Stern 111
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Description
Zwei Tage nach dem Fall der Mauer verlässt das Ehepaar Bischoff sein altes Leben – die Wohnung, den Garten, seine Arbeit und das Land. Ihre Reise führt die beiden Fünfzigjährigen weit hinaus: Über Notaufnahmelager und Durchgangswohnheime folgen sie einem lange gehegten Traum, einem »Lebensgeheimnis«, von dem selbst ihr Sohn Carl nichts weiß. Carl wiederum, der den Auftrag verweigert, das elterliche Erbe zu übernehmen, flieht nach Berlin. Er lebt auf der Straße, bis er in den Kreis des »klugen Rudels« aufgenommen wird, einer Gruppe junger Frauen und Männer, die dunkle Geschäfte, einen Guerillakampf um leerstehende Häuser und die Kellerkneipe Assel betreibt. Im U-Boot der Assel schlingert Carl durch das archaische Chaos der Nachwendezeit, immer in der Hoffnung, Effi wiederzusehen, »die einzige Frau, in die er je verliebt gewesen war«.
Ein Panorama der ersten Nachwendejahre in Ost und West, ausgezeichnet mit dem Preis der Leipziger Buchmesse: Nach dem prämierten Bestseller Kruso führt Lutz Seiler die Geschichte in zwei großen Erzählbögen fort – in einem Roadtrip, der seine Bahn um den halben Erdball zieht, und in einem Berlin-Roman, der uns die ersten Tage einer neuen Welt vor Augen führt. Und ganz nebenbei wird die Geschichte einer Familie erzählt, die der Herbst 89 sprengt und die nun versuchen muss, neu zueinander zu finden.
Book Information
Author Description
Lutz Seiler (geboren 1963) wuchs in Ostthüringen auf. Sein Heimatdorf Culmitzsch wurde 1968 für den Uranbergbau geschleift. In Gera schloss er eine Lehre als Baufacharbeiter ab und arbeitete als Zimmermann und Maurer. Während seiner Armeezeit begann er sich für Literatur zu interessieren und selbst zu schreiben. Bis Anfang 1990 studierte er Geschichte und Germanistik an der Martin-Luther-Universität in Halle (Saale). 1990 ging Seiler nach Berlin, wo er einige Jahre als Kellner arbeitete. Längere Auslandsaufenthalte in Rom, Los Angeles und Paris. Seit 1997 leitet er das literarische Programm im Peter-Huchel-Haus bei Potsdam. Seiler lebt als freier Schriftsteller mit seiner Frau in Wilhelmshorst und Stockholm. Von 1993 bis 1998 war Seiler Mitbegründer und Mitherausgeber der Literaturzeitschrift moosbrand. Er schrieb zunächst vor allem Gedichte (fünf Gedichtsammlungen sind erschienen) und Essays, später auch Erzählungen und Romane. Für die Erzählung Turksib wurde Seiler 2007 mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet. Für sein Romandebüt Kruso erhielt er 2014 den Deutschen Buchpreis. Der Roman wurde in 25 Sprachen übersetzt, mehrfach für das Theater adaptiert und von der UFA verfilmt. Sein zweiter Roman Stern 111 wurde 2020 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. Im August 2021 erschien der Gedichtband schrift für blinde riesen. 2023 wird Lutz Seiler mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet.
Posts
Stern 111 beginnt kurz nach dem Mauerfall in Gera, als Carls Eltern in den Westen gehen. Carl, der eigentlich die Wohnung seiner Eltern hüten soll, geht wenig später nach Berlin, wo er erst im Auto seiner Eltern lebt, aber durch Zufälle Anschluss an eine Gruppe Hausbesetzer findet und so an eine Wohnung im Prenzlauer Berg und Arbeit in einer Untergrundkneipe kommt (wobei er eigentlich Gedichte schreibt). Eines Tages trifft er auch seine Schulfreundin Effi wieder und beginnt mit ihr eine Beziehung. Währenddessen versuchen sich seine Eltern erst getrennt voneinander in Westdeutschland durchzuschlagen, bis sie es wieder zueinander schaffen und trotzdem der Weg zu einer Wohnung und Arbeit noch holprig ist. Mir hat dieses Buch gut gefallen, es beschreibt recht atmosphärisch die unmittelbare Nachwendezeit in Berlin, aber auch die Erlebnisse von Carls Eltern, die ein geheimes Ziel vor Augen haben, dass dem Leser und Carl erst spät enthüllt wird.
