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Normalerweise liest man in historischen Romanen ja eher von Rittern, Königen und braven Kaufmannsleuten. Allenfalls von Wanderchirurgen - aber Wanderhuren?
Einen ganzen Roman über eine Wanderhure? Na, geht denn das überhaupt? Das waren die Fragen, die mir in den Kopf schossen, als mir das Buch "Die Wanderhure" des Autorenduos Iny und Elmar Lorentz das erste Mal begegnete. Mir war der Begriff zunächst vollkommen fremd, doch das sollte sich schnell ändern. "Die Wanderhure" erzählt die Geschichte der braven Bürgerstochter Marie, der großes Unrecht widerfährt und die schließlich dazu gezwungen ist, ihren Lebensunterhalt als umherreisende Hure zu verdienen. Dabei vergisst sie niemals diejenigen, die ihr dieses schwere Schicksal beschert haben... In flüssiger und eindringlicher Sprache erzählt das Buch die Geschichte der jungen Marie - mal spannend, fröhlich und farbenfroh, mal traurig und bedrückend. Vor allem sensible Leser sollten sich auf einen Paukenschlag zu Beginn der Geschichte gefasst machen, der zwar detaillierte Beschreibungen ausspart, dennoch einige recht grausame Szenen erzählt. Diese Handlungselemente sind einerseits schwer zu lesen, andererseits für die Geschichte unbedingt notwendig - Marie wird schließlich nicht freiwillig zur Hure. Durchhalten lohnt sich aber, denn schon bald wird der Leser mit freundlicheren Szenen belohnt. Das Buch weist einen selten abfallenden Spannungsbogen auf und wird von mir ganz eindeutig in die Kategorie "Page-Turner" eingeordnet. Eine ganze Anzahl von Charakteren spielt mit, doch verliert man nie den Überblick. Die Figuren sind wunderbar gezeichnet, lassen dennoch Raum für die eigene Phantasie. Vor allem die anderen "Hübschlerinnen" fand ich sehr gut gelungen. Durch sie erhält der Leser Einblick in eine historische Welt, die er bislang wohl nicht so gut kannte. Er erfährt, dass Huren im Mittelalter zum Bodensatz der Gesellschaft gehören und ihnen viel Unrecht und wenig Achtung widerfährt. Doch auch unter Hübschlerinnen gibt es noch Standesunterschiede, wie z.B. die Verachtung der "Pfennig-Huren" zeigt. Dennoch - ganz ohne Macht sind die Huren nicht, wie ein Ereignis gegen Ende des Buches beweist... Alles in allem ein historischer Roman, wie er sein sollte! Spannend von der ersten bis zur letzten Seite, informativ, ohne zu langweilen und mit liebenswerten und hassenswerten Figuren gleichermaßen ausgestattet.

Jun 30, 2025
Normalerweise liest man in historischen Romanen ja eher von Rittern, Königen und braven Kaufmannsleuten. Allenfalls von Wanderchirurgen - aber Wanderhuren?
Einen ganzen Roman über eine Wanderhure? Na, geht denn das überhaupt? Das waren die Fragen, die mir in den Kopf schossen, als mir das Buch "Die Wanderhure" des Autorenduos Iny und Elmar Lorentz das erste Mal begegnete. Mir war der Begriff zunächst vollkommen fremd, doch das sollte sich schnell ändern. "Die Wanderhure" erzählt die Geschichte der braven Bürgerstochter Marie, der großes Unrecht widerfährt und die schließlich dazu gezwungen ist, ihren Lebensunterhalt als umherreisende Hure zu verdienen. Dabei vergisst sie niemals diejenigen, die ihr dieses schwere Schicksal beschert haben... In flüssiger und eindringlicher Sprache erzählt das Buch die Geschichte der jungen Marie - mal spannend, fröhlich und farbenfroh, mal traurig und bedrückend. Vor allem sensible Leser sollten sich auf einen Paukenschlag zu Beginn der Geschichte gefasst machen, der zwar detaillierte Beschreibungen ausspart, dennoch einige recht grausame Szenen erzählt. Diese Handlungselemente sind einerseits schwer zu lesen, andererseits für die Geschichte unbedingt notwendig - Marie wird schließlich nicht freiwillig zur Hure. Durchhalten lohnt sich aber, denn schon bald wird der Leser mit freundlicheren Szenen belohnt. Das Buch weist einen selten abfallenden Spannungsbogen auf und wird von mir ganz eindeutig in die Kategorie "Page-Turner" eingeordnet. Eine ganze Anzahl von Charakteren spielt mit, doch verliert man nie den Überblick. Die Figuren sind wunderbar gezeichnet, lassen dennoch Raum für die eigene Phantasie. Vor allem die anderen "Hübschlerinnen" fand ich sehr gut gelungen. Durch sie erhält der Leser Einblick in eine historische Welt, die er bislang wohl nicht so gut kannte. Er erfährt, dass Huren im Mittelalter zum Bodensatz der Gesellschaft gehören und ihnen viel Unrecht und wenig Achtung widerfährt. Doch auch unter Hübschlerinnen gibt es noch Standesunterschiede, wie z.B. die Verachtung der "Pfennig-Huren" zeigt. Dennoch - ganz ohne Macht sind die Huren nicht, wie ein Ereignis gegen Ende des Buches beweist... Alles in allem ein historischer Roman, wie er sein sollte! Spannend von der ersten bis zur letzten Seite, informativ, ohne zu langweilen und mit liebenswerten und hassenswerten Figuren gleichermaßen ausgestattet.
Jun 30, 2025







