Mein Name ist Estela

Mein Name ist Estela

Hardback
3.8166

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Description

»Wer Estela zuhört, wird ihre Stimme nicht mehr vergessen. Ein Roman, der aufrüttelt wie kein zweiter.« (Mareike Fallwickl) Das Mädchen ist tot, die Haushälterin wird vernommen. Zum ersten Mal hören alle Estela zu. Szene um Szene offenbart sie ein schwindelerregendes Kammerspiel unüberbrückbarer Klassenunterschiede. Sieben Jahre hat Estela im Haus der fremden Familie gelebt, hat tagein, tagaus für sie gesorgt. Die karierte Schürze ist zu einer zweiten Haut geworden, die dünnen Wände ihres Zimmers sind immer näher gerückt. Doch sie ist nicht die einzige Gefangene des Hauses: Im leeren Blick des Mädchens sieht Estela ihre eigene Einsamkeit gespiegelt. Jeder Versuch von Intimität zwischen Angestellter und Kind zerschellt an der ehrgeizigen Mutter und dem autoritären Vater, an der Brutalität der Verhältnisse. Auf engstem Raum ringen vier Menschen ums Überleben und rasen doch unausweichlich auf eine Katastrophe zu.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
240
Price
24.70 €

Author Description

Alia Trabucco Zerán, geboren 1983 in Santiago de Chile. Ihr Debütroman "Die Differenz" (2021) wurde für den International Booker Prize nominiert und 2022 mit dem British Academy und dem Anna Seghers-Preis ausgezeichnet. Mein Name ist Estela ist ihr erster Roman bei Hanser Berlin.

Characteristics

1 reviews

Mood

Sad
Funny
Scary
Erotic
Exciting
Romantic
Disturbing
Thoughtful
Informative
Heartwarming
71%
N/A
N/A
N/A
32%
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48%
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42%
N/A

Protagonist(s)

Likable
Credible
Developing
Multifaceted
21%
85%
48%
48%

Pace

Fast0%
Slow100%
Moderate0%
Variable0%

Writing Style

Simple0%
Complex0%
Moderate100%
Minimalistisch (100%)

Posts

41
All
5

Ein großartiges Buch - absolutes Highlight !

Ich habe das Buch von der ersten Seite an geliebt und 'habe mit Estela gelitten'. Die "Pointe", der Tod des kleinen Mädchens, wird quasi vorweggenommen- doch büßt der lange, eindringliche Monolog Estelas dadurch nichts an Spannung ein. Estela, Hausangestellte in Chile, scheint des Mordes verdächtig zu sein und polizeilich verhört zu werden. Eindringlich verschafft sie sich Gehör, spricht den Leser, ihr "Publikum" direkt an -( m.E. ein genialer stilistischer Schachzug, der den Roman u.a. so besonders macht) und berichtet über den harten, trostlosen Alltag, den sie stoisch meistert, ohne von den bornierten, gefühlskalten Hausherren tatsächlich als Mensch wahrgenommen zu werden. Man wundert sich, was diese Frau in den sieben Jahren in diesem wohlsituierten Haushalt erträgt, wie sie Demütigungen erduldet den Tod der Mutter und des geliebten Straßenhundes verkraften muss ... ohne jemals emotionale Ansprache, geschweige denn Wertschätzung oder respektvolle Zuneigung zu erhalten. Ihr einziger Rückzugsort, ist eine winzige, von der Küche abgetrennte Kammer - ein alter Fernseher die einzige Zerstreuung. Obwohl sie aus einfachen ärmlichen Verhältnissen stammt, scheint sie klar zu erkennen, welche Fehler die karrieresüchtige, frustrierte Mutter und der autoritäre, und was die Tochter betrifft , krankhaft ambitionierte Vater machen. Das Mädchen wird zunehmend verstörter, störrischer und verzweifelter ...das tragische Ende unvermeidbar... Doch die Frage, ob man am Ende Estelas Ausführungen glaubt und von ihrer Unschuld überzeugt ist, bleibt m.E. offen. Ich für meinen Teil, bin von Estelas Plädoyer überzeugt !

Ein großartiges Buch - absolutes Highlight !
4

Gutes Hörbuch unter 7 h

»Es gibt so viele Formen zu sprechen. Die Stimme ist nur die simpelste unter ihnen.« In dieser Geschichte erzählt eine Haushälterin namens Estela rückblickend von den Jahren, die sie im Haus einer wohlhabenden Familie verbracht hat und von den Ereignissen, die ALLES verändert haben. Der Roman kreist stark um soziale Ungleichheit, emotionale Distanz und das Gefühl, in fremden Lebenswelten unsichtbar zu bleiben. Einsamkeit, Machtverhältnisse und unterschwellige Spannung ziehen sich durch die ganze Geschichte. Der Einstieg fiel mir zunächst schwer, doch mit der Zeit konnte ich mich immer besser darauf einlassen. Estela spricht direkt zu einer Zuhörerschaft, was einerseits sehr intensiv wirkt, mich andererseits manchmal aus dem Lesefluss gerissen hat. Die ständigen Unterbrechungen und Selbstkommentare fühlten sich für mich nicht immer stimmig an und sorgten dafür, dass sich einige Passagen in die Länge zogen. Thematisch hat mich der Roman definitiv (!!!) abgeholt, gerade die Darstellung von Klassenunterschieden und emotionaler Isolation fand ich so soooo stark und tiefgründig. Mit der erzählerischen Umsetzung bin ich jedoch nicht ganz warm geworden. Dennoch habe ich das Hörbuch sehr gern gehört und empfehle es für diejenigen, die ein eher kürzeres Hörbuch suchen.

