Der Distelfink
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Description
Book Information
Author Description
Donna Tartt ist eine amerikanische Autorin, die für ihre in vierzig Sprachen übersetzten Romane stets von Kritik und Publikum gefeiert wurde. Ihr erster Roman, »Die geheime Geschichte«, wurde 1992 veröffentlicht. Im Jahr 2003 erhielt sie den WH Smith Literary Award für ihren Roman »Der kleine Freund«, der auch für den Orange Prize for Fiction nominiert war. Für ihren zuletzt geschriebenen Roman, »Der Distelfink«, wurde sie mit dem Pulitzer-Preis und der Andrew Carnegie Medal for Fiction ausgezeichnet.
Characteristics
3 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Posts
Übersetzt von Rainer Schmidt und Kristian Lutze "Und so gern ich an eine Wahrheit jenseits der Illusion glauben möchte, glaube ich doch inzwischen, dass es sie nicht gibt. Denn zwischen der 'Realität' auf der einen Seite und dem Punkt, an dem der Geist die Realität trifft, gibt es eine mittlere Zone, einen Regenbogenrand, wo die Schönheit ins Dasein kommt, wo zwei sehr unterschiedliche Oberflächen sich mischen und verwischen und bereitstellen, was das Leben nicht bietet: Und das ist der Raum, in dem alle Kunst existiert und alle Magie" S. 1021 Monumental, ein Meisterwerk, ein Kunststück, grandios und unglaublich. Und von Preisen überhäuft. Ich glaube, Der Distelfink von Donna Tartt wurde so hoch in den Himmel gelobt, dass selbst der kleine Vogel, der seine Artbezeichnung für den Titel hergab und zugleich für das gleichnamige Kunstwerk von Carel Fabritius steht, ihn dort kaum noch erreichen könnte. Dementsprechend galt es nun für das überschäumende kleine Leserinnenherz in mir, diese Bildungslücke endlich zu füllen. Und ich gebe zu: Ich erwartete viel. Ich war gespannt. Und ich wurde nicht enttäuscht. Der Distelfink, der all seine Superlative und Preise natürlich mehr als verdient hat, ist für mich persönlich aber vor allem eines: der Grund, warum Bücher geschrieben werden – und der Grund, warum ich sie so sehr liebe. Verregnete, durchgelesene Schmökersonntage, das Buch unmöglich wegzulegen, weil es so fesselnd, so allumfassend und so intensiv erzählt wird, dass man in der Geschichte lebt und liebt. Unmöglich, ihr zu entkommen, auch in Zeiten, in denen man die Nase gerade einmal nicht ins Buch steckt. Figuren, Charaktere, Weggefährt:innen – so unglaublich detailreich beschrieben, dass sie dir möglicherweise im Supermarkt den Bund Bananen reichen, weil du sie einfach nicht aus dem Kopf bekommst. Und eine so unfassbar genial erzählte Geschichte, die dich nicht mehr loslässt, lange noch, nachdem du die letzte Seite gelesen hast. All das war Der Distelfink für mich. Ein weiteres Meisterstück von Donna Tartt, die mit ihrem unfassbaren und unvergleichlichen Erzähltalent mir ein weiteres Lieblingsbuch geschenkt hat. Wunderschöne Sätze, die man sich am liebsten allesamt einrahmen möchte. Was ist diese Frau für eine geniale Künstlerin? Der Distelfink ist eine unwiderstehliche, tieftraurige, innige, tragische und manchmal auch hoffnungsvolle Geschichte, die dem Weg von Theo Decker folgt. Bei einem Museumsbesuch verliert er bei einer Explosion seine Mutter, gerät dabei in den Besitz des Kunstwerks Der Distelfink und dieses tragische Ereignis bestimmt fortan seinen weiteren Lebensweg. Genauso wie das Bild selbst, das weiterhin in Theos Besitz ihm durch sein Leben folgt und ihn auf die eine oder andere Weise – positiv wie negativ – beeinflusst. Und genau das macht Tartt so großartig: die Verflechtung des Bildes mit Theos Geschichte. Gleichzeitig ein „Klotz am Bein“, aber auch Sinnbild des Verlustes seiner geliebten Mutter und somit unmöglich aus der Hand zu geben. Der Distelfink ist ein Leseereignis, eine großartige Geschichte über Tragik, Schicksal, Verlust und Trauer, aber auch über Freundschaft und Hoffnung. Für mich persönlich kommt es zwar nicht ganz an Die geheime Geschichte heran, aber trotzdem ist Der Distelfink ein Buch, das ich auf seine ganz eigene Art und Weise niemals wieder vergessen werde.

Donna Tartt hat’s einfach drauf!🐤
Wow wow wow! Ich weiß garnicht, wie ich eine Rezension zu diesem Buch schreiben soll, ohne dass sie viel zu lang und ausschweifend wird. Donna Tartt weiß einfach, wie es geht. Ich habe auch schon „die geheime Geschichte“ von ihr gelesen und fand es grandios, aber der Distelfink ist einfach zu einem Lieblingsbuch geworden. Niemand kann so schreiben wie Donna Tartt! Es geht um den 13-jährigen Theo, der bei einem schlimmen Unfall seine Mutter verliert. Bei diesem Unfall spielt das Gemälde „Der Distelfink“ eine besondere Rolle. Und damit fängt eigentlich alles an, Theo gerät vom rechten Weg ab und gelangt so in eine Abwärtsspirale, die kaum mehr aufzuhalten ist. Manchmal hätte ich das Buch gerne geschüttelt, um Theo wach zu rütteln, aber dann ist mir eingefallen, dass es ja nur eine ausgedachte Figur ist… 5/5 ⭐️

Das war mühsam
Ich hatte dieses Buch vor vielen Jahren angefangen und mit Seite 300+ weggelegt. Jetzt wollte ich es doch noch zu Ende bringen und ich hasse mich dafür, dass ich Bücher schlecht abbrechen kann. Vorweg: Ich kann die Mühe, die hinter diesem Buch steht, wirklich wertschätzen. Aber es hat nichts, was mich mitgerissen hat. Weder die Charaktere (langweilig und nervig), noch die Handlung (wirr und konstruiert, sehr sperrig). Dieses Buch ist aus meiner Sicht massiv überschätzt und gehyped. Ich kann es nicht zum Lesen empfehlen.
Meisterwerk! Aber es hat eben auch seine Längen...
Sprachlich und rhetorisch ein absolutes Meisterwerk aber an manchen Stellen doch etwas lang. Nichts, was man mal zwischendurch liest, es benötigt volle Aufmerksamkeit und hat sie auch bedingungslos verdient 😊 Ps: Das Buch hat mich an 'Ein wenig Leben' erinnert. Vielleicht ist diese Info für euch interessant.
Der Distelfink von Donna Tartt – ein Buch, das mich auf so vielen Ebenen berührt hat ✨Theo Decker verliert als 13-Jähriger seine Mutter bei einem tragischen Anschlag im Museum. Was bleibt, ist ein gestohlenes Gemälde, das ihn auf schmerzhafte Weise an sie erinnert – und ihn immer tiefer in Abgründe aus Trauer, Einsamkeit und dunklen Entscheidungen zieht. Was mich besonders beeindruckt hat, ist Tartts Fähigkeit, mit einfachen Worten so eindringliche Bilder zu malen. Keine Schnörkel, keine aufgesetzten Phrasen – stattdessen entstehen Szenen und Emotionen vor dem inneren Auge, die einen nicht mehr loslassen. Ich fühlte mit Theo, selbst wenn seine Entscheidungen immer absurder wirkten. Er blieb für mich greifbar, menschlich, verletzlich. Trotz der beachtlichen Länge des Buches hatte ich nie das Gefühl, dass sich die Geschichte zieht. Tartt erzählt mit einer Intensität, die mich während des Lesens tief eingesogen hat. Irgendwann jedoch – und das bleibt für mich ein Rätsel – verlor ich auf den letzten Seiten diese Verbindung ein wenig. Vielleicht liegt es an der Überspitzung oder daran, dass es schlicht zu Ende ging und ich noch nicht bereit war.

Was für ein Leben 🫶🏼
Donna Tartts Der Distelfink hat seine Höhen und Tiefen, aber gerade das macht den Roman so stark. Man hängt förmlich am Leben von Theo Decker und begleitet ihn durch seine Kindheit, Jugend und sein Erwachsensein. Dabei fühlt es sich an, als würde man ihn schon sein ganzes Leben lang kennen. Jeder Zeitabschnitt bringt etwas Neues und Faszinierendes mit sich. Oft spannend, manchmal hart und schwer zu verstehen, warum er die Dinge so macht, wie er sie macht, aber immer emotional aufgeladen. Auch wenn die Geschichte zwischendurch sehr düster werden kann, bleibt sie gleichzeitig so aufregend, dass man das Buch unbedingt weiterlesen möchte. Am Ende bleibt das Gefühl, einen Menschen wirklich kennengelernt zu haben. Insgesamt ein intensiver, emotionaler und äußerst beeindruckender Roman.
Hat mich leider nur in Teilen begeistern können. | Alles hätte sich zum Besseren gewendet, wenn sie am Leben geblieben wäre. Aber sie starb, als ich klein war, und obwohl ich an allem, was mir seitdem passiert ist, zu hundert Prozent selbst schuld bin, verlor ich doch mit ihr den Blick für jede Art von Orientierungs-punkt, der mir den Weg zu einem glücklicheren Ort hätte zeigen können, hinein in ein erfüllteres oder zuträglicheres Leben. Ihr Tod also der Grenzstein. Vorher und Nachher. Und auch wenn es so viele Jahre später ein trostloses Eingeständnis ist, habe ich doch nie wieder jemanden kennengelernt, der mir wie sie das Gefühl gab geliebt zu werden. |
Das Buch hatte seine ganz eigene Atmosphäre und nach jedem Kapitel hab ich mich gefragt, wo es mich wohl hinführen wird. Es ist eigentlich eine ganz emotionale Geschichte und Gefühle werden hier auch wirklich gut beschrieben. Leider ein bisschen zu viel des Guten .. für mich… denn dadurch ergaben sich einige Längen. Mich erinnerte das Buch ein bisschen an Demon Copperhead: Waisenjunge im Drogenrausch. | Kirmesfarben, riesige Clownsköpfe und Triple-X-Schilder: Die Fremdartigkeit berauschte mich und ängstigte mich auch ein we-nig. In New York erinnerte mich alles an meine Mutter - jedes Taxi, jede Straßenecke, jede Wolke, die über die Sonne hinwegzog -, aber hier draußen in dieser heißen, mineralischen Leere war es, als hätte sie nie existiert. Ich konnte mir nicht mal vorstellen, wie ihr Geist auf mich herabschaute. In der dünnen, heißen Wüstenluft schien sie spurlos verbrannt zu sein. | | Boris war der einzige Mensch in Vegas, dem ich erzählt hatte, wie meine Mutter gestorben war, und ich muss ihm zugutehalten, dass er diese Information unaufgeregt zur Kenntnis nahm; sein eigenes Leben war so erratisch und voller Gewalt gewesen, dass ihn die Geschichte anscheinend kein bisschen erschreckte. | | Es in den Händen zu halten und nicht auszupacken, um einen Blick darauf zu werfen - die Verlockung war zu groß. Eilig zog ich es heraus und wurde beinahe sofort von seinem Glanz umhüllt, etwas beinahe Musikalischem, einer innewohnenden Süße, die jenseits einer tiefen, bis ins Blut gehenden Harmonie der Stimmigkeit nicht zu erklären war, so wie das Herz langsam und sicher schlug, wenn man mit einem Menschen zusammen war, bei dem man sich geborgen und geliebt fühlte. Das Bild strahlte eine Kraft aus, ein Leuchten, eine Frische wie das Morgenlicht in meinem alten Zimmer in New York, das erhaben und doch erheiternd war, ein Licht, das allem klare Konturen gab und es doch feiner und lieblicher erscheinen ließ, als es in Wirklichkeit war, und umso lieblicher, da es ein Teil der Vergangenheit und unwiederbringlich war. |
Ich hab es geliebt
So eine tolle Sprache! Von Anfang an war ich richtig im Sog der Geschichte. Der Anschlag, das Gemälde, Theo ohne Halt durch den Tod seiner Mutter und den abwesenden Vater. Nur der Distelfink bleibt ihm, und Hobie und Pippa, die einzige Person die verstehen kann wie es ihm geht. Ich habe mitgefühlt mit Theo, von Anfang bis Ende. Ich war traurig als das Buch vorbei war, auch wenn ich es nicht in einem Rutsch durchgelesen habe, war es wie mein Zuhause auf Zeit.
Ich bin jetzt Donna Tartts größter Fan!
Leute! Dieses Buch ist so unfassbar gut, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll! Die Geschichte handelt von Theo, der mit 13 Jahren seine Mutter bei einem Anschlag in einem Museum verliert. Danach begleitet man ihn durch sein Leben. Man beobachtet Theo, wie er alleine gelassen wird, falsche Entscheidungen trifft, vom Trauma seiner Kindheit verfolgt wird und dabei so viel fühlt, dass es mich nicht mehr loslässt. Das klingt alles ganz schön melancholisch & das ist das Buch auch, allerdings nicht erdrückend - es hat auch viele schöne, hoffnungsvolle Momente! Die Sprache des Buchs ist anspruchsvoll, aber man wird sehr entlohnt! Donna Tartt zeichnet ein Bild von Menschen & Lebensrealitäten, die echter und authentischer nicht sein könnten. Irgendwie „kenne“ ich Theo und seine Freunde jetzt. Ich habe mich so unfassbar in die Figuren verliebt & habe zuvor nie ein Buch gelesen, in dem Menschen so gut erfasst und gezeichnet wurden. „Der Distelfink“ ist tiefgründig, poetisch, psychologisch & so wahnsinnig klug. Wie Tartt die Welt beobachtet und zu Papier bringt, ist für mich atemberaubend! Ich habe meiner besten Freundin nur einen kleinen Ausschnitt vorgelesen & sie hat Gänsehaut bekommen. ✔️ Für wen das Buch etwas ist: Für Leser:innen, die sich am liebsten mit tiefgründigen & facettenreichen Figuren auseinandersetzen wollen. Für Menschen, die es mögen, wenn Sprache poetisch & philosophisch ist und tiefe Einblicke in die Psyche des Menschen geben. ✖️ Für wen das Buch nichts ist: Für Leser:innen, die lieber kürzere Bücher lesen (das Buch hat über 1000 Seiten). Für Leser:innen, die schnelle plotgetriebene Handlungen mögen. Für Menschen, die sich nicht mit Trauma & Sucht auseinandersetzen möchten. Für mich ein neues Lieblingsbuch & eine neue Lieblingsautorin. Und weil ich schreibe, auch ein neues literarisches Idol!

