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Romane

Was ich liebte

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Über das Buch

“Siri Hustvedts eindrucksvollster Roman.” (Frankfurter Rundschau)


Zwei befreundete Künstlerfamilien im New Yorker Stadtteil Soho. Siri Hustvedt erzählt vom Aufbrechen und Ankommen, von Idealen und Lebensentwürfen, von Eltern und Kindern – und davon, wie ein tragischer Unfall ein sorgsam geplantes Glück jäh zerstört.

Editionen (8)

ISBN9783499233098
VerlagROWOHLT Taschenbuch
Erscheinungsdatum01.04.04
Seitenzahl480

Rezensionen & Bewertungen

75 Bewertungen

10 Rezensionen

4,3

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  • 5,0

    New York, Künstlermilieu, 1975! 🤩

    „Was ich liebte“ von Siri Hustvedt - dieser New-York-Roman hat sich leise, aber stetig, mit jeder Seite mehr in mein Herz geschlichen und hat nun einen festen Platz dort eingenommen. Wir schreiben das Jahr 1975 und Kunsthistoriker Leo Hertzberg blickt zurück auf die Lebensgeschichte zweier Paare im New Yorker Stadtteil SoHo, in denen er auch selbst eine Rolle spielt. Aber ist es nun eher ein Familiendrama oder vielmehr ein Pschothriller?! Wahrscheinlich ist die richtige Antwort: beides! Ein zentrales Element des Romans ist das Bild einer jungen Frau mit dem mysteriösen Titel „Selbstporträt“. Kunsthistoriker Leo entdeckt in einer der zahlreichen Galerien der Stadt ebendieses Gemälde des Malers William Wechsler. Eine enge Freundschaft verbindet den Theoretiker Leo und den Künstler Bill, sie ziehen sogar in das gleiche Haus, in dem sie die Erfahrungen von Heirat, Ehe, Vaterschaft und Trennung teilen. 25 Jahre erfahren wir Leo’s Sicht der Lebensgeschichten und Geschehnisse. Die eine Familie besteht aus dem charismatischen Künstler Bill und seine gefühlsarmen Frau Lucille, die andere aus Kunsthistoriker Leo und der Anglistin Erica. Beide Familien bekommen jeweils einen Sohn. Doch einer scheidet unverhofft aus dem Leben und der andere entwickelt sich mehr zu einem Monster, als zu einem jungen Mann - Hustvedt spricht von ihm als „Wechselbalg“. Mehr möchte ich an dieser Stelle gar nicht über den Inhalt des Buches verraten, um nicht den Clou vorwegzunehmen. Mit „Was ich liebte“ hat mich Siri Hustvedt nicht nur durch ihren schnörkellosen Schreibstil beeindruckt - sie hat ein wahres Talent, uns Leser*innen in die Geschichte zu integrieren, die Lebensnöte der Protagonisten wurden zu meinen eigenen Nöten. Es war mein erstes Werk der Autorin und ich liebte, dass es in New York spielte, dass es im Kunstmilieu spielte, hach so vieles.. Auf jeden Fall wundere ich mich über mich selbst, dass ich nicht zuvor schon einmal zu Siri Hustvedts Büchern gegriffen habe, denn dieses Buch war genau meins thematisch. Es hat totales Lieblingsbuchpotential! Ich lasse es noch etwas in mir arbeiten und spätestens Ende des Jahres erfahrt Ihr, ob ich’s in die Liste meiner All-Time-Favorites aufgenommen habe! Lest es - es ist soooo toll!

