Unmöglicher Abschied
Buy Now
By using these links, you support READO. We receive an affiliate commission without any additional costs to you.
Description
Nobelpreis für Literatur 2024
Der neue große Roman von Han Kang
»Unmöglicher Abschied« erzählt die Geschichte einer Freundschaft zwischen zwei Frauen und beleuchtet zugleich ein jahrzehntelang verschwiegenes Kapitel koreanischer Geschichte
Eines Morgens ruft Inseon ihre Freundin Gyeongha zu sich ins Krankenhaus von Seoul. Sie hatte einen Unfall und bittet Gyeongha, ihr Zuhause auf der Insel Jeju aufzusuchen, weil ihr kleiner weißer Vogel sterben wird, wenn ihn niemand füttert. Als Gyeongha auf der Insel ankommt, bricht ein Schneesturm herein. Der Weg zu Inseons Haus wird zu einem Überlebenskampf gegen die Kälte, die mit jedem Schritt mehr in sie eindringt. Noch ahnt sie nicht, was sie dort erwartet: die verschüttete Geschichte von Inseons Familie, die eng verbunden ist mit einem lang verdrängten Kapitel koreanischer Geschichte. Han Kangs neuer Roman ist eine Hymne an die Freundschaft und das Erinnern, die Geschichte einer tiefen Liebe im Angesicht unsäglicher Gewalt – und eine Feier des Lebens, wie zerbrechlich es auch sein mag.
Book Information
Author Description
Han Kang wurde 1970 in Gwangju, Südkorea, geboren und ist die wichtigste literarische Stimme Koreas. 1993 debütierte sie als Dichterin, ihr erster Roman erschien 1994. Für »Die Vegetarierin« wurde sie dafür gemeinsam mit ihrer Übersetzerin 2016 mit dem Man Booker International Prize ausgezeichnet, für »Menschenwerk« mit dem renommierten italienischen Malaparte-Preis. »Weiß« war ebenfalls für den Booker Prize nominiert. 2024 erhielt Han Kang den Nobelpreis für Literatur. Sie lebt in Seoul. Zuletzt erschienen im Aufbau Verlag ihr Roman »Unmöglicher Abschied« und in Die Andere Bibliothek ihr Kinderbuch »Donnerfee und Blitzfee«.Alle lieferbaren Titel der Autorin sehen Sie unter aufbau-verlage.de.Mehr zur Autorin unter han-kang.net.
Characteristics
1 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Posts
Das Buch und Han Kang haben mich intensiv berührt, beeindruckt und tief erschüttert.
Intensiv berührt – von der Tiefe und Feinheit-, beeindruckt – von Schreibstil, Poesie, Symbolik und Vielschichtigkeit -, erschüttert – von der Geschichte, dem Schweigen, dem Trauma einer ganzen Generation. „Schnee fällt. Auf meine Stirn und Wangen Auf meine Oberlippe, auf mein Philtrum. Er ist nicht kalt. Er ist so leicht wie Federn. Er wiegt nicht mehr als ein dünner Pinselstrich. Ist meine Haut gefroren? Deckt der Schnee sie zu wie das Gesicht einer Toden?“ Han Kang Unmöglicher Abschied, Seite 119 Wegen eines Unfalls schreibt Inseon, ihrer Freundin Gyeongha und bittet sie nach Seoul in ein Krankenhaus zu kommen in dem sie noch eine Weile bleiben muss. Inseon hat vor allem einen Wunsch an die Freundin: Sie soll ihr Haus auf der Insel Jeju aufsuchen, um ihren weißen Vogel Ama zu retten, der nicht so lang ohne Futter und Wasser bleiben kann. Da Inseon abgelegen im Landesinneren wohnt und ein Schneesturm einsetzt als Gyeongha auf der Insel ankommt, wird der Weg zur Einsiedelei von Inseon eine Herausforderung. Wird Gyeongha das Haus heil erreichen? Hinter diesem Erzählstrang, erzählt Han Kang in verschiedenen Zeitebenen weitere Geschichten und vor allem die Geschichte eines grausamen Massakers, das zwischen 1948 bis 1950 an der Bevölkerung von Jeju verübt wurde und über das Jahrzehnte hinweg nicht gesprochen werden durfte. Unmöglicher Abschied ist ein Buch tiefer Schwere und großer Gräueltaten, das Han Kang jedoch in feine und leise ja poetische Worte bettet. Ohne der Klarheit des Leides aus dem Weg zu gehen. Im Gegenteil. Es ist ein Aufruf der Verarbeitung, ein Aussprechen dessen, was geschehen ist eine Möglichkeit das Menschen anfangen, wenigstens in nächster Generation, das Trauma solcher Taten zu verarbeiten… und es ist sanfte Trauer. Am Anfang verwirrte mich das Buch und die Schreibweise von Han Kang. Es dauert, bis ich in ihre besondere Vielschichtigkeit, ihren Schreibstil und die verschiedenen Zeitebnen eintauchen kann. Ich muss mir Teile des „mehr“ an Tiefe und Verstehens selbst erarbeiten in dem ich anfange zu recherchieren und mein fast nicht vorhandenes Wissen um Südkorea hat sich nun bedeutend erweitere. Ich bin beeindruckt von Hang Kang; die durch ihre Schreibweise, Zeitsprünge, Symbolik, Poesi, Gegensätze und einer gewissen Ungewissheit ist man im Traum oder in der Wirklichkeit eine unbedingte Aufmerksamkeit fordert. Wer diese dem Buch nicht gibt, wird wahrscheinlich nicht richtig eintauchen können! Das Buch ähnelt dem Sprichwort "das Leben wird vorwärts gelebt und Rückwärts verstanden". Fast genauso ist es mir mit dem Buch ergangen. Während ich es von vorne nach hinten lese, fange ich an den vorderen Teil erst richtig zu verstehen, als ich darauf zurückblicken kann. So lese ich mich im Laufe des Buches auch immer wieder nach vorne zurück. Das Buch bricht Schweigen, klärt auf und schafft nachhaltig Wissen und Interesse; Zumindest bei mir. Ich kann das Buch Jedem empfehlen der bereit ist, sich mit einem schweren Thema der Geschichte von Südkorea zu befassen und Zeit und Aufmerksamkeit in das Buch zu Investieren. Es ist keine Lektüre für nebenbei. Es ist jedoch ein Buch, das eine Geschichte erzählt, die schon vor vielen Jahrzehnten hätte erzählt werden müssen. Die dringend erzählt und gelesen werden muss!
Han Kangs Sprache lässt mich wie immer etwas sprachlos und voller unbeschreiblicher Gefühle zurück. Nachdem mich Griechischstunden nicht komplett überzeugen konnte, hat mich dieses Buch nun wieder komplett erreicht und mitgenommen. Alle die zarten Schatten spucken sicher noch lange durch meinen Kopf.
"Ich befand mich in einem Zustand, in dem ich nicht mehr überrascht war, herauszufinden, was Menschen anderen Menschen antun können... Eine Zustand, in dem in meinem Herzen etwas zerbrach." Nein, man sollte darüber nicht mehr überrascht sein und ist es doch immer wieder. Gyeongha hatte Inseon mal um eingemeinsames Kunstprojekt gebeten. Schwarze Baumstämme im Schneegestöber als Mahnmal für die vielen getöteten Menschen bei dem Massaker von Jeju. Doch immer wieder verschiebt Gyeongha das Projekt. Dann bittet Inseon Gyeongha um Hilfe. Sie liegt im Krankenhaus, aber ihr Vogel ist unversorgt zu Hause. Im größten Schneechaos macht sich Gyeongha auf den Weg. Viele Beschreibungen von einzelnen Schneeflocken folgen, wie Salzkörner, wie Vogelfedern, es ist kalt. "Große Flocken, so, als ob unzählige weiße Vögel in völliger Stille gleichzeitig zu Boden segeln." Ich schaue aus dem Fenster, auch bei uns schneit es gerade❄️ Im zweiten Teil wird es etwas traumwandlerisch. Ich frage mich, was davon passiert wirklich und was wird im Fieberwahn erzählt. Aber hart wird es, denn jetzt folgt die Geschichte des verschwiegenen Teils von Koreas Geschichte. Die Tötungen, das Leid. Aber auch das Vertrauen in eine Freundschaft zwischen zwei Frauen. Ich denke ich habe nicht jeden Zusammenhang erfasst, aber ich war auf jeden Fall erneut beeindruckt von dem Können der Autorin.

Verdrängte Geschichte unter stillem Schnee
Unmöglicher Abschied von Han Kang beginnt leise, fast unauffällig: eine Freundin im Krankenhaus, eine Bitte, eine Reise nach Jeju. Schon früh zeigt sich, dass dieser Roman Schritt für Schritt sichtbar macht, was unter dem scheinbar Privaten liegt: das Geflecht aus Freundschaft, Familiengeschichte, weitervererbter Angst und einer verdrängten Vergangenheit. Die Insel erscheint wie ein Gedächtnisraum, in dem nichts abgeschlossen ist. Der Schnee liegt ruhig, fast tröstlich – und wirkt zugleich wie eine Decke über etwas, das nicht verschwunden ist. Unter diesem Weiß liegt Jeju und die Massaker und Repressionen, über die in Südkorea lange kaum offen gesprochen werden durfte. Han Kang erklärt das nicht dozierend, sie lässt es im Erzählen spürbar werden: wie Gewalt fortwirkt, wenn man gelernt hat, still zu sein; wie Schweigen zur zweiten Sprache wird. Erinnerung kehrt hier nicht als sauberer Rückblick zurück, sondern als Reflex: „Wenn's schneit denk ich dran. Auch wenn ich versuch nicht dran zu denken, denk ich inner wieder dran.“ (S. 91) Schnee wird zum Auslöser, zum stillen Archiv, zum Bild für ein Land, das sich zu lange über seine eigenen Toten gelegt hat. Was an diesem Roman besonders nachhallt, ist seine Ruhe. Die Sprache ist klar mit einer eigentümlichen Erhabenheit. Nichts wird ausgestellt, nichts dramatisiert und doch bleibt vieles lange nach dem Lesen im Körper. Der Abschied des Titels erweist sich als unmöglich, weil man nicht loslassen kann, was nie öffentlich betrauert werden durfte. Eine Leseempfehlung für alle, die Literatur nicht als Unterhaltung verstehen, sondern als Form des Hinsehens: für Leserinnen und Leser, die sich auf Langsamkeit einlassen, auf Zwischentöne, auf das Schweigen zwischen den Sätzen – und darauf, unter den Schnee zu schauen.

Kontrastreicher Roman über ein fast vergessenes Massaker und die Unmöglichkeit jemals zu vergessen
Dieses Buch hat sich als etwas entpuppt, dass man wirklich am besten in der kalten Jahreszeit liest. Schnee, Schnee und noch mal Schnee bildet hier das Setting und das passt ja wohl besser in den Januar als in den Juli, oder? Gyeongha schreibt an ihrem Abschied, so steigen wir ein. In der Schwüle der Hitze des Tages wälzt sie sich auf dem kühlenden Fliesenboden und findet keine Erleichterung. im Kontrast dazu gibt es schnell einen Zeitsprung, der uns in starkes Schneetreiben transferiert. Gyeongha hat eine intensive Beziehung zu Inseon mit der sie ein Kunstprojekt. angefangen, aber nicht beendet hat. Als sie von ihr ins Krankenhaus gerufen wird, wo diese mit zwei verletzten Finger liegt, macht sie sich auf den verbliebenen Vogel ihrer Freundin zu retten. Wir sind dabei, wie sie in einer kräftezehrenden Wanderung durch tiefen Schnee stapft, um zu dem abgelegenen Häuschen Inseons zu gelangen. Der wenig einladende Schauplatz ist ein stilistischer Punkt dieser Geschichte. Den Kern bildet aber das Massaker, welches auf der Insel Jeju 1948 an, abertausend Zivilisten verübt wurde. Inseon erzählt die Geschichte hrer Mutter, die damals noch ein Kind war. Wie gewohnt, bewegen wir uns bei Han Kang auf mehreren Ebenen, die Traum und Realität nicht zu trennen scheinen. Beim Lesen muss man sich darauf einlassen können, nicht immer genau zu wissen, in welcher Art und Zeit man sich gerade befindet. wenn man also einen strukturierten Plot erwartet, wird man enttäuscht werden. Lässt man aber los, entfaltet sich ein sprachlich sehr besonderes Werk. Die Metaphern sind gut gewählt, die Bilder die Han Kang zeichnet, sind schmerzhaft und erlebbar. Allerdings hat mich hier wieder das Ende etwas ratlos zurückgelassen. Aber auch das bin ich von der Autorin schon gewohnt. Sie lässt uns mit diesen Lehrstellen alleine und das muss nicht unbedingt schlecht sein. Ein Buch voller Nebel, Schnee und einem kleinen Licht, dass den Spot auf die (un –)mögliche Verarbeiten traumatisierender Ereignisse legt, verstörende Szenen liefert und das Ganze mit einer Sprache überzuckert, die einen jauchzen lässt. Wer solche starken Kontraste aushalten kann, dem sei dieser Roman empfohlen.
Das (Hör-)Buch startet direkt mit einem Paukenschlag: Gyeongha wird von ihrer Freundin Inseon ins Krankenhaus nach Seoul gerufen. Dort liegt Inseon nach einem schlimmen Unfall – sie hat sich in ihrer Tischlerwerkstatt mit einer Kreissäge die Finger verletzt. Und mitten in diesem Chaos bittet sie Gyeongha, zu ihrem Haus auf der Insel Jeju zu fahren, um ihren halb verhungerten Papagei zu retten. Klingt erstmal schräg, aber genau das ist der Beginn einer ziemlich außergewöhnlichen Reise. Gyeongha macht sich also auf den Weg – und der wird ganz schnell mehr als nur ein Ausflug, um einen Vogel zu füttern. Ein Schneesturm stellt sie vor einige Hindernisse, und das Haus ihrer Freundin wird plötzlich zu einem Ort voller Geschichten, Erinnerungen und Geheimnisse. Je länger Gyeongha dort bleibt, desto mehr verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Traum. Sie stößt auf Inseons Familiengeschichte und entdeckt dabei auch ein düsteres Kapitel der koreanischen Vergangenheit: das Jeju-Massaker von 1948. Han Kang packt in dieses (Hör-)Buch eine Menge rein – historische Traumata, persönliche Schicksale und die Frage, wie Menschen mit Verlust und Erinnerung umgehen. Das alles wird so kunstvoll miteinander verwoben, dass man als Leser oft das Gefühl hat, jedes kleine Detail könnte etwas Großes bedeuten. Allerdings macht genau das die Geschichte auch nicht immer einfach. Gerade die vielen Rückblenden und die Vielzahl an Figuren haben mich manchmal verwirrt. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass die Erzählungen über das Massaker so brutal und eindringlich sind, dass ich öfter mal Pausen brauchte. „Unmöglicher Abschied“ ist kein leichtes (Hör-)Buch, weder vom Thema noch von der Art, wie es erzählt wird. Aber Han Kang schafft es, Geschichte und Fiktion so miteinander zu verweben, dass man nicht mehr unterscheiden kann, wo das eine aufhört und das andere anfängt. Für Leser*innen, die bereit sind, sich auf ein forderndes, aber auch beeindruckendes Buch einzulassen, ist es definitiv einen Blick wert. Aber Vorsicht: Es ist nichts für schwache Nerven