Atmosphärisch, brillant und bewegend
Der Distelfink hat mich von Beginn an gefesselt. Die Eröffnung im Museum ist so atmosphärisch dicht gestaltet, dass man den Staub in der Luft beinahe sehen und den Geruch der Trümmer förmlich wahrnehmen kann. Dieser Einstieg zeigt bereits, was Donna Tartts Werk auszeichnet: die Fähigkeit, Räume und Stimmungen so präzise zu beschreiben, dass sie unmittelbar greifbar werden. Auch im weiteren Verlauf überzeugt die Sprache. Tartt schreibt detailverliebt, manchmal fast malerisch, und verleiht Figuren wie Schauplätzen eine Intensität, die lange nachhallt. Besonders Theos Entwicklung, von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter, ist eindrucksvoll geschildert. Seine Einsamkeit, seine innere Zerrissenheit und die Last, die er trägt, sind so überzeugend gezeichnet, dass man als Leserin unausweichlich Anteil nimmt. Gerade hierin liegt für mich die eigentliche Stärke des Romans. Darüber hinaus hat mir gefallen, dass Tartts Bücher nie allein Geschichten erzählen, sondern immer auch Wissen vermitteln. In „Die geheime Geschichte“ standen Antike, Literatur und Philosophie im Mittelpunkt, in „Der Distelfink“ sind es Kunst und Kunstgeschichte, ergänzt durch die Welt der Antiquitäten und der russischen Literatur. Dass sie fast ein Jahrzehnt an jedem ihrer Romane arbeitet, erscheint mir nach der Lektüre nur logisch , denn die Sorgfalt und die Tiefe der Recherche sind auf jeder Seite spürbar. Es gibt Passagen, die für mich weniger stark waren, vor allem in Theos Erwachsenenleben. Manche Teile wirkten langatmig, und das Ende war weniger spannend, als ich es mir erhofft hatte. Die letzten Seiten bestehen fast ausschließlich aus einem inneren Monolog, der eher philosophisch als erzählerisch wirkt. Dennoch habe ich auch dies als Teil der Gesamtwirkung verstanden, als ein leises Nachdenken statt eines dramatischen Finales. So bleibt für mich das Bild eines außergewöhnlichen Romans, atmosphärisch brillant, literarisch dicht und in vielen Momenten tief bewegend.
Die Geschichte hat mich anfangs sehr berührt und aufgewühlt und ich fand die Sprache sehr schön. Das letzte Drittel war leider sehr wirr, hat sich gezogen und es war teilweise sehr schwer den Dialogen zu folgen. Das Ende hat mir persönlich auch nicht gefallen- davon hätte ich mir im Hinblick auf die erste Hälfte der Geschichte mehr erwartet.
„Wir können dem, was wir sind, nicht entrinnen.“
Die Geschichte beginnt mit einem Knall, im wahrsten Sinne des Wortes, und man ist sofort drin. Man taucht direkt ein in die Welt des Theo Decker. Theo ist 13 Jahre alt und verliert während eines Terroranschlags in einem New Yorker Museum seine alleinerziehende Mutter. Im dortigen Chaos nimmt er das Gemälde „Der Distelfink“ an sich und hütet es von nun an wie einen Schatz. Der Verlust seiner Mutter stürzt ihn eine tiefe Trauer, die ihn ein Leben lang begleiten wird. Als er dann noch von seinem Vater aus seinem Umfeld gerissen wird, schließt er im fernen Las Vegas Freundschaft mit dem Außenseiter Boris und verliert sich in Alkohol und Drogen. Beide können sich auf die Erwachsenen ihres Umfeldes nicht verlassen, sind sich selbst überlassen, und begeben sich auf einen selbstzerstörerischen Weg. Die Maßstäbe für richtig oder falsch verschieben sich. Theo sucht seinen Platz im Leben und gerät dabei in eine Welt aus Abhängigkeit und moralischen Grauzonen. Nachdem es wieder eine Wendung in seinem Leben gibt, kehrt er nach New York zurück und findet dort in dem geduldigen und zauberhaften Hobie einen echten Freund – nein, er findet Familie bei ihm. Bei Hobie findet er Halt und ein geregeltes Leben. Dennoch kann Theo sich nie von seiner Vergangenheit befreien. Er wird immer wieder heimgesucht von den Dämonen seiner Trauer und Sucht, trifft falsche Entscheidungen und erleidet Rückschläge. Er ist während des gesamten Buches auf der Suche nach Liebe und muss sich den Konsequenzen seiner Affekthandlung stellen. Donna Tartt erzählt die Geschichte mit Ruhe und einer unglaublichen Zartheit. Ihr Erzählstil ist fesselnd und atmosphärisch, detailliert und berührend. Die Handlung fließt langsam dahin, sie nimmt sich Zeit, um die Themen und Charaktere ausführlich in aller Tiefe zu entfalten. Ein großartiger Roman. Aber er tut auch weh. Er verlangt viel vom Lesenden. Er ist oft schwer auszuhalten, zwischendurch aber blitzen zärtliche, schöne Momente auf. „Der Distelfink“ ist für mich ein Buch, das zum Nachdenken anregt und einen tiefen Eindruck hinterlässt.
Cozy Literatur mit Kunstbezug! 👨🎨🖼️🎨🦜
„Der Distelfink“ ist ein kleines Gemälde eines niederländischen Malers: Carel Fabritius aus dem 17. Jahrhundert (1654) und dieses Gemälde ist das eigentlich geheime Zentrum dieses Buchs. Es beginnt mit einer Sonderausstellung im New Yorker Metropolitan Museum of Arts und der 13 Jährige Theo Decker, unsere Hauptfigur, besucht mit seiner kunstliebenden Mutter diese Ausstellung, die in einer gewaltigen Explosion, einem Terroranschlag, endet. Theo kann sich, zwar etwas verwirrt und verletzt, befreien aus den Trümmern, geht in die gemeinsame Wohnung zurück (er lebt mit seiner alleinerziehenden Mutter zusammen) und wartet vergeblich auf die Rückkehr seiner Mutter, denn sie ist bei diesem Terroranschlag ums Leben gekommen. Die Lage Theos wird sehr bald noch viel schlimmer, denn sein nicht sehr fürsorglicher Vater hat die Familie vor Jahren verlassen und die Sozialarbeiter stehen auf der Matte um ihn in Obhut zu nehmen. Er landet dann erstmal bei der sehr reichen Park-Avenue-Familie eines Schulfreundes, die oberflächlich betrachtet einen guten Zufluchtsort für den gestrandeten Jungen darstellt mit ihrer sehr pastellig-schick-repräsentativen Wohnung, doch der Schein trügt und auch bei dieser scheinbar perfekten Vorzeigefamilie gibt es Probleme en masse. Theo geistert traumatisiert durch den Tod seiner geliebten Mutter durchs Leben und die Lage wird nicht besser, als plötzlich sein nichtsnutziger Vater auftaucht, der mit einer neuen Lebensgefährtin in Las Vegas irgendwo zwischen Glücksspiel und Drogen versucht sein Leben zu bestreiten. Er holt also Theo, der immer und von Herzen gerne ein New Yorker Junge war, hoch nach Nevada. Wo ist aber nun der Distelfink abgeblieben?! Dieser befindet sich, man mag es kaum glauben, in Theos Gepäck - im Rahmen des Attentats hat er dieses sehr kleinformatige Gemälde aus dem Museum entwendet. Ein alter Mann, der zum gleichen Zeitpunkt mit seiner Enkeltochter im Museum war, der sich im Sterbeprozess befindet, hat mit ihm in seinen letzten Momenten noch gesprochen und ihm nahegelegt, ebendieses Bild mitzunehmen. Nun hat also der 13 Jährige Junge ein Gemälde am Hals, das von unschätzbarem Millionenwert ist und es wird sich im zweiten Teil des Buches ein Kriminalplot um dieses Gemälde ranken. Im Teil des Buches, das in Nevada spielt, taucht die zweite wichtige Figur auf, Boris, ein etwas zwielichtiger Junge, der in Australien geboren ist, der Vater Ukrainer, Mutter Polin. Ich würde ihn als eine Art Gothic Figur bezeichnen - er nimmt Drogen von morgens bis abends, ist aber unglaublich gebildet, kennt sich in russischer Literatur aus und die beide werden Freunde (möglicherweise sogar mehr). Aber Theos Leben ist tatsächlich ein sehr obskur-verwahrlostes, da im Wüstensand - es zieht ihn aber zurück nach New York in ein Antiquitätengeschäft, wo er auf meine Lieblingsfigur, den Restauratoren und Antiquitätenhändler Hoby trifft. So, nun habe ich Euch in meinem positiv wahnhaften Schreibfluss schon die Hälfte des Plots dieses Buches erzählt, aber keine Angst, dieses Schätzchen hat über 1000 Seiten, es gibt also noch genug für Euch selbst zu erkunden. Es ist ein Entwicklungsroman eines Halbwaisen (der schließlich noch zum Vollwaisen wird). Theos wichtige Bezugspersonen sterben und der Distelfink wird zum Zentrum seines Lebens. Vor allem Donna Tartts besondere Art der Figurenzeichnung hat die Lektüre so süffig für mich gemacht, wie z.B. als sie Mrs. Barbour (die Mutter der Park-Avenue-Familie, bei der Theo zu Anfang unterkommt) beschreibt: „Mrs. Barbour stammte aus einer Society-Familie mit einem alten holländischen Namen und sah so kühl, so blond, so monochrom aus, dass es manchmal den Eindruck erweckte, man habe einen Teil ihres Blutes abgelassen. Sie war ein Meisterwerk der Gefasstheit; nichts brachte sie je durcheinander oder versetzte sie in Aufregung, und obwohl sie nicht schön war, hatte ihre Ruhe die magnetische Anziehungskraft der Schönheit - eine Stille, die so mächtig war, dass die Moleküle sich um sie herum neu ordneten, sobald sie einen Raum betrat. Wie eine zum Leben erwachte Modezeichnung zog sie die Blicke auf sich, wo immer sie war, und glitt scheinbar ahnungslos dahin, ohne zu merken, welche Turbulenzen sie in ihrem Kielwasser hinterließ.“ Ich habe diesen Roman mit großem Genuss für die Kunstfertigkeit der Autorin gelesen und auch für seinen Kunstbezug mit dem angeketteten Vogel, dem Distelfink als Sklaven, als Gefangenen, wie auch Theo Gefangener seiner Tat, der Entwendung des Gemäldes ist. Gleichzeitigkeit findet er keinen guten Weg mit voranschreitender Zeit, es loszuwerden. An dieser Stelle möchte ich Euch ein weiteres wundervolles Zitat über die Machart des Distelfinken nicht vorenthalten: „Es ist ein Witz, dieses Bild. In seinem Kern liegt ein Witz. Und so machen es alle großen Meister. Rembrandt, Velásquez. Der späte Tizian. Sie machen einen Witz. Sie amüsieren sich. Sie bauen eine Illusion auf, einen Trick - aber trittst du einen Schritt näher heran, löst sich alles in Pinselstriche auf. Abstrakt, unterirdisch. Eine ganz andere, viel tiefergehende Sorte Schönheit.“ Ein großes Wow nochmal an dieser Stelle für Donna Tartts Talent mit Worten umzugehen. Obwohl „Der Distelfink“ über 1000 Seiten zählt, hat er sich für mich weggelesen wie am Schnürchen - ich habe den Roman wahrscheinlich genau deswegen so genossen, weil er mir ermöglicht hat, tief zu versinken in seine Story und seine Figuren, was kürzeren Büchern oft nicht gelingt (ich möchte genau jetzt nochmal meinen Hang zu den dicken Wälzern bekunden, denn ihnen gilt meine wahre Bücherliebe). Ich würde den Distelfinken als cozy Literatur bezeichnen, sofern diese Sparte überhaupt existent ist. Es plätschert an der einen oder anderen Stelle so vor sich hin, das muss man mögen und in der Stimmung für die Art Buch sein - denn wer meint, es müsse auf allen paar Seiten etwas plotbewegendes passieren, wird womöglich enttäuscht von dieser Lektüre. Besonders empfehlen würde ich es wahrscheinlich für den Herbst, wenn man sich gemütlich einkuschelt und einfach von einem Buch gut unterhalten werden möchte, denn das ist es für mich: Unterhaltungsliteratur (bitte nicht negativ konnotiert verstehen). Da „Der Distelfink“ mein erstes Buch von Donna Tartt war, freue ich mich nun bald „Die geheime Geschichte“ lesen zu können, denn ich habe unglaublich viele positive Stimmen dazu vernommen. Solltet Ihr eins der beiden Bücher schon gelesen haben, teilt mir doch gerne mal Eure Gedanken dazu in den Kommentaren mit - was hat Euch am meisten begeistert? Was sind Eure Lieblingsfiguren? Und und und.. Ich freue mich auf all Eure Gedanken! (Gerne auch Lesetipps für weitere Bücher mit Kunstbezug, da habe ich nämlich gerade richtig Lust drauf!)
Ich hatte schon lange kein Buch mehr, das mich so gefesselt hat. Man sollte sich keinesfalls von der Dicke des Buches abschrecken lassen, denn ehe man sich versieht, hat man schon die Hälfte verschlungen. In dem Roman begleiten wir den Protagonisten Theo ab seinem 13. Lebensjahr. Wir erleben mit wie er seine Mutter verliert und ihn das berühmte Gemälde „Der Distelfink“ findet. Der Verlust seiner Mutter stürzt ihn in eine Trauer, die ihn ein Leben lang begleiten wird, während er gleichzeitig versucht, seinen eigenen Weg zu finden. Theos Leben ist von zahlreichen Herausforderungen und Rückschlägen geprägt, und als Leser fühlt man mit ihm. Das Bild des Distelfinks wird dabei zu einem Fixpunkt in Theos Leben. Es ist weit mehr als nur ein wertvolles Kunstwerk; es symbolisiert für ihn Hoffnung, Verlust und die Suche nach Identität. Immer wieder wird während des Romans auf dieses Gemälde Bezug genommen, und es wirkt wie ein roter Faden, der uns durch seine Lebensgeschichte führt. Der Roman hat mich sehr positiv überrascht. Die eindringliche Erzählweise, gepaart mit der tiefen Emotionalität, machte das Buch sehr berührend. „Der Distelfink“ ist für mich ein Buch, das zum Nachdenken anregt und einen tiefen Eindruck hinterlässt.
Der Distelfink von Donna Tartt ist mehr als nur ein Buch – es ist ein literarisches Meisterwerk, das den Leser tief in die Welt des Protagonisten Theo eintauchen lässt.
Auf über 1000 Seiten entfaltet sich eine Geschichte voller Intensität und Detailtreue, die sich nicht für ein schnelles Nebenbei-Lesen eignet. Vielmehr erfordert das Buch eine Hingabe und Aufmerksamkeit, die sich jedoch mehr als lohnt. Donna Tartt beherrscht das Handwerk des Erzählens wie kaum eine andere. Mit einer Sprache, die so präzise und lebendig ist, schafft sie es, dass man als Leser fast das Gefühl hat, in der Geschichte selbst zu sein – man steht Theo zur Seite, sieht, hört und fühlt das, was er erlebt. Die Beschreibungen sind so detailliert, dass man förmlich den Geruch von Kaffee riechen kann. Der Distelfink ist ein Buch für Liebhaber literarischer Tiefe, die bereit sind, sich voll und ganz auf eine Erzählung einzulassen. Es entführt in eine andere Welt und lässt einen so schnell nicht wieder los. Ein beeindruckendes Werk, das nachhallt und noch lange in Erinnerung bleibt. Ich bin so fasziniert von diesem Buch das ich im Frühjahr nach Den Haag Fahre um den Distelfink im Museum zu besuchen.

