Das gute Benehmen

Das gute Benehmen

Hardback
3.548

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Description

DIE Wiederentdeckung mit Suchtfaktor. Hinter den Toren von Temple Alice bröckeln Reichtum und Würde der Familie St. Charles. Die 1920er-Jahre in Irland sind rau. Aroon – die zu große, zu laute Tochter des Hauses – sehnt sich nach Zugehörigkeit und Zuneigung. Doch ihre unterkühlte Mutter ist zu sehr abgelenkt von den Betrügereien ihres Gatten. Und als Aroon sich ausgerechnet in den charismatischen Richard verguckt, erfährt sie, dass der eine Affäre mit ihrem geliebten jüngeren Bruder Hubert hat. Als Hubert bei einem Autounfall ums Leben kommt und ihre Eltern, anstatt zu trauern, das letzte Geld zum Fenster rauswerfen, plant Aroon ihre Rache. Mit einem Vorwort von Tara-Louise Witter »Die Dialoge sind messerscharf, der Stil stechend wie der Stachel eines Skorpions.« Maggie O’Farrell

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Contemporary
Format
Hardback
Pages
336
Price
26.80 €

Author Description

Molly Keane (1904–1996) wurde in einer kleinen Stadt in Irland geboren. Mit 22 begann sie, unter Pseudonym Bücher und Theaterstücke zu schreiben. Nach dem Tod ihres Mannes verstummte sie zwanzig Jahre lang und feierte 1981 mit »Das gute Benehmen« ihr bahnbrechendes Comeback. Erstmals veröffentlichte sie unter ihrem Klarnamen Molly Keane. Sie war 77 Jahre alt. »Das gute Benehmen« wurde hymnisch besprochen und stand u. a. auf der Booker-Shortlist.

Posts

15
All
4

Ist dieses Cover nicht ein Traum? Es war mir eine Freude, das Buch in dieser wunderschönen Aufmachung in den Händen zu halten. Ein Kompliment an den kjona-Verlag! Das gute Benehmen ist ein Buch, das man konzentriert und genüsslich lesen sollte. Es ist erstmalig 1981 erschienen und stand auf der Booker-Shortlist. Das erste Kapitel sollte man am Ende unbedingt noch einmal lesen, denn dieses ist eigentlich ein Prolog, oder noch eher ein Epilog, da wir darin erfahren, wie es der Protagonistin Aroon nach den Ereignissen in ihrer Jugend ergangen ist. Im Vorwort schreibt Tara-Louise Wittwer, dass Aroon ein unlikeable female character ist „in den 1920er-Jahren. Zu einer Zeit, in der das patriarchale Korsett nicht nur festgezurrt wurde, sondern auch gern getragen von anderen Frauen. … sozialisiert in einer Gesellschaft, in der Etikette und gutes Verhalten über Empathie und Emotionen standen.“ (S. 6) Aroon St. Charles lebt mit ihren Eltern und ihrem Bruder Hubert hinter den Toren von Temple Alice. Der Vater ist Gutsherr, der seine Zeit vor allem der Jagd widmet. Die Mutter – Mummie – interessiert sich fürs Gärtnern und die Malerei, weniger für ihre Kinder, am allerwenigsten für ihre Tochter. Nanny Mrs. Brock ist der erste Mensch, der der großgewachsenen und pummeligen Aroon Liebe und Zuneigung schenkt. Als junges Mädchen verliebt sie sich in Richard, den besten Freund ihres Bruders. Richard ist allerdings nicht an Frauen interessiert, was Aroon viel zu spät merkt. Eine wichtige Rolle spielt die Köchin Rose, die Aroons Vater nach einem Schlaganfall pflegt. Beziehungen werden nur angedeutet: Roses Hand unter der Decke des Gutsherrn, Hubert und Richard tanzend im Kaminzimmer. Hier möchte ich aus der Rezension von @lesenmitcarola zitieren: „Aroon selbst blickt wie durch ein Loch im Zaun auf die Geschehnisse. Die Lesenden hingegen erkennen sehr wohl, welches Stück hier gespielt wird. Ausgesprochen wird es nicht, denn das gute Benehmen steht über allem, sogar über Tod und Trauer.“ Aroon ist nicht der einzige unlikeable Charakter, bis auf Mrs Brock und den Familienanwalt Mr Kiely war mir keiner der Charaktere sympathisch. Ganz fürchterlich fand ich Mummie, der es wichtiger war, eine Kredenz zu kaufen als die Krankenschwester ihres Mannes zu bezahlen. Das Buch eignet sich hervorragend für einen Buchclub, da es viel Spielraum für Interpretationen bietet. Mir hat sich die Bedeutung der beiden Schwestern aus der Nachbarschaft nicht erschlossen. Dass Essen für Aroon die fehlende Liebe kompensierte, war wiederum klar ersichtlich. Gerne empfehle ich Das gute Benehmen weiter, ein Buch, auf das man sich einlassen sollte.

