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Romane

Ein erhabenes Königreich

3,9(128)
Sprache
Deutsch
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Über das Buch

Mit dem Auftauchen ihrer Mutter, die sich ins Bett legt und auf nichts mehr reagiert, kehren in Gifty die schmerzhaftesten Kindheitserinnerungen zurück: das Verschwinden des Vaters, der in seine Heimat Ghana zurückging, der Tod des geliebten Bruders und die Depression der Mutter angesichts dieser Verluste. Ihre Familiengeschichte hat dazu geführt, dass Gifty als erwachsene Frau ihren Glauben gegen die Neurowissenschaften eingetauscht hat. Sie ist davon überzeugt, dass sich Depression und Abhängigkeit, und damit Trauer und Leid, durch entsprechende Behandlung verhindern lassen. Doch die Angst um ihre Mutter, die fest verankert in ihrer Religion stets allen Schwierigkeiten im weißen Amerika gewachsen war, lässt Gifty an beidem zweifeln: Kann nur die unbestechliche, aber seelenlose Wissenschaft ihr die Mutter zurückbringen oder gelingt das allein den herzerwärmenden Erlösungsversprechen der Kirche? Die bewegende Geschichte einer Familie, exemplarisch für die vom Rassismus geprägte amerikanische Gesellschaft.

Editionen (2)

ISBN9783832181321
VerlagDuMont Buchverlag
Erscheinungsdatum13.08.21
Seitenzahl304

Rezensionen & Bewertungen

128 Bewertungen

16 Rezensionen

3,9

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  • toni_reads_
    toni_reads_

    86 Follower

    5,0

    Zwischen Synapsen und Gebeten: Die Suche nach dem Sinn in „Ein erhabenes Königreich“

    Seit Januar stand dieses Buch ganz oben auf meiner Wunschliste. Nach dem beeindruckenden Debüt Heimkehren war ich gespannt, ob Yaa Gyasi dieses Niveau halten kann – und sie hat mich nicht enttäuscht. In drei Sätzen: Es ist eine tiefgründige Familiengeschichte über Rassismus und Sucht, eine intensive Auseinandersetzung mit dem eigenen Glauben und der Versuch, die Welt gleichzeitig durch das Mikroskop und die Bibel zu verstehen. Wenn die Vergangenheit das Labor flutet Die Protagonistin Gifty, eine junge Naturwissenschaftlerin mit ghanaischen Wurzeln, promoviert in Stanford in den Neurowissenschaften. Als ihre Mutter mit einer schweren Depression bei ihr einzieht, beginnt Gifstys wohlgeordnetes Forscherleben zu wanken. Die Gegenwart vermischt sich mit der schmerzhaften Vergangenheit: dem Verlust des Vaters, der den Halt verlor, und des Bruders, der an der Sucht zerbrach. Gyasi schreibt mit einer Präzision (Schreibstil 5/5), die mich zutiefst beeindruckt hat – auch wenn die Spannung mit 2 Sternen eher ruhig und introspektiv bleibt. Ein Clinch zwischen Gott und der Wissenschaft Das Buch liest sich streckenweise wie eine Abrechnung mit der evangelischen Kirche, nur um im nächsten Moment die existenzielle Frage zu stellen: Wie sieht mein ganz persönlicher Glaube an Gott aus? Kann man die Logik der Neurowissenschaften mit der Spiritualität vereinen? Mein Lieblingszitat fasst diesen inneren Konflikt perfekt zusammen: „Früher sah ich die Welt durch eine christliche Linse, und als diese Linse beschlug, wandte ich mich der Wissenschaft zu. Beide wurden für mich zu wertvollen Sichtweisen, aber letztlich versagten beide dabei, das gesetzte Ziel voll zu erreichen: deutlich zu machen, Sinn zu stiften.“ Schockierende Realitäten Besonders hängen geblieben ist bei mir die Darstellung von Rassismus und der leichtfertige Umgang mit starken Medikamenten, der hier – genau wie in Demon Copperhead – Leben zerstört. Das hat mich so sehr beschäftigt, dass ich im kommenden Quartal unbedingt „Imperium der Schmerzen“ lesen möchte, um dieses Thema noch tiefer zu durchdringen. Wem würde ich das Buch weiterempfehlen? Jedem, der sich für die Annäherung von Wissenschaft und Glauben interessiert und wissen möchte, wie man in einer Welt voller Verluste zu sich selbst findet. Was ich mitgenommen habe: Am Anfang war eine Idee, eine Vernunft; am Anfang war eine Frage.