Ein Traum von einem Buch, genau mein Genre.
Ein Buch so voller Leidenschaft, Dichte an Details und Informationen – it covers so much ground – dass ich es direkt nochmal lesen möchte. Bring mich jetzt nach Den Haag, ich muss den Distelfink sehen! What if one happens to be possessed of a heart that can't be trusted—? What if the heart, for its own unfathomable reasons, leads one willfully and in a cloud of unspeakable radiance away from health, domesticity, civic responsibility and strong social connections and all that blandly held common virtues and instead straight toward a beautiful flare of ruin, self-immolation, disaster? If your deepest self is singing and coaxing you straight toward the bonfire, is it better to run away? Ignore all the perverse glory your heart is screaming at you? Or is it better to throw yourself headfirst and laughing into the holy rage calling your name?
Schicksalsstudie.
Tartt hatte mich bereits mit "Die geheime Geschichte" um den Finger gewickelt. Mit "Der Distelfink" habe ich nun ein zweites Buch von ihr genießen dürfen und bin auch von diesem opulten Werk begeistert. Diese atmosphärische, ja fast greifbare Dichte ist ein absoluter Hochgenuss. Sie legt ein noch feineres Gespür für Stimmungen, Räume und Emotionen an den Tag und hat in meinen Augen den Coming of Age-Roman auf ein ganz neues Level gehoben. Wer sich auf die epische Erzählweise einlässt und auch mit Durststrecken umgehen kann, erlebt einen kluges und literarisch forderndes Gesellschaftspanorama.
„Wenn unsere Geheimnisse uns definieren - im Gegensatz zu dem Gesicht, das wir der Welt zeigen -, dann war das Bild das Geheimnis, das mich über die Oberfläche des Lebens erhob und mich befähigte zu wissen, wer ich bin. Und es ist da: in meinen Notizbü-chern, auf jeder Seite, auch wenn es nicht da ist. Traum und Magie, Magie und Delirium. Die Einheitliche Feldtheorie. Ein Geheimnis um ein Geheimnis.“ Der Distelfink hat mir richtig gut gefallen! Die Geschichte von Theo Decker berührt vor allem durch den poetischen Schreibstil zutiefst. Ich habe so mit Theo mitgelitten, mitgefiebert und mitgefühlt und die Reise zur Heilung mit begleitet. Auch wenn die Geschichte sich an manchen Stellen gezogen hat, habe ich die Geschichte sehr gerne gelesen.
Schriftweise/poetik 5 ⭐️, Story 3 ⭐️
Donna Tartt schreibt wunderschön, kunstvoll und faszinierend und die Geschichte war teilweise auch packend dadurch. Leider passiert in den über 1000 Seiten sehr wenig und ich musste mich teilweise etwas durchquälen. Dieses Buch lebt nicht von der packenden Story sondern eher von den subtilen Veränderungen im Laufe des Lebens des Hauptprotagonisten und dem Erzählstil.
Die Geschichte von Theo beginnt zunächst in einem Amsterdamer Hotel, man erfährt, dass irgendwas kriminelles geschehen sein muss, was genau jedoch nicht. Theo beginnt dann seine Geschichte zu erzählen, welche mit einem Unglück beginnt. Die Geschichte erinnert teilweise an Geschichten von Charles Dickens. Waisenkind, verschiedene Erziehungsberechtigte und Freunde. Ich habe das Buch mit großer Freude gelesen, lediglich das Ende zog sich ein wenig hin, so dass ich 4,5 statt 5 Sterne gebe. Wer gerne epische Romane liest ist hier genau richtig
»Denn: Wenn unsere Geheimnisse uns definieren – im Gegensatz zu dem Gesicht, das wir der Welt zeigen –, dann war das Bild das Geheimnis, das mich über die Oberfläche des Lebens erhob und mich befähigte zu wissen, wer ich bin. Und es ist da: in meinen Notizbüchern, auf jeder Seite, auch wenn es nicht da ist. Traum und Magie, Magie und Delirium. Die Einheitliche Feldtheorie. Ein Geheimnis um ein Geheimnis.«
Leseerfahrung: ⭐️⭐️⭐️⭐️ In einem Song: A Song for the Drunk and Broken Hearted — Passenger In einem Wort: kaputt Inhaltliches: Donna Tartt erzählt in ihrem Distelfinken die Lebensgeschichte eines Jungen, dessen Schicksal in der Tragik verborgen liegt; in einer Geschichte, in welcher »alles […] verloren [war], […] von der Landkarte heruntergefallen: […] weinerlich, wie ein Gefangener im Verhör, der seit Tagen nicht mehr hatte schlafen dürfen. Immer wieder [der Gedanke]: Ich muss nach Hause, und dann, zum millionsten Mal: Aber ich kann nicht.« (S.122), in einer Geschichte, welche sich durch Maritius‘ Distelfinken erzählen lässt: »kurz aufzuflattern und immer wieder am selben hoffnungslosen Ort zu landen« (S.407): Wiederkehr um Wiederkehr an den »Ground Zero, ein bitterer Geschmack hinten im Hals und dann der Schwall der Erleichterung, rückwärts aufs Bett zu fallen« (S.616); die Existenz eines Kartenhauses, bestehend aus Glasscherben: Drogen, Verlust, Einsamkeit, ein Diebstahl, der »Stütze und Rechtfertigung [war], […] Unterhalt [und] Summe. Der Grundpfeiler, der die ganze Kathedrale aufrechterhielt«, eine Existenz, die ein »ganzes Erwachsenenleben lang insgeheim von dieser großen, wilden, verborgenen Freude getragen war: von der Überzeugung, dass [ein] ganzes Leben auf der Spitze eines Geheimnisses im Gleichgewicht gehalten wurde, das die Sprengkraft besaß, dieses Leben jeden Augenblick in Stücke zu zerfetzen« (S.743). Lesende dürfen den jungen Theo auf einer malerischen Reise begleiten, die mit dem Unfalltod seiner Mutter ihren tragischen Anfang nimmt, die Flucht vor System und Heimatlosigkeit zur Folge hat, die den Jungen in die nüchtern-trockene Endlosigkeit des mittleren Westens entführt — fehlende Stabilität erworben durch Alkohol- und Drogenmissbrauch —, ein schicksalhafter Umstand, der ihn in die Hände eines alten, verstaubten und herzensguten Kunst-Restaurators führt, der inmitten von Trostlosigkeit und Terror ein warmes und sicheres Zuhause bietet, ein strahlendes Geheimnis inmitten des Grauens, eine Reise, die mit der Frage endet, wieso ein solch gottesgleiches Geschenk verraten wird; und was bleibt, wenn wirklich nichts mehr übrig ist. „Kritisches“: Donna Tartts Epos liest sich so zauberhaft und pittoresk, wie Paul Klees Jungwaldtafel, eine Geschichte, welche zwischen den Zeilen wieder und wieder kleine Geheimnisse des Seins offenbart und Worte für Wahrnehmungen findet, für welche noch keine existierten (aus einer Erinnerung an eine drogendurchtränkte Nacht in der Wüste vor Las Vegas): »Es geschah für uns beide gleichzeitig, pop! Wir sahen uns an und lachten einfach, alles war urkomisch, sogar die Rutsche des Spielplatzes lachte uns an, und irgendwann mitten in der Nacht, als wir auf dem Spielturm schaukelten und Funkenströme aus unseren Mündern regneten, hatte ich die Epiphanie, dass Lachen Licht war und Licht Lachen und dass dies das Geheimnis des Universums war. Stundenlang sahen wir zu, wie sich die Wolken zu immer neuen intelligenten Mustern formierten, wälzten uns im Dreck und dachten, es wäre Seegras (!), lagen auf dem Rücken und sangen für die einladenden dankbaren Sterne Dear Prudence — wirklich eine der großartigsten Nächte meines Lebens, trotz allem, was später geschah« (S.445). Und wenn man den Jungen in all diesen zauberhaften und schrecklichen Momenten begleitet und mit jeder Zeile und jeder Erinnerung mehr das Gefühl bekommt, diesen Menschen wirklich — wirklich — zu verstehen, diese hunderten und aberhunderten Bilder im Kopf — dann fühlt sich dieser eine Moment; »Später — im Taxi und danach […]« an, als wäre das eigene Leben aus den Fugen geraten und nicht mehr am richtigen Platz, als wäre etwas nicht mehr in Ordnung, was vorher in Ordnung war, ohne genau bestimmen zu können, was es ist: »Warum hatte ich ihn nicht am Arm gepackt und ein letztes Mal angefleht, in den Wagen zu steigen, komm schon, scheiß drauf, Boris, es ist wie Schule schwänzen, und wenn die Sonne aufgeht, frühstücken wir in Maisfeldern? Ich kannte ihn gut genug, um zu wissen, dass er, wenn man ihn richtig und im richtigen Moment fragte, fast alles machen würde; und in jenem Augenblick, in dem ich mich abwendete, wusste ich, dass er mir nachgerannt und lachend in den Wagen gesprungen wäre, wenn ich ihn ein letztes Mal gefragt hätte. Aber das tat ich nicht. Und in Wahrheit war es vielleicht besser so — das sage ich jetzt, obwohl ich es für eine Weile bitter bereute. Mehr als alles andere war ich jedoch erleichtert, dass ich mich in meinem unvertraut redseligen Zustand zurückgehalten hatte, mit dem einen herauszuplatzen, das mir auf der Zunge lag, dem einen, das ich nie gesagt hatte, obwohl es etwas war, das wir beide gut genug wussten, ohne dass ich es ihm laut auf der Straße sagen musste — und das war natürlich: Ich liebe dich« (S.468). Wenig später verlieren wir den Jungen für einige Jahre aus den Augen und mit diesem Verlust geht auch der Zauber der ersten drei Teile des Werks verloren — der Junge mit der tragischen Vergangenheit, der Sicherheit nur in den Drogen fand, dessen Leben ihn wieder und wieder in die Knie zwang und der in jedem Spiel, in welchem er antrat, scheiterte, war verschwunden — und übrig bleibt ein Junkie ohne Geschichte, dessen Leben farblos ist und an Menschlichkeit verliert. Vielleicht ist dieser ent-individualisierende Blick auf das Leben als solches auch zu real, zu ungeschönt, um den Zauber seiner Geschichte zu bewahren, mir fiel es jedoch mit jeder schlechten Entscheidung, die dieser Mensch traf, und jeder bereitwilligen Rückkehr in den Missbrauch schwerer, Begeisterung für ebenjene zu empfinden und die Hoffnung aufrechtzuerhalten, dass sie eine positive Wendung nehmen möchte. Vielleicht aber ist dieses farblose Junkie-Dasein in all seiner Ausführlichkeit und Schrecklichkeit auch unabdingbar, um den Botschaften dieser Geschichte auf einer tieferen Ebene Bedeutung verleihen zu können, denn »was ist, wenn es komplizierter ist? Was ist, wenn vielleicht auch das Gegenteil zutrifft? Denn wenn aus guten Taten manchmal auch Böses kommen kann …? Wo steht dann, dass aus bösen Taten nur Böses kommen kann? Vielleicht manchmal — der falsche Weg ist der richtige Weg? Du nimmst den falschen Weg und kommst trotzdem da an, wo du hinwolltest? Oder, anders gesagt, manchmal machst du alles falsch und es wird trotzdem richtig?« (S.987) — »vielleicht hatte Glück insofern etwas mit Pech gemeinsam, als es eine Weile dauerte, bis man begriff, dass man es gehabt hatte« (S.984). Denn »Wir können uns unser eigenes Herz nich aussuchen. Wir können uns nicht zwingen zu wollen, was gut für uns oder gut für andere ist. Wir können uns nicht aussuchen, wer wir sind« (S.1008) »und so schrecklich es auch ist, […] wir können uns nicht aussuchen, was wir wollen und was wir nicht wollen, und das ist die harte, einsame Wahrheit. Manchmal wollen wir, was wir wollen, obwohl wir wissen, dass es uns umbringen wird. Wir können dem, was wir sind, nicht entrinnen« (S.1021). Persönliches: Mich bindet eine sehr persönliche Erinnerung an dieses Buch — eine Erinnerung an einen Menschen, der mich Lesen und Schreiben lieben lernte und die mich mit der quälenden Frage zurücklässt, ob »nicht alles es wert [ist], dass man etwas dafür riskiert? Kann das Gute nicht manchmal auch durch seltsame Hintertüren hereinkommen?« (S.1005).

