Klasse und Kampf

Klasse und Kampf

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Hardback
3.943
KlassismusMachtstrukturenRassismusCheck Your Habitus

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Description

Was bedeutet es, in einem reichen Land in Armut aufzuwachsen? Zur „Unterschicht“ zu gehören und dafür ausgelacht und ausgegrenzt zu werden? Sich von seinem Herkunftsmilieu zu entfernen, aber die eigenen Wurzeln nicht verraten zu wollen? Und dennoch im neuen Milieu nie wirklich anzukommen?

Deutschland gibt sich gerne als ein Land, in dem Klasse unsichtbar ist. In dem die Chancen auf Bildung und Wohlstand für alle gleich sind. Klasse und Kampf räumt mit diesem Mythos auf. 14 Autor*innen schreiben in persönlichen Essays über Herkunft und Scham, über Privilegien und strukturelle Diskriminierung, über den Aufstieg und das Unwohlsein im neuen Milieu. Zusammen ergeben ihre Stimmen ein vielschichtiges Manifest von großer politischer Kraft.

Mit Beiträgen von Christian Baron, Martin Becker, Bov Bjerg, Arno Frank, Lucy Fricke, Kübra Gümüsay, Schorsch Kamerun, Pinar Karabulut, Clemens Meyer, Katja Oskamp, Sharon Dodua Otoo, Francis Seeck, Anke Stelling, Olivia Wenzel.

Book Information

Main Genre
Biographies
Sub Genre
Writers
Format
Hardback
Pages
224
Price
20.60 €

Posts

6
All
3

Leider bin ich mit völlig falschen Erwartungen an dieses Buch gegangen, woran ich zum Teil selbst Schuld bin. Ich hätte mich vorher über die Autor:innen informieren müssen. Ich bin davon ausgegangen, dass es hier endlich mal Perspektiven von Menschen gibt, die jetzt grade von Klassismus betroffen sind. Menschen ohne akademischen Abschluss, ohne Abi. Menschen, die von schlecht bezahlter Lohnarbeit abhängig sind (und zwar ein Leben lang und nicht nur Übergangsweise neben dem Abi/Studium) oder von knapper, staatlicher Unterstützung leben müssen. Die abgewertet, lächerlich gemacht und gegängelt werden, genau jetzt und nicht früher mal. Stattdessen ist das hier nur ein weiteres Sprachrohr derer, die "es geschafft" haben. Die Autor:innen kommen alle aus der journalistischen, künstlerischen und akademischen Bubble. Nur deren Eltern halt oft nicht und das scheint dann schon auszureichen, um über die Themen im Buch schreiben zu können. Das Vorwort mit dem Versprechen der Diversität ist dabei fast schon Hohn. Nichts gegen die Geschichten an sich. Sie sind ehrlich und oft auch gut geschrieben. Vielleicht ist es grade das, was man einer Hartz-IV-Empfängerin oder einem Kassierer nicht zutraut... aber das ist ja eigentlich auch wieder Klassismus pur. Und grade diese Perspektiven fehlen doch! Fünf weiße Menschen, die über Rassismus diskutieren? Zu Recht ein Skandal, vielfach kritisiert. Aber beim Thema Klasse interessiert es so gut wie niemanden, dass fast nur Akademiker:innen öffentlich zu Wort kommen. Im Gegenteil, das scheint normal zu sein und zeigt, wie weit, lang und schwer der Weg noch ist. Arbeiter:innen und Menschen, die aus welchen Gründen auch immer keiner Lohnarbeit nachgehen (können), haben keine Plattform, keine Lobby, keine Stimme. Schlecht ist das Buch deswegen nicht. Nur enttäuschend und für mich auch ziemlich unbrauchbar. Lest es trotzdem, grade wenn ihr vielleicht gar keinen Bezug zum Thema habt, so als kleinen Einstieg. Für mich ist aber klar, dass ich mich zukünftig besser informieren und keine Bücher über Klasse oder Klassismus mehr lesen werde, wenn die Perspektiven so einseitig sind.

3

Ein Sammelband verschiedener Geschichten von Autoren die Erfahrung mit Klassismus gemacht haben oder immernoch machen. Vorallem die ersten drei Geschichten haben mich wirklich sehr berührt, zwischendrin gibt es aber auch Beiträge bei denen man sich fragt was der Autor damit aussagen will. Vorallem ärgert es mich in einem Band über Klassismus Geschichten zu lesen die so verklausuliert geschrieben sind das sie schon sprachlich Menschen ausschließen. Im großen und Ganzen erschreckend wie Klassismus selbst für mittlerweile erfolgreiche Autoren immernoch Lebensrealität ist aus der man auch nicht rauskommt nur weil man mal etwas Geld verdient hat.

3

Heute geht’s auf Klassenfahrt 🎢 (Werbung, Rezensionsexemplar) “Klasse und Kampf” präsentiert diverse Perspektiven von insgesamt 14 Autor*innen. Jede*r einzelne erzählt von eigenen Erfahrungen, welche mit unterschiedlichen Klassen zu tun hat. Ein Buch das deutlich macht, dass es mehr als zwei Klassen gibt. Ein Buch, dass auch darauf hinweist wie und ob Auf-/Abstieg in eine andere Klasse möglich ist. Das Kapitalismus scharf kritisiert. Besonders geil fand ich, dass das Buch nicht nur schwarz und weiß darstellt. Hier wird auch versucht Grauzonen zu zeigen. Auch die Diversität der Autor*innen ist brillant! Sie ermöglicht das Aufmerksam machen auf andere Probleme die mit einer Klassengesellschaft Hand in Hand gehen (Bspw. S3xismus, Rassismus). Kurz und knackig: hab mich ewig drauf gefreut es zu lesen, hab’s sehr genossen!

