Intimitäten
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Description
Über Sprache, Macht und deren Grenzen
Die heimatlose Erzählerin verlässt New York, um am internationalen Gerichtshof in Den Haag als Dolmetscherin zu arbeiten. Als sie Adriaan kennenlernt, scheint die Stadt zur Antwort ihrer Sehnsucht nach einem Ankommen zu werden. Doch dann verschwindet er zu seiner Noch-Ehefrau und hinterlässt nichts als Fragen. Fragen, die sich zu einem existenziellen Abgrund auftun, als sie für einen angeklagten westafrikanischen Kriegsverbrecher dolmetschen muss und zweifelt: Was ist kalkulierte Lüge, was Wahrheit? Glauben nur noch die Naiven an Gerechtigkeit? Wer kann über wen richten? Katie Kitamuras subtiler Roman ist ein intellektuelles Vergnügen mit hypnotischer Sogwirkung.
Book Information
Author Description
Katie Kitamura, 1979 in Kalifornien geboren, ist eine amerikanische Schriftstellerin, Journalistin und Literaturkritikerin. Sie schreibt für zahlreiche Zeitungen, darunter ›The New York Times‹, ›Wired‹ und ›The Guardian‹. Katie Kitamura lebt in New York.
Characteristics
1 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Posts
Manchmal war ich hier ganz nah dran an der Protagonistin und dann wieder sehr weit weg. Für mich ging es irgendwie um die Suche nach sich selbst und der Zugehörigkeit. Erzählt wird die Geschichte von einer Dolmetscherin, die aus New York nach Den Haag zieht, um am Internationalen Gerichtshof zu arbeiten. Nachdem ihr Vater verstirbt und ihre Mutter sich nach Singapur zurückzieht, fühlt sie sich in New York nicht mehr heimisch und bewirbt sich aus einem Impuls heraus am Gerichtshof. Dort angekommen, lernt sie Adriaan kennen und lieben, aber eines Tages verschwindet er zu seiner Noch-Ehefrau und lässt die Erzählerin alleine in seiner Wohnung in Den Haag. Ich glaub, ich hab mir aufgrund des Titels eine intensivere Geschichte gewünscht, wobei ich sagen muss, die Intensität kam im Nachgang, als ich über das Buch mit anderen gesprochen hatte. Aber während des Lesens fand ich die zwischenmenschlichen Beziehungen so distanziert und kühl, eher rational und nicht emotional. Es war die ganze Zeit, so ein düsterer und bedrückender Schleier über der Geschichte. Manchmal hat mich die lethargische Art der Protagonistin in Bezug auf die Beziehung genervt. Die Beschreibungen der Arbeit am Gerichtshof fand ich dafür umso spannender. Wie die Arbeit als Dolmetscherin Auswirkung auf die Zuhörenden im Gerichtssaal und auch auf die Dolmetscherin selbst hat. Da hab ich die Intimität gespürt, die mir in der Beziehung gefehlt hat. Der Schreibstil erinnert mich ein wenig an koreanische und japanische Literatur. Ob ich es empfehlen würde? Jedem, der unspektakuläre Erzählungen mag, aber einigen menschlichen Grundfragen nachgehen möchte und dabei etwas über das Arbeiten als Dolmetscherin am Internationalen Gerichtshof lesen möchte. Ich selbst würde es mit der Autorin noch mal probieren. S.45 „Jeder Mensch verdient es, vor Gericht angemessen vertreten zu werden, auch der übelste Verbrecher, auch jemand, der unaussprechliche Gräueltaten verübt hat, die Sorte Tat, die jede Vorstellungskraft sprengt und bei deren bloßer Beschreibung sich die meisten von uns die Ohren zuhalten und weglaufen würden.“ S.54 „Vielleicht waren sie mit irgendetwas Verbotenem befasst gewesen oder mit etwas, das ihnen plötzlich verboten vorkam - unsere Einschätzung unseres eigenen Verhaltens ändert sich, wenn wir glauben, gesehen zu werden.“ S.214 „Ich dachte: Ich will nach Hause. Ich will irgendwo sein, wo ich mich zu Hause fühle. Wo das allerdings war, wusste ich nicht.“
In dem Buch geht es um die Macht der Sprache. Es ist ein dünnes Buch, knapp 220 Seiten und es passiert von der Story her nicht viel. Aber das Buch hat so viel Tiefgang. Es erzählt von einer Dolmetscherin am Gerichtshof von Den Haag, es taucht ein in ihre Gefühlswelt , man erlebt ihre Einsamkeit in der Stadt, ihre Beobachtungen. Wow, ein tolles Buch!
