Row Zero: Gewalt und Machtmissbrauch in der Musikindustrie
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Description
Ein Buch über systematischen Machtmissbrauch
Über Jahrzehnte sind junge Frauen in der Musikindustrie benutzt und diskriminiert worden: Egal ob Fans, Groupies, Journalistinnen, Mitarbeiterinnen oder Sängerinnen selbst - der Mythos von Sex, Drugs und Rock ’n’ Roll, das viele Geld und das extreme Machtgefälle haben sexualisierter Gewalt über alle Genres hinweg den Boden bereitet. Die Diskussion um die Vorwürfe gegen Rammstein-Sänger Till Lindemann zeigt: Diese Zustände brechen jetzt auf. Frauen wehren sich. Und sie finden endlich Gehör. Lena Kampf und Daniel Drepper haben über viele Monate hinweg recherchiert und mit mehr als zweihundert Menschen aus der Musikindustrie gesprochen. Packend geschrieben und einfühlsam erzählen die Autoren vom Machtmissbrauch in der Musikindustrie. Sie beschreiben die Strukturen, die einen solchen Missbrauch ermöglichen. Und sie zeigen, warum dieses System jetzt - dank mutiger Frauen, dank unterstützender Aktivistinnen - allmählich ins Wanken gerät.
»Zeit, über das zu sprechen, über das nicht gesprochen werden soll.« JAN BÖHMERMANN
»Dieses Buch ist ein Backstage-Pass - ins Innere der Musikindustrie. Beste journalistische Aufklärung.« JULIA FRIEDRICHS, SACHBUCHAUTORIN
Book Information
Author Description
Lena Kampf ist stellvertretende Ressortleiterin im Ressort Investigative Recherche der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG. Zuvor war sie Investigativreporterin beim WDR in Berlin und Brüssel und Teil der Recherchekooperation aus NDR, WDR und SZ. Sie hat 2019 mit einer Reportage über die #Metoo-Bewegung im Europaparlament den DEUTSCH-FRANZÖSISCHEN JOURNALISTENPREIS gewonnen. Im Sommer 2016 verbrachte sie zwei Monate als Arthur F. Burns Fellow bei der Zeitung Miami Herald in Florida.
Posts
Große Empfehlung an dieser Stelle für „Row Zero“ von Daniel Drepper und Lena Kampf. Es ist eine kluge, ausgewogene, pointierte Analyse von Machtmissbrauch in der Musikindustrie. Es geht um Rap und Hip-Hop, Pop und Rock, Abhängigkeiten im Musikjournalismus, die Entstehung der „Groupies“, bekannte Fälle wie Rammstein, R. Kelly und Marilyn Manson, aber auch grundsätzlichere Fragen und Probleme der Musikbranche. Manches war mir als Außenstehende in dieser Deutlichkeit nicht bewusst – wenngleich es mich auch wenig überrascht hat. Das Buch leistet wirklich viel, wenn es darum geht, Strukturen sichtbar zu machen, die missbräuchliches Verhalten begünstigen. Und dabei geht es nicht darum, Täter:innen zu entschuldigen, sondern zu analysieren, wie es überhaupt dazu kommen kann, dass sie über Jahre und Jahrzehnte nicht zur Rechenschaft gezogen werden, obwohl ihr Verhalten ein offenes Geheimnis ist. Es geht nie nur um Täter:innen allein, sondern auch um Mitwisser:innen, Ermöglicher:innen, Profiteur:innen. Insbesondere im Hip Hop gehört oft das Bad-Boy-Image dazu – und real verübte Verbrechen bringen nicht nur den Künstlern Credibility, sondern auch den Plattenfirmen Geld. Grund genug, an ihnen festzuhalten, selbst wenn sie zwischendurch länger im Gefängnis sitzen. Was macht Starkult mit Menschen? Kann man sie, _muss_ man sie besser darauf vorbereiten? Welche Maßnahmen ergreifen Veranstalter:innen schon heute, um Übergriffe zu verhindern? Das und noch mehr steckt in „Row Zero“, das ich wirklich dringend empfehlen möchte. Viele, die zum Buch beigetragen haben, wollten nicht namentlich genannt werden. Hoffen wir, dass eine Zeit kommt, in der sie mit ihren Namen für das stehen können, was sie erlebt und gesehen haben.
