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Romane

Die Zeit im Sommerlicht

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Über das Buch

»Ein einzigartiger Roman – Gerüche, Geschmäcker, Gedanken galoppieren über die Seiten wie eine gewaltige Rentierherde.« Alingsås Tidning

Im Land der Rentiere wird eine Gruppe von Kindern ihrer Welt entrissen und in ein entlegenes Internat verbracht, wo sie sich großen Herausforderungen stellen müssen. Eine unvergessliche Geschichte über dunkle Geheimnisse, Hoffnung und Zusammenhalt und die Rückkehr ins Licht.

Schweden in den 1950er Jahren. Else-Maj ist sieben Jahre alt, als sie das vertraute Leben im Sámi-Dorf und die wärmende Gegenwart ihrer geliebten Rentiere hinter sich lassen und in ein sogenanntes Nomadeninternat gehen muss. Hier trifft sie auf Jon-Ante, Marge und andere Sámi-Kinder, die wie Else-Maj von nun an all das verleugnen sollen, was sie von der Welt kennen. Allein die gutmütige Erzieherin Anna, eine Sámi wie sie, hält eine schützende Hand über die Kinder. Doch eines Tages verschwindet sie ohne jede Spur. Erst viele Jahre später erfahren die einstigen Schüler die Antwort und mit ihr endlich eine Chance auf Genugtuung – und Heilung.

» Die Auseinandersetzung mit dem Unrecht einer in Schweden lange marginalisierten Volksgruppe - auf einer sehr persönlichen Ebene, die einen schnell in die Handlung zieht. « Agnes Bührig, NDR Kultur

» Eine ebenso bedrückende wie berührende Geschichte. « Stefan Opitz, Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Aufrüttelnd und bewegend.« Thomas Schürmann, HÖRZU/Gong

Editionen (4)

ISBN9783455021011
VerlagHoffmann und Campe
Erscheinungsdatum14.10.25
Seitenzahl480

Rezensionen & Bewertungen

77 Bewertungen

14 Rezensionen

4,0

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  • tante_tanja
    tante_tanja

    542 Follower

    4,0

    Ihre Augen begegneten sich im Spiegel, an dem kleine Hände Fingerabdrücke hinterlassen hatten. "Du wirst dich doch nicht von ihr ins Bockshorn jagen lassen." Marge schüttelte den Kopf. "Das ist es nicht." "Was ist es dann?" Pirjo schob die Aufzugstür auf und sah sie neugierig an. Marge bekam Angst vor ihren eigenen Gedanken. Sie konnte Pirjo doch nicht sagen, dass die Gefahr bestand, dass sie die Alte totschlug. Aber genau so war es. - Zitat, Seite 192 "STRAFF" - Strafe, so lautet der Originaltitel des Romans von Ann-Helén Laestadius, der das Trauma der samischen Kinder, die in den 1950er Jahren gezwungen wurden, auf sogenannte Nomadenschulen zu gehen, und dieses an nachfolgende Generationen weitergeben, thematisch aufgreift. Eine fiktive Geschichte auf zwei Zeitebebenen, die leider auf realen Begebenheiten beruht, wie die Autorin in ihrem Dankwort betont. Und die ohne die Hilfe ihrer eigenen Mutter, die selbst zur Nomadenschule gegangen ist, nicht hätte erzählt werden können. Es ist fast unerträglich, den Alltag der kleinen Mädchen und Jungen zu begleiten, die in dieser Nomadenschule bzw Internat physischer und psychischer Gewalt hilflos ausgesetzt sind. Zudem soll ihre Identität und Herkunft durch eine angepasste Hülle ersetzt werden. Sie dürfen ihre samische Sprache nicht sprechen und müssen schwedisch lernen. Besonders große Angst herrscht vor der Hausmutter Rita Olsson, die im Stillen als Hexe bezeichnet wird. Nur die Betreuerin Anna, wagt es ab und an, ihre schützende Hand über die Kinder zu halten, doch eines Tages ist sie plötzlich verschwunden... Die zweite Handlungsebene findet Mitte der 1980er Jahre statt. Die kleine Else-Maj hat ihre eigene Familie, Anne-Risten sogar einen bürgerlichen schwedischen Namen und Marge einen Job als Pflegekraft. Auch Jon-Ante versucht, nicht über die Vergangenheit zu grübeln, auch wenn ihn sein kleiner, abstehender Finger stets an die Gewalt im Heim erinnert. Dann erkennt Marge bei einem Hausbesuch in einer alten Patientin ihre Peinigerin und Hausmutter wieder und alte Wunden brechen auf und auch der Gedanke an Rache. Die Autorin nimmt sich viel Zeit, um ihre Geschichte zu erzählen, die von dem Respekt realer Erfahrungen geprägt ist, die hier durch die fiktiven Charaktere dargestellt werden, die jeweils ihre ganz eigene Persönlichkeit haben. Wenn man sich unbedarft in die Lektüre stürzt, wird man vielleicht etwas überfordert sein und sich fragen, wohin uns die Autorin führen will. Auch liegt die Schwere der Thematik wie der einmal beschriebene Trauerstein auf der Brust. Es lohnt sich jedoch durchzuhalten, weil das Konzept der Autorin, den Lesenden in die komplexe Geschichte und in die Lebensrealität ihrer Protagonisten einzubinden, am Ende wirklich aufgeht. Von dem leuchtendem Cover mit dem sehr unpassendem Buchtitel sollte man sich allerdings nicht blenden lassen! FAZIT Mir haben besonders die verschiedenen Charaktere des Romans gefallen. Besonders herzerwärmend fand ich die Geschichte der erwachsenen Marge, die ein kleines Mädchen aus dem Ausland adoptiert und natürlich versucht, die beste Mutter der Welt zu sein. Gerade das Ambivalente an der Situation in Verbindung mit dem eigenen "Päckchen" der Protagonistin, fand ich sehr gut dargestellt. Wer sensibel auf Gewalt gegen Kinder reagiert, sollte das Buch mit Vorsicht betrachten. Ansonsten eine Leseempfehlung.

