Mario und der Zauberer
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Description
Thomas Manns berühmte Novelle – erstmals als schön ausgestattete Geschenkausgabe in Leinen
Torre di Venere, Mitte August: Es ist heiß und voll in dem italienischen Badeort an der Mittelmeerküste. Der Strand ist fest in der Hand der »inländischen Mittelklasse«, die sich als wenig gastfreundlich und anstrengend patriotisch erweist. »Ärger, Gereiztheit, Überspannung« liegen von Anfang an in der Luft und entladen sich eines Abends bei einer Vorstellung des Zauberers Cipolla. Durch Hypnose manipuliert Cipolla seine Zuschauer und findet im Kellner Mario das geeignete Opfer, das sich ihm willenlos unterwerfen soll … Thomas Manns 1930 erschienene Novelle wurde gleich nach Erscheinen als politische Parabel zum aufkommenden Faschismus in Europa gelesen. Ein zeitgenössischer Kritiker schrieb: »Wenn Mussolini etwas von Kunst verstünde, müsste er diese Novelle in Italien verbieten lassen.« Auch heute hat Thomas Manns meisterhafte Novelle nichts von ihrer Aktualität verloren.
Book Information
Author Description
Thomas Mann, 1875–1955, zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Mit ihm erreichte der moderne deutsche Roman den Anschluss an die Weltliteratur. Manns vielschichtiges Werk hat weltweit eine kaum zu übertreffende positive Resonanz gefunden. Ab 1933 lebte er im Exil, zuerst in der Schweiz, dann in den USA. Erst 1952 kehrte Mann nach Europa zurück, wo er 1955 in Zürich verstarb.
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Widerwillig verliebt in Thomas Mann
Lange Zeit (zu lange Zeit) habe ich es vor mir hergeschoben irgendwas von Thomas Mann zu lesen. "Das ist mal ein Projekt für später" habe ich mir immer wieder eingeredet. Tja, jetzt ist wohl später. Zu schwer. Zu sperrig. Zu umständlich. Zu konservativ. Ich hatte schon viele Vorurteile gehört. Ich muss sagen: Nichts davon hat für mich zugetroffen. Nach diesen beiden Kurzgeschichten bin ich verliebt in die Sprache von Thomas Mann und seine Gabe zu beobachten. Nach guten 5 Seiten machte es auch bei mir (endlich?) Klick: Deswegen also der Nobelpreis. Jetzt bin ich glücklich über das Thomas Mann-Universum das noch vor mir liegt und das es zu entdecken gilt. Unbedingt mehr davon!! 🪞💙🎭 In "Tonio Kröger" geht es um die Lebensstationen eines Mannes, der sein Leben der Kunst und dem Schreiben widmet und somit das Gefühl hat sein "echtes Leben" nicht wirklich leben zu können. Aber wie tröstlich ist der Gedanke, dass die Figuren die er erschafft, all diese Leben und noch viel mehr für ihn leben können? Auch ich habe Versionen von Hans Hansen und Ingeborg in meinem Leben und habe so so sehr mitgefühlt. "(...) und wenn ich Applaus vernahm, blickte ich heimlich um mich, ob ihr daran teilhättet..." 🇮🇹🪄😵💫 "Mario und der Zauberer" ist ganz anders aber nicht weniger tief. Ich war sofort in diesem Familienurlaubs-Mittelmeer-Gefühl drin. Wieder beschreibt Thomas Mann Kleinigkeiten so großartig, dass ich schon nach wenigen Seiten tief drin war. Er schafft es die Hitze, die Anspannung, das Unausgesprochene brilliant darzustellen. Auch die Thematik ist extrem stark. Ohne es groß auszusprechen, zeigt Mann, wie leicht sich Menschen beeinflussen lassen und wie schnell sich eine Dynamik entwickelt, die man nicht mehr kontrollieren kann.

Eine Kurzgeschichte als Einstieg, bevor es im Klassikleseclub an den Zauberberg von T. Mann geht
Ich hatte eine kleine, innere Abneigung gegen die Kurzgeschichte von Thomas Mann, der mir in Recherchen ein eher konservativer Mann vorgestellt wurde. Die Buddenbrocks fand ich langatmig und schwierig zu lesen und bin nie über den Anfang hinweg gekommen. Anfangs ging es mir bei Mario genauso. Die verschachtelten Sätze und das "Vorgeplänkel" war zwar nicht schwer zu verstehen, aber umständlich zu lesen. Aus diesem Grund habe ich nach dem ersten Teil von 24 Seiten eine Lesepause eingelegt und mir heute die restlichen Seiten vorgenommen. Tatsächlich verlief das Lesen flüssiger, ich habe Manns Ironie verstanden und war dann doch gefangen in der Geschichte, die letztendlich auch mit einem Showdown endete. Die politischen Parallelen zu Muselinis Zeiten konnte ich gut entdecken. Thomas Mann hat in seiner Geschichte den unsympathischen Mario als Willensbeuger und Befehlsgeber gut gezeichnet und die Zuschauer als mitschwimmende und feiernde Bevölkerung gut dargestellt. Alles in allem ein wirklich guter Einstieg in die Geschichten von Thomas Mann, die ich gut empfehlen kann
Auf der Rückseite steht, dass es ein fabelhaftes Buch ist. Naja, "fabelhaft" bezeichnet bei mir etwas anderes. Das hier eher nicht. Ich weiß auch, dass Thomas Mann einer der bedeutenden Schriftsteller Europas ist, aber das hat bei mir leider nicht funktioniert. Damals in der Schule hatte ich das lesen müssen, wusste aber heute nicht mehr, um was es ging. Beim Lesen fühlt man sich, als wäre man mit einer typisch deutschen Familie unterwegs. Überall und an allem gibt es was zu meckern. Sei es, dass der Magier zu spät zu seiner Show erscheint oder man in ein anderes Hotel gesteckt wird, weil die Dame einen Dauerhusten hat und damit andere Gäste nervt. Ich fühle mich beim lesen ein wenig gestresst und überlege schon, in diesem Jahr allein in Urlaub zu fahren. 😄 Thomas Mann versteht es, seine Figuren so unattraktiv darzustellen, dass einem die Lust auf eine Italien-Reise vergeht. Auch wenn der Roman Bezüge zum Faschismus aufweist, hat mich das Buch doch eher ratlos zurückgelassen.
(...) es sei ein und dieselbe Fähigkeit: Befehlen und Gehorchen, sie bildeten zusammen nur ein Prinzp, eine unauflösliche Einheit; wer zu gehorchen wisse, der wisse auch zu befehlen, und ebenso umgekehrt: der eine Gedanke sei in dem anderen einbegriffen, wie Volk und Führer ineinander einbegriffen seien, aber die Leistung, die äußerst strenge und aufreibende Leistung, sei jedenfalls seine, des Führers und Veranstalters, in welchem der Wille Gehorsam, der Gehorsam Wille werde, dessen Person die Geburtstäte beider sei, und der es also sehr schwer habe.

