Nichtmuttersein
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Description
Ist man nur als Mutter wirklich Frau?
Nadine Pungs möchte keine Mutter sein – eine Tatsache, die viele nicht akzeptieren können. Fremde Menschen nehmen sich das Recht heraus, sie als egoistisch, narzisstisch oder auch unnatürlich zu bezeichnen. Denn eine Frau, die sich der Mutterschaft verweigert, rebelliert gegen Rollenklischees. Immer noch. Woher kommt diese Vorstellung, dass jede »normale« Frau den Wunsch nach eigenen Kindern hegen muss? Wieso können wir nicht akzeptieren, dass der Uterus einer Frau niemand anderen etwas angeht?
Pungs legt den Finger in die Wunde. Sie spricht mit Müttern und Nichtmüttern über Ängste und Hoffnungen, erzählt von ihrem eigenen Kampf um Akzeptanz und argumentiert für weibliche Körperherrschaft. Sie plädiert für das Kinderwunschlosglück und zeigt, was Selbstermächtigung in letzter Konsequenz und aller Radikalität bedeutet. Mal zart, mal zornig macht Pungs klar, wie politisch für Frauen selbst das Intimste ist.
Book Information
Author Description
Nadine Pungs, 1981 im Rheinland geboren, studierte Germanistik und Geschichte. Als Kleinkünstlerin spielte sie am Theater und organisierte Comedyshows, heute arbeitet sie als freie Autorin. Auf der Suche nach Intensität und Schönheit zieht es sie immer wieder in die Welt, häufig in den Nahen Osten. Zuletzt bereiste sie monatelang Saudi-Arabien. Von ihren Begegnungen und Beobachtungen erzählt sie in Büchern und in Vorträgen. Bei Malik erschienen von ihr »Das verlorene Kopftuch. Wie der Iran mein Herz berührte« und »Meine Reise ins Übermorgenland. Allein unterwegs von Jordanien bis Oman«.
Posts
Kinderwunschlos•gesellschaftliche Erwartungen
Nadine Pungs' Buch „Nicht Muttersein - Von der Entscheidung ohne Kinder zu Leben“ beleuchtet ein oft tabuisiertes Thema auf eine sehr persönliche und reflektierte Weise. In ihrem Werk setzt sich Pungs eindringlich mit den gesellschaftlichen Erwartungen und individuellen Entscheidungen auseinander, die das Leben ohne Kinder begleiten. Die Autorin bietet einen tiefen Einblick in ihre eigenen Überlegungen und Erfahrungen, was dem Buch eine besondere Authentizität verleiht. Pungs' Erzählstil ist fesselnd und ehrlich. Sie beleuchtet die gesellschaftlichen Erwartungen an Frauen und die oft unausgesprochenen Annahmen über Mutterschaft. Dabei gelingt es ihr, die persönlichen Geschichten und Überlegungen, die zu ihrer Entscheidung führten, anschaulich und nachvollziehbar darzustellen. Dies macht das Buch besonders wertvoll für Leser:innen, die sich in ähnlichen Lebenssituationen befinden oder die Beweggründe für ein Leben ohne Kinder besser verstehen wollen. Allerdings hätte ich mir an einigen Stellen mehr wissenschaftliche Tiefe gewünscht. Pungs' Argumentation basiert größtenteils auf persönlichen Erfahrungen und Beobachtungen, die zwar authentisch und überzeugend sind, jedoch durch fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse noch gestärkt werden könnten. Eine intensivere Auseinandersetzung mit psychologischen, soziologischen und historischen Studien hätte dem Buch mehr Gewicht und Nachdruck verliehen. Ein weiterer Kritikpunkt ist die sehr westlich-privilegierte Perspektive des Buches. Pungs' Erfahrungen und Überlegungen sind stark in einem westlichen, privilegierten Kontext verankert. Dies ist zwar verständlich, da es ihre persönliche Geschichte widerspiegelt, lässt aber die Vielfalt der Erfahrungen und Perspektiven von mehrfach-marginalisierten Personen vermissen. Mehr Diversität in den dargestellten Geschichten und eine tiefere Auseinandersetzung mit intersektionalen Aspekten der Kinderlosigkeit wären wünschenswert gewesen, um ein umfassenderes Bild der Thematik zu zeichnen. Mit einer Bewertung von 4/5 ist „Nicht Muttersein“ trotz der Kritikpunkte ein wichtiges und inspirierendes Buch. Es öffnet einen Raum für eine oft unterrepräsentierte Perspektive und ermutigt Frauen, ihre eigenen Lebensentscheidungen zu hinterfragen und selbstbewusst zu treffen. Pungs' Mut, ihre persönlichen Erfahrungen zu teilen und gesellschaftliche Normen in Frage zu stellen, macht das Buch zu einer wertvollen Bereicherung für Mutterschaft und kinderfreie Lebenswege.