    16. Juni 2025

  • theagri
    theagri

    780 Follower

    4,5

    Beeindruckender Roman über das Schicksal der Samikinder im Schweden der 1950ger Jahre. Es geht zu Herzen, wie brutal diese Kinder in Schulen gepresst und misshandelt wurden, wie sie von ihren Familien getrennt wurden. Dieser Roman ist mir sehr nahe gegangen und hat mich koch lange bewegt. Die Schreibweise war anschaulich, flüssig und fesselnd.

    26. Apr. 2025

  • 4,0

    "Die Zeit im Sommerlicht ist eine fiktive Geschichte, die aber auf wahren Begebenheiten beruht." Es ist eine grausame Geschichte, die hier erzählt wird und ich frage mich, wahrscheinlich wie viele, die das Buch gelesen haben, wer auf diesen Titel gekommen ist, der so gar nicht zum Buch passt. Ich bin nicht leicht in den Roman reingekommen, denn er wird aus der Sicht von fünf Protagonistinnen und Protagonisten erzählt, welche noch dazu zwischen zwei Zeiträumen springen, die 30 Jahre auseinander liegen. Erzählt wird von der erzwungenen Zeit im Kinderheim, auf welche die samischen Kinder gehen mussten. Man verbat ihnen in ihrer Muttersprache zu sprechen und zu jölken. Dafür mussten sie schwedisch lernen und gnadenlosen Gehorsam. Alles mussten diese Kinder hinter sich lassen, was sie bisher kannten. "Im Sommerlicht war die Zeit endlos, und sein Körper kannte keine Müdigkeit." Das waren die Zeiten mit den Rentieren, den Eltern, Großeltern und Geschwistern. Geblieben waren Angst, Schläge und das Verschwinden der Gebräuche. Nur zweimal im Jahr durften die Kinder nach Hause und waren nicht mehr die selben. "Er vergrub sein Gesicht in der Kleidung auf den Bügeln und atmete die Familie in sein Herz ein." Auch im erwachsenen Leben blieben die meisten dieser Kinder zerrissen. Die von nicht samischen Einwohnern rassistisch beleidigt werden und sich kaum trauen ihre Tracht zu tragen. Dann taucht die wirklich böse Hausmutter wieder in der Stadt auf. Die ersten 50 bis 100 Seiten musste ich "überstehen", dann hat mich das Buch noch abgeholt und erschüttert.

    29. Sept. 2025

3 von 14 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Ann-Helén Laestadius

Ann-Helén Laestadius, geboren 1971, ist eine schwedische Journalistin, preisgekrönte Autorin und gebürtige Sámi. Ihr internationaler Bestseller DAS LEUCHTEN DER RENTIERE wurde von Netflix verfilmt.

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