Der junge Protagonist, Carl, sucht, im Berlin während der Umwälzungen kurz vor der Wiedervereinigung, als dichtender Maurer, als Wände verputzender und kellnernder Dichter - er wäre es gern - seinen Platz, in einer sich rasant verändernden Gesellschaft, während seine Eltern, Inge und Walther, sogenannte Geheimnisträger im Osten, unmittelbar nach dem Mauerfall im Westen ihren Weg in die Freiheit suchen, "ab Gießen getrennt, um ihre Chancen zu erhöhen, wie sie sagten", wenn auch über Büsum, ja, Büsum! "Die Eltern sollten es einmal besser haben...!? Irgendetwas stimmte nicht an diesem Satz." Man lasse sich diese Praline schriftstellerischer Prosa, in bestem Ostthüringisch, auf der Zunge zergehen! Und es tauchen reichlich skurrile Figuren auf, aber auch "Rico" Schmidt fehlt nicht, der, kollektives Gedächtnis, ebenso gut Nancy oder Ronny hätte heißen können. Einige verschwinden wieder. Viele der Figuren bleiben jedoch, so wie viele der beschriebenen Dinge, nicht zuletzt, weil sie etwas sehr persönliches zugeschrieben bekommen: "Die Briefe seiner Mutter sahen müde aus." Es ist ein sanftes Buch, ein lyrisches Buch, mit dem Blick für Details. Es erzählt eine Geschichte, die verlässlich mit feinsinnigem Humor und reichlich surrealen und absurden Passagen überrascht und so auf brillante Art die Empfindung der unmittelbar auf den Mauerfall folgenden Zeit einfängt.
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Zwei Tage nach dem Fall der Mauer verlässt das Ehepaar Bischoff sein altes Leben – die Wohnung, den Garten, seine Arbeit und das Land. Ihre Reise führt die beiden Fünfzigjährigen weit hinaus: Über Notaufnahmelager und Durchgangswohnheime folgen sie einem lange gehegten Traum, einem »Lebensgeheimnis«, von dem selbst ihr Sohn Carl nichts weiß. Carl wiederum, der den Auftrag verweigert, das elterliche Erbe zu übernehmen, flieht nach Berlin. Er lebt auf der Straße, bis er in den Kreis des »klugen Rudels« aufgenommen wird, einer Gruppe junger Frauen und Männer, die dunkle Geschäfte, einen Guerillakampf um leerstehende Häuser und die Kellerkneipe Assel betreibt. Im U-Boot der Assel schlingert Carl durch das archaische Chaos der Nachwendezeit, immer in der Hoffnung, Effi wiederzusehen, »die einzige Frau, in die er je verliebt gewesen war«.
Ein Panorama der ersten Nachwendejahre in Ost und West, ausgezeichnet mit dem Preis der Leipziger Buchmesse: Nach dem prämierten Bestseller Kruso führt Lutz Seiler die Geschichte in zwei großen Erzählbögen fort – in einem Roadtrip, der seine Bahn um den halben Erdball zieht, und in einem Berlin-Roman, der uns die ersten Tage einer neuen Welt vor Augen führt. Und ganz nebenbei wird die Geschichte einer Familie erzählt, die der Herbst 89 sprengt und die nun versuchen muss, neu zueinander zu finden.