Eine Studie des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung aus dem Jahr 2015 zeigt, dass die eigenen Kinder mehr bekümmern können als Arbeitslosigkeit, Scheidung oder gar der Tod des Partners. [...] Erst wenn der Nachwuchs ausgezogen ist, sind Eltern glücklicher als Kinderlose, sagen wiederum Wissenschaftler der Universität Heidelberg.
Die Autorin erzählt sehr persönlich über ihren Nichtkinderwunsch. Hierbei werden sowohl persönliche Ereignisse wie Abtreibung und Sterilisation sowie der Weg dahin erklärt. Auch wenn die Autorin sehr intime Einblicke teilt, so ergänzt sie die Themen auch immer mit diversen Studien. Ihr gelingt somit der perfekte Mix aus wissenschaftlichen Fakten als auch aus persönlichen Erlebnissen wie z.B. der Veränderung von Freundschaften. Mich hat das Buch total abgeholt, auch wenn ich die Autorin zuweilen als nichtkindermögend wahrgenommen habe. Dass man keine eigenen Kinder möchte, bedeutet ja nicht, dass man Kinder per se nicht mag. Bei der Autorin kam bei mir aber tatsächlich das Gefühl aus, dass dem so ist. Zumindest gibt sie offen zu sich gar nicht für Kinder zu interessieren, auch nicht für die ihrer Freundinnen. Ein empfehlenswertes Buch sowohl für Menschen mit als auch ohne Kinderwunsch, da es auch einen feministischen Ansatz hat. Beispiele dafür sind die Abtreibungsgesetze und die Hürden, die eine Frau (im Gegensatz zu Männern) nehmen muss wenn sie sich sterilisieren lassen will. Hier lässt das Patriarchat grüßen.
![Eine Studie des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung aus dem Jahr 2015 zeigt, dass die eigenen Kinder mehr bekümmern können als Arbeitslosigkeit, Scheidung oder gar der Tod des Partners. [...] Erst wenn der Nachwuchs ausgezogen ist, sind Eltern glücklicher als Kinderlose, sagen wiederum Wissenschaftler der Universität Heidelberg.](https://social-cdn.read-o.com/images/1769616812365-37.jpg)
“Karlotta hat sich selbstbestimmt für eine Familie entschieden, ich selbstbestimmt dagegen. Wir stehen auf ungleichen Seiten. Aber wir sind gleich viel wert.” (Pungs 2022, S. 211) Früher oder später sieht man sich im Leben mit der Kinderfrage konfrontiert. Manche wissen es schon lange, andere warten ab und wieder andere drohen an der Frage zu verzweifeln. Nadine Pungs ist eine von den sogenannten “Frühentscheiderinnen”. Ihr ist schon als junges Mädchen klar, dass sie keine Mutter werden will. Logischer Schluss ist, dass der Titel ihres Buches “Nichtmuttersein” lautet. Pungs legt sowohl auf sachlicher, als auch auf persönlicher Ebene dar, was es bedeutet, als freiwillig kinderfreie Frau in unserer Gesellschaft zu leben. Dabei deckt die faktische Auseinandersetzung der Autorin mit der Kinderlosigkeit ein breites Spektrum ab. Von feministischen Standpunkten bekannter Autorinnen wie Simone de Beauvoir und Siri Hustvedt, über historische Betrachtungen der Mutter, bspw. im Nationalsozialismus, bis hin zu aktuellen gesellschaftlichen Phänomen wie dem der MILF (“mother I’d like to fuck”) – “[...] eine attraktive, reife Frau, die ihre Kinder umsorgt, autark lebt und trotzdem das versaute Luder bleibt, auf das sich Pubertierende ödipal inspiriert einen runterholen können.” wirft sie einen umfassenden Blick auf wesentliche Aspekte des Mutterseins oder eben des “Nichtmuttersein[s]”. Eine sehr persönliche Note bekommt das Werk vor allem durch Pungs’ Anekdoten über Erfahrungen mit Freund*innen, die Familien gründen und damit nahezu gänzlich aus ihrem Leben verschwinden. Oder über eine übergriffige männliche Bekanntschaft, die ihr versichert, dass sie ihre Sterilisation – für Pungs ein Akt der Selbstbestimmung – und damit auch ihre Kinderlosigkeit irgendwann bereuen wird. Besonders eindrücklich ist auch die Schilderung der Abtreibung, für die sie sich entschieden hat. Schwangerschaftsabbrüche beleuchtet sie ausführlich aus politischer und rechtlicher Sicht und macht deutlich: “Die Freiheit der Frau [ist] ein Seismograf für die Freiheit der Gesellschaft.” Nadine Pungs ist mit “Nichtmuttersein” ein aufklärendes, informatives und zugleich berührendes Buch zur Kinderfrage gelungen, das Platz schafft für eine Perspektive, die nicht nur zu wenig Beachtung findet, sondern noch immer auch kritisch beäugt wird. Denn wer ist man als Frau schon, wenn man keine Mutter ist?