Gutes Hörbuch unter 7 h
3.5

"Diese Geschichte hat mehrere Anfänge. Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, dass sie nur aus Anfängen besteht. " Und das stimmt. Es werden einzelne Episoden aus dem Leben von Estela erzählt. Estela erzählt sie und ich bin mit diesem Erzählstil leider nicht so richtig warm geworden. Das war irgendwie nicht meins. Die Geschichte an sich ist spannend und der Spannungsbogen bleibt auch bis zum Schluss erhalten. Estela hatte kein einfaches Leben und hat dieses auch jetzt nicht, in der Familie der sie dient. Die Sprache ist zum Teil wirklich mitreißend. "Das Wort Wut z. B., besteht aus gerade mal drei Buchstaben. Drei Buchstaben, weiter nichts. Und trotzdem stand meine Brust in Flammen. " Sehr liebevoll war die Beziehung zu ihrer Mutter. Diese Episoden gehörten für mich zu den schönsten in dem Roman. Herzzerreissend, wie liebevoll die Frage nach einer Mütze sein kann. "Niemand würde es fragen, ob es seine Wollmütze trug. Ich liebte diese Frage. Und wie ich diese Frage liebte." Für viele kann dieses Buch sicherlich ein Highlight sein. Vielleicht hat es mich zur falschen Zeit erwischt.

4

Auf den Platz verwiesen

Estela erzählt, wir hören zu. Sie erzählt, wie sie nach Santiago ging, um dort als Hausmädchen Geld zu verdienen und so ihre Mutter zu unterstützen. Sie erzählt, wie sich ein finanziell stetiges aber zwischenmenschlich distanziertes Verhältnis zur Señiora und dem Señior des Hauses entwickelt, welches immer wieder durch „den Blick von oben herab“ bestimmt wird. Und sie erzählt, wie sie das Kind der Herrschaften aufzieht und auch dort eine seltsame Unnahbarkeit spürt, bis sie alles verliert. Estela wird dabei wortwörtlich und auch metaphorisch immer wieder auf ihren Platz verwiesen. Die Herrschaften behandeln aber nicht nur sie mit einer bemerkenswerten Kühle, sondern auch das eigene Kind Julia, welches durch abwechselndes Herausfordern und Anschmiegen eine eigenwillige Beziehung zu dem Hausmädchen aufbaut. Auch Estela bleibt über große Teile des Textes eher auf Abstand, nennt Julia beispielsweise fast ausschließlich „das Mädchen“, während der zugelaufene Straßenhund schnell zu „meine Ioanni“ wird. Nur im Gespräch mit dem Leser, dem Zuhörenden entwickelt Estela ein fast herrisches Selbstvertrauen und verweist andere auf ihre Plätze, indem sie Anweisungen wie „Hört jetzt genau zu!“ gibt. Auch wenn das Ende von Estela’s Leben als Hausangestellte direkt vorweggenommen wird, liegt doch eine dauerhafte Spannung in der Luft, eine Schwere, die einem manchmal den Atem verschlägt. Leider hat mich die allerletzte Abzweigung der Geschichte nicht ganz überzeugt - der Rest ist die starke Beobachtung einer Ordnung, in der es nur Verlierer geben kann.