"Wir schweigen, bis das Geräusch verstummt, gleich einer versiegenden Quelle. Alles wird still, wie am Ende eines Musikstücks, das ausklingt, oder wenn jemand während des Flüsterns plötzlich einschläft." Hang Kangs eigenwilliger Schreibstil konnte mich auch dieses Mal nicht überzeugen. Das Hin und Her zwischen zarter Poesie und abstoßender Beschreibung von Folter und Mord verstört mich mehr, als dass es mich mitnimmt. In teilweise verwirrenden Traumpassagen mit Schnee, Schnee und nochmal Schnee habe ich mich irgendwann tierisch gelangweilt und war froh, als es dann endlich vorbei war. Positiv fand ich, dass mich der Roman dazu angeregt hat, nebenher über die Geschichte Koreas und im speziellen über diese Massaker zu recherchieren.
Inseon, die eigentlich auf der Insel Jeju wohnt und arbeitet, bestellt nach einem Unfall ihre langjährige Freundin Gyeongha ins Krankenhaus, damit sich letztere um Inseons Vogel kümmert. Gyeongha reist überstürzt nach Jeju, nur um dort in einen schweren Schneesturm zu geraten und es kaum zu Inseons Haus zu schaffen. Dort angekommen, begegnet ihr wie in einem Tagtraum Inseon. Gleichzeitig kommt ein düsteres Kapitel der Inselgeschichte ins Spiel, das Jeju-Massaker on den 1940er Jahren, das eine gewichtige Rolle in Inseons Familiengeschichte spielt... Ich stehe diesem Buch etwas gespalten gegenüber, anfangs hat es mir gut gefallen, aber der spätere Wechsel auf eine Tagtraumebene mit dem plötzlichen Auftauchen Inseons war nicht so meins, daher die 4 Sterne. Dennoch alles in allem eine gute Lektüre, die ein lange verdrängten Kapitel der südkoreanischen Geschichte aufgreift.
Quälend, schwer, alpltraumhaft - und doch bezieht es sich auf ein leider reales Grauen aus Südkoreas Geschichte.
Wer schlimme Gewalterfahrungen gemacht hat, bleibt oft auch ohne befriedigende Antwort auf die Frage nach dem Warum zurück. Wer ganz schlimm gequält wurde und gelitten hat, kann vielleicht irgendwann auch nicht mehr unterscheiden, was real und was Einbildung ist, oder wie die Zeit vergeht. Han Kang thematisiert hier ein grausames Massaker und konfrontiert die Leser:innen mit Schmerz, Qual, und Uneindeutigkeit. Insofern finde ich es grandios geschrieben. Es ist allerdings schon sehr düster, sehr leidvoll, der Erzählstrang über die beiden Freundinnen bleibt auch oft sehr unklar und nirgends auch nur ein Hauch Leichtigkeit, ein Lichtblick, ein Hoffnungsschimmer. Das empfand ich nicht ganz austariert bzw. Bücher über qualvolle Gewalt allein sind mir dann vielleicht doch zu schwer.
Ein Geschichtsbuch darf keine Triggerwarnungen enthalten, es muss gelesen werden.
Inseon liegt nach einem Arbeitsunfall im Krankenhaus. Solange sie dort ist, soll ihre Freundin Gyeongha in ihrem Haus auf der Insel Jeju leben und sich dort um Inseons Vogel kümmern. Schon der Weg dorthin ist beschwerlich, denn Gyeongha gerät in einen Schneesturm. Wie durch ein weißes Rauschen, gelangt sie völlig durchgefroren und wie in einem Fiebertraum zum Haus. Bereits am nächsten Tag verschwimmen Realität und Traumwelt. Inseon ist wieder da - völlig unversehrt, obwohl sie doch verletzt in ihrem Krankenzimmer in Seoul sein sollte. Die beiden Frauen unterhalten sich und im Laufe des Tages und der darauffolgenden Nacht tauchen sie immer weiter in Inseons Familiengeschichte und, damit untrennbar verbunden, die Geschichte der Insel Jeju ein. Nach und nach entfaltet sich ein unfassbares Grauen, welches in den 1940er Jahren an den Inselbewohnern verübt wurde. Wir lesen hier ein Stück südkoreanische Geschichte, eingesponnen in die jahrelange Freundschaft der Frauen und gelegt in die Landschaft eines nachlassenden Wintersturms auf dieser sehr besonderen Insel. Der Text war nicht immer einfach zu lesen. Den Ereignissen zu folgen, dem Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit, Realität und Traum. Dazu die beschriebenen Gräueltaten. Eine Triggerwarnung braucht dieses Buch jedoch für mich nicht, denn wir haben es hier nicht mit fiktiver Gewalt zu tun, sondern mit realer, von der Regierung jahrzehntelang vertuschter. Kurz: der Geschichte eines Landes. Und ein Geschichtsbuch darf keine Triggerwarnungen enthalten, es muss gelesen werden. Übersetzt von Ki-Hyang Lee.

UNMÖGLICHER ABSCHIED Han Kang Gyeongha erhält einen Anruf von ihrer langjährigen Freundin Inseon. Diese bittet sie, ins Krankenhaus zu kommen. Dort erfährt Gyeongha, dass Inseon sich bei einer Kunstinstallation versehentlich zwei Fingerkuppen abgesägt hat. Da Inseon von der Insel Jeju per Hubschrauber eingeflogen wurde, musste sie ihren Vogel zurücklassen, der seit ihrer Abreise ohne Futter und Wasser ist. Verzweifelt bittet sie Gyeongha, sich sofort auf den Weg zur Insel zu machen, da sie befürchtet, ihr Vogel könne keine weitere Nacht unversorgt überleben. Gyeongha bricht unverzüglich auf, doch das Schneetreiben und der aufziehende Sturm machen die Reise zu einer wahren Odyssee - einem echten Überlebenskampf. Wer erwartet, dass dieses Buch eine klassische Survival-Geschichte erzählt, wird enttäuscht. Stattdessen erfahren wir in Rückblenden von Inseons Familiengeschichte – darunter das tragische Schicksal ihres Onkels, der beim Massaker von Jeju eines der 30.000 Opfer war. Han Kang verwebt in einer feinen, eindringlichen Sprache übersinnliche Begegnungen mit einer ungewöhnlichen Freundschaft und einem Massaker. Viel zu spät wird mir klar, dass das Buch gar nichts mit einem Vogel zu tun hat. Was mir gefiel, ist, dass wir über unsere Ich-Erzählerin fast nichts erfahren, während ihre Freundin vollständig im Fokus steht. Das empfand ich als sehr raffiniert. Dennoch hinterlässt das Buch bei mir ein Gefühl der Unzufriedenheit, da viele Dinge unbeantwortet bleiben. Zu viele Wiederholungen gepaart mit übermäßigem Zahlenmaterial ließen keine Spannung aufkommen. Ein sicherlich wichtiges Thema, das für meinen Geschmack jedoch nicht gut verpackt wurde.

Fata Morgana
Hang Kang schafft es immer wieder Bücher zu schreiben, die eine Welt öffnen, mit der ich niemals gerechnet hätte und die sowohl auf literarischer als auch inhaltlicher Ebene einzigartig ist. Mit beeindruckendem literarischen Können schafft es die Autorin in diesem Roman, uns gleichzeitig die Freundschaft zwischen Inseon und Gyeongha sowie die schrecklichen Ereignisse des Massakers auf der Insel Jeju näherzubringen. Kang arbeitet dabei mit dem Kontrast von Traum und Realität, welcher in den teils seltsamen Interaktionen der beiden Frauen immer wieder wie eine Fata Morgana verschwimmt. Im Gegensatz dazu tritt die grausame Wahrheit über die zahlreichen Toten auf Jeju deutlich hervor - und das in der sprachlich einnehmenden Art, die wir von Hang Kang kennen. Hang Kang schreibt sich immer weiter in mein Herz und ich bin sehr froh, dass ihre Arbeit nun auch mit dem Literaturnobelpreis gewürdigt wurde.
Ein tolles Buch, wenn man sich die Zeit dafür nimmt
Unmöglicher Abschied ist das neue Buch von Han Kang. Ich hatte mich schon an ihrem Buch "Die Vegetarierin" versucht. Damals fiel es mir schwer, es zu lesen. Nun dachte ich, alle Welt feiert ihr neues Buch, da muss ich es noch einmal versuchen. Ich habe mir Zeit genommen. Zurückgezogen in meinem Lesesessel nahm ich das Buch "Unmöglicher Abschied" vor die Nase und fing an, möglichst ohne Ablenkung, zu lesen. Gyeongha ist die Erzählerin in dem Roman "Unmöglicher Abschied". Die Hauptfigur in dem Roman "Unmöglicher Abschied", ist Schriftstellerin und hat sich aus ihrem Familienleben zurückgezogen. Gyeongha hat sich eine winzige Wohnung genommen, die schlecht geheizt und im Sommer viel zu warm war. Und sie hatte einen Traum. Nachdem Gyeongha ihr erstes Buch veröffentlicht hatte, träumte sie diesen Traum immer wieder: Sie wandert zwischen schwarzen Baumstümpfe hindurch, die von Schneeflocken umwirbelt waren. Es kam ihr vor wie ein Friedhof, denn die Stämme sahen aus wie gebeugte Menschen, die an Grabhügeln stehen. Dieser Friedhof steht viel zu dicht an einem Wasser, das immer wieder ansteigt und die Hügel, sowie die Baumstümpfe überspült, so dachte die Schriftstellerin immer wieder. Gyeongha erzählte ihrer Freundin Inseon von ihrem Traum. Und dass sie den Wunsch habe, ihn zu realisieren. Zusammen werden die Freundinnen es versuchen und schoben die Umsetzung Jahr für Jahr vor sich her. Doch dann geschah ein Unglück und Inseon musste operiert werden. Sie schrieb ihrer Freundin Gyeongha eine Nachricht und bat sie um einen schnellen Besuch. Sie sollte ihren Vogel retten, der in ihrem weit entfernten Zuhause ohne Futter und Wasser auf die Rückkehr seiner Besitzerin warten würde. Gyeongha macht sich, ein wenig widerwillig, auf den Weg, fliegt auf die Insel Jeju-do. Ohne eine Vorbereitung, ohne großes Gepäck. Sie landet dort, während es schon ordentlich schneit. Das Haus ihrer Freundin liegt abgelegen und das Wetter entwickelt sich zu einem Schneesturm. Ob sie es noch rechtzeitig schaffen würde, den kleinen Vogel zu retten? Der ganze Roman besteht aus Träumen, Erinnerungen und Rückblicken. Gyeongha ist redlich bemüht, sich um den kleinen Vogel zu kümmern. Sie findet einen Weg durch den Sturm und den vielen Schnee. Die Gedanken schweifen immer wieder in die Kurzfilme ab, die die Freundin gedreht hat. Und der Leser versteht langsam und sacht, was vor vielen Jahren auf der koreanischen Insel Jeju-do geschah. Welche Gräuel an den Einheimischen vollzogen wurden und mit welcher Angst die Bevölkerung lebte. Die Han Kang versteht es, ihre Sätze so zu formulieren, dass der Leser stets darauf wartet, wieder ein Bröckchen der Erinnerungen zu erhaschen. Es ist, als würde Han Kang eine Schublade aufziehen und dann schnell wieder zuwerfen, dass der Leser immer nur ein Stückchen vom Inneren wahrnehmen kann. Gespannt und fast ein bisschen nervös muss man immer weiter lesen. Es ist eine Geschichte, die erschauern lässt. Die aber nicht nur an das Jeju-Massaker erinnert, sondern auch die Liebe zum Leben und den Menschen aufzeigt. Han Kang spricht hier in ihrem YouTube-Video darüber, wie sie zu diesem Roman gekommen ist. Ich habe für mich wieder einmal festgestellt, dass asiatische Schriftstellerinnen eine besondere Art haben zu schreiben. Ein bisschen mystisch, geheimnisvoll und für den europäischen Verstand vielleicht ein wenig anstrengend. Es sind meistens Geschichten, die nicht einfach gefällig daher kommen. In solchen Romanen kann man nicht einfach abdriften, hier muss der Kopf arbeiten. Die Familiengeschichte und das Massaker haben mich zum Gruseln gebracht. Wieder habe ich ein Stück unserer Weltgeschichte gelesen und wieder verstehe ich nicht, wie Menschen zu solchen Gräueltaten fähig sind. Ein tolles Buch, wenn man sich die Zeit dafür nimmt. Und, wenn man sich mit der Geschichte (nicht nur dem Roman) beschäftigen möchte. Zu Beginn des Buches hätte ich nicht gedacht, dass wir 🐭🐭🐭🐭🐭 vergeben werden. Aber das hat dieser Roman auf jeden Fall verdient!

