Blick ins Buch

Romane

Kairos

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Über das Buch

»Eine der größten lebenden Erzählerinnen, die (nicht nur) wir haben.« Andreas Platthaus, FAZ

Die neunzehnjährige Katharina und Hans, ein verheirateter Mann Mitte fünfzig, begegnen sich Ende der achtziger Jahre in Ostberlin, zufällig, und kommen für die nächsten Jahre nicht voneinander los. Vor dem Hintergrund der untergehenden DDR und des Umbruchs nach 1989 erzählt Jenny Erpenbeck in ihrer unverwechselbaren Sprache von den Abgründen des Glücks – vom Weg zweier Liebender im Grenzgebiet zwischen Wahrheit und Lüge, von Obsession und Gewalt, Hass und Hoffnung. Alles in ihrem Leben verwandelt sich noch in derselben Sekunde, in der es geschieht, in etwas Verlorenes. Die Grenze ist immer nur ein Augenblick.

»Erpenbecks beklemmende Entfaltung einer Amour fou, die mit dem Untergang des Staates synchronisiert wird, entwickelt einen beispiellosen Sog. Es ist ein großer, schöner und grausamer Liebesroman, der zu Recht ausgezeichnet worden ist.« Adam Soboczynski, Die Zeit

»Jenny Erpenbeck erzählt in ›Kairos‹ von der existentiellen Verlorenheit einer ganzen Generation.« Maike Albath, Deutschlandfunk ›Büchermarkt‹

»Erpenbeck demonstriert in ›Kairos‹ ihre sprachlichen und literarischen Qualitäten.« Gerrit Bartels, Tagesspiegel

Editionen (4)

ISBN9783328600855
VerlagPenguin
Erscheinungsdatum30.08.21
Seitenzahl384

Merkmale

4 Bewertungen

MittelPoetischNachdenklichKomplexTraurigVerstörend

Rezensionen & Bewertungen

321 Bewertungen

56 Rezensionen

3,4

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  • taunusleserin
    taunusleserin

    300 Follower

    4,5

    Puuuuhh, für dieses Werk, für das die Autorin Jenny Erpenbeck im April den International Booker Prize erhalten hat, habe ich fast 4 Wochen benötigt. Gestartet mit dem Hörbuch bin ich Recht schnell umgeschwenkt auf das gedruckte Buch, da ich Passagen teilweise mehrmals gelesen habe und auch wirklich viel angestrichen habe. Aber es hat sich gelohnt. Die Erzählung startet im Jahr 1986 in Ost-Berlin, die 19-jährige Katharina verliebt sich in den 34 Jahre älteren verheirateten Hans, mit dem sie eine Liebesaffäre beginnt, die sehr schnell sehr toxisch wird, aber dennoch parallel zur untergehenden DDR bis ins Jahr 1992 anhält. Jenny Erpenbeck hat einen gewöhnungsbedürftigen, aber dennoch großartigen Schreibstil, die Personen und ihr Innenleben werden sehr gut gezeichnet, man fühlt sehr die Atmosphäre der Wendezeit und gewinnt einen guten Eindruck, wie sich die Menschen damals gefühlt haben, die mehr oder minder lange die DDR und, wie Hans, noch in Teilen, die Nazi -Zeit erlebt haben. Das Buch ist anstrengend und anspruchsvoll zugleich, auf jeden Fall keine leichte Kost. Dennoch: Absolute Leseempfehlung für alle, die sich darauf einlassen wollen.

    12. Sept. 2024

  • katinkaminka
    katinkaminka

    96 Follower

    4,0

    Ein schwieriges Buch

    Das ist also heutzutage Schullektüre? Uff! Dieses Buch war wirklich alles andere als leicht zu lesen. Ein manipulativer Mann (Hans - viel jünger eigentlich als er mir die ganze Zeit vorkam) missbraucht ein Mädchen das ihn liebt (Katharina - zumindest denkt oder wünscht sie sich das). Und das über Jahre hinweg, psychisch und physisch. Und als Leser ist man mit dabei. Quälend langsam beginnt seine Manipulation, steigert sich dann immer mehr bis zu körperlicher Gewalt. Ab der Hälfte wollte ich eigentlich nur noch, dass es bald vorbei ist und ich das Buch endlich weglegen konnte. Dabei ist es kein schlechtes Buch. Im Gegenteil. Es macht nur einfach keinen Spaß es zu lesen...

    18. Nov. 2025

  • dunis.lesefutter
    dunis.lesefutter

    420 Follower

    4,0

    Literarisch und kreativ geschriebene Geschichte über eine toxische Liebe vor dem Hintergrund der zerfallenden DDR