Mein Herz ist voll - voll von Dankbarkeit für dieses Buch, "Nichtmuttersein" von Nadine Pungs. Ich sag euch auch, warum. Ich will keine Mutter sein. Wollte ich noch nie. Wenn man als Frau diese Einstellung hat und sie (Gott bewahre!) auch noch offen kommuniziert, wird einem von unterschiedlichsten Menschen auf verschiedenste Arten häufig schnell im wahrsten Sinne des Wortes ein Kind in den Bauch geredet: Einsam würde man werden im Alter, man solle nur abwarten, das komme noch, ob man sich denn bewusst sein, welch wunderbares Geschenk man da verpasse, und so weiter und so fort. Aber weshalb ist das so? Weshalb ist die Entscheidung gegen ein eigenes Kind in der Gesellschaft noch immer ein so explosives Thema? Weshalb kann sie nicht als gleichwertiges Lebensmodell gelten, ohne, dass der kinderlosen Frau gleich Egoismus, fehlende Reife, emotionale Unzulänglichkeit und ein diffuses "Fehlen" zugeschrieben werden? Das und mehr habe ich mich oft gefragt. Nadine Pungs hat Antworten. Dabei ist "Nichtmuttersein" keinesfalls nur ein Buch für Frauen, die sich gegen Kinder entscheiden. Es ist vor allem auch eine gesellschaftskritische und feministische Betrachtung des Mutterseins in der Gegenwart, aller Vor- und eben auch Nachteile, die mit dem Kinderkriegen einhergehen und ein Plädoyer dafür, die Entscheidung für oder gegen ein Kind bewusster, nachhaltiger und eben besser zu treffen. Ich für meinen Teil habe mich so abgeholt gefühlt, dass ich die Autorin gerne umarmen möchte. Und obendrein ist dieses Sachbuch auch noch so gut geschrieben, dass es sich wie ein fesselnder Roman wegliest. 5/5 und ein sofortiger und unumstrittener Platz auf dem Regalbrett für meine Lieblingsbücher.
Immer mehr Leute entscheiden sich dafür keine Kinder zu bekommen und müssen sich vor der Gesellschaft rechtfertigen. Nadine Pungs gehört zu der Fraktion der freiwilligen Kinderlosen. In ihrem Buch „Nichtmuttersein“ zeigt sie dabei, was es heutzutage bedeutet als kinderfreie Frau zu leben. Die Balance zwischen ihren eigenen Erfahrungen, sei es die eigene Abtreibung oder die der Mütter in ihrem Umfeld und theoretischen Passagen ist sehr gut gelungen. Wir lesen viel darüber, wie konservativ die Einstellung, wie eine Frau leben soll, heute immer noch ist und wo diese ihre Anfänge nehmen. Ebenfalls erfahren wir viel zum Thema Abtreibung und der weiterhin veralteten und verachtenswerten Gesetzeslage, die den beteiligten die Situation noch mehr erschwert. Ein fantastisches Sachbuch, das den Finger tief in die Wunde drückt und unbeschönigt zeigt, dass es noch ein langer Weg zur selbstbestimmten Frau ist.

Pungs verbindet persönliche Erlebnisse mit einer Vielzahl an relevanten Informationen und sorgt dabei für einen abwechslungsreichen Lesefluss auf vielen kurzen Kapiteln.
Ich habe das Buch anhand Pungs Schreibweise persönlich als leicht lesbar empfunden. Sie arbeitet ein Thema auf, welches gesellschaftlich und strukturell ständig problematisiert wird. Dabei greift sie auch Geschehnisse auf, welche für Lesende potentiell retraumatisierend wirken können, weshalb von meiner Seite aus eine CN oder explizite TW nötig wären. Ich kann dem Buch insgesamt eine positive Bewertung zugestehen, da es mich an vielen Stellen sehr berührt hat und ich mich selbst schon oft in den beschriebenen Situationen wiedergefunden habe. Gleichzeitig schafft es Pungs sachliche Informationen zu den Umständen, welche Menschen ohne Kinderwunsch ihr Leben lang begleiten, aufzuarbeiten, ohne dabei die Lesenden mit einer trockenen Ladung an Fakten zu überwältigen. Trotzdem sind die genannten Schilderungen, Erfahrungen und Informationen weiterhin kritisch zu betrachten - Pungs beschreibt ihre Erlebnisse aus einer westlich-privilegierten Sichtweise heraus und obwohl sie versucht, andere Lebensrealitäten aufzugreifen, kratzt sie dabei leider nur an der Oberfläche der Wirklichkeiten von mehrfach-marginalisierten Menschen. Ich hätte mir eine breitere Betrachtung der Problematik gewünscht. Empfehlen würde ich das Buch Menschen, die kinderwunschlos sind und sich in ihrer Entscheidung nochmal bestärkt und gefestigter fühlen möchten, sowie denen, die die Entscheidung, kinderfrei zu bleiben, besser zu verstehen versuchen.