4

Stark!

Dieses Buch besteht aus 14 Anthologien diverser Autoren zum Thema Armut, Gleichberechtigung, Gerechtigkeit, Herkunftsmilieu und sozialem Umfeld. Auch wenn die Beiträge - Geschichten aus dem Leben - in meinem Augen unterschiedlich stark waren und gegen Ende inhaltlich eher abgenommen haben, habe ich das Buch innerhalb weniger Stunden weggesuchtet und sehr genossen. Danke dafür!

4

Ein Kaleidoskop zum Thema Klassismus. Manche Geschichten hallen nach und machen neugierig auf mehr der Schreibenden, andere sind nicht meins. Aber überwiegend gut!

4

Eine gute Sammlung verschiedenster Beiträge, die unterschiedliche Perspektiven auf Themen wie „Klassenunterschiede“, „Armut“, „Sozialpolitik“, „Menschenrechte“ et cetera anbieten. Einige Beiträge sind anekdotisch, persönlich ausschweifend, andere konzise und kämpferisch. Alle rufen sie letztlich mehr oder weniger direkt dazu auf, strukturelle Änderungen herbeizuführen, Köpfe, Augen und Ohren zu öffnen, damit für alle Menschen ein gerechtes und gutes Leben möglich ist. Kurze Anmerkungen zu ausgewählten Beiträgen: Die Sprichwörter, Anglizismen, aber auch der literarisch-kulturelle Verweis im Text von Bov Bjerg wirken schief und irgendwie fehl am Platz. Außerdem spielt die Kategorie der Klasse keine bestimmende Rolle in diesem Text — die Idee des Kampfes oder der Aufruf zu selbem ebenfalls nicht. Der Erzähler/ Protagonist ist lediglich der Sohn einer Haushälterin. Der Text macht nun aber nicht deutlich, ob das irgendwelche weitreichenden Konsequenzen für das Leben von Mutter und Sohn hat. Olivia Wenzel präsentiert sich in ihrem Beitrag als ängstliche, inkompetente, nicht wirklich arme, aber seltsam arrogante Frau, die äußerlich der jeweiligen Situation angepasst auf leisen Sohlen durch die Welt schleicht („Mein Dialekt bahnt sich meistens wie von selbst seinen Weg, wenn ich Leuten zeigen will, dass ich mich keinesfalls im Hochstatus ihnen gegenüber wähne.“ - wohl dem, der den Luxus hat, sein Sprachregister der jeweiligen Situation anzupassen), andererseits innerlich den groben Kamm auspackt und alles beseitigt, was sie scheinbar nicht versteht — ganz besonders „absurd dumme Männer“ —(„Von Anfang an weiß ich intuitiv: Sie sind unzurechnungsfähig und eklig, dumm und arm, hoffnungslos verloren und selbst Schuld daran; von Anfang an habe ich keine Empathie.“). Zu diesem Beitrag fällt mir wirklich nichts mehr ein. Kleine Anmerkung: Liebe Frau Wenzel, nur weil die Mutter bei Aldi einkauft und es nicht immer die neusten Markenklamotten gibt, ist man noch lange nicht Teil des Proletariats. Mir persönlich hat insbesondere der Beitrag von Sharon Dodua Otoo nicht gefallen (ich mochte auch ihren Roman „Adas Raum“ nicht, wie meine Rezension hier bei Goodreads zeigt). Sie klagt in einem wehleidigen Ton Missstände an, die ihrer Meinung nach besonders für alleinerziehende Künstlerinnen mit Migrationshintergrund gelten. Dass es grundsätzliche strukturelle Probleme in Deutschland gibt, wenn es um die Verteilung von Geld und Anerkennung geht, sehe ich ebenso wie sie. Allerdings zeigt ihre Geschichte nicht einfach, dass es einige Ungerechtigkeiten in Deutschland gibt, sondern dass Frau Otoo eben auch von einer Position aus spricht, in die sie sich selbst gebracht hat: Sie will als alleinerziehende Mutter mit vier Kindern als Schriftstellerin ein angenehmes, sorgenfreies Leben in Berlin leben. Sie möchte aber kein Geld weglegen und sparen. Sie mochte scheinbar ebenfalls während des Studiums nicht arbeiten gehen (so wie es millionen andere Student*innen tun/ tun mussten — es geht hier nicht darum, ob das richtig ist) und hat stattdessen diverse Kredite aufgenommen, die sie dann natürlich abbezahlen muss/ musste. Dafür, dass sie Unterhaltszahlungen für ihre Kinder nicht einklagt, liefert sie recht schwache, beziehungspsychologische Gründe. Und so weiter und so fort. Man möchte sie gerne schütteln und fragen, was sie denn denkt, wie ein Großteil der Menschheit lebt ? In welchem Land denn Milch und Honig fließen und jeder nur das beste Leben lebt ? Die meisten Künstler*innen (aber auch zum Beispiel Sportler*innen) können nicht von ihrer Kunst (ihrem Sport) leben. Ob das fair ist, ist die eine Sache. Dass dieser Fakt nicht neu ist, die andere. Hier klagt eine Frau, die in ihrem Leben oftmals unüberlegt eine Abzweigung genommen hat, darüber, dass niemand kommt und ihre Fehleinschätzung bereinigt. Da fehlt mir persönlich einfach jegliches Verständnis und Mitleid. Die meisten Großmütter hätten ihr vermutlich so etwas gesagt wie: „Das Leben ist kein Ponyhof“. You can’t have your cake and eat it too.

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