Ein Klassiker, ja. Aber für mich weniger Zugkraft als andere Werke von Thomas Mann
Man begleitet einen Vater mit seiner Familie in die Sommerfrische nach Italien - und die Klischees werden von Thomas Mann allesamt mit seiner unnachahmlichen Art herausgestellt, ohne mit der Keule daherzukommen. Das Verhalten den Deutschen, das Verhalten der Italiener, das Verhalten der Erwachsenen, das Verhalten der Kinder, das Verhalten der Touristen, das Verhalten der Angestellten… Mit wenigen Worten baut sich ein nachvollziehbares und schmerzhaft typisches Szenario auf, welches durchdrungen ist von dem sich aufbauenden Faschismus. Und genau an dieser Stelle ist ein gewissenhafter, nachdenkender und kritischer Leser gefragt. Ohne Hintergrundwissen bleibt die Haupthandlung, die Zaubershow, wirr und unklar. Versucht man Distanz zu halten, wie der Protagonist es versucht und nicht immer schafft, kann man die Kritik und die Warnung Manns erkennen. Besonders angesprochen hat mich die Tatsache, wie schnell oder wie widerwillig sich Menschen der Einflussnahme des Zauberers in seiner Show (es ist keine klassische Zaubershow) ergeben - auch der Erzähler. Selbst der Leser/ die Leserin läuft Gefahr hineingezogen zu werden. Dennoch hat mich diese Novelle von Mann weniger angesprochen als andere Werke - auch kürzere - von ihm. Dennoch ein wichtiges und gutes Buch.
Thomas Manns Werke „Tonio Kröger“ und „Mario und der Zauberer“ sind tiefgründige literarische Untersuchungen menschlicher Konflikte, Identität und Machtstrukturen. „Tonio Kröger“ thematisiert den inneren Konflikt eines Künstlers, der sich zwischen der bürgerlichen Welt und seiner künstlerischen Andersartigkeit hin- und hergerissen fühlt. Die Novelle ist geprägt von Manns sensibler Darstellung der Ambivalenz, mit der Tonio versucht, seinen Platz in der Welt zu finden. Sie beeindruckt durch ihre introspektive Tiefe und zeigt Manns Fähigkeit, komplexe Emotionen und universelle Themen in präziser Sprache zu gestalten. „Mario und der Zauberer“ ist eine symbolträchtige Erzählung, die die Machtstrukturen von Manipulation und Autorität untersucht. In einem Seebad wird die unheimliche Atmosphäre greifbar, als der Hypnotiseur Cipolla das Publikum unter seinen Bann zieht. Mann schafft eine beklemmende Allegorie auf die politischen Entwicklungen seiner Zeit und verdeutlicht, wie leicht Massen durch charismatische Persönlichkeiten manipuliert werden können. Beide Werke bestechen durch Manns sprachliche Meisterschaft und tiefgründige Analyse menschlicher und gesellschaftlicher Themen. „Tonio Kröger“ bietet eine intime Auseinandersetzung mit persönlichen Konflikten, während „Mario und der Zauberer“ eine beklemmende Warnung vor autoritärer Macht ist. Zusammen zeigen sie die Vielseitigkeit und den anhaltenden Reiz von Thomas Manns Schaffen.
In »Tonio Krüger« macht Thomas Mann Traurigkeit, Melancholie und tiefe Heimatlosigkeit spürbar, während sich eine bedrohliche Zeit bereits ankündigt. »Mario und der Zauberer« zeigt vor italienischer Urlaubskulisse eine dekadente Gesellschaft, in der manche „gleicher“ sind als andere. Spätestens mit dem Zauberer wird es unheimlich. Ein Buch, zu dem man immer wieder greifen kann. _____
Thomas Mann ist ein unglaublich virtuoser Erzähler. Das muss man ihm lassen. Aber hin und wieder habe ich den Eindruck, dass er von seinem Genius schon ein bissel sehr überzeugt ist, wenn er Satzgebilde zusammenschustert, bei denen mir schwindelig wird und ich unwillkürlich denke: „Herr Mann, mit der Hälfte der Worte hätt ich Ihrem Satz oder Gedanken bestimmt besser folgen können.“ Ich entschuldige mich für diesen kunstbanausigen Einschub. Denn Mann schafft es mit »Tonio Krüger«, der ersten Erzählung in diesem 126 Seiten dünnen Büchlein, die ganze Traurigkeit, Melancholie und das Gefühl einer aufs Tiefste empfundenen Heimatlosigkeit spürbar werden zu lassen. Bei einer fast schon gar nicht mehr so harmlosen Polizeikontrolle kann man die Flutwelle fast schon wittern. Ein sich noch in der Ferne auftürmender, hasserfüllter Nationalsozialismus, der alles wegspülen wird. In der zweiten Erzählung mit dem schönen Titel »Mario und der Zauberer« erleben wir das hochsommerliche Getümmel an einem italienischen Strand und in einem italienischen Urlaubsort, zu dem dieser Strand gehört. Und hier wird schon sehr deutlich, dass wohl alle Menschen gleich sind, doch es gibt auch die, die noch gleicher zu sein scheinen. Eine teils sehr dekadente Gesellschaft etabliert sich da am Strand und im Hotel. Und wenn dann der seltsam gestaltete Zauberer mit seinen fantastischen Kunststückchen auftritt, dann kann es einen schon nicht wenig gruseln. Lesenswert. Und das ist eines der Bücher, die man vielleicht immer wieder einmal zur Hand nehmen sollte.
2 Novellen in einem für Leser mit wenig Zeit
Da ich gerade wenig Zeit habe zu lesen, aber doch mal wieder Thomas Mann lesen wollte, bin ich auf dieses dünne Büchlein gestoßen. Es vereint "Tonio Kröger" und "Mario und der Zauberer" in einem Band. Was soll ich sagen? Die zweite Novelle gefällt mir besser, da es doch gerade wieder aktuell ist. Ein "Menschen"-Zauberer überzeugt seine Zuschauer durch Tricks zu Dinge, sie so nie machen würden und bezahlt (zum Glück) am Ende mit seinem eigenen Leben. Das Buch kann ich sehr empfehlen!
Zwei kleine Erzählungen des großen Thomas Mann. Für mich waren die beiden Novellen ein perfekter Einstieg in sein Werk: Die unverkennbare Sprache des Erzählers, das facettenreiche Portrait des bildungsbürgerlichen Milieus der Vorkriegszeit, die persönliche Auseinandersetzung des Autors mit der Homosexualität (Tonio Kröger) und mit dem Faschismus (Mario und der Zauberer).
An sich mochte ich die Geschichte um den namenlosen Erzähler und seine Familie, die in Italien der späten 20er Jahre Urlaub macht. Ich habe das Buch als Schullektüre gelesen, mich aber darauf gefreut, da es mein erstes Buch von Thomas Mann war und ich gute Dinge über seinen Stil und sein Werk gehört hatte. Ich habe auch Gefallen gefunden an seinem blumigen Schreibstil, zum Teil war es mir nur etwas zu kompliziert, zu verschachtelt und voller altmodischer Begriffe, um es zu verstehen und somit auch zu genießen. Manche Stellen musste ich bis zu dreimal lesen, um ihren Sinn zu verstehen – auch wenn das auch an mir gelegen haben kann, ich hatte generell etwas Probleme, mich beim Lesen zu konzentrieren.Ich freue mich darauf, die Themen der Novelle im Unterricht zu besprechen, denn auch wenn ich viele Dinge schon herausgelesen habe – die Kritik des Autors am damaligen Regime in Italien, der Gefallen, den manche Menschen daran finden, sich anderen völlig unterzuordnen; Verweise auf gewisse gesellschaftliche Probleme – gibt es bestimmt auch noch einiges, das ich überlesen oder noch nicht direkt bedacht habe.Alles in allem eine gute Novelle, ich werde bestimmt noch andere Werke von Mann lesen.
Mehr Tiefe als zu Beginn gedacht
Was anfangs wie eine einfache Urlaubserzählung wirkt, entpuppt sich schnell als tiefgründige Parabel über Manipulation, Unterdrückung und die Gefahren einer passiven Masse. Thomas Mann nutzt alltägliche Situationen, um schrittweise eine bedrückende Atmosphäre zu schaffen. Der Zauberer Cipolla verkörpert die Macht charismatischer Despoten und zeigt, wie leicht Menschen ihrer Freiheit beraubt werden können. Das Buch überrascht mit zunehmender Spannung und Anspruch und offenbart erst nach und nach seine komplexe Botschaft. Ein eindrucksvolles Werk, das zum Nachdenken anregt.