Ein überraschendes, eindrucksvolles Buch mit echtem Wow-Effekt.
Katie Kitamura hat mich völlig überrascht und mit einem echten Wow-Effekt zurückgelassen. Die brillante sprachliche Klarheit, das eindrucksvolle Setting und die faszinierenden Einblicke in das Leben einer Dolmetscherin am Internationalen Gerichtshof in Den Haag machen dieses Buch zu etwas Besonderem – intensiv, klug und nachhaltig beeindruckend.
Intimitäten Katie Kitamura, gelesen von Katja Danowski Unsere namenlose Ich-Erzählerin zieht von New York nach Den Haag, um eine Stelle am Internationalen Gerichtshof anzutreten. Es soll ein Neuanfang werden. Dieser gestaltet sich aber für die eher introvertierte Dolmetscherin nicht einfach. Immer wieder hadert sie damit, dass sie zu wenig Abstand zu den Angeklagten hat. Männer, die unter anderem des Massenmordes an Kindern und Frauen angeklagt sind. Es ist diese Intimität, diese Nähe, die entsteht, wenn man ihnen die Übersetzung in Abstand von 5 cm ins Ohr flüstert. Und auch sonst läuft es nicht gut: In unmittelbarer Nähe wird ein Mann überfallen und schlimm zugerichtet. Sie hätte auch das Opfer sein können. Auf einer Party lernt sie Adriaan kennen und verliebt sich in ihn. Dieser ist noch verheiratet, wenn auch bereits getrennt lebend. Adriaan macht sich nach Portugal auf, um die Trennung mit seiner Frau zu besprechen. Doch aus ein paar Tagen werden Wochen und dann bricht der Kontakt zu ihm ganz ab. Unsere Protagonistin befürchtet schlimmstes. Wer jetzt einen Thriller erwartet, liegt hier falsch, dennoch spürt man fortlaufend eine Bedrohung. Das Buch lebt davon, dass die Protagonistin so eindringlich und facettenreich erzählt, dass man förmlich das Gefühl hat dabei zu sein. Die Sprecherin des Hörbuches hat eher eine empathiearme Stimme, aber genau diese brauchte das Buch! Ausserdem gefiel mir der Einblick am Internationalen Gerichtshof aus der Perspektive einer Dolmetscherin. 4/ 5 und eine Leseempfehlung.
„Am einen Tag lebst du noch ein ganz normales Leben mit all den üblichen Hochs und Tiefs, und am nächsten wird dieses Leben in Stücke gehauen, und du kannst dich nie wieder richtig sicher fühlen.“ Eine Dolmetscherin verlässt New York, weil sie sich nicht mehr zugehörig fühlt. Sie bewirbt sich „aus einem Impuls heraus“ am Gerichtshof in Den Haag und bekommt die Stelle. Die ziel- und heimatlose Ich-Erzählerin lernt Adriaan kennen und Den Haag wird „zur Antwort ihrer Sehnsüchte“. Plötzlich verschwindet er zu seiner Noch-Ehefrau und das Leben der namenlosen Ich-Erzählerin kommt ins Wanken. Dann muss sie für einen angeklagten Mann dolmetschen, und die ersten Zweifel kommen auf. Mich hat der Klappentext interessiert, insbesondere die Prozesse am Gerichtshof. Möglicherweise wurde ich durch ‘How to get away with murder‘ beeinflusst. Dieses Buch konnte mich aus verschiedenen Gründen nicht vollständig überzeugen. Aber vielleicht zunächst zu den positiven Aspekten. Als sie dort für einen afrikanischen Staatschef, dem Völkermord vorgeworfen wird, dolmetscht und die Rolle des Gerichts als "unwirksames Instrument des westlichen Imperialismus" beschreibt, hat mir die Szene sehr gefallen. Dadurch erhält man einen detaillierten Einblick in die Aufgaben einer Dolmetscher_in. Die Ich-Erzählerin beschreibt, wie sehr sie sich auf die korrekte Übersetzung konzentriert, bis sie ins Wanken gerät. Was mir weniger gefallen hat, ist, dass die Figur im Allgemeinen eher distanziert und emotionslos wirkt. Zumindest konnte ich nur schwer Mitgefühl für sie empfinden. Ich weiß nicht, ob es an der Schreibweise lag oder ob es genau die Absicht der Autorin war, die Figur so wirken zu lassen.Jedenfalls wiederholen sich die Dialoge, die Figuren bleiben oberflächlich, und insgesamt unnahbar. Wie gesagt, möglicherweise war das die Absicht und sollte die mangelnde Intimität zeigen, die jedoch paradoxerweise eine gewisse Form von Intimität darstellt. Das Lesen wurde dadurch nicht spannend und eher langweilig.
