Das Lieben danach
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Description
Book Information
Author Description
Helene Bracht wurde 1955 in Nordrhein-Westfalen geboren. Sie studierte Pädagogik und Psychologie, lernte Schauspiel und Theaterregie und arbeitete viele Jahre am Theater. Heute lebt sie als Psychologin mit eigener Praxis in Berlin. 2025 erschien bei Hanser ihr erster literarischer Essay, der Bestseller »Das Lieben danach«.
Posts
Leni, Mitte 60, erzählt ihre Geschichte, die mit sexuellem Missbrauch in ihrer Kindheit beginnt und wie dieses Ereigniss ihren Lebensweg bestimmt und beeinflusst hat. Das ist sehr berührend und einfühlsam erzählt. Man entwickelt als Zuhörer/Leser sehr viel Mitgefühl und das Kind Leni steht sehr plastisch vor Augen, so dass man sie am liebsten trösten und ihr helfen möchte. Zwischendrin wird kurz und verständlich wissenschaftlich, therapeutische Erkentnisse beschrieben , die das Handeln von Leni erklären. Das fand ich sehr gut und interessant gemacht. Ich habe teils gelesen und gehört, wobei das Hörbuch ausgezeichnet gesprochen wurde.
"Auch heute noch sind es allzuoft die 《Geschändeten》, die die Schande haben." Helene Bracht arbeitet im Alter die sexuellen Übergriffe auf, die sie in früher Kindheit erleben musste. Der Nachhilfelehrer vergriff sich regelmäßig an ihrem Körper und die kleine Lene verfiel in eine "Duldungsstarre". Erst nach Jahren viel der Mutter etwas auf. Der Lehrer durfte nicht mehr kommen, aber für das Kind wurde sich geschämt. Doch was macht es mit einem Menschen, der derart körperliche Gewalt erfahren musste? Wie liebt es sich nach solchen Erfahrungen? Dies versucht die Autorin völlig offen und auch selbstkritisch darzulegen. Es tut regelrecht weh, dies zu lesen und sich in dieses Kind und auch in die Frau hineinzufühlen. Nur wenn sie zu sehr in die psychologische Analyse andriftet, hat mich Helene Bracht etwas verloren. Leseempfehlung für alle die mehr über das Thema Lieben nach "Kindesmisshandlung" erfahren möchten.
Das Cover hat mich auf das Buch aufmerksam gemacht. So wunderschöne Pfingstrosen mit gelungener Farbkombination. Eigentlich habe ich eine leichte Erzählung erwartet, aber schon der Klappentext hat auf einen ganz anderen Inhalt hingewiesen. Der Beginn des Buches ist noch leicht beschwingt. Beschwingt, weil Textzeilen des Liedes"Sweet Dreams" von den Eurythmics eingefügt sind. Dieses Lied beschreibt die vielfältigen Wege, die Menschen auf der Suche nach Glück und Zufriedenheit einschlagen können. Thematisiert werden dabei auch Enttäuschungen, die einem auf dieser Suche begegnen können. Aber im Buch "Das Lieben danach" geht es um mehr, als um Enttäuschungen. Helene Bracht berichtet von sexuellem Missbrauch, den sie selbst als 5 bis 8 Jährige erlebt hat. Von einem pädophilen Mittfünfziger, im Haus ihrer Eltern. Und es bleibt nicht bei dieser Grenzverletzung, weitere Themen sind unter anderem Vergewaltigung und Love scamming. Die Autorin hat hier ein autobiographisches Sachbuch verfasst. Ehrlich brutal. Brutal ehrlich. Teilweise hart in der Sachlichkeit, teilweise mit einer unglaublich sprachlichen Emotion. Ein Wort, das mir dabei besonders aufgefallen ist und was das Leben auch sehr beeinflusst, sind die Seelengravuren. Nicht nur damit spiegelt sich wider, das Helene Bracht Psychologin ist. Die 192 Seiten inclusive Anmerkungen und Literaturverzeichnis sind tiefgreifend und schmerzvoll, machen traurig und wütend. Mir ist es selten so schwer gefallen, ein Buch zu lesen. Ich kam mir ab und an vor, als dürfe ich gar nicht so sehr in die Gefühlswelt und Intimsphäre einer fremden Person eintauchen. Und ich habe auch große Probleme, dieses Werk zu bewerten oder zu empfehlen. Wobei die Thematik an sich unbedingt aus dem Dunklen hervorgehoben werden muss. Erinnerungen kann man tilgen, ohne wirklich zu vergessen (S. 85) Hold your Head up, movin' on (Sweet Dreams)
„Und doch war da das Gefühl, Treibsand unter den Füßen zu haben. Eigenartig substanzlos kam ich mir vor, durchscheinend, schwankend, weltverloren. Bestenfalls wie ein zufälliger Zaungast meines eigenen Lebens, unverbunden mit den Dingen und den Menschen. Allein“ Helene Bracht setzt sich in diesem Buch mit ihrem Leben auseinander. Schon früh war sie sexueller Gewalt ausgesetzt. Als Kind konnte sie das nicht einordnen, sie mochte ja den netten Onkel und hat gern ein Geheimnis mit ihm geteilt. Als ihre Eltern es mitbekamen, schämten sie sich für ihre Tochter. Sie waren die Eltern der Geschändeten. Lene erduldet alles stumm. Dadurch entwickelte sie Verhaltensmuster, die sie immer begleitet haben. Als Erwachsene hatte Lene diverse Beziehungen. Ihr ist es schwergefallen Menschen emotional nah an sich ranzulassen und eigene Grenzen zu erkennen. Sie erfüllt bedingungslos die Wünsche ihrer Partner ohne eigene Bedürfnisse zu erfüllen. Lene fügt sich, macht was von ihr erwartet wird. Viel hat sie ausprobiert, gleichgeschlechtliche Sexualpartner, One-Night-Stands, wurde sogar Opfer eines Heiratsschwindlers. Am liebsten verschwindet Lene später in der Menschenmasse, genießt es ab zunehmendem Alter unsichtbar zu sein. Das Buch war teilweise hart zu lesen durch die Erfahrung, die Lene machen musste. Trotzdem konnte ich es kaum weglegen, da es psychologisch sehr interessant war. Die ehrliche und auch harte Auseinandersetzung mit sich selbst ist Helene Bracht ganz vortrefflich gelungen. Da wird nichts beschönigt. Sie setzt sich damit auseinander um endlich heilen zu können und nicht mehr zu verdrängen. Die Schreibweise hat mir sehr gut gefallen, klug, mutig und verdammt ehrlich! Ein sehr wichtiges Buch.