Dieses Buch habe ich für mein Studium gelesen. In dieser Vorlesung haben wir uns mit dem Thema "Magie" beschäftigt und "Mario und der Zauberer" war einer unserer Beispieltexte, mit denen wir uns beschäftigt haben. Und es war einer meiner liebsten Texte des Semesters. Viele der anderen kannte ich schon (zum Beispiel "Faust" von Goethe oder "Harry Potter" von J.K. Rowling) oder ich konnte damit nur wenig anfangen (zum Beispiel "The Tempest" von Shakespeare). "Mario und der Zauberer" habe ich verschlungen und innerhalb von zwei Tagen gelesen. Es ist jetzt auch kein besonders dickes Buch, hat gerade mal hundert Seiten, aber wenn ich bedenke, wie lange ich teilweise für andere kürzere Unitexte brauche, ist das recht schnell. Nach dem Lesen habe ich dann auch noch meinen Vater dazu gebracht, diesen Text ebenfalls zu lesen, da ich Redebedarf hatte. Und auch er war begeistert. Hier geht es um eine Familie, die in den 1920ern Urlaub in Italien macht. Mann hat dieses Buch 1930 geschrieben, der Nationalsozialismus und Faschismus köchelte also in Europa schon vor sich hin. Und darauf bezieht er sich in diesem Text auch. Er zeigt zum Beispiel, wie diese Familie in ein anderes Hotel umziehen muss, da sie von den anderen Gästen und den Besitzern aus dem anderen Hotel hinausgeekelt werden. Den größten Teil der Geschichte nimmt aber Herr Cipolla, der Zauberer ein. Die Reisenden erlauben ihren Kindern, zu einer Vorstellung dieses Zauberers zu gehen. Natürlich glauben die Eltern nicht an Zauberer und erwarten daher die üblichen Tricksereien: Kartentricks, verschwundene Taschentücher, vielleicht zersägte Menschen. Doch so ein Zauberer ist Herr Cipolla nicht. Stattdessen hypnotisiert er in seinen Vorstellungen Menschen. Und mehr kann ich euch nicht verraten, wenn ich nicht das Ende spoilern möchte. Was an diesem Buch besonders spannend ist, ist, dass wir während der Vorstellung von Herrn Cipolla nie genau wissen, was denn jetzt eigentlich passiert und was da jetzt Herrn Cipollas Werk ist und was der freie Wille der Menschen, die er zu sich auf die Bühne lockt. Mann zeigte hier auch, warum große Gruppen an Menschen gefährlich und unberechenbar sein können - was er ja zur selben Zeit auch in der Realität miterleben musste. Mein Fazit? Eine total spannende Lektüre, die mich fesseln konnte.
Mario und der Zauberer ist eine Novelle, die im faschistischen Italien spielt. Die Hauptsaison der Badezeit des Städtchens am Badestrand neigt sich langsam dem Ende zu, aber wird noch von der Mittelschicht des Staates Mussolinien bevölkert. Das Kind des Erzählers erhält die Erlaubnis nackt vom Badestrand ins Wasser zulaufen und wieder zurückzukommen. Ein Ansturm an Hohn, Anstoß und Widerspruch galt der kompletten Familie so musste sie einen hohen Betrag von 50 Lire zahlen. Es wird beschrieben, dass viele Eigenarten der Italiener nicht mehr so seien, wie sie einst waren, es wird von einem Fehlen der Atmosphäre von Unschuld und Zwanglosigkeit (S. 16) gesprochen; die „Idee der Nation“ (Ebd.) geht umher. So sah man den Nacktgang des Kindes als eine Beleidigung gegenüber den Staat und ihrer Bevölkerung. Eine Stimmung, die im Ganzen eher bedrohlich als entspannend bzw. „urlaubig“ ist, da auf die Wortwahl sowie das Verhalten geachtet werden muss. Der Autor fragt sich, ob man nun abreisen sollte, wenn sich das Leben „unheimlich, nicht ganz geheuer oder etwas peinlich und kränkend“ (S. 20) anfühlt. Darauf kommt, dass man bleiben solle, es sich ansehen und sich dem aussetzen solle, eben weil man dadurch vielleicht etwas lernen könnte ( Thomas Mann verlässt Deutschland selbst nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten). Der Plot geht weiter und die Familie besucht einen Zauberkünstler Cipolla, der sich um etwa eine halbe Stunde verspätet, was für Unruhe bei der Familie sorgt, weil die Kinder auch alsbald ins Bett müssten (Zeitdruck). Cipolla macht vielfache Zaubertricks, und lässt sein Publikum ihm mit seiner Peitsche gehorchen. Der unbedingte Gehorsam, sei nur die Kehrseite, andere Menschen befehlen zu wollen. Ähnlich wie im Hauptmann von Köpenick nach Oben buckeln nach unten treten (damit man Aufsteigen kann wird gehorcht und sich erhofft befehlen zu können). Schließlich sagt er noch „wer zu gehorchen wisse, der wisse auch zu befehlen und ebenso umgekehrt“ (S. 45). Weitere Kuriositäten finden statt und die Pause trifft ein. Der Erzähler zieht einen Vergleich, eine Personifikation des Ortes Torre Di Venere in dem Zauberkünstler Cipolla. Dass die Veranstaltung nicht Verlassen wird ist „unserer bloßen Seßhaftigkeit“ (S. 49) anzukreiden, etwas anderes weiß der Autor nicht anzubringen. Die zweite Hälfte des Programms diente Cipolla der Demonstration der Willensentziehung und Willensaufnötigung. Noch etwa 5-10 Seiten bis zum Ende und ich wusste nicht genau, welche Stellung Mario nun haben wird, da es sich langsam dem Ende zuspitzt, weshalb ich die vorherigen relevanten Plotteile mit einer anderen Sicht betrachtete. DAS ist die Handlung; die Willensentziehung und Oktroyierung des Führers Willen. Was Mario im Endeffekt mit der Novelle zu tun hat, vermag ich an dieser Stelle nicht zu beschreiben, damit die Lektüre gelesen und in dieser wunderschönen Ausgabe gekauft wird. So viel sei gesagt, dass der Vater letztendlich mit den Kindern aus dem Saal des Zauberkünstlers flüchtet. Bis zum Ende ist ein bedrohliches Setting zu spüren. Ein tragisches im Hinblick auf Manns Vergangenheit und Geschichte mit Italien. Im Nachwort findet man Informationen über den Entstehungsprozess der Novelle. Thomas Mann reiste im Spätsommer des Jahres 1926 in eine italienische Küstenstadt, seine Familie und Kinder mit dabei. Ihm fiel auf, dass ein fremdenfeindlicher nationaler Gemütszustand die Ortschaft prägte. Als „Italienliebhaber“ (S. 74) fand er den Gemütszustand „widerwärtig“ (Ebd.), was als schädlicher Einfluss des Duce Benito Mussolini gesehen wurde. Er bezeichnete seine Eindrücke als einen zivilisatorischen Niveauverlust. Die nackende Tochter des Autoren während des Badeurlaubs wurde als eine Beleidigung Italiens aufgeführt, womit das mussolinische Regime und deren „veränderte Verhaltens der gesamten modernen Welt zum menschlichen Körper“ gemeint war; ein regressives Handeln gegenüber der modernen Welt, was den menschlichen Körper angeht. Noch im Jahre 1928 (also noch vor dem eigentlichen Schreibprozess) machte Mann dem deutschen Volke darauf Aufmerksam auch „Vor der eigenen Türe [zu] kehren“, womit gemeint war, dass auch in Deutschland der Faschismus auf den Straßen lauerte und sich bereit hält den Reichstag zu invadieren, was mit der Machtergreifung 1933 auch geschah. Immer wieder ermahnte Mann mit einem „Appel an die Vernunft“ vor dem ansteigenden Nationalsozialismus der später Weimarer Republik. Im Nachwort wird weiter darauf eingegangen, dass Mann sich wahrscheinlich bewusst gewesen ist, dass „Deutschland von der Mario und der Zauberer beschworen“ (S. 82) und sich mit dem Faschismus angesteckt hatte: "Und Wiewohl er sich einzureden versuchte, dass ein Cipolla in Deutschland nicht möglich sei, konnte er schwerlich die Lehre seiner Novelle ignorieren – die Lehre, dass auf die Widerstandskraft der deutschen Bürger gegenüber einem Bruder Cipollas nicht zu zählen war." (S. 83f.) An dieser Stelle eine klare Leseempfehlung für Mario und der Zauberer inklusive Nachwort von Hans Rudolf Vaget mit historischer Einordnung. Vielleicht hätte man noch ein bissiges Resümee für die heutige Zeit schreiben können, in der Populismus und Nationalismus sich in den europäischen Landen wieder erheben und sich gegenseitig den Rücken stärken.