Ich konnte der „größten“ ostdeutschen Band noch nie etwas abgewinnen, habe die Faszination nie verstanden und eine innere Ablehnung schwang immer mit. Die permanente Provokation, das ewige Spiel mit der Grenzüberschreitung und überbordende Männlichkeitsbilder – das erzeugte bei mir stets Widerstand. Im letzten Sommer twittert die Irin Shelby Lynn – ein Fan der Band – dass bei einem Konzert in Vilnius etwas nicht mit rechten Dingen abgelaufen sei. In den Sozialen Netzwerken bringt sie eine Welle in den Gang, von der zu vermuten ist, dass wir aktuell nur ihre Gicht sehen. Lena Kampf (SZ) und Daniel Drepper, der den Rechercheverbund NDR, WDR und SZ leitet, beobachten die Geschehnisse online, machen etliche Screenshots und kündigen kurze Zeit später an, dass sie den Vorwürfen nachgehen werden. Schon am ersten Tag der Ankündigungen melden sich zahlreiche Frauen und das Investigativ-Team beginnt mit seiner Arbeit. Ein Jahr später veröffentlichen sie ihre Recherche als Buch mit dem Titel „Row Zero“ – die Reihe direkt vor der Bühne, die sich später auch im #Backstage trifft. Neben einigen bekannten Passagen und Erkenntnissen, die bereits in den Artikeln des Sommers 2023 zu lesen waren, wird im Buch noch einmal aufgearbeitet, wie systematisch #Machtmissbrauch in der Musikbranche ist. Es beginnt beim Groupie-Mythos, der sich in den 1960ern in den USA als „Bruch mit der Enge und dem Mief der Nachkriegsjahre“ (S. 52) entwickelte. Junge Frauen, manchmal noch Mädchen, boten sich Rock’n’Roll Bands an, um sie auf Tour zu begleiten. Wir bekommen aber auch Einblicke in das aktuelle Geschehen in der Musikbranche. Akteur*innen schildern Erfahrungen aus Backstage-Bereichen, zeigen Missstände bei großen Musiklabels auf und appellieren dabei immer wieder auch daran, dass sich die Musikindustrie nicht aus der Verantwortung ziehen darf. Die Wahrheit ist bitter, aber die Musikbranche, die sich nach außen oft so divers, queerfreundlich und offen gibt, scheint seit Jahrzehnten einen unsichtbaren Pakt geschlossen zu haben. Glaubt man den Schilderungen im Buch, ist systematischer Machtmissbrauch an der Tagesordnung und wird genreübergreifend gelebt. Es sind – mit wenigen Ausnahmen – vorrangig Männer, die dieses System geschaffen haben und die ihre Macht darin erhalten wollen. Besonders hervorheben möchte ich das Unterkapitel „Arena“ (ab S. 226), in dem Christina Clemm, die „die wohl bekannteste Juristin Deutschlands ist, wenn es um Gewalt gegen Frauen geht“, zu Wort kommt. Die juristische Einordnung und die Faktenlage zum Thema Strafverfolgung fand ich ebenso erhellend wie niederschmetternd. Es wird klar, dass wir hier vor allem eine gesellschaftliche Verantwortung haben, da das Gesetz allein keinen Fortschritt für die Bekämpfung von Machtmissbrauch erreichen kann. On a personal note bin ich sehr dankbar, dass sich Lena Kampf und Daniel Drepper diesem Thema investigativ angenommen haben, vor der Drohkulisse, die die Band sehr schnell aufgebaut hat, nicht zurückgeschreckt sind und am wichtigsten: den Betroffenen eine Plattform und eine Stimme gegeben haben, abseits vom Social-Media-Diskurs. Absolute Empfehlung!

