Blick ins Buch

Romane

Das schönste aller Leben

4,3(138)
Sofort lieferbarKostenloser Versand
Jetzt kaufen

Über das Buch

Kurz nach dem Sturz der Diktatur flieht Vio mit ihren Eltern aus dem rumänischen Banat nach Deutschland. Trotz aller Widerstände findet Vio ihren Platz in der Gesellschaft. Als jedoch Jahre später ihre zweijährige Tochter bei einem Unfall Narben davonträgt, droht sie, an ihren Selbstvorwürfen zu zerbrechen. Im 18. Jahrhundert muss Theresia einen hohen Preis dafür zahlen, als begehrenswert zu gelten. Sie gerät ins Visier der Keuschheitskommission, wird entrechtet und verschleppt. Beiden Frauen ist die Banater Erde eingeschrieben, die zwischen den Jahrhunderten ein Band aus Schmerz und Schönheit spinnt.

Editionen (2)

ISBN9783742437488
VerlagDer Audio Verlag
Erscheinungsdatum17.02.26

Rezensionen & Bewertungen

138 Bewertungen

50 Rezensionen

4,3

Tippen zum Filtern

  • magdas_buecherwelt
    magdas_buecherwelt

    666 Follower

    5,0

    Den Debütroman von Betty Boras „Das schönste aller Leben“ habe ich sehr gern gelesen. Es ist die Geschichte von Vio und ihrer Vorfahrin Theresia, die im 18. Jahrhundert im rumänischen Banat gelebt hatte. Vio ist als Kind mit ihren Eltern aus Rumänien nach Deutschland gekommen. Sie stammen von den Banater Schwaben ab, die sich vor dreihundert Jahren in Rumänien angesiedelt hatten. Wir begleiten Vio durch ihre Kindheit in Deutschland. Ihre Eltern sprechen einen auffälligen Dialekt und kleiden sich anders als „die Hiesigen“. Der Vater arbeitet in einer Fabrik, die Mutter in einer Bäckerei. Vio ist sehr gut in der Schule und wechselt nach der Grundschule aufs Gymnasium, danach studiert sie Lehramt. Als ihre kleine Tochter zwei Jahre alt ist, passiert ein Unglück, nach dem das Kleinkind Narben im Gesicht davonträgt. Für Vio bricht eine Welt zusammen, sie verfällt in Depressionen. Zum einen gibt sie sich die Schuld für den Unfall, zum anderen glaubt sie, dass es für eine Frau bzw. ein Mädchen unheimlich wichtig sei, schön zu sein. Wie oft haben ihre Eltern mit ihrer hübschen Enkelin geprahlt, wie oft wurde ihre Schönheit von anderen bewundert. Vio glaubt, dass ihre Tochter mit Narben im Gesicht kaum noch Chancen hat, zu heiraten, Kinder zu bekommen, glücklich zu werden. Vios Vorfahrin Theresia kannte ihren Vater nicht, ihre Mutter hat sie früh verloren. Nach ihrem Tod wurde das kleine Mädchen von einer Familie im Dorf aufgenommen, die einen gleichaltrigen Sohn hatte. Hans und Theresia wuchsen wie Geschwister auf, bis sich Hans in die schöne Theresia verliebt hatte. Doch diese hatte ihr Herz bereits an einen anderen verloren, von dem sie schwanger wurde. Theresias Schicksal wird von der Keuschheitskommission besiegelt, die sie ins Banat verbannt. Die Kapitel erzählen abwechselnd Vios und Theresias Geschichte. Zwischendurch erzählt uns die Banater Erde ihre Geschichte. Vio war mir nicht durchgehend sympathisch, oft drehten sich ihre Gedanken im Kreis: Um ihre Schuld am Unfall und die dadurch zerstörten Zukunftsperspektiven ihrer Tochter. In der Therapie erfährt sie, dass ihre Depressionen genetisch bedingt sind. Vio hatte als 13jährige eine depressive Episode, als sie gegen die beginnende Skoliose ein Korsett tragen musste. Einige Jahre später hat sie sich geweigert, eine Zahnspange zu tragen – noch ein Opfer wollte sie um der Schönheit willen nicht bringen. Der Schreibstil von Betty Boras ist poetisch und bildhaft, ich konnte mich gut in die Protagonistinnen versetzen. Beide Geschichten haben mich sehr berührt, der Neubeginn in Deutschland brachte Erinnerungen in mir hoch, da auch ich als Kind meine Heimat verlassen musste. Ein gelungener Debütroman, für den ich fünf Sterne vergebe und den ich gerne weiterempfehle.