Heute um nichts weniger wichtig als damals!
Nach vielen Jahren wieder gelesen, wieder fasziniert und schockiert gleichermaßen. Wie kunstvoll und anmutig der Autor beschreibt, was nationalistisches Gedankengut anrichten kann, ist unübertroffen. Und dann kommt da ein ekelhaftes, unangenehmes, wirklich durch und durch unsympathisches Männchen daher, das mit Versprechungen von Zerstreuung, Abwechslung und (zumindest kurzfristiger) Abkehr von der öden Wirklichkeit lockt. Das eigentlich durchschaubar ist, von der ersten Sekunde an, und man möchte den Protagonisten zurufen, sie mögen doch bitte aufstehen und die Veranstaltung verlassen. Aber sie bleiben. Und die perfide, menschenverachtende Show nimmt ihren Lauf. Man kann aus diesem kurzen, intensiven Büchlein so vieles herausnehmen und kommt beim Nachdenken an kein Ende. Und die offensichtlichste Thematik - Faschismus, Manipulation, Faszination des klar Bösen - war zur Zeit des Erscheinens wichtig und ist es heute nach wie vor. Wenn die Massen den ungustiösen, fiesen Typen zujubeln, ist das Drama vorprogrammiert. Ganz klare Empfehlung, immer wieder!
Da dies mein erstes Buch von Thomas Mann ist, möchte ich als erstes auf den Schreibstil eingehen, der ja doch sehr prägend und herausstechend ist. Ich persönlich mag es nicht wirklich gerne, wenn ein Buch nicht in klar abgegrenzte Kapitel unterteilt ist, da es dann immer so durchrauscht und keine Pause bietet. Auch sind die lang gestalteten Sätze auch nicht wirklich bremsend, sie begünstigen das Durchrauschen nur noch mehr. Die Geschichte an sich war meiner Meinung nach relativ leicht und vor sich hin treibend, man konnte es schnell durchlesen und wurde nicht stark beansprucht. Für mich ist es jetzt nicht unbedingt ein Buch, das man gelesen haben muss, aber es ist mal ganz nett für zwischendurch.
Es geht hier um eine Familie die inItalien Urlaub macht und dort ein Programm besucht wo es angeblich um einen Zauberer geht der sich dann aber sehr viel mehr zeigt er manipuliert seine Zuschauer unter anderem den Kellner Mario. Hier zeigt Mann den aufsteigenden Faschismus auf . Eine kurze Erzählung die man locker an einen Nachmittag gelesen hat
Die zweite Hälfte weit weniger fesselnd als die erste. Die ganze Show zieht sich dann doch. Inhaltlich und sprachlich habe ich ansonsten nichts zu meckern. Neben dem Bezug zum Faschismus, der sich aus heutiger Perspektive aufdrängt, sind die Themen rund um Willensfreiheit, die Manipulation der Psyche und dergleichen durchaus interessant. Die Novelle eignet sich aber vielleicht nicht unbedingt, allzu viel Sagenswertes zu diesen Themen zu transportieren. Ich habe den Eindruck, man kratze nur an der Oberfläche.
Für mich waren dies hier die beiden ersten Geschichten von Thomas Mann. Ich kann bisher nur sagen, dass ich vom Sprachlichen her sehr angetan bin und mir gefällt, in welcher Form er das darstellt, was er ausdrücken möchte. Und er vermag es besonders auszudrücken, was mich umso mehr beeindruckt. Tonio Kröger hat mir etwas besser gefallen, da diese Geschichte von einem Jungen handelt, der ähnlich ist, wie ich. Künstler, melancholischer Natur, vielleicht etwas anders. Er hat eine südländische Mutter, einen 'seltsamen' Namen und scheint nicht ganz so dazuzugehören, wie er es gerne hätte. Wir verfolgen, was später aus ihm wird und aus seinem Freund Hans, den er bewundert und in den er ein wenig verliebt ist und der das ganze Gegenteil von ihm ist, bürgerlich, gesund und mit tollen Zukunftsaussichten, dazu natürlich noch sehr ansehnlich und wohl stattlich. Ich fand Tonio - wohl da ich selbst Künstlerin bin, mich schon immer als solche sah, mir die Melancholie ebenfalls immer im Geist herumschwebt und auch ich ziemlich anders bin - wesentlich sympathischer. Ich habe gerne über ihn gelesen und vor allem gerne die Dialoge in diesem kurzen aber doch sehr prägnanten und aussagestarken Werk. Mario und der Zauberer waren ebenfalls sehr interessante Menschen und auch diese Geschichte gibt etwas ganz Wesentliches her. Ich fand die Aussage gut herausgearbeitet, auch wenn man bei Manns Geschichten wohl oder übel gut aufpassen muss, um sie zu erfassen. Vom Stilistischen und vom Inhaltlichen her konnte mich Tonio Kröger letztlich um einiges mehr packen, doch die Aussage beider Geschichten ist unglaublich lesenswert und allein deswegen empfinde ich dieses Buch hier schon als wichtig. Es stellt einige gesellschaftlichen Dinge und auch menschliche Aspekte in Frage und bietet viel Stoff zum Nachdenken und Sinnieren. Vielleicht sogar zum Philosophieren. Hat mir sehr gefallen.
Tatsächlich fand ich es gar nicht so schlecht, nachdem ich mich wieder die ersten Seiten an den Schreibstil gewöhnt hatte. Die Sätze sind zum Glück nur manchmal unerträglich lang und die Handlung wird durch "ein tragisches Reiseerlebnis" tatsächlich ganz gut beschrieben, unterhaltsam fand ich sie trotzdem.
Das Faschistoide ist ein Zauber, der sein Publikum Stück für Stück einlullt; dieser Zauber benebelt schleichend die Sinne, später den gesunden Menschenverstand. Das Publikum verspürt anfangs zwar Unbehagen, bleibt aber sitzen und applaudiert. Nach einer gewissen Zeit erscheint die "Abreise im Kleinen" sinnlos, weil auch für die "Abreise im Großen" bereits schon genug Gegenargumente gefunden wurden. Schritt für Schritt erscheinen Verbleib und Erdulden als die einzig gangbaren Möglichkeiten. Der Faschismus präsentiert sich erst ganz spät offen als Faschismus; dann, wenn es dem Publikum schon gar nicht mehr auffällt, was eigentlich passiert. Vorher kann er nur durch seine Methoden erkannt und benannt werden. Ansonsten bleibt letztendlich auf einen Mario zu hoffen.