So so wichtig
•Buchrezi• 😓 (Etwas anders, als sonst) „Guck mal darüber…“ sag ich am Dienstagabend zu meiner Schwester, nachdem wir zu unserer Lieblingsband gefeiert haben. Rock’n’Roll Baby! Dort stehen Menschen, die darauf warten, dass ihr Idol aus dem Konzertgebäude kommt. Sie warten auf Fotos, Autogramme, aber was ist, wenn ihr Idol sie mitnehmen möchte, auf eine Party, aufs Hotelzimmer…? In „Row Zero“ geht es um Frauen, die ihr Idol treffen und um gegenseitiges Einverständnis. Als die ersten Vorwürfe gegenüber Till Lindemannn, der Frontmann, der Band Rammstein ans Licht kamen, war ich schockiert. Der Typ ist doch so sozial engagiert. Was ist passiert? Ihm wird vorgeworfen ein ausgefeiltes Rekrutierungsverfahren vor seinen Shows zu nutzen, um nach der Show und auch währenddessen junge Frauen für eine anschließende Privatparty und sexuelle Gefälligkeiten zu gewinnen. Dort gibt es viel Alkohol und Drogen. Nachdem Shelby Lynn nach einer dieser Partys plötzlich an die Öffentlichkeit geht, blaue Flecken an ihrem Körper dokumentiert und überzeugt davon ist, dass sie K.-o.-Tropfen bekommen hat, ist der Aufschrei groß. Doch nur kurze Zeit später berichten einige junge Frauen, von ähnlichen Erlebnissen, auch von sexuellen Handlungen, die nicht im gegenseitigen Einverständnis stattgefunden haben sollen. „Selbst schuld, wer da hingeht, weiß das!“, oft habe ich diesen Kommentar gelesen. Wer hat in seiner Jugend kein Idol gehabt, welches er von weitem angehimmelt hat und was ist, wenn dieses Idol, dieser Star, plötzlich vor dir steht und du bist 20 Jahre alt? Ein Foto, ein Autogramm, alles fein, aber… Und genau dort liegt das Problem. Denn ein Till Lindemann, oder auch einem Marylin Manson muss dieses ungleiche Verhältnis bewusst sein und sich dem entsprechend verhalten. Tun sie aber nicht! Grundsätzlich wird hier die Musikbranche und das Machtgefälle durchleuchtet, denen auch bekannte Stars zum Opfer gefallen sind. Die Recherchearbeiten, die über ein Jahr gedauert haben und das zu Wort kommen von Opfern haben mich beeindruckt und berührt. Dieses Buch ist so so wichtig! Die negativen Kommentare kann ich nicht nachvollziehen. Danke, dass ich es lesen durfte.
Absolut empfehlenswert!
Als ich im @eichborn-Newsletter die Ankündigung zu „Row Zero – Gewalt und Machtmissbrauch in der Musikindustrie“ entdeckte, war ich richtig erleichtert. Erleichtert darüber, dass die Vorwürfe weiblicher Fans gegenüber Till Lindemann aufgegriffen und weiter recherchiert wurden, dass ich mich informieren kann und das Thema nicht ohne Widerhall in der Versenkung verschwindet. Nur einen Tag später habe ich mir das Buch im Buchhandel gekauft und mit dem Lesen begonnen. Das Buch hat mich richtig in Atem gehalten. Selten habe ich ein Sachbuch in so kurzer Zeit gelesen. Ich möchte es gern jeder Person in die Hand drücken und zum Lesen auffordern. Besonders den Musikfans, zu denen ich mich selbst zähle. Über die Autor:innen: Lena Kampf ist Journalistin, stellvertretende Ressortleitung im Ressort Investigative Recherche der Süddeutschen Zeitung. Daniel Drepper ist ebenfalls Journalist und leitet die Recherchekooperation von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung. Sie haben zusammen mit einem Team recherchiert, mit über 200 Personen Interviews geführt und Einsicht in Aufzeichnungen, Screenshots und Videos erhalten. Zum Inhalt: Die Recherche zu diesem Buch lief anders ab, als es im investigativen Journalismus üblich ist. Wird normalerweise verdeckt recherchiert, waren die Vorwürfe gegenüber Till Lindemann