5

Oh mein Gott war das Buch gut und soo wichtig. Ja man muss es in seiner Zeit sehen und es ist kein Krimi aber eine Protagonistin die nicht den üblichen Standards entspricht und einfach mal anders ist… das Ende hat mich richtig überrascht

4.5

"Jetzt würde ich mit meinem Schmerz allein sein. Ich würde ihn mit nach Hause nehmen und mit ihm schlafen gehen und immer unter ihm leiden, denn er würde sich nie verändern, das wusste ich. Trauer packte mich, aber ich würde und musste mich Benehmen. Keine Tränen. Kein Gejammer." Irland Anfang des 20. Jahrhunderts. Das Leben scheint bei Familie St. Charles komplett in Ordnung zu sein. Eine Familie, wie sie zur damaligen Zeit im Buche der gehobenen Klasse steht. Zwei Kinder, Iris Aroon und Hubert, ein riesen Anwesen, ein Haufen Angestellte, ein Kindermädchen, Pferde, Hunde, Feste, Bälle, die Männer auf der Jagd, die Frauen in der Bibliothek. Doch im Hintergrund ändern sich die Zeiten, der 1. Weltkrieg kommt und geht, die Wirtschaftskrise naht, das Vermögen sinkt, die Kinder werden erwachsen, der Sohn stirbt, die Tochter ist unsterblich verliebt, versteht aber nicht, dass dies nicht auf Gegenliebe trifft. Egal was geschieht, egal wie schlimm es steht, egal wie offensichtlich alles ist. Das gute Benehmen bleibt bis zum Ende bestehen, obwohl es langsam anfängt zu bröckeln. Eine wunderschöne Story. Soviel Liebe, Humor, soviel Unverständnis, Trauer, Hilflosigkeit, so eine schöne Vater-Tochter Beziehung, soviel irischer und britischer Charme. Erinnert mich an einen Mix aus Downton Abbey und Father Brown. Mir hat das Buch gefallen und ich kann es nur weiterempfehlen.

5

Sternebewertung fiktiv

„Das gute Benehmen“ wurde neu aufgelegt, erschien ursprünglich 1981, war für den Booker Prize nominiert und war das erste Werk, das Molly Keane unter ihrem eigenen Namen veröffentlichte, nachdem sie zuvor lange unter Pseudonym geschrieben hatte. Schon im Vorwort wird von @ auf die männerdominierte Zeit der Achtzigerjahre verwiesen, und genau in dieses gesellschaftliche Klima hinein erzählt dieser Roman seine Geschichte. Im Mittelpunkt steht Aaron, eine Figur, die so gar nicht dem klassischen Frauenbild entspricht. Zu laut, zu groß, zu unkontrolliert, zu unbequem. Sie stammt aus einer adeligen Familie, wächst jedoch im Schatten ihres Bruders Hubert auf, der von der Mutter abgöttisch geliebt wird. Aroon bleibt außen vor, beobachtet Liebe immer nur aus der Distanz und entwickelt eine tiefe Sehnsucht nach Anerkennung, die sie selbst kaum greifen kann. Zu Beginn fällt es schwer, mit ihr zu sympathisieren. Doch je weiter die Geschichte voranschreitet, desto deutlicher wird, woher ihre Wut, ihre Unsicherheit und ihr Bedürfnis nach Nähe kommen. Als Richard in ihr Leben tritt und ihr erstmals echte Freundlichkeit zeigt, klammert sie sich daran, nur um später zu erkennen, dass seine Beziehung eigentlich Hubert galt. Nach Huberts Tod bei einem Autounfall reagiert die Familie kühl, kontrolliert und angepasst an die gesellschaftlichen Erwartungen. Gefühle werden verdrängt, Wahrheiten ausgelöscht, Fassade bleibt wichtiger als Realität. Aaron jedoch kann mit diesen Konventionen nicht leben. Sie rebelliert gegen das ständige „gute Benehmen“, gegen das Schweigen, gegen die Scheinwelt und durchläuft eine Entwicklung, die zwischen Selbstzweifel, Wut und dem Wunsch nach Aufrütteln schwankt. Der Schreibstil ist bissig, tragisch und immer wieder von trockenem Humor durchzogen. Mich erinnerte der Ton stellenweise an Margaret Kennedy. Ja, es gab Passagen, die sich für mich etwas langatmig angefühlt haben, und Momente, in denen ich mit der Figur gehadert habe. Doch zum Ende hin hat der Roman mich noch einmal abgeholt, genau mit der Entwicklung, die ich mir für Aaron gewünscht hatte. Ein Roman über gesellschaftliche Masken, unterdrückte Gefühle und die Frage, wer man sein darf, wenn Erwartungen lauter sind als die eigene Stimme.