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Thomas Manns berühmte Novelle – erstmals als schön ausgestattete Geschenkausgabe in Leinen
Torre di Venere, Mitte August: Es ist heiß und voll in dem italienischen Badeort an der Mittelmeerküste. Der Strand ist fest in der Hand der »inländischen Mittelklasse«, die sich als wenig gastfreundlich und anstrengend patriotisch erweist. »Ärger, Gereiztheit, Überspannung« liegen von Anfang an in der Luft und entladen sich eines Abends bei einer Vorstellung des Zauberers Cipolla. Durch Hypnose manipuliert Cipolla seine Zuschauer und findet im Kellner Mario das geeignete Opfer, das sich ihm willenlos unterwerfen soll … Thomas Manns 1930 erschienene Novelle wurde gleich nach Erscheinen als politische Parabel zum aufkommenden Faschismus in Europa gelesen. Ein zeitgenössischer Kritiker schrieb: »Wenn Mussolini etwas von Kunst verstünde, müsste er diese Novelle in Italien verbieten lassen.« Auch heute hat Thomas Manns meisterhafte Novelle nichts von ihrer Aktualität verloren.
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Author Description
Thomas Mann, 1875–1955, zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Mit ihm erreichte der moderne deutsche Roman den Anschluss an die Weltliteratur. Manns vielschichtiges Werk hat weltweit eine kaum zu übertreffende positive Resonanz gefunden. Ab 1933 lebte er im Exil, zuerst in der Schweiz, dann in den USA. Erst 1952 kehrte Mann nach Europa zurück, wo er 1955 in Zürich verstarb.
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Widerwillig verliebt in Thomas Mann
Lange Zeit (zu lange Zeit) habe ich es vor mir hergeschoben irgendwas von Thomas Mann zu lesen. "Das ist mal ein Projekt für später" habe ich mir immer wieder eingeredet. Tja, jetzt ist wohl später. Zu schwer. Zu sperrig. Zu umständlich. Zu konservativ. Ich hatte schon viele Vorurteile gehört. Ich muss sagen: Nichts davon hat für mich zugetroffen. Nach diesen beiden Kurzgeschichten bin ich verliebt in die Sprache von Thomas Mann und seine Gabe zu beobachten. Nach guten 5 Seiten machte es auch bei mir (endlich?) Klick: Deswegen also der Nobelpreis. Jetzt bin ich glücklich über das Thomas Mann-Universum das noch vor mir liegt und das es zu entdecken gilt. Unbedingt mehr davon!! 🪞💙🎭 In "Tonio Kröger" geht es um die Lebensstationen eines Mannes, der sein Leben der Kunst und dem Schreiben widmet und somit das Gefühl hat sein "echtes Leben" nicht wirklich leben zu können. Aber wie tröstlich ist der Gedanke, dass die Figuren die er erschafft, all diese Leben und noch viel mehr für ihn leben können? Auch ich habe Versionen von Hans Hansen und Ingeborg in meinem Leben und habe so so sehr mitgefühlt. "(...) und wenn ich Applaus vernahm, blickte ich heimlich um mich, ob ihr daran teilhättet..." 🇮🇹🪄😵💫 "Mario und der Zauberer" ist ganz anders aber nicht weniger tief. Ich war sofort in diesem Familienurlaubs-Mittelmeer-Gefühl drin. Wieder beschreibt Thomas Mann Kleinigkeiten so großartig, dass ich schon nach wenigen Seiten tief drin war. Er schafft es die Hitze, die Anspannung, das Unausgesprochene brilliant darzustellen. Auch die Thematik ist extrem stark. Ohne es groß auszusprechen, zeigt Mann, wie leicht sich Menschen beeinflussen lassen und wie schnell sich eine Dynamik entwickelt, die man nicht mehr kontrollieren kann.

Eine Kurzgeschichte als Einstieg, bevor es im Klassikleseclub an den Zauberberg von T. Mann geht
Ich hatte eine kleine, innere Abneigung gegen die Kurzgeschichte von Thomas Mann, der mir in Recherchen ein eher konservativer Mann vorgestellt wurde. Die Buddenbrocks fand ich langatmig und schwierig zu lesen und bin nie über den Anfang hinweg gekommen. Anfangs ging es mir bei Mario genauso. Die verschachtelten Sätze und das "Vorgeplänkel" war zwar nicht schwer zu verstehen, aber umständlich zu lesen. Aus diesem Grund habe ich nach dem ersten Teil von 24 Seiten eine Lesepause eingelegt und mir heute die restlichen Seiten vorgenommen. Tatsächlich verlief das Lesen flüssiger, ich habe Manns Ironie verstanden und war dann doch gefangen in der Geschichte, die letztendlich auch mit einem Showdown endete. Die politischen Parallelen zu Muselinis Zeiten konnte ich gut entdecken. Thomas Mann hat in seiner Geschichte den unsympathischen Mario als Willensbeuger und Befehlsgeber gut gezeichnet und die Zuschauer als mitschwimmende und feiernde Bevölkerung gut dargestellt. Alles in allem ein wirklich guter Einstieg in die Geschichten von Thomas Mann, die ich gut empfehlen kann
Auf der Rückseite steht, dass es ein fabelhaftes Buch ist. Naja, "fabelhaft" bezeichnet bei mir etwas anderes. Das hier eher nicht. Ich weiß auch, dass Thomas Mann einer der bedeutenden Schriftsteller Europas ist, aber das hat bei mir leider nicht funktioniert. Damals in der Schule hatte ich das lesen müssen, wusste aber heute nicht mehr, um was es ging. Beim Lesen fühlt man sich, als wäre man mit einer typisch deutschen Familie unterwegs. Überall und an allem gibt es was zu meckern. Sei es, dass der Magier zu spät zu seiner Show erscheint oder man in ein anderes Hotel gesteckt wird, weil die Dame einen Dauerhusten hat und damit andere Gäste nervt. Ich fühle mich beim lesen ein wenig gestresst und überlege schon, in diesem Jahr allein in Urlaub zu fahren. 😄 Thomas Mann versteht es, seine Figuren so unattraktiv darzustellen, dass einem die Lust auf eine Italien-Reise vergeht. Auch wenn der Roman Bezüge zum Faschismus aufweist, hat mich das Buch doch eher ratlos zurückgelassen.
(...) es sei ein und dieselbe Fähigkeit: Befehlen und Gehorchen, sie bildeten zusammen nur ein Prinzp, eine unauflösliche Einheit; wer zu gehorchen wisse, der wisse auch zu befehlen, und ebenso umgekehrt: der eine Gedanke sei in dem anderen einbegriffen, wie Volk und Führer ineinander einbegriffen seien, aber die Leistung, die äußerst strenge und aufreibende Leistung, sei jedenfalls seine, des Führers und Veranstalters, in welchem der Wille Gehorsam, der Gehorsam Wille werde, dessen Person die Geburtstäte beider sei, und der es also sehr schwer habe.

Ein Klassiker, ja. Aber für mich weniger Zugkraft als andere Werke von Thomas Mann
Man begleitet einen Vater mit seiner Familie in die Sommerfrische nach Italien - und die Klischees werden von Thomas Mann allesamt mit seiner unnachahmlichen Art herausgestellt, ohne mit der Keule daherzukommen. Das Verhalten den Deutschen, das Verhalten der Italiener, das Verhalten der Erwachsenen, das Verhalten der Kinder, das Verhalten der Touristen, das Verhalten der Angestellten… Mit wenigen Worten baut sich ein nachvollziehbares und schmerzhaft typisches Szenario auf, welches durchdrungen ist von dem sich aufbauenden Faschismus. Und genau an dieser Stelle ist ein gewissenhafter, nachdenkender und kritischer Leser gefragt. Ohne Hintergrundwissen bleibt die Haupthandlung, die Zaubershow, wirr und unklar. Versucht man Distanz zu halten, wie der Protagonist es versucht und nicht immer schafft, kann man die Kritik und die Warnung Manns erkennen. Besonders angesprochen hat mich die Tatsache, wie schnell oder wie widerwillig sich Menschen der Einflussnahme des Zauberers in seiner Show (es ist keine klassische Zaubershow) ergeben - auch der Erzähler. Selbst der Leser/ die Leserin läuft Gefahr hineingezogen zu werden. Dennoch hat mich diese Novelle von Mann weniger angesprochen als andere Werke - auch kürzere - von ihm. Dennoch ein wichtiges und gutes Buch.
