Anti Müller
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Description
»Liebe ist die Illusion, dass die aktuelle Beziehung hält, und die nach ihrem Ende nur durch eine neue Illusion in Form einer neuen Liebe zur Desillusion werden kann.«
Anti Müller ist kein Liebesroman. Es ist eine schonungslose Analyse verkrusteter Strukturen und ihrer sanften Vollstrecker, unter deren lackierten Nägeln noch immer der Schmutz des Patriarchats lauert.
Mit großer poetischer Präzision seziert Yade Önders Erzählerin die Mechanismen moderner Beziehungen sowie eines vermeintlich feministischen Kulturbetriebs, der nach wie vor den Männern die Regie überlässt. Über die Bühnen. Und über die Körper.
»Ich wage zu prophezeihen, dieses Buch wird ein feministischer Klassiker.« Daniela Dröscher
Book Information
Author Description
Yade Yasemin Önders Theaterstück Kartonage wurde 2017 zu den Autor*innentheatertagen Berlin eingeladen und am Wiener Burgtheater uraufgeführt. 2018 erhielt sie den Hauptpreis für Prosa beim open mike. Ihr Debütroman Wir wissen, wir könnten, und fallen synchron (2022, KiWi) wurde mit dem Debütpreis der lit.COLOGNE und dem Nicolas-Born-Debütpreis ausgezeichnet und stand auf der Shortlist für den ZDFaspekte-Literaturpreis. 2023 erhielt sie das Werkstipendium des Deutschen Literaturfonds. 2024 erschien der Kollektivroman Wir kommen, dessen Mitautorin sie ist.
Characteristics
1 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Posts
Generation Beziehungsunfähig?
Beendet und richtig gerne gemocht 🤍 Anti Müller von Yade Yasmin Önder ist genau das, was sie selbst schreibt: „Was ich weiß: Vor normalen Sätzen muss man sich hüten. Wehe den glatt polierten Gedanken der Gegenwartsliteratur, die einen schon auf den ersten Seiten in das Buch rutschen lassen. Die sich selbst erklärenden, im Nebel diffuser Anklagen formulierten Moralgeschichten. Das Ausschlachten des Schmerzes und sein Blut, das erst im getrockneten Zustand Buchstaben ergibt. Die Kruste, die niemand abzieht, weil darunter keine Wunde zu finden ist. Weil unter dieser Kruste nur die unversehrte Haut einer Buchseite steckt.“

Anti Müller - Pro Önder
Am besten hat mir gefallen, dass die Wut auf die Gespenster aka Männer hier einerseits ernst aber andererseits auch ganz zart ironisch gezeichnet ist. Die Hauptfigur hat fast einen blinden Fleck, den wir als Leser*innen aber sehen können. Dieses übersteigerte bringt den meisten Spaß. Auch sprachlich ist es immer wieder innovativ und bringt Schmackes in den Text. Das Thema junge aufstrebende Autorin probiert mit dem Leben klar zu kommen ist für mich aber auch Pleasing. Cover und Titel sind nicht ganz so mein Geschmack. Aber ansonsten fand ich es noch besser als das erste.
Feministisch, poetisch, modern.
Unter dem Klappentext konnte ich mir nicht allzu viel vorstellen. Vermutlich hätte ich es gar nicht gekauft, wäre es nicht Monatsbuch in einer Lesegruppe gewesen. Aber was für ein Buch: Eine absurde Protagonistin, mit der es sich dennoch leichtfällt zu identifizieren. Eine Sprachstruktur, bei der jedes Wort, jeder Satz mit akribischer Feinheit ausgewählt scheint. Einzig die eingeschobenen Kapitel aus der Vergangenheit stören den Handlungsfluss.
