Autor kann es wie kein anderen absolut trocken, sachlich und faktisch (nicht negativ gemeint) solche Gefühle rüberbringen. Dann die Gerichtsakten zwischen dem Geschehenen und was auf der Welt vor sich ging, während die Nazis Juden abgeschlachtet haben. Hier ein paar Auszüge, um das Makabre der Vergangenheit nochmal zu veranschaulichen. Ich kann euch das Buch nur empfehlen, mich wird es nachhaltig beschäftigen. Ein Roman zwischen Realität und Fiktion. Februar1942 - Voice of America strahlt zum ersten mal in deutscher Sprache aus. Den Juden in Deutschland wird das halten von Haustieren verboten. Glenn Miller erhält die erste goldene Schallplatte. Walt Disney gewinnt einen Oscar. Aus Oberschlesien rollt der erste Zug nach Auschwitz. Mai 1942 - Mexiko erklärt Deutschland den Krieg. In New York wird der Song "White Christmas" aufgenommen. Reinhard Heydrich überlebt ein Attentat. Juni 1942 - 1000 Bomber der britischen Luftwaffe bombardieren Bremen. Die letzten jüdischen Schulen werden geschlossen. Paul McCartney wird geboren. In München wird "Die weiße Rose" gegründet. Reinhard Heydrich stirbt an den Folgen des Attentats. Daraufhin verschleppen deutsche Polzisten als Vergeltung Kinder und Frauen ins KZ und die töten alle Männer in Lidice. Die Attentäter hatten keine Verbindung zu diesem Ort. Juli 1942 - Der FC Schalke 04 gewinnt 2:0 gegen Vienna Wien und wird zum 6. mal Deutscher Meister. Heinrich Himmler teilt seinen Kollegen mit, dass nun Menschen und Tiere zu Versuchszwecken in Auschwitz freigegeben sind. August 1942 - Die industrielle Produktion von Penicillin startet. Der Leiter des Waisenhauses im Warschauer Ghetto geht freiwillig mit seinen 200 Kindern ins KZ Treblinka und lässt sich ermorden. Er trägt zwei der kleinsten auf dem Arm. Luftwaffengrau wird die neue Farbe der deutschen Feuerwehrautos. September 1942 - Wolfgang Schäuble wird geboren. Die KZs laufen auf Hochtouren. Die Nationalmannschaft verliert 2:3 gegen Schweden. Oktober 1942 - 2000 Frauen werden in Birkenau vergast. Auf Usedom startet die erste Großrakete der Welt. In italienischen Spielzeugfabriken werden ab jetzt Waffen hergestellt. Dezember 1942 - Heinrich Himmler befielt die Deportation aller in Deutschland lebenden Sinti und Roma nach Auschwitz. In Tokio wird die Oper Lohengrin von Richard Wagner aufgeführt. Die Royal Airforce beginnt Berlin zu bombardieren. Und in zwischen all dem, lesen wir im Jahr 1942 über eine junge Liebe, zwischen der jüdischen Naziagentin und dem Schweizer, der voller Hoffnung nach Deutschland kam.

Friedrich und Stella Schein und Sein Idealismus* versus brutale Realität Eine Geschichte des Verrats in Berlin in Zeiten des Holocausts. *oder Naivität ?
Bei Erscheinen hat der Roman eine heftige Literaturdebatte ausgelöst - bei einem derart fragilen Thema wie dem Holocaust sind kritische Stimmen im Grunde vorprogrammiert. Die bereits oft gestellte Frage, wie, vllt. sogar wer, darf über den Holocaust schreiben, wurde heftigst diskutiert. Würger bedient sich einer realen historischen Person als Protagonostin. Hinter der Romanfigur Kristin verbirgt sich die Jüdin Stella Goldschlag, eine sog. "Greiferin" im 3. Reich, eine skrupellose Denunziantin der eigenen jüdischen Leute, zunächst um das Leben der eigenen Eltern zu schützen. Belegt wird dies durch Protokollauszüge aus Gerichtsakten im Kursivdruck, die die Tragik des Verrats durch Goldschlag verdeutlichen. Warum der Autor sich ausgerechnet einer realen Person verschrieben hat, erschließt sich mir nicht unbedingt - jede x-beliebige, gleich angelegte Romanfigur, wäre ebenso authentisch gewesen ...aber das möchte ich gar nicht weiter hinterfragen. Der Roman trägt stlistisch Würgers Handschrift, was mir bislang in all seinen Romanen gut gefallen hat. Auch wenn Stella nicht mein Lieblingstitel des Autors ist, ist es ein unterhaltsamer, spannender Roman und e i n e Sicht, e i n e Stimme zum Thema Nazi Deutschland / Holocaust. Den Großverriss des Buches kann ich nicht zu 100% nachvollziehen.

"Ich war ein junger Mann aus der Schweiz, der seinen Vater vermisste, der eine Jüdin liebte und dessen mutigste Tat es gewesen war, einen alten Ziegenbock von einem Berg zu tragen. Ich verstand nicht, was in Deutschland geschah, warum Bomben fielen, warum Juden gehasst werden mussten und wie ich hineingeraten war in diesen Krieg." Takis Würgers 'Stella' wurde bei Erscheinen kontrovers diskutiert. Ich will mich gar nicht darauf einlassen, denn mich konnte der Roman nachhaltig berühren.
Sehr interessant und nach wie vor ein wichtiges Thema, was nie in Vergessenheit geraten werden sollte. Doch insgesamt hat mir was gefehlt. Trotzdem handelt es sich hier um eine wahre Geschichte. Moralisch sollte hier jeder für sich entscheiden ob richtig oder falsch war. Trotzdem schlimm solche Szenen zu lesen…sowas sollte nie wieder passieren!!

Das war mein drittes Buch von Takis Würger und ganz sicher nicht das letzte. Ich liebe seinen Schreibstil: klar, intensiv, und gleichzeitig so feinfühlig, dass man fast vergisst zu atmen. Kaum jemand schafft es, Figuren so komplex, so widersprüchlich und menschlich zu zeichnen. „Stella“ beruht auf einer wahren Geschichte und genau das macht das Buch so beklemmend. Es zeigt, wie nah Täter- und Opferrollen manchmal beieinander liegen und wie schwer es ist, über Schuld zu sprechen, wenn sie aus Angst, Zwang oder Liebe entsteht. Ich fand das Buch richtig gut und würde es unbedingt weiterempfehlen, gerade weil es so wichtig ist. Und doch hätte ich mir an manchen Stellen mehr Fakten im Text selbst gewünscht – nicht als Beleg, sondern als Orientierung. Es gibt zwar ein Literaturverzeichnis am Ende, aber während des Lesens wollte ich einfach nicht raus aus der Geschichte. Dafür schreibt Würger zu fesselnd. Ein Buch, das nachhallt, weil es keine einfachen Antworten gibt. Paradox vielleicht. Aber eine absolute Empfehlung.
Wichtig und eindrücklich, gegen das Vergessen
Eine junge Frau ist nicht die , die sie vorgibt zu sein . Sie ist Jüdin. Wir sind Beobachter von aussen und sehen die Geschehnisse bewusst subjektiv und verzerrt. Was „Stella“ denkt oder zu ihrem Handeln bewegt erfahren wir nicht. Das Buch wirft Fragen auf : Wie weit darf man gehen, um sich selbst und die Liebsten zu retten? Wo beginnt Schuld, wo endet Verantwortung? Ich fand es grandios und werde sicher noch eine Weile darüber nachdenken.
Ein schwieriges, bedrückendes Buch. Auf der einen Seite das große Talent des Autors das sich auch in diesem Buch wieder zeigt. Auf der anderen Seite dieses Thema um die historische Figur Stella Goldschlag und Friedrich, der sich verliebt in eine Projektion und deshalb die immer offensichtlichere Wahrheit verdrängt. Ein Roman, der sich um die Frage dreht, wie Menschen unter extremem Druck moralisch handeln oder scheitern. Der Roman kreist um Schuld, Verdrängung, Mitläufertum und die gefährliche Sehnsucht, die Realität nicht sehen zu wollen. Das Böse erscheint oft nicht eindeutig oder „monströs“. Der Roman zeigt Menschen, die gleichzeitig Opfer und Täter sein können. Gerade das macht es so verstörend. Takis Würger schreibt in einer fast emotionslosen Sprache, was das Grauen für mich noch klarer zeigt . Ich habe das Buch nur gelesen weil es von Takis Würger ist und es mir geliehen wurde. Genießen kann man diese Geschichte nicht. Ich möchte es als Warnung sehen vor Verdrängung und moralischer Passivität. Gerade heutzutage wieder eine wichtige Botschaft!
Kein leichtes Buch, aber sehr lesenswert und ein wichtiger Teil deutscher Geschichte. Ich kannte Stella Goldschlag vorher gar nicht und war am Ende total schockiert als ich ihre Geschichte noch ein bisschen nachgeforscht habe. Im Buch kommt sie zwar unnahbar rüber, aber irgendwie auch zerbrechlich. Unglaublich was sie eigentlich getan hat.
"Erst wenn nicht mehr über sie erzählt wird, ist eine Epoche wirklich vergangen und mit ihr die Lehren, die wir aus ihr ziehen können."
Harte Kost aus einem etwas anderen Blickwinkel. Erzählt wird die Geschichte von Stella Goldschlag, einer Jüdin, die in die Rolle einer "Greiferin" gezwungen wurde und andere Juden denunzierte. Eine Mischung aus fiktiven (Friedrich) und realen Charaktereren (Stella).
Anders als erwartet!