Wie liebt man nach einem Trauma?
Helene Bracht berichtet in dem Buch sehr feinfühlig und mit erzählerischer Wucht von ihrem Leben und besonders der Liebe in ihrem Leben. Diese durchzieht aber der Schatten des Traumas, der durch einen jahrelangen Missbrauch in der Kindheit entstand. Die Folgen ziehen sich durch ihre ganzes nachfolgendes Leben. Mit Mitte 60 fragt sie sich nun, wie genau das ihr Liebesleben beeinflusste und baut hier gewonnene psychologische Erkenntnisse mit ein. Sie lässt dabei tief in ihre Seele blicken und stellt sich ihren eigenen Dämonen und Schattenseiten und schafft es doch, versöhnlich auf ihr Leben zurückzublicken. Das ist bei diesem schweren Thema schon eine enorme Leistung. Ich hätte mir trotzdem an mancher Stelle ein bisschen mehr Struktur in der Reihenfolge der erzählten Ereignisse gewünscht. Zudem gibt es ein, zwei Abschnitte (besonders den, ober die meetoo- Debatte) in der ich ihre Ansichten sehr veraltet, ja teilweise anti-feministisch empfand. Das war ein kleiner Wermutstropfen. Nichtsdestotrotz ein sehr wichtiges Buch, dass über ein Thema spricht, das viel zu oft durch Scham und Stigmatisierung im Dunklen bleibt.
Was beeinflusst dein heutiges Lieben?
Die Autorin erzählt uns ihre Geschichte. Ihre Geschichte vom Missbrauch durch einen Freund der Familie in ihrer Kindheit. Sie spricht über ein Tabuthema und dessen Folgen, aufgewachsen in der Nachkriegszeit. Voll von Themen wie Scham, Lügen und Sexualität erzählt sie, wie frau danach lieben kann. „Die Idee, zu befrieden, zu helfen, zu schlichten, indem ich mich füge, schlug in mir Wurzeln.“ Ein so wichtiges Buch. Ich bin sehr dankbar, dass uns eine Geschichte eine Frau erzählt wird. Sie erzählt vom Missbrauch in den Nachkriegsjahren. Wie damals damit umgegangen wurde. Wie sie es damals erlebt hat und heute sieht. Eine Reflexion ihres Lebens. Die Autorin lebte immer mit der Angst, sich etwas zu nehmen, was ihr nicht zusteht. Sobald ihr etwas gefällt oder sie etwas genießt, geht ihr innerer Alarm los und sie versucht aus der Situation so schnell es geht rauszukommen. Sie kann sich nicht fallen lassen. Sie spricht über ihre Scham und ihre Zeit als junge Erwachsene, in der sie die Rolle gewechselt hat. In der sie sich sexuell einfach das genommen hat, was sie wollte. In der sie Macht und Kommunikation für ihren Vorteil ausgenutzt hat. Sie erzählt von ihren Liebschaften - allein war sie nie, aber eine lange Liebe gab es auch nicht. Zu viel Nähe ging nicht. Sie wurde als zu distanziert gesehen. Ich kann noch so viel mehr erzählen,, aber lest es lieber selbst. So viel Inhalt, so viel Ehrlichkeit und Gefühl in 170 Seiten. Danke ✨
Wie lieben?
Das Buch habe ich als Aufarbeitung der Vergangenheit, Abrechnung, Versöhnung und dem Verstehenwollen des eigenen Liebens verstanden. Kommt das Cover als wunderschöne blumige Sache daher, ist der Inhalt deutlich schwerer. Die Autorin schreibt autofiktional über ihre eigene Missbrauchserfahrung als kleines Mädchen. Das schafft sie sprachlich absolut klug und besonders und man hält fast den Atem an. Eingebettet in eine Zeit, in dem ihr Vater schwer traumatisiert vom Krieg war und ihre Mutter zum ehelichen Beschlaf quasi beordert hat. Dazu die völlige Ahnungslosigkeit der Mutter, dass der ältliche kluge Nachhilfelehrer die Tochter missbraucht hat, macht fassungslos. Wie sich die Autorin so spät im Leben davon versucht zu befreien, ihre eigenen Liebensmuster versucht zu verstehen, ist besonders. Man merkt ihr deutlich den Beruf der Psychologin an, somit überwiegt ein wenig das Verstehen-wollen und nicht die Empörung, die mir manchmal fehlte.
Ein sehr wichtiges Buch, zum Teil schwer auszuhalten und ich bin froh, dass ich so heftige Erfahrungen nicht machen musste. Die Autorin geht sehr ehrlich und reflektiert mit ihrer Geschichte und ihren eigenen Fehltritten um. Ich fand es sehr spannend, ihren Ausführungen und ihrer Analyse zu folgen.