Eine lange Freundschaft, ein eisiger Schneesturm und eine Geschichte, die man nicht mehr vergessen wird. Gyeongha fährt ins Krankenhaus, um ihre langwierige Freundin Inseon nach einem Unfall zur Seite zu stehen. Dass diese Begegnung nicht nur eine gefährliche, sondern auch eine wohl lebensprägende Reise werden würde, hätte wohl niemand gedacht. Dieses grandiose Buch ist einfach auf so vielen Ebenen lesenswert, dass es kaum in Worte zu fassen ist. Ich liebe die Interpretationsmöglichkeit der Geschichte, wie die Autorin eine Bildungslücke von wohl sehr vielen (vor allem westlichen) Menschen füllt und gleich noch so spannend ist, dass man das Buch einfach nicht zur Seite legen möchte!
Sinnlich und macht sehr nachdenklich
🌹🌹🌹🌹🌹🌹🌹🌹🌹🌹🌹🌹🌹🌹🌹🌹🌹 Rezension zu "Unmöglicher Abschied" von Kan Han Sinnlich und macht sehr nachdenklich ❤️❤️❤️❤️❤️ Inseon geht es nicht gut. Sie liegt im Krankenhaus von Seoul, da sie einen Unfall hatte. Ihre beste Freundin ist Gyeongha, die sie per SMS anschreibt, das sie sie besuchen soll. Weil es sehr wichtig für sie ist. Denn ihre Freundin soll sich um ihren Lieblingsvogel kümmern, der noch bei ihr Zuhause ist. Wie geht es Inseons Lieblingsvogel? Ich bin äusserst begeistert von diesem ebuch. Es hat mich viele, sinnliche und nachdenkliche Momente erleben lassen. Die wirklich tiefergreifend wirken. Den Vogel darin finde ich unendlich süss und niedlich. Diesen Roman muss man unbedingt lesen. Da er auch sehr bereichernd ist. Ich kann es Euch allen daher sehr liebevoll ans Herz legen und empfehlen. Kommt's alle mit - i Lad euch all dazu ein.😁 🌹🌹🌹🌹🌹🌹🌹🌹🌹🌹🌹🌹🌹🌹🌹🌹🌹
Südkoreanische Geschichte, Familientrauma und eine Freundschaft, die Grenzen sprengt
Wow…Han Kang hat mich mit diesem Roman ins Herz getroffen und auseinandergenommen. In „Unmöglicher Abschied“ lernen wir viel über ein tiefschwarzes Kapitel der jüngeren südkoreanischen Geschichte, nämlich dem Jeju-Massaker. Die Autorin führt uns durch das kollektive und das individuelle Trauma und beschreibt dabei die Gräueltaten in aller Deutlichkeit. Sie macht uns zu Zeugen der Morde und nimmt uns förmlich die Möglichkeit der Distanz, hält uns fest. Worte zu finden für diesen Gipfel der menschlichen Grausamkeit scheint unmöglich, Han Kang jedoch schafft es. Und dabei lässt sie die Opfer und deren Nachkommen reden. Vor diesem Hintergrund dürfen wir teilhaben an einer wundervollen, zarten Frauenfreundschaft, die den beiden betreffenden Protagonistinnen ins Herz graviert zu sein scheint, also eine genuine Seelenverwandtschaft. Zumindest so stelle ich es mir vor. Insbesondere diese Verbindung hat mich absolut berührt und der Abschied von diesen faszinierenden Frauen fiel mir unfassbar schwer. Es geht aber auch darum, nicht loslassen zu können von der eigenen Geschichte, dem eigenen Trauma weil es einem in die DNA gebrannt wurde, weil es zu einem wesentlichen Bestandteil des eigenen Ichs verwachsen und ein Abwenden unmöglich ist. Der Schreib- und Erzählstil ist phenomenal und erinnert oft an einen Fiebertraum, aus dem hypnotische Bilder entstehen, fast einer Seelensprache gleich. Am Ende bleibt der Leser wieder mit vielen Symbolen zurück, die im Kopf kreisen und nachdenklich machen. Das scheint wohl der Stil der Autorin zu sein. Auch über dieses Werk werde ich wieder lange grübeln und mich einfach erinnern. Ein Meisterwerk.
Eine Freundschaft, ein Projekt, Familiendrama, Trauma, halb vergessenes Massakar in Jeju und wie alles aus einer anderen Seite betrachtet wirkt. Ab undzu weiß man nicht mehr wer lebt oder Tod ist aber die Art wie man an die Geschichte ran geführt wird hat mir zugesagt, mag aber sehr juju für andere sein
Zwiegespalten
Inseon liegt im Krankenhaus und ruft ihre Freundin Gyeongha um Hilfe. Sie muss nach Jeju, um Inseons Vogel zu retten. Auf ihrer Reise zu Inseons Heimatdorf gerät Gyeongha in einen Schneesturm und die Reise gestaltet sich schwerer als Gedacht. Auf dieser Reise nimmt uns Gyeongha mit, um die Familiengeschichte Inseons zu ergründen. Ich durfte Unmöglicher Abschid von Han Kang als Rezensionsexemplar lesen und bin mir noch nicht so ganz sicher, was ich von dem Buch halten soll. Die Erzählweise finde ich sehr interessant, da Gyeongha die Geschichte von Inseon erzählt, über Jeju, den Krieg und ihr Familie. Beim Lesen hatte ich das Problem, dass ich manchmal nicht wusste in welcher Zeit das Gelesene gerade spielt und somit echte Schwierigkeiten in die Geschichte reinzufinden. Auf der einen Seite ist der Roman berührend und doch tue ich mir schwer dieses Buch zu mögen.
Wie erhofft und erwartet was ganz anderes als meine sonstige Krimilektüre. Erzählkunst, verwobene Lebensgeschichten, Traumata, verlorene Seelen - man muss sich schon drauf einlassen. Und wie sollte es anders sein, ein offenes Ende, besser gesagt, kein Ende, alles offen, nichts geklärt - das muss man aushalten.
Han Kang schreibt über die Jeju-Massaker, bei welchen im April 1948 über 270 von 400 südkoreanische Dörfer ausgelöscht und über 60'000 Menschen ermordet wurden. Verpackt sind diese grausamen Geschehnisse in einer Familiengeschichte von Inseon. Die Geschichte beginnt damit, dass Inseon einen Unfall hat und hospitalisiert wird. Sie bittet ihre Freundin Gyeongha sofort nach Jeju zu reisen, um ihren Papageien zu füttern. Gyeongha tritt die Reise an. Fortan mischt sich Realität und Illusion, Gegenwart und Vergangenheit. Man taucht in die Erzählungen zur Freundschaft von Inseon und Gyeongha, zu Inseons Familiengeschichte und zu den Massaker ein. Der Stil gefiel mir sehr gut, es ist eine bildgewaltige Sprache. Die Vermischung von Realität und Illusion wurde mir aber im letzten Teil etwas zu schwammig und ich verlor leider etwas den Faden. Trotzdem ein beeindruckendes Buch.
Ruhige, sanfte Sprache. Bilder in meinem Kopf. Ich mochte es gern und kanns sehr empfehlen.
Bei Büchern von Han Kang weiß ich inzwischen, dass ich mir für das Lesen bewusster Zeit nehmen und sie bewusster lesen möchte. Daher stand dieser Roman schon eine ganze Weile in meinem Regal. Zum Jahreswechsel war es aber nun endlich so weit. Und der Zeitpunkt war perfekt. Mit einer ruhigen und sanften Sprache trägt uns die Autorin durch die Seiten. Vor dem inneren Auge bauen sich die Bilder auf und mit der Zeit bin ich immer weiter in der Geschichte versunken. “Sobald der Wind aber wieder auffrischt, stieben die Flocken auf, als würde eine riesige Popcornmaschine mitten in der Luft alles durcheinanderwirbeln.” (S. 57) Han Kang erzählt gefühlvoll von der Freundschaft zwischen Inseon und Gyeongha. Davon, wie aus einem Albtraum Gyeongha's ein Projekt der beiden wird. Wie dieser Albtraum mit einem Stück koreanischer Geschichte verbunden ist. Wie diese erschütternde Geschichte tiefe Kerben in Inseons Familie geschlagen hat. Wir wechseln zwischen den Erzählerinnen hin und her. Meist ist es Gyeongha, die spricht, doch immer häufiger kommt auch Inseon zu Wort, was durch unterschiedliche Schriftarten gut zu erkennen ist. Mal geht es um Vergangenes, mal sind wir im Hier und Jetzt, wobei in der Gegenwart mit Realität und Wahrnehmung gespielt wird. Dass am Ende nicht alles aufgelöst wird, finde ich hier gar nicht schlimm. Auch wenn uns die Autorin keine eindeutige Auflösung darüber gibt, WAS und WER wirklich war, fühlt sich das Ende für mich vollständig an. Genau so passt es zum restlichen Text. Er ist sanft, nachdenklich und lehrt uns gleichzeitig etwas über einen Teil koreanischer Geschichte. Ich mochte es und empfehle es daher gerne.
Nachdem mich die Vegetarierin von Han Kang letztes Jahr mit ihrer abstrakten Art zu schreiben begeistert hat, wollte ich jetzt auch gerne einen unmöglichen Abschied lesen. Der Schreibstil war genauso eindringlich wie ich ihn kannte und es ist der Autorin dadurch wieder gut gelungen einen ins Geschehen zu saugen, sodass man gefühlt hautnah dabei ist, wie Gyeongha sich auf den Weg macht den Vogel ihrer verletzten Freundin Inseon vorm verhungern zu retten. Jedoch kam hier der Punkt wo ich durch die abstrakte Erzählweise Schwierigkeiten hatte zu folgen, da in diesem Buch zusätzlich noch Zeitsprünge, Träume und Delirium dazukommen. Ich habe wirklich selbst noch tagelang nach beenden des Buches für mich noch nicht herausgefunden was real war und was Wahn oder anderes? Das mag ggf auch Absicht gewesen sein, sowie das offen interpretierbare Ende, macht mich aber etwas unzufrieden, da ich für mich so gar keinen Anhaltspunkt habe wo die gedankliche Reise für mich nun hin sollte. Außerdem waren die Momente tlw so sprunghaft, das ich einen Moment bräuchte um zu begreifen in welchem Zeitstrang und Moment ich mich gerade befand. Während der Zeitsprünge erfuhr ich mehr über die Frauen selbst und über ihre Freundschaft. Diese Rückblicke haben mir gut gefallen. Ich fand sie beide gut ausgearbeitet in ihrem Charakter. Es wurden Schwächen und Stärken klar, sowie die Frauen sich dadurch ergänzen. Später wird durch diese Momente auch noch einiges an koreanischer Geschichte aufgearbeitet, was ich sehr informativ fand. Da es dabei um Inseons Familiengeschichte ging wurde das Thema auch emotional nah erzählt, sodass es nie zu trocken würde. Es werden im Verlauf viele Handlungsverläufe und Möglichkeiten angerissen, weshalb die Interpretationsmöglichkeiten vielfältig sind. Für mich war es insgesamt eine interessante Geschichte, die mich eher verwirrt zurückgelassen hat.
Gyeongha hat lange nichts von ihrer Freundin Inseon gehört, als diese sie zu sich in ein Krankenhaus in Seoul ruft. Inseon bittet Gyeongha darum, sofort zu ihrem Zuhause auf der Insel Jeju zu reisen, um ihren Vogel Ama zu versorgen, der sonst sterben könnte. Gyeongha nimmt den nächsten Flieger - und gerät in einen schweren Schneesturm, der ihr die Anreise fast unmöglich macht. Auf der Insel erwartet sie aber auch die längst verschüttete Familiengeschichte Inseons, die sie zutiefst erschüttert. In "Unmöglicher Abschied" nähert sich Han Kang, übersetzt von Ki-Hyang Lee, literarisch einem lange verdrängten Kapitel koreanischer Geschichte: Dem Jeju-Aufstand, bei dem es nach der Einsetzung einer rechtsgerichteten Lokalregierung durch die Regierung in Seoul zu Massakern an Teilen der Inselbevölkerung kam. Es starben mindestens 30.000 Menschen. Im Buch ist die Familiengeschichte von Gyeonghas Freundin Inseon eng mit diesem Massaker verwoben, trotzdem bleibt es oft nur bei Andeutungen, beispielsweise der Schilderung von Material, das Inseon für eine Kunstinstallation sichtete. Neben dem wichtigen historischen Hintergrund beschreibt Han Kang zudem eine tiefe, langjährige Freundschaft zwischen zwei Künstlerinnen, die sich trotz räumlicher Distanz nie ganz aus den Augen verloren haben. Auch der Schnee in seinen verschiedenen Ausprägungen spielt eine zentrale Rolle im Buch. "Unmöglicher Abschied" ist kein leicht zu lesender Roman, er lässt viel Interpretationsspielraum, vor allem was Gyeonghas Schicksal betrifft. Auch ist er geprägt von magischem Realismus, was mir nicht so sehr zugesagt hat. Ich hatte am Ende nicht das Gefühl, das Buch vollends erfasst zu haben - das Lesen war aber trotzdem ein Gewinn für mich, da ich mich sonst nie mit dem Jeju-Aufstand auseinander gesetzt hätte.

Buch über eine Freundschaft von zwei Frauen und ein vergessenes Massaker
Die Erzählung ist am Anfang noch recht gut verfolgst, dann aber verschwimmt alles immer mehr und es ging nicht mehr so richtig zu folgen. Die Thematik des Massakers und des nicht vergessen können, wird deutlich, aber für mich dann doch zu wirr. Vielleicht lag es auch am Hörbuch hören. Für mich ist nach wie vor die Vegetarierin das beste Buch von Han Kang
Spannend, lehrreich, interpretationsreich und ziemlich komplex. Aber mitunter etwas sperrig zu lesen. Und die Metapher „Schnee“ wurde arg überstrapaziert.
Ein sehr ernstes Buch, sehr kompliziert und ich habe die Analysehilfe meiner Buddyreadpartnerinnen sehr gebraucht! Die Freundschaft der beiden Frauen und das Tiefe Vertrauen offenbaren sich erst nach und nach und prägen das gesamte Buch. Dieser empatische Zweig der Handlung war wunderbar hervorgehoben, subtil und manchmal auch überdeutlich. Deutlich schwerer steht es um die Familiengeschichte Inseons und sämtlichen Metaphern. Schnee, Vögel, Schatten, Kälte und die Rückblicke in die neuere und ältere Familienchronik. Ein sehr unschönes, grausames Kapitel südkoreanischer Vergangenheit. Ich hatte ja keine Ahnung. Es wäre deutlich einfacher zu verstehen gewesen, hätten die vielen, vielen Figuren Namen bekommen. Doch auch hier offenbart sich eine Interpretation: die Geister der Vergangenheit sind noch immer namenlos. Alles in allem hat Han Kang mal wieder den Finger in die Wunde gelegt und uns zuerst subtil und in immer stärker Intensität die Gräuel der Welt präsentiert.