Das Buch handelt von einer Dolmetscherin am Internationalen Gerichtshof in Den Haag. Man bekommt einen schönen Einblick in das Berufsleben der Dolmetscher. Die Intimität zieht sich durch das ganze Buch als roter Faden. Die Protagonistin liebt es zu analysieren und versucht stets ihre Mitmenschen zu lesen. Die Geschichte fand ich sehr interessant aber auch sehr ausbaufähig. An manchen Stellen wurde Spannung aufgebaut die dann aber leider im Sand verlaufen ist. Das fand ich sehr schade. Generell finde ich der Klappentext verspricht ein viel spannenderes Buch. Manche Teile der Geschichte waren sehr detailliert beschrieben obwohl sie für die Story, meiner Meinung nach, keine Relevanz hatten. Andere Teile der Erzählung wurden nicht ausführlich genug beschrieben. Es las sich oft wie ein Tagebuch der Protagonistin wo sie von ihrem Alltag berichtet. Dennoch konnte ich nicht wirklich eine Verbindung zur Protagonistin aufbauen. Das war leider nicht so ganz mein Fall! Den Schreibstil fand ich dennoch sehr angenehm zu lesen und würde einem anderen Buch der Autorin noch eine Chance geben. Dieser Roman war ganz nett aber hat mich leider nicht so wirklich umgehauen! Als schnelle Lektüre zwischendurch ist sie bestimmt nicht schlecht aber man darf sich nicht zu viel erwarten.
Compelling at first but ultimately unsatisfying
For me, it was a good book with a multifaceted plot and various thematic levels which played well into each other. Since the story of Anton and his incident never gets resolved and the storyline simply fizzles out, I was left a bit unsatisfied in the end. Additionally, we never hear anything more from Jana. Maybe Katie Kitamura did that intentionally to illustrate the dacy of the relationships, but that didn’t especially enhance the story for me. Overall, I liked the beginning much more than the last third of the book, where the “wow” effect was missing. Therefore I don’t know if I would specifically recommend the book.