Ein richtiges Epos. Der 13 jährige Theo verliert seine Mutter und ab da beginnt seine abenteuerliche Jugend. Dieses Buch ist ein Erlebnis, in das man vollkommen eintauchen kann. Ich hatte an einigen Stellen das Gefühl, dass die autorin die Geschichte etwas strecken wollte, das hätte das Buch nicht nötig gehabt.
Ich mochte die Geschichte so sehr. Tartt hat einen unheimlich intelligenten, witzigen und fesselnden Schreibstil. Über 1000 Seiten, die sich wieder extrem schnell lesen ließen. Die Welt, die Donna Tartt dem Leser hier eröffnet, ist nicht nur einfach ein Entwicklungsroman. Sie lässt ihre Protagonist:innen wirklich durch die Hölle gehen, um dann trotzdem am Ende Hoffnung zu schenken. Sie zeichnet ihre Charaktere so absolut tiefgründig und fein, so tragisch und liebevoll zu gleich. Sie führt den/die Leser:in in die dunkelsten Gassen und schenkt ihnen gleichzeitig Licht, Liebe und Hoffnung. Tartt beschränkt sich nicht auf schwarz oder weiß. Sie zeichnet Grautöne in ihren allerschönsten Farben ❤️. Für mich ein Meisterwerk. Hobie, Theo, Boris, Pippa und Welty werde ich nicht mehr vergessen. Ich kann sie nur schwer ziehen lassen. Für mich war der Film zusätzlich noch ein guter Abschluss. Für mich hat er die Atmosphäre des Buches gut eingefangen. Ich werde das Buch sehr sicher nochmal lesen. Und ich bin mir ebenso sicher, dass das ein Roman ist, in dem man auch noch nach mehrmaligen Lesen viele kleine neue Details entdecken kann. Einfach wundervoll. Wie ein Gemälde, dass einem bei genauerem Hinsehen noch viel mehr preis gibt ;-).
Tolles Buch, wenn man wirklich tief in eine Geschichte eintauchen möchte
Die Geschichte ist super. An einigen Stellen hat sie sich leider sehr zäh in die Länge gezogen. Da muss man echt durchhalten. Aber die Story selber ist spannend. Die Charaktere sind toll beschrieben. Da ich selber ein bisschen Russisch kann, waren die Aussagen von Boris umso witziger. Wenn du also ein 1000 Seiten Buch lesen möchtest, was dich gut mitnimmt und sprachlich auch fordert, bist du hier genau richtig. Nur, wie geschrieben, leider an einigen Stellen zu zäh.

Eine Geschichte, die einen lange nicht loslässt und Lust macht, richtig gute Literatur zu zelebrieren 💛
Dieses Buch von Donna Tartt hat sich ganz schnell zu einem meiner Lieblingsbücher katapultiert und ich habe mir direkt "The Secret History" gekauft. Ich finde die Schreibweise unvergleichlich und ganz besonders. All die kleinen Beobachtungen, die präzise Recherche und die Beschreibung von Schmerz, Verlust, Hoffnung, Freundschaft haben mich gepackt. Das ist für mich wieder eine Geschichte, bei der ich das Schreibhandwerk feier. Man merkt Donna Tartt ihre Liebe zum Schreiben mit jeder Seite an. Für mich war die Handlung spannend, die Figuren lebendig und sogar die Beschreibung von Kunst und Antiquitäten mitreißend. Obwohl ich keine Kunstkennerin bin, hat mich dieses Buch zum Hören eines Kunstpodcasts überzeugt. Dieses Buch hat einen großen Platz in meinem Leserherz. Es war intensiv und einfach richtig richtig gut geschrieben.
Der Distelfink ist für Leute gedacht, die Lust auf ein LANGES Buch und detaillierte Beschreibungen haben. Außerdem werden Themen wie Gewalt, Drogenmissbrauch und Kriminalität ausführlich behandelt. Bei mir war es so, dass ich definitiv Lust auf ein langes Buch hatte und auch wusste, auf was für Themen ich mich einlasse. Für den Großteil der Zeit mochte ich auch die ausschweifenden Beschreibungen, nur am Ende wurde es zu viel. Tartt kann auf jeden Fall gut schreiben. Kommen wir zu Theo. Mit seinem Ich aus der Jugend habe ich tiefes Mitgefühl. Es ist kein Wunder, dass er sich nicht gesund entwickeln kann. Er lebt in ständiger Angst, hat niemanden, der sich auf Augenhöhe mit ihm auseinandersetzt (außer Hobie später) und auch den Impuls das Gemälde zu stehlen und für sich zu behalten verstehe ich. Durch seine unaufgearbeiteten Traumata hat er im Erwachsenenalter zahlreiche Probleme. Der Unterschied zu seinem jüngeren Ich: Man kann von einem Erwachsenen erwarten, dass er Verantwortung für sein Leben übernimmt. Und das tut er nicht, er bleibt in der Opferrolle stecken. Das hat mich sehr traurig gemacht und ich denke, er ist damit kein Einzelfall. Trotzdem ist Der Distelfink eine klare Empfehlung von mir!
Das Buch war eigentlich als Buddyread gedacht 🥲 well… eigentlich. Dann wurde ich krank und hatte zu viel Zeit und dann ist dieses Buch einfach so gut und ich musste es in einem Zug durchlesen. Verratet mir doch direkt Mal, bei welchem Buch ihr das zuletzt hattet? Nun aber zum Distelfink: Dieses Buch ist eine Wucht, ich konnte es kaum aus der Hand legen. Es hat mich mit so einer Kraft in deinen seinen Bann gezogen, dass es immer noch nachwirkt. Wir wechseln mit Theo von der Upper West Side einen verwahrlosten und in Vergessenheit geratenen Vorort von Las Vegas. Drogen werden konsumiert, wir spüren unendlichen Verlust, Freundschaft, Liebe und innigste Verbundenheit. Wir lernen Amsterdam im Winter kennen, werden Spezialist*innen für Antiquitäten, entwickeln (gefühlt) ein Auge für Kunstwerke und leiden immer wieder mit (oft auch mit dem Hund, armer Popper!) Donna Tartt schreibt so makellos, dass man kaum auftauchen mag. Die Geschichte berührt, macht wütend und lässt uns fast verzweifeln, ist kaum versöhnlich. Manchmal tut das richtig weh und richtig gut. Ich habe lang nicht mehr ein Buch gelesen, das direkt ein Herzensbuch wurde. Gönnt euch diese 1000 Seiten (und ja, wenn ihr noch etwas negatives hören wollt: EVENTUELL ist das letzte Drittel etwas langatmig!) Trotzdem gibt es von mir 5/5 ⭐️. Was hat Verlust jetzt mit diesem Kunstwerk auf dem Cover zu tun, fragt ihr euch? Alles. Lest es.
Ein Meisterwerk
Hobie, Boris und Theo - was für tolle Menschen. Sie sind nicht perfekt, aber Donna Tartt schafft es einem die Charaktere zu vermitteln, als hätte man sie schon sein Leben lang gekannt. Meine Lieblingsabschnitte im Buch waren die Zeit in Las Vegas mit Boris und der abschließende Rückblick (habe in den letzten 5-10% Rotz und Wasser geheult). Das Buch ist zwar lang, aber alle Szenen und Dialoge sind so liebevoll ausgeschmückt und sorgfältig beschrieben, dass man sofort erkennt dass die Autorin damit einen Tribut an die Kunst und vor allem den Distelfinken leistet. Einfach wunderschön!

„Niemand wird mir jemals, jemals einreden können, das Leben sei ein fantastisches, lohnendes Geschenk. Denn dies ist die Wahrheit: Leben ist Katastrophe. Die Grundtatsache des Daseins – des Umhergehens auf der Suche nach Nahrung und Freunden und all dessen, was wir sonst noch tun – ist Katastrophe.“ In Windeseile flog ich durch die Seiten und begleitete Theo in seiner dramatischen und atmosphärischen Coming-of-Age Geschichte. Donna Tartt schreibt fantastisch. Keine Seite, kein Satz, kein Wort kamen mir überflüssig vor. Ich habe es sehr genossen, dieses Buch zu lesen. Ganz besonders liebte ich, dass man viel über Kunst erfährt ✨

4⭐️
Dieses unheimlich lange Buch hatte unheimlich viel zu sagen. Ich war total beeindruckt davon, wie die Autorin es geschafft hat, die Passagen genau so zu schreiben, wie unser Protagonist sich in der aktuellen Lebenslage gefühlt haben mag. Einige Passagen ziehen sich, andere gehen blitzschnell vorbei, wieder andere sind so wirr geschrieben, dass es einen fast ein bisschen anstrengt. Das Buch war kompliziert und wirklich unberechenbar. Ich habe es auf eine Weise sehr sehr geliebt, auf eine andere hat es mich total fertig gemacht. Alles in allem: wunderbar, aber sicher nicht für jeden was. Man muss empfänglich sein für so viel (negative) Emotionen und damit umgehen können, deswegen keine uneingeschränkte Empfehlung.
<3
Defintiv eines meiner Liebsten Bücher jemals. Ich bin seit August 23 sehr hyperfixated auf alles an Finn Wolfhard content (ES, Stranger Things, When you finish saving the world,...). Und dabei sagte mir ein Freund "wenn du Richie und Eddie aus ES magst, wirst du Boris und Theo in The Goldfinch lieben!" Also hab ich den Film geschaut. Dann hab ich das Buch gelesen und sie hatte SO RECHT. Der Film ist anfänglich vielleicht unverständlich durch die vielen Perspektivenwechsel, aber lasst euch davon nicht vom Buch abschrecken, denn dann versteht man alles besser. Natürlich gibt es hier viele triggerthemen wie mentale Gesundheit, Suizid, Drogenkonsum,... Aber er sowas abkann, sollte das Buch lesen! Vorallem die Beziehung zwischen Theo und Boris hat es mir besonders angetan. Wie die zwei sich gegenseitig brauchen, unterstützten und lieben. Es ist einfach wunderschön. Ich will nicht zu viel Spoilern, also lass ich's einfach mal, vorallem kann ich mich wenn dann eh nur in englisch ausdrücken und ich denke nicht, dass jemand nen ganzen Aufsatz über die Beziehung der beiden lesen will XD. Defintiv eine Empfehlung von mir, wahrscheinlich mein liebstes "normales" Buch. (Also abgesehen von Manga).
Abbruch nach 40 Seiten. Der Schreibstil entspricht nicht meinem Geschmack.
Der Distelfink wurde mir von einigen begeisterten Lesern empfohlen, aber Geschmäcker sind ja verschieden. Mir gefällt der Schreibstil nicht und grundsätzlich hege ich eigentlich auch kein großes Interesse an der Geschichte. Das durchlesen der anderen Rezensionen zu diesem Buch hat mich darin bestärkt auf mein Bauchgefühl zu hören und abzubrechen. Das wäre ganz sicher auch im weiteren Verlauf nicht meine Geschichte geworden.
5/5 [Donna did it again💌⭐️] Donna Tartt’s „The Goldfinch“ is a deeply moving novel about fate, grief, and the enduring power of beauty (in art).
Following Theo Decker from a traumatic childhood event to a turbulent adulthood, the story weaves through love, crime, and identity with rich prose and intricate character development. Though some parts may feel slow, the novel’s emotional depth and philosophical musings make it a compelling and unforgettable read. Tartt masterfully plants small details early on, only to bring them back later in surprising ways, creating a brilliant effect for the reader (at least imo). I'm happy to say that this is my new favorite book!
![5/5 [Donna did it again💌⭐️]
Donna Tartt’s „The Goldfinch“ is a deeply moving novel about fate, grief, and the enduring power of beauty (in art).](https://social-cdn.read-o.com/images/1742921417260-35.jpg)
Mehr erhofft
Ich hab die ersten 500 Seiten des Buches geliebt, konnte sehr schnell durch lesen, da es einfach spannend und abwechslungsreich war. Danach ging es eher schleppend voran, das Thema hat sich in die Länge gezogen und mich persönlich leider etwas gelangweilt. Das Ende war auch eher ‚meh‘, aber ich kann auch verstehen, wenn andere es mögen. Für mich war das Buch ein paar Seiten zu lang, die ganzen Party-Szenen hätte man zB einfach rauslassen können, da sie nur kurz angekratzt wurden und dann schon ins nächste Thema gesprungen wurde. Eigentlich ein gutes Buch, aber ein paar Seiten weniger und weniger um den heißen Brei drum rum schreiben, hätte nicht geschadet.

