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Roman eines Schicksallosen

4.1(68)
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About the book

Imre Kertész ist etwas Skandalöses gelungen: die Entmystifizierung von Auschwitz. Es gibt kein literarisches Werk, das in dieser Konsequenz, ohne zu deuten, ohne zu werten, der Perspektive eines staunenden Kindes treu geblieben ist. Wohl nie zuvor hat ein Autor seine Figur Schritt für Schritt bis an jene Grenze hinab begleitet, wo das nackte Leben zur hemmungslosen, glücksüchtigen, obszönen Angelegenheit wird.

Editions (11)

ISBN9783499225765
PublisherROWOHLT Taschenbuch
Publication Date10/01/99
Pages288

Reviews & Ratings

68 ratings

10 reviews

4.1

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  • dasbuchzuhause
    dasbuchzuhause

    56 Followers

    5.0

    Imre Kertész ist es gelungen über das Unsägliche, das Überleben der Vernichtungslager, zu schreiben.

    In meiner heutigen Leseempfehlung geht es ums Überleben, ums Überleben der Schrecken von Ausschwitz und Buchenwald. Der ungarische Autor Imre Kertész erzählt die Geschichte eines 14-Jährigen, der erst nach Ausschwitz und dann nach Buchenwald und ins Arbeitslager Zeitz deportiert wird und die Lager überlebt. Der Roman beginnt damit, dass der Vater des Jungen, György Köves, Vorbereitungen trifft, da er weiß, dass er in eines der Arbeitslager kommen wird. Schon bald wird auch der Junge zum Arbeitsdienst eingeteilt und irgendwann nach Ausschwitz verschleppt, wo er sich als 16-Jähriger ausgibt, der arbeiten kann. So kommt er dann nach Zeitz. György ist ein Junge, dessen Beschreibungen erst einmal sehr naiv und angepasst wirken. Er ist sehr gehorsam und es wirkt so, als ob er vieles, was um ihn herum passiert nicht versteht. Nach und nach wird die Situation auch im Arbeitslager schlimmer - die sowieso nicht gute Versorgung schlechter und es besteht immer die Möglichkeit körperlicher Gewaltanwendung. Der Junge wird krank und schafft es wie durch ein Wunder auf die Krankenstation in Buchenwald und bleibt dort bis zur Befreiung. Das Buch geht an menschliche Grenzen und beschreibt das Überleben des Unsagbaren, des Schicksals, das nicht das eigene ist, sondern ein von außen aufgezwungenes Schicksal. Und darum dreht es sich. Wie damit leben, wie es überleben? Es ist keine leichte Kost, aber ein wichtiges Buch, großartig übersetzt von Christina Viragh. Imre Kertész beschreibt die Grenzen, an die der Junge György gebracht wird und lässt auch die Zeit nach der Befreiung nicht außen vor. Denn da beginnt ein neuer Kampf für ihn - die, die zuhause überlebt haben, wollen alles vergessen und auch ihn davon überzeugen, aber wie soll das gehen? Das Buch hat mich emotional mitgenommen und ich habe es zum Glück nicht alleine gelesen, sondern hatte jemanden, mit dem ich mich dazu austauschen konnte. Trotzdem, oder besser gerade deshalb empfehle ich es, denn mehr denn je gilt #NieWiederIstJetzt und dieses Buch macht das noch einmal sehr deutlich.

    Jan 23, 2026

  • b.wie.buch
    b.wie.buch

    19 Followers

    5.0

    Ein 15-jähriger Junge wird in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert und berichtet nüchtern und wertfrei von seinen Erlebnissen. Diese Art des Erzählens trifft mitten ins Herz und macht dieses Buch zu einem grandiosen, tief berührenden Meisterwerk.

    Jan 2, 2025

  • 4.5

    „Ich habe mir von dem Ganzen nur gemerkt, dass der Gefangene, der das Buch geschrieben hat, sich angeblich an die erste, von ihm also weiter weg liegende Zeit der Gefangenschaft besser erinnern konnte als an die späteren, dem Zeitpunkt des Schreibens näher liegenden Tage. Das hielt ich damals für ein wenig zweifelhaft, sozusagen für eine Erfindung. Nun, ich glaube, er hat doch die Wahrheit geschrieben - auch ich erinnere mich nämlich am besten an den ersten Tag, tatsächlich, wenn ich's bedenke, genauer als an die folgenden.“

    Dieses Buch begann für mich ruckelnd, so als musste der Autor sich erst einmal zurechtfinden und den Übergang von Fiktion zu den eigenen Bildern im Kopf finden. Wir haben es hier mit einem Protagonisten zu tun, der jeder hätte sein können. Zumindest jeder Jugendliche; denn er ist erst 15. Und genau diese Tatsache macht das Buch so grausam, weil man daran teilnimmt, wie der kindliche Geist , das Geschehen um ihn herum zu erklären, zu verstehen - ja, fast zu entschuldigen sucht. Bis immer mehr Realität einsickert und man miterleben muss, wie die Persönlichkeit immer mehr leidet und schließlich aufzugeben droht. Am Ende muss man sich dann die Frage stellen, was bei diesen Erfahrungsberichten überhaupt heißt: es ist gut ausgegangen. „Ich werde mein nicht fortsetzbares Dasein fortsetzen. Meine Mutter wartet auf mich und wird sich wahrscheinlich sehr über mein Auftauchen freuen, die Arme. Ich erinnere mich, früher hatte sie den Plan, dass aus mir einst ein Ingenieur, ein Arzt oder dergleichen werde. Es wird aller Wahrscheinlichkeit nach auch so werden, wie sie es wünscht; es gibt keine Absurdität, die man nicht ganz natürlich leben würde, und auf meinem Weg, das weiß ich schon jetzt, lauert wie eine unvermeidliche Falle das Glück auf mich. Denn sogar dort, bei den Schornsteinen, gab es in der Pause zwischen den Qualen etwas, das dem Glück ähnlich war. Alle fragen mich immer nur nach Übeln, den «Gräueln»: obgleich für mich vielleicht gerade diese Erfahrung die denkwürdigste ist. Ja, davon, vom Glück der Konzentrationslager, müsste ich ihnen erzählen, das nächste Mal, wenn sie mich fragen. Wenn sie überhaupt fragen. Und wenn ich es nicht selbst vergesse.“ Für mich ein wirklich gutes Buch, was in Erinnerung bleiben wird. ⭐️⭐️⭐️⭐️💫

    Feb 16, 2025

3 of 10 reviews

Author

About Imre Kertész

Imre Kertész, 1929 in Budapest geboren, wurde 1944 als 14-Jähriger nach Auschwitz und Buchenwald deportiert. In seinem «Roman eines Schicksallosen» hat er diese Erfahrung auf außergewöhnliche Weise verarbeitet. Das Buch erschien zuerst 1975 in Ungarn, wo er während der sozialistischen Ära jedoch Außenseiter blieb und vor allem von Übersetzungen lebte (u.a. Nietzsche, Hofmannsthal, Schnitzler, Freud, Joseph Roth, Wittgenstein, Canetti). Erst nach der europäischen Wende gelangte er zu weltweitem Ruhm, 2002 erhielt er den Literaturnobelpreis. Seitdem lebte Imre Kertész überwiegend in Berlin und kehrte erst 2012, schwer erkrankt, nach Budapest zurück, wo er 2016 starb.

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