"Das Dolmetschen ist eine sehr subtile Angelegenheit, nicht umsonst ist der englische Begriff dafür 'interpretation' - so wie Schauspieler eine Rolle interpretieren oder Musiker ein Musikstück. Dem Gerichtshof und all seinen Aktivitäten wohnte eine gewisse Spannung inne, die aus dem Widerspruch zwischen der Intimität persönlichen Leids und dessen öffentlicher Zurschaustellung entstand. Ein Gerichtsverfahren war eine wohlkalkulierte komplexe Darbietung, an der wir alle beteiligt waren und aus der sich niemand vollkommen her-aushalten konnte." - Buchzitat (S. 20) Katie Kitamura, eine amerikanisch-japanische Autorin, präsentiert mit "Intimitäten" einen Roman, der die Heimatlosigkeit einer Dolmetscherin am Internationalen Gerichtshof in Den Haag beleuchtet. Kitamura geboren 1979 in Kalifornien, absolvierte ihr Studium an der Princeton University und ist nicht nur eine renommierte Schriftstellerin, sondern auch Journalistin und Kunstkritikerin. Mit vorherigen Werken wie "Gone to the Forest" und "The Longshot," beides Finalisten für den New York Public Library's Young Lions Fiction Award, hat sie bereits literarische Spuren hinterlassen. Die Geschichte in "Intimitäten" dreht sich um eine namenlose Erzählerin, die den Internationalen Gerichtshof als Dolmetscherin verlässt, um in Den Haag zu arbeiten. Dort begegnet sie Adriaan und glaubt, in dieser Stadt endlich ein Zuhause gefunden zu haben. Doch Adriaan verschwindet abrupt, hinterlässt Fragen und Unsicherheiten. Die Erzählerin steht vor der moralischen Herausforderung, für einen westafrikanischen Kriegsverbrecher zu dolmetschen, und zweifelt an Wahrheit und Gerechtigkeit. "Intimitäten" hat mir spannende Einblicke in die Welt des Dolmetschens am Internationalen Gerichtshof geboten. Die detaillierten Schilderungen der Arbeit eines/einer Dolmetschers/Dolmetscherin und die damit verbundenen emotionalen Belastungen wurden sehr deutlich und ehrlich gesagt, hatte ich mir bisher nie viel Gedanken darüber gemacht. Gut gefallen hat mir auch, dass an einer Stelle im Buch das wichtige Thema Kolonialismus angeschnitten wird: "...neben der Büste von Johan Maurits, dem Gründer des Museums, der sein Vermögen mit transatlantischem Sklavenhandel und der Expansion von Niederländisch-Brasilien gemacht hatte. Jana hatte mir die historischen Hintergründe bei einem früheren Besuch erläutert. Sie wünschte, man würde die Büste entfernen, hatte sie gesagt, denn nicht nur werde mit ihr ein Sklavenhändler und Kolonialist geehrt, sondern sie sei auch als Kunstwerk nicht gelungen." - Buchzitat (S. 123) Gerne wäre ich da noch tiefer eingetaucht. Leider lässt mich das Buch im gesamten dennoch eher gespalten zurück. Unter anderem auch, weil nicht durchgehend gegendert wurde und die fehlenden Anführungszeichen bei direkter Rede (eine stilistische Entscheidung) es mir schwer gemacht haben, mich auf die Dialoge zu konzentrieren. Dadurch bin ich nicht richtig in einen "Leseflow" gekommen. Der Klappentext hält in meinen Augen nicht, was ich mir davon erwartet habe. Er ist nicht falsch beschrieben - hat in mir aber den Eindruck erweckt, einen Roman mit einem gewissen Spannungsbogen vorzufinden, bei dem die Nähe zu dem Kriegsverbrecher mehr im Fokus steht und durch das Verschwinden des Mannes den sie liebt noch eine spannende Side-Story auf mich wartet. Leider stand die nicht sehr spektakuläre Liebesgeschichte welche für mich für mich irgendwie konstruiert und unnatürlich wirkte, zu sehr im Fokus. Ich hätte gerne (noch)mehr über die Beziehung zum Kriegsverbrecher bzw. den Dolmetscher:innenalltag erfahren. Und auch das Ende war kein großer Plot Twist und eher enttäuschend - der Ausgang der Beziehung wirkt erzwungen. Ich denke nicht, dass mir das Buch lange in Erinnerung bleiben wird. Schade, denn sprachlich hat es einige Höhepunkte zu bieten und auch thematisch hätte man mehr rausholen können und tiefer in bestimmte Aspekte eintauchen. Die beschriebenen Details zur Vielschichtigkeit des Übersetzens, von Emotionen bis zu Nuancen der Sprache, sind fesselnd und öffnen eine neue Perspektive. Alles in allem denke nicht, dass mir "Intimitäten" lange in Erinnerung bleiben wird. Schade, denn sprachlich hat es einige Höhepunkte zu bieten und auch thematisch hätte man mehr rausholen können und tiefer in bestimmte Aspekte eintauchen. Die beschriebenen Details zur Vielschichtigkeit des Übersetzens, von Emotionen bis zu Nuancen der Sprache, sind fesselnd und öffnen eine neue Perspektive. Aus den genannten Gründen gebe ich dem Buch 2/5 Sternen.