I N H A L T 1942 kommt Friedrich nach Berlin. In einer Kunstschule trifft er Kristin. Sie nimmt Friedrich mit in verbotene Jazzclubs, trinkt mit ihm Kognak, stillt seinen Hunger nach Erfahrungen. Die beiden werden ein Paar. Bei Kristin kann er sich einbilden, der Krieg sei weit weg. Eines Morgens klopft sie an seine Tür, verletzt, mit Striemen im Gesicht und sagt: „Ich habe dir nicht die Wahrheit gesagt.“ Sie heißt Stella und ist Jüdin. Die Gestapo hat sie enttarnt und zwingt sie zu einem unmenschlichen Pakt: Um ihre Familie zu retten, soll sie untergetauchte Juden denunzieren. Eine Geschichte, die auf wahren Begebenheiten beruht. L E S E E I N D R U C K Puh… Das Buch war anders als erwartet. Zum einen war mir nicht klar, dass es eine teils wahre Geschichte ist und ich dachte, der Fokus läge auf der (fiktiven) Liebesgeschichte. Durch den nüchternen Schreibstil war die Geschichte allerdings weniger gefühlvoll als erwartet. Die Emotionen wurden nicht rübergebracht. Was mir aber gut gefallen hat, ist die Mischung aus Fiktion und Realem. Die Geschichte hat mich neugierig gemacht und nach einzelnen Personen recherchieren lassen: u.a. Stella Goldschlag, die sich als Jüdin in einen Außendienst der Gestapo stellen ließ und viele Juden denunzierte und Janusz Korczak, der in einem jüdischen Waisenhaus arbeitete und freiwillig die Kinder bei der Deportation in ein Vernichtungslager begleitete, obwohl das auch für ihn selbst den Tod bedeutete. Ich werde definitiv im Anschluss noch eine Dokumentation über Stella ansehen! Ebenfalls gefallen hat mir die Einteilung des Jahres 1942 in Monate und die dazugehörigen kurzen Zusammenfassungen darüber, was in der Zeit alles passiert ist, z.B. eine Familie, die Selbstmord begeht, um der Deportation nach Auschwitz zu entgehen. Oder neue Regeln, politische Veränderungen, usw. Auch interessant sowie schockierend waren die echten Ausschnitte aus Gerichtsprozessen, die gezeigt haben aus welchen lapidaren Gründen Juden festgenommen, deportiert und getötet wurden. F A Z I T Stella ist Täter und Opfer zugleich. Und das macht es so schwer, die Figur einzuordnen. Ihre Handlungen sind nicht immer nachvollziehbar, aber irgendwie auch verständlich, denn letztendlich befindet sie sich in einer verzwickten Situation. Der Roman fällt kein endgültiges Urteil, und zeichnet die Figuren nicht nur schwarz oder weiß. Wenn ihr das Buch lest, dann lest unbedingt auch den Epilog! Das Buch regt zum Nachdenken an: Wie weit darf man gehen, um sich selbst und die Liebsten zu retten? Wo beginnt Schuld, wo endet Verantwortung?
Nach „Für Polina“ war „Stella“ mein zweites Buch von Takis Würger. Interessant zu lesen ist es jedenfalls, vor allem auch angesichts der heftigen Kritik, der sich der Autor stellen musste. Begeistert hat mich die Lektüre allerdings nicht, dafür ist die Geschichte zu sehr in der historischen Wahrheit verankert.
Stella von Takis Würger In Stella erzählt Takis Würger eine Liebesgeschichte im Berlin der NS-Zeit, die sich mit Fragen von Schuld, Nähe und moralischer Verantwortung verknüpfen will. Der Roman setzt dabei weniger auf Handlung als auf Atmosphäre und Momentaufnahmen. Was ich dem Buch klar zugutehalte, ist die Sprache. Sie ist poetisch, ruhig und sehr angenehm zu lesen, fast schwebend. Viele Sätze sind schön formuliert und erzeugen eine gewisse Leichtigkeit, die das Lesen zunächst mühelos macht. Genau diese sprachliche Eleganz hat mich anfangs getragen und neugierig gehalten. Inhaltlich jedoch hat mich das Buch zunehmend verwirrt zurückgelassen. Für mich ließ sich keine klare Geschichte erkennen, keine nachvollziehbare Entwicklung der Handlung oder der Figuren. Die Charaktere wirkten, als würden sie jeweils für sich existieren, sich zwischendurch berühren oder begegnen, ohne dass daraus echte Beziehungen, Hintergründe oder eine erkennbare Persönlichkeitsentwicklung entstanden. Motivation, innere Konflikte oder Veränderung blieben für mich weitgehend aus. Besonders das Ende hat diese Irritation verstärkt. Es blieb für mich unverständlich und ließ viele offene Fragen zurück, ohne dass ich das Gefühl hatte, dies sei eine bewusste erzählerische Offenheit. Insgesamt fühlte sich das Buch eher an wie eine einzelne Episode aus einem noch nicht fertigen Roman – sprachlich ausgearbeitet, aber inhaltlich erstaunlich leer. Viel Text, wenig Substanz, wenig Bewegung. Am Ende bleibt Stella für mich ein Roman mit schöner Sprache, aber ohne erzählerische Klarheit oder emotionale Tiefe. Die ästhetische Oberfläche konnte die inhaltlichen Leerstellen nicht auffangen, weshalb mich das Buch trotz seines literarischen Anspruchs nicht überzeugt hat. ★★☆☆☆ (2 von 5 Sternen)

Ich fand das Buch sehr irritierend. Nachdem ich schon zwei Bücher von Takis Würger gelesen habe, die ich sehr mochte, konnte mich dieses Buch nicht so erreichen auch wenn ich es sehr schnell durchgelesen habe. Der Schreibstil war überhaupt nicht meins, Sätze die nicht zusammen passten und eine Hauptfigur die mir persönlich zu sympathisch gezeichnet war.
Darf ein Roman über den Holocaust unterhaltsam sein? 1942 Berlin. Friedrich, Sohn einer wohlhabenden Familie aus der Schweiz, reist nach Berlin um die Wahrheit hinter den Gerüchten über den Krieg zu finden. Zudem schreibt er sich dort für ein Zeichenseminar ein und trifft auf Kristin, die dort als Aktmodell arbeitet. Sie fasziniert ihn und schnell verliebt er sich in sie. Die beiden ziehen gemeinsam um die Häuser und er vergisst, weshalb er überhaupt in die Hauptstadt gereist ist. Doch dann verschwindet Kristin und als sie nach mehreren Tagen völlig misshandelt vor ihm steht, erfährt er, dass Kristin in Wahrheit Stella Goldschlag heißt, Jüdin ist und etwas schreckliches tut... Über den Roman „Stella” von Takis Würger gab es eine riesige Literaturdebatte und aus diesem Grund wollte ich wissen, was wirklich hinter dem Buch steckt. Erzählt wird das Buch in mehreren Erzählebenen. Jedes Kapitel beginnt mit einer historischen Einordnung des Zeitgeschehens. Dazu gibt es die Sicht von Friedrich, dem fiktiven Charakter des Buches und am Ende jedes Kapitels gewährt der Autor uns Zugriff zu echten Zeugenaussagen. Der Schreibstil von Takis Würger, ist, wie auch schon in seinem Debüt, sehr nüchtern, distanziert und wertfrei (man bildet sich selbst eine Meinung). Kurze Sätze, die sich aneinanderreihen. Anfangs ist das etwas gewöhnungsbedürftig - ich persönlich mag seinen Schreibstil aber sehr. Geschildert in einer fiktiven Liebesgeschichte, erfährt man als Leser mehr über die reale Stella Goldschlag. Eine Jüdin, die sich als solche nicht gesehen hat und im zweiten Weltkrieg in Berlin lebte und als „Greiferin” für die Gestapo arbeitete. Im Roman verliebt sie sich in den naiven Friedrich, der sein Leben im Luxushotel genießt und dabei vollkommen vergisst, weshalb er überhaupt in die Hauptstadt gereist ist. Friedrich ist blind vor Liebe, stellt nichts in Frage und kann der Wahrheit nicht ins Auge sehen. Meiner Meinung nach war er zu oberflächlich und naiv dargestellt. Ich hätte mir gewünscht, mehr über ihn und seine Kindheit zu erfahren (da diese am Anfang eine große Rolle spielt) - vielleicht hätte man dann auch eher nachvollziehen können, warum er vor vielen Dingen die Augen verschließt. Zu der Handlung möchte ich eigentlich gar nichts sagen. Meiner Meinung nach sollte man unvoreingenommen an das Buch rangehen und beim Lesen nicht vergessen, dass es eine fiktive Geschichte gepaart mit wahren Elementen ist. Nach dem Lesen habe ich sehr viel recherchiert und mich mit dem Thema mehr auseinandergesetzt und finde die Kritik an dem Buch teilweise gerechtfertigt. Es behandelt ein sehr sensibles und komplexes Thema und daher würde ich jedem empfehlen, sich nach dem Buch nochmal über die „echte” Stella Goldschlag zu informieren. Dazu kann ich euch auch den „Stories”-Podcast mit der Folge mit Takis Würger sehr ans Herz legen. Schlussendlich finde ich ist „Stella” ein unterhaltsamer und gut geschriebener Roman über ein sehr sensibles und komplexes Thema, über das ich immer noch viel nachdenke. Ich empfehle euch ohne Vorwissen an dieses Buch ranzugehen und zu berücksichtigen, dass es eine fiktive Geschichte mit wahren Elementen ist. Wer sich aber richtig mit dem Holocaust auseinandersetzen möchte, dem empfehle ich das Buch nicht.
Ein kleines aber sehr feines Buch. Eine sehr berührende, in Teilen fiktive Geschichte über die historische Person Stella Goldschlag, die mir vorher nicht bekannt war. Emotional anstrengend, da die Nazizeit ein schwieriges Thema ist, in dem so viele Gräueltaten geschehen sind und auch hier werden die Leser nicht geschont. Takis Würger hat einen sehr eigenen Schreibstil, sehr kurze aber inhaltlich sehr tiefe Sätze. Er erzählt ohne zu werten, so dass man als Leser trotz der Kürze des Buches viel zum Nachdenken hat. Die Charaktere sind facettenreich und meist nicht schwarzweiß. Ich hätte mir vielleicht noch ein paar Seiten mehr gewünscht für noch etwas mehr Tiefe der Geschichte und Personen.
Als Friedrich, ein junger, in sich gekehrter, künstlerisch begabter Mann im Jahr 1942 aus der Schweiz nach Berlin reist, um dort die Wahrheit zu finden, ahnt er nicht, dass sich sein Leben für immer verändern wird. Denn er trifft dort auf eine hübsche Blondine, eine kesse Berlinerin, die sich im als Kristin vorstellt und die er sich Hals über Kopf verliebt. Sie zeigt ihm die verbotenen Jazz-Spelunken Berlins, macht ihn mit Tristan von Appen, einem Lebemann – und SS-Offizier – bekannt. Doch schlagartig ändert sich alles, nachdem Kristin mitsamt ihrer Familie gefangen genommen und ins Lager Große Hamburger Straße gebracht wird. Denn Kristin heißt in Wahrheit Stella Goldschlag und ist Jüdin. Um sich und ihre Familie zu retten arbeitet sie ab diesem Zeitpunkt als „Greiferin“ und geht täglich für die Nazis auf Jagd nach Juden. Von der Kritik wurde Stella verrissen, zu romantisch die Liebesgeschichte, zu schwach die Frage nach der Schuld, überhaupt kann man sich einem solchen Thema nicht auf diese Art nähern. Mich persönlich hat Takis Würger mit seinem Roman gefesselt. Ich fand es faszinierend, wie er in 12 Kapiteln – für jeden Monat des Jahres 1942 – die unfassbare Geschichte der Stella Goldschlag und das Leben im Berlin jener Zeit, eingebettet in eine fiktive Liebesgeschichte und immer wieder unterbrochen durch Vernehmungsprotokolle, erzählt hat. Für mich ein absolut lesenswertes Buch.
