Aleksander wächst in der kleinen bosnischen Stadt Višegrad auf. Als der Krieg über Višegrad hereinbricht und die Familie fliehen muss, erweist sich Aleksanders Fabulierlust als ungemein nützlich: Rastlos neugierig erobert er sich diesen merkwürdigen Ort namens Deutschland, und mit unbändiger Lust erzählt er die irrwitzigen Geschichten von damals.
Saša Stanišić ist ein Meister der Erzählung und beweist hier einmal mehr, wie fantastisch er mit Sprache und Bildern spielen kann. Bisher hat jedes seiner Bücher 5 Sterne von mir bekommen - dieses allerdings einen halben weniger, weil die Geschichte doch so ihre Längen hat... ansonsten aber wieder ein wahres Lesevergnügen!
31. Jan. 2026
4,5
Saša Stanišić ist ein Meister der Erzählung und beweist hier einmal mehr, wie fantastisch er mit Sprache und Bildern spielen kann. Bisher hat jedes seiner Bücher 5 Sterne von mir bekommen - dieses allerdings einen halben weniger, weil die Geschichte doch so ihre Längen hat... ansonsten aber wieder ein wahres Lesevergnügen!
"Ist Propaganda nebenberuflich Künstlerin?, rufe ich von der Drina, mit einem Wels ringend. Der Wels trägt Schnurrbart und Brille, und Opa sagt: Propaganda ist der Name einer Märchenerzählerin."
Der Debutroman "Wie der Soldat das Grammofon repariert" von Sasa Stanisic ist eher zufällig in meinem SUB gelandet, als ich ihn in einem öffentlichen Bücherschrank fand. Den Autoren wollte ich schon länger einmal ausprobieren und das schöne bei Bücherschränken ist, wenn einem das Buch daraus nicht liegt, bringt man es einfach dorthin zurück. In diesem Fall hat mir das Buch jedoch so gut gefallen, dass ich es zwar in den Bücherschrank zurückgestellt habe, aber nur weil ich das Buch als Hardcover für mein Regal nachgekauft habe.
Es ist definitiv kein einfaches Buch - weder thematisch noch stilistisch. Der Autor hat ein großes Erzähltalent, das spürt man schnell, aber der Stil ist mitunter sehr anspruchsvoll und daher auch anstrengend, so dass ich schon das Gefühl hatte, dem Buch meine volle Aufmerksamkeit widmen zu müssen, zumal der Autor auch nicht immer chronologisch erzählt. Es ist definitiv kein Buch für Zwischendurch, kein Buch für einen zu vollgestopften Kopf, sondern ein Buch, für das ich Zeit, Muße und Ruhe brauchte. Und auch der spontane, aber eher sporadische und komplett ungezwungenge Austausch mit einer lieben Lesefreundin, die das Buch zu gleichen Zeit wie ich gelesen hat, hat mir persönlich sehr gut getan und mich durchhalten lassen und mir am Ende einen kleinen Schatz für das Bücherregal beschert.
Auch inhaltlich verlangt das Buch viel von mir, vor allem weil mir das geschichtliche Hintergrundwissen fehlt. Zur Zeit des Jugoslawienkrieges war ich zwar schon ein Teenie, habe mich aber nicht wirklich für die Politik in Europa und der Welt interessiert. Berührungspunkte hatte ich zu diesem Krieg "nur" durch unseren Nachbarn, der schon als junger Mann aus Kroatien nach Deutschland kam und Anfang der 90er Jahre seinen damals ca. 16 jährigen Neffen nach Deutschland geholt hat. Da der Autor in meinen Augen mir nicht so wirklich das nötige Hintergrund wissen vermitteln konnte, bin ich erst richtig gut in das Buch reingekommen, als ich mir eine dreiteilige Dokumentation über die damalige Situation auf dem Balkan angeschaut habe. Doch dann kannte meine Begeisterung keine Grenzen mehr. Neben - für mich nicht immer verständlichen Szenen- gab es nämlich auch immer mehr Szenen und Figuren, die mich mitten ins Herz getroffen haben und mit denen ich nicht gerechnet habe.
"Wie der Soldat das Grammofon repariert" ist ein Highlight, ohne ein wirkliches Highlight gewesen zu sein. Es ist anstrengend und ich bin mir sicher, dass ich nicht alles verstanden oder mitbekommen habe, weil mein Kopf manchmal zu müde war. Aber es ist ein Buch, das ich empfehlen kann und das man gelesen haben sollte, da es im Grundsatz leider viel zu aktuell ist und weil es den Wahnsinn und die Absurdität eines Krieges zeigt. Ein Buch, bei dem der Kloß im Hals immer dicker und dicker wird, so dass man ihn kaum herunterschlucken und schon gar nicht verdauen kann.
4. Aug. 2024
4,5
"Ist Propaganda nebenberuflich Künstlerin?, rufe ich von der Drina, mit einem Wels ringend. Der Wels trägt Schnurrbart und Brille, und Opa sagt: Propaganda ist der Name einer Märchenerzählerin."
Der Debutroman "Wie der Soldat das Grammofon repariert" von Sasa Stanisic ist eher zufällig in meinem SUB gelandet, als ich ihn in einem öffentlichen Bücherschrank fand. Den Autoren wollte ich schon länger einmal ausprobieren und das schöne bei Bücherschränken ist, wenn einem das Buch daraus nicht liegt, bringt man es einfach dorthin zurück. In diesem Fall hat mir das Buch jedoch so gut gefallen, dass ich es zwar in den Bücherschrank zurückgestellt habe, aber nur weil ich das Buch als Hardcover für mein Regal nachgekauft habe.