5

Ein ergreifendes literarisches Werk l

“Mein Name ist Estela” von Alia Trabucco Zerán ist ein Pageturner, man ist im Bann der Erzählerin und gefesselt von der Geschichte. Die Autorin schreibt einen Roman über die Klassengesellschaft in Chile. Estela, eingesperrt in einer chilenischen Zelle erzählt unbekannten Zuhörern, vielleicht der Polizei oder vielleicht auch niemandem, vom Tod des siebenjährigen Mädchens. “Der Ausgang ihrer Geschichte bleibt immer gleich: Das Mädchen stirbt.” Ein Mädchen, das ihr im Laufe der Jahre ans Herz gewachsen war. Estela kam vor sieben Jahren als Haushälterin zu der Familie. Die Señora war schwanger und Estela, das Hausmädchen, durfte sich von Geburt an um das kleine Mädchen kümmern. Ist es ihre Schuld, dass das Kind gestorben ist? Estela erklärt den stillen Zuhörern, dass diese besondere Geschichte viele Anfänge hat und holt weit aus. Sie erzählt von ihrer Mutter und ihrer Jugend, von ihrem Fortgang aus dem kleinen Dorf und den Beginn ihrer Zeit als Hausmädchen bei der Familie. Sie braucht den Lohn zur finanziellen Unterstützung der Mutter und einen geplanten Anbau an ihr Häuschen. Unbeschönigt erzählt die vierzigjährige Haushälterin den Ablauf im Haus, ihre Tätigkeiten, ihre Rolle in dem Haus und ihre Zuneigung zu der Familie. Estela will keine Zeit mit ihren ausschweifenden Erzählungen schinden, sondern erzählt so ausufernd, damit die Zuhörer den Sinn von Ursache und Wirkung /Folgen verstehen können. Der leere, traurige Blick des Mädchens, die hohen Anforderungen der Eltern an das Kind, die wenigen Freunde und Freuden, die Einsamkeit, alles das lässt Estela in ihre Geschichte einfließen. Ein autoritärer Vater, der nur das Beste für das Kind möchte und eine gefühlskalte, erfolgsorientierte Mutter, die das anstrengende, oft schreiende Kind nicht versteht, spitzen die Tragödie zu. Aber auch die kleinen Glücksmomente werden von der Autorin emotional beschrieben. Die Autorin zieht den Leser in das Leben der kleinen Familie und in die Gefühlswelt der Hausangestellten. Ein Leben zu Diensten einer fremden Familie, ein Leben mit deren Intimitäten und Gepflogenheiten und doch nicht zugehörig. Niemand aus diesem Haus fragt Estela, wie es ihr geht. Niemand interessiert sich als Mensch für das Hausmädchen. Und doch hat Estela die Familie gern, das kleine Mädchen und einen zugelaufenen Hund in ihr Herz geschlossen. Ein Weggehen / Zurückgehen ist deshalb nicht geplant und so vergehen die Jahre. Jeden Tag wird gewischt, gewaschen, gebügelt und gekocht. Macht es ihr etwas aus? Dann passiert etwas unvorhergesehenes und Estela redet nicht mehr. Es ist auch in diesem Haushalt nicht notwendig. Oder ist es schlimm für das kleine Mädchen? Die Autorin lädt mit diesem Roman zum Nachdenken ein. Die fiktiven Personen werden authentisch dargestellt, das Leben aus Sicht der Angestellten sehr detailliert beschrieben und die Gefühlskälte der Eltern und die große Traurigkeit des kleinen Mädchens sind spürbar. Ein ergreifendes literarisches Werk, sehr zu empfehlen.

Ein ergreifendes literarisches Werk l
4

Berührendes und zum Nachdenken anregendes Buch über das Leben einer Haushälterin in Chile. Das Machtgefälle zwischen Arbeitgeber und Hausmädchen war besonders spannend zu beobachten ... es sind oft die kleinen Seitenhiebe, die am meisten schmerzen. Empfehlenswert.

4

Eine tolle Geschichte aus Argentinien!

"Manchmal frage ich mich nachts, wie seine Erinnerungen aussehen würden. Ich meine das Mädchen, wen sonst, das tote Mädchen, das uns in diesen Schlamassel geführt hat." S. 60 Das Mädchen ist tot. Estela, die Haushälterin, die seit 7 Jahren bei der Familie angestellt ist, beginnt ihren Monolog. Wie sie zur Familie kam, vom Anfang bis zum Ende. Denn hier, im Verhörraum sieht sie ihre Chance. Hier hört man ihr endlich zu, niemand unterbricht sie, sie hat nun die Zügel in der Hand. Hat sie Schuld am Tod des Kindes? War es ein unausweichlicher Racheakt an dem unverschämten Mädchen? An den Eltern, die in all den Jahren in Estela immer nur eine Frau niederer Klasse sahen? Alia T. Zerán hat einen spannenden Roman über den Konflikt der sozialen Klassen geschrieben. Denn hier geht es um viel mehr, als den Tod eines Kindes. Durch die Worte von Estela erfahren wir über die Enttäuschung, die Migration mit sich bringen kann. Mit dem Plan Geld für sich und ihre Mutter zu verdienen, verlässt sie ihr Inseldorf und zieht in die Großstadt um bei einer wohlhabenden Familie zu arbeiten. Sie pflegt das Haus, macht die Wäsche, kocht und hütet das kleine Mädchen. Obwohl wir von Beginn an wissen, dass das Kind stirbt - ein Kind mit furchtbarem Charakter-, verliert die Geschichte nie an Spannung. Immer herrscht eine unbehagliche Stimmung und man merkt: Da hat sich über Jahre etwas zusammengebraut. Ein Frust hat sich in Estela angesammelt, bedingt durch die Kluft zwischen ihr und der wohlhabenden Familie. Das Wissen darum, dass sie sich etwas teilen, was doch nie beiden Seiten gehören kann. Diese Geschichte macht wütend, unglaublich wütend. Ein Vater der sein Kind schon früh mit Drill erzieht, eine Mutter, die ihrer Tochter ihre eigenen Vorstellungen aufzwingt und ein Mädchen, das sich in kindlicher Manier gegen die Erwachsenen auflehnt. Da ist die Katastrophe vorprogrammiert, oder? Neben dem Inhalt hat mir auch die rohe und dennoch kraftvolle Sprache sehr gut gefallen und ich konnte mir die Szenen, die uns Estela darlegt, bildlich wunderbar vorstellen. Ein authentischer, gesellschaftskritischer Roman, den ich euch allen empfehlen möchte! Bisher eines der besten Bücher 2024!

3.5

Dieses Buch hat für mich seine Stärken und Schwächen. Es ist ein wahrer Pageturner durch die kurzen Kapitel und hat mich emotional in vielerlei Hinsicht sehr ergriffen. Zum Ende hin war es mir etwas zu konfus, allerdings wohl passend zur Situation.

