Service

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Hardback
4.3112

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Description

Eigentlich möchte Hannah nicht im Gerichtsverfahren gegen ihren früheren Chef Daniel aussagen. Dem renommierten Sternekoch werden sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Bisher hatte Hannah die Erinnerungen an ihre Zeit im Restaurant sorgfältig verdrängt und will zehn Jahre später die scheinbare Stabilität ihres Lebens nicht gefährden.
Während Hannah von der Vergangenheit eingeholt wird, ist der Angeklagte fassungslos. Wegen eines Vorfalls, dem Daniel kaum Bedeutung beimisst, ist er gezwungen, sein Restaurant im Zentrum Dublins zu schließen. Er sieht sich als Opfer von Rufmord durch eine Kellnerin, die es auf Schmerzensgeld abgesehen hat.
Zugleich muss sich seine Frau Julie, bedrängt von Paparazzi und dem drohenden Zusammenbruch der gemeinsamen familiären Existenz, der Frage stellen, ob Daniel der Mann ist, den sie zu kennen glaubte.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
320
Price
24.70 €

Author Description

Sarah Gilmartin ist Autorin und Journalistin. Ihre Texte erschienen unter anderem bei The Dublin Review, New Irish Writing und The Tangerine. Ihr Debütroman Dinner Party war auf der Shortlist für den Irish Book Award und den Kate O’Brien Award 2022. Mit Service erscheint bei Kein & Aber ihr erstes Buch in deutscher Übersetzung. Sarah Gilmartin lebt in Dublin.

Posts

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4

Ermächtigungsgeschichte für Frauen 🚺 💪🏻🚺

Drei unterschiedliche Perspektiven auf eine (mutmaßliche) Vergewaltigung - Welche entspricht der Wahrheit? Stück für Stück wird das Puzzle komplett. Ich habe das Buch von einer guten Bekannten zum Geburtstag geschenkt bekommen. Zugegebenermaßen hätte ich selbst nicht nach dieser #metoo-Geschichte gegriffen, aber die Story hat mich dann doch innerhalb kürzester Zeit gepackt. Von einer AutorIN geschrieben, lässt diese dennoch ein paar gute Haare am männlichen Protagonisten und gesteht zu, dass nicht alles schwarz ⚫️ und weiß bzw. gut oder böse ist, sondern es im Leben eben auch Grauzonen gibt...

Ermächtigungsgeschichte für Frauen 🚺 💪🏻🚺
5

Eine wichtige Thematik intelligent, gekonnt & spannend verpackt. Die Autorin zeichnet wirklich tolle Figuren & wahnsinnig interessante Perspektiven auf einen unfassbaren Fall! Ein Pageturner, der nachhallt!

5

Stark, wichtig, realistisch

Hannah arbeitet im Service eines angesagten Restaurants in Dublin. Sie fühlt sich schon bald stark angezogen von Daniel, dem Inhaber und Sternekoch, der es auf charismatische Art versteht, seine Mitarbeiterinnen sowohl wegzustoßen als auch anzuziehen. Schon bald ordnet Sarah ihr Wohlbefinden unter. Aber Daniel ist mit Julie verheiratet, die zwar vieles ahnt, aber lange Zeit nichts von den dunklen Seiten ihres Mannes wissen möchte. Die Geschichte wird wechselnd aus Sicht der drei Beteiligten erzählt und ganz langsam entblättert sich Schicht für Schicht, was dahinterliegt. Schon früh wird klar, dass Daniel ein Täter ist, der sich missverstanden fühlt und mit allen Mitteln versucht, sich als Opfer auszugeben. Großartig erzählter Roman, der Missstände in der Gastronomie aufdeckt und dabei eine junge Frau in den Mittelpunkt steht, die physisch und psychisch ausgenutzt und missbraucht wurde und deren hartes Ringen um die Wahrheit stark herausgearbeitet wird. Auch die Selbst – und Fremdwahrnehmung eines bekannten starken Mannes wird hier offen gelegt und dabei auch die Sicht seiner Frau, die ihren Mann nicht mehr erkennt, berücksichtigt. Ein Roman, der sich mit einem harten Thema befasst und dabei mit einer psychologischen Tiefe durchaus leicht zu lesen ist und so eine starke Sogwirkung auf mich ausgeübt hat. Große Leseempfehlung für alle, die nicht vor schwerem Themen zurückschrecken.

4

Absolut lesenswert!

