Jeden Tag, während Cushla Lavery ihrer alkoholkranken Mutter das Frühstück macht, sich im Garten mit dem Nachbarn unterhält, ihre Grundschüler unterrichtet oder in der Bar ihrer Familie aushilft, werden die Toten und die Verletzten gezählt. Es ist 1975, und in Belfast eskaliert der Bürgerkrieg. Die katholischen Laverys betreiben ihren Pub in einer überwiegend protestantischen Vorstadt. Sie müssen vorsichtig sein – ein falsches Wort, schon findet man sich auf einer Todesliste wieder. In diesem »Höllenloch« gibt es vieles, was man besser nicht tut. Sich in einen verheirateten Mann verlieben, der nicht nur ein wohlhabender, angesehener Prozessanwalt ist, sondern auch noch Protestant. Sich einmischen, wenn ein Schüler schikaniert und sein Vater fast totgeprügelt wird. Gegen jede Vernunft beginnt Cushla eine leidenschaftliche Affäre mit dem deutlich älteren Michael Agnew, gegen jede Vernunft setzt sie sich für den kleinen Davy ein – und bezahlt einen hohen Preis.
Louise Kennedys international gefeierter Roman erzählt von einer tief gespaltenen Gesellschaft, von einem Konflikt, dessen Wunden bis heute nicht geheilt sind, von Menschen, die versuchen, inmitten täglich stattfindender Gewalt ein normales Leben zu führen. Ein herzzerreißendes, bittersüßes, unvergessliches Buch.
Der Einstieg fiel mir unwahrscheinlich schwer, erst im Mittelteil hab ich angefangen, es gerne zu lesen. Thematisch spannend, Umsetzung empfand ich als solala. Das Ende war hingegen stark!
23. Feb. 2026
3,0
Der Einstieg fiel mir unwahrscheinlich schwer, erst im Mittelteil hab ich angefangen, es gerne zu lesen. Thematisch spannend, Umsetzung empfand ich als solala. Das Ende war hingegen stark!
Beklemmende Geschichte einer jungen Frau 1975, in der Nähe von Belfast, wo alles private auch politisch war bzw. Privatsphäre nicht gestattet wurde.
Cushla Lavery ist Lehrerin und lebt mit ihrer alkoholkranken Mutter zusammen, der Vater lebt nicht mehr, der Bruder hat den Pub der Familie übernommen.
Jeden Tag werden die Toten und Verletzten gezählt, einzig die Konfession eines Menschen bestimmt seinen gesellschaftlichen Wert.
Das Buch hat mich gefesselt, sprachlos und wütend gemacht. Keine leichte Kost, aber auf jeden Fall lesenswert.
24. Feb. 2024
4,0
Beklemmende Geschichte einer jungen Frau 1975, in der Nähe von Belfast, wo alles private auch politisch war bzw. Privatsphäre nicht gestattet wurde.
Cushla Lavery ist Lehrerin und lebt mit ihrer alkoholkranken Mutter zusammen, der Vater lebt nicht mehr, der Bruder hat den Pub der Familie übernommen.
Jeden Tag werden die Toten und Verletzten gezählt, einzig die Konfession eines Menschen bestimmt seinen gesellschaftlichen Wert.
Das Buch hat mich gefesselt, sprachlos und wütend gemacht. Keine leichte Kost, aber auf jeden Fall lesenswert.
Belfast, 1975: Die 24-jährige Cushla lebt als Katholikin in einem überwiegend von Protestant*innen bewohnten Vorort. Jedes Wort, das sie sagt, jede Geste, selbst ihre Kleidung kann sie in Schwierigkeiten bringen, denn der Bürgerkrieg steht kurz vor der Eskalation. Trotzdem schreckt Cushla nicht vor der größten aller Übertretungen zurück: An einem Abend, an dem sie eine Schicht in der Bar ihrer Familie übernimmt, lernt sie den deutlich älteren, verheirateten und protestantischen Prozessanwalt Michael Agnew kennen - und verliebt sich in ihn. Neben dieser heimlichen Affäre fällt Cushla auch in ihrem Hauptberuf als Lehrerin an einer katholischen Grundschule auf als sie sich Davy annimmt, der aus ärmlichen Verhältnissen kommt.