4.5

"[...] manchmal sah es so aus, als würde ich euch von Abzweigung zu Abzweigung führen, aber so ist es nun mal. Ohne Abzweigungen kann man die Hauptstraße unmöglich ausmachen."

Über den Roman von Alia Trabucco Zerán bin ich beim Stöbern in der Buchhandlung gestolpert und der Klappentext hat mich gleich neugierig gemacht. In "Mein Name ist Estela" erzählt die gleichnamige Protagonistin von ihrem Leben als Haushälterin und wie es zum Tod der Tochter des Hauses kommen konnte. Dabei ist es erschütternd, wie wenig die Menschen, mit denen sie unter einem Dach lebt, von ihr wissen und vor allem von ihr wissen wollen. Estela hingegen bekommt vieles mit, darf sich aber nicht einmischen und ihr eigenes Leben ist reduziert auf ein winziges Nieschenzimmer neben der Küche. Ich bin froh, die Gedanken von Estela gehört zu haben, ihre vielschichtigen Erkenntisse und Gefühle, die sie neben der alltäglichen Arbeit von Putzen, Kochen und Einkaufen erlebt und mit niemandem teilen kann. Ich habe Estela in mein Herz geschlossen und dort wird sie auch erstmal bleiben.

3.5

Eine bedrückende Atmosphäre, die das Hausmädchen Estela der Leserin nahe bringt. Unter keinen Umständen möchte man so leben. Die Klassenunterschiede werden sehr deutlich - im Handeln, in der Sprache und in der Ausweglosigkeit. Der Tod des Mädchens war für mich zweitrangig, eher eine notwendige Konsequenz. Das Sterben an sich ist hier ein zentrales Motiv. Letztlich konnte mich das Buch aber nicht richtig catchen. Und das ist mehr so ein Gefühl, als wirklich begründet.

5

Ein psychologisches Meisterwerk: Estela spricht direkt zu uns und offenbart ihre schonungslose Lebensgeschichte. Sie zeigt Klassenunterschiede und Entmenschlichung in einer nüchternen, kraftvollen Sprache auf, die das Unrecht spürbar macht.

5

Ein fantastisches Buch das deutlich macht, wie schnell Hausangestellte als selbstverständlich gesehen werden, wie Menschen mit Menschen umgehen

Ich durfte das tolle Buch "Mein Name ist Estela" von Alia Trabucco Zerán aus dem Hanser Berlin Verlag in einer Leserunde von Lovelybooks lesen und dieses Buch ist schon etwas anderes als andere Bücher. Für den Klappentext einfach rüberwischen. Es handelt sich hier in dieser Geschichte um die Hausangestellte Estela Garcia, die bereits seit sieben Jahren im Haus der Familie Anwältin Mara und Arzt Cristobal mit der Tochter Julia. Gleich zu Beginn der Geschichte wird dem Leser klar und deutlich mitgeteilt, dass das Mädchen stirbt. Das ganze Buch liest sich so, als ob Estela von der Polizei vernommen wird und gerade ihre Zeit bei der wohlhabenden Familie Revue passieren lässt. Ich empfand dieses Buch etwas ganz besonderes. Estela hat einen relativ ruppigen abgeklärten Ton an sich. Aber, wer jahrelang als selbstverständlicher Besitz und sich von klein auf an immer schon durchkämpfen musste, darf auch einen barschen Ton haben. Mal darf sie mit am Esstisch gemeinsam mit der Familie essen und sonst immer, wenn alle anderen fertig sind allein in der Küche. Sie "wohnt" in einem Hinterzimmer der Küche. Estela ist für den Haushalt, fürs Kochen und natürlich auch für die Kindesbetreuung und -Erziehung zuständig. Allerding ist Julia, eben dieses Kind kein einfaches Mädel, sie hat auf der einen Seite viele Verhaltensweisen ihrer Eltern gegenüber der Haushälterin abgeguckt und auf der anderen Seite schreit sie förmlich um Aufmerksamkeit und Liebe ihrer Eltern, die wiederum nur ihre Jobs im Vordergrund sehen. Es ist ein großartiges Buch in meinen Augen und ich sage von ganzem Herzen Danke, dass ich es lesen durfte.

4

Absolut mitreißend und definitiv zu empfehlen. Mir persönlich geht es immer am nähesten wenn Tiere involviert sind, das berührt einen irgendwie nochmal mehr. Vom Ende habe ich mir ehrlicherweise mehr erhofft.

4

Kurzweilig, unterhaltsam und toll gelesen!

In diesem Roman geht es um Estela, die Haushälterin eines Ehepaares in San Diego. Sie erzählt ihre Geschichte in einer Art Verhör; ihre eigene, aber auch die ihrer Dienstherren und deren Tochter. Das Mädchen ist tot und Estela wird beschuldigt. Aber was ist tatsächlich passiert? Ich habe das Buch als Hörbuch gehört und fand es wirklich toll gelesen. Der Schreibstil war locker und gut verständlich, mit Einwürfen, die einen daran erinnert haben, dass Estela immer noch erzählt, und dabei berührend. Hinter dem Offensichtlichen gab es noch eine zweite Ebene. Eine, die mit Rassismus und Klassismus zu tun hat, mit ungleichen Bildungschancen, mit Geld, das einem in die Hände fällt oder eben nicht. Und - trotz der schönen und teils auch komischen Momente - ist das Buch eben eine Alltagstragödie, auf seltsam angenehme Weise erzählt. Hier und da hätte ich mir etwas mehr Tiefgang gewünscht, den ein oder anderen Faden gab es, der zwar vorhanden war, aber dann mehr oder minder einfach in der Luft hing. Ansonsten aber ein gutes und unterhaltsames Buch.