Characteristics
3 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Description
Book Information
Author Description
Donna Tartt ist eine amerikanische Autorin, die für ihre in vierzig Sprachen übersetzten Romane stets von Kritik und Publikum gefeiert wurde. Ihr erster Roman, »Die geheime Geschichte«, wurde 1992 veröffentlicht. Im Jahr 2003 erhielt sie den WH Smith Literary Award für ihren Roman »Der kleine Freund«, der auch für den Orange Prize for Fiction nominiert war. Für ihren zuletzt geschriebenen Roman, »Der Distelfink«, wurde sie mit dem Pulitzer-Preis und der Andrew Carnegie Medal for Fiction ausgezeichnet.
Posts
Übersetzt von Rainer Schmidt und Kristian Lutze "Und so gern ich an eine Wahrheit jenseits der Illusion glauben möchte, glaube ich doch inzwischen, dass es sie nicht gibt. Denn zwischen der 'Realität' auf der einen Seite und dem Punkt, an dem der Geist die Realität trifft, gibt es eine mittlere Zone, einen Regenbogenrand, wo die Schönheit ins Dasein kommt, wo zwei sehr unterschiedliche Oberflächen sich mischen und verwischen und bereitstellen, was das Leben nicht bietet: Und das ist der Raum, in dem alle Kunst existiert und alle Magie" S. 1021 Monumental, ein Meisterwerk, ein Kunststück, grandios und unglaublich. Und von Preisen überhäuft. Ich glaube, Der Distelfink von Donna Tartt wurde so hoch in den Himmel gelobt, dass selbst der kleine Vogel, der seine Artbezeichnung für den Titel hergab und zugleich für das gleichnamige Kunstwerk von Carel Fabritius steht, ihn dort kaum noch erreichen könnte. Dementsprechend galt es nun für das überschäumende kleine Leserinnenherz in mir, diese Bildungslücke endlich zu füllen. Und ich gebe zu: Ich erwartete viel. Ich war gespannt. Und ich wurde nicht enttäuscht. Der Distelfink, der all seine Superlative und Preise natürlich mehr als verdient hat, ist für mich persönlich aber vor allem eines: der Grund, warum Bücher geschrieben werden – und der Grund, warum ich sie so sehr liebe. Verregnete, durchgelesene Schmökersonntage, das Buch unmöglich wegzulegen, weil es so fesselnd, so allumfassend und so intensiv erzählt wird, dass man in der Geschichte lebt und liebt. Unmöglich, ihr zu entkommen, auch in Zeiten, in denen man die Nase gerade einmal nicht ins Buch steckt. Figuren, Charaktere, Weggefährt:innen – so unglaublich detailreich beschrieben, dass sie dir möglicherweise im Supermarkt den Bund Bananen reichen, weil du sie einfach nicht aus dem Kopf bekommst. Und eine so unfassbar genial erzählte Geschichte, die dich nicht mehr loslässt, lange noch, nachdem du die letzte Seite gelesen hast. All das war Der Distelfink für mich. Ein weiteres Meisterstück von Donna Tartt, die mit ihrem unfassbaren und unvergleichlichen Erzähltalent mir ein weiteres Lieblingsbuch geschenkt hat. Wunderschöne Sätze, die man sich am liebsten allesamt einrahmen möchte. Was ist diese Frau für eine geniale Künstlerin? Der Distelfink ist eine unwiderstehliche, tieftraurige, innige, tragische und manchmal auch hoffnungsvolle Geschichte, die dem Weg von Theo Decker folgt. Bei einem Museumsbesuch verliert er bei einer Explosion seine Mutter, gerät dabei in den Besitz des Kunstwerks Der Distelfink und dieses tragische Ereignis bestimmt fortan seinen weiteren Lebensweg. Genauso wie das Bild selbst, das weiterhin in Theos Besitz ihm durch sein Leben folgt und ihn auf die eine oder andere Weise – positiv wie negativ – beeinflusst. Und genau das macht Tartt so großartig: die Verflechtung des Bildes mit Theos Geschichte. Gleichzeitig ein „Klotz am Bein“, aber auch Sinnbild des Verlustes seiner geliebten Mutter und somit unmöglich aus der Hand zu geben. Der Distelfink ist ein Leseereignis, eine großartige Geschichte über Tragik, Schicksal, Verlust und Trauer, aber auch über Freundschaft und Hoffnung. Für mich persönlich kommt es zwar nicht ganz an Die geheime Geschichte heran, aber trotzdem ist Der Distelfink ein Buch, das ich auf seine ganz eigene Art und Weise niemals wieder vergessen werde.

Donna Tartt hat’s einfach drauf!🐤
Wow wow wow! Ich weiß garnicht, wie ich eine Rezension zu diesem Buch schreiben soll, ohne dass sie viel zu lang und ausschweifend wird. Donna Tartt weiß einfach, wie es geht. Ich habe auch schon „die geheime Geschichte“ von ihr gelesen und fand es grandios, aber der Distelfink ist einfach zu einem Lieblingsbuch geworden. Niemand kann so schreiben wie Donna Tartt! Es geht um den 13-jährigen Theo, der bei einem schlimmen Unfall seine Mutter verliert. Bei diesem Unfall spielt das Gemälde „Der Distelfink“ eine besondere Rolle. Und damit fängt eigentlich alles an, Theo gerät vom rechten Weg ab und gelangt so in eine Abwärtsspirale, die kaum mehr aufzuhalten ist. Manchmal hätte ich das Buch gerne geschüttelt, um Theo wach zu rütteln, aber dann ist mir eingefallen, dass es ja nur eine ausgedachte Figur ist… 5/5 ⭐️

Das war mühsam
Ich hatte dieses Buch vor vielen Jahren angefangen und mit Seite 300+ weggelegt. Jetzt wollte ich es doch noch zu Ende bringen und ich hasse mich dafür, dass ich Bücher schlecht abbrechen kann. Vorweg: Ich kann die Mühe, die hinter diesem Buch steht, wirklich wertschätzen. Aber es hat nichts, was mich mitgerissen hat. Weder die Charaktere (langweilig und nervig), noch die Handlung (wirr und konstruiert, sehr sperrig). Dieses Buch ist aus meiner Sicht massiv überschätzt und gehyped. Ich kann es nicht zum Lesen empfehlen.
Meisterwerk! Aber es hat eben auch seine Längen...
Sprachlich und rhetorisch ein absolutes Meisterwerk aber an manchen Stellen doch etwas lang. Nichts, was man mal zwischendurch liest, es benötigt volle Aufmerksamkeit und hat sie auch bedingungslos verdient 😊 Ps: Das Buch hat mich an 'Ein wenig Leben' erinnert. Vielleicht ist diese Info für euch interessant.
Der Distelfink von Donna Tartt – ein Buch, das mich auf so vielen Ebenen berührt hat ✨Theo Decker verliert als 13-Jähriger seine Mutter bei einem tragischen Anschlag im Museum. Was bleibt, ist ein gestohlenes Gemälde, das ihn auf schmerzhafte Weise an sie erinnert – und ihn immer tiefer in Abgründe aus Trauer, Einsamkeit und dunklen Entscheidungen zieht. Was mich besonders beeindruckt hat, ist Tartts Fähigkeit, mit einfachen Worten so eindringliche Bilder zu malen. Keine Schnörkel, keine aufgesetzten Phrasen – stattdessen entstehen Szenen und Emotionen vor dem inneren Auge, die einen nicht mehr loslassen. Ich fühlte mit Theo, selbst wenn seine Entscheidungen immer absurder wirkten. Er blieb für mich greifbar, menschlich, verletzlich. Trotz der beachtlichen Länge des Buches hatte ich nie das Gefühl, dass sich die Geschichte zieht. Tartt erzählt mit einer Intensität, die mich während des Lesens tief eingesogen hat. Irgendwann jedoch – und das bleibt für mich ein Rätsel – verlor ich auf den letzten Seiten diese Verbindung ein wenig. Vielleicht liegt es an der Überspitzung oder daran, dass es schlicht zu Ende ging und ich noch nicht bereit war.

Was für ein Leben 🫶🏼
Donna Tartts Der Distelfink hat seine Höhen und Tiefen, aber gerade das macht den Roman so stark. Man hängt förmlich am Leben von Theo Decker und begleitet ihn durch seine Kindheit, Jugend und sein Erwachsensein. Dabei fühlt es sich an, als würde man ihn schon sein ganzes Leben lang kennen. Jeder Zeitabschnitt bringt etwas Neues und Faszinierendes mit sich. Oft spannend, manchmal hart und schwer zu verstehen, warum er die Dinge so macht, wie er sie macht, aber immer emotional aufgeladen. Auch wenn die Geschichte zwischendurch sehr düster werden kann, bleibt sie gleichzeitig so aufregend, dass man das Buch unbedingt weiterlesen möchte. Am Ende bleibt das Gefühl, einen Menschen wirklich kennengelernt zu haben. Insgesamt ein intensiver, emotionaler und äußerst beeindruckender Roman.
Hat mich leider nur in Teilen begeistern können. | Alles hätte sich zum Besseren gewendet, wenn sie am Leben geblieben wäre. Aber sie starb, als ich klein war, und obwohl ich an allem, was mir seitdem passiert ist, zu hundert Prozent selbst schuld bin, verlor ich doch mit ihr den Blick für jede Art von Orientierungs-punkt, der mir den Weg zu einem glücklicheren Ort hätte zeigen können, hinein in ein erfüllteres oder zuträglicheres Leben. Ihr Tod also der Grenzstein. Vorher und Nachher. Und auch wenn es so viele Jahre später ein trostloses Eingeständnis ist, habe ich doch nie wieder jemanden kennengelernt, der mir wie sie das Gefühl gab geliebt zu werden. |
Das Buch hatte seine ganz eigene Atmosphäre und nach jedem Kapitel hab ich mich gefragt, wo es mich wohl hinführen wird. Es ist eigentlich eine ganz emotionale Geschichte und Gefühle werden hier auch wirklich gut beschrieben. Leider ein bisschen zu viel des Guten .. für mich… denn dadurch ergaben sich einige Längen. Mich erinnerte das Buch ein bisschen an Demon Copperhead: Waisenjunge im Drogenrausch. | Kirmesfarben, riesige Clownsköpfe und Triple-X-Schilder: Die Fremdartigkeit berauschte mich und ängstigte mich auch ein we-nig. In New York erinnerte mich alles an meine Mutter - jedes Taxi, jede Straßenecke, jede Wolke, die über die Sonne hinwegzog -, aber hier draußen in dieser heißen, mineralischen Leere war es, als hätte sie nie existiert. Ich konnte mir nicht mal vorstellen, wie ihr Geist auf mich herabschaute. In der dünnen, heißen Wüstenluft schien sie spurlos verbrannt zu sein. | | Boris war der einzige Mensch in Vegas, dem ich erzählt hatte, wie meine Mutter gestorben war, und ich muss ihm zugutehalten, dass er diese Information unaufgeregt zur Kenntnis nahm; sein eigenes Leben war so erratisch und voller Gewalt gewesen, dass ihn die Geschichte anscheinend kein bisschen erschreckte. | | Es in den Händen zu halten und nicht auszupacken, um einen Blick darauf zu werfen - die Verlockung war zu groß. Eilig zog ich es heraus und wurde beinahe sofort von seinem Glanz umhüllt, etwas beinahe Musikalischem, einer innewohnenden Süße, die jenseits einer tiefen, bis ins Blut gehenden Harmonie der Stimmigkeit nicht zu erklären war, so wie das Herz langsam und sicher schlug, wenn man mit einem Menschen zusammen war, bei dem man sich geborgen und geliebt fühlte. Das Bild strahlte eine Kraft aus, ein Leuchten, eine Frische wie das Morgenlicht in meinem alten Zimmer in New York, das erhaben und doch erheiternd war, ein Licht, das allem klare Konturen gab und es doch feiner und lieblicher erscheinen ließ, als es in Wirklichkeit war, und umso lieblicher, da es ein Teil der Vergangenheit und unwiederbringlich war. |
Ich hab es geliebt
So eine tolle Sprache! Von Anfang an war ich richtig im Sog der Geschichte. Der Anschlag, das Gemälde, Theo ohne Halt durch den Tod seiner Mutter und den abwesenden Vater. Nur der Distelfink bleibt ihm, und Hobie und Pippa, die einzige Person die verstehen kann wie es ihm geht. Ich habe mitgefühlt mit Theo, von Anfang bis Ende. Ich war traurig als das Buch vorbei war, auch wenn ich es nicht in einem Rutsch durchgelesen habe, war es wie mein Zuhause auf Zeit.
Ich bin jetzt Donna Tartts größter Fan!
Leute! Dieses Buch ist so unfassbar gut, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll! Die Geschichte handelt von Theo, der mit 13 Jahren seine Mutter bei einem Anschlag in einem Museum verliert. Danach begleitet man ihn durch sein Leben. Man beobachtet Theo, wie er alleine gelassen wird, falsche Entscheidungen trifft, vom Trauma seiner Kindheit verfolgt wird und dabei so viel fühlt, dass es mich nicht mehr loslässt. Das klingt alles ganz schön melancholisch & das ist das Buch auch, allerdings nicht erdrückend - es hat auch viele schöne, hoffnungsvolle Momente! Die Sprache des Buchs ist anspruchsvoll, aber man wird sehr entlohnt! Donna Tartt zeichnet ein Bild von Menschen & Lebensrealitäten, die echter und authentischer nicht sein könnten. Irgendwie „kenne“ ich Theo und seine Freunde jetzt. Ich habe mich so unfassbar in die Figuren verliebt & habe zuvor nie ein Buch gelesen, in dem Menschen so gut erfasst und gezeichnet wurden. „Der Distelfink“ ist tiefgründig, poetisch, psychologisch & so wahnsinnig klug. Wie Tartt die Welt beobachtet und zu Papier bringt, ist für mich atemberaubend! Ich habe meiner besten Freundin nur einen kleinen Ausschnitt vorgelesen & sie hat Gänsehaut bekommen. ✔️ Für wen das Buch etwas ist: Für Leser:innen, die sich am liebsten mit tiefgründigen & facettenreichen Figuren auseinandersetzen wollen. Für Menschen, die es mögen, wenn Sprache poetisch & philosophisch ist und tiefe Einblicke in die Psyche des Menschen geben. ✖️ Für wen das Buch nichts ist: Für Leser:innen, die lieber kürzere Bücher lesen (das Buch hat über 1000 Seiten). Für Leser:innen, die schnelle plotgetriebene Handlungen mögen. Für Menschen, die sich nicht mit Trauma & Sucht auseinandersetzen möchten. Für mich ein neues Lieblingsbuch & eine neue Lieblingsautorin. Und weil ich schreibe, auch ein neues literarisches Idol!