👍👍👍👍👍 Die Geschichte eines der Vergewaltigung beschuldigten Edelgastronomen, erzählt aus seiner eigenen Perspektive als Chef und Koch, aus der Perspektive seiner Ehefrau Julie und aus der Perspektive (s)einer Kellnerin, Hannah. Faszinierend und fesselnd, beklemmend und beängstigend. Eine Top-Empfehlung für alle, die von Suzie Millers Prima Facie beeindruckt waren. Mir persönlich gefällt «Service» nochmals ein ganzes Stück besser. Das multiperspektivische Schreiben gelingt der Autorin hervorragend - als Leserin bin ich die einzige Person, die alles weiss: eine krasse Vorstellung.

4.5

#MeToo

📌 "Gelegentlich gelingt es einem, das Trauma auszublenden, doch die Nachwirkungen vergisst man nicht." - S. 241 Aus drei Perspektiven liest man über einen "Akt sexueller Gewalt" und dessen Konsequenzen für die Beteiligten. Zu Wort kommen abwechselnd der Täter, seine Ehefrau und ein Opfer. Die Schilderungen der drei Erzählfiguren aus der Ich-Perspektive fand ich sehr gelungen. Hierbei möchte ich besonders die Erzählstimme und Entwicklung der Ehefrau hervorheben. Sarah Gilmartin schreibt über Machtmissbrauch, Misogynie, Vergewaltigung, Drogen- und Alkoholkonsum und schildert sehr ausführlich die toxische Arbeitssituation im Gastrogewerbe. Ein eindringlicher #metoo -Roman, den ich gerne weiterempfehle.