    8. März 2026

  • jtk_0701
    jtk_0701

    344 Follower

    4,5

    Ich folge Betty Boras schon seit einiger Zeit auf Instagram, weil ich ihre Rezensionen gerne lese und ihr Lesegeschmack meinem ähnlich ist. Natürlich war ich neugierig auf ihren Roman, aber gleichzeitig auch etwas zurückhaltend. Ich fragte mich, wie es für mich wäre, wenn ihr Buch mich nicht vollständig erreichen würde. Ich kann auf jeden Fall sagen, diese Zweifel waren unbegründet. Es gefällt mir unglaublich gut! In diesem Roman geht es um zwei Frauen, allerdings auf drei Ebenen erzählt. Eine davon ist Vio als junges Mädchen. Aus dieser Perspektive lernen wir Violas Vergangenheit, ihre Eltern und Großeltern näher kennen. Sie ist in Rumänien geboren, wuchs im Banat auf und ist nach dem Sturz der Diktatur gemeinsam mit ihren Eltern nach Deutschland geflohen. Anpassen, fleißig sein und nicht auffallen ist die Devise. Die nächste Erzählebene stammt ebenfalls von Viola, jedoch aus der Gegenwart und wird aus der Ich-Perspektive erzählt, als Mutter einer zweijährigen Tochter. Diese Tochter hat Vios Glück vervollständigt, bis ein Unfall die vollkommene Schönheit ihrer Tochter bedroht und Vio innerlich an ihren Selbstvorwürfen zerbricht. Der letzte Erzählstrang handelt von Theresia, einer Frau aus dem 18. Jahrhundert. Diese ist sie gezwungen, Österreich zu verlassen und sich im Banat niederzulassen. Zwischendurch meldet sich auch die Banater Erde und erzählt anschaulich ihre Geschichte aus einer sehr mütterlichen Sicht. Dieses Buch hat eine unglaubliche Sogkraft. Die unterschiedlichen Perspektiven erzeugen eine so große Spannung, dass ich nur so durch die Seiten geflogen bin. Alle Frauen in diesem Buch waren so interessante gezeichnet und so gut miteinander verwoben, dass ich ihnen meine vollste Aufmerksamkeit schenken wollte. Ich hatte beim Lesen die ganze Zeit eine melancholische Stimmung gespürt, die jedoch nicht zu bedrückend war. Ich konnte so vieles nachvollziehen, die Schönheitsideale, die uns von der Gesellschaft aufgezwungen werden und die wir in uns tragen, auch wenn wir denken, nicht „so oberflächlich“ zu sein. Auch wie stark unsere eigenen Erfahrungen unser Leben prägen. Das Gefühl, als Mutter versagt zu haben und die Anpassung eines Menschen, der nicht in dem Land geboren ist, in dem er aufwächst. Hier ist Schönheit aber nicht nur ein Segen, denn Theresia wird diese Schönheit zum Verhängnis. Neid und Missgunst ihrer Mitmenschen führen dazu, dass sie ihr geliebtes Leben in Wien aufgeben muss. Ein sehr warmes Buch über Herkunft, Schönheitsideale und Muttersein. Für mich eine absolute Leseempfehlung und ein gutes Debüt und ich hoffe, es kommen noch weitere Bücher von Betty Boras. S.33 „Wir lesen das Buch zu Ende, am Schluss vertraut sich das Mädchen seinen Eltern an und erkennt, dass es auf die inneren Werte ankommt. Leider erbärmlich unrealistisch. Ja, natürlich sind die inneren Werte wichtiger, aber solange die Gesellschaft weiterhin nach äußeren beurteilt, nützt diese Erkenntnis nichts und bleibt eine hohle Phrase.“ S.110 „Eine Schwangere, die dick wurde und wie ein Hefekloß aufging und Pickel bekam, trug eher ein Mädchen aus, das der Mutter die Schönheit nahm. Als meine Tochter geboren wurde, hörte meine Oma auf, mich „meine Schöne“ zu nennen, die Anrede ging fließend auf sie über. So hatte sie mir meine Schönheit wirklich genommen, und ich gönnte es ihr von Herzen.“ S.152 „Ich hatte noch nie eine besonders starke Verbindung zu meiner Identität, meinem inneren Kern. Mein Ich hat sich angepasst. Es ist wachsam für die Wünsche und Träume anderer gewesen, hat sie aufgenommen, sich angeeignet, sie in Worte umgewandelt, die wie meine klingen sollen. Hauptsache, nicht auffallen, nicht anders sein.“