“Unmöglicher Abschied” von Han Kang ist ein poetisches und beklemmendes Buch, das die Geschichte einer Freundschaft erzählt sowie von Ereignissen im Vorfeld des Koreakrieges, die über Jahrzehnte totgeschwiegen wurden. Im ersten Teil der Handlung macht sich Gyeongha während eines Schneesturms auf den Weg in ein abgelegenes Bergdorf zum Haus ihrer Freundin Inseon , die im Krankenhaus liegt, um deren Vogel zu versorgen. Im zweiten Teil dann erfährt Gyeongha mehr über das Schicksal von Inseons Familie während des Jeju-Aufstandes, bei dem 1948-1949 Zehntausende Menschen getötet wurden. Hier sind Geschichtskenntnisse absolut von Vorteil, da es für das Verständnis des Buches wichtig ist, historische Hintergründe und Zusammenhänge zu kennen, was mich veranlasst hat, mich etwas intensiver mit dem Thema auseinander zu setzen. “Unmöglicher Abschied” ist keine leichte Kost für zwischendurch, sondern verlangt nach intensiver Auseinandersetzung mit Themen wie Trauer, Schuld und Vergangenheit, gepaart mit Mystik und Düsternis. Wer gewillt ist, sich darauf einzulassen, kann sich auf großartige Literatur freuen, die jedoch erst beim nochmaligen Lesen ihre volle Wirkung entfaltet.
Gräueltaten poetisch erzählt
Auch in diesem Werk vermag es die Autorin wieder grauenvolle, verstörende Ereignisse mit wunderschöner Sprachmelodie zu vereinen. Es herrscht eine bewegende, tief traurige und beklemmende Stimmung vor, welche die sehr symbolische, poetische Sprache unterstreicht. Man findet gewisse Parallelen zu Han Kangs vorigen Buch "Weiß", vor allem in der Farbmetaphorik, die auch hier wieder hervorragend zu Geltung kommt. Eine auf verschiedenen Ebenen berührende Geschichte, die lange nachklingt.
Schriftstellerin Gyeongha lebt allein und ist des Lebens so müde geworden, dass sie bereits an ihrem Testament arbeitet. Doch dann erreicht sie eine Nachricht von ihrer Freundin Inseon. Die liegt nach einem Unfall im Krankenhaus in Seoul und bittet Gyeongha, sich auf den Weg zu ihrem Haus in Jeju zu machen, wo sie ihren Vogel Ami zurücklassen musste und um den sich nun niemand kümmert. Gyeongha macht sich auf den beschwerlichen Weg, aber wird sie rechtzeitig ankommen? „Unmöglicher Abschied“ ist der neuste Roman der frisch gebackenen Nobelpreisträgerin Han Kang, die deutsche Übersetzung stammt von Ki-Hyang Lee. Erzählt wird die Handlung hauptsächlich aus der Perspektive der Protagonistin in der Ich- und Vergangenheitsform. Immer wieder werden aber auch andere Stimmen eingeflochten, seien es Erzählungen Inseons oder Auszüge aus Dokumenten, die sich im Besitz der Familie befinden. Der Roman ist dabei in mehrere Teile gegliedert: Teil 1 beschreibt Gyeonghas mühsame Anreise nach Jeju (durch einen Schneesturm), Teil 2 gibt die Geschehnisse nach ihrer Ankunft wieder und Teil 3 schließt den Text auf mysteriöse Weise ab. Inseons Familiengeschichte ist fest mit dem so genannten Jeju-Aufstand verknüpft, einem Massaker, bei dem Polizei und Militär zwischen April 1948 und August 1949 mindestens 27.000 Menschen töteten; die genaue Zahl ist unbekannt. Inseons Mutter entging dem Tod durch Zufall, musste aber hinterher die Leichen von Verwandten identifizieren; der ältere Bruder geriet in Gefangenschaft. Han Kang beschreibt sehr eindrücklich, wie diese Traumata eine ganze Familie geprägt haben, wie Inseons Mutter zeit ihres Lebens unter den Erinnerungen litt und bis zu ihrem Tode verzweifelt nach dem verschollenen Bruder suchte. Thematisch schließt sich „Unmöglicher Abschied“ an Han Kangs „Menschenwerk“ an, welches sich mit dem Gwangju-Aufstand von 1980 befasste. In diesem neuen Roman verschwimmen nun aber noch stärker die Grenzen zwischen Traum und Realität, so dass über weite Strecken unklar bleibt, was nun eigentlich tatsächlich geschieht - dafür überzeugt die Autorin erneut mit ihrer poetischen Sprache.
Aber was ist jetzt mit dem Vogel? 🥺🥺🥺
Nach Beenden des Buches fehlen mir wirklich die Worten. Ich fühle mich verwirrt, nachdenklich und wartend. Wartend auf eine Erklärung, mehr Hintergrundgeschichte, mehr Charakterentwicklung. Aber dann löse ich mich und erkenne das Buch an, als was es ist. Literarische Fiktion, bei der die beiden Hauptfiguren Gyeongha und Inseon eher wie leere Gefäße wirken, die die tragische Geschichte der Massaker in Korea vermitteln. Beide tragen Traumata, beide haben Familie und Freunde, die durch die Massaker von damals gezeichnet sind oder zu der Zeit ermordet wurden. Durch Erinnerungen und Albträume werden wir durch die tragischen Ereignisse der Vergangenheit geführt, die ausradiert wurden, bedeckt wie von frisch gefallenem, unschuldigen Schnee. Dennoch bin ich verwirrt. Wäre es eine Berichterstattung über die vergangenen Ereignisse gewesen, vermischt mit der Symbolik des Schnees, so wäre es immer noch eine interessante Geschichte gewesen, aber hätte für mich vielleicht mehr einen Impact gehabt. Aber so gab es viele Stellen, an denen ich durch den springenden Erzählstil verwirrt war, mich fühlte, als würde ich nicht richtig mit der Geschichte mitkommen und so gingen die doch so wichtigen historischen Erzählungen leider auch oft durch den zusammenhangslosen Kontext etwas unter. Erst die letzten 20% des Buches ließen sich flüssiger lesen. Der Schreibstil von Han Kang ist dennoch überragend. Bildhaft, symbolisch und lebendig lässt er die Lesenden in diese düstere, mysteriöse und schwerwiegende Handlung eintauchen. Ich denke, dass die Bewertungen bei diesem Buch subjektiver als sonst werden. Ich selbst gebe dem Buch 3,5 Sterne, da die Botschaft, die Idee und die Symbolik überragend sind, mich jedoch das offene Ende und die flachen Charaktere nicht überzeugt haben und die wichtigen Botschaften zu den Ereignissen durch den verwirrenden Kontext für mich oft nicht den Impact hatten, den ich mir von ihnen erhofft hatte. Ich habe das Buch im Austausch für eine ehrliche Meinung als Rezensionsexemplar von Netgalley erhalten ✨
Dicht , poetisch mit Nachhall
Der Roman "Unmöglicher Abschied" der Literaturnobelpreisträgerin Han Kang ist gewiss keine leichte Lektüre. Ich konnte ihn nicht einfach durchlesen, sondern musste ihn mehrfach weglegen, darüber nachdenken und das Gelesene verarbeiten. Die Protagonistin Gyenongha wird von ihrer Freundin Inseon zu sich ins Krankenhaus nach Seoul gerufen. Inseon hat sich schwer verletzt und bittet sie, zu ihrem Haus auf der Insel Jeju zu gehen um dort ihren Vogel zu versorgen. Gyenongha macht sich auf den Weg, erreicht den letzten Flieger durch einen Schneesturm, den letzten Bus in das Nachbardorf. Von dort aus muss sie durch den Schnee zu Fuß weiter und ist kurz vor dem erfrieren. Han Kang schildert den Weg und den Schnee sehr präzise und ausführlich, fast jede Schneeflocke wird beschrieben. Ich habe bereits hier ebenfalls gefroren. Im Verlauf der Handlung berichtet die Autorin mittels Briefen und Zeitungsartikeln die Gyenongha im Haus findet, in eindringlicher und bedrückender Weise von den Massakern, die 1948 in Korea stattgefunden haben. Spätestens hier wird für die Lesenden der Roman so eindrücklich, dass es mir so manchen kalten Schauer den Rücken hinab gejagt hat. Dabei wird nicht nach Effekten gehascht, Han Kang beschreibt trotz aller Grausamkeit sehr poetisch. Mir hat ihr Sprachstil gefallen, er ist sehr atmosphärisch, die Schilderung der Massaker bedrückend und grausam. Und über allem steht die lange tiefe Freundschaft zwischen Gyenongha in Inseon. Ein Werk, das mich am Ende verwirrt zurückgelassen und mir ein Rätsel mit auf den Weg gegeben hat. Ein Werk, über das ich mich mit anderen austauschen möchte. Ein Werk, das auf jeden Fall 5 Sterne verdient hat und noch lange in mir nachhallen wird. Erscheinungsdatum: 16. Dezember 2024 Verlag: Aufbau 315 Seiten
Ich bin mir nicht sicher ob ich das Buch überhaupt bewerten darf
Irgendwie habe ich den Sinn des Buches nicht verstanden. Das Massaker auf der Insel Jeju 1948 ist der Hauptfokus der Geschichte. Dies war eine grausames Ereignis, welches an sich interessant eingebracht wurde. Doch der Sinn der beiden Protagonisten, der Wechsel zwischen Traum und Wirklichkeit, diese metaphorische Rolle konnte ich einfach nicht verstehen. Vielleicht ist es nicht unbedingt das beste Buch der Autorin, aber irgendwie hat es mich erstmal irgendwie abgeschreckt, weitere Werke von ihr zu lesen.
Intensiv, aber schwer verdaulich Ich wollte gerne ein Buch der Literaturnobelpreisträgerin lesen und habe zu diesem gegriffen. Eigentlich fällt es mir sehr schwer hier eine Bewertung zu schreiben. Bereits nach einigen Seiten wurde mir klar, dass dieses Buch außergewöhnlich ist. Zwar lässt es sich an sich gut lesen, jedoch brachte mich das Erzählte von Anbeginn an in eine depressive, schwermütige Stimmung. Bereits die Hauptprotagonistin Gyeongha ist depressiv, suizidgefährdet. Sie besucht ihre Freundin Inseon im Krankenhaus. Diese hat sich bei einem Arbeitsunfall zwei Fingerkuppen abgetrennt und bittet Gyeongha zu ihrem weit entfernt liegenden Haus zu fahren, um ihren Vogel zu retten, der dort alleine ist und kein Futter hat. Gyeongha bricht auf, jedoch haben starke Schneefälle eingesetzt und der Weg ist sehr beschwerlich zu diesem weit außerhalb von einem Dorf entfernt liegenden Haus. Man fühlt bereits hier sehr detailliert diesen Weg, die Zweifel, die Mühen mit. Ebenfalls spielen dann auch - nachdem Gyeongha angekommen ist- Erscheinungen eine große Rolle. Es wird die Geschichte von Inseon‘s Familie erzählt und von verschiedenen Massakern an Bewohnern des Dorfes, das früher dort stand. Leider wurde die Geschichte für mich teilweise etwas undurchsichtig. Ich habe etwas den Überblick verloren bei den verschiedenen Personen, von denen in der Rückblende erzählt wurde. Das mag aber auch daran gelegen haben, dass ich das erzählte Geschehen schrecklich und grausam fand, dass ich zwischendurch Pausen einlegen musste. Ich kann das Buch nur eingeschränkt empfehlen an Personen, die mit diesen Erzählungen und dem Kopfkino umgehen können, sich des Themas des Buches bewusst sind.
Han Kangs 'Unmöglicher Abschied' ist ein Buch mit zwei Gesichtern. Die Darstellung des Massakers ist eindringlich und interessant und die Autorin schafft es die Grausamkeit und das Leid der Opfer eindringlich zu schildern. Doch die Erzählweise und einige Nebenhandlungen wirken leider verwirrend und ziehen den Fokus vom Thema ab. Die zahlreichen Metaphern und die fragmentarische Erzählweise haben für mich zu einer gewissen Unübersichtlichkeit geführt. Für Leser, die sich für die koreanische Geschichte interessieren, ist das Buch dennoch eine Empfehlung
Ergreifend und tief beunruhigend
Han Kang erzählt in “Unmöglicher Abschied” die Geschichte eines kollektiven Traumas. Während die äußere Handlung in der koreanischen Gegenwart spielt, reichen die Erinnerungen und Wunden der Protagonisten weit in die Vergangenheit. Der Beginn des Romans befasst sich mit Gyeongha, die als lebensmüde Frau beschrieben wird, die täglich ein neues Testament verfasst. Beruflich widmet sich Gyeongha Kriegsverbrechen, die sie in ihren Büchern rekapituliert. Es ist zu vermuten, dass ihre Gefühlslage eng mit den Recherchen für diese Arbeit zusammenhängt. Eines Tages wird ihr tristes Dasein durch einen Anruf unterbrochen. Eine Freundin, mit der sie ein gemeinsames Projekt zu den örtlichen Massengräbern plant, ruft sie nach einem Unfall aus dem Krankenhaus an. Sie tritt mit der Bitte an Gyeongha heran, ihren kleinen weißen Vogel zu versorgen, während sie im Krankenhaus liegt, da er sonst sterbe. Geongha macht sich daraufhin auf den weiten Weg zu der Insel, auf der Inseon lebt. Dabei gerät sie in einen Schneesturm und kämpft sich mühsam und mit letzter Kraft zum Haus der Freundin durch. Im Haus findet sie einen leeren Käfig vor. Von da an wird die Erzählung zunehmend brüchiger und fragmentarischer. Gedanken und Bilder, die scheinbar nichts mit der Realität zu tun haben kommen auf, zum Beispiel befindet sich Inseon plötzlich bei ihr im Haus. Gyeongha finder in Inseons Zuhause die Geschichte eines kollektiven Traumas. Inseons Mutter hat in den Jahren 1948/49 die Niederschlagung von Aufständen miterlebt und konnte nur knapp entkommen. Dieses Trauma hat sie auch an Inseon weitergegeben, die sich beruflich ebenfalls mit Gewalt und Tod beschäftigt. Der Aufbau des Romans scheint der Art und Weise, wie traumatisierte Menschen sich erinnern, nämlich fragmentarisch und in blitzartigen Bildern zu entsprechen. Dementsprechend ist es nicht immer leicht, der Handlung zu folgen. Ferner ist der Roman voller Symbolik. Die Farbe ‘Weiß’ ist hierfür ein Beispiel. Der weiße Schnee begräbt die Erinnerungen an das Grauen, der weiße Vogel ist zerbrechlich wie eine Schneeflocke und steht für Lebendigkeit und Gegenwart. Als Gyeongha im Haus ankommt, ist sie dem Schnee entkommen und der Vogel scheint tot zu sein. Damit kann sie auch nicht mehr vergessen, sondern muss sich dem Trauma stellen. Voller Aussagekraft ist auch das Ende, das offen lässt, was mit dem Vogel passiert ist. Han Kang hat keinen leicht verdaulichen Roman geschrieben. Der Leser selbst erlebt die traumatischen Auswirkungen der Gräueltaten unmittelbar mit. Es ist ein Roman, der noch lange nachklingen wird.
Schon während des Lesens hatte ich mir überlegt, wie meine Rezension wohl ausfallen wird und vor allem, was ich dazu schreiben soll. Denn die Geschichte hat mich gleichzeitig interessiert und dann wieder nicht. Die Kombination zwischen den poetischen Teilen und den immer wieder folgenden Grausamkeiten des Koreakriegs war für mich definitiv nichts. Letzteres hat mich erschüttert und geht mir bestimmt noch einige Zeit nach. Durch den eigenwilligen Schreibstil und den ständigen Wechsel zwischen Traum und Realität fand ich sehr schwer Zugang zu der Geschichte. Dennoch hat mir die Freundschaft der beiden Frauen sehr gut gefallen. Ob ich nochmal etwas von Han Kang lesen werde, lasse ich hier jetzt mal offen, wie auch das Ende der Geschichte.
Characteristics
1 reviews
Mood
Protagonist(s)
Pace
Writing Style
Description
Nobelpreis für Literatur 2024
Der neue große Roman von Han Kang
»Unmöglicher Abschied« erzählt die Geschichte einer Freundschaft zwischen zwei Frauen und beleuchtet zugleich ein jahrzehntelang verschwiegenes Kapitel koreanischer Geschichte
Eines Morgens ruft Inseon ihre Freundin Gyeongha zu sich ins Krankenhaus von Seoul. Sie hatte einen Unfall und bittet Gyeongha, ihr Zuhause auf der Insel Jeju aufzusuchen, weil ihr kleiner weißer Vogel sterben wird, wenn ihn niemand füttert. Als Gyeongha auf der Insel ankommt, bricht ein Schneesturm herein. Der Weg zu Inseons Haus wird zu einem Überlebenskampf gegen die Kälte, die mit jedem Schritt mehr in sie eindringt. Noch ahnt sie nicht, was sie dort erwartet: die verschüttete Geschichte von Inseons Familie, die eng verbunden ist mit einem lang verdrängten Kapitel koreanischer Geschichte. Han Kangs neuer Roman ist eine Hymne an die Freundschaft und das Erinnern, die Geschichte einer tiefen Liebe im Angesicht unsäglicher Gewalt – und eine Feier des Lebens, wie zerbrechlich es auch sein mag.
Book Information
Author Description
Han Kang wurde 1970 in Gwangju, Südkorea, geboren und ist die wichtigste literarische Stimme Koreas. 1993 debütierte sie als Dichterin, ihr erster Roman erschien 1994. Für »Die Vegetarierin« wurde sie dafür gemeinsam mit ihrer Übersetzerin 2016 mit dem Man Booker International Prize ausgezeichnet, für »Menschenwerk« mit dem renommierten italienischen Malaparte-Preis. »Weiß« war ebenfalls für den Booker Prize nominiert. 2024 erhielt Han Kang den Nobelpreis für Literatur. Sie lebt in Seoul. Zuletzt erschienen im Aufbau Verlag ihr Roman »Unmöglicher Abschied« und in Die Andere Bibliothek ihr Kinderbuch »Donnerfee und Blitzfee«.Alle lieferbaren Titel der Autorin sehen Sie unter aufbau-verlage.de.Mehr zur Autorin unter han-kang.net.
Posts
Das Buch und Han Kang haben mich intensiv berührt, beeindruckt und tief erschüttert.
Intensiv berührt – von der Tiefe und Feinheit-, beeindruckt – von Schreibstil, Poesie, Symbolik und Vielschichtigkeit -, erschüttert – von der Geschichte, dem Schweigen, dem Trauma einer ganzen Generation. „Schnee fällt. Auf meine Stirn und Wangen Auf meine Oberlippe, auf mein Philtrum. Er ist nicht kalt. Er ist so leicht wie Federn. Er wiegt nicht mehr als ein dünner Pinselstrich. Ist meine Haut gefroren? Deckt der Schnee sie zu wie das Gesicht einer Toden?“ Han Kang Unmöglicher Abschied, Seite 119 Wegen eines Unfalls schreibt Inseon, ihrer Freundin Gyeongha und bittet sie nach Seoul in ein Krankenhaus zu kommen in dem sie noch eine Weile bleiben muss. Inseon hat vor allem einen Wunsch an die Freundin: Sie soll ihr Haus auf der Insel Jeju aufsuchen, um ihren weißen Vogel Ama zu retten, der nicht so lang ohne Futter und Wasser bleiben kann. Da Inseon abgelegen im Landesinneren wohnt und ein Schneesturm einsetzt als Gyeongha auf der Insel ankommt, wird der Weg zur Einsiedelei von Inseon eine Herausforderung. Wird Gyeongha das Haus heil erreichen? Hinter diesem Erzählstrang, erzählt Han Kang in verschiedenen Zeitebenen weitere Geschichten und vor allem die Geschichte eines grausamen Massakers, das zwischen 1948 bis 1950 an der Bevölkerung von Jeju verübt wurde und über das Jahrzehnte hinweg nicht gesprochen werden durfte. Unmöglicher Abschied ist ein Buch tiefer Schwere und großer Gräueltaten, das Han Kang jedoch in feine und leise ja poetische Worte bettet. Ohne der Klarheit des Leides aus dem Weg zu gehen. Im Gegenteil. Es ist ein Aufruf der Verarbeitung, ein Aussprechen dessen, was geschehen ist eine Möglichkeit das Menschen anfangen, wenigstens in nächster Generation, das Trauma solcher Taten zu verarbeiten… und es ist sanfte Trauer. Am Anfang verwirrte mich das Buch und die Schreibweise von Han Kang. Es dauert, bis ich in ihre besondere Vielschichtigkeit, ihren Schreibstil und die verschiedenen Zeitebnen eintauchen kann. Ich muss mir Teile des „mehr“ an Tiefe und Verstehens selbst erarbeiten in dem ich anfange zu recherchieren und mein fast nicht vorhandenes Wissen um Südkorea hat sich nun bedeutend erweitere. Ich bin beeindruckt von Hang Kang; die durch ihre Schreibweise, Zeitsprünge, Symbolik, Poesi, Gegensätze und einer gewissen Ungewissheit ist man im Traum oder in der Wirklichkeit eine unbedingte Aufmerksamkeit fordert. Wer diese dem Buch nicht gibt, wird wahrscheinlich nicht richtig eintauchen können! Das Buch ähnelt dem Sprichwort "das Leben wird vorwärts gelebt und Rückwärts verstanden". Fast genauso ist es mir mit dem Buch ergangen. Während ich es von vorne nach hinten lese, fange ich an den vorderen Teil erst richtig zu verstehen, als ich darauf zurückblicken kann. So lese ich mich im Laufe des Buches auch immer wieder nach vorne zurück. Das Buch bricht Schweigen, klärt auf und schafft nachhaltig Wissen und Interesse; Zumindest bei mir. Ich kann das Buch Jedem empfehlen der bereit ist, sich mit einem schweren Thema der Geschichte von Südkorea zu befassen und Zeit und Aufmerksamkeit in das Buch zu Investieren. Es ist keine Lektüre für nebenbei. Es ist jedoch ein Buch, das eine Geschichte erzählt, die schon vor vielen Jahrzehnten hätte erzählt werden müssen. Die dringend erzählt und gelesen werden muss!
Han Kangs Sprache lässt mich wie immer etwas sprachlos und voller unbeschreiblicher Gefühle zurück. Nachdem mich Griechischstunden nicht komplett überzeugen konnte, hat mich dieses Buch nun wieder komplett erreicht und mitgenommen. Alle die zarten Schatten spucken sicher noch lange durch meinen Kopf.
"Ich befand mich in einem Zustand, in dem ich nicht mehr überrascht war, herauszufinden, was Menschen anderen Menschen antun können... Eine Zustand, in dem in meinem Herzen etwas zerbrach." Nein, man sollte darüber nicht mehr überrascht sein und ist es doch immer wieder. Gyeongha hatte Inseon mal um eingemeinsames Kunstprojekt gebeten. Schwarze Baumstämme im Schneegestöber als Mahnmal für die vielen getöteten Menschen bei dem Massaker von Jeju. Doch immer wieder verschiebt Gyeongha das Projekt. Dann bittet Inseon Gyeongha um Hilfe. Sie liegt im Krankenhaus, aber ihr Vogel ist unversorgt zu Hause. Im größten Schneechaos macht sich Gyeongha auf den Weg. Viele Beschreibungen von einzelnen Schneeflocken folgen, wie Salzkörner, wie Vogelfedern, es ist kalt. "Große Flocken, so, als ob unzählige weiße Vögel in völliger Stille gleichzeitig zu Boden segeln." Ich schaue aus dem Fenster, auch bei uns schneit es gerade❄️ Im zweiten Teil wird es etwas traumwandlerisch. Ich frage mich, was davon passiert wirklich und was wird im Fieberwahn erzählt. Aber hart wird es, denn jetzt folgt die Geschichte des verschwiegenen Teils von Koreas Geschichte. Die Tötungen, das Leid. Aber auch das Vertrauen in eine Freundschaft zwischen zwei Frauen. Ich denke ich habe nicht jeden Zusammenhang erfasst, aber ich war auf jeden Fall erneut beeindruckt von dem Können der Autorin.