#MeToo
4

„𝘈𝘶𝘧 𝘦𝘪𝘯𝘮𝘢𝘭 𝘣𝘪𝘯 𝘪𝘤𝘩 𝘸𝘶𝘵𝘦𝘯𝘵𝘣𝘳𝘢𝘯𝘯𝘵, 𝘴𝘱𝘶̈𝘳𝘦 𝘥𝘦𝘯𝘴𝘦𝘭𝘣𝘦𝘯 𝘨𝘳𝘦𝘯𝘻𝘦𝘯𝘭𝘰𝘴𝘦𝘯 𝘡𝘰𝘳𝘯 𝘸𝘪𝘦 𝘯𝘢𝘤𝘩 𝘫𝘦𝘯𝘦𝘳 𝘕𝘢𝘤𝘩𝘵: 𝘐𝘤𝘩 𝘸𝘢𝘳 𝘯𝘪𝘤𝘩𝘵 𝘥𝘪𝘦𝘫𝘦𝘯𝘪𝘨𝘦, 𝘥𝘪𝘦 𝘥𝘢𝘴 𝘗𝘳𝘰𝘣𝘭𝘦𝘮 𝘷𝘦𝘳𝘶𝘳𝘴𝘢𝘤𝘩𝘵 𝘩𝘢𝘵𝘵𝘦, 𝘮𝘶𝘴𝘴𝘵𝘦 𝘦𝘴 𝘢𝘣𝘦𝘳 𝘵𝘳𝘰𝘵𝘻𝘥𝘦𝘮 𝘣𝘦𝘴𝘦𝘪𝘵𝘪𝘨𝘦𝘯, 𝘥𝘢 𝘥𝘪𝘦 𝘞𝘦𝘭𝘵 𝘯𝘪𝘦 𝘮𝘶̈𝘥𝘦 𝘸𝘪𝘳𝘥, 𝘍𝘳𝘢𝘶𝘦𝘯 𝘮𝘪𝘵 𝘈𝘶𝘧𝘨𝘢𝘣𝘦𝘯 𝘻𝘶 𝘶̈𝘣𝘦𝘳𝘩𝘢̈𝘶𝘧𝘦𝘯.“ (𝘚.303) Daniel, Sternekoch und Besitzer eines angesagten Restaurants, steht vor Gericht. Sein Restaurant musste er schließen, sein Leben droht zu zerbrechen, er steht davor alles zu verlieren. Julie, Daniels Frau, fühlt sich mit der Situation überfordert, muss sich Paparazzi stellen, versucht ihre Kinder zu schützen und ist hin und her gerissen zwischen dem Wunsch hinter ihrem Mann zu stehen und der Angst, dass die Anschuldigungen wahr sind. Immer mehr hinterfragt sie, ob sie wirklich weiß, wer der Mann ist, mit dem sie ihr Leben teilt. Hannah, eine ehemalige Kollegin von Daniel, wird gebeten in dem Prozess, in dem es um sexuelle Übergiffe geht, auszusagen, sieht sich dem aber nicht gewachsen. Jahrelang hat sie die Vergangenheit verdrängt, jedoch führen sie Geschehnisse dazu, dass sich alles wieder an die Oberfläche kämpft. - Die Thematik des Romans ist nicht neu. Wir reden von Sexismus, Misogynie, Machtmissbrauch, Sexualstraftaten, Täter-Opfer-Umkehr. Alles Themen über die ich mich wahnsinnig aufregen könnte… Was für mich aber neu war und was ich absolut gut umgesetzt fand, war die Erzählung aus drei Perspektiven. Während man sonst hauptsächlich aus Überlebenden-Sicht liest, kommt hier neben dem Täter selbst, auch die Ehefrau zu Wort. Dies sorgt für eine gewisse Spannung und sollte sicherlich auch eine Unentschlossenheit im Lesenden selbst hervorrufen. Dies hat bei mir jetzt nicht ganz geklappt. Daniel sieht sich selbst als unschuldig, versucht Mitleid zu erregen, macht sich selbst zum Opfer, allerdings sieht man schon auf den ersten Seiten, dass er das Klischee des alten weißen Mannes perfekt bedient. Das Schlimme ist, dass er mit dieser Masche durchkommt, ein Problem, was nicht selten ist und zeigt, wie sehr das System an sich krankt, wie schwer es Frauen gemacht wird Übergriffe überhaupt zur Anzeige zu bringen und welch Tortur sie in einem Verfahren ausgesetzt sind, dessen Ausgang in den wenigsten Fällen zu ihren Gunsten ausfällt. Super interessant war auch die verschiedenartige Sichtweise auf ein und den selben Menschen. Während man in den Abschnitten aus Sicht von Daniel und Hannah ein sehr umfassendes Bild seiner Persönlichkeit, seiner Denk- und Handlungsweisen bekommt, zeichnet die Sicht von Julie ein ganz anderes. Zu Hause ein liebevoller Vater und Ehemann, der auf Grund des Jobs wenig Zeit mit der Familie verbringt, aber dennoch einen grundsoliden Eindruck macht. Es macht den Anschein als würde dieser Mann zwei Leben führen. Julie lässt sich sehr lange täuschen, hat zwar Zweifel, aber braucht doch einige Zeit bevor sie auch ihre eigene Beziehung anfängt zu hinterfragen. Zu Guter Letzt noch die Sicht von Hannah: sie hat als Studentin in dem Restaurant gearbeitet, in dem Daniel Chefkoch war. Anfangs war sie fasziniert von dieser Welt. Von der Hektik, den Ausschweifungen. Sexuelle Belästigungen hat sie hingenommen… Es „gehörte nun mal dazu“. Als sie von Daniel vergewaltigt wird, ändert sich ihr Leben schlagartig. Gesprochen hat sie nie mit jemandem darüber, erholt hat sie sich bis heute nicht. Neben Julies Entwickling, fand ich die von Hannah am stärksten. Auch wenn der Ausgang offen ist, so schafft sie es doch sich aus der Opferrolle zu befreien. Sarah Gilmartin schafft es die Me-Too-Thematik sehr gut in Romanform zu packen. Der mitreißende Schreibstil und die verschiedenen Perspektiven machen es zu einem empfehlenswerten Leseerlebnis.

4.5

In "Service" stellt Sarah Gilmartin einen sexuellen Übergriff aus der Perspektive von drei Beteiligten dar. Abwechselnd lässt sie Opfer, den Täter und seine Ehefrau zu Wort kommen. Dabei gelingt es ihr besonders gut, die Erzählstimmen der einzelnen Charaktere voneinander abzugrenzen. Die einzelnen Figuren und ihre Entwicklung sind komplex und authentisch erzählt. Der Leser bekommt einen Einblick in die Arbeitssituation im Gastrogewerbe. Dabei legt die Autorin den Fokus auf den dort vorhandenen Sexismus und den vorherrschenden Machtmissbrauch. „Service" ist ein erschütternder Roman, der viele Emotionen in mir ausgelöst hat, allen voran Wut. Wut auf ein kaputtes System, das immer wieder Täter-Opfer-Umkehr zulässt und Frauen benachteiligt. Ein sehr lesenswertes Buch zur Me-Too-Thematik. 💚