Sternebewertung fiktiv
Helene Bracht hat mit „Das Lieben danach“ ein beeindruckendes Buch geschrieben mutig, ehrlich und voller Leben. Mit 70 Jahren wagt sie sich erstmals an die literarische Aufarbeitung ihres eigenen Lebens und wählt dafür einen überraschenden Ort: ein All-Inclusive-Hotel auf den Kanaren. Zwischen schwitzenden Urlaubern, lauter Musik und tobenden Kindern beginnt sie, von sich zu erzählen – zunächst leicht und humorvoll, fast beiläufig. Doch dann schlägt die Stimmung um. Bracht berichtet von einem schweren Trauma: dem sexuellen Missbrauch, den sie als Kind durch einen Untermieter der Familie erfahren hat. Die Art, wie sie dieses schwierige Thema behandelt, ist bewundernswert direkt, aber niemals verbittert, schmerzhaft, aber nicht erdrückend. Sie erzählt von der Reaktion ihrer Mutter, von den Folgen für ihr Leben und davon, wie sie es dennoch geschafft hat, Liebe und Vertrauen wiederzufinden. Was mich an diesem Buch so bewegt hat, ist die Klarheit und Wärme, mit der Bracht von ihrer Vergangenheit erzählt. Sie zeigt, dass Heilung möglich ist nicht trotz, sondern gerade wegen der Auseinandersetzung mit dem Schmerz. „Das Lieben danach“ ist ein Buch voller Kraft und Hoffnung eindringlich, mutig und tief berührend.
»All die Fertigkeiten und Verhaltensmuster, die ein kleines missbrauchtes Mädchen lernt, kann es umstandslos und mit großem gesellschaftlichen Einverständnis als erwachsene Frau zur Verfügung stellen: Die Gefügigkeit, die hohe Sensibilität für die Wünsche anderer, die Duldsamkeit, die Abhängigkeit von Komplimenten und Anerkennung, die selbstverständliche Dienstleistungsorientierung, all das zahlt ein auf das tradierte Rollenbild. Wäre das Patriarchat ein Wirtschaftsunternehmen, würde ein weibliches Missbrauchs-Skillset umstandslos als Kompetenzprofil für weibliche High Performer durchgehen. Zumindest bei mir hat das tadellos geklappt.« (S. 51f) Auf einer kanarischen Insel schreibt eine ältere Frau über ihr Leben und Lieben — angefangen vom frühen Missbrauch in ihrer Kindheit über ihre Jugend bis hin zu ihrem Sein als singuläre Frau und der Freiheit, die damit einher geht, dem Male Gaze nicht mehr ausgeliefert zu sein: »Denn alte Frauen sieht man nicht.« (8) Sie analysiert, wie der frühe Vertrauensbruch und Missbrauch sie geprägt haben und dabei werden bemerkenswert viele fachliche Belege und Studien in diese Analyse einbezogen. So erhält diese Selbstanalyse nicht zuletzt durch die zusätzliche Perspektiven und das Einfließen von psychologischem Fachwissen eine enorme Tiefe. »Ein reifer, erwachsener Mensch kennt seine Grenzen und respektiert die der anderen. Das ist die Grundvoraussetzung für gelingende zwischenmenschliche Bindungen. Simple but not easy. Denn eine Grenze ist nun einmal ihrem Wesen nach ein doppelgesichtiges Phänomen: Sie trennt, indem sie Innen und Außen unterscheidet, und sie verbindet, indem sie die Voraussetzung für Berührung schafft. Damit ist sie in gleichem Maße der Ort des existenziellen Voneinander-getrennt-Seins wie der Ort der intimsten Begegnung.« (S. 134) »DAS LIEBEN DANACH« ist das literarische Debüt & Essay der Autorin Helene Bracht*, in dem sie über Ihr eigenes L(i)eben nach einer frühkindlichen Misshandlung schreibt. Wie geht es weiter? Wie lässt sich l(i)eben? Sie schreibt in diesem schmalen Buch über so viel mehr: Mis$brauch als Grenzverletzung; Kritik an der medialen Ausschlachtung des Themas sowie vergleichsweise langsamen Forschung; Selbstbefreiung, Selbstversöhnung, Nachkriegsgeneration, ambiguous loss, Scham, Kritik am Patrichariat, Sexualität, Miteinander. »Verantwortung im Miteinander heißt, die Folgen, die das eigene Handeln für das Gegenüber haben kann, antizipieren, abwägen und Anteil nehmend in Entscheidungen übersetzen zu können. Sie bedeutet also ständige Achtung vor der Integrität eines anderen Menschen, aktive Sorge für den Schutz von dessen Unversehrtheit.« (S. 169) Erschütternd ehrlich, selbstversöhnlich, kritisch, intelligent, mutig, sachlich und dabei trotzdem persönlich schreibt Helene Bracht autofiktional über ihr eigenes Leben, Sexualität und Beziehungen. Ein schmales Buch, das mit so einer sprachlichen Kraft, so viel Inhalt und Tiefe daher kommt, dass es sich nach so viel mehr anfühlt, wenn mensch das Buch nach 177 Seiten beendet hat. Ein Buch, das lange nachhallt; viel Wissen, Empathie und Versöhnung vermittelt. Große Leseempfehlung 💜, aber bitte beachtet den CN 🫂 _______________________ [CN: Kindesmissbrauch, psychische Gewalt] * als Psychologin & Coach hat sie bereits mehrere Fachbücher unter ihrem bürgerlicher Namen Mechthild Erpenbeck veröffentlicht.

Mißbrauch hat viele Gesichter
Kein "einfaches" Buch, wird wohl keine*n Leser*in kalt lassen,sondern zum Nachdenken anregen. Ein Diskussions- Starter. Mißbrauch, männlich- wie weiblicher, Begehren - the Same, Selbst- Findung, vielleicht sogar Versöhnung? TIEF gehende Betrachtung eines komplexen Themas, vermutlich wird sich jede*n/r Leser*in etwas anderes daraus erschließen. Spannend, es zu entdecken. Soviel ist sicher. Meine ABSOLUTE LESE EMPFEHLUNG.

Lieblingszitat: »Aber die Geister der Dinge, die nie die Chance hatten zu geschehen, bleiben für alle Zeiten rasiermesserscharf.«
An manchen Stellen war das Buch etwas schwierig zu lesen, da Helene Bracht als Psychologin einen unglaublichen Wissens- und Wortschatz hat und mit vielen Quellen in dem Buch gearbeitet hat. Aber die Art und Weise wie sie über den Missbrauch berichtet hat mich total umgehauen. Absolute Empfehlung wer sich psychologisch mit Missbrauchserfahrungen auf unterschiedlichen Ebenen auseinandersetzen möchte!