Characteristics
1 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Description
Über Sprache, Macht und deren Grenzen
Die heimatlose Erzählerin verlässt New York, um am internationalen Gerichtshof in Den Haag als Dolmetscherin zu arbeiten. Als sie Adriaan kennenlernt, scheint die Stadt zur Antwort ihrer Sehnsucht nach einem Ankommen zu werden. Doch dann verschwindet er zu seiner Noch-Ehefrau und hinterlässt nichts als Fragen. Fragen, die sich zu einem existenziellen Abgrund auftun, als sie für einen angeklagten westafrikanischen Kriegsverbrecher dolmetschen muss und zweifelt: Was ist kalkulierte Lüge, was Wahrheit? Glauben nur noch die Naiven an Gerechtigkeit? Wer kann über wen richten? Katie Kitamuras subtiler Roman ist ein intellektuelles Vergnügen mit hypnotischer Sogwirkung.
Book Information
Author Description
Katie Kitamura, 1979 in Kalifornien geboren, ist eine amerikanische Schriftstellerin, Journalistin und Literaturkritikerin. Sie schreibt für zahlreiche Zeitungen, darunter ›The New York Times‹, ›Wired‹ und ›The Guardian‹. Katie Kitamura lebt in New York.
Posts
Manchmal war ich hier ganz nah dran an der Protagonistin und dann wieder sehr weit weg. Für mich ging es irgendwie um die Suche nach sich selbst und der Zugehörigkeit. Erzählt wird die Geschichte von einer Dolmetscherin, die aus New York nach Den Haag zieht, um am Internationalen Gerichtshof zu arbeiten. Nachdem ihr Vater verstirbt und ihre Mutter sich nach Singapur zurückzieht, fühlt sie sich in New York nicht mehr heimisch und bewirbt sich aus einem Impuls heraus am Gerichtshof. Dort angekommen, lernt sie Adriaan kennen und lieben, aber eines Tages verschwindet er zu seiner Noch-Ehefrau und lässt die Erzählerin alleine in seiner Wohnung in Den Haag. Ich glaub, ich hab mir aufgrund des Titels eine intensivere Geschichte gewünscht, wobei ich sagen muss, die Intensität kam im Nachgang, als ich über das Buch mit anderen gesprochen hatte. Aber während des Lesens fand ich die zwischenmenschlichen Beziehungen so distanziert und kühl, eher rational und nicht emotional. Es war die ganze Zeit, so ein düsterer und bedrückender Schleier über der Geschichte. Manchmal hat mich die lethargische Art der Protagonistin in Bezug auf die Beziehung genervt. Die Beschreibungen der Arbeit am Gerichtshof fand ich dafür umso spannender. Wie die Arbeit als Dolmetscherin Auswirkung auf die Zuhörenden im Gerichtssaal und auch auf die Dolmetscherin selbst hat. Da hab ich die Intimität gespürt, die mir in der Beziehung gefehlt hat. Der Schreibstil erinnert mich ein wenig an koreanische und japanische Literatur. Ob ich es empfehlen würde? Jedem, der unspektakuläre Erzählungen mag, aber einigen menschlichen Grundfragen nachgehen möchte und dabei etwas über das Arbeiten als Dolmetscherin am Internationalen Gerichtshof lesen möchte. Ich selbst würde es mit der Autorin noch mal probieren. S.45 „Jeder Mensch verdient es, vor Gericht angemessen vertreten zu werden, auch der übelste Verbrecher, auch jemand, der unaussprechliche Gräueltaten verübt hat, die Sorte Tat, die jede Vorstellungskraft sprengt und bei deren bloßer Beschreibung sich die meisten von uns die Ohren zuhalten und weglaufen würden.“ S.54 „Vielleicht waren sie mit irgendetwas Verbotenem befasst gewesen oder mit etwas, das ihnen plötzlich verboten vorkam - unsere Einschätzung unseres eigenen Verhaltens ändert sich, wenn wir glauben, gesehen zu werden.“ S.214 „Ich dachte: Ich will nach Hause. Ich will irgendwo sein, wo ich mich zu Hause fühle. Wo das allerdings war, wusste ich nicht.“
In dem Buch geht es um die Macht der Sprache. Es ist ein dünnes Buch, knapp 220 Seiten und es passiert von der Story her nicht viel. Aber das Buch hat so viel Tiefgang. Es erzählt von einer Dolmetscherin am Gerichtshof von Den Haag, es taucht ein in ihre Gefühlswelt , man erlebt ihre Einsamkeit in der Stadt, ihre Beobachtungen. Wow, ein tolles Buch!