Ein sehr persönliches Buch, was mir auch sehr nah ging, da ich auch früh mich gegen Kinder entschieden habe. Man weiß zwar, dass man mit diesem Wunsch nicht alleine steht, aber es in diesem Buch nochmal auf so einer schönen, offenen, verletzlichen Ebene von wem anders zu lesen, ist ein sehr befreiendes Gefühl gewesen für mich. Ich kann das Buch jeder Person empfehlen, auch wenn diese sich für Kinder entscheidet -einfach, um auch die andere Seite verstehen zu können.
Als 30-Jährige ohne Kinderwunsch hat mich dieses Buch sowohl zum Lachen als auch zum Weinen gebracht. Ganz oft habe ich gemerkt, wie ich erleichtert vor dem Buch saß und dachte: „Ja, genau so hab ich mich gefühlt!“ oder „Ich bin doch nicht die einzige, die so denkt!“. Ich empfehle dieses Buch sowohl allen Frauen ohne Kinderwunsch als auch den Frauen mit Kinderwunsch, um die andere Seite vielleicht (noch) ein bisschen besser zu verstehen. Und ich empfehle das Buch generell allen, die sich über die Rolle der Frau und ihren (Nicht-)Wandel in der Zeit interessieren. Das Buch ist super leicht zu lesen, trotz vieler fundierter Quellen und ist für mich eines der besten Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe.
Ein Sachbuch ohne die typischen Überschriften. Es wechseln sich persönliche Kapitel mit denen voller Recherchen ab, das führt dazu, dass das Thema von allen Seiten betrachtet wird. • Diese Mischung und der sehr zugängliche Stil haben dafür gesorgt, dass ich das Buch in kürzester Zeit verschlungen habe. Thematisch spannend habe ich mich oft wiedererkannt, durchaus neue Aspekte kennen gelernt. Kinderwunschlos. Gutes Wort. Sollten wir normal werden lassen. Dieses Buch ist ein Anfang.

Als Frau bleibe ich meine eigene Strafverteidigerin. Schon allein das erste Kapitel machte mir klar, dass ich diesem Buch nicht weniger als fünf Sterne geben kann. Denn dieses Kapitel war ein einziger, langer Satz mit Behauptungen von Menschen, die nicht verstehen können wie man sich für das Nichtmuttersein entscheiden kann. Es endet mit der Frage "Bist du dir sicher?" und in meinen Augen eine Sache, die man ebensogut den Personen stellen sollte, die sich bewusst für Kinder entscheiden. Mit einer Prise Humor stellt die Autorin dar, dass sich Personen nicht rechtfertigen sollten, wenn sie sich gegen Kinder entscheiden. Während ich dieses Buch las, saß ich durchgehend nickend da, da ich ihr so sehr zustimme. Gleichzeitig machte es mich auch aggressiv und wütend. Wütend über die Ungerechtigkeiten, die diese Entscheidung mit sich bringt. Wütend über die Aussagen von Politikern. Wütend über die weltweise Gesetzeslage was Abtreibungen betrifft. Wütend über religiöse Ansichten, Mutterschaft sei verpflichtend. Wütend über die Assertion, in Deutschland seie Gleichberechtigung doch schon längst erreicht. Denn Pungs zeigt in ihrem Buch, dass dies durchaus nicht der Fall ist. Gespickt mit persönlichen Erzählungen, aber auch mit anderen wissenschaftlichen Quellen legt die Autorin hier ein Augen öffnendes und gesellschaftkritisches Buch vor. Positiv überrascht war ich auch, dass hier nicht die binären Geschlechterrollen dargestellt worden sind, denn sie benutzt Beschreibungen wie "Personen mit Uterus". Gerade in den aktuellen Zeiten, in denen viele Länder Personen das Recht auf Abtreibung wegnehmen und mit Geburtenprämien locken ist "Nichtmuttersein" ein hochaktuelles Must-read für alle.
