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Über das Buch

Was ist ein Mensch wert? Wie ermessen sich Nutzen und Kosten einer Person? Heike Geißler denkt über den Sinn der Arbeit nach, über ihre Allgegenwärtigkeit, über materielle und unsichtbare Arbeit, über Geben und Nehmen, Gewinner und Verlierer. Der Arbeit auf der Spur, beobachtet sie ihr Umfeld und kommt mit den unterschiedlichsten Menschen ins Gespräch: mit den Handwerkern, die in ihrer Wohnung die Fenster ersetzen, dem Lieferboten, einer chronisch kranken Freundin und mit ihren eigenen Eltern. Bald verdichten sich ihre Beobachtungen zu einem Panoptikum modernen Arbeitens, das die tiefen Gräben zwischen Überleben und Wachstum aufzeigt. Heike Geißler, Tochter einer ostdeutschen Arbeiterfamilie, zweifache Mutter und systemkritische Autorin, widmet sich der Arbeit in ihrer üblichen Manier: politisch, poetisch, radikal.

Editionen (2)

ISBN9783446279773
VerlagHanser Berlin in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG
Erscheinungsdatum15.04.25
Seitenzahl128

Rezensionen & Bewertungen

51 Bewertungen

10 Rezensionen

3,4

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  • mitkaffeeundkafka
    mitkaffeeundkafka

    173 Follower

    4,0

    Heike Geißler fangirl 💘

    »Arbeiten« ist eine fragmentarische Bestandsaufnahme unserer Arbeitswelt, eine persönliche Gedankensammlung und irgendwie auch eine leise Anklageschrift. Was ist Arbeit - und warum bestimmt sie so sehr, wer wir sind? Geißler geht diesen Fragen in gewohnter Manier nach: klug, politisch, ein bisschen radikal, immer nahbar. Sie denkt über die Strukturen nach, in denen wir arbeiten und funktionieren (müssen), über unsichtbare und sichtbare Arbeit, über Erschöpfung, Wert und Würde. Geißler wirft einen scharfen Blick auf die Politik und verwebt persönliche Erfahrungen mit gesellschaftlichen Beobachtungen. »Arbeiten« ist kein leichtes Buch, nichts zum schnellen Wegsnacken (auch wenn es „nur“ um die 120 Seiten hat). Es fordert heraus und regt zum Nachdenken an. Ich habe es langsam gelesen, viele Passagen mehrmals. Und viel mitgenommen. Von mir gibt’s eine klare Empfehlung! 🧡

    Heike Geißler fangirl 💘

    19. Mai 2025

  • readingsalina
    readingsalina

    74 Follower

    3,0

    Für mich war es das dritte Buch der "Leben" - Reihe, nachdem ich letztes Jahr bereits "Altern" und "Streiten" gelesen hatte. Wieder habe ich mich für das Hörbuch entschieden und noch mehr als bei den anderen beiden denke ich, dass ich den Text hier besser auf Papier vor mir hätte haben müssen. In diversen Essays nähert sich Heike Geißler hier in weitem Sinne dem Thema Arbeit. Wie sie sein kann, welche unterschiedlichen Zwecke sie erfüllt. Dass sie manchmal zermürbt, einfach sein muss, schlecht oder überbezahlt ist, nicht gewürdigt wird, Strukturen befeuert, Erwartungen schürt, krank macht. Und dass sie Grund und Ausweg aus einer überlasteten Leistungsgesellschaft sein kann. Für diesen Text muss man sich Zeit nehmen, genauer hinlesen, die Zwischentöne finden, die Heike Geißler hier zum Teil sehr persönlich und nahbar erzählt.

    29. Mai 2025

  • milanpablo
    milanpablo

    62 Follower

    4,0

    Poetisch-nahbare Auseinandersetzung zum normativen Arbeitsbegriff. Persönlicher Zugänglichkeit steht im Essay im Vordergrund, keine grundlegend theoretische Analyse. Sehr gelungen!

    Lohnarbeitstrott, fortwährender und sich stets neu formierender Stress, das nicht enden wollen vom Tun. Das stille Klagen in sich hinein, das Schweigen, auch das überbetont zugespitzte Anklagen bei Freund*innen. Schlussendlich, die mantraartige, herunter gepredigte Resignation: Woran liegt es? Jaja, der Kapitalismus ist Schuld. Arbeiten, arbeiten, immer arbeiten. Geißlers Essay „Arbeiten“ widmet sich einer Auseinandersetzung mit Arbeit. Sichtbare wie unsichtbare Arbeit. Lohnarbeit wie Sorgearbeit. Trauerarbeit. Sie zeigt überschaute Nuancen, streift Auswirkungen von Lohnarbeit, sensibilisiert damit und stellt sich damit gegen seinen normativen Gebrauch: Arbeit als etwas, das sich in seiner Alltäglichkeit und Gebräuchlichkeit tief in ein Kollektivwissen eingenistet hat und es sich dort gemütlich macht - Arbeit: Das, wofür man Geld bekommt. Alternierend formuliert die Autorin eine Art Briefe an die Arbeitswelt. Damit schreitet sie fragend voran, kritisiert, beschwert sich über den Zustand der von ihr adressierten Arbeitswelt und verlangt vor allem Antworten von ihrem nicht greifbaren Gegenüber. Wohl wissend, diese nicht bekommen zu können, erreichen die Briefe letztlich doch Adressat*innen - nämlich die Leser*innen des Essays. Biografische Episoden schieben sich zwischen diese Briefe, in denen sich Geißler mal beobachtend beschreibend, mal Gedanken schweifend zirkulierend mit der ganzen Arbeit, die sie umgibt, beschäftigt. „Arbeiten“ ist offensichtlich keine tiefgreifend marxistisch-analytische Auseinandersetzung mit Arbeitsteilung im Produktionsprozess, dafür ist es jedoch eine anregende, poetische Adressierung menschlicher Bedürfnisse und Notwendigkeiten. Durch die angenehme, sprachliche Zugänglichkeit bringt Geißler eine emotionale und dadurch erfahrbare Tiefe in die Thematik, die meiner Meinung nach die große Stärke der Abhandlung ausmacht. Denn sie hinterlässt nicht einen hoffnungslosen Pessimismus, sondern stößt die Leser*in sanft an und suggeriert - so wie der prozesshafte Titel des Essays - eine mögliche Veränderung.

    Poetisch-nahbare Auseinandersetzung zum normativen Arbeitsbegriff. Persönlicher Zugänglichkeit steht im Essay im Vordergrund, keine grundlegend theoretische Analyse. Sehr gelungen!

    21. Juli 2025

3 von 10 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Heike Geißler

Heike Geißler, 1977 in Riesa geboren, ist Autorin, Übersetzerin und Mitherausgeberin der Heftreihe "Lücken kann man lesen". Zuletzt erschienen von ihr die Romane "Die Woche" und "Saisonarbeit", sowie das gemeinschaftliche Literaturprojekt "Check your habitus", kuratiert von Daniela Dröscher. Mit der Schauspielerin Charlotte Puder arbeitet sie als Kollektiv George Bele. Heike Geißler wurde mit zahlreichen Stipendien und Preisen ausgezeichnet und lebt mit ihrer Familie in Leipzig.

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