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Aufzeichnungen aus dem Kellerloch

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Über das Buch

Friedrich Nietzsche hielt die ›Aufzeichnungen aus dem Kellerloch‹ für einen Geniestreich der Psychologie. Und in der Tat: Dostojewskijs brillante Erzählung zeigt, dass Literatur nicht immer aufwendige Reisen durch die Welt unternehmen muss. Da die wahren Abenteuer ohnehin im Kopf stattfinden, erzählen poetische Reisen durch die Labyrinthe der menschlichen Seele oftmals die viel spannenderen Geschichten. Spannender jedenfalls als die Aufzeichnungen des Kellerlochbewohners, der sich voller Ekel von den Lügen der Gesellschaft abwendet, kann Literatur nicht sein.

Editionen (10)

ISBN9783596901029
VerlagFISCHER Taschenbuch
Erscheinungsdatum01.10.08
Seitenzahl160

Merkmale

2 Bewertungen

TraurigVerstörendNachdenklichInformativLangsamGlaubwürdig

Rezensionen & Bewertungen

213 Bewertungen

41 Rezensionen

3,9

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  • _martin_kopp_
    _martin_kopp_

    285 Follower

    5,0

    Ein wahnsinnig mitreissendes, emotionales und tiefgründiges Werk, ein Ritt durch den Kopf eines depressiven und tragisch soziophatischen Menschen!

    Der Protagonist ist ein verbitterter, selbshassender Soziopath ohne Rückrat und führt seine grantigen, menschenfeindlichen und bösartigen Überlegungen und Auszüge aus seinem Leben dem Leser nahe. Er selber nennt sein Innerstes Kellerloch; was schon einiges aussagt. Sein fehlendes Selbstvertrauen frisst ihn nahezu auf und er versinkt in Scham, weil sein weit überzogener Stolz ihn im Umgang mit Anderen lähmt. Sein Neid auf die Mitmenschen und die Gesellschaft ist hoch, doch statt selber sein Leben zu ändern, redet er das der Anderen herunter, belächelt es oder spricht es ihnen ab. Er steigert sich hinein in seine Wut, bis aufs Äußerste. Er hasst einfach alles. Seine Arbeit, seine Kollegen, sich selber und seine feige Art, wie er selber sagt. Ein sich selbsthassender Overthinker in seiner krassesten Form. Sprachlich ist diese Novelle wunderbar geschrieben. Jedoch redet der Herr, zumindest im ersten Teil, in sehr vielen Metaphern und springt thematisch schnell hin und her. Erst mit dem zweiten Teil erschliesst sich einem der erste Teil so richtig. Die Aussagen des „Untergrundmenschen“ sind teilweise aber garnicht so abwegig. Sie beinhalten viel philosophische Tiefe. Und gegen Ende hin schafft es der Protagonist sogar Empathie in einem zu wecken. Man kann sich teils mit seiner brutal offenen und entlarvenden Art identifizieren, sogar mitfühlen. Und seine Rede über die Liebe auf Seite 105 ist nahezu rührend und sehr schön! Ein zuerst nicht ganz einfach zu verstehendes, psychologisches Werk, welches ab dem zweiten Teil einem total in seinen Bann zieht, und definitiv zum nachdenken anregt. Es hinterlässt auf jeden Fall einen bleibenden Eindruck!

    Ein wahnsinnig mitreissendes,  emotionales und tiefgründiges Werk, ein Ritt durch den Kopf eines depressiven und tragisch soziophatischen Menschen!

    30. März 2025

  • t4mer
    t4mer

    16 Follower

    4,5

    Lesenswert

    Dostojewskis psychologischer Tiefgang in diesem Werk ist so beeindruckend, dass die Fiktionalität kaum mehr zu glauben ist und am Anfang des Buches angemerkt wird. Sein Antiheld ist so authentisch, dass er trotz seiner unsympathischen Ansichten und Art den Leser für sich gewinnt.

    10. Feb. 2025

  • wortschatzkiste
    wortschatzkiste

    219 Follower

    4,0

    Was für ein Typ. Dostojewski schafft es ja immer wieder, ziemlich skurrile Geschichten zu schreiben, und diese hier ist definitiv keine Ausnahme. Das Buch ist voll von kleinen Anekdoten und Gedankensprüngen, bei denen man sich ohne Frage an der einen oder anderen Stelle selbst wiedererkennt. Allerdings ist die geballte Verrücktheit dieser Hauptfigur fast schon ein bisschen zu viel des Guten. In anderen Werken verteilt Dostojewski solche Charakterzüge oft auf mehrere Figuren, was das Ganze etwas zugänglicher macht. Hier dagegen muss eine einzige Person mit einer ganzen Ladung an vorgefertigten Meinungen, Wutausbrüchen und inneren Konflikten klarkommen. Ich denke, Dostojewski wollte zeigen, wie verletzlich und gleichzeitig überfordert der Mensch sein kann, wenn er mit all seinen widersprüchlichen Gedanken und Gefühlen allein ist. Das gelingt ihm auch ziemlich eindrucksvoll. Ein gutes Buch – auch wenn es für mich nicht zu seinen besten gehört.

    26. Mai 2026

3 von 41 Rezensionen

SocialReads

Seitenbasierte Kommentare

Seite 147%
leonbasdard
leonbasdard14. Aug. 2025

Vielleicht handelt es sich beim Protagonist um einen Mann, der durch seine große Erkenntnis unglücklich ist… Vielleicht ist er enttäuscht vom Leben. Vielleicht empfindet er es als nicht Lebenswert. Er wirkt wie eine noch depressivere Form von Faust haha Er muss eine Art psychischen Knax haben… Das ganze Selbstverletzende Denken und der Genuss durch die klare Erkenntnis seiner eigenen Erniedrigung…

Seite 168%

1 Kommentar verdeckt

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Autorin / Autor

Über Fjodor Dostojewskij

Fjodor Michailowitsch Dostojewskij (1821-1881) war ursprünglich Leutnant in St. Petersburg. Er quittierte seinen Dienst 1844, um freier Schriftsteller zu werden. Seine Romane ›Verbrechen und Strafe‹, ›Der Spieler‹, ›Der Idiot‹, ›Böse Geister‹, ›Ein grüner Junge‹, ›Die Brüder Karamasow‹ sowie ›Aufzeichnungen aus dem Kellerloch‹ liegen im S. FISCHER Verlag in der herausragenden Übersetzung von Swetlana Geier vor.

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