Thomas Manns Werke „Tonio Kröger“ und „Mario und der Zauberer“ sind tiefgründige literarische Untersuchungen menschlicher Konflikte, Identität und Machtstrukturen. „Tonio Kröger“ thematisiert den inneren Konflikt eines Künstlers, der sich zwischen der bürgerlichen Welt und seiner künstlerischen Andersartigkeit hin- und hergerissen fühlt. Die Novelle ist geprägt von Manns sensibler Darstellung der Ambivalenz, mit der Tonio versucht, seinen Platz in der Welt zu finden. Sie beeindruckt durch ihre introspektive Tiefe und zeigt Manns Fähigkeit, komplexe Emotionen und universelle Themen in präziser Sprache zu gestalten. „Mario und der Zauberer“ ist eine symbolträchtige Erzählung, die die Machtstrukturen von Manipulation und Autorität untersucht. In einem Seebad wird die unheimliche Atmosphäre greifbar, als der Hypnotiseur Cipolla das Publikum unter seinen Bann zieht. Mann schafft eine beklemmende Allegorie auf die politischen Entwicklungen seiner Zeit und verdeutlicht, wie leicht Massen durch charismatische Persönlichkeiten manipuliert werden können. Beide Werke bestechen durch Manns sprachliche Meisterschaft und tiefgründige Analyse menschlicher und gesellschaftlicher Themen. „Tonio Kröger“ bietet eine intime Auseinandersetzung mit persönlichen Konflikten, während „Mario und der Zauberer“ eine beklemmende Warnung vor autoritärer Macht ist. Zusammen zeigen sie die Vielseitigkeit und den anhaltenden Reiz von Thomas Manns Schaffen.
In »Tonio Krüger« macht Thomas Mann Traurigkeit, Melancholie und tiefe Heimatlosigkeit spürbar, während sich eine bedrohliche Zeit bereits ankündigt. »Mario und der Zauberer« zeigt vor italienischer Urlaubskulisse eine dekadente Gesellschaft, in der manche „gleicher“ sind als andere. Spätestens mit dem Zauberer wird es unheimlich. Ein Buch, zu dem man immer wieder greifen kann. _____
Thomas Mann ist ein unglaublich virtuoser Erzähler. Das muss man ihm lassen. Aber hin und wieder habe ich den Eindruck, dass er von seinem Genius schon ein bissel sehr überzeugt ist, wenn er Satzgebilde zusammenschustert, bei denen mir schwindelig wird und ich unwillkürlich denke: „Herr Mann, mit der Hälfte der Worte hätt ich Ihrem Satz oder Gedanken bestimmt besser folgen können.“ Ich entschuldige mich für diesen kunstbanausigen Einschub. Denn Mann schafft es mit »Tonio Krüger«, der ersten Erzählung in diesem 126 Seiten dünnen Büchlein, die ganze Traurigkeit, Melancholie und das Gefühl einer aufs Tiefste empfundenen Heimatlosigkeit spürbar werden zu lassen. Bei einer fast schon gar nicht mehr so harmlosen Polizeikontrolle kann man die Flutwelle fast schon wittern. Ein sich noch in der Ferne auftürmender, hasserfüllter Nationalsozialismus, der alles wegspülen wird. In der zweiten Erzählung mit dem schönen Titel »Mario und der Zauberer« erleben wir das hochsommerliche Getümmel an einem italienischen Strand und in einem italienischen Urlaubsort, zu dem dieser Strand gehört. Und hier wird schon sehr deutlich, dass wohl alle Menschen gleich sind, doch es gibt auch die, die noch gleicher zu sein scheinen. Eine teils sehr dekadente Gesellschaft etabliert sich da am Strand und im Hotel. Und wenn dann der seltsam gestaltete Zauberer mit seinen fantastischen Kunststückchen auftritt, dann kann es einen schon nicht wenig gruseln. Lesenswert. Und das ist eines der Bücher, die man vielleicht immer wieder einmal zur Hand nehmen sollte.
2 Novellen in einem für Leser mit wenig Zeit
Da ich gerade wenig Zeit habe zu lesen, aber doch mal wieder Thomas Mann lesen wollte, bin ich auf dieses dünne Büchlein gestoßen. Es vereint "Tonio Kröger" und "Mario und der Zauberer" in einem Band. Was soll ich sagen? Die zweite Novelle gefällt mir besser, da es doch gerade wieder aktuell ist. Ein "Menschen"-Zauberer überzeugt seine Zuschauer durch Tricks zu Dinge, sie so nie machen würden und bezahlt (zum Glück) am Ende mit seinem eigenen Leben. Das Buch kann ich sehr empfehlen!
Zwei kleine Erzählungen des großen Thomas Mann. Für mich waren die beiden Novellen ein perfekter Einstieg in sein Werk: Die unverkennbare Sprache des Erzählers, das facettenreiche Portrait des bildungsbürgerlichen Milieus der Vorkriegszeit, die persönliche Auseinandersetzung des Autors mit der Homosexualität (Tonio Kröger) und mit dem Faschismus (Mario und der Zauberer).
An sich mochte ich die Geschichte um den namenlosen Erzähler und seine Familie, die in Italien der späten 20er Jahre Urlaub macht. Ich habe das Buch als Schullektüre gelesen, mich aber darauf gefreut, da es mein erstes Buch von Thomas Mann war und ich gute Dinge über seinen Stil und sein Werk gehört hatte. Ich habe auch Gefallen gefunden an seinem blumigen Schreibstil, zum Teil war es mir nur etwas zu kompliziert, zu verschachtelt und voller altmodischer Begriffe, um es zu verstehen und somit auch zu genießen. Manche Stellen musste ich bis zu dreimal lesen, um ihren Sinn zu verstehen – auch wenn das auch an mir gelegen haben kann, ich hatte generell etwas Probleme, mich beim Lesen zu konzentrieren.Ich freue mich darauf, die Themen der Novelle im Unterricht zu besprechen, denn auch wenn ich viele Dinge schon herausgelesen habe – die Kritik des Autors am damaligen Regime in Italien, der Gefallen, den manche Menschen daran finden, sich anderen völlig unterzuordnen; Verweise auf gewisse gesellschaftliche Probleme – gibt es bestimmt auch noch einiges, das ich überlesen oder noch nicht direkt bedacht habe.Alles in allem eine gute Novelle, ich werde bestimmt noch andere Werke von Mann lesen.
Mehr Tiefe als zu Beginn gedacht
Was anfangs wie eine einfache Urlaubserzählung wirkt, entpuppt sich schnell als tiefgründige Parabel über Manipulation, Unterdrückung und die Gefahren einer passiven Masse. Thomas Mann nutzt alltägliche Situationen, um schrittweise eine bedrückende Atmosphäre zu schaffen. Der Zauberer Cipolla verkörpert die Macht charismatischer Despoten und zeigt, wie leicht Menschen ihrer Freiheit beraubt werden können. Das Buch überrascht mit zunehmender Spannung und Anspruch und offenbart erst nach und nach seine komplexe Botschaft. Ein eindrucksvolles Werk, das zum Nachdenken anregt.
