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Wir haben uns in der Bibliothek getroffen und sollten Lerngruppen bilden. Es war voll der Krampf, wir hatten so ungefähr nichts gemeinsam. Ihre Eltern sind Steuerberater und Anwälte, und meine sind im Garten begraben.
Marnie ist 15 Jahre alt, ihre Schwester Nelly ist 12 Jahre alt, als sie kurz vor Weihnachten ihre Eltern im Garten begraben. Damit beginnt die Geschichte und man ist direkt mittendrin. Der Vater lag schon eine Weile tot im Bett, die Mutter hat sich in der Gartenhütte erhängt. Analytisch überlegen die Schwestern, wie mit der Situation umzugehen ist, da sie auf keinen Fall in Obhut genommen und getrennt werden möchten. Sowohl Mutter als auch Vater hatten mit Suchtproblemen zu kämpfen, weshalb die Schwestern sich sehr oft selbst überlassen waren. Daher beschließen sie, dies einfach so weiterzuführen und ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Die Abwesenheit der Eltern fällt zuerst dem älteren Nachbarn Lennie auf, der nach dem Tod seines Partners allein lebt. Er akzeptiert die Geschichte der Mädchen, dass die Eltern Urlaub in der Türkei machen, aber er glaubt sie nicht. Da ihm die Mädchen leidtun, nimmt er sie unter seine Fittiche, bekocht sie und kümmert sich wie ein Großvater. Bei ihm erfahren die Geschwister zum ersten Mal Geborgenheit, Zuneigung und Anteilnahme. Als eines Tages der leibliche Großvater der Geschwister auftaucht und nach seiner Tochter sucht und Lennies Hund anfängt Leichenteile auszubuddeln, gerät das mühsam aufgebaute Lügenkonstrukt in Gefahr. Die Autorin greift zu einem außergewöhnlichen Stil, um die Geschichte zu erzählen. Sie wechselt ständig die Perspektive zwischen Marnie, Nelly und Lennie. Dadurch wechselt auch ständig die Sprache. Von der burschikosen, desillusionierten, hochbegabten Marnie zur sensiblen, musikalischen, beobachtenden Nelly weiter zum sorgenden, beschützenden Lennie. In kurzen, tagebuchartigen Kapiteln baut sich Spannung auf. Man taucht mit der oft derben, sehr direkten Sprache ein in das Viertel des sozialen Brennpunkts in Glasgow, wo Drogen und Gewalt das Leben der Einwohner prägen. Der Roman ist schonungslos, bedrückend, bitter, hoffnungsvoll, knallhart. Man balanciert zwischen lachen und weinen, ist verstört und bezaubert. Die Geschichte fesselt am Anfang und gegen Ende – dazwischen lockert sich der Spannungsfaden ein wenig. Die Figuren sind glaubwürdig und lebensnah gezeichnet, so dass man alles glaubt, was passiert – sei es auch noch so grotesk. Ich habe sehr gern am Leben von Marnie, Nelly und Lennie teilgenommen. Habe gerne verfolgt, wie sie miteinander kämpfen, wie sie zusammenwachsen und füreinander einstehen. Wie sie die Familie werden, die man sich aussucht.
12. Feb. 2026
Wir haben uns in der Bibliothek getroffen und sollten Lerngruppen bilden. Es war voll der Krampf, wir hatten so ungefähr nichts gemeinsam. Ihre Eltern sind Steuerberater und Anwälte, und meine sind im Garten begraben.
Marnie ist 15 Jahre alt, ihre Schwester Nelly ist 12 Jahre alt, als sie kurz vor Weihnachten ihre Eltern im Garten begraben. Damit beginnt die Geschichte und man ist direkt mittendrin. Der Vater lag schon eine Weile tot im Bett, die Mutter hat sich in der Gartenhütte erhängt. Analytisch überlegen die Schwestern, wie mit der Situation umzugehen ist, da sie auf keinen Fall in Obhut genommen und getrennt werden möchten. Sowohl Mutter als auch Vater hatten mit Suchtproblemen zu kämpfen, weshalb die Schwestern sich sehr oft selbst überlassen waren. Daher beschließen sie, dies einfach so weiterzuführen und ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Die Abwesenheit der Eltern fällt zuerst dem älteren Nachbarn Lennie auf, der nach dem Tod seines Partners allein lebt. Er akzeptiert die Geschichte der Mädchen, dass die Eltern Urlaub in der Türkei machen, aber er glaubt sie nicht. Da ihm die Mädchen leidtun, nimmt er sie unter seine Fittiche, bekocht sie und kümmert sich wie ein Großvater. Bei ihm erfahren die Geschwister zum ersten Mal Geborgenheit, Zuneigung und Anteilnahme. Als eines Tages der leibliche Großvater der Geschwister auftaucht und nach seiner Tochter sucht und Lennies Hund anfängt Leichenteile auszubuddeln, gerät das mühsam aufgebaute Lügenkonstrukt in Gefahr. Die Autorin greift zu einem außergewöhnlichen Stil, um die Geschichte zu erzählen. Sie wechselt ständig die Perspektive zwischen Marnie, Nelly und Lennie. Dadurch wechselt auch ständig die Sprache. Von der burschikosen, desillusionierten, hochbegabten Marnie zur sensiblen, musikalischen, beobachtenden Nelly weiter zum sorgenden, beschützenden Lennie. In kurzen, tagebuchartigen Kapiteln baut sich Spannung auf. Man taucht mit der oft derben, sehr direkten Sprache ein in das Viertel des sozialen Brennpunkts in Glasgow, wo Drogen und Gewalt das Leben der Einwohner prägen. Der Roman ist schonungslos, bedrückend, bitter, hoffnungsvoll, knallhart. Man balanciert zwischen lachen und weinen, ist verstört und bezaubert. Die Geschichte fesselt am Anfang und gegen Ende – dazwischen lockert sich der Spannungsfaden ein wenig. Die Figuren sind glaubwürdig und lebensnah gezeichnet, so dass man alles glaubt, was passiert – sei es auch noch so grotesk. Ich habe sehr gern am Leben von Marnie, Nelly und Lennie teilgenommen. Habe gerne verfolgt, wie sie miteinander kämpfen, wie sie zusammenwachsen und füreinander einstehen. Wie sie die Familie werden, die man sich aussucht.
12. Feb. 2026