bereits öffentlich. Daher wurde über die geplante Recherche öffentlich informiert und so Kontakt gesucht zu mutmaßlich Betroffenen und Personen aus der Musikbranche. Im Buch kommen (häufig unter geändertem Namen) Personen zu Wort, Die ihre Aussagen teilweise in Versicherung an Eides statt abgegeben haben, das bedeutet, dass sie die Wahrheit ihrer Aussagen bekräftigen und vor Gericht wiederholen würden. Das Buch umfasst detaillierte Beschreibungen des mutmaßlich stattgefundenen „Castings junger Frauen“ sowie Erfahrungen aus dem Backstage-Bereich und Vorwürfe se*ueller Übergriffe. Es geht aber noch viel mehr in die Tiefe, beleuchtet, wie der Rockstar-Mythos männlichen Künstlern systematischen Machtmissbrauch gegenüber Fans in der Vergangenheit und teils auch in der Gegenwart ohne Konsequenzen ermöglicht. Auch weibliche Mitarbeiterinnen der Musikbranche kommen zu Wort und schildern alltägliche se**stiche Übergriffe und ein enormes Machtgefälle. Jurist:innen legen die strafrechtlichen Abläufe bei Vergewaltigungsvorwürfen dar und warum so viele Frauen sich gegen ein Verfahren entscheiden. Fazit: Das Buch hat mich als Musikfan tief erschüttert. Die Systematik, die in all den aufgedeckten Machtmissbräuchen steckt, widert mich an. Besonders auch die Art, mit der Vorfälle unter den Teppich gekehrt werden. Zum Fall Lindemann: Die Berliner Staatsanwaltschaft stellte ihre Ermittlungen gegen Till Lindemann und Alena Makeeva im August 2023 ein, weil bis auf eine keine weiteren Vernehmungen stattfinden konnten. Dies wird als Freispruch Lindemanns interpretiert, und die Band tritt weiterhin erfolgreich auf. Ich persönlich glaube den Frauen, die unabhängig voneinander, teils zu unterschiedlichen Zeitpunkten, ihre Erfahrungen anonym oder öffentlich teilten. Und ich verstehe, warum sie sich der Tortur eines öffentlichen Strafverfahrens nicht aussetzen. Das Verfahren zwischen Shelby Lynn und Till Lindemann läuft noch. Zur weiteren Lektüre kann ich das Buch "Prima Facie" von Suzie Miller empfehlen, in dem ein fiktiver Vergewaltigungsprozess geschildert wird. Vielen Dank für dieses wichtige Buch, ich empfehle es wirklich jede:m!

Ein sehr wichtiges Buch über Gewalt und Machtmissbrauch in der Musikindustrie. Schockierend und bedrückend, aber absolut nicht überraschend. Viele Fälle waren mir durch Social Media oder andere Berichterstattungen bereits bekannt, aber alles gesammelt, fundiert und detailliert recherchiert lesen zu können, hat nochmal andere Blickwinkel geschaffen. Ich erachte es als sehr wichtig dieses Buch zu lesen und sich diese wirklich furchtbare Situation vor Augen zu führen.
Zwischen Fassungslosigkeit und Wut; so ist mein emotionales Fazit dieser Lektüre. Ein gut recherchiertes und sachliches Buch bei dem ich dem Titel folgend sehr positiv überrascht war, dass es sich nicht nur auf die Causa Rammstein fixiert, sondern weit darüber hinaus geht. Auf schockierendste und aufwühlende Weise wird aufgezeigt, dass sich Gewalt und Machtmissbrauch in der Musikbranche durche alle erdenklichen Genres und Geschäftsbereiche zieht. Ein längst überfälliger Einblick nicht nur für Aussenstehende, sondern auch Brancheninsider, die immer noch zu oft wegschauen und sich ausschliesslich nach der Macht und dem Geld richten. Hoffentlich rüttelt dieses Buch auf und führt zum Umdenken des eigenen Verhalten, das leider häufig schlicht frauenverachtend ist.Trotz der teils chaotisch wirkenden Struktur und sich wiederholenden Passagen gibts die vollen 5 Sterne, weil das Buch einfach so ungemein wichtig ist.