3.5

“Das gute Benehmen” von Molly Keane (ins Deutsche übersetzt von Bettina Abarbanell) handelt von der jungen Aroon, die in jeder Hinsicht nicht dem Ideal einer jungen Frau im Irland der 1920er entspricht. Aroon ist zu dick und zu groß, sagt und tut immer das Falsche und findet sich als unliebenswürdigster Charakter der Familie wieder. So endet sie letztlich auch, unverheiratet und gefesselt ans Leben ihrer verwitweten Mutter. Ich hatte über weite Strecken Schwierigkeiten, mich in den Text hineinzufinden; besonders die ersten 60 Seiten ließen mich mehr als einmal ans Abbrechen denken, insbesondere weil sich vieles um Mrs Brock, die Kinderfrau drehte und mir der Zusammenhang fehlte und die vielen Namen, die letztlich für die Handlung belanglos waren, überforderten. Als sich die Handlung dann intensiver um Aroon selbst drehte, konnte ich ihr auch besser folgen, auch wenn der Schreibstil, angepasst an die Epoche, in dem die Handlung stattfindet, etwas gewöhnungsbedürftig ist. Was mir, besonders im Nachgang sehr gut gefallen und zur besseren Einordnung des Werkes beigetragen hat, ist das Vorwort von Tara-Luise Wittwer. Sie liefert nicht nur Details zur Entstehung, sondern auch zur feministischen Bedeutung, was, zumindest bei mir, für eine differenziertere Lesart gesorgt hat. Insgesamt aber ein eher sperriges Werk, das durch die Anlaufzeit, die man nach jeder Unterbrechung benötigt, um sich wieder in den Text zu finden, keine Lektüre “für zwischendurch” ist, sondern eine, die man wirklich lesen wollen muss. *Das ebook wurde mir kostenfrei vom Verlag zur Verfügung gestellt.

3.5

Molly Keanes "Das gute Benehmen" ist ein Roman, der seine Leserinnen und Leser mit einer Mischung aus scharfem Witz, bitterer Melancholie und präziser Gesellschaftsbeobachtung in die untergehende Welt des irischen Landadels führt. Keane gelingt dabei ein Kunststück: Sie schreibt eine Komödie der Manieren, die zugleich eine Tragödie der emotionalen Verwahrlosung ist. Die Ich-Erzählerin Aroon St. Charles ist eine der großen unzuverlässigen Stimmen der modernen Literatur. Ihre scheinbare Naivität, ihr Festhalten an Etikette und „gutem Benehmen“ entlarvt weniger sie selbst als vielmehr die moralische Leere ihrer Umgebung. Aroon beschreibt Grausamkeit, emotionale Kälte und soziale Verlogenheit mit der gleichen höflichen Gelassenheit, mit der sie ein Tischgedeck schildern würde. Diese Diskrepanz erzeugt einen subtilen, oft verstörenden Humor: Die Leser*innen erkennen, was Aroon nicht erkennt – oder nicht erkennen will. Keane nutzt diese Perspektive meisterhaft, um die zerstörerische Macht gesellschaftlicher Konventionen sichtbar zu machen. Der Roman spielt im Irland der Zwischenkriegszeit, doch Keane vermeidet nostalgische Rückblicke. Stattdessen zeigt sie eine Klasse, die sich selbst überlebt hat: Ein Landadel, der sich an Ritualen festhält, während die ökonomische Basis längst zerbröselt. Familien, die Gefühle durch Etikette ersetzen und eine Gesellschaft, die Individualität bestraft und Anpassung belohnt Keane schreibt dabei weder sentimental noch polemisch. Ihre Kritik entsteht aus der präzisen Darstellung des Alltags, aus Dialogen, die gleichzeitig komisch und grausam sind. Keane zeichnet Frauen, die in einem engen sozialen Korsett leben, aber keineswegs eindimensional sind. Keane zeigt damit, wie patriarchale und klassengebundene Strukturen Frauen nicht nur begrenzen, sondern sie gegeneinander ausspielen. Keanes Sprache ist elegant, rhythmisch und durchdrungen von ironischer Präzision. Sie schreibt mit der Leichtigkeit einer Gesellschaftskomödie, aber unter der Oberfläche lauert stets ein Abgrund. Diese stilistische Doppelbödigkeit macht den Roman zu einem Meisterwerk der Andeutung. "Das gute Benehmen" ist ein brillanter, bitterer Roman über die zerstörerische Kraft gesellschaftlicher Konventionen. Keane verbindet psychologische Genauigkeit mit satirischer Schärfe und schafft eine Erzählstimme, die zugleich komisch, tragisch und tief ambivalent ist.