Kurzweilig, unterhaltsam und toll gelesen!
4

Dieses Buch ist anders spannend. Lest es einfach, ihr werdet es nicht bereuen.

4

Echt gut, interessante und spannende Erzählperspektive. Sicht einer Haushälterin in Chile. Tochter des Hauses stirbt, die Protagonistin ist scheinbar angeklagt.

3.5

Die Geschichte eines Haushaltsmädchens in Chile, die mich als Leserin in einer erfrischend anderen Erzählweise, nämlich in einem Monolog der Protagonistin direkt anspricht. Mal nüchtern, mal anklagend, mal auffordernd. Das 7 jährige Mädchen, die Tochter von Estelas Arbeitgebern, ist tot. So startet die Geschichte, die dann in Rückblenden und verschiedenen Momentaufnahmen die 7 Jahre erzählt, die Estela in dieser Familie gearbeitet und gelebt hat. Deutlich wird dabei der offenkundige Klassenunterschied beschrieben, aus dem Mund der selbstbewussten, wütenden Erzählerin. Ein Leseerlebnis, das mich trotzdem mit einigen Fragezeichen zurücklässt.

4

Packendes Kammerspiel über Klassismus, Familie & unüberbrückbare Einsamkeit.

3

Zwiegespalten

Grundsätzlich mochte ich die Story und dass das ganze Buch im Endeffekt eine Erzählung an die Polizei ist. Und ich mochte Estelas gnadenlose Ehrlichkeit und die Einblicke in ihren Alltag, der von Arbeit, Unsichtbarkeit, mangelndem Respekt und Herablassung geprägt ist. Dennoch gelang es mir nicht so recht, Zugang zu den Charakteren zu finden. Ich konnte Estelas Situation verstehen, aber das Buch hat emotional nichts mit mir gemacht. Am wenigsten konnte ich ihre tiefe Liebe zu ihrer Mutter in Einklang damit bringen, wie ihre Mutter sie in ihren Erinnerungen vehandelt bzw mit ihr gesprochen hat. Der Schluss ihrer Erzählung war zeitgleich beiläufig und chaotisch, hat mich aber emotional nicht berührt. Und das Ende des Buches hat mich dann mit der Frage zurückgelassen: wozu das Ganze...

4.5

Ein mitreißendes Buch über Klassenunterschiede, unsichtbare Hausangestellte und Unglück. Ich habe es in einem Rutsch gelesen.

5

fesselnd und bedrückend

Ich hatte keine große Erwartungen an das Buch. Ich freute mich lediglich darauf, mehr über die Arbeit von einem Hausmädchen zu erfahren. Letztendlich hat mich das Buch vollkommen überrascht. All die Tragödien und Abgründe sah ich wirklich nicht kommen. Es geht um Klassenunterschiede, aber auch um zwischenmenschliche Beziehungen. Die Geschichte wird aus der Perspektive von Estela erzählt. Die Erzählung gleicht einem Verhör und als Leser:in wird man dabei häufig von Estela persönlich angesprochen. Das kann teilweise etwas provozierend wirken. Ich glaube, man mag die Erzählperspektive oder man mag sie eben nicht. Mich jedenfalls hat Estela damit vollkommen in ihren Bann gezogen. Es sind aber auch die komplexen Charaktere und die Beziehungen zwischen den Protagonisten, die mich regelrecht gefesselt haben, gleichwohl ich häufig Antisympathie und Unverständnis verspürt habe. Da wären z.B. die Senora und der Senor, das emotions- und lieblose Ehepaar, für das Estela sieben Jahre lang arbeitet. Ihre Tochter Julia wird geboren. Ich habe dem Mädchen gegenüber Mitleid und Unverständnis in gleichen Maßen empfunden. Man hadert beim Lesen immer wieder mit sich selbst. Und dann wäre da noch Estelas Mutter, die eigentlich nicht wirklich da, aber dennoch immer präsent ist. Die Stimmung beim Lesen war anhaltend bedrückend. Ich hatte nicht das Gefühl aufatmen zu können. Viel mehr habe ich mit anhaltendem Atem ständig auf die nächste Katastrophe gewartet. Das Buch lässt sich aber - trotz der Schwere, die sich kontinuierlich aufbaut - sehr flüssig lesen. Ich habe bisher kein vergleichbares Buch gelesen und mochte es insgesamt überraschend gerne. Ich habe das Buch beendet und musste das Gelesene erst einmal sacken lassen. Das Ende lässt viele Fragen offen, passt insgesamt aber sehr gut zur gesamten Tragödie, die sich abspielt.