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Ein Buch über systematischen Machtmissbrauch
Über Jahrzehnte sind junge Frauen in der Musikindustrie benutzt und diskriminiert worden: Egal ob Fans, Groupies, Journalistinnen, Mitarbeiterinnen oder Sängerinnen selbst - der Mythos von Sex, Drugs und Rock ’n’ Roll, das viele Geld und das extreme Machtgefälle haben sexualisierter Gewalt über alle Genres hinweg den Boden bereitet. Die Diskussion um die Vorwürfe gegen Rammstein-Sänger Till Lindemann zeigt: Diese Zustände brechen jetzt auf. Frauen wehren sich. Und sie finden endlich Gehör. Lena Kampf und Daniel Drepper haben über viele Monate hinweg recherchiert und mit mehr als zweihundert Menschen aus der Musikindustrie gesprochen. Packend geschrieben und einfühlsam erzählen die Autoren vom Machtmissbrauch in der Musikindustrie. Sie beschreiben die Strukturen, die einen solchen Missbrauch ermöglichen. Und sie zeigen, warum dieses System jetzt - dank mutiger Frauen, dank unterstützender Aktivistinnen - allmählich ins Wanken gerät.
»Zeit, über das zu sprechen, über das nicht gesprochen werden soll.« JAN BÖHMERMANN
»Dieses Buch ist ein Backstage-Pass - ins Innere der Musikindustrie. Beste journalistische Aufklärung.« JULIA FRIEDRICHS, SACHBUCHAUTORIN
Book Information
Author Description
Lena Kampf ist stellvertretende Ressortleiterin im Ressort Investigative Recherche der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG. Zuvor war sie Investigativreporterin beim WDR in Berlin und Brüssel und Teil der Recherchekooperation aus NDR, WDR und SZ. Sie hat 2019 mit einer Reportage über die #Metoo-Bewegung im Europaparlament den DEUTSCH-FRANZÖSISCHEN JOURNALISTENPREIS gewonnen. Im Sommer 2016 verbrachte sie zwei Monate als Arthur F. Burns Fellow bei der Zeitung Miami Herald in Florida.
Posts
Große Empfehlung an dieser Stelle für „Row Zero“ von Daniel Drepper und Lena Kampf. Es ist eine kluge, ausgewogene, pointierte Analyse von Machtmissbrauch in der Musikindustrie. Es geht um Rap und Hip-Hop, Pop und Rock, Abhängigkeiten im Musikjournalismus, die Entstehung der „Groupies“, bekannte Fälle wie Rammstein, R. Kelly und Marilyn Manson, aber auch grundsätzlichere Fragen und Probleme der Musikbranche. Manches war mir als Außenstehende in dieser Deutlichkeit nicht bewusst – wenngleich es mich auch wenig überrascht hat. Das Buch leistet wirklich viel, wenn es darum geht, Strukturen sichtbar zu machen, die missbräuchliches Verhalten begünstigen. Und dabei geht es nicht darum, Täter:innen zu entschuldigen, sondern zu analysieren, wie es überhaupt dazu kommen kann, dass sie über Jahre und Jahrzehnte nicht zur Rechenschaft gezogen werden, obwohl ihr Verhalten ein offenes Geheimnis ist. Es geht nie nur um Täter:innen allein, sondern auch um Mitwisser:innen, Ermöglicher:innen, Profiteur:innen. Insbesondere im Hip Hop gehört oft das Bad-Boy-Image dazu – und real verübte Verbrechen bringen nicht nur den Künstlern Credibility, sondern auch den Plattenfirmen Geld. Grund genug, an ihnen festzuhalten, selbst wenn sie zwischendurch länger im Gefängnis sitzen. Was macht Starkult mit Menschen? Kann man sie, _muss_ man sie besser darauf vorbereiten? Welche Maßnahmen ergreifen Veranstalter:innen schon heute, um Übergriffe zu verhindern? Das und noch mehr steckt in „Row Zero“, das ich wirklich dringend empfehlen möchte. Viele, die zum Buch beigetragen haben, wollten nicht namentlich genannt werden. Hoffen wir, dass eine Zeit kommt, in der sie mit ihren Namen für das stehen können, was sie erlebt und gesehen haben.