Dieses Buch habe ich für mein Studium gelesen. In dieser Vorlesung haben wir uns mit dem Thema "Magie" beschäftigt und "Mario und der Zauberer" war einer unserer Beispieltexte, mit denen wir uns beschäftigt haben. Und es war einer meiner liebsten Texte des Semesters. Viele der anderen kannte ich schon (zum Beispiel "Faust" von Goethe oder "Harry Potter" von J.K. Rowling) oder ich konnte damit nur wenig anfangen (zum Beispiel "The Tempest" von Shakespeare). "Mario und der Zauberer" habe ich verschlungen und innerhalb von zwei Tagen gelesen. Es ist jetzt auch kein besonders dickes Buch, hat gerade mal hundert Seiten, aber wenn ich bedenke, wie lange ich teilweise für andere kürzere Unitexte brauche, ist das recht schnell. Nach dem Lesen habe ich dann auch noch meinen Vater dazu gebracht, diesen Text ebenfalls zu lesen, da ich Redebedarf hatte. Und auch er war begeistert. Hier geht es um eine Familie, die in den 1920ern Urlaub in Italien macht. Mann hat dieses Buch 1930 geschrieben, der Nationalsozialismus und Faschismus köchelte also in Europa schon vor sich hin. Und darauf bezieht er sich in diesem Text auch. Er zeigt zum Beispiel, wie diese Familie in ein anderes Hotel umziehen muss, da sie von den anderen Gästen und den Besitzern aus dem anderen Hotel hinausgeekelt werden. Den größten Teil der Geschichte nimmt aber Herr Cipolla, der Zauberer ein. Die Reisenden erlauben ihren Kindern, zu einer Vorstellung dieses Zauberers zu gehen. Natürlich glauben die Eltern nicht an Zauberer und erwarten daher die üblichen Tricksereien: Kartentricks, verschwundene Taschentücher, vielleicht zersägte Menschen. Doch so ein Zauberer ist Herr Cipolla nicht. Stattdessen hypnotisiert er in seinen Vorstellungen Menschen. Und mehr kann ich euch nicht verraten, wenn ich nicht das Ende spoilern möchte. Was an diesem Buch besonders spannend ist, ist, dass wir während der Vorstellung von Herrn Cipolla nie genau wissen, was denn jetzt eigentlich passiert und was da jetzt Herrn Cipollas Werk ist und was der freie Wille der Menschen, die er zu sich auf die Bühne lockt. Mann zeigte hier auch, warum große Gruppen an Menschen gefährlich und unberechenbar sein können - was er ja zur selben Zeit auch in der Realität miterleben musste. Mein Fazit? Eine total spannende Lektüre, die mich fesseln konnte.
Mario und der Zauberer ist eine Novelle, die im faschistischen Italien spielt. Die Hauptsaison der Badezeit des Städtchens am Badestrand neigt sich langsam dem Ende zu, aber wird noch von der Mittelschicht des Staates Mussolinien bevölkert. Das Kind des Erzählers erhält die Erlaubnis nackt vom Badestrand ins Wasser zulaufen und wieder zurückzukommen. Ein Ansturm an Hohn, Anstoß und Widerspruch galt der kompletten Familie so musste sie einen hohen Betrag von 50 Lire zahlen. Es wird beschrieben, dass viele Eigenarten der Italiener nicht mehr so seien, wie sie einst waren, es wird von einem Fehlen der Atmosphäre von Unschuld und Zwanglosigkeit (S. 16) gesprochen; die „Idee der Nation“ (Ebd.) geht umher. So sah man den Nacktgang des Kindes als eine Beleidigung gegenüber den Staat und ihrer Bevölkerung. Eine Stimmung, die im Ganzen eher bedrohlich als entspannend bzw. „urlaubig“ ist, da auf die Wortwahl sowie das Verhalten geachtet werden muss. Der Autor fragt sich, ob man nun abreisen sollte, wenn sich das Leben „unheimlich, nicht ganz geheuer oder etwas peinlich und kränkend“ (S. 20) anfühlt. Darauf kommt, dass man bleiben solle, es sich ansehen und sich dem aussetzen solle, eben weil man dadurch vielleicht etwas lernen könnte ( Thomas Mann verlässt Deutschland selbst nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten). Der Plot geht weiter und die Familie besucht einen Zauberkünstler Cipolla, der sich um etwa eine halbe Stunde verspätet, was für Unruhe bei der Familie sorgt, weil die Kinder auch alsbald ins Bett müssten (Zeitdruck). Cipolla macht vielfache Zaubertricks, und lässt sein Publikum ihm mit seiner Peitsche gehorchen. Der unbedingte Gehorsam, sei nur die Kehrseite, andere Menschen befehlen zu wollen. Ähnlich wie im Hauptmann von Köpenick nach Oben buckeln nach unten treten (damit man Aufsteigen kann wird gehorcht und sich erhofft befehlen zu können). Schließlich sagt er noch „wer zu gehorchen wisse, der wisse auch zu befehlen und ebenso umgekehrt“ (S. 45). Weitere Kuriositäten finden statt und die Pause trifft ein. Der Erzähler zieht einen Vergleich, eine Personifikation des Ortes Torre Di Venere in dem Zauberkünstler Cipolla. Dass die Veranstaltung nicht Verlassen wird ist „unserer bloßen Seßhaftigkeit“ (S. 49) anzukreiden, etwas anderes weiß der Autor nicht anzubringen. Die zweite Hälfte des Programms diente Cipolla der Demonstration der Willensentziehung und Willensaufnötigung. Noch etwa 5-10 Seiten bis zum Ende und ich wusste nicht genau, welche Stellung Mario nun haben wird, da es sich langsam dem Ende zuspitzt, weshalb ich die vorherigen relevanten Plotteile mit einer anderen Sicht betrachtete. DAS ist die Handlung; die Willensentziehung und Oktroyierung des Führers Willen. Was Mario im Endeffekt mit der Novelle zu tun hat, vermag ich an dieser Stelle nicht zu beschreiben, damit die Lektüre gelesen und in dieser wunderschönen Ausgabe gekauft wird. So viel sei gesagt, dass der Vater letztendlich mit den Kindern aus dem Saal des Zauberkünstlers flüchtet. Bis zum Ende ist ein bedrohliches Setting zu spüren. Ein tragisches im Hinblick auf Manns Vergangenheit und Geschichte mit Italien. Im Nachwort findet man Informationen über den Entstehungsprozess der Novelle. Thomas Mann reiste im Spätsommer des Jahres 1926 in eine italienische Küstenstadt, seine Familie und Kinder mit dabei. Ihm fiel auf, dass ein fremdenfeindlicher nationaler Gemütszustand die Ortschaft prägte. Als „Italienliebhaber“ (S. 74) fand er den Gemütszustand „widerwärtig“ (Ebd.), was als schädlicher Einfluss des Duce Benito Mussolini gesehen wurde. Er bezeichnete seine Eindrücke als einen zivilisatorischen Niveauverlust. Die nackende Tochter des Autoren während des Badeurlaubs wurde als eine Beleidigung Italiens aufgeführt, womit das mussolinische Regime und deren „veränderte Verhaltens der gesamten modernen Welt zum menschlichen Körper“ gemeint war; ein regressives Handeln gegenüber der modernen Welt, was den menschlichen Körper angeht. Noch im Jahre 1928 (also noch vor dem eigentlichen Schreibprozess) machte Mann dem deutschen Volke darauf Aufmerksam auch „Vor der eigenen Türe [zu] kehren“, womit gemeint war, dass auch in Deutschland der Faschismus auf den Straßen lauerte und sich bereit hält den Reichstag zu invadieren, was mit der Machtergreifung 1933 auch geschah. Immer wieder ermahnte Mann mit einem „Appel an die Vernunft“ vor dem ansteigenden Nationalsozialismus der später Weimarer Republik. Im Nachwort wird weiter darauf eingegangen, dass Mann sich wahrscheinlich bewusst gewesen ist, dass „Deutschland von der Mario und der Zauberer beschworen“ (S. 82) und sich mit dem Faschismus angesteckt hatte: "Und Wiewohl er sich einzureden versuchte, dass ein Cipolla in Deutschland nicht möglich sei, konnte er schwerlich die Lehre seiner Novelle ignorieren – die Lehre, dass auf die Widerstandskraft der deutschen Bürger gegenüber einem Bruder Cipollas nicht zu zählen war." (S. 83f.) An dieser Stelle eine klare Leseempfehlung für Mario und der Zauberer inklusive Nachwort von Hans Rudolf Vaget mit historischer Einordnung. Vielleicht hätte man noch ein bissiges Resümee für die heutige Zeit schreiben können, in der Populismus und Nationalismus sich in den europäischen Landen wieder erheben und sich gegenseitig den Rücken stärken.