Welche Auswirkungen ein sexueller Missbrauch auf das Leben und Lieben danach hat, erzählt Helene Bracht als persönlich Betroffene ihre Innenwelt offenbarend unterbrochen durch theoretische Auseinandersetzungen. Mich persönlich hat dieser Schreibstil ab einem gewissen Punkt irritiert. Ich wollte wissen, wie es weitergeht mit der Geschichte und mit dem Lieben danach. Aus diesem Grund ein Stern Abzug. Ansonsten sehr berührend, betroffen machend und Hoffnung gebend.
Die transparente Autorin
Alles was Menschen in ihrer frühen Kindheit erleben, setzt sich in ihnen fest und hat Auswirkungen auf ihr ganzes Leben. Selbst dann, wenn sie noch so klein sind, dass sie die Geschehnisse nicht erinnern oder nicht einordnen können. Epigenetische Prozesse werden im Körper losgetreten. Ein besonders schwerwiegendes Ereignis ist säggsuelle Gewalt. Helene Bracht hat in essayistischen Texten ihre eigene Erfahrung auf diesem Gebiet aufgeschrieben, eingeordnet und analysiert. Sie ist 5 Jahre alt als der vermeintlich „gute Freund“ der Familie sie häufig und perfide, und vor allem widerwärtig missbraucht. Missbrauchen – dieses Verb ist eigentlich völlig fehl am Platz, denn es setzt ja voraus das es auch einen guten „Gebrauch“ dieser Art gibt; das stellt die Autorin fest. Diese Taten haben Auswirkungen auf ihr ganzes Leben, alle folgenden Beziehungen und ihr körperliches Begehren. Das ist nämlich so gut wie gar nicht vorhanden. Zumindest nicht so, wie sie glaubt, dass es sein sollte. In unterschiedlich langen Textpassagen reflektiert sie unter den Aspekten Scham, Sprache, Bewegung oder auch Kontrolle und vielen anderen die Gewalttaten und die Gefühle, die sie bei ihr ausgelöst haben. Besonders interessant fand ich die Gespräche mit der Mutter, die ein Teil dieses Komplexes ist, ohne dass sie es sein will und die Selbstverständlichkeit mit der Frauen säggsuelle Gewalt hinnehmen (müssen). Ich hatte beim Lesen häufiger den Eindruck, dass da was raus muss, dass Bracht ihr Leben lang darauf gewartet hat, diese Dinge endlich zu Papier bringen zu können, dass sie lange daran rumgefeilt hat, wie sie das Unsägliche ausdrücken kann. Sie hat einen Zeitpunkt gewählt, an dem sie merkt, dass sie als Frau unsichtbar wird in unserer Gesellschaft. Die Lektüre erinnerte mich in mancherlei Beziehungen an „Trauriger Tiger“ von Neige Sinno, die eine ähnliche Herangehensweise an die schrecklichen Taten zu Papier brachte. Doch Bracht philosophiert ausschweifender und bringt immer wieder auch Sachinformationen unter, die mit Quellen im Anhang hinterlegt sind Harte Texte, die ich manchmal nur schwer aushalten konnte, welche aber sein müssen, damit uns noch deutlicher wird, wie tief diese Gewalttaten greifen. Ich konnte den Gedanken der Autorin meist folgen, manchmal verlor sie mich aber mit ihren Analysen. Es ist auch ein mutiges Buch, in dem die sie ihr Inneres nach außen kehrt und sich damit transparent für uns Leser*innen macht. Ich bin dankbar, dass Helene Bracht uns an ihrem Lebensweg hat teilhaben lassen
Ich glaube, ich habe einfach etwas anderes erwartet, daher tu ich mir mit einer Bewertung schwer. Das Buch ist nach meinem Empfinden vom Stil ein bisschen zwischen Tatsachenbericht und dann plötzlich wieder philosophisch anmutende Passagen. Ich weiß nicht genau, was ich erwartet habe, daher keine objektive Bewertung. Das Thema ist wahnsinnig wichtig, aber wie es verpackt war, wohl einfach nicht mein Geschmack.
„Es ist ein soziales Wagnis ganz ohne Beziehung zu leben.“
Helene Bracht arbeitet in diesem Buch die Missbrauchserfahrungen ihrer Kindheit auf. Sie zieht dabei immer wieder Rückschlüsse darauf, wie sie in den verschiedenen Phasen ihres Lebens liebt - mal als Opfer und mal auch als Täterin. Für mich persönlich war das Buch wirklich schwere Kost, da en Detail die Situationen, in denen der regelmäßige Missbrauch stattgefunden hat, beschrieben wurden. Gleichzeitig war alles so fein und literarisch wirklich grandios geschrieben, sodass ich irgendwie noch nicht ganz weiß, wie ich mit dem Gefühl in meinem Bauch umgehen soll. Ich denke, das ist eins der Bücher, das wirklich noch lange nachhallen wird. Gleichwohl möchte ich ganz vehement sagen, dass dieses Buch absolut nichts für Menschen ist, die ansatzweise durch das Thema sexualisierte Gewalt an Kindern getriggert werden.
Ein Buch, das ich anhand des Covers ausgesucht habe. Im Buch geht es im sexuellen Missbrauch im Kindesalter (große Triggerwarnung) und die Folgen auf den Menschen danach, vor allem was Beziehungen angeht. Es hat mich emotional mitgenommen, eine solche Geschichte zu lesen. Sexueller Missbrauch ist in meinen Augen ein wortwörtlich unfassbar grausames Thema und deswegen bin ich sehr dankbar, das Buch gelesen zu haben. Es fällt mir bei der Schwere des Themas aber irgendwie schwer, eine Rezension zu schreiben. So viel: Am Anfang konnte ich der Geschichte gut folgen und fand sie sehr eindrücklich, gegen Ende fiel es mir immer schwerer, dem letzten Handlungsstrang konnte ich schwer folgen. Allgemein ist die Sprache eher schwerer zu verstehen, weil die Autorin Psychologin ist und viele Fachbegriffe einfließen lässt.
