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Biografien

Auf den Straßen Teherans

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Über das Buch

Nach dem Tod von Mahsa Jina Amini im September 2022, der landesweite Proteste auslöste, geht auch Nila auf die Straße. Die Angst ist der ständige Begleiter der Frauen, die gemeinsam für ihre Rechte kämpfen - bedroht und eingeschüchtert von der berüchtigten Sittenpolizei, die wahllos verhaftet, foltert und tötet.
Eindringlich und bewegend schildert Nila ihre persönlichen Erfahrungen als Aktivistin auf den Straßen Teherans und setzt diese in den Kontext einer langen Geschichte weiblicher Stärke in Iran.
Ein mutiges Zeugnis, das einen tiefen Einblick in die gegenwärtigen Proteste und die anhaltende Unterdrückung in Iran bietet.

Editionen (2)

ISBN9783691310085
VerlagPfaueninsel
Erscheinungsdatum02.02.26
Seitenzahl144

Rezensionen & Bewertungen

123 Bewertungen

28 Rezensionen

4,4

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  • badbutterfly
    badbutterfly

    179 Follower

    4,0

    Auf den Straßen Teherans von Nila ist ein intensiver, essayistischer Bericht aus dem Iran des Jahres 2022. Nila beschreibt eindrücklich den Alltag von Frauen zwischen Protest, Angst und Hoffnung – und bezeichnet sich selbst als Zeugin ihrer Zeit.

    Ich bin regelrecht über dieses Buch gestolpert. Ich habe BookBeat geöffnet – und da war es einfach. Das Cover hat mich sofort angesprochen, obwohl nichts an diesem Thema meiner eigenen Lebensrealität entspricht. Der Iran ist weit weg von meinem Alltag. Und doch kenne ich Menschen aus dem Iran, die inzwischen in Europa leben. Vielleicht war es genau das, was mich neugierig gemacht hat. Auf den Straßen Teherans ist kein Roman im klassischen Sinn. Es ist ein literarischer Bericht, ein Essay, eine Chronik – und vor allem ein Zeugnis. Nila schreibt aus dem Jahr 2022, aus der Zeit der Proteste rund um „Frau, Leben, Freiheit“. Sie geht auf die Straße. Und sie beschreibt, was das bedeutet: Angst, Wut, Gewalt, Hoffnung, Blut. Was für mich selbstverständlich ist – mein Haar offen zu tragen, mich anzuziehen, wie ich möchte, ohne Vormund leben zu können, frei im Internet zu recherchieren oder spät abends allein unterwegs zu sein – ist für sie politisch. Jeder einzelne dieser Aspekte ist im Iran nicht einfach nur Alltag, sondern Ausdruck von Macht, Kontrolle und religiöser Gesetzgebung. Nila macht deutlich, wie sehr das politische System in den Körper eingreift. Der weibliche Körper wird zum Schlachtfeld. Kleidung wird Ideologie. Internet wird zur psychologischen Waffe. Zeugenschaft wird gefährlich. Besonders stark fand ich, dass sie sich selbst als „Zeugin“ bezeichnet. In einem System, in dem die Aussage einer Frau juristisch weniger zählt als die eines Mannes, bekommt dieses Wort eine enorme Kraft. Sie schreibt nicht nur über Proteste – sie dokumentiert sie. Ihr Text ist Widerstand. Gleichzeitig ist das Buch literarisch sehr dicht. Nila verwebt ihre persönlichen Erfahrungen mit persischer Mythologie, mit dem Schahnameh von Ferdowsi, mit historischen Ereignissen wie der Revolution von 1979 unter Ruhollah Khomeini und mit politischen Traumata wie dem Staatsstreich von 1953 gegen Mohammad Mossadegh. Sie zitiert iranische Dichter, verweist auf Märchen, Mythen, religiöse Traditionen. Und genau hier lag für mich auch die Schwierigkeit. Ich kenne das politische System des Iran nur oberflächlich: die Revolution Ende der 70er, ein religiöser Führer über der Politik, Zwangsverschleierung für Frauen. Mehr nicht. Ich kenne keine iranische Literatur, keine klassischen Gedichte, keine Mythen, keine Erzähltraditionen. Wenn sie auf kulturelle oder religiöse Motive anspielt, bleiben diese für mich oft nur angedeutet. Ich spüre, dass sie wichtig sind – aber ich kann sie nicht vollständig greifen. Manchmal hätte ich mir gewünscht, dass das Buch an manchen Stellen etwas mehr Kontext liefert. Mehr Erklärung. Mehr Einordnung. Nicht, um es einfacher zu machen – sondern um Leser:innen wie mir, die zwar Freundinnen aus dem Iran haben, aber nicht mit dieser Geschichte aufgewachsen sind, ein tieferes Verständnis zu ermöglichen. Vielleicht ist genau das aber auch Teil des Konzepts: Nila schreibt nicht für ein westliches Publikum, das alles erklärt bekommen muss. Sie schreibt aus einer inneren Perspektive. Aus einer geteilten kulturellen Erinnerung. Und wir als Außenstehende müssen uns anstrengen. Trotz dieser Hürden – oder vielleicht gerade deswegen – halte ich das Buch für extrem wichtig. Es öffnet einen Raum. Es zeigt, dass Protest nicht nur Parolen sind, sondern Alltag, Körper, Angst, Blut auf Asphalt. Es zeigt, dass politische Systeme nicht abstrakt sind, sondern Menschen betreffen – junge Mädchen, Familien, Freundschaften. Ich gebe dem Buch vier von fünf Sternen. Nicht, weil es inhaltlich schwach wäre – im Gegenteil. Sondern weil ich als Leserin gemerkt habe, wie oft ich an meine eigenen Wissensgrenzen gestoßen bin. Das hat mich teilweise frustriert. Gleichzeitig hat es mich dazu gebracht, mehr verstehen zu wollen. Und vielleicht ist genau das die größte Stärke dieses Buches: Es lässt einen nicht unberührt. Es lässt einen nicht bequem. Es zwingt einen, sich mit einer Realität auseinanderzusetzen, die weit entfernt scheint – und doch durch Menschen, die man kennt, plötzlich ganz nah wird. Ich wünsche mir für die Frauen im Iran – und überall auf der Welt –, dass sie eines Tages nicht mehr Zeuginnen von Gewalt sein müssen, sondern einfach nur leben dürfen. Ohne Angst. Ohne Vormundschaft. Ohne Zwang. Und dafür ist dieses Buch ein wichtiges Dokument.