Louise Kennedy erzählt in ihrem Debütroman "Übertretung", übersetzt durch Claudia Glenewinkel und Hans-Christian Oeser, von einer Protagonistin, die in einem bis heute nicht verwundenen Konflikt aufwächst und versucht, zwischen Regeln und Unterdrückungen ihren eigenen Weg zu gehen. Hinter jeder Ecke lauert in diesem Roman Gefahr, jedes Kapitel beginnt mit der - teils sehr explizit beschriebenen - Gewalt, die in den Nachrichten wiedergegeben wird und die Cushla immer näher kommt, bis sie schließlich unausweichlich für sie wird. Cushla lebt in einem Spannungsfeld zwischen einer alkoholkranken Mutter, um die sie sich kümmert, einem Bruder, der sie stets bevormundet, einer verbotenen und (vermeintlich) geheimen Liebesaffäre und einem kleinen, in Armut lebenden Jungen, dem sie unbedingt helfen möchte. Dieser Drahtseilakt lässt sich nicht immer gut lesen und kommt auch nicht ganz ohne Wiederholungen in der Mitte des Buches aus. Die Lesenden erfahren viel über den Konflikt zwischen Katholik*innen und Protestant*innen in Nordirland, das Buch regt ständig zum selbst recherchieren an und bietet so einen Einblick in ein Stück Zeitgeschichte, mit dem ich mich persönlich bislang wenig beschäftigt habe. Von mir gibt es eine Leseempfehlung!
30. März 2024
4,0
Belfast, 1975: Die 24-jährige Cushla lebt als Katholikin in einem überwiegend von Protestant*innen bewohnten Vorort. Jedes Wort, das sie sagt, jede Geste, selbst ihre Kleidung kann sie in Schwierigkeiten bringen, denn der Bürgerkrieg steht kurz vor der Eskalation. Trotzdem schreckt Cushla nicht vor der größten aller Übertretungen zurück: An einem Abend, an dem sie eine Schicht in der Bar ihrer Familie übernimmt, lernt sie den deutlich älteren, verheirateten und protestantischen Prozessanwalt Michael Agnew kennen - und verliebt sich in ihn. Neben dieser heimlichen Affäre fällt Cushla auch in ihrem Hauptberuf als Lehrerin an einer katholischen Grundschule auf als sie sich Davy annimmt, der aus ärmlichen Verhältnissen kommt.
Louise Kennedy erzählt in ihrem Debütroman "Übertretung", übersetzt durch Claudia Glenewinkel und Hans-Christian Oeser, von einer Protagonistin, die in einem bis heute nicht verwundenen Konflikt aufwächst und versucht, zwischen Regeln und Unterdrückungen ihren eigenen Weg zu gehen. Hinter jeder Ecke lauert in diesem Roman Gefahr, jedes Kapitel beginnt mit der - teils sehr explizit beschriebenen - Gewalt, die in den Nachrichten wiedergegeben wird und die Cushla immer näher kommt, bis sie schließlich unausweichlich für sie wird. Cushla lebt in einem Spannungsfeld zwischen einer alkoholkranken Mutter, um die sie sich kümmert, einem Bruder, der sie stets bevormundet, einer verbotenen und (vermeintlich) geheimen Liebesaffäre und einem kleinen, in Armut lebenden Jungen, dem sie unbedingt helfen möchte. Dieser Drahtseilakt lässt sich nicht immer gut lesen und kommt auch nicht ganz ohne Wiederholungen in der Mitte des Buches aus. Die Lesenden erfahren viel über den Konflikt zwischen Katholik*innen und Protestant*innen in Nordirland, das Buch regt ständig zum selbst recherchieren an und bietet so einen Einblick in ein Stück Zeitgeschichte, mit dem ich mich persönlich bislang wenig beschäftigt habe. Von mir gibt es eine Leseempfehlung!
30. März 2024
3 von 19 Rezensionen
Autorin / Autor
Über Louise Kennedy
Louise Kennedy wuchs in der Nähe von Belfast auf. Bevor sie mit dem Schreiben begann, arbeitete sie fast dreißig Jahre lang als Köchin in Irland und Beirut. 2021 erschien von ihr ein Band mit Short Stories The End of the World is a Cul de Sac, das von der Presse enthusiastisch aufgenommen wurde (u.a. war es Sunday Times Book of the Year) und die Autorin mit einem Schlag in der englischsprachigen Welt bekannt machte. Übertretung (»Trespasses«) ist ihr erster Roman.