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Plädoyer für Selbstbestimmung – heute wichtiger denn je.
TW: Abtreibung, Missbrauch/Inzest, Rassismus "Gottes Werk und Teufels Beitrag" ist ein gutes Beispiel dafür, dass es nicht immer gut ist, sofort nach dem Lesen eine Rezension zu schreiben, auch wenn man bei knapp 800 Seiten genug Gelegenheit hatte, sich Gedanken zu machen. Spontan wäre meine Bewertung bei 4 Sternen gelandet (Gründe nachfolgend). Doch das Buch hat es geschafft, mich die halbe Nacht wachzuhalten. Ich liebe Bücher über die ich Nachdenken kann, wenn auch nicht unbedingt an Arbeitstagen. Zu Beginn werden die Figuren eingeführt und ihre Motivation wird deutlich. Im weiteren Verlauf wirken manche Handlungsweisen nicht immer ganz logisch, wobei die Figuren auch nicht nur als Individuen, sondern auch als Symbole der gesellschaftlichen Verhältnisse zu lesen sind – passend zum Roman – moralisch ambivalent mit aus Konflikten entstehenden Überzeugungen. Die Erzählung ist flüssig geschrieben, gut aufgebaut und trotz der Thematik sogar sehr humorvoll geschrieben. Hier kommt einer der Kritikpunkte: Der Mittelteil ist sehr ausschweifend, das Ende übermäßig schnell, fast unvollständig erzählt. Ich empfand es in diesem Fall, im Gegensatz zu anderen Leser*innen, nicht unbedingt als Länge aber im Ergebnis doch etwas unbefriedigend. Eine nachträgliche Ergänzung zum inhaltlichen Teil: Zu Beginn erlernt der Weisenjunge Homer Wells unter dem Arzt Dr. Larch "Gottes Werk" (Geburtshilfe) und "Teufels Beitrag" (Abtreibung). Nach Verlassen des Waisenheims sucht er nach seinem eigenen Weg im Leben (Moral, Zugehörigkeit, Liebe und Verantwortung). Die Geschichte fächert sich in verschiedene, zusammen jedoch immer stimmig verbundene Erzählstränge, der mit ihm verbundenen Personen auf. Mein zweites Störgefühl hatte ich bei der exzessiven Verwendung des N-Wortes in einem Abschnitt. Zwar spielt die Handlung in den 1940er-Jahren und der Begriff wird bewusst nur von Nebenfiguren eingebracht (aber dennoch erschien der Roman erst 1985). Später wird er nicht mehr so explizit verwendet. Doch ohne die Vorkenntnis der weiteren Handlung erschien mir dieser Abschnitt zunächst nebensächlich bis unnötig und die Erzählung wird erst einige Zeit später fortgeführt. Im Gesamtkontext wird die Kritik zwar klarer, doch brauchte ich dafür die zuvor genannte Bedenkzeit. >> Dieselben Leute, die uns erzählen, wir müßten für das Leben der Ungeborenen eintreten [...], die ihre Liebe zur Seele des Ungeborenen bekunden, scheren sich keinen Deut um die Wohlfahrt der Armen, scheren sich keinen Deut um die Unerwünschten und die Unterdrückten. Und wie rechtfertigen sie, daß sie sich so sehr um den Fötus und so wenig um unerwünschte oder mißhandelte Kinder sorgen? Sie verdammen andere für das Mißgeschick einer ungewollten Empfängnis; sie verdammen die Armen – als könnten die Armen etwas dafür, daß sie arm sind. << Insgesamt ist "Gottes Werk und Teufels Beitrag" jedoch (leider) von zeitloser Relevanz, ein großartiges Plädoyer für Selbstbestimmung, das heute wieder dringend notwendig ist. Aufgrund vorgenannter Punkte und des doch lange absehbaren Ausgangs sind es nicht ganz 5 Sterne. >> Gute Nacht, ihr Prinzen von Maine – ihr Könige Neuenglands! <<
23. Juni 2026
Plädoyer für Selbstbestimmung – heute wichtiger denn je.