Ein kluges Buch, das kratzt statt streichelt
Zwischen Wut, Analyse und poetischer Schärfe liegt dieses Buch wie ein offener Nerv auf dem Tisch. Anti Müller ist kein Roman, der einen sanft an die Hand nimmt. Vielmehr zieht er die Vorhänge auf und lässt das grelle Licht auf Beziehungen, Machtverhältnisse und einen Kulturbetrieb fallen, der sich gern modern gibt, aber oft noch erstaunlich alte Muster atmet. Die Sprache ist dabei präzise, manchmal fast messerscharf, voller kluger Beobachtungen und bitterer Sätze, die nachhallen. Mich hat besonders gefallen, wie kompromisslos Yade Yasemin Önder auf patriarchale Strukturen schaut. Da steckt viel Wut drin, aber auch eine große Verletzlichkeit. Gleichzeitig blieb ich emotional öfter auf Abstand. Die Erzählerin seziert so viel, dass mir zwischendurch das Fühlen etwas verloren ging. Manche Gedanken waren stark, andere wirkten auf mich sehr verkopft und sperrig. Trotzdem ist Anti Müller ein mutiges Buch mit Haltung. Kein Wohlfühlroman, kein leichter Abend auf dem Sofa, sondern eher ein literarischer Schlag unter die Rippen. Für mich war es interessant, klug und unbequem, aber nicht durchgehend packend genug für mehr als 3 Sterne.

Das Buch beginnt mit einem Tinder-Date, aus dem zunächst nicht viel weiteres folgt, dann aber doch. Die neue Liebschaft hilft der Protagonistin, den Verflossenen hinter sich zu lassen (bzw. für Tod zu erklären) und stellt eine neue Chance für den bisher unerfüllten Kinderwunsch dar. Die Protagonistin in dem Buch ist wirklich unbequem. Für die Männer in dem Buch, aber auch für uns Lesende. Sie verhält sich, wie sich Frauen nicht verhalten sollten, laut stillen gesellschaftlichen Vorgaben unserer Zeit. Sie ist needy, fordernd , ungeduldig und erwartet vom Mann Verbindlichkeit (wie kann sie nur, nicht wahr?). Die Autorin legt den Finger in die Wunde der Frau deren Körper zur tickenden Uhr werden kann. Sie zeigt, wie sehr im Nachteil sich Frauen in der Frage "Kind: Ja oder Nein und wann" befinden. Die Ich-Erzählerin ist dabei alles andere als eine Sympathieträgerin, sie ist eine Frau, die in ihrer Verzweiflung fast wahnsinnig wird und daran ist nichts schön oder entspricht dem Idealbild einer Frau. Das macht den Text mutig und trägt maßgeblich zum gelingen bei. Sprachlich ist der Roman interessant gestaltet, durch teilweise sehr kurze Sätze, aneinander gereiht, manchmal fast wie Aufzählungen. Das erzeugt einen Ton, der sehr gut zum Plot des Romans und zur Persönlichkeit der Hauptfigur passt. Insgesamt wirklich lesenswert, wenn man sich auf das Ganze einlassen kann.
Theatertypen sind nichts für mich – eine Erkenntnis, die ich nicht nur privat, sondern auch literarisch erneut bestätigt bekam. Anti Müller macht ziemlich deutlich, warum. Im Zentrum steht, wenig subtil , ein gewisser Müller, beziehungsweise das „Anti“ zu ihm. Die Erzählerin beschreibt ihr kurzes, intensives Verhältnis zu einem aufstrebenden *hust* Schauspieler, der vor allem eines beherrscht: sich selbst. Dass er sich darüber hinaus nicht festlegen kann, überrascht dabei ungefähr so sehr wie eine Generalprobe, die länger dauert als geplant. Der Einstieg ist stark: Mit feiner Beobachtungsgabe und trockenem Humor werden die typischen Eigenschaften des „Theatermannes“ seziert: eine Mischung aus Selbstüberschätzung, emotionaler Unverbindlichkeit und Dauerperformance. Das ist witzig, treffend und stellenweise fast schon therapeutisch zu lesen. Leider bleibt es nicht bei dieser pointierten Analyse. Im weiteren Verlauf dreht sich gedanklich alles zunehmend im Kreis: Müller, Müller, Kinder, Kinder – und wieder von vorn. Was anfangs wie eine kluge Selbstreflexion wirkt, kippt stellenweise in eine gewisse Monotonie, die weder der Figur noch der Geschichte wirklich neue Facetten abgewinnt. So bleibt am Ende ein Roman, der stark beginnt, sich dann aber etwas zu sehr in seinem eigenen Gedankenkarussell verfängt. Unterhaltsam ist das trotzdem – wenn auch mit dem leisen Gefühl, dass hier weniger „Anti Müller“ als vielmehr „Noch mehr Müller“ erzählt wird.

