Aufzeichnungen aus einem toten Haus

Aufzeichnungen aus einem toten Haus

Hardback
3.33

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Description

Fjodor M. Dostojewskis großer autobiographischer Roman in neuer Übersetzung Am Anfang steht ein Mord: Alexánder Petrówitsch Gorjántschikow wird zu zehn Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Der verwöhnte Adelige kommt nach Sibirien ins Lager. Der Schock von Verbrechen und Strafe verändert ihn zutiefst, und so beginnt er den Bericht über das, was ihm und seinen Leidensgefährten Tag für Tag widerfährt. Dostojewski schreibt aus eigenem Erleben: 1849 wurde er wegen revolutionärer Umtriebe zum Tode verurteilt, nach einer Scheinhinrichtung deportiert und verbrachte vier Jahre in Ketten. „Aufzeichnungen aus einem toten Haus“ gehört zu seinen größten Büchern. Nach Tolstois „Krieg und Frieden“ (Preis der Leipziger Buchmesse) hat Barbara Conrad nun auch dieses Meisterwerk neu übersetzt.

Book Information

Main Genre
Novels
Sub Genre
Classics
Format
Hardback
Pages
544
Price
39.10 €

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Nachdem ich zuletzt Herta Müllers Atemschaukel gelesen habe, wollte ich nun ein Werk im Stile des Realismus über das Leben im Arbeitslager lesen. Doch die Thematiken der beiden Bücher sind so unterschiedlich, dass ein Vergleich hinkt. Während Herta Müller das Überleben deutsch-rumänischer Zwangsarbeiter, die ihrer Nationalität wegen verschleppt werden schildert, geht es bei Dostojewski um verurteilte Verbrecher die als Gefängnisstrafe in ein Lager versetzt werden. Die Aufzeichnungen aus dem Totenhaus lesen sich, wie der Titel vermuten lässt, als eine dokumentarische jedoch sehr wertende Darstellung des typischen Sträflings. Dostojewski lässt die einzelnen Charaktere durch seine Schilderung greifbarer werden. Kein Sträfling gleicht dem anderen, jeder hat seine individuelle Geschichte und Persönlichkeit, und doch ähneln sie sich alle in ihrem eingesperrten Dasein das mehr dem Tod als einem Leben gleicht. Dostojewski hält mit seiner persönlichen Meinung nicht hinterm Berge und plädiert vehement dafür, Verbrechern ein Recht auf ein halbwegs anständiges Leben zuzugestehen. Denn dieses unfreie, gefangene Dasein läutert keinen Kriminellen, im Gegenteil jeder in die Freiheit Entlassene wird danach sofort wieder eine Straftat begehen. Der Frust und Hass auf die Gesellschaft wird durch die erzwungene Gefangenschaft nur vergrößert, Reue kommt in diesem Zustand nicht auf. So wird im Buch auch nie von Schuld oder Reue gesprochen, denn darum geht es hier nicht. Dostojewski beschreibt die Lagerzustände und gibt den von der Gesellschaft Verstoßenen eine Stimme, eine Persönlichkeit während sie im Lager jeglicher Individualität beraubt werden. Einige Straftaten werden jedoch sehr detailliert geschildert und sind derart grausam, dass ich ein wenig Selbstreflexion und -einsicht erwartet hätte. Aber Schuld und Sühne lässt Dostojewski in diesem Fall komplett außen vor, auch der Protagonist selbst ist sich seiner Schuld nicht bewusst oder erwähnt diese zumindest nie. Selbst sein Verbrechen, die Ermordung seiner Frau, wird nur kurz am Anfang ganz am Rande erwähnt. Ich kann den Grund verstehen, denn für Reue und Schuld hat Dostojewski andere Werke geschrieben. In diesem Buch ging es ihm darum, den Umgang mit und den Status von Verurteilten anzuprangern. Vielleicht wollte er auch die eigenen Erfahrungen aus seiner Lagerzeit verarbeiten. Das Buch ist jedoch nicht leicht zu verdauen, da es sich bei sehr vielen der Verbrechen um Femizide handelt und einer davon sehr ausführlich erzählt wird. Das fehlende Schuldeingeständnis macht die Femizide nicht einfacher zu ertragen, zumindest für Leserinnen. Generell bin ich nicht der größte Freund von Dostojewskis schwermütiger Prosa, doch trotz der negativen Aspekte ist das Plädoyer des Autors auch heute noch aktuell.

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