Ich habe das Buch heute Nacht zu Ende gelesen. Ich muss dazu sagen, dass ich mich kurz vorher mit Claude Lanzmanns "Shoah" beschäftigt habe (die Dokumentation kannte ich schon, ich habe das dazugehörige Buch gelesen), die erschütternden Eindrücke daraus haben auch Einfluss auf meine Meinung zu "Stella", deshalb ist das hier auch keine Rezi im eigentlich Sinn. Erst einmal finde ich die Sprache und Konstruktion dieses Buches herausragend und vor allem wichtig, um diese Geschichte überhaupt angemessen erzählen zu können. Jedes Kapitel beginnt mit einem Ausschnitt aus der Prozessakte der Stella Goldschlag und einer zeitlichen Einordnung der Geschichte. Hier zählt Takis Würger nacheinander bedeutende und unbedeutende weltweite historische Ereignisse zusammen mit Aussagen von Josef Göbbels und anderen regimebezogenen Ereignissen auf. Auf mich wirken Letztere dadurch umso erschreckender und alles andere als verharmlosend. Das hat auch einen entsprechenden Einfluss auf die Romanhandlung. Und das ist gut so, denn ohne diesen Zusammenschluss von Fakten und Fiktion bzw. der Bewusstmachung der zeitlichen und politischen Einordnung, könnte man Würger durchaus Verharmlosung der Taten der nicht fiktiven Figuren vorwerfen. Mit der fiktiven Handlung und vor allem mit der Figur des Fritz als Erzähler hatte ich persönlich nämlich so meine Probleme. Schon die Motive, dieses naiven jungen Mannes, 1942 überhaupt nach Berlin zu gehen, wirkten auf mich zu weit hergeholt. Aber das dürfte Würger durchaus so beabsichtigt haben. Die Idee einen naiven jungen Mann, der nur noch in der Lage ist, Grautöne zu sehen, ins Berlin der damaligen Zeit zu schicken, ihn auf "Greifer", SS-Männer, die große Liebe treffen zu lassen, ist eigentlich genial und ermöglicht einen gewissen Interpretationsspielraum. Ich habe mich beim Lesen hier deshalb auch oft gefragt, wie wohl Lanzmanns Interviewpartner, sowohl Opfer als auch Täter, auf diese Geschichte reagiert hätten. Ich konnte gar nicht anders. Ganz persönlich denke ich, dass die Opfer mit der Darstellung der "Stella" und vor allem auch von Tristan von Appen, Probleme gehabt, so wie die Täter wahrscheinlich die Opferrolle hervorgehoben hätten. An diesen Stellen hat mir das Buch immer wieder "Bauchschmerzen" verursacht. Das führt dazu, dass ich die Kritik und Befürchtungen mancher LeserInnen an "Stella" durchaus nachvollziehen kann. Takis Würger betritt hier einen manchmal schmalen Grat, auf den ich ihm nicht immer folgen konnte oder wollte. Das Buch ist also eine Herausforderung. Grau ist eben nicht nur schwarz und weiß, sondern hat viele Schattierungen. Ich denke, dass Takis Würger ganz klar zur inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem Thema seines Buches auffordert. Ich unterstelle ihm, dass er den Interpretationsspielraum bewusst so weit gesteckt hat. "Stella" fordert zum (Nach-)Denken heraus. Der Zweck heiligt nicht die Mittel, das erläutert Takis Würger ganz klar, zumindest finde ich hier keine andere Möglichkeit der Interpretation. Aber kann und darf Liebe alles verzeihen? Kann man auf Dauer die Augen verschließen? Wie geht man mit diesem Dilemma um? Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Takis Würgers nüchterne Art zu schreiben hat mir jedenfalls sehr gut gefallen. Ich werde ihn im Auge behalten.
Nazikitsch, Schundroman, deprimierend schlecht – das ist nur eine kleine Auswahl an vernichtenden Urteilen über Takis Würgers Stella. Was für eine giftige Hexenjagd. Der Wirbel um Stella hat mich neugierig gemacht, und ich habe mir übers Wochenende – eingestimmt durch den Film „Die Frau in Gold“ – das Hörbuch zu Gemüte geführt. Und ich muss sagen: unter Schundroman stelle ich mir definitiv etwas anderes vor. Kurzinhalt Die Geschichte wurde schon oft rezensiert, deshalb hier nur kurz: Der junge, naive Schweizer Friedrich reist 1942 nach Berlin. Er will herausfinden, was an den Gerüchten über Judentransporte dran ist. Eigentlich will er nur kurz bleiben, verliebt sich dann aber in die attraktive und rätselhafte Kristin. Sie trinken zusammen Champagner, besuchen verbotene Jazzclubs und lassen sich das Essen vom Schwarzmarkt schmecken. Doch dann verschwindet Kristin für einige Tage spurlos. Als sie zurückkommt, sind ihre Haare rasiert und sie weist zahlreiche Verletzungen von erlittenen Folterungen auf. Kristin ist Jüdin und heisst in Wahrheit Stella. Erst nach und nach findet Friedrich heraus, dass sie seit ihrer Gefangennahme versucht, ihr eigenes Leben und das ihrer Eltern zu retten, in dem sie andere Juden an die Gestapo verrät. In die Geschichte um Stella und Friedrich webt Würger Zeugenaussagen aus den Prozessakten ein und kurze Aufzählungen von Ereignissen der jeweiligen Monate, in denen der Roman spielt. „Wie konnte ich so naiv sein? Fragt man sich das nicht immer, wenn man zurück schaut?“ Ich muss sagen, mir hat der Roman sehr gut gefallen. Ich mag Würgers reduzierten Schreibstil, die Art, wie er seine Bilder malt. Seine zurückhaltende Erzählweise, die Annäherung an Stella Goldschlag, ohne Partei zu ergreifen, ohne zu erklären. Gerade darin erscheint mir der Wert dieses Romans, dass er Fragen aufwirft, zum nachdenken, nachforschen und weiterlesen anregt. Stella bleibt rätselhaft, undurchsichtig, schwer fassbar. Das zeugt vom Respekt des Autors vor der realen Figur der Stella Goldschlag. Er masst sich nicht an, ihr Handeln erklären zu wollen oder sie gar zu verurteilen, und lässt den Leser mit ambivalenten Gefühlen zurück. Dass er die Geschichte über Stella aus der Sicht des naiven, farbenblinden, verliebten Friedrichs erzählt, hat mich nicht gestört. Je länger ich darüber nachdenke, desto genialer erscheint mir diese Erzählperspektive. Denn dadurch erfahren wir nicht, wir es in Stellas Innerem ausgesehen hat. Ich hätte es unseriös, kitschig und als Schund empfunden, hätte sich Würger über Stellas Innenleben ausgelassen. So scheint es, als wollte er sich und den Leser fragen, was wohl in ihr vorgegangen sein mag. Eine äusserst zurückhaltende und bescheidene Art, über eine Figur wie Stella zu schreiben. Ich habe es auch nie so empfunden, dass Würger hier auf Kosten des Holocausts eine billige Liebesgeschichte auftischt. Im Gegenteil. Mir scheint, er will den Holocaust und Stellas Schicksal auf Kosten einer Liebesgeschichte erzählen. Und das finde ich ein gelungener Kunstgriff. Ja, Stella ist auch eine Liebesgeschichte, und als solche stellenweise sentimental. Aber kitschig? Nicht wirklich. Die Liebesgeschichte ist in meinen Augen das Fundament, auf dem Würger den Holocaust und eine Periode aus dem Leben der Stella aufbaut. Weder der zweite Weltkrieg noch der Verrat von Stella werden dabei vernachlässigt. Klar, Stella ist ein Roman, keine Biografie. Steht ja auch auf dem Cover drauf. Eine Biografie gibt es schon. Ich kann nicht nachvollziehen, dass sich so viele Leser und Feuilletonisten derart schwer tun damit, dass Takis Würger der realen Stella eine fiktive Liebesgeschichte andichtet. In vielen historischen Romanen werden Figuren zu realen dazu gestellt, fiktive Liebesgeschichte zu realen Begebenheiten dazu gemischt. So zum Beispiel bei Daniel Kehlmann, Eveline Hasler, Philipp Vandenberg oder Liv Winterberg. Selbstverständlich muss man das nicht unbedingt mögen. Aber derart verwerflich ist das doch auch wieder nicht. Ich selber bin zwar auch hin und her gerissen, was ich von solcherlei Mischungen halten soll. Bei Liv Winterberg beispielsweise hat es mich gestört. Bei Würger nicht, weil ich in Friedrich gelungenes Symbol für all die Menschen sehe, die vor dem Holocaust den Kopf in den Sand gesteckt haben. Ich finde das Buch sehr gelungen, wichtig und empfehlenswert! "Wir zahlten Schwarzmarktpreise und assen Austern und Bienenstich. Wir tranken Cognac, zeichneten mit Kohle, hörten Swing. Und selten tanzten wir. Manchmal schafften wir es, Stellas Eltern zu vergessen. Wir machten uns schuldig. Jeder auf seine Art." Gehört im Februar 2019 Nachtrag 18.2.2019: Eine differenzierte, empfehlenswerte Besprechung von Stella habe ich hier (https://literaturkritik.de/wuerger-stella-candide-berlin-1942-takis-wuerger-erzaehlt-stella-wie-naivitaet-schuld-aufeinanderprallen,25359.html) gefunden: Die daraus entnommene Beurteilung kann ich voll und ganz unterstützen: Würger [hat] mit Stella einen in ästhetischer Hinsicht gut konzipierten und ausgeführten Roman vorgelegt. Die hohe atmosphärische Dichte in der Fiktion, immer wieder destruiert und in Frage gestellt mittels Konfrontation mit den Prozessakten und den summierten historischen Fakten, unterstreicht die Ambivalenz der historischen Figur Stella, ohne ihr die Schuld zu nehmen. Würger erweist sich darüber hinaus als Meister der Parataxen und lakonischen Dialoge, die den Roman sprachlich leicht, aber paradoxerweise alles andere als einfach machen (was aber eine einfache Lektüre nicht ausschließt). So kann man in letzter Konsequenz dafür plädieren, sich auf die Konstruktion (des zweifelsohne kulturindustriell geprägten) Ästhetischen einzulassen.