Es ist definitiv kein einfaches Buch - weder thematisch noch stilistisch. Der Autor hat ein großes Erzähltalent, das spürt man schnell, aber der Stil ist mitunter sehr anspruchsvoll und daher auch anstrengend, so dass ich schon das Gefühl hatte, dem Buch meine volle Aufmerksamkeit widmen zu müssen, zumal der Autor auch nicht immer chronologisch erzählt. Es ist definitiv kein Buch für Zwischendurch, kein Buch für einen zu vollgestopften Kopf, sondern ein Buch, für das ich Zeit, Muße und Ruhe brauchte. Und auch der spontane, aber eher sporadische und komplett ungezwungenge Austausch mit einer lieben Lesefreundin, die das Buch zu gleichen Zeit wie ich gelesen hat, hat mir persönlich sehr gut getan und mich durchhalten lassen und mir am Ende einen kleinen Schatz für das Bücherregal beschert.
Auch inhaltlich verlangt das Buch viel von mir, vor allem weil mir das geschichtliche Hintergrundwissen fehlt. Zur Zeit des Jugoslawienkrieges war ich zwar schon ein Teenie, habe mich aber nicht wirklich für die Politik in Europa und der Welt interessiert. Berührungspunkte hatte ich zu diesem Krieg "nur" durch unseren Nachbarn, der schon als junger Mann aus Kroatien nach Deutschland kam und Anfang der 90er Jahre seinen damals ca. 16 jährigen Neffen nach Deutschland geholt hat. Da der Autor in meinen Augen mir nicht so wirklich das nötige Hintergrund wissen vermitteln konnte, bin ich erst richtig gut in das Buch reingekommen, als ich mir eine dreiteilige Dokumentation über die damalige Situation auf dem Balkan angeschaut habe. Doch dann kannte meine Begeisterung keine Grenzen mehr. Neben - für mich nicht immer verständlichen Szenen- gab es nämlich auch immer mehr Szenen und Figuren, die mich mitten ins Herz getroffen haben und mit denen ich nicht gerechnet habe.
"Wie der Soldat das Grammofon repariert" ist ein Highlight, ohne ein wirkliches Highlight gewesen zu sein. Es ist anstrengend und ich bin mir sicher, dass ich nicht alles verstanden oder mitbekommen habe, weil mein Kopf manchmal zu müde war. Aber es ist ein Buch, das ich empfehlen kann und das man gelesen haben sollte, da es im Grundsatz leider viel zu aktuell ist und weil es den Wahnsinn und die Absurdität eines Krieges zeigt. Ein Buch, bei dem der Kloß im Hals immer dicker und dicker wird, so dass man ihn kaum herunterschlucken und schon gar nicht verdauen kann.
Ein ganz und gar poetisches Buch zu einem wichtigen Thema, das in unserer Gesellschaft schon wieder komplett vergessen wirkt. Mich hat es nur leider viel zu spät abgeholt.
Wir begleiten Aleksandr durch seine Kindheit vor und während dem Kriegsausbruch in Jugoslawien bis zu seiner Ankunft in Deutschland. Dort beginnt er in einem gesonderten Teil, schöne Geschichten über die Zeit vorher zu schreiben. Im dritten Teil des Buches begleiten wir ihn dann auf seine Reise in die Heimat, von der er poetisch schreibt, dass sie gar keine Heimat sein kann, wenn mehr als die Hälfte der Menschen fehlen.
Das Buch ist durch einen besonderen Schreibstil und einen ungewöhnlichen Aufbau gekennzeichnet. Einerseits ist es ein Teil dieses Zaubers, andererseits erschwerte es mir ein Bisschen das Verstehen des Buches. Denn eines ist klar: das Buch trieft voll Bedeutungsschwere!
Einmal durchgestiegen, las es sich dann bei Ruhe (!) auch ganz flott. Schade nur, dass so ein durch Vergessen bedrohtes Thema so poetisch verschlüsselt viele Lesende abschrecken könnte.
24. Juli 2025
1,5
Ein ganz und gar poetisches Buch zu einem wichtigen Thema, das in unserer Gesellschaft schon wieder komplett vergessen wirkt. Mich hat es nur leider viel zu spät abgeholt.
Wir begleiten Aleksandr durch seine Kindheit vor und während dem Kriegsausbruch in Jugoslawien bis zu seiner Ankunft in Deutschland. Dort beginnt er in einem gesonderten Teil, schöne Geschichten über die Zeit vorher zu schreiben. Im dritten Teil des Buches begleiten wir ihn dann auf seine Reise in die Heimat, von der er poetisch schreibt, dass sie gar keine Heimat sein kann, wenn mehr als die Hälfte der Menschen fehlen.
Das Buch ist durch einen besonderen Schreibstil und einen ungewöhnlichen Aufbau gekennzeichnet. Einerseits ist es ein Teil dieses Zaubers, andererseits erschwerte es mir ein Bisschen das Verstehen des Buches. Denn eines ist klar: das Buch trieft voll Bedeutungsschwere!
Einmal durchgestiegen, las es sich dann bei Ruhe (!) auch ganz flott. Schade nur, dass so ein durch Vergessen bedrohtes Thema so poetisch verschlüsselt viele Lesende abschrecken könnte.
Saša Stanišić wurde 1978 in Višegrad (Jugoslawien) geboren und lebt seit 1992 in Deutschland. Seine Werke wurden in mehr als vierzig Sprachen übersetzt und viele Male ausgezeichnet. Saša Stanišić lebt und arbeitet in Hamburg. Er ist dort Fußballtrainer einer F-Jugend.