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5

Dieser Roman mit dem unscheinbaren Titel hat es in sich. Zunächst wird der Leser eingeführt, in das harte Tagesgeschäft eines Sterne-Restaurants. Der rauhe Ton, der hier herrscht, die Küche als gefährliches Pflaster, die Hierarchien, Machtkämpfe zwischen dem Chefkoch, den Köchen, dem Service, den Barkeepern etc. Dann aber schlägt die Stimmung des Buches schnell um. Sexuelle Anzüglichkeiten der Gäste, gegenüber den Service-Kräften, dann sexuelle Übergriffe, die sich die Kellnerinnen gefallen lassen (sollten/müssen) um das Restaurant nicht in Schwierigkeiten zu bringen - und um das Trinkgeld nicht zu gefährden. Dann spitzt sich das Ganze weiter zu; berichtet wird von ausgelassenen Feiern, gepuscht von Drogen und Alkohol (und Sex?). Schließlich steht eine Anklage im Raum - wegen sexueller Nötigung, wegen Vergewaltigung. Angeklagt ist der Chefkoch des Restaurants - mittlerweile Besitzer desselben. Klägerin ist eine ehemalige Service-Kraft; doch steht sie allein mit ihrer Anschuldigung - wie glaubhaft ist ihre Aussage, wie glaubwürdig sie selbst. Die Geschichte nimmt immer mehr Fahrt auf, es kommt zur Verhandlung. Zwischendurch immer wieder Rückblenden. Für mich war dieses Buch ein weiteres Highlight. Über den weiteren Verlauf darf ich nichts sagen, wer ist schuldig, wer ist unschuldig - lesen Sie selbst… Was dieses Buch ausmacht, ist die Ausarbeitung der Figuren, die Einblicke in ihre Gedanken, ihre Sicht auf die Zusammenhänge. Wer hat wann was getan, mitgemacht, nicht verhindert, nicht gesagt, zugelassen. All das erfährt der Leser aus der Sicht der Hauptpersonen, Hannah aus dem Service, Daniel, der Angeklagte Sternekoch, Julie, seine Ehefrau. Sie alle betrachten die Geschichte - in Ich-Erzählung - aus ihrer Sicht. Hierbei geht die Autorin so geschickt vor, dass man als Leser hin und her geworfen wird; alle wirken glaubwürdig. Wer ist Opfer, wer ist Täter, wer ist schuldig, wer unschuldig. Wer glaubt selbst, was er sagt, fühlt sich selbst schuldig oder unschuldig. Eine wahrhaft großartige Sozial-Studie einer eigenen Welt - die man sich so nicht mehr wünscht; liest man jedoch das Nachwort der Autorin, zeichnet sich ein anderes, erschreckendes Bild. 5/5 und eine Empfehlung für alle, die sich mit der Thematik sexueller Übergriffe am Arbeitsplatz auseinandersetzen wollen und zudem juristische Romane mögen. Es sei jedoch auch eine Triggerwarnung ausgesprochen!

5

Eine Geschichte, die einem still und heimlich mit Wucht ins Gesicht schlägt!

Im Buch geht es um die Gastronomiebranche und wie derb es dort zugeht. Ich behaupte einfach mal: So gut wie jede die selbst mal (gerade als Frau) zum Beispiel im Service gearbeitet hat, kennt den Ton, die Blicke und im schlimmsten Fall sogar Berührungen, denen Frau von Gästen, Kollegen, Vorgesetzen zum Teil ausgesetzt ist. Dieses Buch vermittelt diesen überheblichen, teils sexistischen Umgang mit Servicepersonal unglaublich gut. Ich war direkt mitten in dieser bedrohlichen Atmosphäre im Restaurant, in dem sich die Geschichte abspielt. Die Geschichte wird aus der Gegenwart heraus, in der ein Prozess wegen sexueller Übergriffe und Vergewaltigung stattfindet, erzählt. Dabei bekommen wir Einblicke in die aktuelle Verfassung der Protagonist*innen, aber auch Rückblicke, durch die die eigentliche Geschichte erzählt wird, geliefert. Es wird aus drei verschiedenen Perspektiven erzählt: Hannah, Überlebende einer Vergewaltigung, Daniel, sexueller Übergriffe/Vergewaltigungen beschuldigt und Julie, Daniels Frau. Alle drei Perspektiven waren unglaublich gut gezeichnet. Hannah, die detailliert erzählt, wie sie den Job anfangs liebte, dann aber zunehmend Grenzen überschritten wurden und die heute mit einem tiefen Traume zu kämpfen hat, auf der einen Seite. Daniel dessen Männer- und Frauenbild immer klarer wird, der sich selbst und generell die Männerwelt als Opfer hinterhältiger und durchtriebener Frauen sieht, auf der anderen Seite. Julie und auch die zwei gemeinsamen Söhne von ihr und Daniel nehmen dabei eine ganz besondere Rolle ein, da sie irgendwo dazwischen stehen und ebenfalls zu Opfern des Ganzen werden. Ach, ich kann gar nicht sagen, wie gut und eindrücklich ich dieses Buch fand! Es war unglaublich intensiv, ohne verschnörkelte Sprache oder schillernde Charaktere. Es hat sich einfach auf erschreckende Art und Weise echt angefühlt. Genau das war, vermute ich, die Intention der Autorin, die auf die Missstände im irischen Rechtssystem aufmerksam machen möchte, wenn es um sexuelle Gewalt und deren Bekämpfung geht.

