
11 Followers
Hochproblematisches Kinderbuch über eine kapitalistische Sekte, getränkt in neoliberaler Propaganda
Es wäre recht einfach, dieses Buch kurz und schmerzlos abzuhandeln; es handelt sich um ein Buch mit autobiographischen Antlitz, der Autor selbst ist der Erzähler. Er trifft durch reine Willkür auf ein Café, während er eigentlich auf den Weg in den Urlaub ist, welches offensichtlich von einer Sekte geführt wird. Diese Betreiber weihen ihn ein ihre abrisskalenderähnlichen Philosophien ein, welche gepaart mit der Ausdrucksweise des Autors an die alkoholisierten philosophischen Ergüsse eines Franz-Joseph Wagners aus der Bild-Zeitung erinnern. Doch ich möchte mich gerne etwas mehr erklären. Der Erzähler ist schlapp von seinem stressigen Leben und sucht sich eine Auszeit in Form von Urlaub. Auf dem Weg dorthin kehrt er in ein Café ein, welches auf seiner Karte Fragen bezüglich des Lebenssinnes aufwirft. Der ganze Rest des Buches ist nun gefüttert mit Belanglosigkeiten und Geschichten, welche den Protagonisten zu solch bahnbrechenden Erkenntnissen wie etwa „man sollte tun, worauf man Lust hat“ oder „jeder ist seines eigenen Glückes Schmied“ bringen. Hierbei ist anzumerken, dass der Erzähler durch seinen Stil den Eindruck weckt, er sei schwer vom Begriff. Ständig wird sich wiederholt und doppelt und dreifach nachgefragt, sodass der Leser den Eindruck bekommt, der Erzähler sei ein Moderator einer Kindersendung à la „Willi will’s wissen“. Dazu wirken die Charaktere des Buches unsagbar unmenschlich, was aufgrund der Tatsache, dass sich diese Charaktere über den Sinn der menschlichen Existenz unterhalten, eine ganz besondere Art von Ironie kreiert. Die wahre Problematik des Buches besteht aber darin, dass hier Leser mit verborgener Kapitalismus-Propaganda konfrontiert werden. So bekommen wir von einem Wohlhabenden Charakter erklärt, dass der wahre Schlüssel zum Glück darin läge, zufrieden mit dem was man hat zu sein, alles hübsch anekdotisch in einer Geschichte verpackt. Da hierbei aber nie wirklich die Frage nach dem Geld aufkommt, bekommt man mehr und mehr das Gefühl, dass man hier versucht, arbeitende Menschen auf Akzeptanz ihres traurigen Daseins im unfairen kapitalistischen System zu konditionieren. Dies wird weiter vertieft, wenn uns erläutert wird, dass die Unzufriedenheit vieler Menschen ihre Ursprünge nicht etwa in einem ungerechten System- sondern in der Manipulation durch Werbung findet, was zwar prinzipiell nicht falsch ist, aber viel zu kurz greift. Wir bekommen weiter erklärt, dass wir nur unglücklich sind, weil wir Dinge tun, weil wir es müssen und nicht weil wir es wollen. So sollen wir doch einfach das tun, was wir möchten, statt in Jobs zu schuften, die uns eigentlich nicht erfüllen. Dass die meisten Menschen nicht das Privileg haben, ihren wahren beruflichen Erfüllungen nachzugehen, weil sie Geld zum Überleben brauchen, wird völlig außer Acht gelassen und abgetan mit „ach, das Geld wird schon automatisch kommen“. Das die Welt im Kapitalismus nicht so funktioniert, sollte jedem klar sein. All das kriegen wir von verschiedenen Charakteren in diesem besagten Café serviert, die sektenartig versuchen, den Protagonisten mit ihrer Denkweise zu indoktrinieren - mit Erfolg. Der Fakt, dass dieses Buch dazu ein Bestseller ist, macht all das noch viel schlimmer, da diese Denkweisen offensichtlich auf Anklang stoßen. Es gibt allerdings auch etwas positives zu verlauten: Das „Buch“ ist nur knapp über 100 Seiten lang, sodass man nur wenig Lebenszeit daran verschwendet. Das perfide daran ist bloß, dass man für diese verschwendete Lebenszeit 9€ entlohnen darf, was die gesamte Lese-Erfahrung umso ironischer macht.