4

Einblick in Abgründe

Ein spannender Roman mit sehr eigenwilliger Erzählweise. Estella sekbst erzählt aus der Ich Perspektive ihr Geschichte, sie ist ein Hausmädchen und es entfaltet sich ihr Schicksal in kurzen gerade Sätzen, die jedoch einen eigenartigen Sog entwickeln. Mit tat sie sehr leid, das Schicksal der Armen in sklavenähnlichen Situationen und die reichen Fanilien, ebenfalls unglücklich und unzufrieden mit ihrem Leben, eine ungute Symbiose und das Mödchen völlig verstört und verhaltensauffällig, mit allen hat man Mitkeid und möchte nicht tauschen. Man weiss, es geht nicht gut aus und starrt trotzdem gebannt……Gegen Ende wird es etwas wirr und der Schluss gefällt mir auch nicht.

4

Ein spannendes Buch über Klassenunterschiede und die Unsichtbarkeit von Hauspersonal. Auch als Hörbuch eine Empfehlung!

3.5

Leider war mir die Protagonistin so wenig sympathisch und die Erzählweise mit dem Durchbruch der vierten Wand erlaubten mir kaum mich emotional beteiligt zu fühlen. Ich fühlte mich die ganze Zeit als Zuschauerin eines Theaterstücks. Obwohl die Geschichte inhaltlich so viel Potential für emotionale Nähe gehabt hätte. Aber wahrscheinlich war es nicht das Ziel der Autorin, sondern den Klassenkampf zu zeigen. Die beiden Seiten spiegeln sich vortrefflich in der Beziehung der chilenischen Familie und ihrer Hausangestellten. Die starke Suspense hielt mich bis zum Ende auf meinem Zuschauerstuhl gefesselt.

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2

Ich fand die Kurzbeschreibung sehr interessant, das Buch allerdings sehr ermüdend und langatmig. Sprache und Story haben mich nicht gecatcht und ich frage mich nach dem Ende der Geschichte immer noch, wieso die Hauptfigur letztlich vernommen wird. Für mich ist der Schluss in sich nicht schlüssig bzw. zu parabelhaft. Der Handlungsbogen von der ersten Begegnung mit den Arbeitgebern bis zum Tod des Kindes und der Exkurse in die Vergangenheit Estelas dazwischen ist schon gut erzählt, holt mich letztlich aber gar nicht ab und bis zum Ende zu kommen, war eine ganz schöne Quälerei.

3

Das Ende hat mir nicht gefallen

3.5

Ein bedrückender Roman über Klasse

"So geht es doch meistens im Leben: ein Tropfen, ein Tropfen, ein Tropfen, ein Tropfen, und dann fragen wir uns erstaunt, warum wir ganz nass sind." Estela, die Haushälterin einer wohlhabenden Familie in Chile, führt ein sehr isoliertes Leben im Haus des Paares, für das sie arbeitet. Ihre kranke Mutter lebt zu weit weg, um sie zu besuchen, sie hat keinerlei Freundschaften und hat soziale Kontakte oft nur zu der unglücklichen Señora, ihrem meist abwesenden Mann oder zum Kind, das Leistungsdruck und Klassendiskriminierung schon früh gelernt hat, nicht aber Empathie und Liebe. Das einzig Positive, das Estela in vielen Jahren widerfährt, ist die Freundschaft zu einer Hündin, die ihr regelmäßig Gesellschaft leistet. Doch auch das wird durch die Schikanen der Familie kaputt gemacht. Der absolute Tiefpunkt ist erreicht, als eine Verbrecherbande nicht nur die Familie ausraubt, sondern auch Estela als vermeintliche Klassenverräterin demütigt. Estela lebt das Leben von vielen, sie sieht Doppelgänger*innen in ihrer Mutter, in fremden Frauen auf der Straße und später dann im Fernsehen, als die arbeitende Klasse aufbegehrt gegen die Ausbeutung und Ungerechtigkeiten. Ihr unsichtbares Leben zeigt sich auch darin, dass das ganze Buch eine Schilderung von Estela als Ich-Erzählerin ist, die sie hinter Gittern anonymen Polizist*innen erzählt, die auf der anderen Seite der blickdichten Scheibe sitzen. Sie weiß nicht, ob ihr überhaupt jemand zuhört und spricht immer wieder die potenziellen Zuhörenden an - und stellvertretend dafür uns als Lesende, die Voyeur*innen. Ich empfand das Buch als sehr deprimierend, ohne Höhen, dafür mit vielen Abstufungen von Tiefen. Die Perspektivlosigkeit setzt sich über den Verlauf immer mehr fest, wie Staub, der in alle Ritzen und Ecken gelangt. Der Ausgang der Geschichte wird gleich zu Beginn sehr deutlich, dennoch hört man Estela zu und hofft, dass es irgendwo doch etwas Glück für sie gibt, doch ein Stück Zuversicht, von dem sie zehren kann. Ein bedrückender Roman über Klasse mit einer eher ungewöhnlichen Erzählweise. Übersetzt von Benjamin Loy. CN: T0d, Su1zid, Krebs, Tierquäl3rei, Depr3ssion, Es$störung, Kindst0d

4

Unerwartet interessantes und etwas anderes Buch als ich sonst so lese. Die eher bedrückende Geschichte konnte mich schnell abholen und wurde aus Sicht des Hausmädchens Estela erzählt die ihre ganz eigene Art hat mit den Dingen umzugehen. Hat mich sehr berührt und kann ich auch als Hörbuch sehr empfehlen.