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Lutz Seiler (geboren 1963) wuchs in Ostthüringen auf. Sein Heimatdorf Culmitzsch wurde 1968 für den Uranbergbau geschleift. In Gera schloss er eine Lehre als Baufacharbeiter ab und arbeitete als Zimmermann und Maurer. Während seiner Armeezeit begann er sich für Literatur zu interessieren und selbst zu schreiben. Bis Anfang 1990 studierte er Geschichte und Germanistik an der Martin-Luther-Universität in Halle (Saale). 1990 ging Seiler nach Berlin, wo er einige Jahre als Kellner arbeitete. Längere Auslandsaufenthalte in Rom, Los Angeles und Paris. Seit 1997 leitet er das literarische Programm im Peter-Huchel-Haus bei Potsdam. Seiler lebt als freier Schriftsteller mit seiner Frau in Wilhelmshorst und Stockholm. Von 1993 bis 1998 war Seiler Mitbegründer und Mitherausgeber der Literaturzeitschrift moosbrand. Er schrieb zunächst vor allem Gedichte (fünf Gedichtsammlungen sind erschienen) und Essays, später auch Erzählungen und Romane. Für die Erzählung Turksib wurde Seiler 2007 mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet. Für sein Romandebüt Kruso erhielt er 2014 den Deutschen Buchpreis. Der Roman wurde in 25 Sprachen übersetzt, mehrfach für das Theater adaptiert und von der UFA verfilmt. Sein zweiter Roman Stern 111 wurde 2020 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. Im August 2021 erschien der Gedichtband schrift für blinde riesen. 2023 wird Lutz Seiler mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet.
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Stern 111 beginnt kurz nach dem Mauerfall in Gera, als Carls Eltern in den Westen gehen. Carl, der eigentlich die Wohnung seiner Eltern hüten soll, geht wenig später nach Berlin, wo er erst im Auto seiner Eltern lebt, aber durch Zufälle Anschluss an eine Gruppe Hausbesetzer findet und so an eine Wohnung im Prenzlauer Berg und Arbeit in einer Untergrundkneipe kommt (wobei er eigentlich Gedichte schreibt). Eines Tages trifft er auch seine Schulfreundin Effi wieder und beginnt mit ihr eine Beziehung. Währenddessen versuchen sich seine Eltern erst getrennt voneinander in Westdeutschland durchzuschlagen, bis sie es wieder zueinander schaffen und trotzdem der Weg zu einer Wohnung und Arbeit noch holprig ist. Mir hat dieses Buch gut gefallen, es beschreibt recht atmosphärisch die unmittelbare Nachwendezeit in Berlin, aber auch die Erlebnisse von Carls Eltern, die ein geheimes Ziel vor Augen haben, dass dem Leser und Carl erst spät enthüllt wird.
Der junge Protagonist, Carl, sucht, im Berlin während der Umwälzungen kurz vor der Wiedervereinigung, als dichtender Maurer, als Wände verputzender und kellnernder Dichter - er wäre es gern - seinen Platz, in einer sich rasant verändernden Gesellschaft, während seine Eltern, Inge und Walther, sogenannte Geheimnisträger im Osten, unmittelbar nach dem Mauerfall im Westen ihren Weg in die Freiheit suchen, "ab Gießen getrennt, um ihre Chancen zu erhöhen, wie sie sagten", wenn auch über Büsum, ja, Büsum! "Die Eltern sollten es einmal besser haben...!? Irgendetwas stimmte nicht an diesem Satz." Man lasse sich diese Praline schriftstellerischer Prosa, in bestem Ostthüringisch, auf der Zunge zergehen! Und es tauchen reichlich skurrile Figuren auf, aber auch "Rico" Schmidt fehlt nicht, der, kollektives Gedächtnis, ebenso gut Nancy oder Ronny hätte heißen können. Einige verschwinden wieder. Viele der Figuren bleiben jedoch, so wie viele der beschriebenen Dinge, nicht zuletzt, weil sie etwas sehr persönliches zugeschrieben bekommen: "Die Briefe seiner Mutter sahen müde aus." Es ist ein sanftes Buch, ein lyrisches Buch, mit dem Blick für Details. Es erzählt eine Geschichte, die verlässlich mit feinsinnigem Humor und reichlich surrealen und absurden Passagen überrascht und so auf brillante Art die Empfindung der unmittelbar auf den Mauerfall folgenden Zeit einfängt.