    17. Feb. 2026

  • frauatze
    frauatze

    110 Follower

    5,0

    Tolles Debüt

    Ich hatte große Erwartungen an das Buch, weil es im Vorfeld so stark beworben wurde. Und natürlich Angst, dass diese Erwartungen nicht erfüllt werden könnten. Erzählweise, Sprache und die Geschichte haben meine Erwartungen jedoch noch übertroffen! Auf zwei Erzählebenen begegnen wir zwei starken Frauenfiguren, Theresia, die etwa im 19. Jahrhundert im Banat, in Rumänien lebt und Viola, die zur jetzigen Zeit lebt. Beide erleben Schicksalsschläge, die man nicht vergleichen kann, die jedoch etwas gemeinsam haben. Das eigene Aussehen, die Schönheit, und deren Umgang und deren Erwartungen und Folgen. Viola möchte das „schönste aller Leben“ für ihre Tochter ist damit doch auch gefangen in ihrer eigenen Erziehung, denn „was sollen denn die Nachbarn denken“ zieht sich wie ein roter Faden von Theresias Anschuldigungen der Keuschheitskommission bis ins Jetzt zu Viola. Betty Boras schreibt poetisch, kraftvoll und so voller Wärme und Kraft, dass mir warm ums Herz wurde. Ihr Sprachstil hat mich sehr an Iris Wolff erinnert, die ich sehr schätze. Es bleiben viele Dinge, die nachhallen und eine Geschichte, die mit einer Linde einen Kreis schließt, ein gelungenes Debüt!

    1. März 2026

3 von 50 Rezensionen

SocialReads

Seitenbasierte Kommentare

Seite 104%
books.and.libraries
books.and.libraries14. März 2026

Der Prolog ist schon sehr heftig. Ich war mir nicht sicher, ob ich ihn brutal ehrlich oder einfach unmöglich finde.

Seite 5322%

1 Kommentar verdeckt

Seite 6527%

1 Kommentar verdeckt

Seite 10042%

1 Kommentar verdeckt

Seite 10644%

1 Kommentar verdeckt

9 weitere SocialReads-Kommentare in der App, sortiert nach deinem aktuellen Fortschritt.

Autorin / Autor

Über Betty Boras

Betty Boras, geboren 1984 in Arad/Rumänien, kam als Kind nach Deutschland. Sie studierte Germanistik, Philosophie und Spanisch in Tübingen, arbeitet als Gymnasiallehrerin und lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in der Nähe von Stuttgart. »Das schönste aller Leben« ist ihr Debüt.

Lesen ist schöner mit der READO App.

Bücher entdecken, tracken, gemeinsam lesen.

Bibliothek

Behalte den Überblick