Eine Geschichte, die einem still und heimlich mit Wucht ins Gesicht schlägt!
5

Ein wichtiges Buch!

Studentin Hannah bekommt einen der begehrten Jobs als Kellnerin im T, einem gehobenen Restaurant in Dublin. Und direkt auf den ersten Seiten folgt man Hannah in diese trubelige Welt in der es hoch hergeht. Hinter der Liebe zu gutem Essen und einer Fassade aus aufgesetzten Höflichkeiten verstecken sich ein rauer Küchenton, Partys und Drogen. Starkoch Daniel Costello wird wegen Vergew*ltigung angeklagt. Die Geschichte rund um den Gerichtsprozess wird abwechselnd aus der Sicht von Hannah, Daniel und dessen Ehefrau Julie erzählt. Von Anfang an gab es für mich beim Lesen keinen Zweifel: Hannah ist das Opfer, Daniel der Täter. Und so klar und eindeutig das ist, so sehr zeigt dieses Buch auch Schwierigkeiten in dieser Thematik auf, die nicht nur das irische, sondern auch das hiesige System betreffen: Wem wird geglaubt? Wer muss sich erklären? Die Sicht von Julie bringt einen weiteren Aspekt ein: Wie gut kennen wir die Menschen an unserer Seite wirklich? Und wofür lohnt es sich zu kämpfen? Ein erschütterndes, dennoch leicht lesbares Buch. Fiktiv und dennoch so nah an einer traurigen Realität, die verdammt wehtut. Klare Empfehlung!

4

Ich habe auf den richtigen Moment für dieses Buch gewartet. Vor der Thematik hatte ich echt etwas Respekt. Aber das Buch geht sehr gekonnt mit dem Thema um. Und zudem ist die gewählte Erzählweise spannend gewählt. Es faszinierend zu lesen wie unterschiedlich die Wahrnehmungen erzählt werden. Daniel dem die Taten vorgeworfen werden ist sich keiner Schuld bewusst auch in den Momenten wenn er sich an diese Situationen zurück erinnert. Aber Lesende denkte man nur: Ist nicht sein ernst. Hannah die zunächst versucht immer weiter zu verdrängen und zunächst nur oberflächlich von ihrer Zeit in diesem Restaurant erzählt. Und die Ehefrau die ihren Mann liebt aber sich selbst auch an Situationen in ihrer Ehe erinnert die sie eventuell falsch eingeschätzt hat. Mich hat dieses Buch förmlich aufgesaugt. Die abwechselne Erzählperspektive läßt einen mitunter atemlos weiterlesen weil man eigentlich bei der vorherigen Figur bleiben möchte obwohl zwei Kapitel vorher eigentlich bei der nächsten aktuellen Perspektive bleiben wollte. Das hat die Autorin sehr gut gemacht. Wer sich stabil genug fühlt sich mit der Thematik auseinander zu setzen dem empfehlen ich dieses Buch.