    2. Feb. 2025

  • tausendlexi
    tausendlexi

    98 Follower

    Vor gut zwanzig Jahren begegnete ich diesem Roman zum ersten Mal und er hinterließ einen bleibenden Eindruck. Die Intensität der Erzählung, ihre atmosphärische Dichte und die feine psychologische Zeichnung der Figuren übten eine geradezu verzaubernde Wirkung auf mich aus. Seither nahm das Werk in meiner persönlichen Lektüreliste einen festen Platz ein: als zeitloser Favorit. Nun habe ich es erneut zur Hand genommen, getragen von der leisen Spannung, ob es dem über die Jahre gewachsenen Anspruch noch standhalten könne, ob die Erinnerung trügt oder die einst empfundene Faszination sich auch im Wiederlesen behauptet. Doch bevor ich dieser Frage nachgehe, zunächst zum Inhalt: Im ersten Teil steht die im Jahr 1975 beginnende Freundschaft zweier New Yorker Familien im Mittelpunkt. Beide geprägt von intellektueller Neugier und künstlerischem Schaffen. Der zweite Teil schildert den tiefen Einschnitt, den der tragische Unfalltod eines elfjährigen Jungen verursacht, und wie dieser Verlust die Ehe eines der Paare unaufhaltsam zerbrechen lässt. Im dritten Abschnitt rückt schließlich der Sohn der anderen Familie ins Zentrum: eine zerrissene Figur, die durch Lügen, Diebstahl und Drogenkonsum geprägt ist, keine stabile Identität ausbildet, mit Geschlechterrollen spielt und sich in die Abhängigkeit eines selbstbezogenen Exzentrikers begibt, bis hin zur Verstrickung in ein Gewaltverbrechen. Der Roman rahmt diese Entwicklungen durch eine Rückschau im Jahr 2000, in der der Ich-Erzähler Leo Hertzberg, ein Kunsthistoriker, versucht zu begreifen, was aus ihm und seinen Freunden im Verlauf von fünfundzwanzig Jahren geworden ist. Bemerkenswert ist dabei, wie überzeugend Siri Hustvedt die männliche Perspektive gestaltet und Leo eine authentische Stimme verleiht. Zentrale Motive des Romans spiegeln sich auch in der Kunst wider, die innerhalb der Handlung entsteht: Ein Selbstporträt, das zugleich das Bild einer Frau ist und Andeutungen weiterer Figuren enthält, verweist auf Mehrdeutigkeit und verborgene Ebenen der Wahrnehmung. Themen wie Liebe und Begehren, Verlust und Entfremdung, Täuschung und Verrat, Identitätssuche und Einsamkeit durchziehen die Erzählung ebenso wie die Auseinandersetzung mit Kunst und einer spezifischen New Yorker Subkultur. Es erscheint folgerichtig, dass der Künstler Bill Wechsler dem Unsichtbaren im Sichtbaren nachspürt, während Leo Hertzberg, Verfasser einer Abhandlung über das Sehen in der abendländischen Malerei, zunehmend sein Augenlicht verliert. In dieser symbolischen Verschränkung von Wahrnehmung und Erkenntnis zeigt sich die gedankliche Tiefe des Romans. „Was ich liebte“ entfaltet sich als vielschichtiger Roman, der Elemente des Künstlerromans, der Familiengeschichte und des Thrillers kunstvoll miteinander verwebt. Mit großer Sensibilität und intellektueller Klarheit zeichnet Hustvedt die psychologische Entwicklung ihrer Figuren nach. Die Komposition des Werks lebt von Spiegelungen, subtilen Bezügen und einer stetigen dramaturgischen Verdichtung. Ihre Sprache bleibt dabei nüchtern und präzise, frei von Sentimentalität oder ironischen Überzeichnungen und gewinnt gerade dadurch an eindringlicher Kraft. Mein Resümee: Dieser Roman entfaltet eine solche Kraft, dass er selbst den Charakter eines Kunstwerks annimmt. Er ist nicht bloß Erzählung, sondern ein Gebilde von eindringlicher Intensität und formaler Schönheit. Bei der erneuten Lektüre trat für mich besonders ein Aspekt in den Vordergrund, der mich nachhaltig beschäftigte: die Darstellung von Kunst und ihre untrennbare Verflechtung mit dem Körperlichen. Die Art und Weise, wie künstlerisches Schaffen hier mit physischen Erfahrungen, Wahrnehmung und Verletzlichkeit verbunden wird, verleiht dem Text eine zusätzliche Tiefe, als würde sich das Ästhetische stets im Leiblichen spiegeln und dort seine eigentliche Resonanz finden.