Verdrängte Geschichte unter stillem Schnee
Unmöglicher Abschied von Han Kang beginnt leise, fast unauffällig: eine Freundin im Krankenhaus, eine Bitte, eine Reise nach Jeju. Schon früh zeigt sich, dass dieser Roman Schritt für Schritt sichtbar macht, was unter dem scheinbar Privaten liegt: das Geflecht aus Freundschaft, Familiengeschichte, weitervererbter Angst und einer verdrängten Vergangenheit. Die Insel erscheint wie ein Gedächtnisraum, in dem nichts abgeschlossen ist. Der Schnee liegt ruhig, fast tröstlich – und wirkt zugleich wie eine Decke über etwas, das nicht verschwunden ist. Unter diesem Weiß liegt Jeju und die Massaker und Repressionen, über die in Südkorea lange kaum offen gesprochen werden durfte. Han Kang erklärt das nicht dozierend, sie lässt es im Erzählen spürbar werden: wie Gewalt fortwirkt, wenn man gelernt hat, still zu sein; wie Schweigen zur zweiten Sprache wird. Erinnerung kehrt hier nicht als sauberer Rückblick zurück, sondern als Reflex: „Wenn's schneit denk ich dran. Auch wenn ich versuch nicht dran zu denken, denk ich inner wieder dran.“ (S. 91) Schnee wird zum Auslöser, zum stillen Archiv, zum Bild für ein Land, das sich zu lange über seine eigenen Toten gelegt hat. Was an diesem Roman besonders nachhallt, ist seine Ruhe. Die Sprache ist klar mit einer eigentümlichen Erhabenheit. Nichts wird ausgestellt, nichts dramatisiert und doch bleibt vieles lange nach dem Lesen im Körper. Der Abschied des Titels erweist sich als unmöglich, weil man nicht loslassen kann, was nie öffentlich betrauert werden durfte. Eine Leseempfehlung für alle, die Literatur nicht als Unterhaltung verstehen, sondern als Form des Hinsehens: für Leserinnen und Leser, die sich auf Langsamkeit einlassen, auf Zwischentöne, auf das Schweigen zwischen den Sätzen – und darauf, unter den Schnee zu schauen.

Kontrastreicher Roman über ein fast vergessenes Massaker und die Unmöglichkeit jemals zu vergessen
Dieses Buch hat sich als etwas entpuppt, dass man wirklich am besten in der kalten Jahreszeit liest. Schnee, Schnee und noch mal Schnee bildet hier das Setting und das passt ja wohl besser in den Januar als in den Juli, oder? Gyeongha schreibt an ihrem Abschied, so steigen wir ein. In der Schwüle der Hitze des Tages wälzt sie sich auf dem kühlenden Fliesenboden und findet keine Erleichterung. im Kontrast dazu gibt es schnell einen Zeitsprung, der uns in starkes Schneetreiben transferiert. Gyeongha hat eine intensive Beziehung zu Inseon mit der sie ein Kunstprojekt. angefangen, aber nicht beendet hat. Als sie von ihr ins Krankenhaus gerufen wird, wo diese mit zwei verletzten Finger liegt, macht sie sich auf den verbliebenen Vogel ihrer Freundin zu retten. Wir sind dabei, wie sie in einer kräftezehrenden Wanderung durch tiefen Schnee stapft, um zu dem abgelegenen Häuschen Inseons zu gelangen. Der wenig einladende Schauplatz ist ein stilistischer Punkt dieser Geschichte. Den Kern bildet aber das Massaker, welches auf der Insel Jeju 1948 an, abertausend Zivilisten verübt wurde. Inseon erzählt die Geschichte hrer Mutter, die damals noch ein Kind war. Wie gewohnt, bewegen wir uns bei Han Kang auf mehreren Ebenen, die Traum und Realität nicht zu trennen scheinen. Beim Lesen muss man sich darauf einlassen können, nicht immer genau zu wissen, in welcher Art und Zeit man sich gerade befindet. wenn man also einen strukturierten Plot erwartet, wird man enttäuscht werden. Lässt man aber los, entfaltet sich ein sprachlich sehr besonderes Werk. Die Metaphern sind gut gewählt, die Bilder die Han Kang zeichnet, sind schmerzhaft und erlebbar. Allerdings hat mich hier wieder das Ende etwas ratlos zurückgelassen. Aber auch das bin ich von der Autorin schon gewohnt. Sie lässt uns mit diesen Lehrstellen alleine und das muss nicht unbedingt schlecht sein. Ein Buch voller Nebel, Schnee und einem kleinen Licht, dass den Spot auf die (un –)mögliche Verarbeiten traumatisierender Ereignisse legt, verstörende Szenen liefert und das Ganze mit einer Sprache überzuckert, die einen jauchzen lässt. Wer solche starken Kontraste aushalten kann, dem sei dieser Roman empfohlen.
Das (Hör-)Buch startet direkt mit einem Paukenschlag: Gyeongha wird von ihrer Freundin Inseon ins Krankenhaus nach Seoul gerufen. Dort liegt Inseon nach einem schlimmen Unfall – sie hat sich in ihrer Tischlerwerkstatt mit einer Kreissäge die Finger verletzt. Und mitten in diesem Chaos bittet sie Gyeongha, zu ihrem Haus auf der Insel Jeju zu fahren, um ihren halb verhungerten Papagei zu retten. Klingt erstmal schräg, aber genau das ist der Beginn einer ziemlich außergewöhnlichen Reise. Gyeongha macht sich also auf den Weg – und der wird ganz schnell mehr als nur ein Ausflug, um einen Vogel zu füttern. Ein Schneesturm stellt sie vor einige Hindernisse, und das Haus ihrer Freundin wird plötzlich zu einem Ort voller Geschichten, Erinnerungen und Geheimnisse. Je länger Gyeongha dort bleibt, desto mehr verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Traum. Sie stößt auf Inseons Familiengeschichte und entdeckt dabei auch ein düsteres Kapitel der koreanischen Vergangenheit: das Jeju-Massaker von 1948. Han Kang packt in dieses (Hör-)Buch eine Menge rein – historische Traumata, persönliche Schicksale und die Frage, wie Menschen mit Verlust und Erinnerung umgehen. Das alles wird so kunstvoll miteinander verwoben, dass man als Leser oft das Gefühl hat, jedes kleine Detail könnte etwas Großes bedeuten. Allerdings macht genau das die Geschichte auch nicht immer einfach. Gerade die vielen Rückblenden und die Vielzahl an Figuren haben mich manchmal verwirrt. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass die Erzählungen über das Massaker so brutal und eindringlich sind, dass ich öfter mal Pausen brauchte. „Unmöglicher Abschied“ ist kein leichtes (Hör-)Buch, weder vom Thema noch von der Art, wie es erzählt wird. Aber Han Kang schafft es, Geschichte und Fiktion so miteinander zu verweben, dass man nicht mehr unterscheiden kann, wo das eine aufhört und das andere anfängt. Für Leser*innen, die bereit sind, sich auf ein forderndes, aber auch beeindruckendes Buch einzulassen, ist es definitiv einen Blick wert. Aber Vorsicht: Es ist nichts für schwache Nerven

