Schäfchen im Trockenen
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Description
Book Information
Characteristics
1 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Posts
Bähmullig …
… beleidigt, vergrätzt, müde, missgelaunt. So könnte die allgemeine Stimmung des Romans beschrieben werden. Die Protagonistin und Autorin Resi schreibt an ihre Tochter Bea, über Vergangenheit und Gegenwart, über Freundschaften und deren Bedeutung; hinterfragt sie in diesem Zug auch ihre eigene Klasse und die ihrer Freund:innen. Wie viel hält der, damals als Jugendliche und heute als Mutter vierer Kinder, Klassenunterschied zu den Freund:innen aus? Darf sie dies überhaupt in Frage stellen und Gedanken aufschreiben, aussprechen und laut sein, direkt? Ein unverstellter, ungeschönter Roman von Anke Stelling der hinterfragt und die Antworten offen lässt.
“Schäfchen im Trockenen” (2018) ist ein Roman von Anke Stelling. Die Protagonistin Resi ist ein “Aufsteigerkind”. Sie ist mit Freund*innen aufgewachsen, die aus Mittelschichtsfamilien kamen, in Eigenheimen lebten, in den Skiurlaub fuhren und Bausparverträge hatten. Sie sind in dem Glauben aufgewachsen, dass Geld und sozialer Status sie nicht grundlegend unterscheiden. Nun aber sind die Freund*innen in ein Wohnprojekt in Prenzlauer Berg gezogen, während Resi und ihrer Familie die Mietwohnung gekündigt wurde und sie die Herbstferien am Computer verbringen. Resi ist Schriftstellerin. In ihrem Schreiben vollzieht sie den Prozess der Erkenntnis nach, dass sie und ihre Freund*innen nie gleich waren. Das zeigt sich schon in den kleinen Dingen - den Tischmanieren, dem Klavierspielen, dem Skifahren - und setzt sich in Fragen der finanziellen Absicherung fort. Sie alle zeigen, wie ungleiche Startbedingungen und Klasse auch heute noch das Leben in Deutschland prägen. Die vermeintliche Durchlässigkeit ist eine Illusion. Resi hatte zwar die Chance, am bürgerlichen Leben ihrer Freund*innen teilzuhaben - einen von ihnen zu heiraten oder ein Geldgeschenk des anderen anzunehmen -, aber darin zeigt sich nur umso mehr ihre Ohnmacht. In einem Zeitungsartikel rechnet sie satirisch mit den Freund*innen ab, die daraufhin zu ehemaligen Freund*innen werden. Resi ist keine durch und durch sympathische Figur. Sie kann anstrengend sein und aufbrausend und sucht die Konfrontation. Aber genau darum geht es wohl: dass es ungerecht ist, dass sie nett sein, sich anbiedern und Almosen annehmen muss. Statt vorgeblicher Gleichheit wählt sie deshalb lieber die offene Anklage.
Schäfchen im Trockenen ist ein Rant. Ein Rant über die Entfremdung einst enger Freunde, das Ausbaden struktureller Ungleichheiten im Individuellen und die Gratwanderung zwischen familiären Verpflichtungen und Selbstverwirklichung. Wie ein wild gewordener Besen fegt die Protagonistin und Schriftstellerin Resi durch ihr Leben. Das ist sehr unterhaltsam, lässt mich aber auch etwas ratlos zurück. Ratlos, ob ich mit einstimmen will in diese Schimpftriade oder den Kopf schütteln will über das ganze Gejammer. Es sind nämlich Mittelschichtsprobleme, die hier verhandelt werden und da fehlt mir ein Stück weit der Bezug und die Einordnung ins große Ganze. Nischenthema (Mittelklasse sucht Anschluss an Oberschicht) allerdings leidenschaftlich und witzig umgesetzt.
Zu diesem Buch habe ich eigentlich nur gegriffen, weil es den Preis der Leipziger Buchmesse 2019 verliehen bekommen hat. Um es gleich vorweg zu sagen: nicht meine Welt, nicht meine Geschichte. Zwar ist die Protagonistin etwa in meinem Alter, doch das ist auch schon das Einzige, das mich mit ihr verbindet. Ich lebe nicht in Berlin, habe keine Kinder und muss mich in keinem Freundeskreis behaupten, der einer anderen "gesellschaftlichen Klasse" angehört als ich. Die gute Resi kommt plötzlich nach all den Jahren, die sie ihre Freunde hätte näher kennenlernen müssen, zur Erkenntnis, dass sie doch etwas von ihnen trennt, dass die Freundschaft auf der Strecke geblieben ist, da sie finanziell sich nicht in ihre Kreise einreihen konnte. Sie jammert und jammert und wundert sich noch dazu, dass ihre öffentliche Kritik am Leben ihrer Clique bei ihr nicht auf Gegenliebe gestoßen ist. Ernsthaft? Wie oberflächlich muss man denn sein, um nicht zu merken, dass man sich als Freunde vielleicht auseinandergelebt hat und vor allem, dass man die aufkeimenden Unterschiede nicht in aller Öffentlichkeit breittritt? Aber keine Bange: die Misere führt zu keiner echten Veränderung auf beiden Seiten, man geht sich nun aus dem Weg und zieht um... "Schäfchen im Trockenen" ist sicherlich kein schlechtes Buch, aber ich konnte wenig mit der Erzählung anfangen und kein Mitgefühl für die Protagonistin entwickeln.
Ich verstehe das Buch zum Ende hin nicht. Ich finde es schwierig geschrieben und nicht gut lesbar. Ich würde das Buch gerne mehr mögen, weil der Inhalt Potenzial hat, aber das sich alles immer wieder wiederholt und es geschrieben ist, als hätte man den Faden verloren, bekommt mein Kopf nicht hin leider.