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Helene Bracht wurde 1955 in Nordrhein-Westfalen geboren. Sie studierte Pädagogik und Psychologie, lernte Schauspiel und Theaterregie und arbeitete viele Jahre am Theater. Heute lebt sie als Psychologin mit eigener Praxis in Berlin. 2025 erschien bei Hanser ihr erster literarischer Essay, der Bestseller »Das Lieben danach«.
Posts
Leni, Mitte 60, erzählt ihre Geschichte, die mit sexuellem Missbrauch in ihrer Kindheit beginnt und wie dieses Ereigniss ihren Lebensweg bestimmt und beeinflusst hat. Das ist sehr berührend und einfühlsam erzählt. Man entwickelt als Zuhörer/Leser sehr viel Mitgefühl und das Kind Leni steht sehr plastisch vor Augen, so dass man sie am liebsten trösten und ihr helfen möchte. Zwischendrin wird kurz und verständlich wissenschaftlich, therapeutische Erkentnisse beschrieben , die das Handeln von Leni erklären. Das fand ich sehr gut und interessant gemacht. Ich habe teils gelesen und gehört, wobei das Hörbuch ausgezeichnet gesprochen wurde.
"Auch heute noch sind es allzuoft die 《Geschändeten》, die die Schande haben." Helene Bracht arbeitet im Alter die sexuellen Übergriffe auf, die sie in früher Kindheit erleben musste. Der Nachhilfelehrer vergriff sich regelmäßig an ihrem Körper und die kleine Lene verfiel in eine "Duldungsstarre". Erst nach Jahren viel der Mutter etwas auf. Der Lehrer durfte nicht mehr kommen, aber für das Kind wurde sich geschämt. Doch was macht es mit einem Menschen, der derart körperliche Gewalt erfahren musste? Wie liebt es sich nach solchen Erfahrungen? Dies versucht die Autorin völlig offen und auch selbstkritisch darzulegen. Es tut regelrecht weh, dies zu lesen und sich in dieses Kind und auch in die Frau hineinzufühlen. Nur wenn sie zu sehr in die psychologische Analyse andriftet, hat mich Helene Bracht etwas verloren. Leseempfehlung für alle die mehr über das Thema Lieben nach "Kindesmisshandlung" erfahren möchten.
Das Cover hat mich auf das Buch aufmerksam gemacht. So wunderschöne Pfingstrosen mit gelungener Farbkombination. Eigentlich habe ich eine leichte Erzählung erwartet, aber schon der Klappentext hat auf einen ganz anderen Inhalt hingewiesen. Der Beginn des Buches ist noch leicht beschwingt. Beschwingt, weil Textzeilen des Liedes"Sweet Dreams" von den Eurythmics eingefügt sind. Dieses Lied beschreibt die vielfältigen Wege, die Menschen auf der Suche nach Glück und Zufriedenheit einschlagen können. Thematisiert werden dabei auch Enttäuschungen, die einem auf dieser Suche begegnen können. Aber im Buch "Das Lieben danach" geht es um mehr, als um Enttäuschungen. Helene Bracht berichtet von sexuellem Missbrauch, den sie selbst als 5 bis 8 Jährige erlebt hat. Von einem pädophilen Mittfünfziger, im Haus ihrer Eltern. Und es bleibt nicht bei dieser Grenzverletzung, weitere Themen sind unter anderem Vergewaltigung und Love scamming. Die Autorin hat hier ein autobiographisches Sachbuch verfasst. Ehrlich brutal. Brutal ehrlich. Teilweise hart in der Sachlichkeit, teilweise mit einer unglaublich sprachlichen Emotion. Ein Wort, das mir dabei besonders aufgefallen ist und was das Leben auch sehr beeinflusst, sind die Seelengravuren. Nicht nur damit spiegelt sich wider, das Helene Bracht Psychologin ist. Die 192 Seiten inclusive Anmerkungen und Literaturverzeichnis sind tiefgreifend und schmerzvoll, machen traurig und wütend. Mir ist es selten so schwer gefallen, ein Buch zu lesen. Ich kam mir ab und an vor, als dürfe ich gar nicht so sehr in die Gefühlswelt und Intimsphäre einer fremden Person eintauchen. Und ich habe auch große Probleme, dieses Werk zu bewerten oder zu empfehlen. Wobei die Thematik an sich unbedingt aus dem Dunklen hervorgehoben werden muss. Erinnerungen kann man tilgen, ohne wirklich zu vergessen (S. 85) Hold your Head up, movin' on (Sweet Dreams)
„Und doch war da das Gefühl, Treibsand unter den Füßen zu haben. Eigenartig substanzlos kam ich mir vor, durchscheinend, schwankend, weltverloren. Bestenfalls wie ein zufälliger Zaungast meines eigenen Lebens, unverbunden mit den Dingen und den Menschen. Allein“ Helene Bracht setzt sich in diesem Buch mit ihrem Leben auseinander. Schon früh war sie sexueller Gewalt ausgesetzt. Als Kind konnte sie das nicht einordnen, sie mochte ja den netten Onkel und hat gern ein Geheimnis mit ihm geteilt. Als ihre Eltern es mitbekamen, schämten sie sich für ihre Tochter. Sie waren die Eltern der Geschändeten. Lene erduldet alles stumm. Dadurch entwickelte sie Verhaltensmuster, die sie immer begleitet haben. Als Erwachsene hatte Lene diverse Beziehungen. Ihr ist es schwergefallen Menschen emotional nah an sich ranzulassen und eigene Grenzen zu erkennen. Sie erfüllt bedingungslos die Wünsche ihrer Partner ohne eigene Bedürfnisse zu erfüllen. Lene fügt sich, macht was von ihr erwartet wird. Viel hat sie ausprobiert, gleichgeschlechtliche Sexualpartner, One-Night-Stands, wurde sogar Opfer eines Heiratsschwindlers. Am liebsten verschwindet Lene später in der Menschenmasse, genießt es ab zunehmendem Alter unsichtbar zu sein. Das Buch war teilweise hart zu lesen durch die Erfahrung, die Lene machen musste. Trotzdem konnte ich es kaum weglegen, da es psychologisch sehr interessant war. Die ehrliche und auch harte Auseinandersetzung mit sich selbst ist Helene Bracht ganz vortrefflich gelungen. Da wird nichts beschönigt. Sie setzt sich damit auseinander um endlich heilen zu können und nicht mehr zu verdrängen. Die Schreibweise hat mir sehr gut gefallen, klug, mutig und verdammt ehrlich! Ein sehr wichtiges Buch.