    13. Feb. 2026

  • phyliciaphyl
    phyliciaphyl

    139 Follower

    5,0

    Ich bin wirklich zutiefst berührt…

    .. und traurig zugleich. So ein starkes Buch, das mich aber auch einfach sprachlos und erschöpft zurücklässt. So viel Grausamkeit und Unrecht … und doch in eine so beeindruckende Sprache verpackt. Dieses Buch sollte viel mehr Aufmerksamkeit bekommen!

    Ich bin wirklich zutiefst berührt…

    13. Mai 2026

  • kle3
    kle3

    141 Follower

    4,5

    Was ein emotionales Hörbuch 🥹

    Ich habe wirklich null Berührungspunkte in meinem Leben mit dem Iran gehabt. Immer nur Hörensagen aus den Nachrichten und gerade deshalb denke ich, interessiert mich das Thema auch so. Jedenfalls ist mir dieses Hörbuch bei bookbeat entgegengesprungen und ich wusste sofort ich muss es anhören. Damit lag ich auch richtig, es war nämlich ein richtiger Augenöffner! 🥹 Das Buch ist essayähnlich geschrieben und es geht um das Erlebte einer Iranerin auf den Straßen und mitten im Volk in Teheran. Es geht um die Gedanken, die Ängste, den Mut und den Zwiespalt der Gesellschaft. Ich muss sagen es hat mich wirklich richtig berührt und gecrushed, es war einfach nur traurig, herzzereißend aber auch ein Aufweckruf. Vor allem hat es mich nachhaltig zum Nachdenken und fühlen angeregt und das ist immer ein ganz tolles Zeichen bei einem Buch finde ich ❤️ Fazit: Ein sehr bewegendes und trauriges Buch, welches man aber unbedingt gelesen haben sollte wenn man sich für den Iran, Krieg, Religion oder Feminismus interessiert.

    Was ein emotionales Hörbuch 🥹

    5. Apr. 2026

3 von 28 Rezensionen

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Seitenbasierte Kommentare

Seite 10170%
sina_books
sina_books14. März 2026

So so schrecklich, was die Menschen ertragen müssen…

Autorin / Autor

Über Nila

Nila ist eine junge iranische Autorin, die anonym über ihre Erfahrung auf den Straßen Teherans während der Frauen. Leben. Freiheit.-Bewegung schreibt. Ihr bewegendes Zeugnis ist bereits in England, Frankreich und Italien erschienen.

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