Ein überraschendes, eindrucksvolles Buch mit echtem Wow-Effekt.
Katie Kitamura hat mich völlig überrascht und mit einem echten Wow-Effekt zurückgelassen. Die brillante sprachliche Klarheit, das eindrucksvolle Setting und die faszinierenden Einblicke in das Leben einer Dolmetscherin am Internationalen Gerichtshof in Den Haag machen dieses Buch zu etwas Besonderem – intensiv, klug und nachhaltig beeindruckend.
Intimitäten Katie Kitamura, gelesen von Katja Danowski Unsere namenlose Ich-Erzählerin zieht von New York nach Den Haag, um eine Stelle am Internationalen Gerichtshof anzutreten. Es soll ein Neuanfang werden. Dieser gestaltet sich aber für die eher introvertierte Dolmetscherin nicht einfach. Immer wieder hadert sie damit, dass sie zu wenig Abstand zu den Angeklagten hat. Männer, die unter anderem des Massenmordes an Kindern und Frauen angeklagt sind. Es ist diese Intimität, diese Nähe, die entsteht, wenn man ihnen die Übersetzung in Abstand von 5 cm ins Ohr flüstert. Und auch sonst läuft es nicht gut: In unmittelbarer Nähe wird ein Mann überfallen und schlimm zugerichtet. Sie hätte auch das Opfer sein können. Auf einer Party lernt sie Adriaan kennen und verliebt sich in ihn. Dieser ist noch verheiratet, wenn auch bereits getrennt lebend. Adriaan macht sich nach Portugal auf, um die Trennung mit seiner Frau zu besprechen. Doch aus ein paar Tagen werden Wochen und dann bricht der Kontakt zu ihm ganz ab. Unsere Protagonistin befürchtet schlimmstes. Wer jetzt einen Thriller erwartet, liegt hier falsch, dennoch spürt man fortlaufend eine Bedrohung. Das Buch lebt davon, dass die Protagonistin so eindringlich und facettenreich erzählt, dass man förmlich das Gefühl hat dabei zu sein. Die Sprecherin des Hörbuches hat eher eine empathiearme Stimme, aber genau diese brauchte das Buch! Ausserdem gefiel mir der Einblick am Internationalen Gerichtshof aus der Perspektive einer Dolmetscherin. 4/ 5 und eine Leseempfehlung.
„Am einen Tag lebst du noch ein ganz normales Leben mit all den üblichen Hochs und Tiefs, und am nächsten wird dieses Leben in Stücke gehauen, und du kannst dich nie wieder richtig sicher fühlen.“ Eine Dolmetscherin verlässt New York, weil sie sich nicht mehr zugehörig fühlt. Sie bewirbt sich „aus einem Impuls heraus“ am Gerichtshof in Den Haag und bekommt die Stelle. Die ziel- und heimatlose Ich-Erzählerin lernt Adriaan kennen und Den Haag wird „zur Antwort ihrer Sehnsüchte“. Plötzlich verschwindet er zu seiner Noch-Ehefrau und das Leben der namenlosen Ich-Erzählerin kommt ins Wanken. Dann muss sie für einen angeklagten Mann dolmetschen, und die ersten Zweifel kommen auf. Mich hat der Klappentext interessiert, insbesondere die Prozesse am Gerichtshof. Möglicherweise wurde ich durch ‘How to get away with murder‘ beeinflusst. Dieses Buch konnte mich aus verschiedenen Gründen nicht vollständig überzeugen. Aber vielleicht zunächst zu den positiven Aspekten. Als sie dort für einen afrikanischen Staatschef, dem Völkermord vorgeworfen wird, dolmetscht und die Rolle des Gerichts als "unwirksames Instrument des westlichen Imperialismus" beschreibt, hat mir die Szene sehr gefallen. Dadurch erhält man einen detaillierten Einblick in die Aufgaben einer Dolmetscher_in. Die Ich-Erzählerin beschreibt, wie sehr sie sich auf die korrekte Übersetzung konzentriert, bis sie ins Wanken gerät. Was mir weniger gefallen hat, ist, dass die Figur im Allgemeinen eher distanziert und emotionslos wirkt. Zumindest konnte ich nur schwer Mitgefühl für sie empfinden. Ich weiß nicht, ob es an der Schreibweise lag oder ob es genau die Absicht der Autorin war, die Figur so wirken zu lassen.Jedenfalls wiederholen sich die Dialoge, die Figuren bleiben oberflächlich, und insgesamt unnahbar. Wie gesagt, möglicherweise war das die Absicht und sollte die mangelnde Intimität zeigen, die jedoch paradoxerweise eine gewisse Form von Intimität darstellt. Das Lesen wurde dadurch nicht spannend und eher langweilig.