📚 Inhalt Fritz erlebt eine herausfordernde Kindheit in der Schweiz in den 1920er Jahren. Als Erwachsener geht er für ein Kunststudium nach Berlin und lernt Nazideutschland kennen. Er lernt eine Frau kennen und verliebt sich in sie. Die beiden verbringen viele schöne Stunden und geniessen den Luxus, den man sich nur noch mit viel Geld leisten kann. Immer wieder erlebt Fritz Antisemitismus und weiss nicht, wie er damit umgehen soll. Als seine Liebelei Stella ihm offenbart, dass auch sie eine Jüdin ist, bekommt er es mit der Angst zu tun. Als ihre Eltern in ein Konzentrationslager gebracht werden, möchte er mit das Land verlassen, doch Stella will ihre Eltern nicht im Stich lassen. Fritz spürt, dass Stella ihm etwas verheimlicht. Früher oder später wird er es erfahren. 📖 Meinung Wow, was soll ich zu diesem Buch sagen? Also zu aller erst finde ich das Cover gruselig. Die Dame erinnert mich sehr an die Darstellenden des Horrorfilms «Smile», ich kann einfach an nichts anderes denken. Das Buch habe ich bei einem Ausflug nach Mailand gefunden und es hat mich sehr angesprochen. Ich habe es praktisch direkt nach dem Kauf angefangen zu lesen. Nun war ich kürzlich in der Bücherbrocky und habe den Titel mindestens drei Mal entdeckt. Ich frage mich, ob die Titel vorher schon da war und ich sie jedes Mal übersehen habe. Denn eigentlich finde ich das Buch sehr auffällig, das es fast komplett schwarz ist. Aber sei’s drum, der Kauf hat sich jedenfalls gelohnt. Ich mag den langsamen Einstieg in die Geschichte und mir gefiel es, Fritz besser kennen zu lernen. Die Geschichte beruht auf wahren Ereignissen, hat aber auch sehr viele fiktionale Anteile. Immer wieder findet man an den Enden der Kapitel Gerichtsakten, die aufzeigen, wie Jüdinnen und Juden ausfindig gemacht wurden, wo sie hin deportiert wurden und was mit ihnen geschehen ist. Besonders das Ende und damit meine ich Stellas Geheimnis fand ich sehr schockierend. Ich finde es unfassbar, dass Menschen zu solchen Taten fähig sind. Es ist auf eine Art nachvollziehbar aber bei vertiefterem Auseinandersetzen finde ich, dass es keinerlei Gründe gibt, so zu handeln, wie es Stella getan hat. Gerade in der heutigen Zeit finde ich das Thema wieder sehr aktuell und es darf nicht in Vergessenheit geraten. Fritz erlebt immer wieder Antisemitismus und spürt, wie ihm dieses missfällt. Doch er äussert sich praktisch nie dagegen. Das Buch ist absolut lesenswert. Eine klare Empfehlung von mir.
Ein sehr eindrücklicher Roman, der viele Fragen aufwirft. Obwohl im Zentrum der Geschichte eine reale Person steht, sollte man sich darüber bewusst sein, dass es sich nach wie vor um eine fiktive Auseinandersetzung mit der Person Stella Goldschlag handelt. Sie ist sicherlich kein Charakter der hier mit besonderen Sympathie rechnen darf. Dennoch wirft der Roman bei aller Grausamkeit für mich im Zentrum zwei interessante Fragen auf: 1. Wie weit würde jeder gehen, um seine Familie zu retten? 2. Kann man eine Person, die sich auf diese Art schuldig gemacht hat, lieben? Der Roman findet hier seine ganz eigene Art von Antworten. Ich fand die Art und Weise, wie hier die unterschiedlichen Personen beschrieben wurden sehr eindringlich und ich hatte sie sehr klar vor Augen stehen. Diese Geschichte wird mich mit Sicherheit in den nächsten Tagen gedanklich noch weiter beschäftigen.
Zunächst: Ich fand dieses kleine Buch wundervoll. Es war erschütternd, es bildete sich ein großer Druck auf meiner Brust während des Lesens und es machte mich sehr nachdenklich. Versteht mich nicht falsch, darin wurden keine unendlichen Grausamkeiten geschildert, alles entwickelt sich mehr unterschwellig, verpackt, wird teilweise nur angedeutet. Das macht für mich jedoch die Wucht dieses Buches aus. Es sind die kleinen Dinge, die bei mir die größten Gefühle auslösen können. Ich fand den Schreibstil einfach, klar prägnant, schnörkellos und spannend. Die Personenbeschreibungen waren so exzellent, auf wenigen Seiten hat man so viel erfahren. Für mich die spannendste Person war Tristan, da lauerte das Böse nur so unter einer schillernden Person. Hervorragend. Auf Amazon habe ich mehrmals gelesen: Schundroman! Das kann ich überhaupt nicht verstehen. Auch die andere harte Kritik verstehe ich nicht. Takis Würger ist ein sehr sympathischer und talentierter junger Mann und ich werde mit Freude andere Bücher von ihm lesen.
Ein absolutes Highlight. Dieses Buch unterscheidet sich gänzlich von dem was ich sonst lese. Doch es war unglaublich gut. Der Schreibstiel von Takis Würger ist angenehm und tiefgreifend. Diese Geschichte ist so ergreifend und mit den ganzen wahren Geschichten die er hier aufgreift, es macht dieses Buch zu etwas ganz besonderem. Es ist schrecklich zu lesen/sehen was alles so passiert ist in dieser Zeit und man fragt sich wie es so weit kommen konnte. Doch man bekommt noch einmal eine ganz neu Perspektive Ich liebe dieses Buch und ich würde es JEDEM empfehlen. Absolut unglaublich!!!!!
Für mich war das Buch einfach ein Ärgernis und am liebsten hätte ich das Geld vom Verlag zurück gefordert. Lähmend langweilig sowohl vom Inhalt als auch vom Schreibstil. Den vom Klappen- und Rückentext angeteaserten Inhalt konnte ich bei den ersten knapp 100 Seiten nicht entdecken - was zugegebenermaßen auch schon mal eine Kunst ist, diesen bis zur in etwa der Hälfte des Buches als Autor für sich zu behalten. Warum das Feuilleton so auf das Buch angesprungen ist, habe ich bis heute nicht verstanden.
Außergewöhnlich!
Was für eine Geschichte! Sie beginnt recht harmlos mit einem jungen Schweizer, der 1942 in einer Berliner Kunstschule Kristin kennenlernt und hofft, dass der Krieg ihn nicht einholt. Die junge Frau bleibt nicht nur für Friedrich sehr geheimnisvoll. Auch der Leser fragt sich immer wieder, wer Kristin wirklich ist. Schließlich kommt raus, Kristin ist Jüdin und heißt eigentlich Stella. Takis Würger nimmt uns Leser mit in verrauchte Clubs, auf Feiern der Nationalsozialisten und lässt uns immer wieder den Atem anhalten, denn Stella wird enttarnt und muss einen Pakt mit der Gestapo eingehen, um zu überleben. "Stella" - spannend geschrieben, aufwühlend mit vielen Fakten zu Beginn und am Ende eines Kapitels. Ein außergewöhnliches Buch, dass ich nie vergessen werde.
Ich fand das Buch gut aber ich hatte Probleme mich mit den Charakteren des Buches anzufreunden und weiß bis jetzt nicht nicht ganz was ich von Stella halten soll. Aber die Geschichte die erzählt wurde war sehr bewegend und ich hätte mir noch ein paar Seiten mehr gewünscht um noch mehr über die Geschichte zu erfahren.
Ich habe bereits zwei Bücher des Autors gelesen und beide sehr sehr gerne gemocht. Auch thematisch war ich mir sicher, dass ich dieses Buch toll finden würde. Es spielt zu der Zeit des Nationalsozialismus und Bücher aus diesem Bereich lese ich immer „gerne“, weil ich es so wichtig finde. Darüber hinaus habe ich öfter gehört, dass dieses Buch ziemlich polarisiert und für einige Debatten gesorgt hat. Das finde ich nach wie vor super spannend. Ich positioniere mich dahingehend auf der Seite, die für eine Erzählung dieser Perspektive spricht. Es basiert auf wahren Begebenheiten und ich finde die Inhalte des Buches wichtig, weil eben auch unübliche Sichtweisen vertreten werden, die es aber auch wert sind, erzählt zu werden. Nur leider fand ich die Umsetzung einfach nicht so gelungen. Ich hätte mir sehr viel mehr Einblicke in die Gedankenwelten gewünscht. Das ganze wurde irgendwie oberflächlich abgehandelt und ich habe nicht immer folgen können. Der Schreibstil des Autors, von dem ich sonst so schwärme, war hier teilweise zu viel. Zu gewollt. Auch wenn ich am Anfang noch Feuer und Flamme war, hab ich die Protagonist*innen nach einiger Zeit gar nicht mehr greifen können. Das ist schade, weil eigentlich so viel auf dieser charakterlichen Ebene stattfindet. Außerdem gab es immer wieder Aufzählungen von Geschehnissen, von denen nur einige in die Geschichte gepasst haben. Andere waren komplett irrelevant. Ich werde weiterhin zu Büchern des Autors greifen, bin aber dennoch enttäuscht, dass mich dieses Buch trotz des Themas nicht abholen konnte.
Description
Eine Geschichte, die auf wahren Begebenheiten beruht.
Book Information
Author Description
Takis Würger, geboren 1985, besuchte die Henri-Nannen-Schule und studierte Ideengeschichte in Cambridge, ohne Abschluss. Er arbeitet als Redakteur für das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL. 2017 erschien sein mehrfach ausgezeichneter Debütroman »Der Club«. 2019 folgte der Roman »Stella«.
Posts
SuB Nr.85 ✍️ Stella ... endlich kenne ich auch diese zum Teil wahren jüdischen Geschichte. Solche Bücher sind immer etwas schwer zu lesen ,allein die Sprache in der SS Zeit ... Hier sind wahre Aktenausschnitte in Kursivschrift dargelegt,die wirklich erschreckend und grauenhaft sind. Wie Menschen weg kamen und warum ... Was Menschen für Strafen bekamen .... Dann wurde teilweise Seitenlang dokumentiert, was an manchen Tagen geschah zb. Selbstmord an seiner eigenen Familie um nicht ins Zuchthaus zu kommen .... Oder welche grossen Menschen wann geboren wurden .. .Menschen die für andere Menschen was getan haben und leider dafür büssen mussten.... Stella ist eine jüdische Frau ....gibt sich aber als jemand anderen aus und verriet andere Juden ...hunderte ....die durch ihren Verrat starben. Eine Geschichte die ich nicht nachvollziehen kann ,aus Stellas Sicht....trotzdem eine Geschichte die nicht vergessen werden sollte. Ich bin froh sie gelesen zu haben. S.210 》Frage: Welche Schuld messen Sie sich nun selbst zu in Anbetracht Ihres abgelegten Geständnisse?《 》Antwort: Als ich in den Zeitungen gelesen habe,dass ich soviele Frauen,Kinder und Männer ins Unglück gebracht haben soll,da hat mich das wahnsinnig beunruhigt,da habe ich mal selbst mit meinem Gewissen gesprochen und bin zur Überzeugung gekommen,dass die einzigste Schuld und das einzigste Verbrechen,welches ich begangen habe,das war,dass ich mich als Jüdin in einen Außendienst der Gestapo stellen liess. Ich bemerke aber ,dass ohne mein eigenes Wollen ich zu diesem Gestapodienst kam. Soweit ich mich erinnere ,habe ich alle Fälle,von denen ich wusste ,freiwillig geschildert. Die Zeit ist aber zu lang ,um mich jeder Einzelheit genau zu erinnern. Ich habe einstweilen keine weiteren Angaben zu machen. 8März 1946, Kriminalkomissariat Berlin,Dienstelle KJ F -zbV-》 Noch ein Gedanke ....ihr müsst den Epilog unbedingt mit lesen ! Leseempfehlung 🩶

Ein Buch, das weh tut, bewegt und lange bleibt.
⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ 5/5 Sterne Stella ist eines dieser Bücher, das man beendet – und das trotzdem noch lange nachhallt. Es ist schon eine Weile her, seit ich es gelesen habe, aber bis heute gehört es zu meinen absoluten Lieblingsbüchern. Die Geschichte spielt im Jahr 1942 – mitten in einer der dunkelsten Zeiten der deutschen Geschichte. Zwischen dem Verbot, dass Juden keine Haustiere halten dürfen, der Schließung der letzten jüdischen Schulen, den ersten Deportationen nach Auschwitz und dem Erlass von Heinrich Himmler, dass in Auschwitz nun Menschen und Tiere zu Versuchszwecken freigegeben sind, lesen wir über eine junge Liebe. Das Buch ist so intensiv. Während man liest, vergisst man nie, in welcher Zeit man sich befindet. Dieses bedrückende Gefühl zieht sich durch jede Seite. Gleichzeitig schafft Würger es mit seinem einzigartigen Schreibstil, eine Geschichte zu erzählen, die emotional komplett mitreißt. Nach dem Buch habe ich direkt eine Dokumentation über Stella gesucht, weil mich die Geschichte und vor allem die reale Person dahinter nicht mehr losgelassen haben. Ganz wichtig: Lest unbedingt den Epilog‼️ Ich verstehe absolut, warum dieses Buch damals eine große Debatte ausgelöst hat. Die Frage, wer über diese Zeit schreiben „darf“ und wie man mit realen Personen aus dieser Epoche literarisch umgeht, ist sicher diskutabel. Aber ich persönlich finde solche Bücher unglaublich wichtig. Diese Zeit darf niemals vergessen werden. Und sie darf NIE WIEDER passieren. Für mich war Takis Würger damals eine völlige Neuentdeckung. „Stella“ war mein erstes Buch von ihm – und danach mussten sofort alle anderen folgen, weil mich sein Schreibstil so überzeugt hat.

Kann Spoiler enthalten - Falls ihr komplett unvoreingenommen lesen wollt.
1922 wurde Adolf Hitler wegen Landfriedensbruch verurteilt. James Joyce veröffentlicht Ulysses und Josef Stalin wurde Generalsekretär. Und ein Junge in Genf wurde geboren. Friedrich wächst mit einer seltsamen Mutter und einem liebenden Vater auf. Er bewunderte von weitem die Stärke der Deutschen und wollte als junger Erwachsener nur eins. Kunst in Deutschland studieren und mit eigenen Augen sehen wie toll die Nazis waren. Doch dort angekommen, fand er das Gegenteil. Er war in das Land gekommen, weil er sich die Stärke gewünscht hat. Doch wenn das Stärke war, will er sie nicht. Denn es ist Schwäche, die dazu führt anderen Weh tu tun. Takis Würgers Schreibstil ist einmalig. Er beschreibt was Friedrich hier erlebt und wen er geliebt hat. Über Stella muss ich mir jetzt erst mal eine Dokumentation ansehen. Das Buch ist wahnsinnig gut geschrieben und der Autor kann es wie kein anderen absolut trocken, sachlich und faktisch (nicht negativ gemeint) solche Gefühle rüberbringen. Dann die Gerichtsakten zwischen dem Geschehenen und was auf der Welt vor sich ging, während die Nazis Juden abgeschlachtet haben. Hier ein paar Auszüge, um das Makabre der Vergangenheit nochmal zu veranschaulichen. Ich kann euch das Buch nur empfehlen, mich wird es nachhaltig beschäftigen. Ein Roman zwischen Realität und Fiktion. Februar1942 - Voice of America strahlt zum ersten mal in deutscher Sprache aus. Den Juden in Deutschland wird das halten von Haustieren verboten. Glenn Miller erhält die erste goldene Schallplatte. Walt Disney gewinnt einen Oscar. Aus Oberschlesien rollt der erste Zug nach Auschwitz. Mai 1942 - Mexiko erklärt Deutschland den Krieg. In New York wird der Song "White Christmas" aufgenommen. Reinhard Heydrich überlebt ein Attentat. Juni 1942 - 1000 Bomber der britischen Luftwaffe bombardieren Bremen. Die letzten jüdischen Schulen werden geschlossen. Paul McCartney wird geboren. In München wird "Die weiße Rose" gegründet. Reinhard Heydrich stirbt an den Folgen des Attentats. Daraufhin verschleppen deutsche Polzisten als Vergeltung Kinder und Frauen ins KZ und die töten alle Männer in Lidice. Die Attentäter hatten keine Verbindung zu diesem Ort. Juli 1942 - Der FC Schalke 04 gewinnt 2:0 gegen Vienna Wien und wird zum 6. mal Deutscher Meister. Heinrich Himmler teilt seinen Kollegen mit, dass nun Menschen und Tiere zu Versuchszwecken in Auschwitz freigegeben sind. August 1942 - Die industrielle Produktion von Penicillin startet. Der Leiter des Waisenhauses im Warschauer Ghetto geht freiwillig mit seinen 200 Kindern ins KZ Treblinka und lässt sich ermorden. Er trägt zwei der kleinsten auf dem Arm. Luftwaffengrau wird die neue Farbe der deutschen Feuerwehrautos. September 1942 - Wolfgang Schäuble wird geboren. Die KZs laufen auf Hochtouren. Die Nationalmannschaft verliert 2:3 gegen Schweden. Oktober 1942 - 2000 Frauen werden in Birkenau vergast. Auf Usedom startet die erste Großrakete der Welt. In italienischen Spielzeugfabriken werden ab jetzt Waffen hergestellt. Dezember 1942 - Heinrich Himmler befielt die Deportation aller in Deutschland lebenden Sinti und Roma nach Auschwitz. In Tokio wird die Oper Lohengrin von Richard Wagner aufgeführt. Die Royal Airforce beginnt Berlin zu bombardieren. Und in zwischen all dem, lesen wir im Jahr 1942 über eine junge Liebe, zwischen der jüdischen Naziagentin und dem Schweizer, der voller Hoffnung nach Deutschland kam.

Friedrich und Stella Schein und Sein Idealismus* versus brutale Realität Eine Geschichte des Verrats in Berlin in Zeiten des Holocausts. *oder Naivität ?
Bei Erscheinen hat der Roman eine heftige Literaturdebatte ausgelöst - bei einem derart fragilen Thema wie dem Holocaust sind kritische Stimmen im Grunde vorprogrammiert. Die bereits oft gestellte Frage, wie, vllt. sogar wer, darf über den Holocaust schreiben, wurde heftigst diskutiert. Würger bedient sich einer realen historischen Person als Protagonostin. Hinter der Romanfigur Kristin verbirgt sich die Jüdin Stella Goldschlag, eine sog. "Greiferin" im 3. Reich, eine skrupellose Denunziantin der eigenen jüdischen Leute, zunächst um das Leben der eigenen Eltern zu schützen. Belegt wird dies durch Protokollauszüge aus Gerichtsakten im Kursivdruck, die die Tragik des Verrats durch Goldschlag verdeutlichen. Warum der Autor sich ausgerechnet einer realen Person verschrieben hat, erschließt sich mir nicht unbedingt - jede x-beliebige, gleich angelegte Romanfigur, wäre ebenso authentisch gewesen ...aber das möchte ich gar nicht weiter hinterfragen. Der Roman trägt stlistisch Würgers Handschrift, was mir bislang in all seinen Romanen gut gefallen hat. Auch wenn Stella nicht mein Lieblingstitel des Autors ist, ist es ein unterhaltsamer, spannender Roman und e i n e Sicht, e i n e Stimme zum Thema Nazi Deutschland / Holocaust. Den Großverriss des Buches kann ich nicht zu 100% nachvollziehen.

"Ich war ein junger Mann aus der Schweiz, der seinen Vater vermisste, der eine Jüdin liebte und dessen mutigste Tat es gewesen war, einen alten Ziegenbock von einem Berg zu tragen. Ich verstand nicht, was in Deutschland geschah, warum Bomben fielen, warum Juden gehasst werden mussten und wie ich hineingeraten war in diesen Krieg." Takis Würgers 'Stella' wurde bei Erscheinen kontrovers diskutiert. Ich will mich gar nicht darauf einlassen, denn mich konnte der Roman nachhaltig berühren.
Sehr interessant und nach wie vor ein wichtiges Thema, was nie in Vergessenheit geraten werden sollte. Doch insgesamt hat mir was gefehlt. Trotzdem handelt es sich hier um eine wahre Geschichte. Moralisch sollte hier jeder für sich entscheiden ob richtig oder falsch war. Trotzdem schlimm solche Szenen zu lesen…sowas sollte nie wieder passieren!!

Das war mein drittes Buch von Takis Würger und ganz sicher nicht das letzte. Ich liebe seinen Schreibstil: klar, intensiv, und gleichzeitig so feinfühlig, dass man fast vergisst zu atmen. Kaum jemand schafft es, Figuren so komplex, so widersprüchlich und menschlich zu zeichnen. „Stella“ beruht auf einer wahren Geschichte und genau das macht das Buch so beklemmend. Es zeigt, wie nah Täter- und Opferrollen manchmal beieinander liegen und wie schwer es ist, über Schuld zu sprechen, wenn sie aus Angst, Zwang oder Liebe entsteht. Ich fand das Buch richtig gut und würde es unbedingt weiterempfehlen, gerade weil es so wichtig ist. Und doch hätte ich mir an manchen Stellen mehr Fakten im Text selbst gewünscht – nicht als Beleg, sondern als Orientierung. Es gibt zwar ein Literaturverzeichnis am Ende, aber während des Lesens wollte ich einfach nicht raus aus der Geschichte. Dafür schreibt Würger zu fesselnd. Ein Buch, das nachhallt, weil es keine einfachen Antworten gibt. Paradox vielleicht. Aber eine absolute Empfehlung.
Wichtig und eindrücklich, gegen das Vergessen
Eine junge Frau ist nicht die , die sie vorgibt zu sein . Sie ist Jüdin. Wir sind Beobachter von aussen und sehen die Geschehnisse bewusst subjektiv und verzerrt. Was „Stella“ denkt oder zu ihrem Handeln bewegt erfahren wir nicht. Das Buch wirft Fragen auf : Wie weit darf man gehen, um sich selbst und die Liebsten zu retten? Wo beginnt Schuld, wo endet Verantwortung? Ich fand es grandios und werde sicher noch eine Weile darüber nachdenken.
Ein schwieriges, bedrückendes Buch. Auf der einen Seite das große Talent des Autors das sich auch in diesem Buch wieder zeigt. Auf der anderen Seite dieses Thema um die historische Figur Stella Goldschlag und Friedrich, der sich verliebt in eine Projektion und deshalb die immer offensichtlichere Wahrheit verdrängt. Ein Roman, der sich um die Frage dreht, wie Menschen unter extremem Druck moralisch handeln oder scheitern. Der Roman kreist um Schuld, Verdrängung, Mitläufertum und die gefährliche Sehnsucht, die Realität nicht sehen zu wollen. Das Böse erscheint oft nicht eindeutig oder „monströs“. Der Roman zeigt Menschen, die gleichzeitig Opfer und Täter sein können. Gerade das macht es so verstörend. Takis Würger schreibt in einer fast emotionslosen Sprache, was das Grauen für mich noch klarer zeigt . Ich habe das Buch nur gelesen weil es von Takis Würger ist und es mir geliehen wurde. Genießen kann man diese Geschichte nicht. Ich möchte es als Warnung sehen vor Verdrängung und moralischer Passivität. Gerade heutzutage wieder eine wichtige Botschaft!
