Blick ins Buch

Biografien

Meine Schwester

4,2(74)
Sofort lieferbarKostenloser Versand
Jetzt kaufen

Über das Buch

Kann ein Buch einen Lebensschmerz überwinden? Ja.

Als die Fotografin Bettina Flitner vor einigen Jahren vom Suizid ihrer geliebten Schwester erfuhr, waren die ersten Reaktionen Schock, Lähmung und Verzweiflung. Doch dann entschied sie sich zum Erzählen. Das Ergebnis ist ein tief bewegender, meisterhafter Text, ein Buch der Befreiung.

Mit einem an der Fotografie geschulten, unbestechlichen Blick, voller Hingabe, Witz und Traurigkeit erzählt Bettina Flitner die Geschichte einer innigen Geschwisterbeziehung: eine Kindheit der 70er Jahre, die Jahre auf der Waldorfschule, die Erinnerung an die charismatischen Großeltern, darunter ein berühmter Reformpädagoge, der Vater ein Kulturmanager und Exponent des links-liberalen Bildungsbürgertums der alten BRD, ein Jahr in New York, die Ferien auf Capri, die ersten Liebesabenteuer in der Pubertät. Und dann die Risse: die Überforderung der Kinder durch das Leben der Eltern im Zeichen sexueller Libertinage, die Flucht der Mutter in die Depression, die unerfüllbaren Berufserwartungen der Eltern an die Töchter. Bettina Flitners Buch ist ein bewundernswert mutiger Schritt, sich den Gespenstern der gemeinsamen Vergangenheit zu stellen, sich von diesen zu befreien und so den Tod geliebter Menschen verarbeiten zu können. Ein Buch über ein Thema, das für viele Menschen immer noch von Tabus und Schweigen besetzt ist.

Editionen (4)

ISBN9783462002379
VerlagKiepenheuer & Witsch
Erscheinungsdatum10.02.22
Seitenzahl320

Rezensionen & Bewertungen

74 Bewertungen

7 Rezensionen

4,2

Tippen zum Filtern

  • bea777
    bea777

    482 Follower

    4,0

    Bewegende Trauerverarbeitung nach dem Suizid der Schwester

    Die Schwester von Bettina Flitner nimmt sich nach Jahren psychischer Erkrankungen das Leben. Bettina verarbeitet den Verlust durch das Schreiben dieses Buchrs in dem sie uns mitnimmt in ihre Kindheit und Jugend, die sie in einer engen Bindung mit ihrer Schwester verbringt. Wir erhalten Einblick in die Ehe der Eltern, die mich sehr verstört hat, in die Depressionen der Mutter und in die patriarchen Auswüchse des Großvaters. Durch Andeutungen und zwischen den Zeilen wird das seelische Ungleichgewicht der Schwester immer deutlicher. Wenn man genau hinschaut, wird es schon in der Jugend durch Selbstzweifel und Zerstörungswut deutlich. Bettina Fltner wechselt in den Zeitebnen zwischen Kindheit und hier und jetzt, dem Tag, an dem sie vom Suizid ihrer Schwester erfährt. Mit diesem Tag startet und endet das Buch und zwischendurch bewegen wir uns mit ihr auf die Katastrophe zu. Aufgrund des Themas kann ich das Buch nicht uneingeschränkt empfehlen, aber es ist sehr lesenswert. Triggerwarnung: Suizid, Essstörung, Zwangsstörungen, Tod und Trauer Zitat S. 51: Vielleicht hatte sie einen Termin mit dem Berater des Jobcenters, wie das Arbeitsamt jetzt hieß. Jobcenter, wie billig das klang, da gab es keine Arbeit mehr zu vergeben, sondern nur noch billige Jobs zu verhökern.

    6 Tage vor

  • read.and.repeat
    read.and.repeat

    77 Follower

    4,5

    Ein tief bewegendes autobiografisches Werk. Große Empfehlung!

    Bettina Flitner schreibt über den Suizid ihrer Schwester und damit verbunden über ihre gemeinsame Kindheit und das Heranwachsen, bis zu dem Verhältnis, welches die Schwestern als Erwachsene hatten. Sie schreibt darüber, wie es ist, andauernd umzuziehen, über das Auseinanderbrechen der Familie als Ganzes und das Auseinanderbrechen der Mutter und der Schwester im Einzelnen. Bettina Flitner schreibt mit unaufgeregten Worten, ganz ruhig, über das was sie erlebt hat. Ihre Sätze haben mich immer wieder inne halten lassen, ich war tief erschüttert, habe geweint und musste ein paar Seiten später wieder schmunzeln. Man spürt alle Facetten des Lebens, Tragik und Schwere, als auch Leichtigkeit und Freude.