Characteristics
1 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Description
»Liebe ist die Illusion, dass die aktuelle Beziehung hält, und die nach ihrem Ende nur durch eine neue Illusion in Form einer neuen Liebe zur Desillusion werden kann.«
Anti Müller ist kein Liebesroman. Es ist eine schonungslose Analyse verkrusteter Strukturen und ihrer sanften Vollstrecker, unter deren lackierten Nägeln noch immer der Schmutz des Patriarchats lauert.
Mit großer poetischer Präzision seziert Yade Önders Erzählerin die Mechanismen moderner Beziehungen sowie eines vermeintlich feministischen Kulturbetriebs, der nach wie vor den Männern die Regie überlässt. Über die Bühnen. Und über die Körper.
»Ich wage zu prophezeihen, dieses Buch wird ein feministischer Klassiker.« Daniela Dröscher
Book Information
Author Description
Yade Yasemin Önders Theaterstück Kartonage wurde 2017 zu den Autor*innentheatertagen Berlin eingeladen und am Wiener Burgtheater uraufgeführt. 2018 erhielt sie den Hauptpreis für Prosa beim open mike. Ihr Debütroman Wir wissen, wir könnten, und fallen synchron (2022, KiWi) wurde mit dem Debütpreis der lit.COLOGNE und dem Nicolas-Born-Debütpreis ausgezeichnet und stand auf der Shortlist für den ZDFaspekte-Literaturpreis. 2023 erhielt sie das Werkstipendium des Deutschen Literaturfonds. 2024 erschien der Kollektivroman Wir kommen, dessen Mitautorin sie ist.
Posts
Generation Beziehungsunfähig?
Beendet und richtig gerne gemocht 🤍 Anti Müller von Yade Yasmin Önder ist genau das, was sie selbst schreibt: „Was ich weiß: Vor normalen Sätzen muss man sich hüten. Wehe den glatt polierten Gedanken der Gegenwartsliteratur, die einen schon auf den ersten Seiten in das Buch rutschen lassen. Die sich selbst erklärenden, im Nebel diffuser Anklagen formulierten Moralgeschichten. Das Ausschlachten des Schmerzes und sein Blut, das erst im getrockneten Zustand Buchstaben ergibt. Die Kruste, die niemand abzieht, weil darunter keine Wunde zu finden ist. Weil unter dieser Kruste nur die unversehrte Haut einer Buchseite steckt.“

Anti Müller - Pro Önder
Am besten hat mir gefallen, dass die Wut auf die Gespenster aka Männer hier einerseits ernst aber andererseits auch ganz zart ironisch gezeichnet ist. Die Hauptfigur hat fast einen blinden Fleck, den wir als Leser*innen aber sehen können. Dieses übersteigerte bringt den meisten Spaß. Auch sprachlich ist es immer wieder innovativ und bringt Schmackes in den Text. Das Thema junge aufstrebende Autorin probiert mit dem Leben klar zu kommen ist für mich aber auch Pleasing. Cover und Titel sind nicht ganz so mein Geschmack. Aber ansonsten fand ich es noch besser als das erste.
Feministisch, poetisch, modern.
Unter dem Klappentext konnte ich mir nicht allzu viel vorstellen. Vermutlich hätte ich es gar nicht gekauft, wäre es nicht Monatsbuch in einer Lesegruppe gewesen. Aber was für ein Buch: Eine absurde Protagonistin, mit der es sich dennoch leichtfällt zu identifizieren. Eine Sprachstruktur, bei der jedes Wort, jeder Satz mit akribischer Feinheit ausgewählt scheint. Einzig die eingeschobenen Kapitel aus der Vergangenheit stören den Handlungsfluss.
