Blick ins Buch

Romane

Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen

3,3(64)
Sprache
Deutsch
Nicht lieferbarKostenloser Versand
Jetzt kaufen

Über das Buch

»Wie unmittelbar, wie stark ist Gogol! Was ist er für ein Künstler!« schrieb Anfang Mai 1889 Anton Čechov bewundernd: »Allein seine >Kalesche< ist zweihunderttausend Rubel wert! Das ist einfach begeisternd und nichts weiter. Er ist der größte russische Schriftsteller.« Am 20. März alten Stils, nach neuem Kalender am 1. April, jährt sich der Geburtstag des »größten russischen Schriftstellers« zum 200. Mal. Aus diesem Anlaß erscheint in der Friedenauer Presse, in der Gogol kein Fremder mehr ist, eine weitere der Petersburger Novellen, die Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen, in neuer Übersetzung. Gogols Kunstgriff in dieser tragisch-grotesken Novelle ist die Einführung sprechender, ja miteinander korrespondierender Hunde, deren Briefe die ganze Weltsicht des subalternen Beamten Propistčin – er ist Gänsekielspitzer – widerspiegeln. Diese findet er zwar »hündisch«, und doch macht sie ihn empfänglich für den (Größen-)Wahnsinn, der schließlich ausbricht, als seine ehrgeizige Liebe zur Tochter seines Vorgesetzten enttäuscht wird. Einen der letzten Sätze dieser Erzählung hat Vladimir Nabokov seinem erfrischenden Gogol-Buch vorangestellt, klingt hierin doch die berühmte Schluß-Apotheose Rußlands aus den Toten Seelen an: »Rettet mich! Nehmt mich! Gebt mir eine Trojka mit Pferden, schnell wie der Wirbelsturm! Setz dich, mein Kutscher, klingle, mein Glöcklein, fliegt dahin, Pferde, und tragt mich fort aus dieser Welt! Weiter, weiter, daß nichts mehr, nichts mehr zu sehen ist.«

Editionen (12)

ISBN9783932109584
VerlagFriedenauer Presse
Erscheinungsdatum01.03.09
Seitenzahl80

Rezensionen & Bewertungen

64 Bewertungen

8 Rezensionen

3,3

Tippen zum Filtern

  • sanftekritik
    sanftekritik

    43 Follower

    4,0

    „Der König von Spanien 🇪🇸“ oder doch nur ein kleiner, russischer Beamter?

    „Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen“ ist eine zugleich komische und beklemmende Erzählung über sozialen Druck, Einsamkeit und den Wunsch nach Bedeutung. Der schleichende Übergang vom Alltag in den Wahnsinn macht die Geschichte besonders eindringlich und überraschend modern. Besonders stark fand ich die ironische Erzählweise und die langsame Steigerung des Wahnsinns. Poprischtschin ist zu Beginn des Buches ein unbedeutender Titularrat, der sich permanent gedemütigt fühlt und dessen Liebe zu der Tochter eines Vorgesetzten nicht erwidert wird. Seine Fixierung auf Rang und Status zeigt sehr deutlich, wie sehr die Gesellschaft Menschen über ihre Position definiert. Ich mag außerdem das Tagebuchformat und dass die Erzählung an Kafkas Die Verwandlung erinnert. Ein Punkt Abzug weil ich es schwer fand reinzukommen und mir das Ende nicht ganz ausreichte. 🫶🏽

    1. März 2026

  • nilu.g
    nilu.g

    38 Follower

    4,0

    Sehr interessan. Drei Geschichten und ein Haufen Leute deren Alltag in den Wahnsinn übergeht.

    Wie lesen unter anderem einen Briefwechsel zwischen Hunden, begleiten den König von Spanien und suchen einen Nase. Hat mir gut gefallen. Man erkennt oft auch gut die Wahrheit hinter dem was der jeweilige Hauptcharakter sich einbildet. Kurz aber unterhaltsam. :)

    8. Sept. 2025

  • somniummortem
    somniummortem

    15 Follower

    3,5

    Aber auf dieser Welt ist nichts von Dauer, darum ist auch die Freude in der zweiten Minute niemals so lebhaft wie in der ersten.

    In „Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen“ von Nikolai Gogol lesen wir die Tagebucheinträge des Beamten Poprischtschin. Wir verfolgen seine Gedanken und Erlebnisse, während er sich in die Tochter seines Chefs verliebt. Nach und nach zeigen sich immer deutlichere Anzeichen seines aufkommenden Wahnsinns – beginnend damit, dass er glaubt, Hunde sprechen zu hören. All dies lässt sich als ein verzweifelter Ruf nach Sichtbarkeit und Anerkennung verstehen. In „Die Nase“ folgen wir sowohl dem Barbier Iwan Jakowlewitsch als auch Major Kowaljow. Der Barbier entdeckt eines Morgens beim Frühstück plötzlich die Nase des Majors in einem frischgebackenen Brot. Kowaljow wiederum wacht ohne seine Nase auf und verfällt in panische Verzweiflung, während er alles daransetzt, sie wiederzufinden. Ein starkes Motiv dieser Erzählung ist die Entmenschlichung durch den Verlust der Nase. Kowaljow fühlt sich ohne sie gesellschaftlich wertlos und meint sogar, er wäre lieber arm, solange er nur seine Nase – und damit seine gesellschaftliche Stellung – behalten könnte. Gogol kritisiert hier eindrücklich das Rangdenken und die Oberflächlichkeit des Beamtentums. Der Mantel“ schließlich gilt vielleicht als die beste von Gogols Petersburger Erzählungen. Wir begleiten den armen, unscheinbaren Beamten Akatij Akakijewitsch, der etwa fünfzig Jahre alt ist. Als er bemerkt, dass sein alter Mantel völlig unbrauchbar geworden ist, spart er mühsam das Geld für einen neuen zusammen – sogar, indem er hungert. Der neue Mantel bringt ihm nicht nur Wärme und Freude, sondern auch endlich Anerkennung unter seinen Kollegen. Gogol kritisiert hier deutlich die Bürokratie, die nicht nur langsam und ineffizient ist, sondern vor allem die Schwachen und Armen benachteiligt. Am besten gefiel mir persönlich die letzte der drei Geschichten, da sie die emotionalste ist und das Schicksal des kleinen, unscheinbaren Menschen am eindringlichsten zeigt.

    13. Okt. 2025

3 von 8 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Nikolai Gogol

Nikolai Wassiljewitsch Gogol wurde 1809 in Welikije Sorotschinzy (Poltawa), Ukraine, geboren. Er zog 1828 nach St. Petersburg und versuchte sich zunächst als Beamter und Lehrer. Mit seinen ersten volkstümlichen Erzählungen Abende auf dem Gutshof bei Dikanka erwarb sich Gogol 1831/32 große Anerkennung. Seine legendären Petersburger Novellen, darunter Die Nase, Der Mantel und Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen gelten bis heute als Meisterwerke der Groteske. 1842 erschien Die toten Seelen, ein Werk, dessen verschiedene Fassungen und Fortsetzungen der Autor im Laufe seines Lebens immer wieder vernichtete, neu schrieb und zuletzt doch wieder vernichtete. Gogol starb 1852 in Moskau.

Lesen ist schöner mit der READO App.

Bücher entdecken, tracken, gemeinsam lesen.

Bibliothek

Behalte den Überblick