Kein leichtes Buch, aber sehr lesenswert und ein wichtiger Teil deutscher Geschichte. Ich kannte Stella Goldschlag vorher gar nicht und war am Ende total schockiert als ich ihre Geschichte noch ein bisschen nachgeforscht habe. Im Buch kommt sie zwar unnahbar rüber, aber irgendwie auch zerbrechlich. Unglaublich was sie eigentlich getan hat.
"Erst wenn nicht mehr über sie erzählt wird, ist eine Epoche wirklich vergangen und mit ihr die Lehren, die wir aus ihr ziehen können."
Harte Kost aus einem etwas anderen Blickwinkel. Erzählt wird die Geschichte von Stella Goldschlag, einer Jüdin, die in die Rolle einer "Greiferin" gezwungen wurde und andere Juden denunzierte. Eine Mischung aus fiktiven (Friedrich) und realen Charaktereren (Stella).
Anders als erwartet!
I N H A L T 1942 kommt Friedrich nach Berlin. In einer Kunstschule trifft er Kristin. Sie nimmt Friedrich mit in verbotene Jazzclubs, trinkt mit ihm Kognak, stillt seinen Hunger nach Erfahrungen. Die beiden werden ein Paar. Bei Kristin kann er sich einbilden, der Krieg sei weit weg. Eines Morgens klopft sie an seine Tür, verletzt, mit Striemen im Gesicht und sagt: „Ich habe dir nicht die Wahrheit gesagt.“ Sie heißt Stella und ist Jüdin. Die Gestapo hat sie enttarnt und zwingt sie zu einem unmenschlichen Pakt: Um ihre Familie zu retten, soll sie untergetauchte Juden denunzieren. Eine Geschichte, die auf wahren Begebenheiten beruht. L E S E E I N D R U C K Puh… Das Buch war anders als erwartet. Zum einen war mir nicht klar, dass es eine teils wahre Geschichte ist und ich dachte, der Fokus läge auf der (fiktiven) Liebesgeschichte. Durch den nüchternen Schreibstil war die Geschichte allerdings weniger gefühlvoll als erwartet. Die Emotionen wurden nicht rübergebracht. Was mir aber gut gefallen hat, ist die Mischung aus Fiktion und Realem. Die Geschichte hat mich neugierig gemacht und nach einzelnen Personen recherchieren lassen: u.a. Stella Goldschlag, die sich als Jüdin in einen Außendienst der Gestapo stellen ließ und viele Juden denunzierte und Janusz Korczak, der in einem jüdischen Waisenhaus arbeitete und freiwillig die Kinder bei der Deportation in ein Vernichtungslager begleitete, obwohl das auch für ihn selbst den Tod bedeutete. Ich werde definitiv im Anschluss noch eine Dokumentation über Stella ansehen! Ebenfalls gefallen hat mir die Einteilung des Jahres 1942 in Monate und die dazugehörigen kurzen Zusammenfassungen darüber, was in der Zeit alles passiert ist, z.B. eine Familie, die Selbstmord begeht, um der Deportation nach Auschwitz zu entgehen. Oder neue Regeln, politische Veränderungen, usw. Auch interessant sowie schockierend waren die echten Ausschnitte aus Gerichtsprozessen, die gezeigt haben aus welchen lapidaren Gründen Juden festgenommen, deportiert und getötet wurden. F A Z I T Stella ist Täter und Opfer zugleich. Und das macht es so schwer, die Figur einzuordnen. Ihre Handlungen sind nicht immer nachvollziehbar, aber irgendwie auch verständlich, denn letztendlich befindet sie sich in einer verzwickten Situation. Der Roman fällt kein endgültiges Urteil, und zeichnet die Figuren nicht nur schwarz oder weiß. Wenn ihr das Buch lest, dann lest unbedingt auch den Epilog! Das Buch regt zum Nachdenken an: Wie weit darf man gehen, um sich selbst und die Liebsten zu retten? Wo beginnt Schuld, wo endet Verantwortung?
Nach „Für Polina“ war „Stella“ mein zweites Buch von Takis Würger. Interessant zu lesen ist es jedenfalls, vor allem auch angesichts der heftigen Kritik, der sich der Autor stellen musste. Begeistert hat mich die Lektüre allerdings nicht, dafür ist die Geschichte zu sehr in der historischen Wahrheit verankert.
Stella von Takis Würger In Stella erzählt Takis Würger eine Liebesgeschichte im Berlin der NS-Zeit, die sich mit Fragen von Schuld, Nähe und moralischer Verantwortung verknüpfen will. Der Roman setzt dabei weniger auf Handlung als auf Atmosphäre und Momentaufnahmen. Was ich dem Buch klar zugutehalte, ist die Sprache. Sie ist poetisch, ruhig und sehr angenehm zu lesen, fast schwebend. Viele Sätze sind schön formuliert und erzeugen eine gewisse Leichtigkeit, die das Lesen zunächst mühelos macht. Genau diese sprachliche Eleganz hat mich anfangs getragen und neugierig gehalten. Inhaltlich jedoch hat mich das Buch zunehmend verwirrt zurückgelassen. Für mich ließ sich keine klare Geschichte erkennen, keine nachvollziehbare Entwicklung der Handlung oder der Figuren. Die Charaktere wirkten, als würden sie jeweils für sich existieren, sich zwischendurch berühren oder begegnen, ohne dass daraus echte Beziehungen, Hintergründe oder eine erkennbare Persönlichkeitsentwicklung entstanden. Motivation, innere Konflikte oder Veränderung blieben für mich weitgehend aus. Besonders das Ende hat diese Irritation verstärkt. Es blieb für mich unverständlich und ließ viele offene Fragen zurück, ohne dass ich das Gefühl hatte, dies sei eine bewusste erzählerische Offenheit. Insgesamt fühlte sich das Buch eher an wie eine einzelne Episode aus einem noch nicht fertigen Roman – sprachlich ausgearbeitet, aber inhaltlich erstaunlich leer. Viel Text, wenig Substanz, wenig Bewegung. Am Ende bleibt Stella für mich ein Roman mit schöner Sprache, aber ohne erzählerische Klarheit oder emotionale Tiefe. Die ästhetische Oberfläche konnte die inhaltlichen Leerstellen nicht auffangen, weshalb mich das Buch trotz seines literarischen Anspruchs nicht überzeugt hat. ★★☆☆☆ (2 von 5 Sternen)

Ich fand das Buch sehr irritierend. Nachdem ich schon zwei Bücher von Takis Würger gelesen habe, die ich sehr mochte, konnte mich dieses Buch nicht so erreichen auch wenn ich es sehr schnell durchgelesen habe. Der Schreibstil war überhaupt nicht meins, Sätze die nicht zusammen passten und eine Hauptfigur die mir persönlich zu sympathisch gezeichnet war.
Darf ein Roman über den Holocaust unterhaltsam sein? 1942 Berlin. Friedrich, Sohn einer wohlhabenden Familie aus der Schweiz, reist nach Berlin um die Wahrheit hinter den Gerüchten über den Krieg zu finden. Zudem schreibt er sich dort für ein Zeichenseminar ein und trifft auf Kristin, die dort als Aktmodell arbeitet. Sie fasziniert ihn und schnell verliebt er sich in sie. Die beiden ziehen gemeinsam um die Häuser und er vergisst, weshalb er überhaupt in die Hauptstadt gereist ist. Doch dann verschwindet Kristin und als sie nach mehreren Tagen völlig misshandelt vor ihm steht, erfährt er, dass Kristin in Wahrheit Stella Goldschlag heißt, Jüdin ist und etwas schreckliches tut... Über den Roman „Stella” von Takis Würger gab es eine riesige Literaturdebatte und aus diesem Grund wollte ich wissen, was wirklich hinter dem Buch steckt. Erzählt wird das Buch in mehreren Erzählebenen. Jedes Kapitel beginnt mit einer historischen Einordnung des Zeitgeschehens. Dazu gibt es die Sicht von Friedrich, dem fiktiven Charakter des Buches und am Ende jedes Kapitels gewährt der Autor uns Zugriff zu echten Zeugenaussagen. Der Schreibstil von Takis Würger, ist, wie auch schon in seinem Debüt, sehr nüchtern, distanziert und wertfrei (man bildet sich selbst eine Meinung). Kurze Sätze, die sich aneinanderreihen. Anfangs ist das etwas gewöhnungsbedürftig - ich persönlich mag seinen Schreibstil aber sehr. Geschildert in einer fiktiven Liebesgeschichte, erfährt man als Leser mehr über die reale Stella Goldschlag. Eine Jüdin, die sich als solche nicht gesehen hat und im zweiten Weltkrieg in Berlin lebte und als „Greiferin” für die Gestapo arbeitete. Im Roman verliebt sie sich in den naiven Friedrich, der sein Leben im Luxushotel genießt und dabei vollkommen vergisst, weshalb er überhaupt in die Hauptstadt gereist ist. Friedrich ist blind vor Liebe, stellt nichts in Frage und kann der Wahrheit nicht ins Auge sehen. Meiner Meinung nach war er zu oberflächlich und naiv dargestellt. Ich hätte mir gewünscht, mehr über ihn und seine Kindheit zu erfahren (da diese am Anfang eine große Rolle spielt) - vielleicht hätte man dann auch eher nachvollziehen können, warum er vor vielen Dingen die Augen verschließt. Zu der Handlung möchte ich eigentlich gar nichts sagen. Meiner Meinung nach sollte man unvoreingenommen an das Buch rangehen und beim Lesen nicht vergessen, dass es eine fiktive Geschichte gepaart mit wahren Elementen ist. Nach dem Lesen habe ich sehr viel recherchiert und mich mit dem Thema mehr auseinandergesetzt und finde die Kritik an dem Buch teilweise gerechtfertigt. Es behandelt ein sehr sensibles und komplexes Thema und daher würde ich jedem empfehlen, sich nach dem Buch nochmal über die „echte” Stella Goldschlag zu informieren. Dazu kann ich euch auch den „Stories”-Podcast mit der Folge mit Takis Würger sehr ans Herz legen. Schlussendlich finde ich ist „Stella” ein unterhaltsamer und gut geschriebener Roman über ein sehr sensibles und komplexes Thema, über das ich immer noch viel nachdenke. Ich empfehle euch ohne Vorwissen an dieses Buch ranzugehen und zu berücksichtigen, dass es eine fiktive Geschichte mit wahren Elementen ist. Wer sich aber richtig mit dem Holocaust auseinandersetzen möchte, dem empfehle ich das Buch nicht.