Ein kluges Buch, das kratzt statt streichelt
Zwischen Wut, Analyse und poetischer Schärfe liegt dieses Buch wie ein offener Nerv auf dem Tisch. Anti Müller ist kein Roman, der einen sanft an die Hand nimmt. Vielmehr zieht er die Vorhänge auf und lässt das grelle Licht auf Beziehungen, Machtverhältnisse und einen Kulturbetrieb fallen, der sich gern modern gibt, aber oft noch erstaunlich alte Muster atmet. Die Sprache ist dabei präzise, manchmal fast messerscharf, voller kluger Beobachtungen und bitterer Sätze, die nachhallen. Mich hat besonders gefallen, wie kompromisslos Yade Yasemin Önder auf patriarchale Strukturen schaut. Da steckt viel Wut drin, aber auch eine große Verletzlichkeit. Gleichzeitig blieb ich emotional öfter auf Abstand. Die Erzählerin seziert so viel, dass mir zwischendurch das Fühlen etwas verloren ging. Manche Gedanken waren stark, andere wirkten auf mich sehr verkopft und sperrig. Trotzdem ist Anti Müller ein mutiges Buch mit Haltung. Kein Wohlfühlroman, kein leichter Abend auf dem Sofa, sondern eher ein literarischer Schlag unter die Rippen. Für mich war es interessant, klug und unbequem, aber nicht durchgehend packend genug für mehr als 3 Sterne.

Das Buch beginnt mit einem Tinder-Date, aus dem zunächst nicht viel weiteres folgt, dann aber doch. Die neue Liebschaft hilft der Protagonistin, den Verflossenen hinter sich zu lassen (bzw. für Tod zu erklären) und stellt eine neue Chance für den bisher unerfüllten Kinderwunsch dar. Die Protagonistin in dem Buch ist wirklich unbequem. Für die Männer in dem Buch, aber auch für uns Lesende. Sie verhält sich, wie sich Frauen nicht verhalten sollten, laut stillen gesellschaftlichen Vorgaben unserer Zeit. Sie ist needy, fordernd , ungeduldig und erwartet vom Mann Verbindlichkeit (wie kann sie nur, nicht wahr?). Die Autorin legt den Finger in die Wunde der Frau deren Körper zur tickenden Uhr werden kann. Sie zeigt, wie sehr im Nachteil sich Frauen in der Frage "Kind: Ja oder Nein und wann" befinden. Die Ich-Erzählerin ist dabei alles andere als eine Sympathieträgerin, sie ist eine Frau, die in ihrer Verzweiflung fast wahnsinnig wird und daran ist nichts schön oder entspricht dem Idealbild einer Frau. Das macht den Text mutig und trägt maßgeblich zum gelingen bei. Sprachlich ist der Roman interessant gestaltet, durch teilweise sehr kurze Sätze, aneinander gereiht, manchmal fast wie Aufzählungen. Das erzeugt einen Ton, der sehr gut zum Plot des Romans und zur Persönlichkeit der Hauptfigur passt. Insgesamt wirklich lesenswert, wenn man sich auf das Ganze einlassen kann.
Theatertypen sind nichts für mich – eine Erkenntnis, die ich nicht nur privat, sondern auch literarisch erneut bestätigt bekam. Anti Müller macht ziemlich deutlich, warum. Im Zentrum steht, wenig subtil , ein gewisser Müller, beziehungsweise das „Anti“ zu ihm. Die Erzählerin beschreibt ihr kurzes, intensives Verhältnis zu einem aufstrebenden *hust* Schauspieler, der vor allem eines beherrscht: sich selbst. Dass er sich darüber hinaus nicht festlegen kann, überrascht dabei ungefähr so sehr wie eine Generalprobe, die länger dauert als geplant. Der Einstieg ist stark: Mit feiner Beobachtungsgabe und trockenem Humor werden die typischen Eigenschaften des „Theatermannes“ seziert: eine Mischung aus Selbstüberschätzung, emotionaler Unverbindlichkeit und Dauerperformance. Das ist witzig, treffend und stellenweise fast schon therapeutisch zu lesen. Leider bleibt es nicht bei dieser pointierten Analyse. Im weiteren Verlauf dreht sich gedanklich alles zunehmend im Kreis: Müller, Müller, Kinder, Kinder – und wieder von vorn. Was anfangs wie eine kluge Selbstreflexion wirkt, kippt stellenweise in eine gewisse Monotonie, die weder der Figur noch der Geschichte wirklich neue Facetten abgewinnt. So bleibt am Ende ein Roman, der stark beginnt, sich dann aber etwas zu sehr in seinem eigenen Gedankenkarussell verfängt. Unterhaltsam ist das trotzdem – wenn auch mit dem leisen Gefühl, dass hier weniger „Anti Müller“ als vielmehr „Noch mehr Müller“ erzählt wird.














