Bodentiefe Fenster
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Description
Book Information
Posts
Dieses Buch hat eigentlich nicht viel Handlung, aber sehr viel Meinung: Sandra lebt mit Mann und zwei Kindern in einem Gemeinschaftshaus im Prenzlauer Berg und verzweifelt mehr oder weniger an ihrem Leben und an ihrer Umgebung, angefangen bei ihrer Schwester bis hin zu ihren Mitbewohnern im Haus. Sie beschreibt ihr Umbehagen am Muttersein und an der modernen Kindererziehung, aber auch an der Generation der eigenen Mutter, die alles anders machen wollte. Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen, auch wenn es mir manchmal sehr nischig vorkam, da es halt auch viele Scheinprobleme eines spezifischen Milieus (linksliberale, leicht alternative, gutsituierte Großstädter) behandelt, über die mindestlohnbeziehende Alleinerziehende in öden Mittelstädten wahrscheinlich nur müde lächeln können. Und ähnlich wie eine andere Rezensentin habe ich den Eindruck, dass vor allem der Finger in die Wunde gelegt und alles eher negativ betrachtet wurde, ohne einen Ausweg anzubieten. Aber gut, das kann man von einem Roman auch nicht unbedingt erwarten. Trotzdem hat mir das Buch gut gefallen.
Einerseits fand ich, dass das Buch mit schonungsloser Klarheit ein Bild vom Elternsein in der heutigen Zeit zeichnet. Dieses Bild mag nicht auf alle Eltern zutreffen und schon gar nicht vollumfänglich, aber ich habe mich oft wiedererkannt: Der Perfektionismus bei gleichzeitiger Orientierungslosigkeit im Dschungel althergebrachter und moderner Erziehungsmethoden, die betonte Lässigkeit nach außen, das Jonglieren mit Familie, Arbeit, Freizeit und der Wunsch, einfach mal in Ruhe seinen Gedanken nachhängen zu können, ohne dass jemand "Mahamaaaa?!" ruft; und ja, manchmal auch unterdrückte Aggression und dann das Erschrecken vor sich selbst. Andererseits hat das Buch mich deprimiert. Ich habe es als sehr negativ empfunden, weil es Probleme ans Licht zerrt, aber keine Lösungen anbietet. Es hat mich mit dem Gefühl zurückgelassen, dass man keine Chance hat; dass sich nichts ändern wird egal wie sehr man es sich wünscht. Deswegen vergebe ich trotz des tollen Schreibstils und der präzisen Beobachtungsgabe nur 3,5 Sterne.
Sandra lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in einem Gemeinschaftshaus (Wohnprojekt). Sie hat eine klare Vorstellung, einen Lebensplan, dem sie nacheifert. Kann eine Gemeinschaft funktionieren? Allem möchte sie gerecht werden, hat hohe Ansprüche und fängt an, alles kritisch zu hinterfragen - bis alles zu viel wird und sie einen Zusammenbruch hat. Ich konnte mich oft in den Gedanken wiederfinden. Ein sehr schöner Schreibstil, das Buch lässt sich flüssig lesen.

Zwischen Utopien und Realität
In dem Buch geht es um die Kindererziehung der Tochtergeneration der 70er Jahre Mütter. Die Mutter Sandra verzweifelt zwischen ihren verschiedenen Ansprüchen als Mutter. Mir fiel es echt schwierig, dass Buch zu lesen. Zunächst kann ich mich nicht mit der Rolle als Mutter identifizieren, aber auch die Widersprüchliche linker antiautoritärer Erziehung erinnern mich nicht an eigene Lebensrealitäten. Oft war mir die alles kritisierende Protagonistin einfach unsympathisch und erinnert stark an weiße Hippie Feministinnen. Es lässt sich für mich das Fazit aus dem Buch ziehen, dass egal wie viel Mühe man sich in einem kaputten System gibt, man trotzdem zum Scheitern verurteilt ist. Das einzelne Lebensentwürfe und private Utopien keine Lösung sind, spiegelt sich stark in der Entwicklung der Figuren wider. Letztendlich hat mich das Buch schon zum Nachdenken angeregt, weil es eine andere Perspektive gezeigt hat.