Atmosphärisch, brillant und bewegend
Der Distelfink hat mich von Beginn an gefesselt. Die Eröffnung im Museum ist so atmosphärisch dicht gestaltet, dass man den Staub in der Luft beinahe sehen und den Geruch der Trümmer förmlich wahrnehmen kann. Dieser Einstieg zeigt bereits, was Donna Tartts Werk auszeichnet: die Fähigkeit, Räume und Stimmungen so präzise zu beschreiben, dass sie unmittelbar greifbar werden. Auch im weiteren Verlauf überzeugt die Sprache. Tartt schreibt detailverliebt, manchmal fast malerisch, und verleiht Figuren wie Schauplätzen eine Intensität, die lange nachhallt. Besonders Theos Entwicklung, von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter, ist eindrucksvoll geschildert. Seine Einsamkeit, seine innere Zerrissenheit und die Last, die er trägt, sind so überzeugend gezeichnet, dass man als Leserin unausweichlich Anteil nimmt. Gerade hierin liegt für mich die eigentliche Stärke des Romans. Darüber hinaus hat mir gefallen, dass Tartts Bücher nie allein Geschichten erzählen, sondern immer auch Wissen vermitteln. In „Die geheime Geschichte“ standen Antike, Literatur und Philosophie im Mittelpunkt, in „Der Distelfink“ sind es Kunst und Kunstgeschichte, ergänzt durch die Welt der Antiquitäten und der russischen Literatur. Dass sie fast ein Jahrzehnt an jedem ihrer Romane arbeitet, erscheint mir nach der Lektüre nur logisch , denn die Sorgfalt und die Tiefe der Recherche sind auf jeder Seite spürbar. Es gibt Passagen, die für mich weniger stark waren, vor allem in Theos Erwachsenenleben. Manche Teile wirkten langatmig, und das Ende war weniger spannend, als ich es mir erhofft hatte. Die letzten Seiten bestehen fast ausschließlich aus einem inneren Monolog, der eher philosophisch als erzählerisch wirkt. Dennoch habe ich auch dies als Teil der Gesamtwirkung verstanden, als ein leises Nachdenken statt eines dramatischen Finales. So bleibt für mich das Bild eines außergewöhnlichen Romans, atmosphärisch brillant, literarisch dicht und in vielen Momenten tief bewegend.
Die Geschichte hat mich anfangs sehr berührt und aufgewühlt und ich fand die Sprache sehr schön. Das letzte Drittel war leider sehr wirr, hat sich gezogen und es war teilweise sehr schwer den Dialogen zu folgen. Das Ende hat mir persönlich auch nicht gefallen- davon hätte ich mir im Hinblick auf die erste Hälfte der Geschichte mehr erwartet.
„Wir können dem, was wir sind, nicht entrinnen.“
Die Geschichte beginnt mit einem Knall, im wahrsten Sinne des Wortes, und man ist sofort drin. Man taucht direkt ein in die Welt des Theo Decker. Theo ist 13 Jahre alt und verliert während eines Terroranschlags in einem New Yorker Museum seine alleinerziehende Mutter. Im dortigen Chaos nimmt er das Gemälde „Der Distelfink“ an sich und hütet es von nun an wie einen Schatz. Der Verlust seiner Mutter stürzt ihn eine tiefe Trauer, die ihn ein Leben lang begleiten wird. Als er dann noch von seinem Vater aus seinem Umfeld gerissen wird, schließt er im fernen Las Vegas Freundschaft mit dem Außenseiter Boris und verliert sich in Alkohol und Drogen. Beide können sich auf die Erwachsenen ihres Umfeldes nicht verlassen, sind sich selbst überlassen, und begeben sich auf einen selbstzerstörerischen Weg. Die Maßstäbe für richtig oder falsch verschieben sich. Theo sucht seinen Platz im Leben und gerät dabei in eine Welt aus Abhängigkeit und moralischen Grauzonen. Nachdem es wieder eine Wendung in seinem Leben gibt, kehrt er nach New York zurück und findet dort in dem geduldigen und zauberhaften Hobie einen echten Freund – nein, er findet Familie bei ihm. Bei Hobie findet er Halt und ein geregeltes Leben. Dennoch kann Theo sich nie von seiner Vergangenheit befreien. Er wird immer wieder heimgesucht von den Dämonen seiner Trauer und Sucht, trifft falsche Entscheidungen und erleidet Rückschläge. Er ist während des gesamten Buches auf der Suche nach Liebe und muss sich den Konsequenzen seiner Affekthandlung stellen. Donna Tartt erzählt die Geschichte mit Ruhe und einer unglaublichen Zartheit. Ihr Erzählstil ist fesselnd und atmosphärisch, detailliert und berührend. Die Handlung fließt langsam dahin, sie nimmt sich Zeit, um die Themen und Charaktere ausführlich in aller Tiefe zu entfalten. Ein großartiger Roman. Aber er tut auch weh. Er verlangt viel vom Lesenden. Er ist oft schwer auszuhalten, zwischendurch aber blitzen zärtliche, schöne Momente auf. „Der Distelfink“ ist für mich ein Buch, das zum Nachdenken anregt und einen tiefen Eindruck hinterlässt.
Cozy Literatur mit Kunstbezug! 👨🎨🖼️🎨🦜
„Der Distelfink“ ist ein kleines Gemälde eines niederländischen Malers: Carel Fabritius aus dem 17. Jahrhundert (1654) und dieses Gemälde ist das eigentlich geheime Zentrum dieses Buchs. Es beginnt mit einer Sonderausstellung im New Yorker Metropolitan Museum of Arts und der 13 Jährige Theo Decker, unsere Hauptfigur, besucht mit seiner kunstliebenden Mutter diese Ausstellung, die in einer gewaltigen Explosion, einem Terroranschlag, endet. Theo kann sich, zwar etwas verwirrt und verletzt, befreien aus den Trümmern, geht in die gemeinsame Wohnung zurück (er lebt mit seiner alleinerziehenden Mutter zusammen) und wartet vergeblich auf die Rückkehr seiner Mutter, denn sie ist bei diesem Terroranschlag ums Leben gekommen. Die Lage Theos wird sehr bald noch viel schlimmer, denn sein nicht sehr fürsorglicher Vater hat die Familie vor Jahren verlassen und die Sozialarbeiter stehen auf der Matte um ihn in Obhut zu nehmen. Er landet dann erstmal bei der sehr reichen Park-Avenue-Familie eines Schulfreundes, die oberflächlich betrachtet einen guten Zufluchtsort für den gestrandeten Jungen darstellt mit ihrer sehr pastellig-schick-repräsentativen Wohnung, doch der Schein trügt und auch bei dieser scheinbar perfekten Vorzeigefamilie gibt es Probleme en masse. Theo geistert traumatisiert durch den Tod seiner geliebten Mutter durchs Leben und die Lage wird nicht besser, als plötzlich sein nichtsnutziger Vater auftaucht, der mit einer neuen Lebensgefährtin in Las Vegas irgendwo zwischen Glücksspiel und Drogen versucht sein Leben zu bestreiten. Er holt also Theo, der immer und von Herzen gerne ein New Yorker Junge war, hoch nach Nevada. Wo ist aber nun der Distelfink abgeblieben?! Dieser befindet sich, man mag es kaum glauben, in Theos Gepäck - im Rahmen des Attentats hat er dieses sehr kleinformatige Gemälde aus dem Museum entwendet. Ein alter Mann, der zum gleichen Zeitpunkt mit seiner Enkeltochter im Museum war, der sich im Sterbeprozess befindet, hat mit ihm in seinen letzten Momenten noch gesprochen und ihm nahegelegt, ebendieses Bild mitzunehmen. Nun hat also der 13 Jährige Junge ein Gemälde am Hals, das von unschätzbarem Millionenwert ist und es wird sich im zweiten Teil des Buches ein Kriminalplot um dieses Gemälde ranken. Im Teil des Buches, das in Nevada spielt, taucht die zweite wichtige Figur auf, Boris, ein etwas zwielichtiger Junge, der in Australien geboren ist, der Vater Ukrainer, Mutter Polin. Ich würde ihn als eine Art Gothic Figur bezeichnen - er nimmt Drogen von morgens bis abends, ist aber unglaublich gebildet, kennt sich in russischer Literatur aus und die beide werden Freunde (möglicherweise sogar mehr). Aber Theos Leben ist tatsächlich ein sehr obskur-verwahrlostes, da im Wüstensand - es zieht ihn aber zurück nach New York in ein Antiquitätengeschäft, wo er auf meine Lieblingsfigur, den Restauratoren und Antiquitätenhändler Hoby trifft. So, nun habe ich Euch in meinem positiv wahnhaften Schreibfluss schon die Hälfte des Plots dieses Buches erzählt, aber keine Angst, dieses Schätzchen hat über 1000 Seiten, es gibt also noch genug für Euch selbst zu erkunden. Es ist ein Entwicklungsroman eines Halbwaisen (der schließlich noch zum Vollwaisen wird). Theos wichtige Bezugspersonen sterben und der Distelfink wird zum Zentrum seines Lebens. Vor allem Donna Tartts besondere Art der Figurenzeichnung hat die Lektüre so süffig für mich gemacht, wie z.B. als sie Mrs. Barbour (die Mutter der Park-Avenue-Familie, bei der Theo zu Anfang unterkommt) beschreibt: „Mrs. Barbour stammte aus einer Society-Familie mit einem alten holländischen Namen und sah so kühl, so blond, so monochrom aus, dass es manchmal den Eindruck erweckte, man habe einen Teil ihres Blutes abgelassen. Sie war ein Meisterwerk der Gefasstheit; nichts brachte sie je durcheinander oder versetzte sie in Aufregung, und obwohl sie nicht schön war, hatte ihre Ruhe die magnetische Anziehungskraft der Schönheit - eine Stille, die so mächtig war, dass die Moleküle sich um sie herum neu ordneten, sobald sie einen Raum betrat. Wie eine zum Leben erwachte Modezeichnung zog sie die Blicke auf sich, wo immer sie war, und glitt scheinbar ahnungslos dahin, ohne zu merken, welche Turbulenzen sie in ihrem Kielwasser hinterließ.“ Ich habe diesen Roman mit großem Genuss für die Kunstfertigkeit der Autorin gelesen und auch für seinen Kunstbezug mit dem angeketteten Vogel, dem Distelfink als Sklaven, als Gefangenen, wie auch Theo Gefangener seiner Tat, der Entwendung des Gemäldes ist. Gleichzeitigkeit findet er keinen guten Weg mit voranschreitender Zeit, es loszuwerden. An dieser Stelle möchte ich Euch ein weiteres wundervolles Zitat über die Machart des Distelfinken nicht vorenthalten: „Es ist ein Witz, dieses Bild. In seinem Kern liegt ein Witz. Und so machen es alle großen Meister. Rembrandt, Velásquez. Der späte Tizian. Sie machen einen Witz. Sie amüsieren sich. Sie bauen eine Illusion auf, einen Trick - aber trittst du einen Schritt näher heran, löst sich alles in Pinselstriche auf. Abstrakt, unterirdisch. Eine ganz andere, viel tiefergehende Sorte Schönheit.“ Ein großes Wow nochmal an dieser Stelle für Donna Tartts Talent mit Worten umzugehen. Obwohl „Der Distelfink“ über 1000 Seiten zählt, hat er sich für mich weggelesen wie am Schnürchen - ich habe den Roman wahrscheinlich genau deswegen so genossen, weil er mir ermöglicht hat, tief zu versinken in seine Story und seine Figuren, was kürzeren Büchern oft nicht gelingt (ich möchte genau jetzt nochmal meinen Hang zu den dicken Wälzern bekunden, denn ihnen gilt meine wahre Bücherliebe). Ich würde den Distelfinken als cozy Literatur bezeichnen, sofern diese Sparte überhaupt existent ist. Es plätschert an der einen oder anderen Stelle so vor sich hin, das muss man mögen und in der Stimmung für die Art Buch sein - denn wer meint, es müsse auf allen paar Seiten etwas plotbewegendes passieren, wird womöglich enttäuscht von dieser Lektüre. Besonders empfehlen würde ich es wahrscheinlich für den Herbst, wenn man sich gemütlich einkuschelt und einfach von einem Buch gut unterhalten werden möchte, denn das ist es für mich: Unterhaltungsliteratur (bitte nicht negativ konnotiert verstehen). Da „Der Distelfink“ mein erstes Buch von Donna Tartt war, freue ich mich nun bald „Die geheime Geschichte“ lesen zu können, denn ich habe unglaublich viele positive Stimmen dazu vernommen. Solltet Ihr eins der beiden Bücher schon gelesen haben, teilt mir doch gerne mal Eure Gedanken dazu in den Kommentaren mit - was hat Euch am meisten begeistert? Was sind Eure Lieblingsfiguren? Und und und.. Ich freue mich auf all Eure Gedanken! (Gerne auch Lesetipps für weitere Bücher mit Kunstbezug, da habe ich nämlich gerade richtig Lust drauf!)
Ich hatte schon lange kein Buch mehr, das mich so gefesselt hat. Man sollte sich keinesfalls von der Dicke des Buches abschrecken lassen, denn ehe man sich versieht, hat man schon die Hälfte verschlungen. In dem Roman begleiten wir den Protagonisten Theo ab seinem 13. Lebensjahr. Wir erleben mit wie er seine Mutter verliert und ihn das berühmte Gemälde „Der Distelfink“ findet. Der Verlust seiner Mutter stürzt ihn in eine Trauer, die ihn ein Leben lang begleiten wird, während er gleichzeitig versucht, seinen eigenen Weg zu finden. Theos Leben ist von zahlreichen Herausforderungen und Rückschlägen geprägt, und als Leser fühlt man mit ihm. Das Bild des Distelfinks wird dabei zu einem Fixpunkt in Theos Leben. Es ist weit mehr als nur ein wertvolles Kunstwerk; es symbolisiert für ihn Hoffnung, Verlust und die Suche nach Identität. Immer wieder wird während des Romans auf dieses Gemälde Bezug genommen, und es wirkt wie ein roter Faden, der uns durch seine Lebensgeschichte führt. Der Roman hat mich sehr positiv überrascht. Die eindringliche Erzählweise, gepaart mit der tiefen Emotionalität, machte das Buch sehr berührend. „Der Distelfink“ ist für mich ein Buch, das zum Nachdenken anregt und einen tiefen Eindruck hinterlässt.
Der Distelfink von Donna Tartt ist mehr als nur ein Buch – es ist ein literarisches Meisterwerk, das den Leser tief in die Welt des Protagonisten Theo eintauchen lässt.
Auf über 1000 Seiten entfaltet sich eine Geschichte voller Intensität und Detailtreue, die sich nicht für ein schnelles Nebenbei-Lesen eignet. Vielmehr erfordert das Buch eine Hingabe und Aufmerksamkeit, die sich jedoch mehr als lohnt. Donna Tartt beherrscht das Handwerk des Erzählens wie kaum eine andere. Mit einer Sprache, die so präzise und lebendig ist, schafft sie es, dass man als Leser fast das Gefühl hat, in der Geschichte selbst zu sein – man steht Theo zur Seite, sieht, hört und fühlt das, was er erlebt. Die Beschreibungen sind so detailliert, dass man förmlich den Geruch von Kaffee riechen kann. Der Distelfink ist ein Buch für Liebhaber literarischer Tiefe, die bereit sind, sich voll und ganz auf eine Erzählung einzulassen. Es entführt in eine andere Welt und lässt einen so schnell nicht wieder los. Ein beeindruckendes Werk, das nachhallt und noch lange in Erinnerung bleibt. Ich bin so fasziniert von diesem Buch das ich im Frühjahr nach Den Haag Fahre um den Distelfink im Museum zu besuchen.