Description
Ist man nur als Mutter wirklich Frau?
Nadine Pungs möchte keine Mutter sein – eine Tatsache, die viele nicht akzeptieren können. Fremde Menschen nehmen sich das Recht heraus, sie als egoistisch, narzisstisch oder auch unnatürlich zu bezeichnen. Denn eine Frau, die sich der Mutterschaft verweigert, rebelliert gegen Rollenklischees. Immer noch. Woher kommt diese Vorstellung, dass jede »normale« Frau den Wunsch nach eigenen Kindern hegen muss? Wieso können wir nicht akzeptieren, dass der Uterus einer Frau niemand anderen etwas angeht?
Pungs legt den Finger in die Wunde. Sie spricht mit Müttern und Nichtmüttern über Ängste und Hoffnungen, erzählt von ihrem eigenen Kampf um Akzeptanz und argumentiert für weibliche Körperherrschaft. Sie plädiert für das Kinderwunschlosglück und zeigt, was Selbstermächtigung in letzter Konsequenz und aller Radikalität bedeutet. Mal zart, mal zornig macht Pungs klar, wie politisch für Frauen selbst das Intimste ist.
Book Information
Author Description
Nadine Pungs, 1981 im Rheinland geboren, studierte Germanistik und Geschichte. Als Kleinkünstlerin spielte sie am Theater und organisierte Comedyshows, heute arbeitet sie als freie Autorin. Auf der Suche nach Intensität und Schönheit zieht es sie immer wieder in die Welt, häufig in den Nahen Osten. Zuletzt bereiste sie monatelang Saudi-Arabien. Von ihren Begegnungen und Beobachtungen erzählt sie in Büchern und in Vorträgen. Bei Malik erschienen von ihr »Das verlorene Kopftuch. Wie der Iran mein Herz berührte« und »Meine Reise ins Übermorgenland. Allein unterwegs von Jordanien bis Oman«.
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Kinderwunschlos•gesellschaftliche Erwartungen
Nadine Pungs' Buch „Nicht Muttersein - Von der Entscheidung ohne Kinder zu Leben“ beleuchtet ein oft tabuisiertes Thema auf eine sehr persönliche und reflektierte Weise. In ihrem Werk setzt sich Pungs eindringlich mit den gesellschaftlichen Erwartungen und individuellen Entscheidungen auseinander, die das Leben ohne Kinder begleiten. Die Autorin bietet einen tiefen Einblick in ihre eigenen Überlegungen und Erfahrungen, was dem Buch eine besondere Authentizität verleiht. Pungs' Erzählstil ist fesselnd und ehrlich. Sie beleuchtet die gesellschaftlichen Erwartungen an Frauen und die oft unausgesprochenen Annahmen über Mutterschaft. Dabei gelingt es ihr, die persönlichen Geschichten und Überlegungen, die zu ihrer Entscheidung führten, anschaulich und nachvollziehbar darzustellen. Dies macht das Buch besonders wertvoll für Leser:innen, die sich in ähnlichen Lebenssituationen befinden oder die Beweggründe für ein Leben ohne Kinder besser verstehen wollen. Allerdings hätte ich mir an einigen Stellen mehr wissenschaftliche Tiefe gewünscht. Pungs' Argumentation basiert größtenteils auf persönlichen Erfahrungen und Beobachtungen, die zwar authentisch und überzeugend sind, jedoch durch fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse noch gestärkt werden könnten. Eine intensivere Auseinandersetzung mit psychologischen, soziologischen und historischen Studien hätte dem Buch mehr Gewicht und Nachdruck verliehen. Ein weiterer Kritikpunkt ist die sehr westlich-privilegierte Perspektive des Buches. Pungs' Erfahrungen und Überlegungen sind stark in einem westlichen, privilegierten Kontext verankert. Dies ist zwar verständlich, da es ihre persönliche Geschichte widerspiegelt, lässt aber die Vielfalt der Erfahrungen und Perspektiven von mehrfach-marginalisierten Personen vermissen. Mehr Diversität in den dargestellten Geschichten und eine tiefere Auseinandersetzung mit intersektionalen Aspekten der Kinderlosigkeit wären wünschenswert gewesen, um ein umfassenderes Bild der Thematik zu zeichnen. Mit einer Bewertung von 4/5 ist „Nicht Muttersein“ trotz der Kritikpunkte ein wichtiges und inspirierendes Buch. Es öffnet einen Raum für eine oft unterrepräsentierte Perspektive und ermutigt Frauen, ihre eigenen Lebensentscheidungen zu hinterfragen und selbstbewusst zu treffen. Pungs' Mut, ihre persönlichen Erfahrungen zu teilen und gesellschaftliche Normen in Frage zu stellen, macht das Buch zu einer wertvollen Bereicherung für Mutterschaft und kinderfreie Lebenswege.