Wie liebt man nach einem Trauma?
Helene Bracht berichtet in dem Buch sehr feinfühlig und mit erzählerischer Wucht von ihrem Leben und besonders der Liebe in ihrem Leben. Diese durchzieht aber der Schatten des Traumas, der durch einen jahrelangen Missbrauch in der Kindheit entstand. Die Folgen ziehen sich durch ihre ganzes nachfolgendes Leben. Mit Mitte 60 fragt sie sich nun, wie genau das ihr Liebesleben beeinflusste und baut hier gewonnene psychologische Erkenntnisse mit ein. Sie lässt dabei tief in ihre Seele blicken und stellt sich ihren eigenen Dämonen und Schattenseiten und schafft es doch, versöhnlich auf ihr Leben zurückzublicken. Das ist bei diesem schweren Thema schon eine enorme Leistung. Ich hätte mir trotzdem an mancher Stelle ein bisschen mehr Struktur in der Reihenfolge der erzählten Ereignisse gewünscht. Zudem gibt es ein, zwei Abschnitte (besonders den, ober die meetoo- Debatte) in der ich ihre Ansichten sehr veraltet, ja teilweise anti-feministisch empfand. Das war ein kleiner Wermutstropfen. Nichtsdestotrotz ein sehr wichtiges Buch, dass über ein Thema spricht, das viel zu oft durch Scham und Stigmatisierung im Dunklen bleibt.
Was beeinflusst dein heutiges Lieben?
Die Autorin erzählt uns ihre Geschichte. Ihre Geschichte vom Missbrauch durch einen Freund der Familie in ihrer Kindheit. Sie spricht über ein Tabuthema und dessen Folgen, aufgewachsen in der Nachkriegszeit. Voll von Themen wie Scham, Lügen und Sexualität erzählt sie, wie frau danach lieben kann. „Die Idee, zu befrieden, zu helfen, zu schlichten, indem ich mich füge, schlug in mir Wurzeln.“ Ein so wichtiges Buch. Ich bin sehr dankbar, dass uns eine Geschichte eine Frau erzählt wird. Sie erzählt vom Missbrauch in den Nachkriegsjahren. Wie damals damit umgegangen wurde. Wie sie es damals erlebt hat und heute sieht. Eine Reflexion ihres Lebens. Die Autorin lebte immer mit der Angst, sich etwas zu nehmen, was ihr nicht zusteht. Sobald ihr etwas gefällt oder sie etwas genießt, geht ihr innerer Alarm los und sie versucht aus der Situation so schnell es geht rauszukommen. Sie kann sich nicht fallen lassen. Sie spricht über ihre Scham und ihre Zeit als junge Erwachsene, in der sie die Rolle gewechselt hat. In der sie sich sexuell einfach das genommen hat, was sie wollte. In der sie Macht und Kommunikation für ihren Vorteil ausgenutzt hat. Sie erzählt von ihren Liebschaften - allein war sie nie, aber eine lange Liebe gab es auch nicht. Zu viel Nähe ging nicht. Sie wurde als zu distanziert gesehen. Ich kann noch so viel mehr erzählen,, aber lest es lieber selbst. So viel Inhalt, so viel Ehrlichkeit und Gefühl in 170 Seiten. Danke ✨
Wie lieben?
Das Buch habe ich als Aufarbeitung der Vergangenheit, Abrechnung, Versöhnung und dem Verstehenwollen des eigenen Liebens verstanden. Kommt das Cover als wunderschöne blumige Sache daher, ist der Inhalt deutlich schwerer. Die Autorin schreibt autofiktional über ihre eigene Missbrauchserfahrung als kleines Mädchen. Das schafft sie sprachlich absolut klug und besonders und man hält fast den Atem an. Eingebettet in eine Zeit, in dem ihr Vater schwer traumatisiert vom Krieg war und ihre Mutter zum ehelichen Beschlaf quasi beordert hat. Dazu die völlige Ahnungslosigkeit der Mutter, dass der ältliche kluge Nachhilfelehrer die Tochter missbraucht hat, macht fassungslos. Wie sich die Autorin so spät im Leben davon versucht zu befreien, ihre eigenen Liebensmuster versucht zu verstehen, ist besonders. Man merkt ihr deutlich den Beruf der Psychologin an, somit überwiegt ein wenig das Verstehen-wollen und nicht die Empörung, die mir manchmal fehlte.
Ein sehr wichtiges Buch, zum Teil schwer auszuhalten und ich bin froh, dass ich so heftige Erfahrungen nicht machen musste. Die Autorin geht sehr ehrlich und reflektiert mit ihrer Geschichte und ihren eigenen Fehltritten um. Ich fand es sehr spannend, ihren Ausführungen und ihrer Analyse zu folgen.
Sternebewertung fiktiv
Helene Bracht hat mit „Das Lieben danach“ ein beeindruckendes Buch geschrieben mutig, ehrlich und voller Leben. Mit 70 Jahren wagt sie sich erstmals an die literarische Aufarbeitung ihres eigenen Lebens und wählt dafür einen überraschenden Ort: ein All-Inclusive-Hotel auf den Kanaren. Zwischen schwitzenden Urlaubern, lauter Musik und tobenden Kindern beginnt sie, von sich zu erzählen – zunächst leicht und humorvoll, fast beiläufig. Doch dann schlägt die Stimmung um. Bracht berichtet von einem schweren Trauma: dem sexuellen Missbrauch, den sie als Kind durch einen Untermieter der Familie erfahren hat. Die Art, wie sie dieses schwierige Thema behandelt, ist bewundernswert direkt, aber niemals verbittert, schmerzhaft, aber nicht erdrückend. Sie erzählt von der Reaktion ihrer Mutter, von den Folgen für ihr Leben und davon, wie sie es dennoch geschafft hat, Liebe und Vertrauen wiederzufinden. Was mich an diesem Buch so bewegt hat, ist die Klarheit und Wärme, mit der Bracht von ihrer Vergangenheit erzählt. Sie zeigt, dass Heilung möglich ist nicht trotz, sondern gerade wegen der Auseinandersetzung mit dem Schmerz. „Das Lieben danach“ ist ein Buch voller Kraft und Hoffnung eindringlich, mutig und tief berührend.