    Ein tief bewegendes autobiografisches Werk. Große Empfehlung!

    17. Dez. 2025

  • hamburger.lesemaus
    hamburger.lesemaus

    400 Follower

    5,0

    MEINE SCHWESTER Bettina Flitner TW: Depression, Suizid „Wir waren zu zweit durch diese Wüste gegangen, meine Schwester und ich. Zu zweit gewandert durch diese erschöpfende Weite. Zu Beginn war der Winkel zwischen unseren Wegen kaum sichtbar, kaum messbar gewesen. Aber er wurde doch größer mit jedem Schritt. Mit jedem Schritt entfernten wir uns mehr voneinander. Meine Schwester wählte die Liebe, ich die Achtung“. (S. 176/177) Abends um 20 Uhr kam der Anruf: Susanne, ihre große Schwester ist tot, sie hat sich im Badezimmer erhängt. Wie kann das sein? Sie hatten sich doch damals, nach dem Freitod der Mutter geschworen, dem anderen Bescheid zu geben, sollte sich irgendwann auch mal einer von ihnen umbringen wollen. Vielleicht hatte Susanne auch Bescheid gegeben? Tinas Telefon hatte ja zuvor geklingelt und sie hatte auch den Namen ihrer Schwester auf dem Display gesehen - nur angenommen hatte sie den Anruf nicht. Sie hatte keine Zeit für ihre Schwester - für ein Gespräch das wieder mindestens eine Stunde über ihre Ängste und Depressionen dauern würde. Und jetzt war es zu spät. In Rückblicken erfahren wir die Familiengeschichte der Autorin. Lernen ihre Eltern kennen, die es mit der Aufsichtspflicht nicht immer so ganz genau nehmen und deren Affären wichtiger sind, als den Mädchen ein Abendessen zu kochen. Treffen die Großeltern, die aus ihren zugewiesenen Rollen der 70er-Jahre nicht ausbrechen können und bei denen man sich entscheiden muss, ob man Liebe oder Achtung bekommen möchte. Doch die Mädchen halten zusammen und sind ein Team, bis sich irgendwas ändert. Die autobiografische Geschichte von Bettina Flitner hat mich sehr berührt. Ich habe das Buch in 1½ Tagen gelesen und konnte es kaum zur Seite legen. Wunderschöne Sätze haben mich durch diese traurige Geschichte getragen, den Vergleich mit den Raben während der Depressionsschübe der Mutter fand ich wunderschön. Diverse Male hatte ich Flashbacks - zu schön sind diese kleinen Beschreibungen von Süßigkeiten, Zeitschriften und den typischen Lebenssituationen in den 70er-Jahren. Fazit: Ein faszinierendes Buch, das man gelesen haben muss. Traurig und wunderschön. 5/ 5

    12. Feb. 2024

3 von 7 Rezensionen

SocialReads

Seitenbasierte Kommentare

Seite 320100%
doro20
doro2030. Dez. 2025

Beeindruckende Schilderung einer Geschwisterlich engen Bindung, die sich durch Emanzipation auflöst. Erwachsene, die mit sich selbst beschäftigt sind, 60er Jahre Kindheit in Westdeutschland.

Autorin / Autor

Über Bettina Flitner

Bettina Flitner ist 1961 in Köln geboren, wo sie auch heute wieder lebt. Sie startete als Filmemacherin, arbeitet aber nach ihrem Studium an der Film- und Fernsehakademie in Berlin als Fotografin. Oft kombiniert sie in ihren Arbeiten, die in vielen Galerie- und Museumsausstellungen gezeigt wurden, Fotografie und Text. Sie arbeitet u. a. für Zeitschriften und veröffentlichte zahlreiche Bücher. Zuletzt erschien bei Kiepenheuer & Witsch »Meine Schwester«.

Lesen ist schöner mit der READO App.

Bücher entdecken, tracken, gemeinsam lesen.

Bibliothek

Behalte den Überblick