Ich konnte der „größten“ ostdeutschen Band noch nie etwas abgewinnen, habe die Faszination nie verstanden und eine innere Ablehnung schwang immer mit. Die permanente Provokation, das ewige Spiel mit der Grenzüberschreitung und überbordende Männlichkeitsbilder – das erzeugte bei mir stets Widerstand. Im letzten Sommer twittert die Irin Shelby Lynn – ein Fan der Band – dass bei einem Konzert in Vilnius etwas nicht mit rechten Dingen abgelaufen sei. In den Sozialen Netzwerken bringt sie eine Welle in den Gang, von der zu vermuten ist, dass wir aktuell nur ihre Gicht sehen. Lena Kampf (SZ) und Daniel Drepper, der den Rechercheverbund NDR, WDR und SZ leitet, beobachten die Geschehnisse online, machen etliche Screenshots und kündigen kurze Zeit später an, dass sie den Vorwürfen nachgehen werden. Schon am ersten Tag der Ankündigungen melden sich zahlreiche Frauen und das Investigativ-Team beginnt mit seiner Arbeit. Ein Jahr später veröffentlichen sie ihre Recherche als Buch mit dem Titel „Row Zero“ – die Reihe direkt vor der Bühne, die sich später auch im #Backstage trifft. Neben einigen bekannten Passagen und Erkenntnissen, die bereits in den Artikeln des Sommers 2023 zu lesen waren, wird im Buch noch einmal aufgearbeitet, wie systematisch #Machtmissbrauch in der Musikbranche ist. Es beginnt beim Groupie-Mythos, der sich in den 1960ern in den USA als „Bruch mit der Enge und dem Mief der Nachkriegsjahre“ (S. 52) entwickelte. Junge Frauen, manchmal noch Mädchen, boten sich Rock’n’Roll Bands an, um sie auf Tour zu begleiten. Wir bekommen aber auch Einblicke in das aktuelle Geschehen in der Musikbranche. Akteur*innen schildern Erfahrungen aus Backstage-Bereichen, zeigen Missstände bei großen Musiklabels auf und appellieren dabei immer wieder auch daran, dass sich die Musikindustrie nicht aus der Verantwortung ziehen darf. Die Wahrheit ist bitter, aber die Musikbranche, die sich nach außen oft so divers, queerfreundlich und offen gibt, scheint seit Jahrzehnten einen unsichtbaren Pakt geschlossen zu haben. Glaubt man den Schilderungen im Buch, ist systematischer Machtmissbrauch an der Tagesordnung und wird genreübergreifend gelebt. Es sind – mit wenigen Ausnahmen – vorrangig Männer, die dieses System geschaffen haben und die ihre Macht darin erhalten wollen. Besonders hervorheben möchte ich das Unterkapitel „Arena“ (ab S. 226), in dem Christina Clemm, die „die wohl bekannteste Juristin Deutschlands ist, wenn es um Gewalt gegen Frauen geht“, zu Wort kommt. Die juristische Einordnung und die Faktenlage zum Thema Strafverfolgung fand ich ebenso erhellend wie niederschmetternd. Es wird klar, dass wir hier vor allem eine gesellschaftliche Verantwortung haben, da das Gesetz allein keinen Fortschritt für die Bekämpfung von Machtmissbrauch erreichen kann. On a personal note bin ich sehr dankbar, dass sich Lena Kampf und Daniel Drepper diesem Thema investigativ angenommen haben, vor der Drohkulisse, die die Band sehr schnell aufgebaut hat, nicht zurückgeschreckt sind und am wichtigsten: den Betroffenen eine Plattform und eine Stimme gegeben haben, abseits vom Social-Media-Diskurs. Absolute Empfehlung!