Characteristics
1 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Description
Book Information
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Bähmullig …
… beleidigt, vergrätzt, müde, missgelaunt. So könnte die allgemeine Stimmung des Romans beschrieben werden. Die Protagonistin und Autorin Resi schreibt an ihre Tochter Bea, über Vergangenheit und Gegenwart, über Freundschaften und deren Bedeutung; hinterfragt sie in diesem Zug auch ihre eigene Klasse und die ihrer Freund:innen. Wie viel hält der, damals als Jugendliche und heute als Mutter vierer Kinder, Klassenunterschied zu den Freund:innen aus? Darf sie dies überhaupt in Frage stellen und Gedanken aufschreiben, aussprechen und laut sein, direkt? Ein unverstellter, ungeschönter Roman von Anke Stelling der hinterfragt und die Antworten offen lässt.
“Schäfchen im Trockenen” (2018) ist ein Roman von Anke Stelling. Die Protagonistin Resi ist ein “Aufsteigerkind”. Sie ist mit Freund*innen aufgewachsen, die aus Mittelschichtsfamilien kamen, in Eigenheimen lebten, in den Skiurlaub fuhren und Bausparverträge hatten. Sie sind in dem Glauben aufgewachsen, dass Geld und sozialer Status sie nicht grundlegend unterscheiden. Nun aber sind die Freund*innen in ein Wohnprojekt in Prenzlauer Berg gezogen, während Resi und ihrer Familie die Mietwohnung gekündigt wurde und sie die Herbstferien am Computer verbringen. Resi ist Schriftstellerin. In ihrem Schreiben vollzieht sie den Prozess der Erkenntnis nach, dass sie und ihre Freund*innen nie gleich waren. Das zeigt sich schon in den kleinen Dingen - den Tischmanieren, dem Klavierspielen, dem Skifahren - und setzt sich in Fragen der finanziellen Absicherung fort. Sie alle zeigen, wie ungleiche Startbedingungen und Klasse auch heute noch das Leben in Deutschland prägen. Die vermeintliche Durchlässigkeit ist eine Illusion. Resi hatte zwar die Chance, am bürgerlichen Leben ihrer Freund*innen teilzuhaben - einen von ihnen zu heiraten oder ein Geldgeschenk des anderen anzunehmen -, aber darin zeigt sich nur umso mehr ihre Ohnmacht. In einem Zeitungsartikel rechnet sie satirisch mit den Freund*innen ab, die daraufhin zu ehemaligen Freund*innen werden. Resi ist keine durch und durch sympathische Figur. Sie kann anstrengend sein und aufbrausend und sucht die Konfrontation. Aber genau darum geht es wohl: dass es ungerecht ist, dass sie nett sein, sich anbiedern und Almosen annehmen muss. Statt vorgeblicher Gleichheit wählt sie deshalb lieber die offene Anklage.
Schäfchen im Trockenen ist ein Rant. Ein Rant über die Entfremdung einst enger Freunde, das Ausbaden struktureller Ungleichheiten im Individuellen und die Gratwanderung zwischen familiären Verpflichtungen und Selbstverwirklichung. Wie ein wild gewordener Besen fegt die Protagonistin und Schriftstellerin Resi durch ihr Leben. Das ist sehr unterhaltsam, lässt mich aber auch etwas ratlos zurück. Ratlos, ob ich mit einstimmen will in diese Schimpftriade oder den Kopf schütteln will über das ganze Gejammer. Es sind nämlich Mittelschichtsprobleme, die hier verhandelt werden und da fehlt mir ein Stück weit der Bezug und die Einordnung ins große Ganze. Nischenthema (Mittelklasse sucht Anschluss an Oberschicht) allerdings leidenschaftlich und witzig umgesetzt.
Zu diesem Buch habe ich eigentlich nur gegriffen, weil es den Preis der Leipziger Buchmesse 2019 verliehen bekommen hat. Um es gleich vorweg zu sagen: nicht meine Welt, nicht meine Geschichte. Zwar ist die Protagonistin etwa in meinem Alter, doch das ist auch schon das Einzige, das mich mit ihr verbindet. Ich lebe nicht in Berlin, habe keine Kinder und muss mich in keinem Freundeskreis behaupten, der einer anderen "gesellschaftlichen Klasse" angehört als ich. Die gute Resi kommt plötzlich nach all den Jahren, die sie ihre Freunde hätte näher kennenlernen müssen, zur Erkenntnis, dass sie doch etwas von ihnen trennt, dass die Freundschaft auf der Strecke geblieben ist, da sie finanziell sich nicht in ihre Kreise einreihen konnte. Sie jammert und jammert und wundert sich noch dazu, dass ihre öffentliche Kritik am Leben ihrer Clique bei ihr nicht auf Gegenliebe gestoßen ist. Ernsthaft? Wie oberflächlich muss man denn sein, um nicht zu merken, dass man sich als Freunde vielleicht auseinandergelebt hat und vor allem, dass man die aufkeimenden Unterschiede nicht in aller Öffentlichkeit breittritt? Aber keine Bange: die Misere führt zu keiner echten Veränderung auf beiden Seiten, man geht sich nun aus dem Weg und zieht um... "Schäfchen im Trockenen" ist sicherlich kein schlechtes Buch, aber ich konnte wenig mit der Erzählung anfangen und kein Mitgefühl für die Protagonistin entwickeln.
Ich verstehe das Buch zum Ende hin nicht. Ich finde es schwierig geschrieben und nicht gut lesbar. Ich würde das Buch gerne mehr mögen, weil der Inhalt Potenzial hat, aber das sich alles immer wieder wiederholt und es geschrieben ist, als hätte man den Faden verloren, bekommt mein Kopf nicht hin leider.