4

Literarische Wiederentdeckung

Irland in den 1920er Jahren. Das ist keine einfache Zeit für Aroon, die Tochter der Familie St. Charles. Aroon ist zu groß, zu laut und zu viel für das Verständnis der damaligen Zeit. So fühlt sie sich schrecklich unwohl in ihrer Haut. Hinzu kommt der äußere und innere Untergang des Reichtums der Familie. Nur mit ihrem Hubert und dessen Freund Richard fühlt sie sich wohl und genießt die kleinen Freuden im Leben. Sie verliebt sich in Richard, der ihr das Gefühl gibt, sie zu „sehen“, was ihr ihre Eltern nie gegeben haben. Ihre kühle Mutter ist mit ihrer Malerei und den Affären des Vaters beschäftigt. Ihr Vater versucht die Ländereien zu bewirtschaften und ist mit der Jagd und seinen Pferden sowie diversen Liebschaften ausgelastet. Als Hubert bei einem tragischen Unfall stirbt und Richard nach Afrika verschwindet und ihre Eltern das letzte Geld verprassen, klammert sich Aroon an ihren Traum vom Geliebtwerden. Ich habe zwar ein wenig gebraucht, um in die Geschichte zu finden, doch dann hat mir Aroons Schicksal und ihre große Sehnsucht nach Liebe, Anerkennung und einen Platz im Leben in einer so schwierigen Zeit voller falscher Hoffnung, Unausgesprochenem und einem Gefangensein in Konventionen tief berührt. Wie schwierig es für Frauen vor über 100 Jahren nicht nur im ländlichen und äußerst konservativen Irland gewesen ist, so etwas wie ein selbtsbestimmtes Leben zu führen, wird hier sehr anschaulich erzählt. Ich bewundere auch die Autorin Molly Keane, die bereits in ihrer Jugend unter Pseudonym geschrieben hat und diesen Roman dann erstmals unter ihrem Namen mit 77 Jahren veröffentlichte. Ein Roman, auf den man sich einlassen sollte und der einen in eine andere Zeit entführt. Eine Geschichte, die bei mir nachhallt. Und ein Buch, das mich sofort vom Cover her angezogen hat. Ein Bild, das perfekt zum Inhalt passt. Leseempfehlung

3.5

Schwer zu beschreiben

Ich habe wirklich lange gebraucht um in dieses Buch reinzufinden. Die Geschichte um Aroon ist von viel Schmerz und am Ende doch Genugtuung geprägt. Im Letzten Drittel konnte ich dann doch eine Verbindung zu Aroon aufbauen, aber der Weg dahin war schwierig. Es war mein erstes Buch vom Lesen ist Liebe Abo. Ich hätte mir dieses Buch mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit nicht gekauft, aber darum ging es mir bei dem Abo, einfach mal nicht selbst entscheiden. Ich hätte mir natürlich ein Buch gewünscht welches mich fesselt, das war es leider nicht. Trotzdem war es interessant zu lesen auch wenn es gar nicht dem Stil entspricht von dem was ich sonst lese. Leider war es für mich vom Schreibstil eher schwierig, ich konnte teilweise der Geschichte nicht ganz folgen weil mir gefühlt zu wenig Informationen gegeben wurden. Zum Schluss wurde es dann besser und es hat sich für mich flüssiger gelesen. Mit Sicherheit gibt es Menschen die dieses Buch lieben, ich gehöre leider nicht dazu. Nun bleibe ich gespannt ob mich das zweite Buch vom Kjona Verlag mehr begeistert.