Heute um nichts weniger wichtig als damals!
Nach vielen Jahren wieder gelesen, wieder fasziniert und schockiert gleichermaßen. Wie kunstvoll und anmutig der Autor beschreibt, was nationalistisches Gedankengut anrichten kann, ist unübertroffen. Und dann kommt da ein ekelhaftes, unangenehmes, wirklich durch und durch unsympathisches Männchen daher, das mit Versprechungen von Zerstreuung, Abwechslung und (zumindest kurzfristiger) Abkehr von der öden Wirklichkeit lockt. Das eigentlich durchschaubar ist, von der ersten Sekunde an, und man möchte den Protagonisten zurufen, sie mögen doch bitte aufstehen und die Veranstaltung verlassen. Aber sie bleiben. Und die perfide, menschenverachtende Show nimmt ihren Lauf. Man kann aus diesem kurzen, intensiven Büchlein so vieles herausnehmen und kommt beim Nachdenken an kein Ende. Und die offensichtlichste Thematik - Faschismus, Manipulation, Faszination des klar Bösen - war zur Zeit des Erscheinens wichtig und ist es heute nach wie vor. Wenn die Massen den ungustiösen, fiesen Typen zujubeln, ist das Drama vorprogrammiert. Ganz klare Empfehlung, immer wieder!
Da dies mein erstes Buch von Thomas Mann ist, möchte ich als erstes auf den Schreibstil eingehen, der ja doch sehr prägend und herausstechend ist. Ich persönlich mag es nicht wirklich gerne, wenn ein Buch nicht in klar abgegrenzte Kapitel unterteilt ist, da es dann immer so durchrauscht und keine Pause bietet. Auch sind die lang gestalteten Sätze auch nicht wirklich bremsend, sie begünstigen das Durchrauschen nur noch mehr. Die Geschichte an sich war meiner Meinung nach relativ leicht und vor sich hin treibend, man konnte es schnell durchlesen und wurde nicht stark beansprucht. Für mich ist es jetzt nicht unbedingt ein Buch, das man gelesen haben muss, aber es ist mal ganz nett für zwischendurch.
Es geht hier um eine Familie die inItalien Urlaub macht und dort ein Programm besucht wo es angeblich um einen Zauberer geht der sich dann aber sehr viel mehr zeigt er manipuliert seine Zuschauer unter anderem den Kellner Mario. Hier zeigt Mann den aufsteigenden Faschismus auf . Eine kurze Erzählung die man locker an einen Nachmittag gelesen hat
Die zweite Hälfte weit weniger fesselnd als die erste. Die ganze Show zieht sich dann doch. Inhaltlich und sprachlich habe ich ansonsten nichts zu meckern. Neben dem Bezug zum Faschismus, der sich aus heutiger Perspektive aufdrängt, sind die Themen rund um Willensfreiheit, die Manipulation der Psyche und dergleichen durchaus interessant. Die Novelle eignet sich aber vielleicht nicht unbedingt, allzu viel Sagenswertes zu diesen Themen zu transportieren. Ich habe den Eindruck, man kratze nur an der Oberfläche.
Für mich waren dies hier die beiden ersten Geschichten von Thomas Mann. Ich kann bisher nur sagen, dass ich vom Sprachlichen her sehr angetan bin und mir gefällt, in welcher Form er das darstellt, was er ausdrücken möchte. Und er vermag es besonders auszudrücken, was mich umso mehr beeindruckt. Tonio Kröger hat mir etwas besser gefallen, da diese Geschichte von einem Jungen handelt, der ähnlich ist, wie ich. Künstler, melancholischer Natur, vielleicht etwas anders. Er hat eine südländische Mutter, einen 'seltsamen' Namen und scheint nicht ganz so dazuzugehören, wie er es gerne hätte. Wir verfolgen, was später aus ihm wird und aus seinem Freund Hans, den er bewundert und in den er ein wenig verliebt ist und der das ganze Gegenteil von ihm ist, bürgerlich, gesund und mit tollen Zukunftsaussichten, dazu natürlich noch sehr ansehnlich und wohl stattlich. Ich fand Tonio - wohl da ich selbst Künstlerin bin, mich schon immer als solche sah, mir die Melancholie ebenfalls immer im Geist herumschwebt und auch ich ziemlich anders bin - wesentlich sympathischer. Ich habe gerne über ihn gelesen und vor allem gerne die Dialoge in diesem kurzen aber doch sehr prägnanten und aussagestarken Werk. Mario und der Zauberer waren ebenfalls sehr interessante Menschen und auch diese Geschichte gibt etwas ganz Wesentliches her. Ich fand die Aussage gut herausgearbeitet, auch wenn man bei Manns Geschichten wohl oder übel gut aufpassen muss, um sie zu erfassen. Vom Stilistischen und vom Inhaltlichen her konnte mich Tonio Kröger letztlich um einiges mehr packen, doch die Aussage beider Geschichten ist unglaublich lesenswert und allein deswegen empfinde ich dieses Buch hier schon als wichtig. Es stellt einige gesellschaftlichen Dinge und auch menschliche Aspekte in Frage und bietet viel Stoff zum Nachdenken und Sinnieren. Vielleicht sogar zum Philosophieren. Hat mir sehr gefallen.
Tatsächlich fand ich es gar nicht so schlecht, nachdem ich mich wieder die ersten Seiten an den Schreibstil gewöhnt hatte. Die Sätze sind zum Glück nur manchmal unerträglich lang und die Handlung wird durch "ein tragisches Reiseerlebnis" tatsächlich ganz gut beschrieben, unterhaltsam fand ich sie trotzdem.
Das Faschistoide ist ein Zauber, der sein Publikum Stück für Stück einlullt; dieser Zauber benebelt schleichend die Sinne, später den gesunden Menschenverstand. Das Publikum verspürt anfangs zwar Unbehagen, bleibt aber sitzen und applaudiert. Nach einer gewissen Zeit erscheint die "Abreise im Kleinen" sinnlos, weil auch für die "Abreise im Großen" bereits schon genug Gegenargumente gefunden wurden. Schritt für Schritt erscheinen Verbleib und Erdulden als die einzig gangbaren Möglichkeiten. Der Faschismus präsentiert sich erst ganz spät offen als Faschismus; dann, wenn es dem Publikum schon gar nicht mehr auffällt, was eigentlich passiert. Vorher kann er nur durch seine Methoden erkannt und benannt werden. Ansonsten bleibt letztendlich auf einen Mario zu hoffen.













