    22. März 2026

  • cabno
    cabno

    99 Follower

    4,0

    Eine gute Lebensgeschichte

    Das Buch liest sich ein wenig wie eine Biographie aus einem Tagebuch. Es ist eine Geschichte über Abhängigkeit, verschiedene Kulturen, Depressionen und andere Themen mit denen man sich beim Aufwachsen beschäftigen muss.

    2. Nov. 2024

  • dasbuchzuhause
    dasbuchzuhause

    56 Follower

    4,0

    Mit der Ankunft ihrer Mutter in Kalifornien wird alles hochgespült, was Gifty seit Jahren unterdrückt hatte. Ihre Mutter hat Depressionen und kommt zu ihr, um zu wieder gesund zu werden, in diesem Fall heißt es, dass sie sich bei ihrer Tochter wortlos ins Bett legt, einschläft und eine ganze Zeit einfach im Bett bleibt. Bleierne Erschöpfung, Müdigkeit und ein 69jähriges Leben, das auf den Schultern dieser Frau lastet und auch auf den Schultern Giftys, der 29jährigen Gifty und der 11jährigen Gifty. Ihre Mutter war immer sehr religiös und so ist Gifty aufgewachsen, bis sie sich als Erwachsene den Neurowissenschaften verschreibt und der Forschung widmet. Sie hat sich eingerichtet in diesem Forscherinnenleben. Und dann kommt ihre Mutter und ist ein zweites Mal in einer schweren Depression gefangen. Dies lässt bei Gifty die Familienvergangenheit, all den Schmerz und Kampf der Kindheit hochkommen und sie muss sich damit auseinandersetzen. „Ein erhabenes Königreich“ ist mehr als eine simple Familiengeschichte. Das Buch ist tiefsinnig und spricht die Probleme einer Einwandererfamilie aus Afrika in Amerika an, es spricht den Zwiespalt zwischen einer ganz starken Religiosität und der Wissenschaft an und es geht das Thema Depression in diesem Kontext an. Drogenkonsum und der Wunsch, nach außen eine glückliche Familie zu sein, Sehnsucht nach den Wurzeln und eine neue Heimat im neue Land zu finden, es werden viele Facetten gezeigt. Besonders dieser Kampf dieses kleinen Mädchens, das all dies durchmacht, ohne es groß nach außen zu tragen und nicht daran zu zerbrechen, ist gut beschrieben. Der Verlust erst des Vaters, dann des Bruders und dann der Stärke der Mutter zu kompensieren, ist brillant beschrieben und zwischen den Zeilen spürt man, wie schwer vieles war und über welch inneren Reichtum Gifty zu verfügen scheint. Als Leser:in bekommt man einen Einblick in die sehr religiöse Welt, in der Gifty als Kind lebte und wie sich angepasst hat und wie sie mit der Wissenschaft einen Weg für sich gesucht hat, da herauszukommen. Zwischen den einzelnen Kapiteln gibt es Tagebucheinträge aus dem Tagebuch, das Gifty als Kind geführt hat. Gespräche, Fragen an Gott und Geschehnisse aus ihrer Kindheit leiten die einzelnen Kapitel ein. Yaa Gyasi erzählt eine mitreißende Familiengeschichte, die ganz intensiv mit den Themen Verlust, Zugehörigkeit und Liebe umgeht. Gleichzeitig ist das Buch wunderschön geschrieben, so dass ich es innerhalb von zwei Tagen durchgelesen hatte – eine klare Leseempfehlung meinerseits.

    28. Jan. 2025

3 von 16 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Yaa Gyasi

YAA GYASI, 1989 in Ghana geboren, ist im Süden der USA aufgewachsen. Sie hat Englische Literatur an der Stanford University studiert und einen Abschluss des Iowa Writers‘ Workshop. Ihr Debüt ›Heimkehren‹ (DuMont 2017), das in den USA und England wochenlang auf den Bestsellerlisten stand, wurde in über 20 Sprachen übersetzt und ist mit mehreren Preisen ausgezeichnet worden, u. a. dem Pen/Hemingway Award. Yaa Gyasi lebt in Brooklyn/New York.

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