Apr 21, 2024
Hochproblematisches Kinderbuch über eine kapitalistische Sekte, getränkt in neoliberaler Propaganda
Es wäre recht einfach, dieses Buch kurz und schmerzlos abzuhandeln; es handelt sich um ein Buch mit autobiographischen Antlitz, der Autor selbst ist der Erzähler. Er trifft durch reine Willkür auf ein Café, während er eigentlich auf den Weg in den Urlaub ist, welches offensichtlich von einer Sekte geführt wird. Diese Betreiber weihen ihn ein ihre abrisskalenderähnlichen Philosophien ein, welche gepaart mit der Ausdrucksweise des Autors an die alkoholisierten philosophischen Ergüsse eines Franz-Joseph Wagners aus der Bild-Zeitung erinnern. Doch ich möchte mich gerne etwas mehr erklären. Der Erzähler ist schlapp von seinem stressigen Leben und sucht sich eine Auszeit in Form von Urlaub. Auf dem Weg dorthin kehrt er in ein Café ein, welches auf seiner Karte Fragen bezüglich des Lebenssinnes aufwirft. Der ganze Rest des Buches ist nun gefüttert mit Belanglosigkeiten und Geschichten, welche den Protagonisten zu solch bahnbrechenden Erkenntnissen wie etwa „man sollte tun, worauf man Lust hat“ oder „jeder ist seines eigenen Glückes Schmied“ bringen. Hierbei ist anzumerken, dass der Erzähler durch seinen Stil den Eindruck weckt, er sei schwer vom Begriff. Ständig wird sich wiederholt und doppelt und dreifach nachgefragt, sodass der Leser den Eindruck bekommt, der Erzähler sei ein Moderator einer Kindersendung à la „Willi will’s wissen“. Dazu wirken die Charaktere des Buches unsagbar unmenschlich, was aufgrund der Tatsache, dass sich diese Charaktere über den Sinn der menschlichen Existenz unterhalten, eine ganz besondere Art von Ironie kreiert. Die wahre Problematik des Buches besteht aber darin, dass hier Leser mit verborgener Kapitalismus-Propaganda konfrontiert werden. So bekommen wir von einem Wohlhabenden Charakter erklärt, dass der wahre Schlüssel zum Glück darin läge, zufrieden mit dem was man hat zu sein, alles hübsch anekdotisch in einer Geschichte verpackt. Da hierbei aber nie wirklich die Frage nach dem Geld aufkommt, bekommt man mehr und mehr das Gefühl, dass man hier versucht, arbeitende Menschen auf Akzeptanz ihres traurigen Daseins im unfairen kapitalistischen System zu konditionieren. Dies wird weiter vertieft, wenn uns erläutert wird, dass die Unzufriedenheit vieler Menschen ihre Ursprünge nicht etwa in einem ungerechten System- sondern in der Manipulation durch Werbung findet, was zwar prinzipiell nicht falsch ist, aber viel zu kurz greift. Wir bekommen weiter erklärt, dass wir nur unglücklich sind, weil wir Dinge tun, weil wir es müssen und nicht weil wir es wollen. So sollen wir doch einfach das tun, was wir möchten, statt in Jobs zu schuften, die uns eigentlich nicht erfüllen. Dass die meisten Menschen nicht das Privileg haben, ihren wahren beruflichen Erfüllungen nachzugehen, weil sie Geld zum Überleben brauchen, wird völlig außer Acht gelassen und abgetan mit „ach, das Geld wird schon automatisch kommen“. Das die Welt im Kapitalismus nicht so funktioniert, sollte jedem klar sein. All das kriegen wir von verschiedenen Charakteren in diesem besagten Café serviert, die sektenartig versuchen, den Protagonisten mit ihrer Denkweise zu indoktrinieren - mit Erfolg. Der Fakt, dass dieses Buch dazu ein Bestseller ist, macht all das noch viel schlimmer, da diese Denkweisen offensichtlich auf Anklang stoßen. Es gibt allerdings auch etwas positives zu verlauten: Das „Buch“ ist nur knapp über 100 Seiten lang, sodass man nur wenig Lebenszeit daran verschwendet. Das perfide daran ist bloß, dass man für diese verschwendete Lebenszeit 9€ entlohnen darf, was die gesamte Lese-Erfahrung umso ironischer macht.
Apr 21, 2024