»All die Fertigkeiten und Verhaltensmuster, die ein kleines missbrauchtes Mädchen lernt, kann es umstandslos und mit großem gesellschaftlichen Einverständnis als erwachsene Frau zur Verfügung stellen: Die Gefügigkeit, die hohe Sensibilität für die Wünsche anderer, die Duldsamkeit, die Abhängigkeit von Komplimenten und Anerkennung, die selbstverständliche Dienstleistungsorientierung, all das zahlt ein auf das tradierte Rollenbild. Wäre das Patriarchat ein Wirtschaftsunternehmen, würde ein weibliches Missbrauchs-Skillset umstandslos als Kompetenzprofil für weibliche High Performer durchgehen. Zumindest bei mir hat das tadellos geklappt.« (S. 51f) Auf einer kanarischen Insel schreibt eine ältere Frau über ihr Leben und Lieben — angefangen vom frühen Missbrauch in ihrer Kindheit über ihre Jugend bis hin zu ihrem Sein als singuläre Frau und der Freiheit, die damit einher geht, dem Male Gaze nicht mehr ausgeliefert zu sein: »Denn alte Frauen sieht man nicht.« (8) Sie analysiert, wie der frühe Vertrauensbruch und Missbrauch sie geprägt haben und dabei werden bemerkenswert viele fachliche Belege und Studien in diese Analyse einbezogen. So erhält diese Selbstanalyse nicht zuletzt durch die zusätzliche Perspektiven und das Einfließen von psychologischem Fachwissen eine enorme Tiefe. »Ein reifer, erwachsener Mensch kennt seine Grenzen und respektiert die der anderen. Das ist die Grundvoraussetzung für gelingende zwischenmenschliche Bindungen. Simple but not easy. Denn eine Grenze ist nun einmal ihrem Wesen nach ein doppelgesichtiges Phänomen: Sie trennt, indem sie Innen und Außen unterscheidet, und sie verbindet, indem sie die Voraussetzung für Berührung schafft. Damit ist sie in gleichem Maße der Ort des existenziellen Voneinander-getrennt-Seins wie der Ort der intimsten Begegnung.« (S. 134) »DAS LIEBEN DANACH« ist das literarische Debüt & Essay der Autorin Helene Bracht*, in dem sie über Ihr eigenes L(i)eben nach einer frühkindlichen Misshandlung schreibt. Wie geht es weiter? Wie lässt sich l(i)eben? Sie schreibt in diesem schmalen Buch über so viel mehr: Mis$brauch als Grenzverletzung; Kritik an der medialen Ausschlachtung des Themas sowie vergleichsweise langsamen Forschung; Selbstbefreiung, Selbstversöhnung, Nachkriegsgeneration, ambiguous loss, Scham, Kritik am Patrichariat, Sexualität, Miteinander. »Verantwortung im Miteinander heißt, die Folgen, die das eigene Handeln für das Gegenüber haben kann, antizipieren, abwägen und Anteil nehmend in Entscheidungen übersetzen zu können. Sie bedeutet also ständige Achtung vor der Integrität eines anderen Menschen, aktive Sorge für den Schutz von dessen Unversehrtheit.« (S. 169) Erschütternd ehrlich, selbstversöhnlich, kritisch, intelligent, mutig, sachlich und dabei trotzdem persönlich schreibt Helene Bracht autofiktional über ihr eigenes Leben, Sexualität und Beziehungen. Ein schmales Buch, das mit so einer sprachlichen Kraft, so viel Inhalt und Tiefe daher kommt, dass es sich nach so viel mehr anfühlt, wenn mensch das Buch nach 177 Seiten beendet hat. Ein Buch, das lange nachhallt; viel Wissen, Empathie und Versöhnung vermittelt. Große Leseempfehlung 💜, aber bitte beachtet den CN 🫂 _______________________ [CN: Kindesmissbrauch, psychische Gewalt] * als Psychologin & Coach hat sie bereits mehrere Fachbücher unter ihrem bürgerlicher Namen Mechthild Erpenbeck veröffentlicht.

Mißbrauch hat viele Gesichter
Kein "einfaches" Buch, wird wohl keine*n Leser*in kalt lassen,sondern zum Nachdenken anregen. Ein Diskussions- Starter. Mißbrauch, männlich- wie weiblicher, Begehren - the Same, Selbst- Findung, vielleicht sogar Versöhnung? TIEF gehende Betrachtung eines komplexen Themas, vermutlich wird sich jede*n/r Leser*in etwas anderes daraus erschließen. Spannend, es zu entdecken. Soviel ist sicher. Meine ABSOLUTE LESE EMPFEHLUNG.

Lieblingszitat: »Aber die Geister der Dinge, die nie die Chance hatten zu geschehen, bleiben für alle Zeiten rasiermesserscharf.«
An manchen Stellen war das Buch etwas schwierig zu lesen, da Helene Bracht als Psychologin einen unglaublichen Wissens- und Wortschatz hat und mit vielen Quellen in dem Buch gearbeitet hat. Aber die Art und Weise wie sie über den Missbrauch berichtet hat mich total umgehauen. Absolute Empfehlung wer sich psychologisch mit Missbrauchserfahrungen auf unterschiedlichen Ebenen auseinandersetzen möchte!
