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Worum gehts hier? Wahrheit oder doch erfunden? Delphine ist nachmittags noch auf einer Signierstunde auf einer Pariser Buchmesse und abends auf einer Party. Auf dieser Party lernt sie L. kennen. Sie ist gleich angetan von ihr als Person, L. strahlt etwas Besonderes aus und Delphine fühlt sich verstanden wie selten zuvor. Bald nimmt L. einen großen Raum in ihrem Leben ein, scheint dauerpräsent und hat starken Einfluss auf Delphine und ihr Leben. Selbst in Delphines Schreiben will L. sich einmischen und regelmäßig streiten sie über das Thema des neuen Buches. L. möchte, dass Delphine mehr Wahrheit in ihr Roman packt und Delphine will lieber fiktiv schreiben. Ich kann nur sagen, dass mir erst im Nachgang klar geworden ist, wie gut dieser Roman doch war. Direkt nach dem Beenden war ich etwas zwiegespalten. Einerseits war ich mal wieder absolut begeistert von De Vigans Schreibstil. Ich liebe ihre präzise und gefühlvolle Sprache. Jeder Satz ist gekonnt eingesetzt, erzählt viel und doch nicht zu viel. Und anderseits hätte ich es mir in der Mitte etwas strammer gewünscht und ich war etwas genervt von L.´s Art und Delphines Schreibblockade. Doch diese Länge war im Nachhinein passend, denn dadurch hat sie mir die nervenaufreibende Situation einer Autorin nähergebracht, die daran verzweifelt, kein einziges Wort mehr schreiben zu können. Im letzten Drittel legte es wieder an Tempo zu, sodass ich voller Spannung durch die Seiten geflogen bin. Für mich gibt es zwei Ebenen des Buches. Einmal die Erzählung über die komische Freundschaft zwischen L. und Delphine, welche hier und da wirklich etwas Unheimliches an sich hatte und einen Touch von Psycho-Thriller. Und dann gibt es noch eine Metaebene. Der Streit zwischen L. und Delphine über die Vorlieben der Leser, ob diese eher biografische oder fiktionale Geschichten bevorzugen, hat mich selbst über das Thema nachdenken lassen. Was lese ich gerne? Wie viel Wahrheit steckt in einer erdachten Geschichte und wie viel Erdichtetes in einer wahren Geschichte? Kann man die wahre Geschichte ohne Fiktion erzählen? Ich fand es sehr gut, wie die Autorin diese Frage in die Geschichte eingearbeitet hat und diese die ganze Zeit über allem schwebte - über der Freundschaft von L und Delphine, über mir als Leserin und über dem ganzen Roman. Schwer hier eine klare Bewertung abzugeben. Schwankt zwischen 3,5 und 4. S.60 „L. reaktivierte es: diese ausschließliche und gebieterische Art einer Verbindung mit einem anderen, wie man sie mit siebzehn erleben kann.“ S.76 „Sobald man Dinge auslässt, etwas ausdehnt oder verdichtet, Lücken füllt, ist man im Reich der Fiktion. Ich suchte nach der Wahrheit, ja, da hast du recht. […]Ich überlegte eine Sekunde lang, ob ich den berühmten Satz von Jules Renard zitieren sollte, wonach eine Wahrheit, die über fünf Zeilen hinausgehe, bereits ein Roman sei, aber ich hielt mich zurück.“
4. März 2025
Worum gehts hier? Wahrheit oder doch erfunden? Delphine ist nachmittags noch auf einer Signierstunde auf einer Pariser Buchmesse und abends auf einer Party. Auf dieser Party lernt sie L. kennen. Sie ist gleich angetan von ihr als Person, L. strahlt etwas Besonderes aus und Delphine fühlt sich verstanden wie selten zuvor. Bald nimmt L. einen großen Raum in ihrem Leben ein, scheint dauerpräsent und hat starken Einfluss auf Delphine und ihr Leben. Selbst in Delphines Schreiben will L. sich einmischen und regelmäßig streiten sie über das Thema des neuen Buches. L. möchte, dass Delphine mehr Wahrheit in ihr Roman packt und Delphine will lieber fiktiv schreiben. Ich kann nur sagen, dass mir erst im Nachgang klar geworden ist, wie gut dieser Roman doch war. Direkt nach dem Beenden war ich etwas zwiegespalten. Einerseits war ich mal wieder absolut begeistert von De Vigans Schreibstil. Ich liebe ihre präzise und gefühlvolle Sprache. Jeder Satz ist gekonnt eingesetzt, erzählt viel und doch nicht zu viel. Und anderseits hätte ich es mir in der Mitte etwas strammer gewünscht und ich war etwas genervt von L.´s Art und Delphines Schreibblockade. Doch diese Länge war im Nachhinein passend, denn dadurch hat sie mir die nervenaufreibende Situation einer Autorin nähergebracht, die daran verzweifelt, kein einziges Wort mehr schreiben zu können. Im letzten Drittel legte es wieder an Tempo zu, sodass ich voller Spannung durch die Seiten geflogen bin. Für mich gibt es zwei Ebenen des Buches. Einmal die Erzählung über die komische Freundschaft zwischen L. und Delphine, welche hier und da wirklich etwas Unheimliches an sich hatte und einen Touch von Psycho-Thriller. Und dann gibt es noch eine Metaebene. Der Streit zwischen L. und Delphine über die Vorlieben der Leser, ob diese eher biografische oder fiktionale Geschichten bevorzugen, hat mich selbst über das Thema nachdenken lassen. Was lese ich gerne? Wie viel Wahrheit steckt in einer erdachten Geschichte und wie viel Erdichtetes in einer wahren Geschichte? Kann man die wahre Geschichte ohne Fiktion erzählen? Ich fand es sehr gut, wie die Autorin diese Frage in die Geschichte eingearbeitet hat und diese die ganze Zeit über allem schwebte - über der Freundschaft von L und Delphine, über mir als Leserin und über dem ganzen Roman. Schwer hier eine klare Bewertung abzugeben. Schwankt zwischen 3,5 und 4. S.60 „L. reaktivierte es: diese ausschließliche und gebieterische Art einer Verbindung mit einem anderen, wie man sie mit siebzehn erleben kann.“ S.76 „Sobald man Dinge auslässt, etwas ausdehnt oder verdichtet, Lücken füllt, ist man im Reich der Fiktion. Ich suchte nach der Wahrheit, ja, da hast du recht. […]Ich überlegte eine Sekunde lang, ob ich den berühmten Satz von Jules Renard zitieren sollte, wonach eine Wahrheit, die über fünf Zeilen hinausgehe, bereits ein Roman sei, aber ich hielt mich zurück.“
4. März 2025