    3. Mai 2026

  • 4,5

    „Am Leben zu sein ist unerklärlich. Das Bewusstsein, all unsere Gesichter die wir zeigen, ist unerklärlich.

    Nichts auf der Welt ist normal!“ Leo ist Kunsthistoriker und lernt mit 35 Jahren den, zum Zeitpunkt ihres Kennenlernens, noch unbekannten Künstler Bill kennen. Zwischen den beiden entsteht eine tiefe Verbundenheit und Freundschaft, die ihr ganzes Leben anhalten soll. Im Laufe ihrer Freundschaft heiraten beide ihre Frauen Erica und Lucille, bekommen fast gleichzeitig zwei Söhne, Matt und Mark und trennen sich wieder von ihren Frauen. Bill heiratet seine Muse Viollet und wird im Laufe von 15 Jahren zu einem bekannten und beliebten Künstler weltweit. Sein gesamtes Leben, seine Gefühle, Ängste, Werte verarbeitet er in seiner Kunst. Doch auch wenn ihr Leben beinahe perfekt aussieht, passiert eine Tragödie in Leos Familie, die beide Familien für immer verändert. Und es zeigt Leo welche Gesichter wir uns im laufe des Lebens zeigen. Die meisten davon sind nicht unsere. Das war keine leichte Kost. Es ist keine Geschichte, die man einfach so nebenbei verschlingt und nach zwei Tagen wieder vergisst. Diese Geschichte werde ich nicht so schnell vergessen – nicht weil sie super spannend war, eine krasse Liebesgeschichte mit viel Sex oder sinnlosem und gekünstteltem Drama, sondern weil diese Geschichte vom Leben ganz normaler Menschen erzählt. Im Buch liest man nicht von perfekten Frauen- oder Männerkörpern, sondern von ganz normalen Menschen, die sich durch den Alltag ihres Lebens kämpfen müssen. Mit den Herausforderungen der Elternschaft, den Problemen einer Ehe und dem Zerbrechen derselben. Durch den Verlust geliebter Menschen, die Trauer und das Leben danach. Dieses Buch hat so viel Tiefe, so viel Ehrlichkeit, so viel Wahrheit und Schmerz. Beim Lesen habe ich geweint, gelacht (auch wenn sehr wenig) und mitgefühlt. Ich war erschrocken, manchmal auch verwirrt von so vielen Ereignissen auf zwei Seiten und dann passierte nicht so viel. Ich bin ein richtiger Kulturbanause, was Kunst angeht, und das ist nicht meine Welt – aber in diesem Buch habe ich einen kleinen Einblick in das Innenleben von Künstlern bekommen und darin, wie ein Künstler das ganze Leben in seiner Kunst darstellt. Egal in welcher Form. Sei es als Autor in seinen geschriebenen Büchern oder auf einer Leinwand mit den Farben des Lebens. Als die Geschichte dann zu Ende war und ich mich von Leo und seinem Leben verabschieden musste, war ich traurig. Ich habe sein Leben, seine Familie und seine Freunde liebgewonnen, und das macht für mich eine großartige Geschichte aus. Ich werde diese nicht so schnell vergessen.

    „Am Leben zu sein ist unerklärlich. Das Bewusstsein, all unsere Gesichter die wir zeigen, ist unerklärlich.

    24. Juni 2026

3 von 10 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Siri Hustvedt

Siri Hustvedt wurde 1955 in Northfield, Minnesota, geboren. Sie studierte Literatur an der Columbia University und promovierte mit einer Arbeit über Charles Dickens. Bislang hat sie sieben Romane publiziert. Mit Was ich liebte hatte sie ihren internationalen Durchbruch. Zuletzt erschienen Die gleißende Welt, Damals und Ghost Stories, ein Buch der Erinnerung an ihren verstorbenen Mann Paul Auster. Zugleich ist sie eine profilierte Essayistin. Bei Rowohlt liegen u. a. die Essaybände Nicht hier, nicht dort, Leben, Eine Frau schaut auf Männer, die auf Frauen schauen und Mütter, Väter und Täter vor.

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