Eine Studie des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung aus dem Jahr 2015 zeigt, dass die eigenen Kinder mehr bekümmern können als Arbeitslosigkeit, Scheidung oder gar der Tod des Partners. [...] Erst wenn der Nachwuchs ausgezogen ist, sind Eltern glücklicher als Kinderlose, sagen wiederum Wissenschaftler der Universität Heidelberg.
Die Autorin erzählt sehr persönlich über ihren Nichtkinderwunsch. Hierbei werden sowohl persönliche Ereignisse wie Abtreibung und Sterilisation sowie der Weg dahin erklärt. Auch wenn die Autorin sehr intime Einblicke teilt, so ergänzt sie die Themen auch immer mit diversen Studien. Ihr gelingt somit der perfekte Mix aus wissenschaftlichen Fakten als auch aus persönlichen Erlebnissen wie z.B. der Veränderung von Freundschaften. Mich hat das Buch total abgeholt, auch wenn ich die Autorin zuweilen als nichtkindermögend wahrgenommen habe. Dass man keine eigenen Kinder möchte, bedeutet ja nicht, dass man Kinder per se nicht mag. Bei der Autorin kam bei mir aber tatsächlich das Gefühl aus, dass dem so ist. Zumindest gibt sie offen zu sich gar nicht für Kinder zu interessieren, auch nicht für die ihrer Freundinnen. Ein empfehlenswertes Buch sowohl für Menschen mit als auch ohne Kinderwunsch, da es auch einen feministischen Ansatz hat. Beispiele dafür sind die Abtreibungsgesetze und die Hürden, die eine Frau (im Gegensatz zu Männern) nehmen muss wenn sie sich sterilisieren lassen will. Hier lässt das Patriarchat grüßen.
![Eine Studie des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung aus dem Jahr 2015 zeigt, dass die eigenen Kinder mehr bekümmern können als Arbeitslosigkeit, Scheidung oder gar der Tod des Partners. [...] Erst wenn der Nachwuchs ausgezogen ist, sind Eltern glücklicher als Kinderlose, sagen wiederum Wissenschaftler der Universität Heidelberg.](https://social-cdn.read-o.com/images/1769616812365-37.jpg)
“Karlotta hat sich selbstbestimmt für eine Familie entschieden, ich selbstbestimmt dagegen. Wir stehen auf ungleichen Seiten. Aber wir sind gleich viel wert.” (Pungs 2022, S. 211) Früher oder später sieht man sich im Leben mit der Kinderfrage konfrontiert. Manche wissen es schon lange, andere warten ab und wieder andere drohen an der Frage zu verzweifeln. Nadine Pungs ist eine von den sogenannten “Frühentscheiderinnen”. Ihr ist schon als junges Mädchen klar, dass sie keine Mutter werden will. Logischer Schluss ist, dass der Titel ihres Buches “Nichtmuttersein” lautet. Pungs legt sowohl auf sachlicher, als auch auf persönlicher Ebene dar, was es bedeutet, als freiwillig kinderfreie Frau in unserer Gesellschaft zu leben. Dabei deckt die faktische Auseinandersetzung der Autorin mit der Kinderlosigkeit ein breites Spektrum ab. Von feministischen Standpunkten bekannter Autorinnen wie Simone de Beauvoir und Siri Hustvedt, über historische Betrachtungen der Mutter, bspw. im Nationalsozialismus, bis hin zu aktuellen gesellschaftlichen Phänomen wie dem der MILF (“mother I’d like to fuck”) – “[...] eine attraktive, reife Frau, die ihre Kinder umsorgt, autark lebt und trotzdem das versaute Luder bleibt, auf das sich Pubertierende ödipal inspiriert einen runterholen können.” wirft sie einen umfassenden Blick auf wesentliche Aspekte des Mutterseins oder eben des “Nichtmuttersein[s]”. Eine sehr persönliche Note bekommt das Werk vor allem durch Pungs’ Anekdoten über Erfahrungen mit Freund*innen, die Familien gründen und damit nahezu gänzlich aus ihrem Leben verschwinden. Oder über eine übergriffige männliche Bekanntschaft, die ihr versichert, dass sie ihre Sterilisation – für Pungs ein Akt der Selbstbestimmung – und damit auch ihre Kinderlosigkeit irgendwann bereuen wird. Besonders eindrücklich ist auch die Schilderung der Abtreibung, für die sie sich entschieden hat. Schwangerschaftsabbrüche beleuchtet sie ausführlich aus politischer und rechtlicher Sicht und macht deutlich: “Die Freiheit der Frau [ist] ein Seismograf für die Freiheit der Gesellschaft.” Nadine Pungs ist mit “Nichtmuttersein” ein aufklärendes, informatives und zugleich berührendes Buch zur Kinderfrage gelungen, das Platz schafft für eine Perspektive, die nicht nur zu wenig Beachtung findet, sondern noch immer auch kritisch beäugt wird. Denn wer ist man als Frau schon, wenn man keine Mutter ist?