Ein Traum von einem Buch, genau mein Genre.
Ein Buch so voller Leidenschaft, Dichte an Details und Informationen – it covers so much ground – dass ich es direkt nochmal lesen möchte. Bring mich jetzt nach Den Haag, ich muss den Distelfink sehen! What if one happens to be possessed of a heart that can't be trusted—? What if the heart, for its own unfathomable reasons, leads one willfully and in a cloud of unspeakable radiance away from health, domesticity, civic responsibility and strong social connections and all that blandly held common virtues and instead straight toward a beautiful flare of ruin, self-immolation, disaster? If your deepest self is singing and coaxing you straight toward the bonfire, is it better to run away? Ignore all the perverse glory your heart is screaming at you? Or is it better to throw yourself headfirst and laughing into the holy rage calling your name?
Schicksalsstudie.
Tartt hatte mich bereits mit "Die geheime Geschichte" um den Finger gewickelt. Mit "Der Distelfink" habe ich nun ein zweites Buch von ihr genießen dürfen und bin auch von diesem opulten Werk begeistert. Diese atmosphärische, ja fast greifbare Dichte ist ein absoluter Hochgenuss. Sie legt ein noch feineres Gespür für Stimmungen, Räume und Emotionen an den Tag und hat in meinen Augen den Coming of Age-Roman auf ein ganz neues Level gehoben. Wer sich auf die epische Erzählweise einlässt und auch mit Durststrecken umgehen kann, erlebt einen kluges und literarisch forderndes Gesellschaftspanorama.
„Wenn unsere Geheimnisse uns definieren - im Gegensatz zu dem Gesicht, das wir der Welt zeigen -, dann war das Bild das Geheimnis, das mich über die Oberfläche des Lebens erhob und mich befähigte zu wissen, wer ich bin. Und es ist da: in meinen Notizbü-chern, auf jeder Seite, auch wenn es nicht da ist. Traum und Magie, Magie und Delirium. Die Einheitliche Feldtheorie. Ein Geheimnis um ein Geheimnis.“ Der Distelfink hat mir richtig gut gefallen! Die Geschichte von Theo Decker berührt vor allem durch den poetischen Schreibstil zutiefst. Ich habe so mit Theo mitgelitten, mitgefiebert und mitgefühlt und die Reise zur Heilung mit begleitet. Auch wenn die Geschichte sich an manchen Stellen gezogen hat, habe ich die Geschichte sehr gerne gelesen.
Schriftweise/poetik 5 ⭐️, Story 3 ⭐️
Donna Tartt schreibt wunderschön, kunstvoll und faszinierend und die Geschichte war teilweise auch packend dadurch. Leider passiert in den über 1000 Seiten sehr wenig und ich musste mich teilweise etwas durchquälen. Dieses Buch lebt nicht von der packenden Story sondern eher von den subtilen Veränderungen im Laufe des Lebens des Hauptprotagonisten und dem Erzählstil.
Die Geschichte von Theo beginnt zunächst in einem Amsterdamer Hotel, man erfährt, dass irgendwas kriminelles geschehen sein muss, was genau jedoch nicht. Theo beginnt dann seine Geschichte zu erzählen, welche mit einem Unglück beginnt. Die Geschichte erinnert teilweise an Geschichten von Charles Dickens. Waisenkind, verschiedene Erziehungsberechtigte und Freunde. Ich habe das Buch mit großer Freude gelesen, lediglich das Ende zog sich ein wenig hin, so dass ich 4,5 statt 5 Sterne gebe. Wer gerne epische Romane liest ist hier genau richtig
»Denn: Wenn unsere Geheimnisse uns definieren – im Gegensatz zu dem Gesicht, das wir der Welt zeigen –, dann war das Bild das Geheimnis, das mich über die Oberfläche des Lebens erhob und mich befähigte zu wissen, wer ich bin. Und es ist da: in meinen Notizbüchern, auf jeder Seite, auch wenn es nicht da ist. Traum und Magie, Magie und Delirium. Die Einheitliche Feldtheorie. Ein Geheimnis um ein Geheimnis.«
Leseerfahrung: ⭐️⭐️⭐️⭐️ In einem Song: A Song for the Drunk and Broken Hearted — Passenger In einem Wort: kaputt Inhaltliches: Donna Tartt erzählt in ihrem Distelfinken die Lebensgeschichte eines Jungen, dessen Schicksal in der Tragik verborgen liegt; in einer Geschichte, in welcher »alles […] verloren [war], […] von der Landkarte heruntergefallen: […] weinerlich, wie ein Gefangener im Verhör, der seit Tagen nicht mehr hatte schlafen dürfen. Immer wieder [der Gedanke]: Ich muss nach Hause, und dann, zum millionsten Mal: Aber ich kann nicht.« (S.122), in einer Geschichte, welche sich durch Maritius‘ Distelfinken erzählen lässt: »kurz aufzuflattern und immer wieder am selben hoffnungslosen Ort zu landen« (S.407): Wiederkehr um Wiederkehr an den »Ground Zero, ein bitterer Geschmack hinten im Hals und dann der Schwall der Erleichterung, rückwärts aufs Bett zu fallen« (S.616); die Existenz eines Kartenhauses, bestehend aus Glasscherben: Drogen, Verlust, Einsamkeit, ein Diebstahl, der »Stütze und Rechtfertigung [war], […] Unterhalt [und] Summe. Der Grundpfeiler, der die ganze Kathedrale aufrechterhielt«, eine Existenz, die ein »ganzes Erwachsenenleben lang insgeheim von dieser großen, wilden, verborgenen Freude getragen war: von der Überzeugung, dass [ein] ganzes Leben auf der Spitze eines Geheimnisses im Gleichgewicht gehalten wurde, das die Sprengkraft besaß, dieses Leben jeden Augenblick in Stücke zu zerfetzen« (S.743). Lesende dürfen den jungen Theo auf einer malerischen Reise begleiten, die mit dem Unfalltod seiner Mutter ihren tragischen Anfang nimmt, die Flucht vor System und Heimatlosigkeit zur Folge hat, die den Jungen in die nüchtern-trockene Endlosigkeit des mittleren Westens entführt — fehlende Stabilität erworben durch Alkohol- und Drogenmissbrauch —, ein schicksalhafter Umstand, der ihn in die Hände eines alten, verstaubten und herzensguten Kunst-Restaurators führt, der inmitten von Trostlosigkeit und Terror ein warmes und sicheres Zuhause bietet, ein strahlendes Geheimnis inmitten des Grauens, eine Reise, die mit der Frage endet, wieso ein solch gottesgleiches Geschenk verraten wird; und was bleibt, wenn wirklich nichts mehr übrig ist. „Kritisches“: Donna Tartts Epos liest sich so zauberhaft und pittoresk, wie Paul Klees Jungwaldtafel, eine Geschichte, welche zwischen den Zeilen wieder und wieder kleine Geheimnisse des Seins offenbart und Worte für Wahrnehmungen findet, für welche noch keine existierten (aus einer Erinnerung an eine drogendurchtränkte Nacht in der Wüste vor Las Vegas): »Es geschah für uns beide gleichzeitig, pop! Wir sahen uns an und lachten einfach, alles war urkomisch, sogar die Rutsche des Spielplatzes lachte uns an, und irgendwann mitten in der Nacht, als wir auf dem Spielturm schaukelten und Funkenströme aus unseren Mündern regneten, hatte ich die Epiphanie, dass Lachen Licht war und Licht Lachen und dass dies das Geheimnis des Universums war. Stundenlang sahen wir zu, wie sich die Wolken zu immer neuen intelligenten Mustern formierten, wälzten uns im Dreck und dachten, es wäre Seegras (!), lagen auf dem Rücken und sangen für die einladenden dankbaren Sterne Dear Prudence — wirklich eine der großartigsten Nächte meines Lebens, trotz allem, was später geschah« (S.445). Und wenn man den Jungen in all diesen zauberhaften und schrecklichen Momenten begleitet und mit jeder Zeile und jeder Erinnerung mehr das Gefühl bekommt, diesen Menschen wirklich — wirklich — zu verstehen, diese hunderten und aberhunderten Bilder im Kopf — dann fühlt sich dieser eine Moment; »Später — im Taxi und danach […]« an, als wäre das eigene Leben aus den Fugen geraten und nicht mehr am richtigen Platz, als wäre etwas nicht mehr in Ordnung, was vorher in Ordnung war, ohne genau bestimmen zu können, was es ist: »Warum hatte ich ihn nicht am Arm gepackt und ein letztes Mal angefleht, in den Wagen zu steigen, komm schon, scheiß drauf, Boris, es ist wie Schule schwänzen, und wenn die Sonne aufgeht, frühstücken wir in Maisfeldern? Ich kannte ihn gut genug, um zu wissen, dass er, wenn man ihn richtig und im richtigen Moment fragte, fast alles machen würde; und in jenem Augenblick, in dem ich mich abwendete, wusste ich, dass er mir nachgerannt und lachend in den Wagen gesprungen wäre, wenn ich ihn ein letztes Mal gefragt hätte. Aber das tat ich nicht. Und in Wahrheit war es vielleicht besser so — das sage ich jetzt, obwohl ich es für eine Weile bitter bereute. Mehr als alles andere war ich jedoch erleichtert, dass ich mich in meinem unvertraut redseligen Zustand zurückgehalten hatte, mit dem einen herauszuplatzen, das mir auf der Zunge lag, dem einen, das ich nie gesagt hatte, obwohl es etwas war, das wir beide gut genug wussten, ohne dass ich es ihm laut auf der Straße sagen musste — und das war natürlich: Ich liebe dich« (S.468). Wenig später verlieren wir den Jungen für einige Jahre aus den Augen und mit diesem Verlust geht auch der Zauber der ersten drei Teile des Werks verloren — der Junge mit der tragischen Vergangenheit, der Sicherheit nur in den Drogen fand, dessen Leben ihn wieder und wieder in die Knie zwang und der in jedem Spiel, in welchem er antrat, scheiterte, war verschwunden — und übrig bleibt ein Junkie ohne Geschichte, dessen Leben farblos ist und an Menschlichkeit verliert. Vielleicht ist dieser ent-individualisierende Blick auf das Leben als solches auch zu real, zu ungeschönt, um den Zauber seiner Geschichte zu bewahren, mir fiel es jedoch mit jeder schlechten Entscheidung, die dieser Mensch traf, und jeder bereitwilligen Rückkehr in den Missbrauch schwerer, Begeisterung für ebenjene zu empfinden und die Hoffnung aufrechtzuerhalten, dass sie eine positive Wendung nehmen möchte. Vielleicht aber ist dieses farblose Junkie-Dasein in all seiner Ausführlichkeit und Schrecklichkeit auch unabdingbar, um den Botschaften dieser Geschichte auf einer tieferen Ebene Bedeutung verleihen zu können, denn »was ist, wenn es komplizierter ist? Was ist, wenn vielleicht auch das Gegenteil zutrifft? Denn wenn aus guten Taten manchmal auch Böses kommen kann …? Wo steht dann, dass aus bösen Taten nur Böses kommen kann? Vielleicht manchmal — der falsche Weg ist der richtige Weg? Du nimmst den falschen Weg und kommst trotzdem da an, wo du hinwolltest? Oder, anders gesagt, manchmal machst du alles falsch und es wird trotzdem richtig?« (S.987) — »vielleicht hatte Glück insofern etwas mit Pech gemeinsam, als es eine Weile dauerte, bis man begriff, dass man es gehabt hatte« (S.984). Denn »Wir können uns unser eigenes Herz nich aussuchen. Wir können uns nicht zwingen zu wollen, was gut für uns oder gut für andere ist. Wir können uns nicht aussuchen, wer wir sind« (S.1008) »und so schrecklich es auch ist, […] wir können uns nicht aussuchen, was wir wollen und was wir nicht wollen, und das ist die harte, einsame Wahrheit. Manchmal wollen wir, was wir wollen, obwohl wir wissen, dass es uns umbringen wird. Wir können dem, was wir sind, nicht entrinnen« (S.1021). Persönliches: Mich bindet eine sehr persönliche Erinnerung an dieses Buch — eine Erinnerung an einen Menschen, der mich Lesen und Schreiben lieben lernte und die mich mit der quälenden Frage zurücklässt, ob »nicht alles es wert [ist], dass man etwas dafür riskiert? Kann das Gute nicht manchmal auch durch seltsame Hintertüren hereinkommen?« (S.1005).