Das Buch handelt von einer Dolmetscherin am Internationalen Gerichtshof in Den Haag. Man bekommt einen schönen Einblick in das Berufsleben der Dolmetscher. Die Intimität zieht sich durch das ganze Buch als roter Faden. Die Protagonistin liebt es zu analysieren und versucht stets ihre Mitmenschen zu lesen. Die Geschichte fand ich sehr interessant aber auch sehr ausbaufähig. An manchen Stellen wurde Spannung aufgebaut die dann aber leider im Sand verlaufen ist. Das fand ich sehr schade. Generell finde ich der Klappentext verspricht ein viel spannenderes Buch. Manche Teile der Geschichte waren sehr detailliert beschrieben obwohl sie für die Story, meiner Meinung nach, keine Relevanz hatten. Andere Teile der Erzählung wurden nicht ausführlich genug beschrieben. Es las sich oft wie ein Tagebuch der Protagonistin wo sie von ihrem Alltag berichtet. Dennoch konnte ich nicht wirklich eine Verbindung zur Protagonistin aufbauen. Das war leider nicht so ganz mein Fall! Den Schreibstil fand ich dennoch sehr angenehm zu lesen und würde einem anderen Buch der Autorin noch eine Chance geben. Dieser Roman war ganz nett aber hat mich leider nicht so wirklich umgehauen! Als schnelle Lektüre zwischendurch ist sie bestimmt nicht schlecht aber man darf sich nicht zu viel erwarten.
Compelling at first but ultimately unsatisfying
For me, it was a good book with a multifaceted plot and various thematic levels which played well into each other. Since the story of Anton and his incident never gets resolved and the storyline simply fizzles out, I was left a bit unsatisfied in the end. Additionally, we never hear anything more from Jana. Maybe Katie Kitamura did that intentionally to illustrate the dacy of the relationships, but that didn’t especially enhance the story for me. Overall, I liked the beginning much more than the last third of the book, where the “wow” effect was missing. Therefore I don’t know if I would specifically recommend the book.