Welche Auswirkungen ein sexueller Missbrauch auf das Leben und Lieben danach hat, erzählt Helene Bracht als persönlich Betroffene ihre Innenwelt offenbarend unterbrochen durch theoretische Auseinandersetzungen. Mich persönlich hat dieser Schreibstil ab einem gewissen Punkt irritiert. Ich wollte wissen, wie es weitergeht mit der Geschichte und mit dem Lieben danach. Aus diesem Grund ein Stern Abzug. Ansonsten sehr berührend, betroffen machend und Hoffnung gebend.
Die transparente Autorin
Alles was Menschen in ihrer frühen Kindheit erleben, setzt sich in ihnen fest und hat Auswirkungen auf ihr ganzes Leben. Selbst dann, wenn sie noch so klein sind, dass sie die Geschehnisse nicht erinnern oder nicht einordnen können. Epigenetische Prozesse werden im Körper losgetreten. Ein besonders schwerwiegendes Ereignis ist säggsuelle Gewalt. Helene Bracht hat in essayistischen Texten ihre eigene Erfahrung auf diesem Gebiet aufgeschrieben, eingeordnet und analysiert. Sie ist 5 Jahre alt als der vermeintlich „gute Freund“ der Familie sie häufig und perfide, und vor allem widerwärtig missbraucht. Missbrauchen – dieses Verb ist eigentlich völlig fehl am Platz, denn es setzt ja voraus das es auch einen guten „Gebrauch“ dieser Art gibt; das stellt die Autorin fest. Diese Taten haben Auswirkungen auf ihr ganzes Leben, alle folgenden Beziehungen und ihr körperliches Begehren. Das ist nämlich so gut wie gar nicht vorhanden. Zumindest nicht so, wie sie glaubt, dass es sein sollte. In unterschiedlich langen Textpassagen reflektiert sie unter den Aspekten Scham, Sprache, Bewegung oder auch Kontrolle und vielen anderen die Gewalttaten und die Gefühle, die sie bei ihr ausgelöst haben. Besonders interessant fand ich die Gespräche mit der Mutter, die ein Teil dieses Komplexes ist, ohne dass sie es sein will und die Selbstverständlichkeit mit der Frauen säggsuelle Gewalt hinnehmen (müssen). Ich hatte beim Lesen häufiger den Eindruck, dass da was raus muss, dass Bracht ihr Leben lang darauf gewartet hat, diese Dinge endlich zu Papier bringen zu können, dass sie lange daran rumgefeilt hat, wie sie das Unsägliche ausdrücken kann. Sie hat einen Zeitpunkt gewählt, an dem sie merkt, dass sie als Frau unsichtbar wird in unserer Gesellschaft. Die Lektüre erinnerte mich in mancherlei Beziehungen an „Trauriger Tiger“ von Neige Sinno, die eine ähnliche Herangehensweise an die schrecklichen Taten zu Papier brachte. Doch Bracht philosophiert ausschweifender und bringt immer wieder auch Sachinformationen unter, die mit Quellen im Anhang hinterlegt sind Harte Texte, die ich manchmal nur schwer aushalten konnte, welche aber sein müssen, damit uns noch deutlicher wird, wie tief diese Gewalttaten greifen. Ich konnte den Gedanken der Autorin meist folgen, manchmal verlor sie mich aber mit ihren Analysen. Es ist auch ein mutiges Buch, in dem die sie ihr Inneres nach außen kehrt und sich damit transparent für uns Leser*innen macht. Ich bin dankbar, dass Helene Bracht uns an ihrem Lebensweg hat teilhaben lassen
Ich glaube, ich habe einfach etwas anderes erwartet, daher tu ich mir mit einer Bewertung schwer. Das Buch ist nach meinem Empfinden vom Stil ein bisschen zwischen Tatsachenbericht und dann plötzlich wieder philosophisch anmutende Passagen. Ich weiß nicht genau, was ich erwartet habe, daher keine objektive Bewertung. Das Thema ist wahnsinnig wichtig, aber wie es verpackt war, wohl einfach nicht mein Geschmack.
„Es ist ein soziales Wagnis ganz ohne Beziehung zu leben.“
Helene Bracht arbeitet in diesem Buch die Missbrauchserfahrungen ihrer Kindheit auf. Sie zieht dabei immer wieder Rückschlüsse darauf, wie sie in den verschiedenen Phasen ihres Lebens liebt - mal als Opfer und mal auch als Täterin. Für mich persönlich war das Buch wirklich schwere Kost, da en Detail die Situationen, in denen der regelmäßige Missbrauch stattgefunden hat, beschrieben wurden. Gleichzeitig war alles so fein und literarisch wirklich grandios geschrieben, sodass ich irgendwie noch nicht ganz weiß, wie ich mit dem Gefühl in meinem Bauch umgehen soll. Ich denke, das ist eins der Bücher, das wirklich noch lange nachhallen wird. Gleichwohl möchte ich ganz vehement sagen, dass dieses Buch absolut nichts für Menschen ist, die ansatzweise durch das Thema sexualisierte Gewalt an Kindern getriggert werden.
Ein Buch, das ich anhand des Covers ausgesucht habe. Im Buch geht es im sexuellen Missbrauch im Kindesalter (große Triggerwarnung) und die Folgen auf den Menschen danach, vor allem was Beziehungen angeht. Es hat mich emotional mitgenommen, eine solche Geschichte zu lesen. Sexueller Missbrauch ist in meinen Augen ein wortwörtlich unfassbar grausames Thema und deswegen bin ich sehr dankbar, das Buch gelesen zu haben. Es fällt mir bei der Schwere des Themas aber irgendwie schwer, eine Rezension zu schreiben. So viel: Am Anfang konnte ich der Geschichte gut folgen und fand sie sehr eindrücklich, gegen Ende fiel es mir immer schwerer, dem letzten Handlungsstrang konnte ich schwer folgen. Allgemein ist die Sprache eher schwerer zu verstehen, weil die Autorin Psychologin ist und viele Fachbegriffe einfließen lässt.