„Bodentiefe Fenster“ liest sich flüssig. Mir gefiel der Stil der Erzählung, außerdem die komplexen Figuren, die sehr genauen, manchmal gnadenlosen Beobachtungen. Der beschriebene Teil der Gesellschaft - idealistische Akademiker, selbst Kinder der 68er-Generation mit eigenen Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter - ist, soweit ich das beurteilen kann - gut getroffen. Ich kann es allerdings nicht besonders gut beurteilen, weil ich mit dieser Generation praktisch keine Berührungspunkte habe - zu jung, um meine Eltern oder deren Freunde zu sein und zu alt um zu meinem näheren Umfeld zu gehören. Streckenweise kamen mir die Sorgen, Nöte und Denkmuster der Protagonistin bekannt vor, gerade im ersten Drittel habe ich mich oft ertappt gefühlt. In den lächerlich hohen Ansprüchen an sich selbst, dem ständigen Drang gefallen und alles richtig machen zu wollen und der Erkenntnis, dass man dabei die ganze Zeit an wahren first world problems verzweifelt, habe ich mich mehrmals wiedergefunden. Wahrscheinlich hat mich das Buch deshalb bis zum Schluss gefesselt, obwohl es mich am Ende so ratlos zurückgelassen hat, wie ich es nach den ersten 100 Seiten geahnt habe. Am Ende ist für mich nichts geblieben, keine einprägsamen Charaktere, kein Ergebnis, kein Trost und gar keine Erkenntnis - nichtmal eine wenig zuversichtliche; damit wäre ich durchaus auch klargekommen. Aber irgendwie hört das Buch einfach auf. Das fühlt sich unbefriedigend an. Insgesamt hat es mich nicht überzeugt und - so merkwürdig das klingen mag - teilweise beim Lesen richtig übel gestresst. Vielleicht ist das auch Kunst. Dann aber leider nicht die Art, mit der ich etwas anfangen kann. Fazit: Nicht schlecht, für mich aber weder ein Genuss noch besonders gehaltvoll. Vielleicht muss man der Generation angehören, aus deren Perspektive es geschrieben ist. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass es dann eine ganz andere Wirkung hat.
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Dieses Buch hat eigentlich nicht viel Handlung, aber sehr viel Meinung: Sandra lebt mit Mann und zwei Kindern in einem Gemeinschaftshaus im Prenzlauer Berg und verzweifelt mehr oder weniger an ihrem Leben und an ihrer Umgebung, angefangen bei ihrer Schwester bis hin zu ihren Mitbewohnern im Haus. Sie beschreibt ihr Umbehagen am Muttersein und an der modernen Kindererziehung, aber auch an der Generation der eigenen Mutter, die alles anders machen wollte. Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen, auch wenn es mir manchmal sehr nischig vorkam, da es halt auch viele Scheinprobleme eines spezifischen Milieus (linksliberale, leicht alternative, gutsituierte Großstädter) behandelt, über die mindestlohnbeziehende Alleinerziehende in öden Mittelstädten wahrscheinlich nur müde lächeln können. Und ähnlich wie eine andere Rezensentin habe ich den Eindruck, dass vor allem der Finger in die Wunde gelegt und alles eher negativ betrachtet wurde, ohne einen Ausweg anzubieten. Aber gut, das kann man von einem Roman auch nicht unbedingt erwarten. Trotzdem hat mir das Buch gut gefallen.
Einerseits fand ich, dass das Buch mit schonungsloser Klarheit ein Bild vom Elternsein in der heutigen Zeit zeichnet. Dieses Bild mag nicht auf alle Eltern zutreffen und schon gar nicht vollumfänglich, aber ich habe mich oft wiedererkannt: Der Perfektionismus bei gleichzeitiger Orientierungslosigkeit im Dschungel althergebrachter und moderner Erziehungsmethoden, die betonte Lässigkeit nach außen, das Jonglieren mit Familie, Arbeit, Freizeit und der Wunsch, einfach mal in Ruhe seinen Gedanken nachhängen zu können, ohne dass jemand "Mahamaaaa?!" ruft; und ja, manchmal auch unterdrückte Aggression und dann das Erschrecken vor sich selbst. Andererseits hat das Buch mich deprimiert. Ich habe es als sehr negativ empfunden, weil es Probleme ans Licht zerrt, aber keine Lösungen anbietet. Es hat mich mit dem Gefühl zurückgelassen, dass man keine Chance hat; dass sich nichts ändern wird egal wie sehr man es sich wünscht. Deswegen vergebe ich trotz des tollen Schreibstils und der präzisen Beobachtungsgabe nur 3,5 Sterne.