"Das Dolmetschen ist eine sehr subtile Angelegenheit, nicht umsonst ist der englische Begriff dafür 'interpretation' - so wie Schauspieler eine Rolle interpretieren oder Musiker ein Musikstück. Dem Gerichtshof und all seinen Aktivitäten wohnte eine gewisse Spannung inne, die aus dem Widerspruch zwischen der Intimität persönlichen Leids und dessen öffentlicher Zurschaustellung entstand. Ein Gerichtsverfahren war eine wohlkalkulierte komplexe Darbietung, an der wir alle beteiligt waren und aus der sich niemand vollkommen her-aushalten konnte." - Buchzitat (S. 20) Katie Kitamura, eine amerikanisch-japanische Autorin, präsentiert mit "Intimitäten" einen Roman, der die Heimatlosigkeit einer Dolmetscherin am Internationalen Gerichtshof in Den Haag beleuchtet. Kitamura geboren 1979 in Kalifornien, absolvierte ihr Studium an der Princeton University und ist nicht nur eine renommierte Schriftstellerin, sondern auch Journalistin und Kunstkritikerin. Mit vorherigen Werken wie "Gone to the Forest" und "The Longshot," beides Finalisten für den New York Public Library's Young Lions Fiction Award, hat sie bereits literarische Spuren hinterlassen. Die Geschichte in "Intimitäten" dreht sich um eine namenlose Erzählerin, die den Internationalen Gerichtshof als Dolmetscherin verlässt, um in Den Haag zu arbeiten. Dort begegnet sie Adriaan und glaubt, in dieser Stadt endlich ein Zuhause gefunden zu haben. Doch Adriaan verschwindet abrupt, hinterlässt Fragen und Unsicherheiten. Die Erzählerin steht vor der moralischen Herausforderung, für einen westafrikanischen Kriegsverbrecher zu dolmetschen, und zweifelt an Wahrheit und Gerechtigkeit. "Intimitäten" hat mir spannende Einblicke in die Welt des Dolmetschens am Internationalen Gerichtshof geboten. Die detaillierten Schilderungen der Arbeit eines/einer Dolmetschers/Dolmetscherin und die damit verbundenen emotionalen Belastungen wurden sehr deutlich und ehrlich gesagt, hatte ich mir bisher nie viel Gedanken darüber gemacht. Gut gefallen hat mir auch, dass an einer Stelle im Buch das wichtige Thema Kolonialismus angeschnitten wird: "...neben der Büste von Johan Maurits, dem Gründer des Museums, der sein Vermögen mit transatlantischem Sklavenhandel und der Expansion von Niederländisch-Brasilien gemacht hatte. Jana hatte mir die historischen Hintergründe bei einem früheren Besuch erläutert. Sie wünschte, man würde die Büste entfernen, hatte sie gesagt, denn nicht nur werde mit ihr ein Sklavenhändler und Kolonialist geehrt, sondern sie sei auch als Kunstwerk nicht gelungen." - Buchzitat (S. 123) Gerne wäre ich da noch tiefer eingetaucht. Leider lässt mich das Buch im gesamten dennoch eher gespalten zurück. Unter anderem auch, weil nicht durchgehend gegendert wurde und die fehlenden Anführungszeichen bei direkter Rede (eine stilistische Entscheidung) es mir schwer gemacht haben, mich auf die Dialoge zu konzentrieren. Dadurch bin ich nicht richtig in einen "Leseflow" gekommen. Der Klappentext hält in meinen Augen nicht, was ich mir davon erwartet habe. Er ist nicht falsch beschrieben - hat in mir aber den Eindruck erweckt, einen Roman mit einem gewissen Spannungsbogen vorzufinden, bei dem die Nähe zu dem Kriegsverbrecher mehr im Fokus steht und durch das Verschwinden des Mannes den sie liebt noch eine spannende Side-Story auf mich wartet. Leider stand die nicht sehr spektakuläre Liebesgeschichte welche für mich für mich irgendwie konstruiert und unnatürlich wirkte, zu sehr im Fokus. Ich hätte gerne (noch)mehr über die Beziehung zum Kriegsverbrecher bzw. den Dolmetscher:innenalltag erfahren. Und auch das Ende war kein großer Plot Twist und eher enttäuschend - der Ausgang der Beziehung wirkt erzwungen. Ich denke nicht, dass mir das Buch lange in Erinnerung bleiben wird. Schade, denn sprachlich hat es einige Höhepunkte zu bieten und auch thematisch hätte man mehr rausholen können und tiefer in bestimmte Aspekte eintauchen. Die beschriebenen Details zur Vielschichtigkeit des Übersetzens, von Emotionen bis zu Nuancen der Sprache, sind fesselnd und öffnen eine neue Perspektive. Alles in allem denke nicht, dass mir "Intimitäten" lange in Erinnerung bleiben wird. Schade, denn sprachlich hat es einige Höhepunkte zu bieten und auch thematisch hätte man mehr rausholen können und tiefer in bestimmte Aspekte eintauchen. Die beschriebenen Details zur Vielschichtigkeit des Übersetzens, von Emotionen bis zu Nuancen der Sprache, sind fesselnd und öffnen eine neue Perspektive. Aus den genannten Gründen gebe ich dem Buch 2/5 Sternen.
