So so wichtig
•Buchrezi• 😓 (Etwas anders, als sonst) „Guck mal darüber…“ sag ich am Dienstagabend zu meiner Schwester, nachdem wir zu unserer Lieblingsband gefeiert haben. Rock’n’Roll Baby! Dort stehen Menschen, die darauf warten, dass ihr Idol aus dem Konzertgebäude kommt. Sie warten auf Fotos, Autogramme, aber was ist, wenn ihr Idol sie mitnehmen möchte, auf eine Party, aufs Hotelzimmer…? In „Row Zero“ geht es um Frauen, die ihr Idol treffen und um gegenseitiges Einverständnis. Als die ersten Vorwürfe gegenüber Till Lindemannn, der Frontmann, der Band Rammstein ans Licht kamen, war ich schockiert. Der Typ ist doch so sozial engagiert. Was ist passiert? Ihm wird vorgeworfen ein ausgefeiltes Rekrutierungsverfahren vor seinen Shows zu nutzen, um nach der Show und auch währenddessen junge Frauen für eine anschließende Privatparty und sexuelle Gefälligkeiten zu gewinnen. Dort gibt es viel Alkohol und Drogen. Nachdem Shelby Lynn nach einer dieser Partys plötzlich an die Öffentlichkeit geht, blaue Flecken an ihrem Körper dokumentiert und überzeugt davon ist, dass sie K.-o.-Tropfen bekommen hat, ist der Aufschrei groß. Doch nur kurze Zeit später berichten einige junge Frauen, von ähnlichen Erlebnissen, auch von sexuellen Handlungen, die nicht im gegenseitigen Einverständnis stattgefunden haben sollen. „Selbst schuld, wer da hingeht, weiß das!“, oft habe ich diesen Kommentar gelesen. Wer hat in seiner Jugend kein Idol gehabt, welches er von weitem angehimmelt hat und was ist, wenn dieses Idol, dieser Star, plötzlich vor dir steht und du bist 20 Jahre alt? Ein Foto, ein Autogramm, alles fein, aber… Und genau dort liegt das Problem. Denn ein Till Lindemann, oder auch einem Marylin Manson muss dieses ungleiche Verhältnis bewusst sein und sich dem entsprechend verhalten. Tun sie aber nicht! Grundsätzlich wird hier die Musikbranche und das Machtgefälle durchleuchtet, denen auch bekannte Stars zum Opfer gefallen sind. Die Recherchearbeiten, die über ein Jahr gedauert haben und das zu Wort kommen von Opfern haben mich beeindruckt und berührt. Dieses Buch ist so so wichtig! Die negativen Kommentare kann ich nicht nachvollziehen. Danke, dass ich es lesen durfte.
Absolut empfehlenswert!
Als ich im @eichborn-Newsletter die Ankündigung zu „Row Zero – Gewalt und Machtmissbrauch in der Musikindustrie“ entdeckte, war ich richtig erleichtert. Erleichtert darüber, dass die Vorwürfe weiblicher Fans gegenüber Till Lindemann aufgegriffen und weiter recherchiert wurden, dass ich mich informieren kann und das Thema nicht ohne Widerhall in der Versenkung verschwindet. Nur einen Tag später habe ich mir das Buch im Buchhandel gekauft und mit dem Lesen begonnen. Das Buch hat mich richtig in Atem gehalten. Selten habe ich ein Sachbuch in so kurzer Zeit gelesen. Ich möchte es gern jeder Person in die Hand drücken und zum Lesen auffordern. Besonders den Musikfans, zu denen ich mich selbst zähle. Über die Autor:innen: Lena Kampf ist Journalistin, stellvertretende Ressortleitung im Ressort Investigative Recherche der Süddeutschen Zeitung. Daniel Drepper ist ebenfalls Journalist und leitet die Recherchekooperation von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung. Sie haben zusammen mit einem Team recherchiert, mit über 200 Personen Interviews geführt und Einsicht in Aufzeichnungen, Screenshots und Videos erhalten. Zum Inhalt: Die Recherche zu diesem Buch lief anders ab, als es im investigativen Journalismus üblich ist. Wird normalerweise verdeckt recherchiert, waren die Vorwürfe gegenüber Till Lindemann bereits