"Wir schweigen, bis das Geräusch verstummt, gleich einer versiegenden Quelle. Alles wird still, wie am Ende eines Musikstücks, das ausklingt, oder wenn jemand während des Flüsterns plötzlich einschläft." Hang Kangs eigenwilliger Schreibstil konnte mich auch dieses Mal nicht überzeugen. Das Hin und Her zwischen zarter Poesie und abstoßender Beschreibung von Folter und Mord verstört mich mehr, als dass es mich mitnimmt. In teilweise verwirrenden Traumpassagen mit Schnee, Schnee und nochmal Schnee habe ich mich irgendwann tierisch gelangweilt und war froh, als es dann endlich vorbei war. Positiv fand ich, dass mich der Roman dazu angeregt hat, nebenher über die Geschichte Koreas und im speziellen über diese Massaker zu recherchieren.
Inseon, die eigentlich auf der Insel Jeju wohnt und arbeitet, bestellt nach einem Unfall ihre langjährige Freundin Gyeongha ins Krankenhaus, damit sich letztere um Inseons Vogel kümmert. Gyeongha reist überstürzt nach Jeju, nur um dort in einen schweren Schneesturm zu geraten und es kaum zu Inseons Haus zu schaffen. Dort angekommen, begegnet ihr wie in einem Tagtraum Inseon. Gleichzeitig kommt ein düsteres Kapitel der Inselgeschichte ins Spiel, das Jeju-Massaker on den 1940er Jahren, das eine gewichtige Rolle in Inseons Familiengeschichte spielt... Ich stehe diesem Buch etwas gespalten gegenüber, anfangs hat es mir gut gefallen, aber der spätere Wechsel auf eine Tagtraumebene mit dem plötzlichen Auftauchen Inseons war nicht so meins, daher die 4 Sterne. Dennoch alles in allem eine gute Lektüre, die ein lange verdrängten Kapitel der südkoreanischen Geschichte aufgreift.
Quälend, schwer, alpltraumhaft - und doch bezieht es sich auf ein leider reales Grauen aus Südkoreas Geschichte.
Wer schlimme Gewalterfahrungen gemacht hat, bleibt oft auch ohne befriedigende Antwort auf die Frage nach dem Warum zurück. Wer ganz schlimm gequält wurde und gelitten hat, kann vielleicht irgendwann auch nicht mehr unterscheiden, was real und was Einbildung ist, oder wie die Zeit vergeht. Han Kang thematisiert hier ein grausames Massaker und konfrontiert die Leser:innen mit Schmerz, Qual, und Uneindeutigkeit. Insofern finde ich es grandios geschrieben. Es ist allerdings schon sehr düster, sehr leidvoll, der Erzählstrang über die beiden Freundinnen bleibt auch oft sehr unklar und nirgends auch nur ein Hauch Leichtigkeit, ein Lichtblick, ein Hoffnungsschimmer. Das empfand ich nicht ganz austariert bzw. Bücher über qualvolle Gewalt allein sind mir dann vielleicht doch zu schwer.
Ein Geschichtsbuch darf keine Triggerwarnungen enthalten, es muss gelesen werden.
Inseon liegt nach einem Arbeitsunfall im Krankenhaus. Solange sie dort ist, soll ihre Freundin Gyeongha in ihrem Haus auf der Insel Jeju leben und sich dort um Inseons Vogel kümmern. Schon der Weg dorthin ist beschwerlich, denn Gyeongha gerät in einen Schneesturm. Wie durch ein weißes Rauschen, gelangt sie völlig durchgefroren und wie in einem Fiebertraum zum Haus. Bereits am nächsten Tag verschwimmen Realität und Traumwelt. Inseon ist wieder da - völlig unversehrt, obwohl sie doch verletzt in ihrem Krankenzimmer in Seoul sein sollte. Die beiden Frauen unterhalten sich und im Laufe des Tages und der darauffolgenden Nacht tauchen sie immer weiter in Inseons Familiengeschichte und, damit untrennbar verbunden, die Geschichte der Insel Jeju ein. Nach und nach entfaltet sich ein unfassbares Grauen, welches in den 1940er Jahren an den Inselbewohnern verübt wurde. Wir lesen hier ein Stück südkoreanische Geschichte, eingesponnen in die jahrelange Freundschaft der Frauen und gelegt in die Landschaft eines nachlassenden Wintersturms auf dieser sehr besonderen Insel. Der Text war nicht immer einfach zu lesen. Den Ereignissen zu folgen, dem Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit, Realität und Traum. Dazu die beschriebenen Gräueltaten. Eine Triggerwarnung braucht dieses Buch jedoch für mich nicht, denn wir haben es hier nicht mit fiktiver Gewalt zu tun, sondern mit realer, von der Regierung jahrzehntelang vertuschter. Kurz: der Geschichte eines Landes. Und ein Geschichtsbuch darf keine Triggerwarnungen enthalten, es muss gelesen werden. Übersetzt von Ki-Hyang Lee.

UNMÖGLICHER ABSCHIED Han Kang Gyeongha erhält einen Anruf von ihrer langjährigen Freundin Inseon. Diese bittet sie, ins Krankenhaus zu kommen. Dort erfährt Gyeongha, dass Inseon sich bei einer Kunstinstallation versehentlich zwei Fingerkuppen abgesägt hat. Da Inseon von der Insel Jeju per Hubschrauber eingeflogen wurde, musste sie ihren Vogel zurücklassen, der seit ihrer Abreise ohne Futter und Wasser ist. Verzweifelt bittet sie Gyeongha, sich sofort auf den Weg zur Insel zu machen, da sie befürchtet, ihr Vogel könne keine weitere Nacht unversorgt überleben. Gyeongha bricht unverzüglich auf, doch das Schneetreiben und der aufziehende Sturm machen die Reise zu einer wahren Odyssee - einem echten Überlebenskampf. Wer erwartet, dass dieses Buch eine klassische Survival-Geschichte erzählt, wird enttäuscht. Stattdessen erfahren wir in Rückblenden von Inseons Familiengeschichte – darunter das tragische Schicksal ihres Onkels, der beim Massaker von Jeju eines der 30.000 Opfer war. Han Kang verwebt in einer feinen, eindringlichen Sprache übersinnliche Begegnungen mit einer ungewöhnlichen Freundschaft und einem Massaker. Viel zu spät wird mir klar, dass das Buch gar nichts mit einem Vogel zu tun hat. Was mir gefiel, ist, dass wir über unsere Ich-Erzählerin fast nichts erfahren, während ihre Freundin vollständig im Fokus steht. Das empfand ich als sehr raffiniert. Dennoch hinterlässt das Buch bei mir ein Gefühl der Unzufriedenheit, da viele Dinge unbeantwortet bleiben. Zu viele Wiederholungen gepaart mit übermäßigem Zahlenmaterial ließen keine Spannung aufkommen. Ein sicherlich wichtiges Thema, das für meinen Geschmack jedoch nicht gut verpackt wurde.

Fata Morgana
Hang Kang schafft es immer wieder Bücher zu schreiben, die eine Welt öffnen, mit der ich niemals gerechnet hätte und die sowohl auf literarischer als auch inhaltlicher Ebene einzigartig ist. Mit beeindruckendem literarischen Können schafft es die Autorin in diesem Roman, uns gleichzeitig die Freundschaft zwischen Inseon und Gyeongha sowie die schrecklichen Ereignisse des Massakers auf der Insel Jeju näherzubringen. Kang arbeitet dabei mit dem Kontrast von Traum und Realität, welcher in den teils seltsamen Interaktionen der beiden Frauen immer wieder wie eine Fata Morgana verschwimmt. Im Gegensatz dazu tritt die grausame Wahrheit über die zahlreichen Toten auf Jeju deutlich hervor - und das in der sprachlich einnehmenden Art, die wir von Hang Kang kennen. Hang Kang schreibt sich immer weiter in mein Herz und ich bin sehr froh, dass ihre Arbeit nun auch mit dem Literaturnobelpreis gewürdigt wurde.
Ein tolles Buch, wenn man sich die Zeit dafür nimmt
Unmöglicher Abschied ist das neue Buch von Han Kang. Ich hatte mich schon an ihrem Buch "Die Vegetarierin" versucht. Damals fiel es mir schwer, es zu lesen. Nun dachte ich, alle Welt feiert ihr neues Buch, da muss ich es noch einmal versuchen. Ich habe mir Zeit genommen. Zurückgezogen in meinem Lesesessel nahm ich das Buch "Unmöglicher Abschied" vor die Nase und fing an, möglichst ohne Ablenkung, zu lesen. Gyeongha ist die Erzählerin in dem Roman "Unmöglicher Abschied". Die Hauptfigur in dem Roman "Unmöglicher Abschied", ist Schriftstellerin und hat sich aus ihrem Familienleben zurückgezogen. Gyeongha hat sich eine winzige Wohnung genommen, die schlecht geheizt und im Sommer viel zu warm war. Und sie hatte einen Traum. Nachdem Gyeongha ihr erstes Buch veröffentlicht hatte, träumte sie diesen Traum immer wieder: Sie wandert zwischen schwarzen Baumstümpfe hindurch, die von Schneeflocken umwirbelt waren. Es kam ihr vor wie ein Friedhof, denn die Stämme sahen aus wie gebeugte Menschen, die an Grabhügeln stehen. Dieser Friedhof steht viel zu dicht an einem Wasser, das immer wieder ansteigt und die Hügel, sowie die Baumstümpfe überspült, so dachte die Schriftstellerin immer wieder. Gyeongha erzählte ihrer Freundin Inseon von ihrem Traum. Und dass sie den Wunsch habe, ihn zu realisieren. Zusammen werden die Freundinnen es versuchen und schoben die Umsetzung Jahr für Jahr vor sich her. Doch dann geschah ein Unglück und Inseon musste operiert werden. Sie schrieb ihrer Freundin Gyeongha eine Nachricht und bat sie um einen schnellen Besuch. Sie sollte ihren Vogel retten, der in ihrem weit entfernten Zuhause ohne Futter und Wasser auf die Rückkehr seiner Besitzerin warten würde. Gyeongha macht sich, ein wenig widerwillig, auf den Weg, fliegt auf die Insel Jeju-do. Ohne eine Vorbereitung, ohne großes Gepäck. Sie landet dort, während es schon ordentlich schneit. Das Haus ihrer Freundin liegt abgelegen und das Wetter entwickelt sich zu einem Schneesturm. Ob sie es noch rechtzeitig schaffen würde, den kleinen Vogel zu retten? Der ganze Roman besteht aus Träumen, Erinnerungen und Rückblicken. Gyeongha ist redlich bemüht, sich um den kleinen Vogel zu kümmern. Sie findet einen Weg durch den Sturm und den vielen Schnee. Die Gedanken schweifen immer wieder in die Kurzfilme ab, die die Freundin gedreht hat. Und der Leser versteht langsam und sacht, was vor vielen Jahren auf der koreanischen Insel Jeju-do geschah. Welche Gräuel an den Einheimischen vollzogen wurden und mit welcher Angst die Bevölkerung lebte. Die Han Kang versteht es, ihre Sätze so zu formulieren, dass der Leser stets darauf wartet, wieder ein Bröckchen der Erinnerungen zu erhaschen. Es ist, als würde Han Kang eine Schublade aufziehen und dann schnell wieder zuwerfen, dass der Leser immer nur ein Stückchen vom Inneren wahrnehmen kann. Gespannt und fast ein bisschen nervös muss man immer weiter lesen. Es ist eine Geschichte, die erschauern lässt. Die aber nicht nur an das Jeju-Massaker erinnert, sondern auch die Liebe zum Leben und den Menschen aufzeigt. Han Kang spricht hier in ihrem YouTube-Video darüber, wie sie zu diesem Roman gekommen ist. Ich habe für mich wieder einmal festgestellt, dass asiatische Schriftstellerinnen eine besondere Art haben zu schreiben. Ein bisschen mystisch, geheimnisvoll und für den europäischen Verstand vielleicht ein wenig anstrengend. Es sind meistens Geschichten, die nicht einfach gefällig daher kommen. In solchen Romanen kann man nicht einfach abdriften, hier muss der Kopf arbeiten. Die Familiengeschichte und das Massaker haben mich zum Gruseln gebracht. Wieder habe ich ein Stück unserer Weltgeschichte gelesen und wieder verstehe ich nicht, wie Menschen zu solchen Gräueltaten fähig sind. Ein tolles Buch, wenn man sich die Zeit dafür nimmt. Und, wenn man sich mit der Geschichte (nicht nur dem Roman) beschäftigen möchte. Zu Beginn des Buches hätte ich nicht gedacht, dass wir 🐭🐭🐭🐭🐭 vergeben werden. Aber das hat dieser Roman auf jeden Fall verdient!