TW: Abtreibung, Missbrauch/Inzest, Rassismus "Gottes Werk und Teufels Beitrag" ist ein gutes Beispiel dafür, dass es nicht immer gut ist, sofort nach dem Lesen eine Rezension zu schreiben, auch wenn man bei knapp 800 Seiten genug Gelegenheit hatte, sich Gedanken zu machen. Spontan wäre meine Bewertung bei 4 Sternen gelandet (Gründe nachfolgend). Doch das Buch hat es geschafft, mich die halbe Nacht wachzuhalten. Ich liebe Bücher über die ich Nachdenken kann, wenn auch nicht unbedingt an Arbeitstagen. Zu Beginn werden die Figuren eingeführt und ihre Motivation wird deutlich. Im weiteren Verlauf wirken manche Handlungsweisen nicht immer ganz logisch, wobei die Figuren auch nicht nur als Individuen, sondern auch als Symbole der gesellschaftlichen Verhältnisse zu lesen sind – passend zum Roman – moralisch ambivalent mit aus Konflikten entstehenden Überzeugungen. Die Erzählung ist flüssig geschrieben, gut aufgebaut und trotz der Thematik sogar sehr humorvoll geschrieben. Hier kommt einer der Kritikpunkte: Der Mittelteil ist sehr ausschweifend, das Ende übermäßig schnell, fast unvollständig erzählt. Ich empfand es in diesem Fall, im Gegensatz zu anderen Leser*innen, nicht unbedingt als Länge aber im Ergebnis doch etwas unbefriedigend. Eine nachträgliche Ergänzung zum inhaltlichen Teil: Zu Beginn erlernt der Weisenjunge Homer Wells unter dem Arzt Dr. Larch "Gottes Werk" (Geburtshilfe) und "Teufels Beitrag" (Abtreibung). Nach Verlassen des Waisenheims sucht er nach seinem eigenen Weg im Leben (Moral, Zugehörigkeit, Liebe und Verantwortung). Die Geschichte fächert sich in verschiedene, zusammen jedoch immer stimmig verbundene Erzählstränge, der mit ihm verbundenen Personen auf. Mein zweites Störgefühl hatte ich bei der exzessiven Verwendung des N-Wortes in einem Abschnitt. Zwar spielt die Handlung in den 1940er-Jahren und der Begriff wird bewusst nur von Nebenfiguren eingebracht (aber dennoch erschien der Roman erst 1985). Später wird er nicht mehr so explizit verwendet. Doch ohne die Vorkenntnis der weiteren Handlung erschien mir dieser Abschnitt zunächst nebensächlich bis unnötig und die Erzählung wird erst einige Zeit später fortgeführt. Im Gesamtkontext wird die Kritik zwar klarer, doch brauchte ich dafür die zuvor genannte Bedenkzeit. >> Dieselben Leute, die uns erzählen, wir müßten für das Leben der Ungeborenen eintreten [...], die ihre Liebe zur Seele des Ungeborenen bekunden, scheren sich keinen Deut um die Wohlfahrt der Armen, scheren sich keinen Deut um die Unerwünschten und die Unterdrückten. Und wie rechtfertigen sie, daß sie sich so sehr um den Fötus und so wenig um unerwünschte oder mißhandelte Kinder sorgen? Sie verdammen andere für das Mißgeschick einer ungewollten Empfängnis; sie verdammen die Armen – als könnten die Armen etwas dafür, daß sie arm sind. << Insgesamt ist "Gottes Werk und Teufels Beitrag" jedoch (leider) von zeitloser Relevanz, ein großartiges Plädoyer für Selbstbestimmung, das heute wieder dringend notwendig ist. Aufgrund vorgenannter Punkte und des doch lange absehbaren Ausgangs sind es nicht ganz 5 Sterne. >> Gute Nacht, ihr Prinzen von Maine – ihr Könige Neuenglands! <<
23. Juni 2026