öffentlich. Daher wurde über die geplante Recherche öffentlich informiert und so Kontakt gesucht zu mutmaßlich Betroffenen und Personen aus der Musikbranche. Im Buch kommen (häufig unter geändertem Namen) Personen zu Wort, Die ihre Aussagen teilweise in Versicherung an Eides statt abgegeben haben, das bedeutet, dass sie die Wahrheit ihrer Aussagen bekräftigen und vor Gericht wiederholen würden. Das Buch umfasst detaillierte Beschreibungen des mutmaßlich stattgefundenen „Castings junger Frauen“ sowie Erfahrungen aus dem Backstage-Bereich und Vorwürfe se*ueller Übergriffe. Es geht aber noch viel mehr in die Tiefe, beleuchtet, wie der Rockstar-Mythos männlichen Künstlern systematischen Machtmissbrauch gegenüber Fans in der Vergangenheit und teils auch in der Gegenwart ohne Konsequenzen ermöglicht. Auch weibliche Mitarbeiterinnen der Musikbranche kommen zu Wort und schildern alltägliche se**stiche Übergriffe und ein enormes Machtgefälle. Jurist:innen legen die strafrechtlichen Abläufe bei Vergewaltigungsvorwürfen dar und warum so viele Frauen sich gegen ein Verfahren entscheiden. Fazit: Das Buch hat mich als Musikfan tief erschüttert. Die Systematik, die in all den aufgedeckten Machtmissbräuchen steckt, widert mich an. Besonders auch die Art, mit der Vorfälle unter den Teppich gekehrt werden. Zum Fall Lindemann: Die Berliner Staatsanwaltschaft stellte ihre Ermittlungen gegen Till Lindemann und Alena Makeeva im August 2023 ein, weil bis auf eine keine weiteren Vernehmungen stattfinden konnten. Dies wird als Freispruch Lindemanns interpretiert, und die Band tritt weiterhin erfolgreich auf. Ich persönlich glaube den Frauen, die unabhängig voneinander, teils zu unterschiedlichen Zeitpunkten, ihre Erfahrungen anonym oder öffentlich teilten. Und ich verstehe, warum sie sich der Tortur eines öffentlichen Strafverfahrens nicht aussetzen. Das Verfahren zwischen Shelby Lynn und Till Lindemann läuft noch. Zur weiteren Lektüre kann ich das Buch "Prima Facie" von Suzie Miller empfehlen, in dem ein fiktiver Vergewaltigungsprozess geschildert wird. Vielen Dank für dieses wichtige Buch, ich empfehle es wirklich jede:m!

Ein sehr wichtiges Buch über Gewalt und Machtmissbrauch in der Musikindustrie. Schockierend und bedrückend, aber absolut nicht überraschend. Viele Fälle waren mir durch Social Media oder andere Berichterstattungen bereits bekannt, aber alles gesammelt, fundiert und detailliert recherchiert lesen zu können, hat nochmal andere Blickwinkel geschaffen. Ich erachte es als sehr wichtig dieses Buch zu lesen und sich diese wirklich furchtbare Situation vor Augen zu führen.
Zwischen Fassungslosigkeit und Wut; so ist mein emotionales Fazit dieser Lektüre. Ein gut recherchiertes und sachliches Buch bei dem ich dem Titel folgend sehr positiv überrascht war, dass es sich nicht nur auf die Causa Rammstein fixiert, sondern weit darüber hinaus geht. Auf schockierendste und aufwühlende Weise wird aufgezeigt, dass sich Gewalt und Machtmissbrauch in der Musikbranche durche alle erdenklichen Genres und Geschäftsbereiche zieht. Ein längst überfälliger Einblick nicht nur für Aussenstehende, sondern auch Brancheninsider, die immer noch zu oft wegschauen und sich ausschliesslich nach der Macht und dem Geld richten. Hoffentlich rüttelt dieses Buch auf und führt zum Umdenken des eigenen Verhalten, das leider häufig schlicht frauenverachtend ist.Trotz der teils chaotisch wirkenden Struktur und sich wiederholenden Passagen gibts die vollen 5 Sterne, weil das Buch einfach so ungemein wichtig ist.