Mein Herz ist voll - voll von Dankbarkeit für dieses Buch, "Nichtmuttersein" von Nadine Pungs. Ich sag euch auch, warum. Ich will keine Mutter sein. Wollte ich noch nie. Wenn man als Frau diese Einstellung hat und sie (Gott bewahre!) auch noch offen kommuniziert, wird einem von unterschiedlichsten Menschen auf verschiedenste Arten häufig schnell im wahrsten Sinne des Wortes ein Kind in den Bauch geredet: Einsam würde man werden im Alter, man solle nur abwarten, das komme noch, ob man sich denn bewusst sein, welch wunderbares Geschenk man da verpasse, und so weiter und so fort. Aber weshalb ist das so? Weshalb ist die Entscheidung gegen ein eigenes Kind in der Gesellschaft noch immer ein so explosives Thema? Weshalb kann sie nicht als gleichwertiges Lebensmodell gelten, ohne, dass der kinderlosen Frau gleich Egoismus, fehlende Reife, emotionale Unzulänglichkeit und ein diffuses "Fehlen" zugeschrieben werden? Das und mehr habe ich mich oft gefragt. Nadine Pungs hat Antworten. Dabei ist "Nichtmuttersein" keinesfalls nur ein Buch für Frauen, die sich gegen Kinder entscheiden. Es ist vor allem auch eine gesellschaftskritische und feministische Betrachtung des Mutterseins in der Gegenwart, aller Vor- und eben auch Nachteile, die mit dem Kinderkriegen einhergehen und ein Plädoyer dafür, die Entscheidung für oder gegen ein Kind bewusster, nachhaltiger und eben besser zu treffen. Ich für meinen Teil habe mich so abgeholt gefühlt, dass ich die Autorin gerne umarmen möchte. Und obendrein ist dieses Sachbuch auch noch so gut geschrieben, dass es sich wie ein fesselnder Roman wegliest. 5/5 und ein sofortiger und unumstrittener Platz auf dem Regalbrett für meine Lieblingsbücher.
Immer mehr Leute entscheiden sich dafür keine Kinder zu bekommen und müssen sich vor der Gesellschaft rechtfertigen. Nadine Pungs gehört zu der Fraktion der freiwilligen Kinderlosen. In ihrem Buch „Nichtmuttersein“ zeigt sie dabei, was es heutzutage bedeutet als kinderfreie Frau zu leben. Die Balance zwischen ihren eigenen Erfahrungen, sei es die eigene Abtreibung oder die der Mütter in ihrem Umfeld und theoretischen Passagen ist sehr gut gelungen. Wir lesen viel darüber, wie konservativ die Einstellung, wie eine Frau leben soll, heute immer noch ist und wo diese ihre Anfänge nehmen. Ebenfalls erfahren wir viel zum Thema Abtreibung und der weiterhin veralteten und verachtenswerten Gesetzeslage, die den beteiligten die Situation noch mehr erschwert. Ein fantastisches Sachbuch, das den Finger tief in die Wunde drückt und unbeschönigt zeigt, dass es noch ein langer Weg zur selbstbestimmten Frau ist.

Pungs verbindet persönliche Erlebnisse mit einer Vielzahl an relevanten Informationen und sorgt dabei für einen abwechslungsreichen Lesefluss auf vielen kurzen Kapiteln.
Ich habe das Buch anhand Pungs Schreibweise persönlich als leicht lesbar empfunden. Sie arbeitet ein Thema auf, welches gesellschaftlich und strukturell ständig problematisiert wird. Dabei greift sie auch Geschehnisse auf, welche für Lesende potentiell retraumatisierend wirken können, weshalb von meiner Seite aus eine CN oder explizite TW nötig wären. Ich kann dem Buch insgesamt eine positive Bewertung zugestehen, da es mich an vielen Stellen sehr berührt hat und ich mich selbst schon oft in den beschriebenen Situationen wiedergefunden habe. Gleichzeitig schafft es Pungs sachliche Informationen zu den Umständen, welche Menschen ohne Kinderwunsch ihr Leben lang begleiten, aufzuarbeiten, ohne dabei die Lesenden mit einer trockenen Ladung an Fakten zu überwältigen. Trotzdem sind die genannten Schilderungen, Erfahrungen und Informationen weiterhin kritisch zu betrachten - Pungs beschreibt ihre Erlebnisse aus einer westlich-privilegierten Sichtweise heraus und obwohl sie versucht, andere Lebensrealitäten aufzugreifen, kratzt sie dabei leider nur an der Oberfläche der Wirklichkeiten von mehrfach-marginalisierten Menschen. Ich hätte mir eine breitere Betrachtung der Problematik gewünscht. Empfehlen würde ich das Buch Menschen, die kinderwunschlos sind und sich in ihrer Entscheidung nochmal bestärkt und gefestigter fühlen möchten, sowie denen, die die Entscheidung, kinderfrei zu bleiben, besser zu verstehen versuchen.