3.5

Anstrengend. Aber literarisch wertvoll.

„Ich wünschte, ich wüsste mich schlecht zu benehmen.“ Denkt sich Aroon, die Protagonistin des Romans „Das gute Benehmen“ von Molly Keane. In diesem Roman steht offensichtlich das ‚gute Benehmen‘ im Vordergrund und nicht nur Aroon hat damit reichlich Mühe. So ist die Nanny, ‚Hohepriesterin des guten Benehmens‘, mehr als entsetzt, als sie den Sohn des Hauses Massingham ‚in der dunklen Tröstlichkeit‘ des streng bekleideten Busens vergraben sah. Anlass genug, die Gouvernante umgehend zu entlassen. Ein Roman, den die irische Schriftstellerin mit 71 Jahren veröffentlichte. Und der erste Roman, den sie unter ihrem eigenen Namen und nicht unter dem Pseudonym M.J.Farrell herausbrachte. Diese Information hat mich dazu gebracht, den Roman zu lesen. Es ist inzwischen bekannt, dass viele Frauen unter einem (männlichen) Pseudonym geschrieben haben, weil ihr Werk ansonsten niemals veröffentlicht worden wäre. Wie schreibt eine Frau, die seit 1926 unter dem besagten Pseudonym zahlreiche Bücher und Theaterstücke geschrieben und erfolgreich veröffentlicht hat? Welche Geschichte erzählt sie? Vor allem, nachdem sie 20 Jahre lang nichts mehr veröffentlicht hat? Der Roman scheint autobiografisch inspiriert worden zu sein, denn Keane war, ebenso wie ihre Protagonistin, eine Tochter aus gehobenem Haus. Ihr Vater, war der anglo-irische Gutsbesitzer Walter Clarmont Skrine und ihre Mutter, Agnes Shakespeare Higginson. Keane wuchs mit ihren 4 Geschwistern auf dem Landgut „Ballyrankin“ im County Wexford auf. Auch Keane wurde von einer Hauslehrerin unterrichtet – ebenso wie Aroon und ihr Bruder Hubert. Und ebenso wie die fiktive Familie im Roman, musste auch ihre Familie mit dem finanziellen Niedergang des Landadels im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts kämpfen. In jedem Fall ist sie Zeitzeugin und kann das nasskalte, windige, oft trostlose Ambiente eines Landguts bestens beschreiben. Pferde, Hunde, Fasane, Dienstmädchen und Stallburschen, Gouvernanten und Nannys bevölkern den Roman. Und viele davon sind unsympathische Charaktere – Pferde wie Menschen. Aroon ist ein ‘unlikeable female character’, wie Tara-Louise Wittwer in ihrem Vorwort zu der Neuauflage des Romans im Kjona-Verlag, feststellt. Eine unattraktive und unsympathische weibliche Hauptfigur. Sie sehnt sich verzweifelt nach Liebe und Aufmerksamkeit und wird doch immer wieder enttäuscht und zurückgewiesen. Das macht sie als literarische Figur sehr interessant – aber leider auch sehr anstrengend und unsympathisch. Die Autorin versteht es meisterhaft, alles damals Unschickliche auch im Roman so gut versteckt zu erzählen, dass es manchmal etwas dauert, bis die Wahrheit hinter der Darstellung durchsickert: So kann indirekt vermittelt werden, dass Hubert und sein bester Freund Richard ein homoerotisches Verhältnis haben und Aroon nur als Alibi Teil ihrer Freundschaft sein darf. Das Hausmädchen Rose, welches sich im Lauf der Geschichte zu einer der mächtigsten Frauenfiguren des Romans entwickelt, rubbelt dem erkrankten Gutsherrn regelmäßig unter der Bettdecke „die kalten Füße“ warm. Ich muss zugeben, dass es mich einige Anstrengungen gekostet hat, den Roman zu lesen. Dazu hat sicherlich auch beigetragen, dass der Vergleich zwischen Aroon und Fleabag im Vorwort Erwartungen geweckt hat, die meiner Meinung nach nicht erfüllt wurden. Freude hatte ich an wunderschönen sprachlichen Formulierungen, wobei der Dank in diesem Fall auch der Übersetzerin Bettina Abarbanell gilt. Der Roman enthält einige Überraschungen und viele skurrile Figuren. Und er ist sicherlich verdient so hochgelobt und ausgezeichnet worden. Und aus feministischer Sicht ist er wirklich lesenswert und aufschlussreich. Doch ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, es gehöre deswegen auch zum guten Benehmen, den Roman gut finden zu müssen. Doch leider habe ich ihn nicht in mein Herz schließen können.

