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Kassandra

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Über das Buch

Als Christa Wolf 1982 ihre Poetik-Vorlesungen an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt hielt, wurde daraus ein literarisches Ereignis von seltener Intensität: Es entstand Kassandra – ein Werk, das längst zu den Klassikern der modernen Literatur zählt.

Im Rückgriff auf den Mythos des Trojanischen Krieges entwirft Wolf das eindringliche Selbstgespräch einer Frau, die im Moment des Untergangs ihr Leben und ihre Wahrheiten befragt. Kassandras Ringen um Autonomie, ihre Klarheit und ihr Widerstand gegen patriarchale Strukturen machen die Erzählung zu einem zeitlosen Zeugnis weiblicher Erfahrung und Selbstbestimmung.

Ergänzt werden diese Texte durch die Poetik-Vorlesungen Voraussetzungen einer Erzählung , in denen Christa Wolf den Entstehungsprozess von Kassandra reflektiert. So entsteht ein dichtes Geflecht aus Dichtung und Selbstbefragung – ein Werk von bleibender Relevanz, das bis heute nichts von seiner Dringlichkeit verloren hat.

Editionen (17)

ISBN9783518460528
VerlagSuhrkamp
Erscheinungsdatum20.08.08
Seitenzahl178

Rezensionen & Bewertungen

101 Bewertungen

16 Rezensionen

3,8

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  • yaduria1982
    yaduria1982

    268 Follower

    3,0

    Nicht mein Buch. Schwer zu lesen, der Schreibstil zäh, man wird ohne Einleitung in die Geschichte geworfen und das Fehlen von Kapiteln und Einteilungen hat mich in den Wahnsinn getrieben.

    21. Aug. 2025

  • strandpipare
    strandpipare

    91 Follower

    5,0

    Ein bewegendes und forderndes Buch

    „Der gleiche Himmel über Mykene wie über Troia, nur leer. Emailleschimmernd, unzugänglich, blankgefegt. Etwas in mir entspricht der Himmelsleere über dem feindlichen Land. Doch alles, was mir widerfahren ist, hat in mir seine Entsprechung gefunden.“ (S. 6) Christa Wolfs „Kassandra“ (1983) hat mich bewegt und gefordert wie nur wenige Texte zuvor. Er ist inhaltlich dicht und verschlüsselt, dabei aber aufgrund des gegebenen Interpretationsspielraums nicht unverständlich. In einer poetischen und gleichzeitig klaren, pointierten Sprache äußert die Seherin Kassandra im Angesicht der nahenden Hinrichtung Gedanken zu familiären und gesellschaftlichen (Macht-, Geschlechter-) Verhältnissen und zu der Frage, wie Krieg entsteht und was er mit einer Gesellschaft macht. Was ist wichtiger: sich selbst treu bleiben oder überleben? Dabei ist Krieg nicht unbedingt wörtlich im Sinne des behandelten Trojanischen Krieges zu sehen, sondern kann auch auf gesellschaftliche Konflikte übertragen werden. An vielen Stellen hatte ich beim Lesen einen Kloß im Hals, da der Text nichts von seiner Aktualität verloren hat. Obwohl es einige Elemente/ Textstellen gibt, in denen ich Anspielungen auf die Verhältnisse in der DDR erkannt habe, lassen sich die Grundgedanken des Textes problemlos auf andere Zeiten und Gesellschaften übertragen. Es zeigt sich, dass sich an den Grundkonflikten der Menschheit seit der Antike nur wenig geändert hat. Kassandra als Person und Ich-Erzählerin ist in ihrer Vielschichtigkeit und Widersprüchlichkeit unglaublich faszinierend. Als Lieblingstochter des Königs Priamos und Priesterin des Apollon-Tempels ist sie in ihrer gesellschaftlichen Stellung zunächst herausgehoben und lernt doch, dass es manchmal angemessener und wirksamer ist, aus Protest zu schweigen. So viel mehr könnte man zu diesem Text schreiben, der, wie mir aus Nachrichten zu meinem Lesevorhaben und aus Gesprächen mit meiner Mama klar geworden ist, nicht für jeden den gleichen Zauber entfaltet. Ich habe ihn sehr ins Herz geschlossen. Wenn man, wie ich, in griechischer Mythologie nicht so bewandert ist, empfehle ich für den Einstieg eine Personen- und Rollenübersicht. Ich hatte auch einen Lektüreschlüssel zur Hand, in dem ich tatsächlich nur Biographisches zu Christa Wolf gelesen - und eben die Figurenübersicht genutzt habe. Vielleicht lese ich später noch mal nach, welche Deutungen der Autor des Schlüssels gefunden hat. 😅

    1. Juni 2024

  • elena_liest
    elena_liest

    248 Follower

    2,5

    Die Geschichte von Christa Wolfs "Kassandra" beginnt eigentlich am Ende: Kassandra sitzt auf dem Beutewagen des Agamemnon, weiß, dass sie bald getötet werden wird, und blickt auf ihr Leben zurück. Ihre Gedanken mäandern dabei, nach und nach offenbart sich ihr Schicksal. Kassandra gehört zur Oberschicht in Troja, ihr Vater ist ein mächtiger Mann, sie möchte gerne Seherin werden. Diesen Wunsch erfüllt ihr der Gott Apollo zunächst, weil er mit ihr schlafen möchte, als sie sich weigert, verflucht er sie: Sie kann zwar die Zukunft vorhersehen, aber niemand wird ihr glauben. So sieht sie auch den Fall Trojas voraus, muss aber hilflos zusehen, wie sie und alle Menschen, die sie liebt, ins Verderben gestürzt werden. Christa Wolf, eine der wichtigsten Autorinnen der DDR, interpretiert die Geschichte des Trojanischen Krieges mit "Kassandra" neu, sie verleiht ihr eine weibliche, feministische Perspektive, was ich grundsätzlich großartig finde. Leider habe ich den Text aber als extrem schwer zugänglich und sehr wirr empfunden, ich konnte Wolfs Erzählung nur mit großer Mühe folgen. Die poetische Sprache scheint, obwohl 1983 erschienen, wie aus der Zeit gefallen, es gibt keine Kapitel, kaum Absätze. Während und nach dem Lesen des Romans habe ich viel zu Hintergründen und Interpretationen recherchiert, so habe ich doch ein wenig mehr verstanden - richtig Spaß macht das Lesen aber nicht. Wodurch mir Christa Wolfs Kassandra und die Frauen Trojas letztlich aber doch näher gebracht wurden, sind die ausdrucksstarken und farbprächtigen Illustrationen von Nadine Prange in der neuen, wunderschönen Ausgabe der Büchergilde. Textstellen, die der Illustratorin besonders ins Auge fielen, hat sie eindrucksvoll bebildert, manche Motive kehren immer wieder. Von mir gibt es daher eine Empfehlung insbesondere für die Büchergilde-Version der "Kassandra" - für das Buch selbst muss man finde ich schon sehr Fan von Literaturinterpretation sein, um es wirklich genießen zu können.

    28. Apr. 2025

3 von 16 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Christa Wolf

Christa Wolf, geboren 1929 in Landsberg/Warthe (Gorzów Wielkopolski), lebte in Berlin und Woserin, Mecklenburg-Vorpommern. Ihr Werk wurde mit zahlreichen Preisen, darunter dem Georg-Büchner-Preis, dem Thomas-Mann-Preis und dem Uwe-Johnson-Preis, ausgezeichnet. Sie verstarb am 1. Dezember 2011 in Berlin.

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