Sehr geehrte Frau Ministerin

Sehr geehrte Frau Ministerin

Hardback
3.513

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Description

Georg-Büchner-Preis 2025

100 Beste Bücher des Jahres der ZEIT

»Frau Ministerin, ich gratuliere Ihnen zu Ihrem Sohn.«

Ein radikal gegenwärtiger Roman über die abgründigen Beziehungen zwischen Söhnen und ihren Müttern. Mit einer Sprachkraft, die Staunen macht, erzählt die preisgekrönte Schriftstellerin Ursula Krechel von symbiotischer Mutterschaft, von existenziell gefährdeten Frauen und von politischer Gewalt.

Mit seiner Mutter sprechen zu müssen, ist für den Sohn von Eva Patarak ein Staatsverbrechen. Für Eva hingegen ist es ein Verbrechen, dass ihr Sohn und sie offenbar ausspioniert werden. Welches Ziel verfolgt die Lateinlehrerin Silke Aschauer mit ihrer Observation? Will sie etwa einen Roman schreiben? Bieten die grausamen Familienverhältnisse der Antike, die sie für den Unterricht aufbereitet, nicht ausreichend Stoff für Faszination? Fest steht nur: Silke hält längst nicht alle Fäden in der Hand, denn ihr eigener Körper hat einen blutigen Aufstand gegen sie angezettelt, der sie in die Rolle der Patientin zwingt. In ihrer Ohnmacht wenden sich beide Frauen an die Justizministerin – ohne zu ahnen, in welche Gefahr sie die Staatsvertreterin damit bringen. Ursula Krechel schreibt in ihrem hoch politischen und stilistisch herausragenden Roman eine Kulturgeschichte aller Frauen – von einer römischen Kaisermutter zu einer Studienrätin, von einer Verkäuferin in einem kleinen Kräuterimperium zu einer Ministerin. Es ist die Geschichte ihres Widerstands gegen die Gewalt, die ihnen physisch und psychisch zugemutet wird.

»Niemand erzählt so formbewusst wie Ursula Krechel.« Andreas Platthaus, FAZ

»Mit ihr zeichnet die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung eine Autorin aus, die in ihren Gedichten, Theaterstücken, Hörspielen, Romanen und Essays den Verheerungen der deutschen Geschichte und Verhärtungen der Gegenwart die Kraft ihrer Literatur entgegensetzt. […] Das Thema der Selbstbehauptung, Wiederentdeckung und Fortentwicklung weiblicher Autorschaft zieht sich als roter Faden durch ihr gesamtes Schaffen.« Jury des Georg-Büchner-Preises

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
368
Price
26.80 €

Author Description

Ursula Krechel, geb. 1947, war Theaterdramaturgin. Sie lehrte an der Universität der Künste Berlin, der Washington University St. Louis und ist Mitglied der Akademie der Künste Berlin, der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt sowie der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz. 2025 wurde sie mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet. Sie lebt in Berlin.

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Raffiniert verwobenes Bild der Gewalt an Frauen

Ein Buch über eine Frau, die von einer Schriftstellerin, der vielleicht eigentlichen Hauptperson, geschrieben wird mit Ausflügen in die Antike und die Politik, könnte fürchterlich verwirrend sein, wenn Ursula Krechel nicht so eine brillante Autorin wäre. Den Büchner-Preis hat sie zurecht gewonnen. Ihr gelingt ein großes Bild der Gewalt, die Frauen zu aller Zeit erfahren; von Fremden, der Familie bis zum eigenen Körper.

Raffiniert verwobenes Bild der Gewalt an Frauen
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Verschiedene Erzählstränge fächern sich auf wie ein Kaleidoskop über das Leben von Frauen in unserer und in antiker Zeit.

Ein intensives Buch über Frauen - und über Gewalt gegen Frauen - hat Ursula Krechel mit „Sehr geehrte Frau Ministerin“ geschrieben. Die Geschichten von drei Frauen, einer Verkäuferin, einer Lateinlehrerin und einer Ministerin gehen nebeneinander her und stoßen manchmal aneinander. So weich muss man es wohl formulieren. Und im Hintergrund werden weitere Geschichten erzählt - von Kaiser Nero, der seine Mutter umbringen lässt, von der Abwicklung der Kräuterläden, in denen die Verkäuferin arbeitet und zugleich von den schwierigen Verhältnis zu ihrem Sohn, vom Blut und Krankheit, vom politischen Kampf der Ministerin im Justizressort. Meist wird das recht spröde dargeboten. Einige Male blitzen Parallelen zwischen den Geschichten auf, oft aber erschöpfen sich die Geschichten in sich selbst. Mich hat am meisten die äußerst intime Geschichte über die nicht enden wollenden Blutungen und die letztendliche Entfernung der Gebärmutter einer der Protagonistinnen bewegt. Alles zusammen wirken die verschiedenen Erzählstränge wie ein eindrucksvoll breit aufgefächerter Film über das Leben von Frauen in unserer (und teils auch in der römischen) Zeit. Empfehlung!

5

Ein sprachlich herausragendes Buch. So etwas habe ich wirklich noch nie vorher gelesen. Ursula Krechel scheint die Anzahl der Vokale für die Wahl des nächsten Satzes manches Mal wichtiger zu sein als sein Inhalt. Das Buch changiert daher zwischen sehr dichten und spannenden Etappen und manchen mit der ein oder anderen Länge. Das heißt allerdings nicht, dass der Inhalt hier egal wäre. Durch die wechselnden, sich überlappenden und mit einander verwobenen Perspektiven beschreibt die Autorin eine universelle weibliche gewaltvolle Welterfahrung.

4.5

Vieles zu Bedenken, viele Erzählstränge von Agrippina und Nero bis zum Ruhrbischof und vertuschtem Missbrauch. Am Ende eher so etwas wie Erleichterung, daß die eindrückliche Schilderung von Missständen zum Abschluss kommt. Lesenswert.

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