2.5

Das Vorwort war spitze und verheißungsvoll. Daher hatte ich entsprechende Erwartungen die für mich leider nicht erfüllt worden sind.

Bei den ersten Hundert Seiten war es zunächst etwas schwieriger rein zu kommen in das Buch, den Schreibstil etc. Nachdem ich die wichtigsten Charaktere kennengelernt hatte, sowie mich an den Stil gewöhnt ging es dann. Dennoch hatte ich vor allem nach dem Vorwort mehr erwartet. Eine Erkenntnis, ein Erlebnis aus dem Buch, die Gefühle etc. irgendwas was länger nachwirkt. Da war aber leider nichts, außer der Gedanke daran was nun so besonders war an dem Buch? Geschmäcker und das was uns berührt sind nunmal unterschiedlich. Mit Sicherheit wird dieses Buch bei anderen mehr Bewirken und hat es bereits.

3

Was für ein seltsames Buch. Ich habe das Gefühl es nicht richtig verstanden zu haben, gleichzeitig kann ich mich total in Aroon einfühlen, mit ihr fühlen, wie sich alles und jeder gegen sie verschwört. Sie tut einem regelrecht leid weil sie so Offensichtliches nicht versteht, ihre Fantasie mit ihr durch geht... und das Ende (hoffentlich ohne vorweg zu greifen) treibt diesen Tanz zwischen Mitleid und Verständnis und Freude irgendwie auf die Spitze. Ich mag diese große, naive Frau. Es liest sich alles nur ein wenig holprig und unrund.

Was für ein seltsames Buch. 
Ich habe das Gefühl es nicht richtig verstanden zu haben, gleichzeitig kann ich mich total in Aroon einfühlen, mit ihr fühlen, wie sich alles und jeder gegen sie verschwört. Sie tut einem regelrecht leid weil sie so Offensichtliches nicht versteht, ihre Fantasie mit ihr durch geht... und das Ende (hoffentlich ohne vorweg zu greifen) treibt diesen Tanz zwischen Mitleid und Verständnis und Freude irgendwie auf die Spitze. 
Ich mag diese große, naive Frau. 
Es liest sich alles nur ein wenig holprig und unrund.
3

Hat mich leider nicht so überzeugt

Nach dem Vorwort von Tara habe ich irgendwie eine andere Story erwartet…

Hat mich leider nicht so überzeugt
4

Zu Beginn bin ich schwer reingekommen, aber dann war es wie ein Sog!

2.5

War ganz nett, aber gleichzeitig hat es mich gelangweilt. Hätte ich abgebrochen, würden wir es nicht km Buchclub lesen.

4

| Rᴇᴠɪᴇᴡ | Rezensionsexemplar ⋆。𖦹Das gute Benehmen - Molly Keane⋆。𖦹 ★★★★/5 Das Gute Benehmen von Molly Keane spielt in Irland der 1920er-Jahre und erzählt von einer Familie, in der hinter der Fassade von Anstand und gesellschaftlichem Rang vieles ins Wanken gerät. Im Mittelpunkt steht Aroon, die sich nach Nähe, Anerkennung und einem Platz in ihrer Welt sehnt, dabei aber immer wieder an den starren Erwartungen ihrer Umgebung scheitert. Auch die Beziehungen innerhalb der Familie sind von Distanz, Verletzungen und unausgesprochenen Konflikten geprägt. Molly Keane schreibt dabei mit viel Ironie und feinem, trockenem Humor. Gerade Aroons eigenwillige Art macht die Geschichte besonders spannend, denn sie passt nicht in die Konventionen ihrer Zeit und wirkt dadurch gleichzeitig unbequem und faszinierend. Besonders berührt hat mich auch das Vorwort des Buches, ich fand es sehr spannend, mehr über die Autorin und die Hintergründe ihres Schreibens zu erfahren. Das Buch erzählt nicht nur von einer Familie im Zerfall, sondern auch von gesellschaftlichem Druck, Einsamkeit und innerer Unruhe. Für mich war es keine leichte, aber eine sehr eindrucksvolle und besondere Lektüre.

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