Ein kleines aber sehr feines Buch. Eine sehr berührende, in Teilen fiktive Geschichte über die historische Person Stella Goldschlag, die mir vorher nicht bekannt war. Emotional anstrengend, da die Nazizeit ein schwieriges Thema ist, in dem so viele Gräueltaten geschehen sind und auch hier werden die Leser nicht geschont. Takis Würger hat einen sehr eigenen Schreibstil, sehr kurze aber inhaltlich sehr tiefe Sätze. Er erzählt ohne zu werten, so dass man als Leser trotz der Kürze des Buches viel zum Nachdenken hat. Die Charaktere sind facettenreich und meist nicht schwarzweiß. Ich hätte mir vielleicht noch ein paar Seiten mehr gewünscht für noch etwas mehr Tiefe der Geschichte und Personen.
Als Friedrich, ein junger, in sich gekehrter, künstlerisch begabter Mann im Jahr 1942 aus der Schweiz nach Berlin reist, um dort die Wahrheit zu finden, ahnt er nicht, dass sich sein Leben für immer verändern wird. Denn er trifft dort auf eine hübsche Blondine, eine kesse Berlinerin, die sich im als Kristin vorstellt und die er sich Hals über Kopf verliebt. Sie zeigt ihm die verbotenen Jazz-Spelunken Berlins, macht ihn mit Tristan von Appen, einem Lebemann – und SS-Offizier – bekannt. Doch schlagartig ändert sich alles, nachdem Kristin mitsamt ihrer Familie gefangen genommen und ins Lager Große Hamburger Straße gebracht wird. Denn Kristin heißt in Wahrheit Stella Goldschlag und ist Jüdin. Um sich und ihre Familie zu retten arbeitet sie ab diesem Zeitpunkt als „Greiferin“ und geht täglich für die Nazis auf Jagd nach Juden. Von der Kritik wurde Stella verrissen, zu romantisch die Liebesgeschichte, zu schwach die Frage nach der Schuld, überhaupt kann man sich einem solchen Thema nicht auf diese Art nähern. Mich persönlich hat Takis Würger mit seinem Roman gefesselt. Ich fand es faszinierend, wie er in 12 Kapiteln – für jeden Monat des Jahres 1942 – die unfassbare Geschichte der Stella Goldschlag und das Leben im Berlin jener Zeit, eingebettet in eine fiktive Liebesgeschichte und immer wieder unterbrochen durch Vernehmungsprotokolle, erzählt hat. Für mich ein absolut lesenswertes Buch.
Ich habe das Buch heute Nacht zu Ende gelesen. Ich muss dazu sagen, dass ich mich kurz vorher mit Claude Lanzmanns "Shoah" beschäftigt habe (die Dokumentation kannte ich schon, ich habe das dazugehörige Buch gelesen), die erschütternden Eindrücke daraus haben auch Einfluss auf meine Meinung zu "Stella", deshalb ist das hier auch keine Rezi im eigentlich Sinn. Erst einmal finde ich die Sprache und Konstruktion dieses Buches herausragend und vor allem wichtig, um diese Geschichte überhaupt angemessen erzählen zu können. Jedes Kapitel beginnt mit einem Ausschnitt aus der Prozessakte der Stella Goldschlag und einer zeitlichen Einordnung der Geschichte. Hier zählt Takis Würger nacheinander bedeutende und unbedeutende weltweite historische Ereignisse zusammen mit Aussagen von Josef Göbbels und anderen regimebezogenen Ereignissen auf. Auf mich wirken Letztere dadurch umso erschreckender und alles andere als verharmlosend. Das hat auch einen entsprechenden Einfluss auf die Romanhandlung. Und das ist gut so, denn ohne diesen Zusammenschluss von Fakten und Fiktion bzw. der Bewusstmachung der zeitlichen und politischen Einordnung, könnte man Würger durchaus Verharmlosung der Taten der nicht fiktiven Figuren vorwerfen. Mit der fiktiven Handlung und vor allem mit der Figur des Fritz als Erzähler hatte ich persönlich nämlich so meine Probleme. Schon die Motive, dieses naiven jungen Mannes, 1942 überhaupt nach Berlin zu gehen, wirkten auf mich zu weit hergeholt. Aber das dürfte Würger durchaus so beabsichtigt haben. Die Idee einen naiven jungen Mann, der nur noch in der Lage ist, Grautöne zu sehen, ins Berlin der damaligen Zeit zu schicken, ihn auf "Greifer", SS-Männer, die große Liebe treffen zu lassen, ist eigentlich genial und ermöglicht einen gewissen Interpretationsspielraum. Ich habe mich beim Lesen hier deshalb auch oft gefragt, wie wohl Lanzmanns Interviewpartner, sowohl Opfer als auch Täter, auf diese Geschichte reagiert hätten. Ich konnte gar nicht anders. Ganz persönlich denke ich, dass die Opfer mit der Darstellung der "Stella" und vor allem auch von Tristan von Appen, Probleme gehabt, so wie die Täter wahrscheinlich die Opferrolle hervorgehoben hätten. An diesen Stellen hat mir das Buch immer wieder "Bauchschmerzen" verursacht. Das führt dazu, dass ich die Kritik und Befürchtungen mancher LeserInnen an "Stella" durchaus nachvollziehen kann. Takis Würger betritt hier einen manchmal schmalen Grat, auf den ich ihm nicht immer folgen konnte oder wollte. Das Buch ist also eine Herausforderung. Grau ist eben nicht nur schwarz und weiß, sondern hat viele Schattierungen. Ich denke, dass Takis Würger ganz klar zur inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem Thema seines Buches auffordert. Ich unterstelle ihm, dass er den Interpretationsspielraum bewusst so weit gesteckt hat. "Stella" fordert zum (Nach-)Denken heraus. Der Zweck heiligt nicht die Mittel, das erläutert Takis Würger ganz klar, zumindest finde ich hier keine andere Möglichkeit der Interpretation. Aber kann und darf Liebe alles verzeihen? Kann man auf Dauer die Augen verschließen? Wie geht man mit diesem Dilemma um? Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Takis Würgers nüchterne Art zu schreiben hat mir jedenfalls sehr gut gefallen. Ich werde ihn im Auge behalten.
Nazikitsch, Schundroman, deprimierend schlecht – das ist nur eine kleine Auswahl an vernichtenden Urteilen über Takis Würgers Stella. Was für eine giftige Hexenjagd. Der Wirbel um Stella hat mich neugierig gemacht, und ich habe mir übers Wochenende – eingestimmt durch den Film „Die Frau in Gold“ – das Hörbuch zu Gemüte geführt. Und ich muss sagen: unter Schundroman stelle ich mir definitiv etwas anderes vor. Kurzinhalt Die Geschichte wurde schon oft rezensiert, deshalb hier nur kurz: Der junge, naive Schweizer Friedrich reist 1942 nach Berlin. Er will herausfinden, was an den Gerüchten über Judentransporte dran ist. Eigentlich will er nur kurz bleiben, verliebt sich dann aber in die attraktive und rätselhafte Kristin. Sie trinken zusammen Champagner, besuchen verbotene Jazzclubs und lassen sich das Essen vom Schwarzmarkt schmecken. Doch dann verschwindet Kristin für einige Tage spurlos. Als sie zurückkommt, sind ihre Haare rasiert und sie weist zahlreiche Verletzungen von erlittenen Folterungen auf. Kristin ist Jüdin und heisst in Wahrheit Stella. Erst nach und nach findet Friedrich heraus, dass sie seit ihrer Gefangennahme versucht, ihr eigenes Leben und das ihrer Eltern zu retten, in dem sie andere Juden an die Gestapo verrät. In die Geschichte um Stella und Friedrich webt Würger Zeugenaussagen aus den Prozessakten ein und kurze Aufzählungen von Ereignissen der jeweiligen Monate, in denen der Roman spielt. „Wie konnte ich so naiv sein? Fragt man sich das nicht immer, wenn man zurück schaut?“ Ich muss sagen, mir hat der Roman sehr gut gefallen. Ich mag Würgers reduzierten Schreibstil, die Art, wie er seine Bilder malt. Seine zurückhaltende Erzählweise, die Annäherung an Stella Goldschlag, ohne Partei zu ergreifen, ohne zu erklären. Gerade darin erscheint mir der Wert dieses Romans, dass er Fragen aufwirft, zum nachdenken, nachforschen und weiterlesen anregt. Stella bleibt rätselhaft, undurchsichtig, schwer fassbar. Das zeugt vom Respekt des Autors vor der realen Figur der Stella Goldschlag. Er masst sich nicht an, ihr Handeln erklären zu wollen oder sie gar zu verurteilen, und lässt den Leser mit ambivalenten Gefühlen zurück. Dass er die Geschichte über Stella aus der Sicht des naiven, farbenblinden, verliebten Friedrichs erzählt, hat mich nicht gestört. Je länger ich darüber nachdenke, desto genialer erscheint mir diese Erzählperspektive. Denn dadurch erfahren wir nicht, wir es in Stellas Innerem ausgesehen hat. Ich hätte es unseriös, kitschig und als Schund empfunden, hätte sich Würger über Stellas Innenleben ausgelassen. So scheint es, als wollte er sich und den Leser fragen, was wohl in ihr vorgegangen sein mag. Eine äusserst zurückhaltende und bescheidene Art, über eine Figur wie Stella zu schreiben. Ich habe es auch nie so empfunden, dass Würger hier auf Kosten des Holocausts eine billige Liebesgeschichte auftischt. Im Gegenteil. Mir scheint, er will den Holocaust und Stellas Schicksal auf Kosten einer Liebesgeschichte erzählen. Und das finde ich ein gelungener Kunstgriff. Ja, Stella ist auch eine Liebesgeschichte, und als solche stellenweise sentimental. Aber kitschig? Nicht wirklich. Die Liebesgeschichte ist in meinen Augen das Fundament, auf dem Würger den Holocaust und eine Periode aus dem Leben der Stella aufbaut. Weder der zweite Weltkrieg noch der Verrat von Stella werden dabei vernachlässigt. Klar, Stella ist ein Roman, keine Biografie. Steht ja auch auf dem Cover drauf. Eine Biografie gibt es schon. Ich kann nicht nachvollziehen, dass sich so viele Leser und Feuilletonisten derart schwer tun damit, dass Takis Würger der realen Stella eine fiktive Liebesgeschichte andichtet. In vielen historischen Romanen werden Figuren zu realen dazu gestellt, fiktive Liebesgeschichte zu realen Begebenheiten dazu gemischt. So zum Beispiel bei Daniel Kehlmann, Eveline Hasler, Philipp Vandenberg oder Liv Winterberg. Selbstverständlich muss man das nicht unbedingt mögen. Aber derart verwerflich ist das doch auch wieder nicht. Ich selber bin zwar auch hin und her gerissen, was ich von solcherlei Mischungen halten soll. Bei Liv Winterberg beispielsweise hat es mich gestört. Bei Würger nicht, weil ich in Friedrich gelungenes Symbol für all die Menschen sehe, die vor dem Holocaust den Kopf in den Sand gesteckt haben. Ich finde das Buch sehr gelungen, wichtig und empfehlenswert! "Wir zahlten Schwarzmarktpreise und assen Austern und Bienenstich. Wir tranken Cognac, zeichneten mit Kohle, hörten Swing. Und selten tanzten wir. Manchmal schafften wir es, Stellas Eltern zu vergessen. Wir machten uns schuldig. Jeder auf seine Art." Gehört im Februar 2019 Nachtrag 18.2.2019: Eine differenzierte, empfehlenswerte Besprechung von Stella habe ich hier (https://literaturkritik.de/wuerger-stella-candide-berlin-1942-takis-wuerger-erzaehlt-stella-wie-naivitaet-schuld-aufeinanderprallen,25359.html) gefunden: Die daraus entnommene Beurteilung kann ich voll und ganz unterstützen: Würger [hat] mit Stella einen in ästhetischer Hinsicht gut konzipierten und ausgeführten Roman vorgelegt. Die hohe atmosphärische Dichte in der Fiktion, immer wieder destruiert und in Frage gestellt mittels Konfrontation mit den Prozessakten und den summierten historischen Fakten, unterstreicht die Ambivalenz der historischen Figur Stella, ohne ihr die Schuld zu nehmen. Würger erweist sich darüber hinaus als Meister der Parataxen und lakonischen Dialoge, die den Roman sprachlich leicht, aber paradoxerweise alles andere als einfach machen (was aber eine einfache Lektüre nicht ausschließt). So kann man in letzter Konsequenz dafür plädieren, sich auf die Konstruktion (des zweifelsohne kulturindustriell geprägten) Ästhetischen einzulassen.