4

"Der Tod kann warten. Er ist das Einzige, was im Leben wirklich warten kann." "Doch aus einem Geheimnis entsteht nie etwas Gutes." Mein Name ist Estela erzählt die Geschichte der Haushälterin Estela, die 7 Jahre lang bei einer wohlhabenden Familie gearbeitet hat und nun in Verdacht steht, etwas mit dem Tod der 7jährigen Tochter zu tun zu haben. Erzählt wird aus der Ich-Perspektive der Protagonistin. Dabei spricht sie ihre Zuhörer, wahrscheinlich Polizisten oder Anwälte direkt an. Als Leser fühlt man sich, als ob man Estela direkt gegenüber sitzen würde. An den Erzählstil muss man sich gewöhnen, da man die jeweiligen Informationen, die man erhält, nicht immer gleich einordnen kann. Hauptsächlich berichtet Estela von ihrer Arbeit im Haus des Señors und der Señora. Beginnend bei der Einstellung. Vieles was man danach rfährt, ist nicht chronologisch. Dann kommen auch noch Erlebnisse aus Estelas Kindheit bzw. Weisheiten ihrer Mutter dazu. Was man im ersten Moment als unwichtig erachtet, hat am Ende alles seine Betechtigung. Von Anfang an ist klar, dass die Tochter des Hauses tot ist und Estela festgenommen wurde. Aber erst ganz am Ende erfährt man Näheres darüber. Ein kluger Schachzug der Autorin, da man als Leser ungeduldig darauf wartet und auch nach frühen Hinweisen sucht. Was Estela zu berichten hat, ist keine leichte Kost, auch wenn sie im Plauderton erzählt wird. Die Autorin packt hier wichtige Themen, wie z.B. der Unterschied zwischen Arm und Reich, sowie der Umgang mit Bediensteten, Ausbeutung und Demütigung auf. Aber auch gesellschaftliche Ideale, sowie Anforderungen an ein Kind aus gutem Hause, werden angesprochen. Die Geschichte spielt in Chile. Estela war mir von Anfang an sympathisch, auch wenn ich nicht alle ihre Handlungen nachvollziehen konnte. Sie kümmerte sich aufopferungsvoll um das Mädchen, von dem sie lange Zeit nicht einmal den Namen wusste. Ein lesenswerter Roman, den ich nicht mehr aus der Hand legen konnte, an dessen Schreibstil man sich aber gewöhnen muss.

3

Zuerst fand ich das Buch wirklich spannend, aber so in den letzten 60 Seiten hat es mich irgendwie verloren. Es geht um den Tod des Kindes, aber ein großes Mysterium gibt es an sich nicht zu ergründen. Eine Geschichte, die ich wahrscheinlich in ein paar Monaten schon vergessen haben werde, und von der ich nicht so wirklich weiß, was sie mir eigentlich sagen wollte.

5

Beeindruckendes und starkes Buch. Ein Hausmädchen in Chile bei einer wohlhabenden Familie und dann wird die Tochter der Familie tot im Pool gefunden. Aus der Perspektive des Hausmädchens wird die Geschichte erzählt. Aus dem Gefängnisgewahrsam erzählt sie uns ihr Leben. Sehr gefühlvoll und schonungslos geschrieben. Auf den Schreibstil einlassen und man versinkt tief in der Geschichte.

4

Sehr gut, klare Empfehlung. Spannende Erzählperspektive!

3

Interessant, kurzweilig

4

Kurzweiliges Buch mit spannender Perspektive

4

Es war etwas ganz besonderes

4

Intensives und beklemmendes, literarisches Kammerspiel über die Ungerechtigkeit der sozialen Klassenunterschiede in Lateinamerika aus der Sicht einer über Jahre gedemütigten Hausangestellten. Die Kapitel sind eher als Szenen zu beschreiben, selten länger als 4-5 Seiten und fast jede für sich genommen bärenstark. Die Ausgangssituation, dass die Ich-Erzählerin aus einer Art Untersuchungshaft heraus rückblickend von ihren sieben Jahren in diesem Haushalt, die in einer Tragödie enden, erzählt und dabei die vierte Wand durchbricht und die Lesenden direkt anspricht, wirkt etwas konstruiert, ist aber immer wieder auch durchaus raffiniert und faszinierend gemacht. So bekommt man als Lesende*r mehrfach das Gefühl, als Zeuge aus dieser sich anbahnenden Katastrophe selbst nicht entkommen zu können. Ein cleverer Schachzug der Autorin, der nicht immer, aber meistens funktioniert. Mein Name ist Estela ist ein Buch, das zutiefst wütend macht. Kraftvoll und virtuos schildert die Autorin von leider nach wie vor aktuellen unfassbaren Ungerechtigkeiten. Ihre Protagonistin Estela tut ihr Übrigens, denn sie ist eine bärenstarke und atemberaubende Figur, die ich so schnell nicht vergessen werde. Fazit: Ein grandioses Kammerspiel, ein literarisches Ereignis. Leseempfehlung: Unbedingt!!!

5

Ergreifend und bewegend. Ich konnte nicht aufhören zu lesen. Gesellschaftskritik aus Chile.

