Schlachtensee

Schlachtensee

Hardback
3.312

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Description

Fünfzehn radikale Lebensäußerungen, geschrieben von einem der großen Ausnahmetalente der deutschsprachigen Literatur.

In fünfzehn Episoden sprengt Helene Hegemann mit luzidem Blick und großer sprachlicher Wucht sämtliche Kategorien, über die wir die Gegenwart zu begreifen versuchen.

Ein Pfau wird mit einem Golfschläger getötet und entlarvt die Doppelmoral der amerikanischen Kulturelite. Eine junge Frau will zu ihren Eltern in die österreichische Provinz fahren und verpasst immer wieder ihre Station. Ein Bad in der Wolga markiert das Ende einer zerstörerischen Beziehung. Ein Junge verliebt sich in einen anderen, während sie von fünfzig Wildschweinen umzingelt werden. Eine Snowboarderin wacht unter einer Schneedecke auf. Ein Gemälde von Monet stürzt einen Kunstexperten in eine tiefe Sinnkrise. Es sind versehrte, kraftvolle Figuren, die Helene Hegemann durch das Buch und eine Welt wandern lässt, in der Gewalt am gefährlichsten ist, wenn sie unterdrückt werden soll, in der das Abarbeiten an Widersprüchen schmerzhaft, aber auch ein großes Vergnügen sein kann. Nach und nach setzt sich ein perfide konstruiertes Psychogramm unserer Gesellschaft zusammen, das verstörend und beglückend zugleich ist.

»Ich lief auf die Wolga zu, zog im Gehen meine Klamotten aus. Ich blieb so lang unter Wasser, bis mein Körper wieder atmen wollte.«

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
272
Price
23.70 €

Author Description

Helene Hegemann, 1992 geboren, lebt in Berlin. 2008 gewann sie mit ihrem ersten Film »Torpedo« den Max-Ophüls-Preis. 2010 debütierte sie als Autorin mit dem Roman »Axolotl Roadkill«, der in 20 Sprachen übersetzt wurde. Die Verfilmung, bei der sie selbst Regie führte, wurde beim Sundance Festival 2017 mit dem World Cinema Dramatic Special Jury Award for Cinematography ausgezeichnet. 2013 veröffentlichte sie ihren zweiten Roman »Jage zwei Tiger«, 2018 folgte »Bungalow«, für den sie für den Deutschen Buchpreis nominiert war. 2021 schrieb sie in der KiWi Musikbibliothek über Patti Smith und Christoph Schlingensief, 2022 erschien ihr Kurzgeschichtenband »Schlachtensee«. Sie inszeniert für Oper, Theater und Film.

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Der Facettenreichtum der Wohlstandsverwahrlosung Helene Hegemann schreibt wie eine lethargische Jugendliche - und das ist auch gut so. Doch nicht immer sind ihre Erzählungen schlüssig, versuchen teilweise krampfhaft die Erzählstrukturen zu durchbrechen, dabei hat sie das gar nicht nötig. Gerade die kürzeren Erzählungen in der Mitte des Buches lassen einen so ratlos zurück, dass man eigentlich gar nicht weiß was man dazu sagen soll: ist das jetzt große Kunst? hab ich das einfach nicht verstanden, bin ich zu dumm dazu? Ich sage: mitnichten. Helene Hegemann zeichnet hier nur die Absurditäten des Lebens einer Elite nach, der sie selbst angehört: Kinder aus Akademikerfamilien, die mit ihrem Leben nichts anzufangen wissen & sich deswegen auf Sex- und Drogenpartys in Russland bewegen oder sich einer Kommune anschließen & trotzdem schwerwiegende und unlösbare Konflikte mit sich selbst und ihrer Herkunft rumtragen. Das alles könnte wahnsinnig traurig und deprimierend, jedoch auch komisch sein & in manchen Fällen ist es das tatsächlich auch. Ganz oft jedoch schaffen es die kurzen Erzählungen nicht diese tragischen und doch komischen Figuren richtig nachzuzeichnen, zu verwirrend sind oft die Dialoge und die abrupt endenden Stories, als ob es da einfach nichts interessantes zu Erzählen gab, man es aber zu spät gemerkt hat und deswegen trotzdem irgendwie eine Story hingebastelt hat. Und trotzdem - etwas haben viele der Stories an sich, dass ich sagen muss: exzellent geschriebene Passagen, tiefe Einblicke in das Seelenleben anderer und manchmal wirklich skurrile und tragikomische Momente gut getroffen und in Szene gesetzt. Helene Hegemann ist nicht mehr die Jugendliche, die uns mit Axolotl Roadkill ein aufsehenerregendes und gleichzeitig wirklich gutes Debüt geschenkt hat. Dennoch schreibt sie noch so & das ist gut so. Jedoch - und das ist die Krux, auch ihres zweiten Romans „Jage zwei Tiger“ gewesen - sie versucht ihre Stories mit großer Gesellschaftskritik aufzuladen, schafft es im gewissen Maße auch aber scheitert zu oft an zu kurz gedachten Handlungssträngen, die in eine Leere ohne Pointe führt. Vielleicht ist das aber auch ihr Sinn? So pointenlos ist das Leben für viele der gezeigten Charaktere tatsächlich. Allerdings läuft es allzuoft genau darauf hinaus und erscheint so prätentiös, gerade weil die Figuren alle abgefuckt und wahnsinnig lethargisch sind. Wenn jedoch alle so sind und sich die Erzählmuster auch ständig wiederholen, habe ich das Gefühl in einer Endlosschleife der Pointenlosigkeit gefangen zu sein, die darauf aus ist mich zum nachdenken zu bewegen, obwohl ich manchmal gar nicht weiß, über was ich da jetzt konkret nachdenken soll. Und das ist wirklich schade, eben weil Helene Hegemann so wahnsinnig talentiert ist und sie sich immer noch so jugendlich frisch in ihrem Stil hält (zumindest was einen viele Passagen im gesamten Buch angeht). Alle meine Hoffnungen ruhen bis dahin aber auf ihrem nächsten Buch, bis dahin les ich einfach nochmal Axolotl Roadkill.

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