Eine lange Freundschaft, ein eisiger Schneesturm und eine Geschichte, die man nicht mehr vergessen wird. Gyeongha fährt ins Krankenhaus, um ihre langwierige Freundin Inseon nach einem Unfall zur Seite zu stehen. Dass diese Begegnung nicht nur eine gefährliche, sondern auch eine wohl lebensprägende Reise werden würde, hätte wohl niemand gedacht. Dieses grandiose Buch ist einfach auf so vielen Ebenen lesenswert, dass es kaum in Worte zu fassen ist. Ich liebe die Interpretationsmöglichkeit der Geschichte, wie die Autorin eine Bildungslücke von wohl sehr vielen (vor allem westlichen) Menschen füllt und gleich noch so spannend ist, dass man das Buch einfach nicht zur Seite legen möchte!
Sinnlich und macht sehr nachdenklich
🌹🌹🌹🌹🌹🌹🌹🌹🌹🌹🌹🌹🌹🌹🌹🌹🌹 Rezension zu "Unmöglicher Abschied" von Kan Han Sinnlich und macht sehr nachdenklich ❤️❤️❤️❤️❤️ Inseon geht es nicht gut. Sie liegt im Krankenhaus von Seoul, da sie einen Unfall hatte. Ihre beste Freundin ist Gyeongha, die sie per SMS anschreibt, das sie sie besuchen soll. Weil es sehr wichtig für sie ist. Denn ihre Freundin soll sich um ihren Lieblingsvogel kümmern, der noch bei ihr Zuhause ist. Wie geht es Inseons Lieblingsvogel? Ich bin äusserst begeistert von diesem ebuch. Es hat mich viele, sinnliche und nachdenkliche Momente erleben lassen. Die wirklich tiefergreifend wirken. Den Vogel darin finde ich unendlich süss und niedlich. Diesen Roman muss man unbedingt lesen. Da er auch sehr bereichernd ist. Ich kann es Euch allen daher sehr liebevoll ans Herz legen und empfehlen. Kommt's alle mit - i Lad euch all dazu ein.😁 🌹🌹🌹🌹🌹🌹🌹🌹🌹🌹🌹🌹🌹🌹🌹🌹🌹
Südkoreanische Geschichte, Familientrauma und eine Freundschaft, die Grenzen sprengt
Wow…Han Kang hat mich mit diesem Roman ins Herz getroffen und auseinandergenommen. In „Unmöglicher Abschied“ lernen wir viel über ein tiefschwarzes Kapitel der jüngeren südkoreanischen Geschichte, nämlich dem Jeju-Massaker. Die Autorin führt uns durch das kollektive und das individuelle Trauma und beschreibt dabei die Gräueltaten in aller Deutlichkeit. Sie macht uns zu Zeugen der Morde und nimmt uns förmlich die Möglichkeit der Distanz, hält uns fest. Worte zu finden für diesen Gipfel der menschlichen Grausamkeit scheint unmöglich, Han Kang jedoch schafft es. Und dabei lässt sie die Opfer und deren Nachkommen reden. Vor diesem Hintergrund dürfen wir teilhaben an einer wundervollen, zarten Frauenfreundschaft, die den beiden betreffenden Protagonistinnen ins Herz graviert zu sein scheint, also eine genuine Seelenverwandtschaft. Zumindest so stelle ich es mir vor. Insbesondere diese Verbindung hat mich absolut berührt und der Abschied von diesen faszinierenden Frauen fiel mir unfassbar schwer. Es geht aber auch darum, nicht loslassen zu können von der eigenen Geschichte, dem eigenen Trauma weil es einem in die DNA gebrannt wurde, weil es zu einem wesentlichen Bestandteil des eigenen Ichs verwachsen und ein Abwenden unmöglich ist. Der Schreib- und Erzählstil ist phenomenal und erinnert oft an einen Fiebertraum, aus dem hypnotische Bilder entstehen, fast einer Seelensprache gleich. Am Ende bleibt der Leser wieder mit vielen Symbolen zurück, die im Kopf kreisen und nachdenklich machen. Das scheint wohl der Stil der Autorin zu sein. Auch über dieses Werk werde ich wieder lange grübeln und mich einfach erinnern. Ein Meisterwerk.
Eine Freundschaft, ein Projekt, Familiendrama, Trauma, halb vergessenes Massakar in Jeju und wie alles aus einer anderen Seite betrachtet wirkt. Ab undzu weiß man nicht mehr wer lebt oder Tod ist aber die Art wie man an die Geschichte ran geführt wird hat mir zugesagt, mag aber sehr juju für andere sein
Zwiegespalten
Inseon liegt im Krankenhaus und ruft ihre Freundin Gyeongha um Hilfe. Sie muss nach Jeju, um Inseons Vogel zu retten. Auf ihrer Reise zu Inseons Heimatdorf gerät Gyeongha in einen Schneesturm und die Reise gestaltet sich schwerer als Gedacht. Auf dieser Reise nimmt uns Gyeongha mit, um die Familiengeschichte Inseons zu ergründen. Ich durfte Unmöglicher Abschid von Han Kang als Rezensionsexemplar lesen und bin mir noch nicht so ganz sicher, was ich von dem Buch halten soll. Die Erzählweise finde ich sehr interessant, da Gyeongha die Geschichte von Inseon erzählt, über Jeju, den Krieg und ihr Familie. Beim Lesen hatte ich das Problem, dass ich manchmal nicht wusste in welcher Zeit das Gelesene gerade spielt und somit echte Schwierigkeiten in die Geschichte reinzufinden. Auf der einen Seite ist der Roman berührend und doch tue ich mir schwer dieses Buch zu mögen.
Wie erhofft und erwartet was ganz anderes als meine sonstige Krimilektüre. Erzählkunst, verwobene Lebensgeschichten, Traumata, verlorene Seelen - man muss sich schon drauf einlassen. Und wie sollte es anders sein, ein offenes Ende, besser gesagt, kein Ende, alles offen, nichts geklärt - das muss man aushalten.
Han Kang schreibt über die Jeju-Massaker, bei welchen im April 1948 über 270 von 400 südkoreanische Dörfer ausgelöscht und über 60'000 Menschen ermordet wurden. Verpackt sind diese grausamen Geschehnisse in einer Familiengeschichte von Inseon. Die Geschichte beginnt damit, dass Inseon einen Unfall hat und hospitalisiert wird. Sie bittet ihre Freundin Gyeongha sofort nach Jeju zu reisen, um ihren Papageien zu füttern. Gyeongha tritt die Reise an. Fortan mischt sich Realität und Illusion, Gegenwart und Vergangenheit. Man taucht in die Erzählungen zur Freundschaft von Inseon und Gyeongha, zu Inseons Familiengeschichte und zu den Massaker ein. Der Stil gefiel mir sehr gut, es ist eine bildgewaltige Sprache. Die Vermischung von Realität und Illusion wurde mir aber im letzten Teil etwas zu schwammig und ich verlor leider etwas den Faden. Trotzdem ein beeindruckendes Buch.
Ruhige, sanfte Sprache. Bilder in meinem Kopf. Ich mochte es gern und kanns sehr empfehlen.
Bei Büchern von Han Kang weiß ich inzwischen, dass ich mir für das Lesen bewusster Zeit nehmen und sie bewusster lesen möchte. Daher stand dieser Roman schon eine ganze Weile in meinem Regal. Zum Jahreswechsel war es aber nun endlich so weit. Und der Zeitpunkt war perfekt. Mit einer ruhigen und sanften Sprache trägt uns die Autorin durch die Seiten. Vor dem inneren Auge bauen sich die Bilder auf und mit der Zeit bin ich immer weiter in der Geschichte versunken. “Sobald der Wind aber wieder auffrischt, stieben die Flocken auf, als würde eine riesige Popcornmaschine mitten in der Luft alles durcheinanderwirbeln.” (S. 57) Han Kang erzählt gefühlvoll von der Freundschaft zwischen Inseon und Gyeongha. Davon, wie aus einem Albtraum Gyeongha's ein Projekt der beiden wird. Wie dieser Albtraum mit einem Stück koreanischer Geschichte verbunden ist. Wie diese erschütternde Geschichte tiefe Kerben in Inseons Familie geschlagen hat. Wir wechseln zwischen den Erzählerinnen hin und her. Meist ist es Gyeongha, die spricht, doch immer häufiger kommt auch Inseon zu Wort, was durch unterschiedliche Schriftarten gut zu erkennen ist. Mal geht es um Vergangenes, mal sind wir im Hier und Jetzt, wobei in der Gegenwart mit Realität und Wahrnehmung gespielt wird. Dass am Ende nicht alles aufgelöst wird, finde ich hier gar nicht schlimm. Auch wenn uns die Autorin keine eindeutige Auflösung darüber gibt, WAS und WER wirklich war, fühlt sich das Ende für mich vollständig an. Genau so passt es zum restlichen Text. Er ist sanft, nachdenklich und lehrt uns gleichzeitig etwas über einen Teil koreanischer Geschichte. Ich mochte es und empfehle es daher gerne.
Nachdem mich die Vegetarierin von Han Kang letztes Jahr mit ihrer abstrakten Art zu schreiben begeistert hat, wollte ich jetzt auch gerne einen unmöglichen Abschied lesen. Der Schreibstil war genauso eindringlich wie ich ihn kannte und es ist der Autorin dadurch wieder gut gelungen einen ins Geschehen zu saugen, sodass man gefühlt hautnah dabei ist, wie Gyeongha sich auf den Weg macht den Vogel ihrer verletzten Freundin Inseon vorm verhungern zu retten. Jedoch kam hier der Punkt wo ich durch die abstrakte Erzählweise Schwierigkeiten hatte zu folgen, da in diesem Buch zusätzlich noch Zeitsprünge, Träume und Delirium dazukommen. Ich habe wirklich selbst noch tagelang nach beenden des Buches für mich noch nicht herausgefunden was real war und was Wahn oder anderes? Das mag ggf auch Absicht gewesen sein, sowie das offen interpretierbare Ende, macht mich aber etwas unzufrieden, da ich für mich so gar keinen Anhaltspunkt habe wo die gedankliche Reise für mich nun hin sollte. Außerdem waren die Momente tlw so sprunghaft, das ich einen Moment bräuchte um zu begreifen in welchem Zeitstrang und Moment ich mich gerade befand. Während der Zeitsprünge erfuhr ich mehr über die Frauen selbst und über ihre Freundschaft. Diese Rückblicke haben mir gut gefallen. Ich fand sie beide gut ausgearbeitet in ihrem Charakter. Es wurden Schwächen und Stärken klar, sowie die Frauen sich dadurch ergänzen. Später wird durch diese Momente auch noch einiges an koreanischer Geschichte aufgearbeitet, was ich sehr informativ fand. Da es dabei um Inseons Familiengeschichte ging wurde das Thema auch emotional nah erzählt, sodass es nie zu trocken würde. Es werden im Verlauf viele Handlungsverläufe und Möglichkeiten angerissen, weshalb die Interpretationsmöglichkeiten vielfältig sind. Für mich war es insgesamt eine interessante Geschichte, die mich eher verwirrt zurückgelassen hat.
Gyeongha hat lange nichts von ihrer Freundin Inseon gehört, als diese sie zu sich in ein Krankenhaus in Seoul ruft. Inseon bittet Gyeongha darum, sofort zu ihrem Zuhause auf der Insel Jeju zu reisen, um ihren Vogel Ama zu versorgen, der sonst sterben könnte. Gyeongha nimmt den nächsten Flieger - und gerät in einen schweren Schneesturm, der ihr die Anreise fast unmöglich macht. Auf der Insel erwartet sie aber auch die längst verschüttete Familiengeschichte Inseons, die sie zutiefst erschüttert. In "Unmöglicher Abschied" nähert sich Han Kang, übersetzt von Ki-Hyang Lee, literarisch einem lange verdrängten Kapitel koreanischer Geschichte: Dem Jeju-Aufstand, bei dem es nach der Einsetzung einer rechtsgerichteten Lokalregierung durch die Regierung in Seoul zu Massakern an Teilen der Inselbevölkerung kam. Es starben mindestens 30.000 Menschen. Im Buch ist die Familiengeschichte von Gyeonghas Freundin Inseon eng mit diesem Massaker verwoben, trotzdem bleibt es oft nur bei Andeutungen, beispielsweise der Schilderung von Material, das Inseon für eine Kunstinstallation sichtete. Neben dem wichtigen historischen Hintergrund beschreibt Han Kang zudem eine tiefe, langjährige Freundschaft zwischen zwei Künstlerinnen, die sich trotz räumlicher Distanz nie ganz aus den Augen verloren haben. Auch der Schnee in seinen verschiedenen Ausprägungen spielt eine zentrale Rolle im Buch. "Unmöglicher Abschied" ist kein leicht zu lesender Roman, er lässt viel Interpretationsspielraum, vor allem was Gyeonghas Schicksal betrifft. Auch ist er geprägt von magischem Realismus, was mir nicht so sehr zugesagt hat. Ich hatte am Ende nicht das Gefühl, das Buch vollends erfasst zu haben - das Lesen war aber trotzdem ein Gewinn für mich, da ich mich sonst nie mit dem Jeju-Aufstand auseinander gesetzt hätte.

Buch über eine Freundschaft von zwei Frauen und ein vergessenes Massaker
Die Erzählung ist am Anfang noch recht gut verfolgst, dann aber verschwimmt alles immer mehr und es ging nicht mehr so richtig zu folgen. Die Thematik des Massakers und des nicht vergessen können, wird deutlich, aber für mich dann doch zu wirr. Vielleicht lag es auch am Hörbuch hören. Für mich ist nach wie vor die Vegetarierin das beste Buch von Han Kang
Spannend, lehrreich, interpretationsreich und ziemlich komplex. Aber mitunter etwas sperrig zu lesen. Und die Metapher „Schnee“ wurde arg überstrapaziert.
Ein sehr ernstes Buch, sehr kompliziert und ich habe die Analysehilfe meiner Buddyreadpartnerinnen sehr gebraucht! Die Freundschaft der beiden Frauen und das Tiefe Vertrauen offenbaren sich erst nach und nach und prägen das gesamte Buch. Dieser empatische Zweig der Handlung war wunderbar hervorgehoben, subtil und manchmal auch überdeutlich. Deutlich schwerer steht es um die Familiengeschichte Inseons und sämtlichen Metaphern. Schnee, Vögel, Schatten, Kälte und die Rückblicke in die neuere und ältere Familienchronik. Ein sehr unschönes, grausames Kapitel südkoreanischer Vergangenheit. Ich hatte ja keine Ahnung. Es wäre deutlich einfacher zu verstehen gewesen, hätten die vielen, vielen Figuren Namen bekommen. Doch auch hier offenbart sich eine Interpretation: die Geister der Vergangenheit sind noch immer namenlos. Alles in allem hat Han Kang mal wieder den Finger in die Wunde gelegt und uns zuerst subtil und in immer stärker Intensität die Gräuel der Welt präsentiert.