Ein richtiges Epos. Der 13 jährige Theo verliert seine Mutter und ab da beginnt seine abenteuerliche Jugend. Dieses Buch ist ein Erlebnis, in das man vollkommen eintauchen kann. Ich hatte an einigen Stellen das Gefühl, dass die autorin die Geschichte etwas strecken wollte, das hätte das Buch nicht nötig gehabt.
Ich mochte die Geschichte so sehr. Tartt hat einen unheimlich intelligenten, witzigen und fesselnden Schreibstil. Über 1000 Seiten, die sich wieder extrem schnell lesen ließen. Die Welt, die Donna Tartt dem Leser hier eröffnet, ist nicht nur einfach ein Entwicklungsroman. Sie lässt ihre Protagonist:innen wirklich durch die Hölle gehen, um dann trotzdem am Ende Hoffnung zu schenken. Sie zeichnet ihre Charaktere so absolut tiefgründig und fein, so tragisch und liebevoll zu gleich. Sie führt den/die Leser:in in die dunkelsten Gassen und schenkt ihnen gleichzeitig Licht, Liebe und Hoffnung. Tartt beschränkt sich nicht auf schwarz oder weiß. Sie zeichnet Grautöne in ihren allerschönsten Farben ❤️. Für mich ein Meisterwerk. Hobie, Theo, Boris, Pippa und Welty werde ich nicht mehr vergessen. Ich kann sie nur schwer ziehen lassen. Für mich war der Film zusätzlich noch ein guter Abschluss. Für mich hat er die Atmosphäre des Buches gut eingefangen. Ich werde das Buch sehr sicher nochmal lesen. Und ich bin mir ebenso sicher, dass das ein Roman ist, in dem man auch noch nach mehrmaligen Lesen viele kleine neue Details entdecken kann. Einfach wundervoll. Wie ein Gemälde, dass einem bei genauerem Hinsehen noch viel mehr preis gibt ;-).
Tolles Buch, wenn man wirklich tief in eine Geschichte eintauchen möchte
Die Geschichte ist super. An einigen Stellen hat sie sich leider sehr zäh in die Länge gezogen. Da muss man echt durchhalten. Aber die Story selber ist spannend. Die Charaktere sind toll beschrieben. Da ich selber ein bisschen Russisch kann, waren die Aussagen von Boris umso witziger. Wenn du also ein 1000 Seiten Buch lesen möchtest, was dich gut mitnimmt und sprachlich auch fordert, bist du hier genau richtig. Nur, wie geschrieben, leider an einigen Stellen zu zäh.

Eine Geschichte, die einen lange nicht loslässt und Lust macht, richtig gute Literatur zu zelebrieren 💛
Dieses Buch von Donna Tartt hat sich ganz schnell zu einem meiner Lieblingsbücher katapultiert und ich habe mir direkt "The Secret History" gekauft. Ich finde die Schreibweise unvergleichlich und ganz besonders. All die kleinen Beobachtungen, die präzise Recherche und die Beschreibung von Schmerz, Verlust, Hoffnung, Freundschaft haben mich gepackt. Das ist für mich wieder eine Geschichte, bei der ich das Schreibhandwerk feier. Man merkt Donna Tartt ihre Liebe zum Schreiben mit jeder Seite an. Für mich war die Handlung spannend, die Figuren lebendig und sogar die Beschreibung von Kunst und Antiquitäten mitreißend. Obwohl ich keine Kunstkennerin bin, hat mich dieses Buch zum Hören eines Kunstpodcasts überzeugt. Dieses Buch hat einen großen Platz in meinem Leserherz. Es war intensiv und einfach richtig richtig gut geschrieben.
Der Distelfink ist für Leute gedacht, die Lust auf ein LANGES Buch und detaillierte Beschreibungen haben. Außerdem werden Themen wie Gewalt, Drogenmissbrauch und Kriminalität ausführlich behandelt. Bei mir war es so, dass ich definitiv Lust auf ein langes Buch hatte und auch wusste, auf was für Themen ich mich einlasse. Für den Großteil der Zeit mochte ich auch die ausschweifenden Beschreibungen, nur am Ende wurde es zu viel. Tartt kann auf jeden Fall gut schreiben. Kommen wir zu Theo. Mit seinem Ich aus der Jugend habe ich tiefes Mitgefühl. Es ist kein Wunder, dass er sich nicht gesund entwickeln kann. Er lebt in ständiger Angst, hat niemanden, der sich auf Augenhöhe mit ihm auseinandersetzt (außer Hobie später) und auch den Impuls das Gemälde zu stehlen und für sich zu behalten verstehe ich. Durch seine unaufgearbeiteten Traumata hat er im Erwachsenenalter zahlreiche Probleme. Der Unterschied zu seinem jüngeren Ich: Man kann von einem Erwachsenen erwarten, dass er Verantwortung für sein Leben übernimmt. Und das tut er nicht, er bleibt in der Opferrolle stecken. Das hat mich sehr traurig gemacht und ich denke, er ist damit kein Einzelfall. Trotzdem ist Der Distelfink eine klare Empfehlung von mir!
Das Buch war eigentlich als Buddyread gedacht 🥲 well… eigentlich. Dann wurde ich krank und hatte zu viel Zeit und dann ist dieses Buch einfach so gut und ich musste es in einem Zug durchlesen. Verratet mir doch direkt Mal, bei welchem Buch ihr das zuletzt hattet? Nun aber zum Distelfink: Dieses Buch ist eine Wucht, ich konnte es kaum aus der Hand legen. Es hat mich mit so einer Kraft in deinen seinen Bann gezogen, dass es immer noch nachwirkt. Wir wechseln mit Theo von der Upper West Side einen verwahrlosten und in Vergessenheit geratenen Vorort von Las Vegas. Drogen werden konsumiert, wir spüren unendlichen Verlust, Freundschaft, Liebe und innigste Verbundenheit. Wir lernen Amsterdam im Winter kennen, werden Spezialist*innen für Antiquitäten, entwickeln (gefühlt) ein Auge für Kunstwerke und leiden immer wieder mit (oft auch mit dem Hund, armer Popper!) Donna Tartt schreibt so makellos, dass man kaum auftauchen mag. Die Geschichte berührt, macht wütend und lässt uns fast verzweifeln, ist kaum versöhnlich. Manchmal tut das richtig weh und richtig gut. Ich habe lang nicht mehr ein Buch gelesen, das direkt ein Herzensbuch wurde. Gönnt euch diese 1000 Seiten (und ja, wenn ihr noch etwas negatives hören wollt: EVENTUELL ist das letzte Drittel etwas langatmig!) Trotzdem gibt es von mir 5/5 ⭐️. Was hat Verlust jetzt mit diesem Kunstwerk auf dem Cover zu tun, fragt ihr euch? Alles. Lest es.
Ein Meisterwerk
Hobie, Boris und Theo - was für tolle Menschen. Sie sind nicht perfekt, aber Donna Tartt schafft es einem die Charaktere zu vermitteln, als hätte man sie schon sein Leben lang gekannt. Meine Lieblingsabschnitte im Buch waren die Zeit in Las Vegas mit Boris und der abschließende Rückblick (habe in den letzten 5-10% Rotz und Wasser geheult). Das Buch ist zwar lang, aber alle Szenen und Dialoge sind so liebevoll ausgeschmückt und sorgfältig beschrieben, dass man sofort erkennt dass die Autorin damit einen Tribut an die Kunst und vor allem den Distelfinken leistet. Einfach wunderschön!

„Niemand wird mir jemals, jemals einreden können, das Leben sei ein fantastisches, lohnendes Geschenk. Denn dies ist die Wahrheit: Leben ist Katastrophe. Die Grundtatsache des Daseins – des Umhergehens auf der Suche nach Nahrung und Freunden und all dessen, was wir sonst noch tun – ist Katastrophe.“ In Windeseile flog ich durch die Seiten und begleitete Theo in seiner dramatischen und atmosphärischen Coming-of-Age Geschichte. Donna Tartt schreibt fantastisch. Keine Seite, kein Satz, kein Wort kamen mir überflüssig vor. Ich habe es sehr genossen, dieses Buch zu lesen. Ganz besonders liebte ich, dass man viel über Kunst erfährt ✨

4⭐️
Dieses unheimlich lange Buch hatte unheimlich viel zu sagen. Ich war total beeindruckt davon, wie die Autorin es geschafft hat, die Passagen genau so zu schreiben, wie unser Protagonist sich in der aktuellen Lebenslage gefühlt haben mag. Einige Passagen ziehen sich, andere gehen blitzschnell vorbei, wieder andere sind so wirr geschrieben, dass es einen fast ein bisschen anstrengt. Das Buch war kompliziert und wirklich unberechenbar. Ich habe es auf eine Weise sehr sehr geliebt, auf eine andere hat es mich total fertig gemacht. Alles in allem: wunderbar, aber sicher nicht für jeden was. Man muss empfänglich sein für so viel (negative) Emotionen und damit umgehen können, deswegen keine uneingeschränkte Empfehlung.
<3
Defintiv eines meiner Liebsten Bücher jemals. Ich bin seit August 23 sehr hyperfixated auf alles an Finn Wolfhard content (ES, Stranger Things, When you finish saving the world,...). Und dabei sagte mir ein Freund "wenn du Richie und Eddie aus ES magst, wirst du Boris und Theo in The Goldfinch lieben!" Also hab ich den Film geschaut. Dann hab ich das Buch gelesen und sie hatte SO RECHT. Der Film ist anfänglich vielleicht unverständlich durch die vielen Perspektivenwechsel, aber lasst euch davon nicht vom Buch abschrecken, denn dann versteht man alles besser. Natürlich gibt es hier viele triggerthemen wie mentale Gesundheit, Suizid, Drogenkonsum,... Aber er sowas abkann, sollte das Buch lesen! Vorallem die Beziehung zwischen Theo und Boris hat es mir besonders angetan. Wie die zwei sich gegenseitig brauchen, unterstützten und lieben. Es ist einfach wunderschön. Ich will nicht zu viel Spoilern, also lass ich's einfach mal, vorallem kann ich mich wenn dann eh nur in englisch ausdrücken und ich denke nicht, dass jemand nen ganzen Aufsatz über die Beziehung der beiden lesen will XD. Defintiv eine Empfehlung von mir, wahrscheinlich mein liebstes "normales" Buch. (Also abgesehen von Manga).
Abbruch nach 40 Seiten. Der Schreibstil entspricht nicht meinem Geschmack.
Der Distelfink wurde mir von einigen begeisterten Lesern empfohlen, aber Geschmäcker sind ja verschieden. Mir gefällt der Schreibstil nicht und grundsätzlich hege ich eigentlich auch kein großes Interesse an der Geschichte. Das durchlesen der anderen Rezensionen zu diesem Buch hat mich darin bestärkt auf mein Bauchgefühl zu hören und abzubrechen. Das wäre ganz sicher auch im weiteren Verlauf nicht meine Geschichte geworden.
5/5 [Donna did it again💌⭐️] Donna Tartt’s „The Goldfinch“ is a deeply moving novel about fate, grief, and the enduring power of beauty (in art).
Following Theo Decker from a traumatic childhood event to a turbulent adulthood, the story weaves through love, crime, and identity with rich prose and intricate character development. Though some parts may feel slow, the novel’s emotional depth and philosophical musings make it a compelling and unforgettable read. Tartt masterfully plants small details early on, only to bring them back later in surprising ways, creating a brilliant effect for the reader (at least imo). I'm happy to say that this is my new favorite book!
![5/5 [Donna did it again💌⭐️]
Donna Tartt’s „The Goldfinch“ is a deeply moving novel about fate, grief, and the enduring power of beauty (in art).](https://social-cdn.read-o.com/images/1742921417260-35.jpg)
Mehr erhofft
Ich hab die ersten 500 Seiten des Buches geliebt, konnte sehr schnell durch lesen, da es einfach spannend und abwechslungsreich war. Danach ging es eher schleppend voran, das Thema hat sich in die Länge gezogen und mich persönlich leider etwas gelangweilt. Das Ende war auch eher ‚meh‘, aber ich kann auch verstehen, wenn andere es mögen. Für mich war das Buch ein paar Seiten zu lang, die ganzen Party-Szenen hätte man zB einfach rauslassen können, da sie nur kurz angekratzt wurden und dann schon ins nächste Thema gesprungen wurde. Eigentlich ein gutes Buch, aber ein paar Seiten weniger und weniger um den heißen Brei drum rum schreiben, hätte nicht geschadet.

























































