Blick ins Buch

Die Nacht von Lissabon

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Über das Buch

Editionen (7)

ISBN9783462003093
VerlagKaiser Wien
Erscheinungsdatum01.01.62

Rezensionen & Bewertungen

94 Bewertungen

22 Rezensionen

4,3

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  • bea777
    bea777

    484 Follower

    5,0

    Der vorletze Roman von Erich Maria Remarque ist eine aktuelle Mahnung aus dem Jahr 1962

    Remarque beschreibt in einer sehr poetischen Sprache das Aufeinandertreffen des Ich-Erzählers und Josef Baumann in einer Nacht in Lissabon zu Beginn der 1940er Jahre. Baumann ist aus Deutschland geflohen, weil er aufgrund seiner politischen Aktivitäten um sein Leben fürchten musste. Sein Schwager Georg, Mitglied der Gestapo, hatte ihn bereits einmal denunziert und ins Konzentrationslager deportieren lassen. Nach seiner Freilassung floh er nach Frankreich, wo er eine falsche Identität annahm und zu Josef Schwarz wurde. Zunehmend fühlte er sich zu seiner Frau Helen hingezogen, die noch immer in Osnabrück wohnte und von der er jahrelang nichts hörte. Über gefährliche Wege über die Grenze kehrt Schwarz zurück nach Osnabrück und flieht dann mit Helen über die Schweiz nach Paris. Zunächst führen sie noch ein relativ sicheres Leben, dennoch immer auf der Hut, denn sie wissen, Georg setzt alles daran, sie ausfindig zu machen. Das alles ( und noch viel mehr) erzählt Baumann/ Schwarz dem wildfremden Ich-Erzähler in dieser Nacht in Lissabon. Als Dank für sein offenes Ohr schenkt er ihm zwei Tickets für eine Schiffspassage nach Amerika, Visa und seine Identität. Was bewegt Schwarz das zu tun? Was passiert mit Helen? Auf diese Fragen gibt das Buch Antwort. Durch eine wunderbare Sprache spürt man die Verzweiflung, Trauer und Liebe. Die Lesenden erhalten Einblick in das Leben der Emigranten im Frankreich des Zweiten Weltkrieges. Am Ende des Buches gibt es Interviews Remarque und Einordnungen aus den 1960er Jahren. Besonders eindrücklich fand ich, dass er 20 Jahre nach Kriegsende anmahnte, sich erzählerisch mit der Nazizeit auseinander zu setzen. Leseempfehlung 📚

    12. Dez. 2025

  • emilia1411
    emilia1411

    67 Follower

    3,5

    „Jeder hat mehrere Personen in sich. Ganz verschie-dene. Und manchmal werden sie selbständig und regieren eine Zeitlang, und man ist ein anderer Mensch , einer, den man vorher nie gekannt hat. Aber man kommt zurück!“ Selten hatte ich beim Lesen eines Buches so gemischte Gefühle. Der Anfang viel mir sehr schwer. Ich schlafe nie beim Lesen ein aber hier bin ich wirklich jedes Mal nach 15 Seiten einfach eingeschlafen. Nach den 100 Seiten hat es mich aber emotional gepackt. Und das auf eine so verwirrende Weise. Man wird Zeuge einer tragischen Geschichte, Zeuge von Kriegsverbrechen, Zeuge von Liebe und Zeuge von ganz viel Verzweiflung. Ich habe viele Bücher zum zweiten Weltkrieg gelesen. Aber meiner Meinung nach handelt dies nicht vom zweiten Weltkrieg. Sondern von einem Leben auf der Flucht, indem man sich immer wieder neu erfinden muss. Und nichts mehr wert ist als ein gültiger Pass, erst Recht kein Menschenleben.

    25. Jan. 2026

  • thopsel
    thopsel

    57 Follower

    4,5

    Aufwühlend

    Wie kaum ein anderer Roman stresst Die Nacht von Lissabon seine Leser. Ich hatte echt keine gute Zeit beim Lesen und das spricht FÜR das Buch. Inhalt und Wirkung sind ziemlich deckungsgleich. Was ist Liebe in Zeiten von Verfolgung? Intensiver weil flüchtiger? Intensiver weil notwendiger? Oder schwächer weil die Sinne aufs Überleben geschärft sind und kein Platz da ist für andere Sinne? Mise en abyme Struktur (Geschichte in der Geschichte) hier ganz besonders wichtig: Josef Schwarz braucht diese Erfahrung der Selbsterzählung und das Feedback eines Zuhörers. Vielleicht war die Zeit der Flucht und Verfolgung zu aufwühlend und fordernd, um dem Gefühl, im Hier und Jetzt geliebt zu werden, Raum zu bieten. Die Liebesgeschichte in Kontext der Flucht wühlt auf: Wie schön, dass sie wenigstens einander hatten. Wie schrecklich, dass sie neben der Sorge um sich selbst auch noch die Last der Fürsorge für ihren Liebsten tragen mussten. In kaum etwas sind wir so individuell, wie in unserer Neigung, einen Mitmenschen zu lieben. „Aber schon hing über allem die gespenstische Atmosphäre des verminderten Respekts vor dem Leben und der Individualität, die der Krieg mit sich bringt, wie die Pest. Menschen waren nicht mehr Menschen – sie wurden klassifiziert nach militärischen Grundsätzen in Soldaten, Taugliche, Untaugliche und Feinde".

    27. Okt. 2025

3 von 22 Rezensionen

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Seitenbasierte Kommentare

Seite 7219%
bea777
bea7778. Dez. 2025

Es ist so wahnsinnig bedrückend. Man spürt die Sorge von Helen und die Angst im Nacken, entdeckt zu werden.

Lesen ist schöner mit der READO App.

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