Blick ins Buch

Romane

Der letzte weiße Mann

3,3(60)
Sprache
Deutsch
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Über das Buch

Als Anders eines Morgens erwacht, stellt er fest, dass er sich verwandelt hat: Er ist nicht mehr weiß. Vollkommen erschüttert schließt er sich in seiner Wohnung ein, meldet sich krank. Nur Oona erzählt er von seiner Verwandlung, einer guten Freundin und gelegentlichen Geliebten. Irgendwann wagt er sich wieder hinaus in die Welt und zur Arbeit. »Wenn mir das passiert wäre, ich hätte mich umgebracht«, sagt sein Chef. Immer mehr Berichte über ähnliche Verwandlungen tauchen auf: Die weiße Mehrheit im Land scheint zur Minderheit zu werden. Und sie fühlt sich bedroht. Steht ein Umsturz der bestehenden Ordnung bevor? Bald herrschen bürgerkriegsähnliche Zustände in der Stadt. Oona, mittlerweile selbst verwandelt, steht Anders zur Seite, in den Wirren dieser Zeit werden sie zu einem Liebespaar. Schließlich gibt es kaum mehr weiße Menschen in der Stadt, Anders’ Vater stirbt schwerkrank als der letzte weiße Mann. Die Unruhen klingen ab – aber gelingt es den Menschen nun, einander wirklich zu sehen?

Editionen (2)

ISBN9783832166953
VerlagDuMont Buchverlag
Erscheinungsdatum15.08.23
Seitenzahl160

Rezensionen & Bewertungen

60 Bewertungen

11 Rezensionen

3,3

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  • jtk_0701
    jtk_0701

    344 Follower

    4,5

    Was für ein Plot und welch gute Umsetzung! Ich hatte befürchtet, es könnte zu viel Kafka sein (auch wenn ich „Die Verwandlung“ mochte, war es jetzt nicht gerade der Schreibstil, der mich total umgehauen hat), aber Irrtum. Mohsin Hamid Schreibstil hat mich direkt in die Story reingezogen. Zwar hat es mich am Anfang wirklich stark an „Die Verwandlung“ erinnert, aber die Geschichte ist nicht in Anders Zimmer geblieben, sondern hat sich ausgeweitet auf die ganze (unbekannte) Stadt. Anders wacht eines Morgens auf und bemerkt, dass er sich in einen dunkelhäutigen Mann verwandelt hat. Er bekommt es mit der Angst zu tun und meldet sich krank. Geht kaum aus dem Haus und wenn, fühlt er sich bedroht, versteckt sein Gesicht, seine Hände und versucht niemanden anzuschauen. In seiner Panik ruft er Oona an, eine alte Highschool Liebe, die wieder zurück in die Stadt gezogen ist. Sie kommen sich näher und er fühlt sich nicht ganz so verlassen. Langsam verwandeln sich nach und nach immer mehr weiße Menschen in der Stadt. Es herrscht Panik, Angst, Unruhen und Gewalt auf den Straßen. Und neben all dem Chaos kommen die familiären Dramen von Anders und Oona langsam zur Ruhe. Trotz der langen Sätze war es ein leicht zu lesender Text. Es war eine Aneinanderreihung von Sätzen durch Kommata geteilt, wodurch der Text einen gewissen Rhythmus hatte, der in meinem Takt war. Mohsin Hamid hat hier nicht nur „die Absurdität des Konstrukts „Rasse““ beschrieben, sondern auch existenzielle Fragen des Menschen und Absurditäten im Ganzen (vielleicht musste ich deswegen kurz an Camus denken?!). Wie anpassungsfähig Menschen sind und das so eine Verwandlung auch ein Neuanfang sein kann. S.36 „[…]wie eisig kalt und unmenschlich das Weltall doch war, eine leblose Leere, genauso tot wie ihr Vater, und ihr Bruder, der ihm gefolgt war, der nie über ihn hinweggekommen war, und dieser Gedankengang riss ihr den Boden unter den Füßen weg, nahm ihr das Vertrauen an die Erde als Anker, sie spürte ihre Abwesenheit, ihr Bruder, ihr Vater, wie sie an ihr zerrten, das Nichts, das sie geholt hatte, das uns alle irgendwann holt, wie konnte es sein, dass es uns alle auslöscht, dann ein Klingeln, das Klingeln hörte auf, und Anders war dran.“ S.139 „[…]niemand in der Bar schien sich so richtig wohlfühlen, weder der Barkeeper noch die Männer am einzigen besetzten Tisch, und auch Anders und Oona nicht, keiner von ihnen, keiner dieser dunkelhäutigen, in Barlicht getauchten Menschen, die versuchten, sich in dieser vertrauten und doch so seltsamen Situation zurechtzufinden, und als Oona das merkte, fragte sie sich, ob es wirklich stimmte, oder ob die Leute automatisch unentspannt aussahen, wenn man dachte, sie wären unentspannt, so wie sie auch verrückt wirkten, wenn man dachte, sie wären verrückt, vielleicht sahen sie auch alle genauso aus wie immer, nur eben dunkelhäutig.“

    13. Feb. 2025

  • thegreatescape
    thegreatescape

    83 Follower

    4,5

    Überraschend

    Anders, ein weißer, junger Mann, wird morgens wach und stellt fest, dass er über Nacht schwarz geworden ist. Was nun? Er meldet sich krank, versteckt sich und bekommt von anderen gesagt, dass sie sich an seiner Stelle umbringen würden. Doch dann werden immer mehr Menschen schwarz, es kommt zu Ausschreitungen und Aufständen. Gleichzeitig kommt er Oona, einer immer-mal-wieder-Liebschaft näher. Deren Mutter glaubt an eine Verschwörung und ist alles andere als begeistert, als ihre Tochter sich mit einem Farbigen einlässt. Ich hatte ein komplett anderes Buch erwartet und bin doch beeindruckt. Obwohl das Buch fast ausschließlich aus langen, verschachtelten und zerrissenen Sätzen besteht, lässt es sich leicht lesen. Die Ereignisse im "draußen" werden nur grob skizziert, dafür erfährt man ausführlich, wie es in Anders und Ooma aussieht. Tolles Buch, sehr empfehlenswert!

    29. Mai 2024

  • monerl
    monerl

    84 Follower

    5,0

    Win ganz wunderbares Buch, das sich auf das Wesentliche konzentriert und dabei eine ganz herzerwärmende Geschichte erzählt. Ein Highlight!

    2. Feb. 2025

3 von 11 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Mohsin Hamid

MOHSIN HAMID, geboren in Lahore, Pakistan, studierte Jura in Harvard und Literatur in Princeton. Heute lebt er mit seiner Familie in Lahore und London. Seine Romane wurden in über 30 Sprachen übersetzt. ›Der Fundamentalist, der keiner sein wollte‹ wurde von Mira Nair verfilmt. Bei DuMont erschienen zuletzt die Romane ›Exit West‹ (2017) und ›So wirst du stinkreich im boomenden Asien‹ (2013) sowie der Essayband ›Es war einmal in einem anderen Leben‹ (2016). Mit ›Der Fundamentalist, der keiner sein wollte‹ (2007) und ›Exit West‹ stand Mohsin Hamid auf der Shortlist des Man-Booker-Preises.

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