📚 Inhalt Fritz erlebt eine herausfordernde Kindheit in der Schweiz in den 1920er Jahren. Als Erwachsener geht er für ein Kunststudium nach Berlin und lernt Nazideutschland kennen. Er lernt eine Frau kennen und verliebt sich in sie. Die beiden verbringen viele schöne Stunden und geniessen den Luxus, den man sich nur noch mit viel Geld leisten kann. Immer wieder erlebt Fritz Antisemitismus und weiss nicht, wie er damit umgehen soll. Als seine Liebelei Stella ihm offenbart, dass auch sie eine Jüdin ist, bekommt er es mit der Angst zu tun. Als ihre Eltern in ein Konzentrationslager gebracht werden, möchte er mit das Land verlassen, doch Stella will ihre Eltern nicht im Stich lassen. Fritz spürt, dass Stella ihm etwas verheimlicht. Früher oder später wird er es erfahren. 📖 Meinung Wow, was soll ich zu diesem Buch sagen? Also zu aller erst finde ich das Cover gruselig. Die Dame erinnert mich sehr an die Darstellenden des Horrorfilms «Smile», ich kann einfach an nichts anderes denken. Das Buch habe ich bei einem Ausflug nach Mailand gefunden und es hat mich sehr angesprochen. Ich habe es praktisch direkt nach dem Kauf angefangen zu lesen. Nun war ich kürzlich in der Bücherbrocky und habe den Titel mindestens drei Mal entdeckt. Ich frage mich, ob die Titel vorher schon da war und ich sie jedes Mal übersehen habe. Denn eigentlich finde ich das Buch sehr auffällig, das es fast komplett schwarz ist. Aber sei’s drum, der Kauf hat sich jedenfalls gelohnt. Ich mag den langsamen Einstieg in die Geschichte und mir gefiel es, Fritz besser kennen zu lernen. Die Geschichte beruht auf wahren Ereignissen, hat aber auch sehr viele fiktionale Anteile. Immer wieder findet man an den Enden der Kapitel Gerichtsakten, die aufzeigen, wie Jüdinnen und Juden ausfindig gemacht wurden, wo sie hin deportiert wurden und was mit ihnen geschehen ist. Besonders das Ende und damit meine ich Stellas Geheimnis fand ich sehr schockierend. Ich finde es unfassbar, dass Menschen zu solchen Taten fähig sind. Es ist auf eine Art nachvollziehbar aber bei vertiefterem Auseinandersetzen finde ich, dass es keinerlei Gründe gibt, so zu handeln, wie es Stella getan hat. Gerade in der heutigen Zeit finde ich das Thema wieder sehr aktuell und es darf nicht in Vergessenheit geraten. Fritz erlebt immer wieder Antisemitismus und spürt, wie ihm dieses missfällt. Doch er äussert sich praktisch nie dagegen. Das Buch ist absolut lesenswert. Eine klare Empfehlung von mir.
Ein sehr eindrücklicher Roman, der viele Fragen aufwirft. Obwohl im Zentrum der Geschichte eine reale Person steht, sollte man sich darüber bewusst sein, dass es sich nach wie vor um eine fiktive Auseinandersetzung mit der Person Stella Goldschlag handelt. Sie ist sicherlich kein Charakter der hier mit besonderen Sympathie rechnen darf. Dennoch wirft der Roman bei aller Grausamkeit für mich im Zentrum zwei interessante Fragen auf: 1. Wie weit würde jeder gehen, um seine Familie zu retten? 2. Kann man eine Person, die sich auf diese Art schuldig gemacht hat, lieben? Der Roman findet hier seine ganz eigene Art von Antworten. Ich fand die Art und Weise, wie hier die unterschiedlichen Personen beschrieben wurden sehr eindringlich und ich hatte sie sehr klar vor Augen stehen. Diese Geschichte wird mich mit Sicherheit in den nächsten Tagen gedanklich noch weiter beschäftigen.
Zunächst: Ich fand dieses kleine Buch wundervoll. Es war erschütternd, es bildete sich ein großer Druck auf meiner Brust während des Lesens und es machte mich sehr nachdenklich. Versteht mich nicht falsch, darin wurden keine unendlichen Grausamkeiten geschildert, alles entwickelt sich mehr unterschwellig, verpackt, wird teilweise nur angedeutet. Das macht für mich jedoch die Wucht dieses Buches aus. Es sind die kleinen Dinge, die bei mir die größten Gefühle auslösen können. Ich fand den Schreibstil einfach, klar prägnant, schnörkellos und spannend. Die Personenbeschreibungen waren so exzellent, auf wenigen Seiten hat man so viel erfahren. Für mich die spannendste Person war Tristan, da lauerte das Böse nur so unter einer schillernden Person. Hervorragend. Auf Amazon habe ich mehrmals gelesen: Schundroman! Das kann ich überhaupt nicht verstehen. Auch die andere harte Kritik verstehe ich nicht. Takis Würger ist ein sehr sympathischer und talentierter junger Mann und ich werde mit Freude andere Bücher von ihm lesen.
Ein absolutes Highlight. Dieses Buch unterscheidet sich gänzlich von dem was ich sonst lese. Doch es war unglaublich gut. Der Schreibstiel von Takis Würger ist angenehm und tiefgreifend. Diese Geschichte ist so ergreifend und mit den ganzen wahren Geschichten die er hier aufgreift, es macht dieses Buch zu etwas ganz besonderem. Es ist schrecklich zu lesen/sehen was alles so passiert ist in dieser Zeit und man fragt sich wie es so weit kommen konnte. Doch man bekommt noch einmal eine ganz neu Perspektive Ich liebe dieses Buch und ich würde es JEDEM empfehlen. Absolut unglaublich!!!!!
Für mich war das Buch einfach ein Ärgernis und am liebsten hätte ich das Geld vom Verlag zurück gefordert. Lähmend langweilig sowohl vom Inhalt als auch vom Schreibstil. Den vom Klappen- und Rückentext angeteaserten Inhalt konnte ich bei den ersten knapp 100 Seiten nicht entdecken - was zugegebenermaßen auch schon mal eine Kunst ist, diesen bis zur in etwa der Hälfte des Buches als Autor für sich zu behalten. Warum das Feuilleton so auf das Buch angesprungen ist, habe ich bis heute nicht verstanden.
Außergewöhnlich!
Was für eine Geschichte! Sie beginnt recht harmlos mit einem jungen Schweizer, der 1942 in einer Berliner Kunstschule Kristin kennenlernt und hofft, dass der Krieg ihn nicht einholt. Die junge Frau bleibt nicht nur für Friedrich sehr geheimnisvoll. Auch der Leser fragt sich immer wieder, wer Kristin wirklich ist. Schließlich kommt raus, Kristin ist Jüdin und heißt eigentlich Stella. Takis Würger nimmt uns Leser mit in verrauchte Clubs, auf Feiern der Nationalsozialisten und lässt uns immer wieder den Atem anhalten, denn Stella wird enttarnt und muss einen Pakt mit der Gestapo eingehen, um zu überleben. "Stella" - spannend geschrieben, aufwühlend mit vielen Fakten zu Beginn und am Ende eines Kapitels. Ein außergewöhnliches Buch, dass ich nie vergessen werde.
Ich fand das Buch gut aber ich hatte Probleme mich mit den Charakteren des Buches anzufreunden und weiß bis jetzt nicht nicht ganz was ich von Stella halten soll. Aber die Geschichte die erzählt wurde war sehr bewegend und ich hätte mir noch ein paar Seiten mehr gewünscht um noch mehr über die Geschichte zu erfahren.
Ich habe bereits zwei Bücher des Autors gelesen und beide sehr sehr gerne gemocht. Auch thematisch war ich mir sicher, dass ich dieses Buch toll finden würde. Es spielt zu der Zeit des Nationalsozialismus und Bücher aus diesem Bereich lese ich immer „gerne“, weil ich es so wichtig finde. Darüber hinaus habe ich öfter gehört, dass dieses Buch ziemlich polarisiert und für einige Debatten gesorgt hat. Das finde ich nach wie vor super spannend. Ich positioniere mich dahingehend auf der Seite, die für eine Erzählung dieser Perspektive spricht. Es basiert auf wahren Begebenheiten und ich finde die Inhalte des Buches wichtig, weil eben auch unübliche Sichtweisen vertreten werden, die es aber auch wert sind, erzählt zu werden. Nur leider fand ich die Umsetzung einfach nicht so gelungen. Ich hätte mir sehr viel mehr Einblicke in die Gedankenwelten gewünscht. Das ganze wurde irgendwie oberflächlich abgehandelt und ich habe nicht immer folgen können. Der Schreibstil des Autors, von dem ich sonst so schwärme, war hier teilweise zu viel. Zu gewollt. Auch wenn ich am Anfang noch Feuer und Flamme war, hab ich die Protagonist*innen nach einiger Zeit gar nicht mehr greifen können. Das ist schade, weil eigentlich so viel auf dieser charakterlichen Ebene stattfindet. Außerdem gab es immer wieder Aufzählungen von Geschehnissen, von denen nur einige in die Geschichte gepasst haben. Andere waren komplett irrelevant. Ich werde weiterhin zu Büchern des Autors greifen, bin aber dennoch enttäuscht, dass mich dieses Buch trotz des Themas nicht abholen konnte.






















