3

Sieben Jahre war Estela Haushälterin für eine Familie und hat sich um den Haushalt und die Tochter gekümmert. Diese ist nun tot und Estela wird verhört. Sie erzählt ihre Geschichte, von all den Jahren, die sie mit dieser fremden Familie unter einem Dach gelebt hat, von unüberbrückbaren Klassenunterschieden und auch von ihrer eigenen Kindheit. Ich wollte Estelas Geschichte unbedingt lesen, da mich Geschichten über Klassenunterschiede stark ansprechen und mich der Kammerspiel-Aspekt, welcher im Klappentext versprochen wurde, neugierig gemacht hat. Leider muss ich gestehen, dass ich mit der Geschichte nicht so richtig warm geworden bin. Estela erzählt, was sie in den letzten sieben Jahren erlebt hat, in einem nicht ganz bekannten Setting. Vermutlich sitzt sie auf einer Polizeiwache und hinter einer Scheibe könnten Menschen sein, die alles, was sie sagt, aufnehmen. Der Text lässt jedoch offen, ob diese tatsächlich da sind, oder ob sie eigentlich mit sich selbst spricht. Diese Unklarheit passte gut zum Rest des Textes. Estela selbst ist ein seltsamer Charakter, den ich bis zum Ende des Textes nicht vollständig greifen konnte und ich glaube, dass viele meiner Probleme mit diesem Buch daraus entsprangen. Wenn sie erzählt, was sie erlebt hat, dann bleibt sie dabei völlig emotionslos. Sie lässt uns selten wirklich in ihren Kopf gucken und erklärt beinahe nie, was sie sich in Situationen gedacht hat. Einige ihrer Gefühle kann man sich aus dem Text erschließen, wenn sie etwa aus ihrer Kindheit erzählt und sich gewisse Situationen in ihrem jetzigen Leben spiegeln. Dennoch erfahren wir nie wirklich, was sie denkt. Es gibt einige Situationen, in denen Estela oder die Familie etwas machen, was für mich persönlich unerklärlich war. So zerstört Estela etwa einen Mixer und erzählt dabei nur, wie sie dies getan hat, gibt aber nie einen wirklichen Grund dafür an. Man kann man sich ungefähr aus dem Text zusammenreimen, weshalb sie es tut, aber ehrlich gesagt war ich trotzdem sehr verwirrt, wieso sie gerade auf diese Idee gekommen ist und was sie damit bezwecken wollte. Zudem scheint Estela die Zuhörenden teilweise auch anzulügen, weshalb ich mir irgendwann die Frage gestellt habe, inwieweit ihr Zeugnis überhaupt glaubhaft ist. Dieser Aspekt hat den Text für mich gleichzeitig sehr interessant und leicht frustrierend gemacht. Ich glaube, ich hätte dem Roman zudem mehr abgewinnen können, wenn ich selbst mehr über die sozioökonomischen Bedingungen in Chile wüsste. Oft genug wird hier der arme Süden mit der reichen Hauptstadt verglichen, dies geschieht jedoch meist auf eine Art, bei der ich das Gefühl hatte, dass ein gewisses Wissen vorausgesetzt wurde. Fazit: „Ich bin Estela“ war für mich zugleich ein sehr interessanter, dabei aber auch frustrierender Roman. Ich hätte mir manchmal eine bessere Greifbarkeit der Protagonistin gewünscht und vermutlich hätte mir auch mehr Wissen über die Situation in Chile geholfen, den Roman mehr würdigen zu können.

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Estela sitzt in einem Verhörzimmer und erzählt ihre Geschichte. Sieben Jahre war sie die Haushälterin bei einer chilenischen Familie, die Frau Anwältin, der Mann Arzt. Jetzt ist die siebenjährige Tochter Julia tot und Estela wird vernommen. Was ist passiert? Estela zwingt uns, zuzuhören. Sie erzählt in ihrem Tempo, mit all den Abschweifungen, die ihr wichtig erscheinen. Wir erfahren von ihrer Mutter, die im Süden harte Arbeit macht und von Estelas Entscheidung nach Santiago zu gehen. Wir sind bei ihrem ersten Arbeitstag im Haus des Paares dabei, gehen mit ihr in das kleine Zimmer hinter der Küche und sind dabei, als sie zum ersten Mal die Uniform anzieht, die sie zu einer Dienerin macht, die kocht, putzt, Staub wischt, bügelt, einkauft, das Kind beruhigt und die Geheimnisse der Familie hütet. "Mein Name ist Estela" ist eine Geschichte über die chilenische Klassengesellschaft, über die Armut der einen und den Überfluss der anderen. Die Ungerechtigkeit zeigt sich in zahlreichen Details. Alia Trabucco Zerán gelingt es, eine gespannte Atmosphäre zu erschaffen, die uns zum Weiterlesen zwingt. ...Noch eine Seite... Das unausweichliche Ende ist bekannt, trotzdem hält die Spannung bis zum Schluss. Die Nebenhandlung mit dem Tankwart hätte ich nicht gebraucht, verstehe aber auch, dass sie für die Geschichte wichtig sein kann. Auch die dramaturgische Zuspitzung gegen Ende, als der Hausherr Estela von seinem Geheimnis erzählt, empfand ich als nicht nötig für die Geschichte. Aber alles in allem ist "Mein Name ist Estela" ein starker Roman und definitiv lesenswert.

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