“Unmöglicher Abschied” von Han Kang ist ein poetisches und beklemmendes Buch, das die Geschichte einer Freundschaft erzählt sowie von Ereignissen im Vorfeld des Koreakrieges, die über Jahrzehnte totgeschwiegen wurden. Im ersten Teil der Handlung macht sich Gyeongha während eines Schneesturms auf den Weg in ein abgelegenes Bergdorf zum Haus ihrer Freundin Inseon , die im Krankenhaus liegt, um deren Vogel zu versorgen. Im zweiten Teil dann erfährt Gyeongha mehr über das Schicksal von Inseons Familie während des Jeju-Aufstandes, bei dem 1948-1949 Zehntausende Menschen getötet wurden. Hier sind Geschichtskenntnisse absolut von Vorteil, da es für das Verständnis des Buches wichtig ist, historische Hintergründe und Zusammenhänge zu kennen, was mich veranlasst hat, mich etwas intensiver mit dem Thema auseinander zu setzen. “Unmöglicher Abschied” ist keine leichte Kost für zwischendurch, sondern verlangt nach intensiver Auseinandersetzung mit Themen wie Trauer, Schuld und Vergangenheit, gepaart mit Mystik und Düsternis. Wer gewillt ist, sich darauf einzulassen, kann sich auf großartige Literatur freuen, die jedoch erst beim nochmaligen Lesen ihre volle Wirkung entfaltet.
Gräueltaten poetisch erzählt
Auch in diesem Werk vermag es die Autorin wieder grauenvolle, verstörende Ereignisse mit wunderschöner Sprachmelodie zu vereinen. Es herrscht eine bewegende, tief traurige und beklemmende Stimmung vor, welche die sehr symbolische, poetische Sprache unterstreicht. Man findet gewisse Parallelen zu Han Kangs vorigen Buch "Weiß", vor allem in der Farbmetaphorik, die auch hier wieder hervorragend zu Geltung kommt. Eine auf verschiedenen Ebenen berührende Geschichte, die lange nachklingt.
Schriftstellerin Gyeongha lebt allein und ist des Lebens so müde geworden, dass sie bereits an ihrem Testament arbeitet. Doch dann erreicht sie eine Nachricht von ihrer Freundin Inseon. Die liegt nach einem Unfall im Krankenhaus in Seoul und bittet Gyeongha, sich auf den Weg zu ihrem Haus in Jeju zu machen, wo sie ihren Vogel Ami zurücklassen musste und um den sich nun niemand kümmert. Gyeongha macht sich auf den beschwerlichen Weg, aber wird sie rechtzeitig ankommen? „Unmöglicher Abschied“ ist der neuste Roman der frisch gebackenen Nobelpreisträgerin Han Kang, die deutsche Übersetzung stammt von Ki-Hyang Lee. Erzählt wird die Handlung hauptsächlich aus der Perspektive der Protagonistin in der Ich- und Vergangenheitsform. Immer wieder werden aber auch andere Stimmen eingeflochten, seien es Erzählungen Inseons oder Auszüge aus Dokumenten, die sich im Besitz der Familie befinden. Der Roman ist dabei in mehrere Teile gegliedert: Teil 1 beschreibt Gyeonghas mühsame Anreise nach Jeju (durch einen Schneesturm), Teil 2 gibt die Geschehnisse nach ihrer Ankunft wieder und Teil 3 schließt den Text auf mysteriöse Weise ab. Inseons Familiengeschichte ist fest mit dem so genannten Jeju-Aufstand verknüpft, einem Massaker, bei dem Polizei und Militär zwischen April 1948 und August 1949 mindestens 27.000 Menschen töteten; die genaue Zahl ist unbekannt. Inseons Mutter entging dem Tod durch Zufall, musste aber hinterher die Leichen von Verwandten identifizieren; der ältere Bruder geriet in Gefangenschaft. Han Kang beschreibt sehr eindrücklich, wie diese Traumata eine ganze Familie geprägt haben, wie Inseons Mutter zeit ihres Lebens unter den Erinnerungen litt und bis zu ihrem Tode verzweifelt nach dem verschollenen Bruder suchte. Thematisch schließt sich „Unmöglicher Abschied“ an Han Kangs „Menschenwerk“ an, welches sich mit dem Gwangju-Aufstand von 1980 befasste. In diesem neuen Roman verschwimmen nun aber noch stärker die Grenzen zwischen Traum und Realität, so dass über weite Strecken unklar bleibt, was nun eigentlich tatsächlich geschieht - dafür überzeugt die Autorin erneut mit ihrer poetischen Sprache.
Aber was ist jetzt mit dem Vogel? 🥺🥺🥺
Nach Beenden des Buches fehlen mir wirklich die Worten. Ich fühle mich verwirrt, nachdenklich und wartend. Wartend auf eine Erklärung, mehr Hintergrundgeschichte, mehr Charakterentwicklung. Aber dann löse ich mich und erkenne das Buch an, als was es ist. Literarische Fiktion, bei der die beiden Hauptfiguren Gyeongha und Inseon eher wie leere Gefäße wirken, die die tragische Geschichte der Massaker in Korea vermitteln. Beide tragen Traumata, beide haben Familie und Freunde, die durch die Massaker von damals gezeichnet sind oder zu der Zeit ermordet wurden. Durch Erinnerungen und Albträume werden wir durch die tragischen Ereignisse der Vergangenheit geführt, die ausradiert wurden, bedeckt wie von frisch gefallenem, unschuldigen Schnee. Dennoch bin ich verwirrt. Wäre es eine Berichterstattung über die vergangenen Ereignisse gewesen, vermischt mit der Symbolik des Schnees, so wäre es immer noch eine interessante Geschichte gewesen, aber hätte für mich vielleicht mehr einen Impact gehabt. Aber so gab es viele Stellen, an denen ich durch den springenden Erzählstil verwirrt war, mich fühlte, als würde ich nicht richtig mit der Geschichte mitkommen und so gingen die doch so wichtigen historischen Erzählungen leider auch oft durch den zusammenhangslosen Kontext etwas unter. Erst die letzten 20% des Buches ließen sich flüssiger lesen. Der Schreibstil von Han Kang ist dennoch überragend. Bildhaft, symbolisch und lebendig lässt er die Lesenden in diese düstere, mysteriöse und schwerwiegende Handlung eintauchen. Ich denke, dass die Bewertungen bei diesem Buch subjektiver als sonst werden. Ich selbst gebe dem Buch 3,5 Sterne, da die Botschaft, die Idee und die Symbolik überragend sind, mich jedoch das offene Ende und die flachen Charaktere nicht überzeugt haben und die wichtigen Botschaften zu den Ereignissen durch den verwirrenden Kontext für mich oft nicht den Impact hatten, den ich mir von ihnen erhofft hatte. Ich habe das Buch im Austausch für eine ehrliche Meinung als Rezensionsexemplar von Netgalley erhalten ✨
Dicht , poetisch mit Nachhall
Der Roman "Unmöglicher Abschied" der Literaturnobelpreisträgerin Han Kang ist gewiss keine leichte Lektüre. Ich konnte ihn nicht einfach durchlesen, sondern musste ihn mehrfach weglegen, darüber nachdenken und das Gelesene verarbeiten. Die Protagonistin Gyenongha wird von ihrer Freundin Inseon zu sich ins Krankenhaus nach Seoul gerufen. Inseon hat sich schwer verletzt und bittet sie, zu ihrem Haus auf der Insel Jeju zu gehen um dort ihren Vogel zu versorgen. Gyenongha macht sich auf den Weg, erreicht den letzten Flieger durch einen Schneesturm, den letzten Bus in das Nachbardorf. Von dort aus muss sie durch den Schnee zu Fuß weiter und ist kurz vor dem erfrieren. Han Kang schildert den Weg und den Schnee sehr präzise und ausführlich, fast jede Schneeflocke wird beschrieben. Ich habe bereits hier ebenfalls gefroren. Im Verlauf der Handlung berichtet die Autorin mittels Briefen und Zeitungsartikeln die Gyenongha im Haus findet, in eindringlicher und bedrückender Weise von den Massakern, die 1948 in Korea stattgefunden haben. Spätestens hier wird für die Lesenden der Roman so eindrücklich, dass es mir so manchen kalten Schauer den Rücken hinab gejagt hat. Dabei wird nicht nach Effekten gehascht, Han Kang beschreibt trotz aller Grausamkeit sehr poetisch. Mir hat ihr Sprachstil gefallen, er ist sehr atmosphärisch, die Schilderung der Massaker bedrückend und grausam. Und über allem steht die lange tiefe Freundschaft zwischen Gyenongha in Inseon. Ein Werk, das mich am Ende verwirrt zurückgelassen und mir ein Rätsel mit auf den Weg gegeben hat. Ein Werk, über das ich mich mit anderen austauschen möchte. Ein Werk, das auf jeden Fall 5 Sterne verdient hat und noch lange in mir nachhallen wird. Erscheinungsdatum: 16. Dezember 2024 Verlag: Aufbau 315 Seiten
Ich bin mir nicht sicher ob ich das Buch überhaupt bewerten darf
Irgendwie habe ich den Sinn des Buches nicht verstanden. Das Massaker auf der Insel Jeju 1948 ist der Hauptfokus der Geschichte. Dies war eine grausames Ereignis, welches an sich interessant eingebracht wurde. Doch der Sinn der beiden Protagonisten, der Wechsel zwischen Traum und Wirklichkeit, diese metaphorische Rolle konnte ich einfach nicht verstehen. Vielleicht ist es nicht unbedingt das beste Buch der Autorin, aber irgendwie hat es mich erstmal irgendwie abgeschreckt, weitere Werke von ihr zu lesen.
Intensiv, aber schwer verdaulich Ich wollte gerne ein Buch der Literaturnobelpreisträgerin lesen und habe zu diesem gegriffen. Eigentlich fällt es mir sehr schwer hier eine Bewertung zu schreiben. Bereits nach einigen Seiten wurde mir klar, dass dieses Buch außergewöhnlich ist. Zwar lässt es sich an sich gut lesen, jedoch brachte mich das Erzählte von Anbeginn an in eine depressive, schwermütige Stimmung. Bereits die Hauptprotagonistin Gyeongha ist depressiv, suizidgefährdet. Sie besucht ihre Freundin Inseon im Krankenhaus. Diese hat sich bei einem Arbeitsunfall zwei Fingerkuppen abgetrennt und bittet Gyeongha zu ihrem weit entfernt liegenden Haus zu fahren, um ihren Vogel zu retten, der dort alleine ist und kein Futter hat. Gyeongha bricht auf, jedoch haben starke Schneefälle eingesetzt und der Weg ist sehr beschwerlich zu diesem weit außerhalb von einem Dorf entfernt liegenden Haus. Man fühlt bereits hier sehr detailliert diesen Weg, die Zweifel, die Mühen mit. Ebenfalls spielen dann auch - nachdem Gyeongha angekommen ist- Erscheinungen eine große Rolle. Es wird die Geschichte von Inseon‘s Familie erzählt und von verschiedenen Massakern an Bewohnern des Dorfes, das früher dort stand. Leider wurde die Geschichte für mich teilweise etwas undurchsichtig. Ich habe etwas den Überblick verloren bei den verschiedenen Personen, von denen in der Rückblende erzählt wurde. Das mag aber auch daran gelegen haben, dass ich das erzählte Geschehen schrecklich und grausam fand, dass ich zwischendurch Pausen einlegen musste. Ich kann das Buch nur eingeschränkt empfehlen an Personen, die mit diesen Erzählungen und dem Kopfkino umgehen können, sich des Themas des Buches bewusst sind.
Han Kangs 'Unmöglicher Abschied' ist ein Buch mit zwei Gesichtern. Die Darstellung des Massakers ist eindringlich und interessant und die Autorin schafft es die Grausamkeit und das Leid der Opfer eindringlich zu schildern. Doch die Erzählweise und einige Nebenhandlungen wirken leider verwirrend und ziehen den Fokus vom Thema ab. Die zahlreichen Metaphern und die fragmentarische Erzählweise haben für mich zu einer gewissen Unübersichtlichkeit geführt. Für Leser, die sich für die koreanische Geschichte interessieren, ist das Buch dennoch eine Empfehlung
Ergreifend und tief beunruhigend
Han Kang erzählt in “Unmöglicher Abschied” die Geschichte eines kollektiven Traumas. Während die äußere Handlung in der koreanischen Gegenwart spielt, reichen die Erinnerungen und Wunden der Protagonisten weit in die Vergangenheit. Der Beginn des Romans befasst sich mit Gyeongha, die als lebensmüde Frau beschrieben wird, die täglich ein neues Testament verfasst. Beruflich widmet sich Gyeongha Kriegsverbrechen, die sie in ihren Büchern rekapituliert. Es ist zu vermuten, dass ihre Gefühlslage eng mit den Recherchen für diese Arbeit zusammenhängt. Eines Tages wird ihr tristes Dasein durch einen Anruf unterbrochen. Eine Freundin, mit der sie ein gemeinsames Projekt zu den örtlichen Massengräbern plant, ruft sie nach einem Unfall aus dem Krankenhaus an. Sie tritt mit der Bitte an Gyeongha heran, ihren kleinen weißen Vogel zu versorgen, während sie im Krankenhaus liegt, da er sonst sterbe. Geongha macht sich daraufhin auf den weiten Weg zu der Insel, auf der Inseon lebt. Dabei gerät sie in einen Schneesturm und kämpft sich mühsam und mit letzter Kraft zum Haus der Freundin durch. Im Haus findet sie einen leeren Käfig vor. Von da an wird die Erzählung zunehmend brüchiger und fragmentarischer. Gedanken und Bilder, die scheinbar nichts mit der Realität zu tun haben kommen auf, zum Beispiel befindet sich Inseon plötzlich bei ihr im Haus. Gyeongha finder in Inseons Zuhause die Geschichte eines kollektiven Traumas. Inseons Mutter hat in den Jahren 1948/49 die Niederschlagung von Aufständen miterlebt und konnte nur knapp entkommen. Dieses Trauma hat sie auch an Inseon weitergegeben, die sich beruflich ebenfalls mit Gewalt und Tod beschäftigt. Der Aufbau des Romans scheint der Art und Weise, wie traumatisierte Menschen sich erinnern, nämlich fragmentarisch und in blitzartigen Bildern zu entsprechen. Dementsprechend ist es nicht immer leicht, der Handlung zu folgen. Ferner ist der Roman voller Symbolik. Die Farbe ‘Weiß’ ist hierfür ein Beispiel. Der weiße Schnee begräbt die Erinnerungen an das Grauen, der weiße Vogel ist zerbrechlich wie eine Schneeflocke und steht für Lebendigkeit und Gegenwart. Als Gyeongha im Haus ankommt, ist sie dem Schnee entkommen und der Vogel scheint tot zu sein. Damit kann sie auch nicht mehr vergessen, sondern muss sich dem Trauma stellen. Voller Aussagekraft ist auch das Ende, das offen lässt, was mit dem Vogel passiert ist. Han Kang hat keinen leicht verdaulichen Roman geschrieben. Der Leser selbst erlebt die traumatischen Auswirkungen der Gräueltaten unmittelbar mit. Es ist ein Roman, der noch lange nachklingen wird.
Schon während des Lesens hatte ich mir überlegt, wie meine Rezension wohl ausfallen wird und vor allem, was ich dazu schreiben soll. Denn die Geschichte hat mich gleichzeitig interessiert und dann wieder nicht. Die Kombination zwischen den poetischen Teilen und den immer wieder folgenden Grausamkeiten des Koreakriegs war für mich definitiv nichts. Letzteres hat mich erschüttert und geht mir bestimmt noch einige Zeit nach. Durch den eigenwilligen Schreibstil und den ständigen Wechsel zwischen Traum und Realität fand ich sehr schwer Zugang zu der Geschichte. Dennoch hat mir die Freundschaft der beiden Frauen sehr gut gefallen. Ob ich nochmal etwas von Han Kang lesen werde, lasse ich hier jetzt mal offen, wie auch das Ende der Geschichte.



















