    Literarisch scheine ich gerade in einer Zeitschleife gefangen zu sein. Erst die Biografie von Frau Merkel, die sich inhaltlich viel mit ihrem Aufwachsen in der DDR dem Transfer ihrer Sozialisation in die Nach-Wende-Zeit befasst. Ein Buch, was ich jetzt bereits schon lese, beschäftigt sich sehr mit den politischen Ansichten, die in den neuen Bundesländern offen ausgelebt werden. Dazwischen nun dieser Roman, der zwischen 1986 und 1992 spielt und der eine Liebesgeschichte vor der Kulisse des Zerfalls der DDR in den Mittelpunkt rückt. Katharina ist blutjung, als sie Hans kennen lernt. Sie laufen sich förmlich zufällig über den Weg. Es beginnt eine Liebe, die so selbstverständlich passieren muss, wie es bei großen Gefühlen oft ist. Unausweichlich, wunderschön und obwohl Hans 34 Jahre älter ist als sie, empfand ich sofort Verständnis für die Situation der beiden. Er ist allerdings verheiratet und das bringt ein Ungleichgewicht in die Beziehung, welches wie ein Gift wirkt, das sich langsam frei setzt, zumal Hans finanziell von seiner Frau abhängig zu sein scheint. Versuche des Zusammenlebens von ihm und Katharina scheitern und auf einmal entwickelt sich eine toxische Verbindung, die auf vielen Ebenen körperlich wird. Katharina entwickelt eine Obsession für ihn, versucht, sich zu befreien, wird allein gelassen und schafft es eigene Wege zu gehen, die von Hans wiederum manipuliert und sabotiert werden. Er beherrscht, psychologische Strategien und Katharina ist für ihn ein leichtes Opfer. Man kann schon sagen, dass der erfahrene Mann, der in der Medienbranche der DDR tätig ist ihre emotionale Abhängigkeit von ihm gezielt für sich biegt und bricht, bis es für ihn passt. Mit dem Zerfall der DDR, der sich zwar mit stummen Hinweisen ankündigt, aber von den Protagonisten nicht wahrgenommen wird, zersetzt sich auch ihre Beziehung. Es gibt Ons und Offs und ich habe mich oft gefragt wie lang Katharina das noch aushält. Es ist aber kein Geheimnis, dass die Beziehung am Ende scheitert. So viel bekommen wir im Prolog schon mit. Erpenbeck wurde für diesen Roman mit dem #bookerprize ausgezeichnet und es erschließt sich mir auch warum. Sprachlich ist dieses Buch sehr kreativ geschrieben. Meistens befinden wir uns im Kopf von Katharina, ab und an wird aber auch die Perspektive von Hans wiedergegeben. In der auktorialen Erzählform arbeitet siemit wunderschönen Beschreibungen und Metaphern, bringt eindrückliche Stellen poetisch rüber, indem sie diese gekonnt wiederholt und wählt immer mal wieder ungewöhnlichere Ausdrucksmöglichkeiten. Dabei hatte ich nie das Gefühl, dass es zu experimentell wird. Der Text bleibt im Zusammenhang und nimmt einen mit. Besonders anschaulich werden Orte geschildert. Das Berlin vor der Wende ist dabei genauso gut getroffen wie Köln zwei Jahre zuvor oder Moskau in der Gorbatschow Ära. Ab und an wurde es etwas repetitiv und manches mal legte sich mir der Eindruck eines Hangs zur Ostalgie auf, was ich aber nicht weiter schlimm finde. Es ist ein Buch, das sich mit dem Leben im Osten beschäftigt und weder Einigkeit noch Versöhnlichkeit mit dem Westen ausstrahlt. Ob das alles sehr realistisch beschrieben wurde, kann ich nicht wirklich beurteilen, ich bin ja ein Westkind dass keinerlei Bezug zur DDR hatte. Einzig und allein die Tatsache, dass Katharina, schon erwachsen, frei nach Köln zu Verwandten reisen konnte, schien mir etwas unglaubwürdig, dann fiel mir aber ein, dass auch Frau Merkel vor der Wende ab und an Verwandte in Hamburg besuchen durfte. Scheint also möglich gewesen zu sein. Warum Hans so viel über den Westen wusste, löst sich am Ende der Geschichte auf. Insgesamt also ein Roman, der einem anschaulich den Untergang der DDR aus einer Perspektive zeigt , die vielleicht nicht unbedingt der Wiedervereinigung entgegen gefiebert hat. Und einmal mehr ein Text darüber wie sich patriarchale Anspruchshaltung in der Liebe zu erkennen gibt

    12. Dez. 2024

3 von 56 Rezensionen

SocialReads

Seitenbasierte Kommentare

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annamain
annamain6. Aug. 2025

Also nach Katharinas “Reise in den Westen” sind wir an dem Punkt der Gesellschaftskritik angekommen, den ich brauche 🫣🫣 iykyk

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Autorin / Autor

Über Jenny Erpenbeck

Jenny Erpenbeck, geboren 1967 in Ost-Berlin, debütierte 1999 mit der Novelle »Geschichte vom alten Kind«. Es folgten zahlreiche Veröffentlichungen, darunter Romane, Erzählungen und Theaterstücke. Von Publikum und Kritik gleichermaßen gefeiert, wurde sie vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Thomas-Mann-Preis, dem Uwe-Johnson-Preis, dem Hans-Fallada-Preis und dem Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland. Auch international gilt Erpenbeck als wichtige literarische Gegenwartsautorin. So wurde sie u.a. mit dem britischen Independent Foreign Fiction Prize (inzwischen bekannt als International Booker Prize) und dem italienischen Premio Strega Europeo geehrt. Ihr Roman »Heimsuchung« wird vom Guardian auf der Liste der »100 Best Books of the 21st Century« geführt. Die amerikanische Übersetzung ihres jüngsten Romans »Kairos« war in den USA für den National Book Award nominiert und wurde 2024 mit dem International Booker Prize ausgezeichnet. Erpenbecks Werk erscheint in über 30 Sprachen.

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