Ein sehr persönliches Buch, was mir auch sehr nah ging, da ich auch früh mich gegen Kinder entschieden habe. Man weiß zwar, dass man mit diesem Wunsch nicht alleine steht, aber es in diesem Buch nochmal auf so einer schönen, offenen, verletzlichen Ebene von wem anders zu lesen, ist ein sehr befreiendes Gefühl gewesen für mich. Ich kann das Buch jeder Person empfehlen, auch wenn diese sich für Kinder entscheidet -einfach, um auch die andere Seite verstehen zu können.
Als 30-Jährige ohne Kinderwunsch hat mich dieses Buch sowohl zum Lachen als auch zum Weinen gebracht. Ganz oft habe ich gemerkt, wie ich erleichtert vor dem Buch saß und dachte: „Ja, genau so hab ich mich gefühlt!“ oder „Ich bin doch nicht die einzige, die so denkt!“. Ich empfehle dieses Buch sowohl allen Frauen ohne Kinderwunsch als auch den Frauen mit Kinderwunsch, um die andere Seite vielleicht (noch) ein bisschen besser zu verstehen. Und ich empfehle das Buch generell allen, die sich über die Rolle der Frau und ihren (Nicht-)Wandel in der Zeit interessieren. Das Buch ist super leicht zu lesen, trotz vieler fundierter Quellen und ist für mich eines der besten Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe.
Ein Sachbuch ohne die typischen Überschriften. Es wechseln sich persönliche Kapitel mit denen voller Recherchen ab, das führt dazu, dass das Thema von allen Seiten betrachtet wird. • Diese Mischung und der sehr zugängliche Stil haben dafür gesorgt, dass ich das Buch in kürzester Zeit verschlungen habe. Thematisch spannend habe ich mich oft wiedererkannt, durchaus neue Aspekte kennen gelernt. Kinderwunschlos. Gutes Wort. Sollten wir normal werden lassen. Dieses Buch ist ein Anfang.

Als Frau bleibe ich meine eigene Strafverteidigerin. Schon allein das erste Kapitel machte mir klar, dass ich diesem Buch nicht weniger als fünf Sterne geben kann. Denn dieses Kapitel war ein einziger, langer Satz mit Behauptungen von Menschen, die nicht verstehen können wie man sich für das Nichtmuttersein entscheiden kann. Es endet mit der Frage "Bist du dir sicher?" und in meinen Augen eine Sache, die man ebensogut den Personen stellen sollte, die sich bewusst für Kinder entscheiden. Mit einer Prise Humor stellt die Autorin dar, dass sich Personen nicht rechtfertigen sollten, wenn sie sich gegen Kinder entscheiden. Während ich dieses Buch las, saß ich durchgehend nickend da, da ich ihr so sehr zustimme. Gleichzeitig machte es mich auch aggressiv und wütend. Wütend über die Ungerechtigkeiten, die diese Entscheidung mit sich bringt. Wütend über die Aussagen von Politikern. Wütend über die weltweise Gesetzeslage was Abtreibungen betrifft. Wütend über religiöse Ansichten, Mutterschaft sei verpflichtend. Wütend über die Assertion, in Deutschland seie Gleichberechtigung doch schon längst erreicht. Denn Pungs zeigt in ihrem Buch, dass dies durchaus nicht der Fall ist. Gespickt mit persönlichen Erzählungen, aber auch mit anderen wissenschaftlichen Quellen legt die Autorin hier ein Augen öffnendes und gesellschaftkritisches Buch vor. Positiv überrascht war ich auch, dass hier nicht die binären Geschlechterrollen dargestellt worden sind, denn sie benutzt Beschreibungen wie "Personen mit Uterus". Gerade in den aktuellen Zeiten, in denen viele Länder Personen das Recht auf Abtreibung wegnehmen und mit Geburtenprämien locken ist "Nichtmuttersein" ein hochaktuelles Must-read für alle.
