Sandra lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in einem Gemeinschaftshaus (Wohnprojekt). Sie hat eine klare Vorstellung, einen Lebensplan, dem sie nacheifert. Kann eine Gemeinschaft funktionieren? Allem möchte sie gerecht werden, hat hohe Ansprüche und fängt an, alles kritisch zu hinterfragen - bis alles zu viel wird und sie einen Zusammenbruch hat. Ich konnte mich oft in den Gedanken wiederfinden. Ein sehr schöner Schreibstil, das Buch lässt sich flüssig lesen.

Zwischen Utopien und Realität
In dem Buch geht es um die Kindererziehung der Tochtergeneration der 70er Jahre Mütter. Die Mutter Sandra verzweifelt zwischen ihren verschiedenen Ansprüchen als Mutter. Mir fiel es echt schwierig, dass Buch zu lesen. Zunächst kann ich mich nicht mit der Rolle als Mutter identifizieren, aber auch die Widersprüchliche linker antiautoritärer Erziehung erinnern mich nicht an eigene Lebensrealitäten. Oft war mir die alles kritisierende Protagonistin einfach unsympathisch und erinnert stark an weiße Hippie Feministinnen. Es lässt sich für mich das Fazit aus dem Buch ziehen, dass egal wie viel Mühe man sich in einem kaputten System gibt, man trotzdem zum Scheitern verurteilt ist. Das einzelne Lebensentwürfe und private Utopien keine Lösung sind, spiegelt sich stark in der Entwicklung der Figuren wider. Letztendlich hat mich das Buch schon zum Nachdenken angeregt, weil es eine andere Perspektive gezeigt hat.
„Bodentiefe Fenster“ liest sich flüssig. Mir gefiel der Stil der Erzählung, außerdem die komplexen Figuren, die sehr genauen, manchmal gnadenlosen Beobachtungen. Der beschriebene Teil der Gesellschaft - idealistische Akademiker, selbst Kinder der 68er-Generation mit eigenen Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter - ist, soweit ich das beurteilen kann - gut getroffen. Ich kann es allerdings nicht besonders gut beurteilen, weil ich mit dieser Generation praktisch keine Berührungspunkte habe - zu jung, um meine Eltern oder deren Freunde zu sein und zu alt um zu meinem näheren Umfeld zu gehören. Streckenweise kamen mir die Sorgen, Nöte und Denkmuster der Protagonistin bekannt vor, gerade im ersten Drittel habe ich mich oft ertappt gefühlt. In den lächerlich hohen Ansprüchen an sich selbst, dem ständigen Drang gefallen und alles richtig machen zu wollen und der Erkenntnis, dass man dabei die ganze Zeit an wahren first world problems verzweifelt, habe ich mich mehrmals wiedergefunden. Wahrscheinlich hat mich das Buch deshalb bis zum Schluss gefesselt, obwohl es mich am Ende so ratlos zurückgelassen hat, wie ich es nach den ersten 100 Seiten geahnt habe. Am Ende ist für mich nichts geblieben, keine einprägsamen Charaktere, kein Ergebnis, kein Trost und gar keine Erkenntnis - nichtmal eine wenig zuversichtliche; damit wäre ich durchaus auch klargekommen. Aber irgendwie hört das Buch einfach auf. Das fühlt sich unbefriedigend an. Insgesamt hat es mich nicht überzeugt und - so merkwürdig das klingen mag - teilweise beim Lesen richtig übel gestresst. Vielleicht ist das auch Kunst. Dann aber leider nicht die Art, mit der ich etwas anfangen kann. Fazit: Nicht schlecht, für mich aber weder ein Genuss noch besonders gehaltvoll. Vielleicht muss man der Generation angehören, aus deren Perspektive es geschrieben ist. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass es dann eine ganz andere Wirkung hat.