4.5

Spannender Me-Too-Roman

Dieser Roman hat mich ab der ersten Seite vollkommen in seinen Bann gezogen. Sarah Gilmartin erzählt die Geschichte, in dessen Zentrum ein Vorwurf von sexuellen Übergriffen steht, aus drei Perspektiven. Das macht das Ganze nicht nur spannend, sondern bietet dadurch die Möglichkeit die Protagonist:innen durch mehrere Augen zu betrachten. Wir tauchen ein in den Mikrokosmos des „T“, einem beliebten Sternerestaurant in Dublin. Hannah hat vor 10 Jahren dort neben dem Studium gekellnert und erinnert sich in Episoden zurück an diese Zeit. Daniel, der Küchenchef, steht wegen besagtem Vorwurf vor Gericht und steht vor den Trümmern seiner Existenz. Genauso wie seine Ehefrau Julie, die versucht sich selbst und ihre gemeinsamen Kinder vor den Folgen dieser Anklage zu schützen. . Die Atmosphäre im „T“ wechselt in Sekundenschnelle immer wieder zwischen Ausgelassenheit und großem Erfolgsdruck. Daniel ist ein buchstäblicher Tyrann. Er wird laut und schmeißt auch gerne mal mit Küchenutensilien nach seinem Team. Hannahs Leben besteht zu dieser Zeit nur aus dem Restaurant. Während Hannah Daniel gegenüber Bewunderung gepaart mit Angst empfindet, sieht er sich als Mentor und Gönner. Es herrschen absolut toxische Zustände hinter den Kulissen des eleganten Restaurants. Die Männer stehen in der Küche oder hinter der Bar, die Frauen betreuen den Servicebereich. Sexismus, Misogynie und Machtmissbrauch sind an der Tagesordnung. . Ich fand es faszinierend hinter die Kulissen eines solchen Nobelrestaurants zu blicken und war gleichzeitig schockiert über die dort vorherrschenden Zustände. Gleichzeitig holt Gilmartin uns immer wieder zurück in die Gegenwart und den fortlaufenden Gerichtsprozess. Hier folgt man vor allem Daniel und Julie. Während Daniel mit seinem tiefen Fall vom Superstar zum vermeintlichen Straftäter kämpft, leidet Julie zunehmend an Verfolgungswahn und traut sich an manchen Tagen kaum noch das Haus zu verlassen. Die Auswirkungen auf die Ehe der beiden und vor alle auf die Kinder sind immens. . Auch wenn man von Beginn an weiß, dass Hannah das Opfer einer Vergewaltigung wurde, schafft es Gilmartin doch immer wieder kleine Momente der Unsicherheit im Hinblick auf Daniels Schuld zu streuen. Hannahs und Daniels Erzählperspektiven erwecken den Anschein, man habe Daniels Denk- und Verhaltensmuster verstanden, doch Julie zeichnet ein differentes Bild des Starkochs. Diese Diskrepanz erzeugt Unbehagen beim Lesen und das gelingt so gut, weil Julie smart ist und sie nicht zur Fraktion der Ehefrauen gehört, die aus Liebe und Bewunderung die negativen Eigenschaften des Partners verklären. . Für mich ist „Service“ ein toller Beitrag zur Me-Too-Literatur, weil er sowohl die Täter- als auch die Opferperspektive ausleuchtet und zudem auch die Auswirkungen auf das Umfeld nicht außer Acht lässt. Große Empfehlung!

Spannender Me-Too-Roman
5

zerreißende Wahrheit

Das Thema: sexualisierte Gewalt gegen Frauen** ist so aktuell, relevant und wichtig. Und gleichzeitig versprüht es die Unerträglichkeit der Realität. Die verschiedenen Perspektiven die das Buch mitbringen, bringen die Emotionen von einem extrem ins andere. Die Wut, die Übelkeit, die Verzweiflung, das Verständnis und die Trauer, alle berechtigt. Sie spiegeln auf eine Art und Weise das Schreibtempo des Buches wider, und somit auch die Branche, in der die Erzählung spielt. Es ist eine Erzählung die so individuell ist und dennoch jeden Tag genauso stattfindet. Sie ist Realität und nicht nur eine Geschichte. *in diesem Fall. Auch nicht weiblich gelesene Personen erfahren Gewalt jeglicher Form.

3

Ein sehr wichtiges Buch über die Wahrnehmung verschiedener Menschen der gleichen Sache. Wir begleiten eine Gerichtsverhandlung aus drei verschiedenen Perspektiven. Welche Perspektive der "Wahrheit" entspricht, entscheidet der/die Leser*in hinterher. Die Message, die hier vermittelt wird ist bewegend und wichtig.

4

Im Zentrum von Gilmartins „Service“ stehen drei Figuren, dich sich mit den sexuellen Übergriffen auseinandersetzen und die Geschehnisse mit Blick auf den anstehenden Prozess - mehr oder weniger - reflektieren. Der Autorin ist durch den vielgestaltigen und einfachen Sprachstil eine sehr differenzierte Figurendarstellung gelungen, aus deren Augen die Leser:innen die Perspektiven verfolgen. Während sich einerseits die Figuren mit ihren Empfindungen und Wahrnehmungen auseinandersetzen, rückt andererseits oft der Restaurantalltag in den Fokus, um künstlich Spannung zu erzeugen.

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